Home » Blogosophie, Werkstattnotizen, Wissenschaft

Gehet hin und vernetzt Euch! » ResearchGate positioniert sich im Feld der »Scientific Networks« | Werkstattnotiz LXXXXI

27. Mai 2008 | 13:37 Gelesen: 73987 · heute: 2 · zuletzt: 19. October 2017 7 Reaktionen

Was brauchen Wissenschaftler um glücklich zu sein? Welche kommunikative Infrastruktur ist notwendig, um exzellente Forschung zu ermöglichen? Mit “ResearchGate” geht nun eine Internetplattform an den Start, die Forscher und Wissenschaftler international und interdisziplinär vernetzen will. Was aber bietet “ResearchGate” als spezifisch akademisches Social Network?

Wenn nach den Randbedingungen gefragt wird, unter denen spannende und innovative Wissenschaft entstehen kann, so sind zunächst Faktoren zu nennen, die gar nichts mit dem einstigen Hype um das “Web 2.0” zu tun haben. Man muß – auch wenn man mit der Vision einer Wissenschaft 2.0 sympathisiert – eingestehen, daß die finanzielle und personelle Ausstattung von Universitäten und Forschungseinrichtungen, das Budget der Bibliotheken und der Freiraum der Forscher, sich ihren jeweiligen Projekten widmen zu können, absolute Priorität genießen.

Schöne, neue Welt der Wissenschaft 2.0?

Wenn kein Zugriff auf die relevanten Fachpublikationen möglich ist, die Wissenschaftler dutzende Diplomarbeiten betreuen müssen und sich ohnehin nur von einer befristeten Projektstelle zur nächsten hangeln, so wird man schlechterdings von ihnen einfordern können, auch noch herausragende Forschungsarbeit abzuliefern.

Wie organisieren sich Forscher? Wie vernetzen sie sich? Wie stellen sie sich dar?

Sind aber einige grundlegende Rahmenbedingungen erfüllt, so stellt sich die Frage, mit welchen Instrumenten Wissenschaftler heute und in Zukunft arbeiten. Wie organisieren sich Forscher? Wie vernetzen sie sich? Wie stellen sie sich dar?

Ich habe bereits letztes Jahr einige Aspekte skizziert, die m.E. das Feld der “Wissenschaft 2.0” auszeichnen. Eine zentrale Bedeutung kommt hierbei allen Facetten der Wissenschaftskommunikation zu. Also sowohl der internen Wissenschaftskommunikation1, als auch der externen Variante.2 Und eines der Instrument zur Gestaltung dieser “Wissenschaftskommunikation 2.0” sind Social Networks.3

ResearchGateWas ist, was will, was leistet “ResearchGate”?

Mit “ResearchGate” ist nun vor wenigen Tagen ein internationales Online-Forscher-Netzwerk an den Start gegangen, das sich genau die Dynamisierung von Wissenschaftskommunikationsprozessen4 auf die Fahnen geschrieben hat.

Dem eigenen Anspruch nach, will “ResearchGate” einerseits die Plattform bieten, auf der Forscher ihr Online-Profil erstellen, also eine virtuelle Visitenkarte, die die eigenen Forschungsschwerpunkte, laufende Projekte und Interessen abbildet. Andererseits soll auf dieser Basis der Austausch, die Kooperation, kurz: die Vernetzung von Wissenschaftlern erleichtert werden. Und dies in fächerübergreifender und internationaler Perspektive.5

Ein Projekt also, das mit den beiden Schwerpunkten “Selbstpräsentation” und “Wissensaustausch/Vernetzung” genau in das Konzept einer Wissenschaft 2.0 paßt. Die Frage ist nur, wie die Umsetzung dieser Ideen aussieht und welchen Mehrwert dieses Portal den Wissenschaftlern bietet? Was leistet also “ResearchGate” anderes, als ein bloßes Wissenschafts-Xing oder Science-Facebook zu sein?

Ärgerlich: Die Anmeldung bei “ResearchGate” scheitert trotz mehrerer Versuche.

Kinderkrankheiten oder Schnellschuß?

Um mir ein ersten Eindruck von “ResearchGate zu verschaffen, habe ich versucht, mir ein Profil zu erstellen. Allerdings scheitere ich bereits an der Anmeldeprozedur. Mit verschiedenen Mailkonten und Usernamen will es mir nicht einmal gelingen, mich erfolgreich einzuloggen. Die Bestätigungsmails mit den Zugangscodes, die angeblich versendet werden, landen vielleicht irgendwo, jedenfalls nicht bei mir.

So bleibt mir nichts anderes übrig, als auf das Portal hinzuweisen.6 Die Idee klingt gut, ob die Umsetzung es ebenfalls ist, ob Wissenschaftler tatsächlich ihren Lebenslauf, ihre Publikationsliste und vieles andere mehr dort einstellen – das wird sich zeigen. Die Vision auf der Website klingt jedenfalls vollmundig-vielversprechend:

The concepts of Science 2.0 will have to be developed with the science community. The change will happen – the question is not whether at all, but when and how.

ResearchGATE is a part of the Science 2.0 community and will evolve with the community.

Ich bin vorsichtig skeptisch, denn m.E. krankt das alles bereits daran, daß (soweit ich sehe) alle Infos, alle Profile usw. hinter “verschlossenen Türen” lagern. Ein wenig mehr Offenheit, eine Möglichkeit wenigstens die Forscherprofile zu durchstöbern, wäre auch für Nicht-Mitglieder sinnvoll – v.a. wenn man es den Interessenten so schwer macht, sich überhaupt erst anzumelden. ;-)

Mit “Scholarz” und “SciLink” stehen Konkurrenten bereit

Solange das Portal noch an solchen Kinderkrankheiten laboriert, können sich die Macher von “scholarz.net” zurücklehnen. Deren Projekt verfolgt ein ähnliches Ziel, bietet aber – potentiell – den Mehrwert, daß ein Literaturmanagement-Tool mit inbegriffen ist. Und eine dritte Plattform mischt ebenfalls noch mit: “SciLink” befindet sich mit dem vielversprechenden Untertitel “Science Connected” ebenfalls in der Startphase. Wer macht also das Rennen?

[Update | 16.00Uhr]

Zu den drei jüngst gestarteten Social Networks für Wissenschaftler habe ich noch einige Anmerkungen im Neurons-Blog notiert:



  1. Die “interne Wissenschaftskommunikation” meint den fachlichen Austausch, die Vernetzung der Wissenschaftler untereinander, die Kooperation in Projekten. Und generell den Diskurs der “scientific community”. []
  2. Mit dem Schlagwort der “externen Wissenschaftskommunikation” sind alle Kommunikations- und Übersetzungsleistungen gemeint, die an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, Politik, Rechtssystem etc. ablaufen. []
  3. Zum Vergleich auch das Schaubild in diesem Werkstattartikel. []
  4. Allerdings geht es hierbei ausschließlich um die Prozesse der wissenschaftsinternen Kommunikation. []
  5. Hinter dem ehrgeizigen Projekt stehen übrigens drei Deutsche Nachwuchswissenschaftler aus dem medizinschen bzw. Informatiksektor. Namentlich Ijad Madisch, Soeren Hofmayer und Horst Fickenscher. []
  6. Bislang wurde das Portal in der Blogwelt hierzulande nur bei SciBlog und bei einigen internat. Blogs (etwa hier, hier und hier) registriert. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
Twitter: Werkstatt | Meine (private) Website | Profile bei: Google+ | Facebook | Xing

Kommentare

7 Reaktionen »

  • ali :

    Also bei mir hat die Anmeldung ohne Probleme geklappt.

    Ich werde mir die Sache bei Gelegenheit genauer anschauen. Danke für den Hinweis.

    [twort T]

  • Marc :

    @ali:

    Naja, eigentlich erwarte ich das ja auch, daß zumindest die Anmeldeprozedur halbwegs idiotensicher ist. Schließlich handelt es sich bei der Zielgruppe um Wissenschaftler – da sollte man nicht zuviel Geschick voraussetzen. ;-)

    Bei mir scheiterte es heute vormittag schlicht daran, daß ich bei zwei (!) Versuchen jeweils keine Bestätigungsmail erhalten habe, die aber offensichtlich zur Freischaltung des Kontos notwendig ist.

    Weder mit meiner gültigen Mailadresse von web.de, noch mit meiner gmx-Variante hatte ich Erfolg. Und auch im Spamfilter (klar, da schaue ich zuerst!) ist nichts angekommen… Die Mails fehlen einfach. Da hattest Du offenbar mehr Glück…

    [twort T]

  • Cosima :

    Also.. mit einem gmail-Account funktioniert es. Tadellos und auch schnell.
    Allerdings macht die Bedienung, wenn man es mal auf das Portal geschafft hat, wenig Spaß. Zum Einen ist die Oberfläche nicht wirklich ansprechend – wenn auch wissenschaftlich schlicht. Zum Anderen muss jeder Eintrag händisch gemacht werden. Wenn das Ganze wirklich abheben soll, braucht’s hier dringend ein paar Funktionen, welche das “Aussaugen” von Literaturlisten u.ä. ermöglichen…
    Wir werden sehen – Euch erstmal viel Glück bei der Anmeldung!

    [twort T]

  • Marc :

    @Cosima:

    Ich werde es mir selbst mal ansehen. Vor 1 Stunde kam nun (nach fast 3 Tagen) übrigens eine der ausstehenden Bestätigungsmails an. Ich habe seitdem noch nicht erneut versucht, mich anzumelden – keine Ahnung, wo diese Mail solange verblieben war.

    Aber – wie gesagt – ich werde mal reinschauen, erwarte mir aber auch bislang nicht allzu viel. Weitere Meinungen von Nutzern wären aber natürlich interessant.

    [twort T]

  • Ijad Madisch :

    Hallo,

    zunächst möchte ich mich bei wissenswerkstatt.net für diesen sehr ausführlichen Artikel und für das Feedback bedanken. Das mit der Anmeldung war ein kleiner Fehler, den vor allem *.gmx und *.web Adressen betroffen hat. Wir haben diesen Fehler beseitigt. Wir haben dann den betroffenen Accounts die Emails nachträglich rausgeschickt. Sorry for that!

    Cosima, vielen Dank für dein Feedback. Literaturlisten sind ja jetzt bereits uploadbar (siehe Publication bzw. My Library Unterpunkt im Profil).

    Wir arbeiten mit Hochdruck an neuen Applikationen, wovon wir in der nächsten Woche wieder welche deployen werden. Uns ist das Feedback von den Forschern sehr wichtig, weil wir mit der Community diese Plattform weiterentwickeln wollen.

    Wir freuen uns deswegen über weiteres Feedback.

    Grüsse
    Ijad

    [twort T]

Mitdiskutieren!

Diskutieren Sie mit oder setzen einen Trackback von Ihrer Website oder Blog. Abonnieren Sie die Kommentare als RSS-Feed.

Noch Fragen? Lesen sie die Kommentarregeln!

Folgende HTML-tags können verwendet werden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Die Wissenswerkstatt benutzt Gravatare.

↑ nach oben