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Kriminalschriftstellernde Umweltbiologinnen und app-bastelnde Molekularbiologen

» Ein neues Wissenschaftsblog und eine interessante Literatur-App für Forscher

26. Mai 2013 | 23:50 Gelesen: 13044 · heute: 3 · zuletzt: 25. September 2016 10 Reaktionen

Ich habe einen Verdacht: Bloggende Wissenschaftler gehören zu einer ganz besonderen Spezies. Klar, sie bloggen. Bereits das unterscheidet sie von ihren „normalem“ Kollegen. Aber ich habe das Gefühl, daß es weitere Unterschiede gibt. Denn unter den bloggenden Wissenschaftlern, die ich kenne, gibt es ziemlich viele, die darüber hinaus noch jede Menge anderer Talente haben. Zum Beispiel das Schreiben von Kriminalromanen. Oder das Programmieren von raffinierten Tools, um interessante Fachliteratur zu entdecken. Wie eben Annelie Wendeberg oder Tobias Maier.

Recently - Never miss a relevant paper again

Navigation durch den wissenschaftlichen Paper-Dschungel: Recently

Tobias Maier kenne ich ja schon seit einigen Jahren als Scienceblogger mit WeiterGen und ich habe Tobias auch einige Male getroffen. Von seinem neuesten Projekt habe ich allerdings auch erst vor wenigen Tagen in seinem Blog erfahren: Tobias hat zusammen mit Thasso Griebel eine App gebastelt, die Wissenschaftlern dabei helfen soll, interessante Paper zu entdecken. Tobias schreibt:

„Die Datenbank Pubmed, in der Veröffentlichungen aus den Lebenswissenschaften archiviert werden, hat aktuell mehr als zwanzig Millionen Publikationen gespeichert. Jeden Tag kommen über 2500 neue Papers dazu. Natürlich ist nur ein Bruchteil davon wirklich relevant für die eigene Forschung.
Nur: Wie finde ich den? Wie verpasse ich keine wichtigen Veröffentlichungen? Und wie werde ich das schlechte Gewissen los, nie genug Papers zu lesen?“

Und genau hier setzt Recently an. Die Nutzer können zum Start einige Artikel angeben, die für sie persönlich relevant sind. Und auf dieser Basis schlägt die App weitere thematisch passende Artikel vor. Und die können dann entweder „geliked“ werden oder auch als irrelevant markiert werden. Die App – so das Ziel – lernt dann immer mehr dazu und präsentiert im Verlauf immer bessere, für den Nutzer wertvollere Artikel.

Ich habe Recently selbst noch nicht getestet, da es (zunächst) eben auch auf dem Pubmed-Datensatz aufbaut und ich insofern schlecht beurteilen könnte, ob für mich spannende Artikel vorgeschlagen werden. Was ich aber so aus dem Feedback rauslese, was Tobias z.B. in seinem Blog bekommt, so scheint Recently ziemlich vielversprechend zu sein. Wer also im Feld der Lebenswissenschaften aktiv ist, der sollte Recently dringend ausprobieren.

(Mehr Infos bieten auch die Recently-FAQs und ein Interview, das Matthias Fromm mit Tobias geführt hat.)

Mein neues Lieblingsblog: Sciencezest

O.k., das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben. „Lieblingsblog“… es gibt so viele gute Wissenschaftsblogs, denen ich natürlich auch weiter die Treue halte, aber ich habe zumindest ein weiteres Blog in meiner Favoritenliste ergänzt. Es ist das Blog von Annelie Wendeberg, die vor wenigen Tagen bei den Scilogs gestartet ist.

Dabei ist Annelie allerdings kein Blog-Neuling. Sie hat schon letztes Jahr in ihrem „Microblog“ wunderbare Texte geschrieben. Nebenbei ist die Umweltbiologin noch Gruppenleiterin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig und schreibt (die Frau ist offensichtlich nicht ausgelastet!) auch noch Kriminalromane.1

Für die Krimis habe ich keine Zeit, aber ihr Blog lese ich bestimmt. Zum Start verrät Annelie etwas über Motivation und bei solchen Sätzen kann ich doch nur 100% zustimmen:

„Unsere teuer erforschten Erkenntnisse ausschließlich in Fachzeitschriften zu verbreiten ist reine Gehirnmasturbation. Das ist ein hartes Wort. Trotzdem. Wissenschaftliche Publikationen nützen erstmal nur einem selbst – man wird zitiert, vom Kollegium beweihräuchert, der Chef freut sich. Doch wer außer uns Spezialisten liest das Zeug? (…) Wir Wissenschaftler schaffen Wissen. Tun wir das nur für den exklusiven Kreis der Bildungselite, haben wir unser Ziel verfehlt.“

Dem ist wenig hinzuzufügen, oder? Deshalb: lest doch mal bei Annelie rein. :-)

  1. Und Familie samt Haus und Kind hat sie ja auch noch. :-) []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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