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Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes & Links – 13

3. September 2007 | 12:51 Gelesen: 5931 · heute: 2 · zuletzt: 26. June 2017 2 Reaktionen

Fundstuecke_01c.jpgVollkommen unbeabsichtigt ist eine Woche Blogabstinenz vorübergegangen; die beiden Gründe: zunächst die Leichtathletik-WM, die einen Großteil meiner Zeit absorbiert hat und dann eine lästige Bindehautentzündung. Und mit einer Conjunctivitis setzt man sich nicht freiwillig vor den Laptop. Passiert ist in der Blogosphäre dennoch etwas, deshalb hier die  überfälligen Querverweise.

Vorab aber noch zwei Gedanken zu den Leichtathletikweltmeisterschaften in Osaka. Wer mich kennt, ist wohl kaum verwundert, daß dieses Sportgroßereignis das Einzige ist, dem ich größere Aufmerksamkeit widme. Daß ich damit allerdings einer Randgruppe angehöre, ist mir dieses Jahr aber zum ersten Mal aufgefallen. Zwar hatte ich hier bereits einige Überlegungen zur abnehmenden Medienrelevanz der Leichtathletik angestellt, aber dennoch hat es mich überrascht, welch geringe Resonanz die weltbesten Sprinter, Springer und Werfer zumindest in den deutschen Medien hervorrufen.

ARD und ZDF berichten zwar brav viele stundenlang, inspiriert ist das aber alles nicht. Wenigstens hielten sich fehlerhafte Moderatorenkommentare diesmal in Grenzen. Man bemüht sich. Wenn man sich aber die Darstellung etwa im führenden Onlinemedium „SpiegelOnline“ ansieht, so zeigt sich einmal mehr: die Leichtathletik ist das ungeliebte Stiefkind des Sportjournalismus geworden. Wenn ein Athlet bzw. eine Athletin eine Goldmedaille erringt, dann wird dies für 2-3 Stunden in den Rang einer Meldung erhoben, dann ist aber auch wieder gut. Alles andere, selbst die Entscheidung im 100-m-Lauf findet in den Fußnoten statt. Sehr erstaunlich.

Zweite Anmerkung: Obwohl ich ja die These vertrete, daß die Leichtathletik eine ehrliche und transparente Sportart ist,1 wurde in erschreckender Weise deutlich, daß auch in der Leichtathletik leider die Maxime gilt: solange das Eingeständnis von Dopingfällen nicht unvermeidlich ist, wird das Problem weggelächelt.

Man kann nur noch mit dem Kopf schütteln: noch bei der WM vor 2 Jahren wurden die Dopingproben für bestimmte Zeit aufbewahrt, um ggf. eine Nachprüfung (unter Nutzung verbesserter Analystik) vorzunehmen. Dieses Jahr, im Jahr 2007 der großen Dopingdiskussion, werden zwar über 1.000 Tests durchgeführt,2 aber die Proben werden nach der ersten Analyse vernichtet, anstatt in 2-3 oder mehr Jahren auf Wachstumshormone etc. zu testen. Die Liste der scheinheiligen Manöver der IAAF und ihrer Dopinginstanzen ließe sich weiter fortsetzen. Es bleibt nur zu hoffen, daß etwa der Deutsche Leichtathletikverband, der sich in dieser Frage seit einiger Zeit einigermaßen löblich verhält, weiterhin auf einen harten Kurs insistiert. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben, daß das Problembewußtsein selbst bei altgedienten IAAF-Funktionären nicht doch noch irgendwann aufkeimen könnte.

Nun aber zu den Links….

 


»1. Schon gut zehn Tage alt, aber dennoch noch lesenswert, ist ein Interview, das Thees Uhlmann für den Blog „Jackpot Baby!“ gegeben hat. Sicher keines der großen Interviews, aber so viel Neues habe zumindest ich nicht von Thees und Tomte gehört. Und so erfährt man nebenbei, daß man auch als Indierockstar mittlerer Prominenz das Hotelzimmer besser nicht im Stil von Keith Richards demoliert. Die Minibar wird – so ist zu lesen – nicht aus dem Fenster geworfen.

Ich glaube, wenn so was passiert ist das ein Zeichen von Schwäche. Das ist nicht mein Style. Ich quäle die Leute lieber psychisch. Für so ein „Oh, ich hab grade vor 50.000 Menschen gespielt, ich trink jetzt mal Wodka-Redbull und fang an meinen Backstage-Raum zu zerlegen!“, dafür ist für mich ein Festivalauftritt einfach zu sehr ein Privileg und zu viel positive Energie im Spiel. Diese 80er-Jahre Möetly Crue Rock’n’Roll-Mythen interessieren mich auch einfach nicht. Natürlich ist das geil wenn fünf nackte Frauen vor dir liegen und was von dir wollen. Aber andere Sachen finde ich wesentlich radikaler und wesentlich nachhaltiger, es ist halt eine andere Welt geworden.

 


»2.  Ganz aktuell gibt es einen spannenden Artikel bei Spreeblick zu lesen, der sich der Beantwortung der Frage annähert, ob ein „linker Neoliberalismus“ denkbar wäre. Anlaß ist offenbar ein Essay von Mercedes Bunz, die sich mit dieser Thematik beschäftigt. Einerseits stellt sich freilich die Frage, was die gute Frau Bunz neben ihrem Tagesspiegel-Engagement noch so alles bewerkstelligt, andererseits, ob sich die beiden Begriffe nicht doch ausschließen. Wobei: es liegt – jedenfalls meinem ersten Verdacht zufolge – am Präfix „Neo-„; denn: „links“ und „liberal“ gehen sehr wohl zusammen.

Malte skizziert seine Überlegungen in der Sache allerdings sehr kurzweilig und treffend; so erfährt man en passant einiges über die heutige Abiturientengeneration:

…ich habe einmal einer Abiturientin Nachhilfe gegeben in Geschichte. Kurz vor ihrer Prüfung schaute sie zu mir auf und fragte, aufrichtig auf eine kurze und klare Antwort hoffend: Ist Kommunismus gut oder schlecht?

Entwaffenend, entlarvend und ehrlich. Hübsch. Es werden von Malte aber auch die richtigen Fragen gestellt, so etwa:

War Jesus Christus ein Linker oder ein mitfühlender Konservativer? Sind die Taliban links? Stalin? Mao? Der iranische Präsident mit dem langen Namen? Gerhard Schroeder? Die Jakobiner?

Und seine Antwort lautet? Das verrät Malte zwar nicht explizit, seine Forderung ist aber auf alle Fälle bedenkenswert:

Es gab einmal einen Wert, der genauso wichtig war wie Sicherheit. Karl May hat ihn erfunden: Er hieß Freiheit. Diesen Begriff gilt es zurück zu erobern aus den Händen von Guido Westerwelle. (…)

Der freie, zum selbständigen Denken angeleitete Geist ist Menschenrecht. Diesen Geist kann man nicht per Dekret verfügen. Diesen Geist muss man atmen lassen. Konkret heißt das für Deutschland: Schulpolitik soll Bundessache sein, der Wähler soll wissen, wer verantwortlich ist. Die lernende Gesellschaft muss sich dadurch manifestieren, dass Lehrer besser bezahlt, Klassen verkleinert und die Schulen von Begehrlichkeiten der Wirtschaft frei gehalten werden.

  • Spreeblick: Der linke Neoliberalismus – Versuch einer Konkretisierung, 2.9.2007
  • Mercedes Bunz: Linker Neoliberalismus – Was könnte das sein? Und warum eigentlich? Spinnen die? [Download als PDF] 

 


»3. Trotz gewisser Handicaps, konnte ich es auch letzte Woche nicht lassen, ein wenig durch die Blogosphäre zu stöbern. Dabei bin ich auf eine kurze Notiz von Robert Basic gestoßen, der ein spontanes Bloggertreffen in München anregte. Am kommenden Mittwoch und Donnerstag, 5.+6.9.2007, findet in der bayerischen Landeshauptstadt die Medienkonferenz „Media in Transition“ statt.

Als Konferenzausklang ließe sich da – so Roberts Idee – ein wenig Blogtratsch und -austausch gut einbauen. In einem Anflug jugendlichen Leichtsinns habe ich mich kurzerhand bereiterklärt, meine Kneipen- und Barkenntnisse mit in die Organisation einzubringen. Maßgabe: Blog-Small-Talk-taugliche Location. Inzwischen haben sich ca. 35 Personen angemeldet. Mein WG-Wohnzimmer als Ausweichquartier herzunehmen, fällt dann wohl flach. ;-)

Kleinere Bars fallen somit auch weg. Und von mir präferierte Clubs wie die Favoritbar oder etwa das nette „Für Freunde“ kommen auch nicht in Frage. Aber ich habe meine Fühler natürlich schon ausgestreckt; wobei es nicht ganz einfach ist, denn es soll – so Roberts Wunsch – ein wenig münchnerisch und nicht schickeriamäßig sein. Mit letzterem täte ich mich ohnehin schwer. Aber nicht wenige originär münchnerisch-bayerische Lokale mißfallen mir persönlich, da dort oftmals ein derber Umgangston des Personals gepflegt wird. Wenn man sich nicht sicher sein kann, ob man nun Gast ist oder doch eher als störend und lästig empfunden wird, so ist das nicht der Ort meiner Wahl.

Aber es gibt ja auch Ausnahmen… näheres folgt wohl in wenigen Stunden. Und Beginn des Blogtreffens ist am Donnerstag, 6.9. – ab 19.30 Uhr.


»4. Abschließend, ohne viel Kommentare, hier ein kleiner Vorgeschmack auf die  DVD „Heima“ der isländischem Postrockband „Sigur Rós„. Die DVD ist noch nicht erschienen, aber Klänge und Bilder sind – wie zu erwarten war3 – mehr als vielversprechend:

 

 

 


 

 

  1. Da die Leistungen schlicht eindeutig feststellbar sind und auch im Verhältnis zu früheren (möglicherweise unter anderen Bedingungen erzielten) Rekorden eingeordnet werden können. []
  2. Wobei man auch hier nicht oft genug darauf hinweisen kann, daß es v.a. auf unangemeldete Trainingskontrollen im Vorfeld der Saisonhöhepunkte ankommt. Aber das interessiert bei den Verantwortlichen fast niemanden. []
  3. Und hier und hier auch bemerkt wurde. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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