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US-Wahlkampf: Die Siegchancen politischer Schwergewichte | Werkstattnotiz 122

14. Oktober 2008 | 18:35 Gelesen: 8615 · heute: 2 · zuletzt: 20. September 2017 5 Reaktionen

Es sind nun noch genau drei Wochen bis in den USA endlich gewählt wird. Der Wahlkampf wird vermutlich nochmal an Fahrt aufnehmen und überraschende Wendungen in der Auseinandersetzung zwischen den beiden Lagern sind nicht auszuschließen, momentan aber stehen alle Zeichen auf Regierungswechsel.

Zumindest sehen die aktuellen Umfragen einen deutlichen Vorteil bei den Demokraten. Und Barack Obama darf sich durchaus schon einmal überlegen, wie er das Oval Office in einigen Wochen einrichten wird.1 Wer stets auf dem Laufenden bleiben möchte, in welchen Bundesstaaten die Lage schon recht klar entschieden ist und welche Staaten bislang keine eindeutige Präferenz abliefern, ist mit der folgenden Karte wunderbar bedient.

Hier sieht man, daß zwar flächenmäßig die Republikaner vorne liegen (rot markierte Staaten), aber die Staaten mit den meisten Wahlmännern derzeit den Demokraten zuneigen.2

 

Die Masse macht’s

Ist die US-Wahl etwa nur ein Schaukampf, bei dem der größere und schwerere Kandidat gewinnt?

Aber vielleicht könnte man sich als Beobachter des Wahlkampfs auch ganz entspannt zurücklehnen – denn möglicherweise steht es ohnehin schon fest, wer am 4. November siegreich aus der US-Präsidentschaftswahl hervorgeht.

Nein, der Wahlausgang steht garantiert nicht in den Sternen. Aber eventuell ist es wieder einmal die politische Sprache, die uns mehr über bestimmte politisch-psychologische Mechanismen verrät, als wir glauben. Denn ist nicht immer die Rede von “politischen Schwergewichten”? Und wird nicht immer über angebliche “Leichtmatrosen” gelästert?

Genau! Und bei diesen Redewendungen handelt es sich keineswegs um subtile Metaphern. Es ist schlicht und einfach das meßbare Körpergewiocht und die Größe, worauf der politische Volksmund anspielt und er hat meist recht damit. Denn, wie diese kleine Auswertung der New York Times zeigt (die Jürgen Schönstein entdeckt hat): seit 1896 hatten sehr häufig die größeren (17:8) und die schwereren (18:8) Kandidaten die Nase vorn.

Insofern sollte es wirklich eine klare Angelegenheit für Barack Obama werden. Er kann einem fast Leid tun, John McCain, armer kleiner, unwählbarer alter Mann…


  1. Gibt es – muß ich mal ganz naiv fragen – IKEA eigentlich auch in den USA? Ob Obama dann im IKEA-Katalog blättert, um sich Anregungen zu holen? []
  2. Die Übersicht läßt sich übrigens wunderbar in das eigene Blog einbinden und wartet stets mit aktuellen Zahlen auf. Gefunden habe ich die Wahl-Landkarte bei Alis zoon politikon. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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Kommentare

5 Reaktionen »

  • kamenin :

    Gibt es – muß ich mal ganz naiv fragen – IKEA eigentlich auch in den USA?

    Nie Fight Club gesehen? ;-)

    [twort T]

  • Marc :

    Das deute ich mal als “Ja”?! Denn – ich muß gestehen – “Fight Club” kenne ich tatsächlich nur vom Hörensagen. Nehmen die einen IKEA auseinander? Oder werden IVAR-Bestandteile als Schlagwerkzeug mißbraucht? Hmmm… werde mir den Film wohl doch ansehen müssen.

    [twort T]

  • DerOli :

    “John McCain, armer kleiner, unwählbarer alter Mann…”

    Danke, habe herzlich gelacht. die Sache mit der Größe scheint ja auch bei Bewerbungsgesprächen und Gehaltsverhandlungen zu ziehen. Stellt sich nur die Farge warum Obama seinen Gegner im Fernsehduell nicht “kleiner Mann” nennt. Sonst werden ja auch alle Register gezogen.

    [twort T]

  • Marc :

    @Oli:

    Oh, fein, freut mich, wenn ich zum Amüsement beitrage. Und da ich es bitterernst meine, ist das noch feiner.

    Und bezüglich der Korrelation zwischen Körpergröße und Gehalt bzw. überhaupt dem Geschick bei Verhandlungen, hast Du natürlich recht. Und bei Obama vs. McCain denke ich, daß es gar nicht nötig ist, dieses Thema explizit zu thematisieren. Es reicht schon, wenn Obama beim Abschlußphoto nach dem Duell neben McCain steht – dort wird der Größenunterschied von ganz alleine deutlich.

    [twort T]

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