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Tote Bienen und ein quietschfideler Schnabeligel

» Weshalb kleine Echidnas die süßesten Tiere der Welt sind

31. März 2013 | 22:00 Gelesen: 9616 · heute: 9 · zuletzt: 4. December 2016 2 Reaktionen

Eigentlich wäre es jetzt Zeit für süße Hasenphotos. Oder wenigstens von tollen Frühlingsblumen. Aber meine Tulpen (und Krokusse und Narzissen) wollen nicht. Deshalb gibt’s heute mal wieder tierische Meldungen. Zuerst geht es um Bienen (und eine Studie, die weiter Aufklärung bzgl. des massenhaften Sterbens ganzer Bienenvölker bringt) und dann um einen kleinen Echidna. Echidnas sind Schnabeligel, die nur in Australien bzw. Neuguinea heimisch sind, aber dazu unten mehr.

Wie Insektizide das Bienenhirn schädigen

Es gehört zum Frühling wie das Gejammer über das launische Aprilwetter: Meldungen über rätselhafte Krankheiten von Bienen und das Verschwinden von Bienenvölkern. Mal haben europäische Imker den Verlust von tausenden Völkern zu beklagen, dann sind es wieder deren US-Kollegen, die über den Ausfall ihrer Bienen berichten. In manchen Fällen sind die Ursachen geklärt. Die eingeschleppte Varroa-Milbe zum Beispiel. Manchmal sind es möglicherweise aber auch Pilze, die als Bienenkiller wirken. Oder eben Insektizide der Landwirtschaft.

Schon vor Jahren war relativ klar, daß etwa die Substanzen Imidacloprid oder Chlotianidin (die wurden u.a. zum Beizen des Saatguts gegen den Maiszünsler verwendet) für den Kollaps von Bienenvölkern verantwortlich sind. (Darüber hatte ich bereits vor knapp 5 Jahren gebloggt.) Deshalb ist deren Verwendung (in manchen Ländern) auch verboten. Die EU prüft gerade ein Verbot von drei Neonikotinoiden (Imidacloprid und Chlotianidin gehören dazu).

Absurd: Auch eine Substanz, die gegen den Bienenschädling Varroamilbe eingesetzt wird, schädigt die Bienennervenzellen… Vielleicht liefert ja die aktuelle Studie von Mary Palmer und Kollegen weitere Argumente. Die Forscher der University of Dundee haben nämlich getestet, wie diese Substanzen auf bestimmte Zellen des Bienengehirns wirken. Und tatsächlich zeigte sich, daß die Nervenzellen (die u.a. für Lernen und Erinnerung zuständig sind) außer Gefecht gesetzt werden. Hier ist man also einen guten Schritt bei der Erklärung des verhängnisvollen Mechanismus weitergekommen.

Und noch einen weiteren interessanten Befund liefert die Studie: auch das Insektizid ‚Coumaphos‚ schädigte in den Versuchen die Bienen-Nervenzellen. Und das ist wirklich schon tragikkomisch. Denn die Substanz wird (zumindest in den USA) gegen den Befall mit der Varroamilbe eingesetzt. Wie war das noch gleich mit dem Teufel und dem Beelzebub…?

Die Studie:

 

Raubtierfütterung: Schnabeligel-Baby

Echidnas (dt. Bezeichnung: Schnabeligel) sind sowas wie eine eierlegende Wollmilchsau. Zumindest, wenn es um die zoologische Zuordnung bzw. die Kategorisierung geht. Denn Echidnas haben einerseits Merkmale von Säugetieren, andererseits legen sie aber Eier. Damit sind sie (fast) einzigartig: Zusammen mit dem Schnabeltier bilden sie die Ordnung der ‚Kloakentiere‚.

Das klingt wenig schmeichelhaft. Dabei sind Echidnas wirklich tolle Tiere.1 Wenn sie ausgewachsen sind, dann ähneln sie unseren Igeln, im Winzlingsalter sind sie einfach nur süß. Wie das Video aus dem Taronga-Zoo in Sydney eindrucksvoll beweist, oder?

Rund 5 Wochen ist der Knirps alt. Und da Echidna-Mütter keine Zitzen haben (auch so eine Besonderheit), sondern über ein Fläche am Bauch Milch absondern, wenn das Junge daran leckt, wird das Echidna-Baby auch entsprechend gefüttert. Also, Anschauen!

  1. Als ich selbst vor 2 Jahren in Australien war, habe ich einige Echidnas am Strand zwischen Adelaide und Melbourne entdeckt. :-) []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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