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Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes & Links – 07

9. August 2007 | 17:19 Gelesen: 8784 · heute: 5 · zuletzt: 21. August 2017 3 Reaktionen

Fundstuecke_01c.jpg"Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?" – so fragte Rudi Carrell schon 1975 in seinem kleinen Erfolgshit und wir lernen daraus: früher war es mindestens genauso leicht wie heute, mit mittelklassigen Popsongs die Charts zu erstürmen und auch damals war die Mentalität des "Früher war alles besser" sehr weit verbreitet. Dabei – ich gestehe – hatte Carrells Adaption des Goodman-Hits "City of New Orleans" durchaus Charme.1 Und manchmal ertappe auch ich mich bei Erinnerungen an frühere Sommer, die jedenfalls in der Retrospektive ab Juni bis weit in den September hinein durch pausenlos blauen Himmel und Temperaturen um die 30°C zu entzücken wußten. War es nicht so? ;-)

Menschlich freilich, daß man in der Erinnerung so einiges verklärt. Die Sommer waren heißer, der Schnee türmte sich alljährlich zu riesigen Bergen und überhaupt war alles viel besser, schneller, intensiver.2 Und heute ist alles schal?

Naja, Blödsinn. Wenn man aber immerhin um den täuschungsanfälligen Mechanismus der Mnemonik, also der Abspeicherung von und Wiedererinnerung an Erlebtes, weiß, so ist somit schon einiges gewonnen. Wahr ist übrigens auch, daß Rudi Carrell zwar erhebliches Nerv- und Wegschaltpotential hatte, allerdings auch seine unbestreitbaren Qualitäten aufwies. Er mag – wie häufig zu lesen war – ein akribischer Arbeiter und hartgesottener Fernsehmacher gewesen sein, der Mitarbeiter nicht selten harsch anfuhr. In den Monaten vor seinem Tod ist er mir allerdings mehrmals als sehr herzlicher und reflektierter Mensch aufgefallen. Vielen mag sein beeindruckender Auftritt in Erinnerung sein, als er im Februar 2006 mit der "Goldenen Kamera" für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Und Carrell – würdevoll und als Entertainer nie größer als in diesem Moment – ersparte seinem Publikum nichts: er präsentierte sich von seiner schweren Krebserkrankung gezeichnet und sorgte mit seinen sarkastisch-ironischen Seitenhieben auf Pharmaindustrie, Tod und Sterblichkeit für einen unvergeßlichen Auftritt.

Und drei Monate vor Carrells Tod erschien im SZ-Magazin ein Interview, das hiermit nochmals herzlich zu Re-Lektüre empfohlen sei:

 


»1. Für die nächsten Tage ist ja nun durchwachsenes Mischwetter angekündigt. Gibt es sowas? "Mischwetter"? Den deutschen Mischwald gibt es ja auch, wenngleich Forstleute und Botaniker diesen Begriff offenbar nur selten verwenden, dafür erfinden sog. Waldsoziologen so schöne Wortungetüme wie "Elsbeeren-Eichen-Hainbuchenwald" (lat. Galio-carpinetum), wo ich dann ehrlicherweise doch den Mischwald vorzöge. Ein hübscher durch verschiedene Laub- und Nadelgewächse gebildeter Mischwald bietet dem Auge einfach mehr Abwechslung als monoton-serieller Wuchs. Genauso ist es beim Wetter und insofern oute ich mich hier wiederholt als Liebhaber des Halbschattens. Zwar wünsche ich, nur in seltenen Fällen von herabstürzenden Gewittergüßen auf freiem Feld überrascht zu werden, aber tagein, tagaus dieselbe strahlende Sonne vorzufinden, die erbarmungslos alles niederbrennt, muß nun wirklich nicht sein. Da halte ich es doch mehr mit Thomas Mann, der den Reiz südlicher Gefilde durchaus zu schätzen wußte, aber dem seine Lübecker Gewöhnung an Mentalität der Leute und Launen des Wetters doch zeitlebens anzumerken blieb.

Und beschrieb es Thomas Mann nicht vollkommen unübertreffbar in seinem kleinen Lehrstück "Mario und der Zauberer"? Dort schildert Mann die Begebenheiten eines Sommerurlaubs in Torre, einem Badeort am Tyrrhenischen Meer und er dokumentiert detailgenau die Strandszenerie:"(…) es wimmelt von zeterndem, zankendem, jauchzendem Badevolk, dem eine wie toll herabbrennende Sonne die Haut von den Nacken schält (…)", um schließlich festzustellen:

Die Hitze war unmäßig, soll ich das anführen? Sie war afrikanisch: die Schreckensherrschaft der Sonne, sobald man sich vom Saum der indigoblauen Frische löste, von einer Unerbittlichkeit, die die wenigen Schritte vom Strande zum Mittagstisch, selbst im bloßen Pyjama, zu einem im voraus beseufzten Unternehmen machten. Mögen Sie das? Mögen Sie es wochenlang? Gewiß, es ist der Süden, es ist klassisches Wetter, das Klima erblühender Menschheitskultur, die Sonne Homers und so weiter.

Aber nach einer Weile, ich kann mir nicht helfen, werde ich leicht dahin gebracht, es stumpfsinnig zu finden. Die glühende Leere des Himmels Tag für Tag fällt mir bald zur Last, die Grellheit der Farben, die ungeheure Naivität und Ungebrochenheit des Lichts erregt wohl festliche Gefühle, sie gewährt Sorglosigkeit und sichere Unabhängigkeit von Wetterlaunen und -rückschlägen; aber ohne daß man sich anfangs Rechenschaft davon gäbe, läßt sie tiefere, uneinfachere Bedürfnisse der nordischen Seele auf verödende Weise unbefriedigt und flößt auf die Dauer etwas wie Verachtung ein.

Diese Erzählung sei ebenfalls zur Sommerlektüre empfohlen, alternativ sind natürlich auch andere kleine Fingerübungen von Thomas Mann immer dazu geeignet, einen Nachmittag im Liegestuhl aufzuwerten. Und als Hörbuch wird "Mario und der Zauberer" übrigens äußerst ansprechend von Will Quadflieg gelesen.

 


»2. Weg von der schönen Literatur, hin zur spröden Volkswirtschaftslehre und den verschiedenen Modellen des menschlichen Verhaltens. Es ist ja so – gleichviel, ob man sich als akademischer Psychologe oder zu Hause am Küchentisch mit den Spielarten menschlicher Verhaltensweisen beschäftigt – , daß man dabei stets implizite Grundannahmen darüber hat, nach welchen Präferenzen Individuen ihre Handlungen ausrichten. In den seltensten Fällen wird man hier bloße Zufälligkeit konstatieren wollen, sondern beurteilt beobachtbares Verhalten gemäß bestimmten Kriterien: war Verhalten X rational gemäß den Präferenzen A, B und C?

Und falls wir Widersprüche feststellen, so wird versucht, diese zu erklären oder zumindest zu verstehen. Wer irrational handelt, hatte zumindest eine schwere Kindheit und ist somit aus dem Schneider?

Einer der wirkmächtigsten Ansätze ist das Modell des "Homo Oeconomicus", womit sich die gestrige FAZ in einem interessanten Artikel beschäftigt:3

"Die Welt der Ökonomen war lange beherrscht vom Modell des Homo oeconomicus. Dieser handelt strikt rational und eigennützig, um seinen individuellen Nutzen zu maximieren. Den Terminus Homo oeconomicus hat der Soziologe Vilfredo Pareto vor gut 100 Jahren eingeführt. (…) In den meisten Analysen von Wettbewerbssituationen lieferte dieses Modell auch sehr brauchbare Ergebnisse. In manchen Situationen aber erwiesen sich die Vorhersagen als falsch."

Es ist zwar nicht mein Fachgebiet und die soziologischen und psychologischen Vorlesungen zu dieser Thematik liegen schon einige Jahre zurück, aber ich bin dennoch erfreut, daß offenbar der Münchner Professor Klaus Schmidt die Schwachpunkte des Modells benennt. Denn Kooperation kann innerhalb des "Homo Oeconomicus" immer nur über den Umweg einer Zusatzannahme bzw. die Rational-Choice-Theorie erklärt werden. Denn erst, wenn die jeweiligen Akteure sich bewußt sind, daß sie in einem zukünftigen Tausch- und Kooperationsakt eventuell selbst vom Entgegenkommen profitieren könnten, wird Kooperation denkbar. Aber Emotionen oder eine Verhaltensweise, die durch Altruismus motiviert ist, kann schlicht nicht integriert werden.

Fairness und kollektive Zusammenarbeit ohne direkt auf eigene Vorteile bedacht zu sein, sind aber weiter verbreitet, als die Theorie wahrhaben will. Und Schmidt und seine Kollegen versuchen, diese Defizite der gängigen Ansätze zu korrigieren.

„Unsere einfache Annahme ist, dass viele Menschen eine Ungleichheitsaversion haben.“ (…) „Offenbar gibt es eine tiefe kulturelle Verankerung der Gleichheits-Präferenzen“, sagt Schmidt, „zugleich hängt aber die Kultur sehr stark von den ökonomischen Bedingungen ab.“

Schmidt gesteht zwar zu, daß das Homo-Oeconomicus-Modell eine hohe Erklärungskraft habe, aber dennoch nicht unkritisch angewandt werden dürfe. Der gesamte Artikel ist freilich sehr lesenswert.

 

 


»3. Zurück zu den Künsten und zur aktuellen Popmusik: Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, daß sich v.a. in den beiden kanadischen Zentren Montreal und Toronto seit einigen Jahren eine aktive und produktive musikalische Szene etabliert hat. Letztes Jahr hatte sich etwa David Bowie als Fan der kanadischen Neo-Folk-Rock-Band "Arcade Fire" geoutet und für das München-Konzert des phantastischen Klangkollektivs liegt meine Karte auch schon abholbereit beim Ticketdealer.

Aber "Arcade Fire" sind nur die aktuell populärsten Vertreter einer ganzen Palette an Bands, die allesamt eine eigenständige Art von Popmusik pflegen. Hier sind die "Hidden Cameras" genauso zu nennen, wie "The Dears" oder "Broken Social Scene". Und diese oftmals miteinander befreundeten und kooperierenden Bands und Künstler sind nun Gegenstand einer zehnteiligen Serie in Benedikts Poplog. Man darf gespannt sein, ob etwa die Solokünstlerin Leslie Feist (die vor gut 2 Jahren mit dem herrlichen Album "Let it die" verzückte) oder Owen Pallett aka. Final Fantasy in den Top Ten auftauchen.

Linktipps:

Plattentipps:

 


»4. Mit einer anderen Top-Ten-Liste bereichert der Spreeblick das aktuelle Hitlistensammelsurium. Für all diejenigen, die mit ihrer Sommerlektüre bereits durch sind oder noch einer Anregung bedürfen, werden zehn handverlesene Empfehlungen geboten. Eine kurze pointierte Würdigung, dann noch ein augenzwinkernder Tipp, welches Reiseziel besonders geeignet scheint, rundet den Artikel ab. Auf Platz 1 – wobei diese Rangfolge wohl keine Wertung darstellt – befindet sich Thomas Bernhards "Holzfällen" – Reiseempfehlung: Kleinstädte, Österreich. Inhalt/Bewertung:

Wie der fluchen kann, dachte ich in meinem Ohrensessel. Wie der fluchen kann! Und er flucht über alles: Über die Verlogenheit der Wiener „Kunstszene“, über den Burgschauspieler, über Künstler an sich, über Österreich. Über sich selbst. 

Auf den anderen Plätzen tummeln sich u.a. Simone de Beauvoir mit "Die Mandarins von Paris" oder Gabriel Garcia Marquez mit "Die Liebe in Zeiten der Cholera".
 

 


»5. Nun aber nochmal zurück in die Wissenswerkstatt respektive in die heiligen Hallen der universitären Wissenschaft. Bereits zweimal hatte ich mich an dieser Stelle mit wissenschaftlichen Plagiaten beschäftigt. Der Reiz, die eigene wissenschaftliche Arbeit durch die Übernahme von fremden Gedanken aufzuwerten, scheint aber ungebrochen. Dabei sind es nicht nur studentische Haus- oder Abschlußarbeiten, die vornehmlich dadurch auffallen, daß z.T. über viele Seiten wörtliche Zitate aus anderer, aber nicht erwähnter Quelle abgedruckt sind.

Der Fall des Berliner Juraprofessors Hans-Peter Schwintowski, der es auch in seinen Standardwerken mit dem Verweis auf die eigentlichen Urheber nicht so genau nahm, wurde detailliert dargestellt. Nun rekonstruiert SpiegelOnline einen weiteren erstaunlichen Fall: der Ökonom Hans-Werner Gottinger steht in der Kritik, weil er in mehreren Fällen in Fachartikeln in dreister Weise plagiiert hat. Der erste nun beanstandete Artikel datiert aus dem Jahr 1993 und bestand über große Strecken lediglich im Copy&Paste eines Artikels des Wissenschaftlers Frank Bass aus dem Jahr 1980.

Aber es kommt noch toller: als der Schwindel aufflog, versuchten die Herausgeber der internationalen Fachjournale den Wissenschaftler Hans-Werner Gottinger zu kontaktieren. Natürlich wollten sie eine Stellungnahme und eine Erklärung – allerdings stellte sich heraus, daß er bei den Forschungsinstituten oder Universitäten in Maastricht oder Osaka, die er als Referenzadresse angegeben hatte, nie beschäftigt war. Mehr als erstaunlich, wenn man bedenkt, daß Gottinger, der heute 63 Jahre alt ist, immerhin vorübergehend eine durchaus ansehnliche Karriere machte – 1988 wurde er sogar Direktor eines Fraunhofer-Instituts für "Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen". Hier darf man also auch gespannt sein, ob die Ermittlungen weitere Verfehlungen des Forschers zutage fördern.4

 


»6. Vollkommen redlich und ohne sich mit fremden Federn zu schmücken, geht die Arbeit in der Wissenswerkstatt vor sich. Aufmerksame Leser wissen, daß die Werkstatt von einem Sozialwissenschaftler betrieben wird, dessen Arbeitsschwerpunkte im Bereich der Technik- und Wissenschaftssoziologie liegen. In den Jahren 2005 und 2006 habe ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Kollegen des "Süddt. Instituts für empirische Sozialforschung (sine)" eine Studie im Auftrag der EU-Kommission erarbeitet, deren Gegenstand die Praktiken der Risikokommunikation in verschiedenen EU-Ländern waren.5 Leider sind freilich die Stellen im Feld der Umwelt- und Techniksoziologie sehr rar gesät. Um nicht weiter darauf zu warten, daß sich irgendein glücklicher Zufall ereignet und das Angebot einer 1/2-Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Universität oder einem Forschungsinstitut ins Haus flattert, bin ich gerade dabei, selbst den Antrag auf ein Forschungsprojekt zu erarbeiten.

Insider kennen vermutlich den Förderschwerpunkt "Sozial-ökologische Forschung" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Hier wurden in den letzten Jahren bereits einige spannende Projekte unterstützt. Nun gibt es ganz aktuell eine Ausschreibung zur "Förderung interdisziplinär arbeitender Nachwuchsgruppen" in diesem Gebiet. Frist zur Abgabe der Antragsskizzen ist der 30. September 2007 und ich bin gerade dabei, eine mögliche Fragestellung zu präzisieren und v.a. noch einen Mitstreiter bzw. gerne eine Mitstreiterin zu suchen.

Zunächst geht es eben darum, bis in 6-7 Wochen einen kurzen, tragfähigen Förderantrag für eine sog. Nachwuchsgruppe zu stellen. Wenn dieser bewilligt wird, geht das Projekt in eine ca. einjährige Vorphase, in der dann ein detailliertes Projektkonzept erarbeitet werden soll, das in den folgenden 4 Jahren Arbeitsgrundlage ist. Also: zuerst Antrag auf Förderung in der Vorphase (ca. 1 Jahr), danach Hoffnung auf Förderung in der Hauptphase (max. 4 Jahre). In der Vorphase können natürlich nur geringe Sach- und Personalausgaben veranschlagt werden, mehr als 1-2 Personen dürften hier nicht zu finanzieren sein. In der Hauptphase sind aber eine Position des sog. "Nachwuchsgruppenleiters", dazu zwei Doktorandenstellen (natürlich teilbar in 2×2 halbe Stellen) und auch eine Postdoc-Stelle zu besetzen. Insgesamt sehr attraktiv.

Inhaltlich ist folgender Rahmen bzw. Projektkontext vorgegeben:

Um eine nachhaltige, zukunftsfähige Entwicklung zu erreichen, bei der die gegenwärtige Generation nicht auf Kosten künftiger Generationen handelt, ist ein neuer Typ von Problemlösungen erforderlich. Es müssen Ziele miteinander in Einklang gebracht werden, die bislang vor allem in Konkurrenz zueinander gesehen wurden: der ökologisch tragfähige Umgang mit natürlichen Ressourcen, die Sicherung von sozialer Gerechtigkeit, Lebensqualität und Sozialkapital, sowie der Erhalt der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit auch im weltweiten Wettbewerb. Gerade die Wechselwirkungen und unbeabsichtigten Folgewirkungen von ökonomischen, ökologischen und sozialen Entwicklungen sind dabei zu beachten. Sozial-ökologische Forschung verfolgt das übergreifende Ziel, Verständnis für gesellschaftliche Transformationsprozesse zu entwickeln und aufzuzeigen, an welcher Stelle und mit welchen Instrumenten Einfluss genommen werden kann, um die Entwicklung in eine nachhaltige Richtung zu steuern.

Es geht also um Nachhaltigkeit und wie dieses Ziel unter veränderten gesellschaftlichen Randbedingungen verfolgt werden kann bzw. welche Schwierigkeiten hierbei vorhanden sind. Ich habe im oben angeführten Absatz diejenigen Schlagworte fett markiert, die für diejenige übergreifende Fragestellung relevant sind, wie sie mir vorschwebt. Ich selbst arbeite ja an einer Doktorarbeit,6 die sich im Kern damit beschäftigt, wie sich Unsicherheiten und die Möglichkeit des Irrtums in der alltäglichen Forschungspraxis7 niederschlagen und wie man – im Bewußtsein, daß das gegenwärtige Handeln in der Zukunft irreparable Schäden hervorrufen kann – dennoch gesellschaftliche Entscheidungen trifft und legitimiert. Nicht zuletzt geht es auch um die Beantwortung der Frage, ob sich Gesellschaft (und ihre Subsysteme) nach der Konfrontation mit ihren Grenzen (Stichwort: ökologisch-technische Risiken) als lernfähig erweisen.

Hier könnte ich mir vorstellen, daß man mit einer spannenden Fragestellung ansetzen könnte: wie also sehen "Lernszenarien innerhalb einer Risiko- oder Nebenfolgengesellschaft" aus? Oder anders formuliert: "Leugnung oder Integration? Wie verhält sich die moderne Industriegesellschaft im Umgang mit selbsterzeugten Risiken?" Egal, wie man das konkret ausbuchstabiert: es soll darum gehen, an verschiedenen Beispielen oder Problemfeldern nachzuverfolgen, ob und wie sich bestimmte Entscheidungsprozesse oder grundsätzlicher: "Arten der Problembearbeitung" verändern, wenn sich die jeweiligen Akteure bewußt sein müssen, daß sie unter der Grundbedingung unsicheren Wissens agieren. Ob also – das die mögliche Akzentsetzung – so etwas wie Lerneffekte zu konstatieren sind und wie diese aussehen. Diesen Fragen könnte und sollte empirisch und gerne auch theoretisch nachgespürt werden.

Weswegen ich diesen Beitrag hier einstelle: der Antragsteller für dieses Nachwuchsforschungsprojekt soll in der Regel promoviert, darf aber nicht älter als 35 Jahre sein. Prinzipiell könnte ich es also auch selbst beantragen, rechne mir (bzw. uns) aber höhere Chancen aus, wenn ein im Idealfall promovierter Partner mit im Boot wäre. Wer hat zu den oben skizzierten Fragen bereits gearbeitet und könnte sich ein Engagement in diesem Bereich vorstellen? Aufgerufen sind natürlich Soziologen, Politologen, Psychologen, aber genauso Historiker oder eventuell Vertreter aus den Naturwissenschaften. Schließlich soll ja einer der Schwerpunkte des Projekts in der Interdisziplinarität liegen.

Die Details sind auf der Website des BMBF abrufbar oder auch als PDF. Ich selbst habe bereits weiterführende Ideen vorliegen, auch was die gewünschte Anbindung an Forschungsinstitute und/oder Universitäten angeht. Dies alles im Münchner Bereich. Alle, die selbst zu den genannten Fragen arbeiten oder die potentielle Interessenten kennen, sind hiermit aufgerufen, sich mit mir in Verbindung zu setzen. :-)

 

 

  1. Eine wirklich hörenswerte Version dieses Klassikers hat der Podcaster Christoph Sauer aufgenommen – Wer wissen will, wie wohl Klaus Kinsik den Carrell Hit rezitiert hätte, muß hierher klicken. []
  2. Und nicht einmal das Sommerloch ist mehr das, was es mal war. Die einstige medientechnische "Saure-Gurken-Zeit" wird, wie Lukas Heinser als Urlaubsvertretung von Stefan Niggemeier feststellt, neuerdings mit Sommerlochmetatexten gefüllt. Und in den Blogs? Sommerlochmetablogging. Irgendwie muß man die Seiten ja füllen… []
  3. Gefunden habe ich diesen Text über den Blog von Ragnar. Danke. []
  4. In der Blogsphäre widmet sich bislang nur die Dreckschleuder diesem Fall. []
  5. Genau handelte es sich um die Studie "STARC – Stakeholders in Risk Communication" – weitere Infos dazu finden sich auf dieser Website. Einige Ergebnisse habe ich auch in meinen Artikeln zur Risikokommunikation anläßlich der Vattenfall-Pannenserie verarbeitet. Zugriff durch das Suchfeld oder die Tagwolke. []
  6. Nähere Informationen dazu bzw. das Exposé zu meiner Doktorarbeit findet sich hier. []
  7. Diese Forschungspraxis soll am Beispiel der Humangenomforschung untersucht werden. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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