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Eine Wissenschaft für sich » Wie man Blogs wissenschaftlich korrekt zitiert | Werkstattnotiz XLII

4. Dezember 2007 | 08:30 Gelesen: 140223 · heute: 26 · zuletzt: 14. November 2018 16 Reaktionen

Die Wissenschaft ist eine hohe Kunst. Jede Disziplin hat ihre eigene Terminologie, ihre eigenen Regularien und Distinktionscodes entwickelt, in die man als Student des jeweiligen Fachs sukzessive eingeweiht wird. Freilich gibt es auch übergreifende Standards: so lernt jeder Erstsemester, daß er zu Vorlesungen bei denen hinter der Uhrzeit ein "c.t." steht, erst 15 Minuten später erscheinen muß. Und spätestens bei der ersten Seminararbeit wird den künftigen Akademikern klargemacht, daß in der Wissenschaft vieles erlaubt, aber korrektes wissenschaftliches Zitieren unabdingbar ist…1

Ich habe schon an verschiedenen Stellen einige Anmerkungen zur Problematik wissenschaftlichen Zitierens gemacht. Denn welche Quellen, auf welche Weise zitiert werden, ist keineswegs beliebig. Daß aber – das lehren die vielen einschlägigen Plagiatsfälle – in jedem Fall die Ursprungsquelle anzugeben ist, ist ein Gebot der wissenschaftlichen Redlichkeit.

Sind Wikipedia und Blogs überhaupt legitime wissenschaftliche Quellen?

Ein anderer Streitfall betrifft die Frage, welche Quellen überhaupt zitationswürdig sind. Bei Fachbüchern und Zeitschriftenartikeln braucht man hier nicht zu diskutieren, aber die seit Jahren geführte Debatte, ob etwa Wikipedia-Artikel überhaupt im wissenschaftlichen Kontext herangezogen werden dürfen, illustriert, daß man hier sehr schnell vermintes Gelände betritt. Zur Wikipedia-Zitations-Kontroverse werde ich mich demnächst detaillierter äußern. Wie verhält es sich aber mit Blogs? Eine einfache Frage und eine ebenso einfache Antwort: es kommt darauf an. ;-)

Wenn es Alternativen zu Zitaten aus Blogs bzw. Wikis gibt, so sind diese (Print-)Quellen immer vorzuziehen.

Nach meinem Verständnis sollte nämlich klar sein, daß selbst eine Seminararbeit, die ihre Informationen lediglich aus Blogs bezieht, den erforderlichen Standards nicht genügt. Grundsätzlich gilt: wenn zu einer bestimmten Frage gedruckte und "seriöse" Publikationen vorliegen, so sind diese den Onlinetexten immer vorzuziehen. Wenn aber bspw. aktuelle Themen berührt sind, zu denen es noch keine oder nur unzureichende (Fach-)Publikationen gibt, dann ist sowohl die Wikipedia, als auch die Blogosphäre ein legitimer Referenzpunkt. Und wenn in einer Arbeit Blogs oder Wikis der Untersuchungsgegenstand sind, es also eine Arbeit über Blogs oder das Web 2.0 ist, dann sind Verweise und Zitate ohnehin statthaft und notwendig.

Dabei gilt es aber immer zu beachten, daß man die Glaubwürdigkeit der (Blog-)autoren kritisch überprüft. Wenn man auf dem Blog seines Professors einen aktuellen Text findet, dann hat dieser mehr Gewicht, als ein Blogpost eines Autors, der nur unter einem Pseudonym in Erscheinung tritt.

Wie man richtig aus Blogs zitiert

In allen Fällen ist aber eine korrekte und einheitliche Zitationsweise notwendig. Daß man auch diese Regeln für das Zitieren von Blogs sehr akribisch und detailverliebt aufschlüsseln kann, zeigt dieses Kapitel des Buchs "Citing Medicine. The NLM Style Guide for Authors, Editors, and Publishers" von Karen Patrias. Hier werden 30 und mehr verschiedene Varianten aufgelistet und erörtert, was im Ergebnis für mehr Unklarheit und weniger Übersicht sorgt. (Hier die Systematk der Zitierbeispiele.) Dennoch lohnt ein kurzer Blick auf die betreffenden Webseiten.2

Abgesehen von dieser etwas übereifrigen Darstellung und den irrsinnig vielen Beispielen, weist die Autorin durchaus auf die relevanten Aspekte hin:3

Wissenschaftliches Zitieren1.gif

Zu überlegen ist auch tatsächlich, ob man den Publikationsort (also den im Impressum angegeben Aufenthaltsort des Autors) ebenfalls mit angeben soll.4 Hier in der Wissenswerkstatt habe ich ja in der linken Seitenleiste jeweils hausinterne Zitationshinweise angegeben. Wer auf die Textzeile [Diesen Artikel zitieren?] klickt, bekommt eine Variante angezeigt, die ich für empfehlenswert und auch auf andere Blogs übertragbar halte.

Was sollte also ein korrektes Blogzitat beinhalten?

  1. Den Namen des Autors,
  2. ggf. die Jahreszahl in Klammern,
  3. den Titel des zitierten Blogartikels,
  4. Name des Weblogs (ergänzt durch den Hinweis in eckigen Klammern, daß es sich um ein Weblog handelt),
  5. das Datum der Veröffentlichung / Einstelldatum,
  6. den Permalink,
  7. das Abrufdatum.

Für diesen Artikel sähe das dann folgendermaßen aus:

  • Scheloske, Marc (2007): Eine Wissenschaft für sich » Wie man Blogs wissenschaftlich korrekt zitiert | Werkstattnotiz XLII. In: Wissenswerkstatt [Weblog], 4 Dez. 2007.
    Online-Publikation: http://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/04/ eine-wissenschaft-fuer-sich-wie-man-blogs-wissenschaftlich-korrekt-zitiert-werkstattnotiz-xlii/.
    Abrufdatum: ??.??.????

Wenn man sich an dieser Form orientiert, sollte man auf der sicheren Seite sein.

 


Links:

  • Patrias, Karen (2007): Citing medicine: the NLM style guide for authors, editors, and publishers [Internet]. 2nd ed. Wendling, Daniel L., technical editor. Bethesda (MD): National Library of Medicine (US); 2007 [2007, 12-03]. Available from: http://www.nlm.nih.gov/citingmedicine 

Weiterführende Literaturempfehlungen zum wissenschaftlichen Arbeiten:

 

 

  1. Und Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. ;-) []
  2. Quelle: Patrias, Karen. Citing medicine: the NLM style guide for authors, editors, and publishers [Internet]. 2nd ed. Wendling, Daniel L., technical editor. Bethesda (MD): National Library of Medicine (US); 2007 [2007, 12-03]. Available from: http://www.nlm.nih.gov/citingmedicine. []
  3. Abbildung ebenfalls der Website http://www.nlm.nih.gov/citingmedicine entnommen. []
  4. Darauf verzichte ich persönlich bislang. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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