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Wissenschaftliche Blogs als Netzwerk- und Kommunikationskatalysatoren » Blogger-Konferenz “Science Blogging 2008” | Werkstattnotiz LXXXVI

8. Mai 2008 | 14:32 Gelesen: 6782 · heute: 2 · zuletzt: 19. October 2017 14 Reaktionen

Netzwerk, Quelle: stock.xchng, User: clixIch habe mich ja in den letzten Monaten ein wenig in die Rolle des kleinen Mannes mit der Pauke hineinmanövriert,1 der fleißig trommelnd für wissenschaftliches Bloggen wirbt. Und damit meine ich es ja durchaus ernst, denn die Potentiale einer “Wissenschaftskommunikation 2.0” sind bislang weithin unterschätzt.

Inzwischen mehren sich aber die Anzeichen, daß Blogs insgesamt als eigenständiges und bedeutsames Medium anerkannt werden2 und wissenschaftliche Blogs im Besonderen mehr Akzeptanz finden. Ich finde es jedenfalls klasse, daß die wissenschaftliche Blogszene derzeit so lebendig ist.3

Um skeptische Wissenschaftler davon zu überzeugen, daß sich ein Blog bereits heute lohnen kann, ist erfahrungsgemäß das Vernetzungsargument recht schlagkräftig. Denn schließlich ist die Tatsache, daß sich über wissenschaftliche Blogs hilfreiche Kontakte ergeben und daraus sogar handfeste Projekte erwachsen, nicht so leicht von der Hand zu weisen. Blogs sind geeignete Vehikel, um Verbindungen zwischen Wissenschaftlern (und das über Disziplingrenzen hinweg) zu erzeugen – wenn das kein Argument ist, dann weiß ich auch nicht weiter.

Blogs sind Katalysatoren für Wissenschafts-Netzwerke: sie erhöhen die Sichtbarkeit und machen Kooperation wahrscheinlicher.

Dabei zeigt sich, daß Blogs quasi als Katalysatoren wirken: sie stellen die notwendige Kommunikationsinfrastruktur dar, sie erzeugen erst die Sichtbarkeit, die notwendige Bedingung dafür ist, daß sich die einzelnen Wissenschaftler überhaupt wahrnehmen. Und wie es mit Katalysatoren eben so ist:4 sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit und Geschwindigkeit einer “Reaktion”, d.h. von Austausch, Kontakten und Kooperation.

Und diese Kontakte ergeben sich ja nicht ausschließlich nur direkt im Blog. Die Blogosphäre wird ja ohnehin mißverstanden, wenn sie nur auf die digitalen Kommunikationsakte, die in Blogposts und Kommentaren nachlesbar sind, reduziert wird. Denn Blogger kommunizieren auch über andere Kanäle und sie treffen sich auch – man höre und staune – offline. Und solche Treffen, egal ob bei Barcamps oder anderen Anläßen, sind ebenfalls wunderbare Kontaktbahnhöfe.

Internationale Wissenschaftsblog-Konferenz in London

Wer sich mit Wissenschaftsbloggern aus anderen Ländern vernetzen will, hat dazu übrigens am 30. August 2008 Gelegenheit. In London findet unter dem Titel “Science Blogging 2008” eine Konferenz statt, die sich genau den Fragen annimmt, die ich hier in der Wissenswerkstatt auch häufig aufwerfe: Wie läßt sich die Akzeptanz von Wissenschaftsbloggern erhöhen, ist wissenschaftliches Bloggen der eigenen Karriere förderlich oder ist sie ein Hemmschuh etc. ?

Organisiert wird das Treffen von den Nature-Blogs, federführend agiert Matt Brown. Hier der Ankündigungstext:

“The science blogging community is growing rapidly and reaching larger audiences. At Science Blogging 2008, science bloggers from around the world will have the opportunity to meet and discuss the pressing issues in science, science communication, publishing and education. What can science bloggers do to maximise their impact? Can blogging contribute to scientific research and careers? How can blogs be used to help educate the public about science?”

Klingt spannend und vielleicht ergreift ja jemand aus der deutschsprachigen Community die Gelegenheit und fliegt nach London? Ich selbst werde dort5 nicht teilnehmen.

Wissenschaftsblog-Barcamp in Deutschland?

Allerdings möchte ich an dieser Stelle verraten, daß ich gestern am Rande der Gründungsversammlung der AG Social Media mit Steffen Büffel ganz kurz darüber gesprochen habe, ob sich etwas ähnliches – also ein Wissenschaftsblogger-Barcamp – nicht auch hier in Deutschland organisieren ließe. Vielleicht reicht es ja noch für Ende des Jahres? Oder dann gleich Januar/Februar 2009?

Bislang gibt es nur die Idee – aber ich denke, daß wir6 das weiterverfolgen. Wir bleiben also am Ball – aber zunächst hier die Frage: Besteht überhaupt Interesse? Gibt es Bedarf am Erfahrungsautausch im Bezug auf das wissenschaftliche Bloggeschäft?



  1. Nein, damit ist keine Anspielung auf Wolfgang Neuss verknüpft, der als Kabarettist und Schauspieler bis in die 70er Jahre brillant war, danach aber leider mehr und mehr seinem Drgenkonsum Tribut zollen mußte. []
  2. Die EU beabsichtigt offenbar die Förderung von sog. “Community Media” wozu im weiteren Bereich auch Web2.0-Formate gehören. []
  3. Und das ist erst der Anfang! ;-) []
  4. Die Chemiker verzeihen mir die nicht 100% stimmige Metapher. []
  5. Aus Zeit- und Kostengründen. []
  6. Steffen hat ja Erfahrungen auf dem Gebiet, dazu sollten wir einige andere, organisationsfreudige Mitstreiter haben. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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Kommentare

14 Reaktionen »

  • Johannes Moskaliuk :

    Wissenschaftsblog-Barcamp in Deutschland finde ich eine super Idee! Wenns von Süddeutschland aus mit halbwegs vertretbarem Aufwand erreichbar ist, wäre ich auf jeden Fall dabei.

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  • Simone :

    Es gibt ganz definitiv Bedarf am Erfahrungsautausch zum Thema wissenschaftliches Bloggen! Die Idee mit dem Barcamp ist super! Da wäre ich auch gerne dabei!

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  • florian :

    Finanziell kann ich mir zwar gerade keine größeren Reisen leisten – aber Interesse hätte ich auf jeden Fall!

    Vielleicht läßt sich das ganze ja in der “Stadt der Wissenschaft 2008” (Jena) organisieren ;) – dann brauch ich überhaupt nicht verreisen ;) [ich würde dann natürlich auch bei der Organisation helfen…]

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  • Stefan :

    Das wäre schon interessant. Aber ich vermute, dass es bis dahin noch lange dauert. Bei uns im Fachbereich beschäftigt sich leider so gut wie kein Wissenschaftler mit Blogs.

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  • Jonas :

    Ein Wissenschaftsblogger-Barcamp ist eine prima Idee. Steffen Büffel hat ja Erfahrung in der Barcamporganisation. Das educamp 2008 in Ilmeau war meines Erachtens ein voller Erfolg. Ich werde das gleich mal wie “furukama” twittern…

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  • Ralf :

    Ich lehne mich an die Aussage von Jonas an. Steffen Büffel ist ein guter Ansprechpartner. Um nicht in einer Zerfaserung zu enden würde ich die o.g. Konferenz einfach in das nächste EduCamp integrieren. Bereits beim vergangenen EduCamp in Ilmenau (@florian ist ja von Jena auch nicht so weit weg ;-) ) gab es eine Session zu dieser Thematik. Das liesse sich bei entsprechender Nachfrage sicher beliebig erweitern, den mit Edu hat wissenschaftliches Bloggen aus meiner Sicht in jedem Fall zu tun.

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  • Kathrin Futter :

    Prima Idee! Da würde ich von der Schweiz aus sehr gerne anreisen!

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  • Steffen :

    @ Marc: Klasse!!!! Gestern 2 Sekunden drüber geredet, heute folgt die Action. So soll es sein. Kurze Wege, gute Ideen, machen! :-)

    Ich wollte vorhin per IFön schon heir als Comment schrieben, dass man ja das Scienblogger-Camp mit dem EduCamp Oktober zusammenlegen könnte. Ich würde das zwar noch gerne mit Thomas und Marcel besprechen, aber von meiner Seite aus wäre das ein schöne Synergiegeschichte. Wenn sich die Mehrheit allerdings lieber separat zu einem scienceblogcamp treffen wollen würde, auch kein Ding. Dabei wäre ich so oder so…. :-)

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  • Marc :

    Oh, klasse! Das Feedback ist ja enorm – Danke! :-)

    Ich wollte ja nur kurz vorfühlen, ob sich überhaupt jemand dafür interessiert oder ob gelangweiltes Gähnen vorherrscht. Schön, daß ersteres der Fall zu sein scheint.

    (Und auch per Twitter gab es schon erfreuliche Resonanz. Etwa vom geschätzten Fischblog und auch von Benedikt.)

    @Jonas und Ralf:

    Wie ich ja oben geschrieben habe, hatte ich gestern eben mit Steffen Büffel ganz kurz das Thema angesprochen. Insofern wird seine Expertise in der einen oder anderen Weise auf alle Fälle mit einfließen.

    @Florian:

    Ja, die Ortswahl ist immer so eine Sache. Bei mir ist das Budget auch begrenzt – aber wir werden uns bemühen einen geeigneten Ort zu finden.

    @Steffen:

    Naja, soviel “gemacht” ist ja noch nicht. Ich wollte eben ein Stimmungsbild und die Resonanz ist ja mehr als positiv.

    Ein Edu-Science-Camp im Doppelpack ist tatsächlich eine Überlegung wert. Laß uns nächste Woche doch mal drüber in Ruhe quatschen. Prinzipiell spräche z.B. nichts gegen einen Oktobertermin, wobei sich der erste EduCamp-Termin ggf. mit dem Soziologentag überschneidet. Und das wäre für die HardBloggingSociologists nicht optimal.

    Fein! Die Idee ist also da, dann gilt es in den nächsten Wochen abzuklären, ob ein eigenständiges Wissenschaftsblog-Camp oder ein Kombipack sinnvoller/praktikabler ist.

    p.s.: Weitere Ideen, Anmerkungen, Wünsche etc. dürfen hier gerne weiterhin in den Kommentaren mitgeteilt werden.

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  • Björn :

    Die Idee ist gut! Ich nehme mal an, es sind alle Wissenschaftsblogger angesprochen, und nicht allein “privilegierte” Gruppen wie bezahlte Akademiker :-)

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  • Robert Dürhager :

    Was macht das Wissenschaftsblogger-Barcamp? Oder ist es mittlerweile beim Educamp integriert? Würde ein eigenes Wissenschaftsblogger-Barcamp mitorganisieren. Gruß Robert (alias iSophus auf Twitter)

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  • Marc :

    @Robert:

    Nein, die Pläne sind leider noch nicht weiter gediehen. Ich bin in den letzten 3-4 Monaten überhaupt nicht dazu gekommen, habe es aber weiterhin auf der Agenda. Ich hoffe, daß ich in den nächsten Wochen etwas mehr Luft habe und dann werde ich ggf. mit Steffen Kontakt aufnehmen und mich auch bei Dir melden. Du liest in der Sache also von mir.

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