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Tödliche Verwechslungen I » Schlamperei bei der Narkose: Anästhesierisiken | Werkstattnotiz LIV

8. Januar 2008 | 09:17 Gelesen: 13876 · heute: 3 · zuletzt: 23. October 2018 3 Reaktionen

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  1. Tödliche Verwechslungen I » Schlamperei bei der Narkose: Anästhesierisiken | Werkstattnotiz LIV
  2. Tödliche Verwechslungen II » Ratespiele beim Lesen der Krankenakte: Mißverständliche Abkürzungen | Werkstattnotiz LV

Vitalzeichen_01.jpgWer sich in ärztliche Behandlung begibt, hat dafür zumeist einen guten Grund. Und meist ist es ja auch ratsam die Beschwerden von einem Fachmann abklären zu lassen – in manchen Fällen wäre es allerdings besser gewesen, die Betroffenen hätten sich den Gang zum Arzt oder in die Klinik gespart: denn erst grobe Behandlungsfehler sorgen für Schäden, die vielfach schlimmer sind als das ursprüngliche Leiden.

Und manchmal sind es – wie man aktuell in der ZEIT lesen kann – schlicht Verwechslungen oder Vertrotteltheit des Personals, wenn am Ende Patienten die Klinik schwer geschädigt oder im Leichenwagen verlassen.1

Nach Expertenschätzung führen in Deutschland jedes Jahr 40-50 Narkosefehler zum Tod. Die Dunkelziffer dürfte allerdings höher liegen.

Jede Narkose ist per se ein riskantes Unterfangen. Die Anästhesisten sind freilich gut ausgebildet und weisen genug Routine auf, so daß – wenigstens was die Narkose betrifft – jährlich Millionen Patienten ihre Operation unbeschadet überstehen. Dennoch kommt es immer wieder zu dramatischen Zwischenfällen.

Fachleute rechnen mit jährlich 40-50 Todesfällen, die auf Narkosefehler zurückzuführen sind. Wie eine Untersuchung des Anästhesisten Volker Wenzel und seines Kollegen Holger Herff von der Medizinischen Universität Innsbruck zeigt, wurden in 10% der Fälle die Patienten irrtümlich mit Lachgas statt mit Sauerstoff beatmet.2 Wie es soweit kommen kann?

Mal hatten Techniker im Keller des Krankenhauses die Lachgastanks versehentlich an die Sauerstoffversorgung gestöpselt, ein anderes Mal hatte jemand den Überblick im Schlauchgewirr einer Herz-Lungen-Maschine verloren oder ein Narkosegerät nach der Wartung falsch zusammengeschraubt.

Es sind also haarsträubende Pannen, die schlichte Verwechslung von Schläuchen, die am Ende zum Tod von Patienten führen. Irritierend ist aber, daß es zu diesen Fällen offenbar keine offiziellen Erhebungen und fachlichen Studien gibt. Volker Wenzel wußte aus seiner Arbeit von solchen Unfällen und war verwundert, daß er nur vereinzelt in Tageszeitungen davon las. Die Dunkelziffer schätzt er allerdings deutlich höher als diese 10% ein, denn eine lernsensitive Fehlerkultur gebe es in der Medizin nicht:

»Die Medizin ist nach wie vor obrigkeitshörig«, sagt der Arzt. »Fehler werden nicht, wie in der Luftfahrt üblich, offen diskutiert. Wir haben hier eine hausgemachte Katastrophe bei Narkosen in geplanten Eingriffen, und wir reden noch nicht mal drüber.«

Über die Tatsache, daß nach Wartungs- oder Reparaturarbeiten an Narkosegeräten kein Sicherheitscheck vorgeschrieben ist, kann man freilich nur fassungslos mit dem Kopf schütteln.

 


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  1. Die Abbildung [oben rechts] stammt von User "bjearwicke" bei stock.xchng []
  2. Zwar ist der medizinische Gebrauch von Distickstoffmonoxid, wie Lachgas korrekt heißt, leicht rückläufig, aber dieses klassische Narkosegas mit seiner schmerzstilllenden Wirkung ist nach wie vor Standard in der Anästhesie. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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