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Kathedralen des Wissens » Die schönsten Bibliotheken der Welt | Werkstattnotiz LXXVII

10. April 2008 | 08:34 Gelesen: 86870 · heute: 3 · zuletzt: 19. November 2017 13 Reaktionen

Gibt es eigentlich bereits Untersuchungen und Zahlen, wie sich in Zeiten einer sich digitalisierenden Wissenschaft die Besucherzahlen der (Universitäts-)Bibliotheken verändern? Schließlich ist es – wenn man die meisten Zeitschriftenartikel bequem per PDF erhält – viel seltener notwendig, den Weg in die Bibliothek anzutreten, um Bücher oder Zeitschriften auszuleihen.

In Bibliotheken wird sicht- und spürbar, welche Verehrung dem Wissen entgegengebracht wurde. Wo wird diese Wertschätzung heute noch erlebbar?

Daß Bibliotheken mehr sind als ein Dokumentenarchiv, daß sie Orte des Wissens sind, an denen v.a. in früheren Zeiten spürbar wurde, welche Verehrung dem Wissen entgegengebracht wurde, wird wohl immer mehr in Vergessenheit geraten.

Umso eindringlicher sind die Aufnahmen der Bibliothekssäle traditionsreicher Bibliotheken. Ich bin bei Ali Arbia auf diesen Blogpost aufmerksam geworden – einige dieser “Kathedralen des Wissens” seien hier als visuelle Appetithäppchen eingestellt.1

Das Benediktinerstift Admont2 in der Steiermark in Österreich beherbergt eine wunderbare Bibliothek. 1776 wurde die Stiftsbibliothek eingeweiht – sie wurde von manchen Zeitgenossen als “Achtes Weltwunder” bezeichnet und ist weltweit der größte Büchersaal innerhalb von Klostermauern.

Bibliothek, Admont, 01a.jpg

Kaum weniger prächtig ist die Bibliothek des Klosters Strahov in Prag. Sie wurde von 1671-1679 erbaut und rund hundert Jahre später kamen noch beeindruckende Deckenfresken hinzu.

Strahov Monestray Library Prag_01a.jpg

Von Prag zurück nach Österreich: Im 18. Jahrhundert wurde der barocke Neubau des traditionsreichen Benediktinerklosters Stift Melk errichtet. Und ja, genau dieses Kloster ist uns heute auch durch Umberto Ecos “Der Name der Rose” ein Begriff. Denn der Ich-Erzähler ist der junge Benediktinermönch Adson von Melk.

Aber auch unabhängig von dieser späten literarischen Popularität, ist das niederösterreichische Kloster (das nicht umsonst zur Reihe des UNESCO-Weltkulturerbes zählt) bemerkenswert. Und die Bibliothek ist beeindruckend:

Bibliothek, Melk, 01a.jpg

Vollkommen anders, aber ebenso wirkungsvoll ist die Bibliothek, die sog. “Handelingenkamer”, im Parlamentsgebäude in Den Haag. Bei ihr handelt es sich um die alte Bibliothek des ehemaligen Justizministeriums.

Erbaut wurde das Gebäude Ende des 19. Jahrhunderts von “Rijksbouwmeester” Cornelis Hendrik Petersim – die Besonderheit: elektrisches Licht war damals nicht vorgesehen, auf Kerzen und Gaslampen wollte man verzichten. Durch die besondere Konstruktion der lichten Glaskuppel fällt ausreichend Helligkeit auch für die unteren Bücherregale. Der Raum ist 13,5 m lang und nur 6 m breit. Die roten Geländer und die sich leicht emporschwingende Treppe sind im übrigen durch chinesische Verzierungen (Drachenköpfe, Pranken etc.) geprägt.

Handelingenkamer, Tweedekamer, Den Haag, 01a.jpg

Wenn man solche Wissensspeicher in ihrer ganzen Pracht sieht, so möchte man fast bedauern, daß wir solche Räume zukünftig wohl kaum mehr wirklich “nutzen”, sondern höchstens aus musealer Neugier besuchen. Sollten wir unsere PDFs nicht doch wieder alle ausdrucken und in Regale stellen?



Literaturempfehlungen:

  1. In der Eile habe ich zunächst nicht daran gedacht, die Quellen der Photos zu bezeichnen. Florian erinnert in den Kommentaren daran. Die Photos habe ich alle bei Wikipedia/Wikimedia Commons gefunden, dort ist eine freie Nutzung und Bearbeitung gestattet. Einige der Aufnahmen entstammen aber wohl dem Bildband von Candida Höfer (s. Literaturhinweis). Eine Klärung des Sachverhalts ist mir gerade aber nicht möglich. []
  2. Das Stift wurde schon 1074 gegründet. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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