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Rückkehr von den Gipfeln der Verzweiflung » Tocotronic vor ihrer Kapitulation

19. April 2007 | 21:30 Gelesen: 10436 · heute: 2 · zuletzt: 12. December 2017 9 Reaktionen

Soeben flattert mir der Tocotronic-Newsletter in den Briefkasten und das gibt mir Anlaß und Gelegenheit eine erste kurze Notiz zu den musizierenden Herrschaften aus Hamburg zu verfassen.1 Was seit geraumer Zeit2 die Spatzen von den Dächern pfeifen ist somit nun auch offiziell bestätigt: der Sommer 2007 hält für die Fangemeinde einige Highlights bereit – im Einzelnen: Buch, Platte, Tour.

Aber der Reihe nach: vorgestern, also am 17. April 2007 hat Dirk von Lowtzow in Köln sein Buch vorgestellt, das ‘Dekade 1993-2007’ betitelt ist. Über Sinn und Bedeutung der Ausweitung des Jahrzehnts auf stattliche 15 Jahre dürften dereinst die Exegeten rätseln – versammelt sind auf 112 Seiten Songtexte und weiteres Material, das der werte Graf zusammen mit einigen Weggefährten und/oder befreundeten Künstlern zusammengestellt hat.3

Ein Datum, das fett im Kalender markiert werden will, ist der 6. Juli 2007 – an diesem Tag erscheint das neue Album von Tocotronic, das den verheißungsvollen Titel "Kapitulation" tragen wird.4 Man darf also mehr als gespannt sein, in welche Richtung sich der tocotronische Musik- und Diskurskosmos weiterentwickeln wird. Nach zuletzt vernehmbaren Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Entwicklungen und Fragestellungen5 ist möglicherweise eine stärker politische Ausrichtung und Akzentuierung denkbar. Oder ist das Etikett ‘Kapitulation’ genau als das Gegenteil zu lesen, also als weitere Distanzierung von Realität und eindeutig dechiffrierbaren Aussagen? Wird also das Netz aus Sinn und Zeichen, das Tocotronic mit ‘Pure Vernunft darf niemals siegen‘ ausgeworfen hatten, weitergesponnen? Die Antwort gibt das Album in erfreulicherweise schon 3 Monaten. 

Zuvor sind Tocotronic allerdings schon auf einigen Festivalbühnen zu sehen – natürlich beim ‘Immergut’ in Neustrelitz, das wieder mit einem ausgezeichneten Programm zu glänzen weiß,  außerdem u.a. auch in Passau, leider jedoch am Pfingstwochenende, so daß ich selbst auch nicht anwesend sein kann. Für all diejenigen, die sich nicht vor die Festivalbühnen dieser Republik quetschen lassen wollen, steht allerdings eine Clubtour im Herbst in Aussicht.

Zuletzt darf ich noch auf ein umfangreiches Interview mit Jan, Dirk, Arne und Rick verweisen, das in drei Teilen nun auf Tocotronix zu lesen ist; in ausgesprochen offener und entspannter Art und Weise geben Tocotronic Auskunft zu Bandleben, Live-Auftritten, Songwriting und dem bekanntermaßen nicht unambivalenten Verhältnis zu ihren Fans. Gleichzeitig werden auch jede Menge ‘private’ Details ausgeplaudert und so erfährt man bspw., daß Dirk von Lowtzow erst seit zwei Jahren Mails schreibt und nutzt, was von seinen Bandkollegen freilich reichlich amüsiert kommentiert wird. Oder man erfährt, daß Dirk aktuell die tatsächlich höchst wunderbare Platte ‘69 Love Songs‘ von den Magnetic Fields6 hört und davon mehr als angetan ist. Für Tocotronic-Fans ist das Interview sicherlich Pflichtlektüre. [Die Tourdaten sind ebenfalls auf Tocotronix.de abrufbar!]

Zum Abschluß hier noch ein Mitschnitt vom Hamburger Reeperbahnfestival, auf dem Tocotronic zum ersten Mal ihr neues Lied ‘Verschwör Dich gegen Dich’ vor Publikum spielen:

  1. Ich bin – kleine Randnotiz – durchaus überrascht, daß es nun doch einige Wochen gedauert hat, bis der erste Artikel zur Hamburger Band geschrieben werden wollte. []
  2. bspw. hier und hier []
  3. Die Presseinfo liest sich folgendermaßen: "Dirk von Lowtzow, singer and songwriter of the German band Tocotronic publishes in this book his collected song lyrics from the last 14 years. Dirk von Lowtzow invited his artist friends Cosima von Bonin, Sergej Jensen, Michael Krebber and Henrik Olesen to participate in this publication. The layout of the book has been developed in collaboration with Cosima von Bonin. All artists contribute colour plates of a special selection of works as an hommage to the band." []
  4. Und ab sofort hier vorbestellbar ist. []
  5. Was, bedenkt man die selbstauferlegte Zurückhaltung der Band in den ersten Jahren ihres Bestehens, durchaus bemerkenswert ist. []
  6. Die Magnetic Fields sind das Bandprojekt von Steve Merrit, der auf 3 CDs tatsächlich die gesamte Bandbreite an denkbaren Liebesliedern versammelt und einen mit seinem sanften Bariton immer wieder verzaubert. Unbedingte Kaufempfehlung! []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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