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Blogwichteln 2009: Heißgetränk in heißen Zeiten

15. Dezember 2009 | 12:00 Gelesen: 11395 · heute: 4 · zuletzt: 25. July 2017 2 Reaktionen

Gibt es eigentlich einen Grund, weshalb das Brauchtum der Vorweihnachtszeit oftmals bis in die heutige Zeit gepflegt wird, während in anderen Jahreszeiten viele Traditionen inzwischen vergessen und verloren sind? Oder täuscht mich meine Wahrnehmung? Nehme ich Osterbräuche und sommerliche Gepflogenheiten nicht so wahr?

Egal: das „Wichteln“ zählt jedenfalls zu den Traditionen, die üblicherweise in der Adventszeit gepflegt werden. Und ein großer Freund des Wichtelns war ich eigentlich nie. Aber als Bhuti vor wenigen Wochen das Blogwichteln ausgerufen hat, habe ich mich doch in die bunte Schar der Wichtel eingereiht. Wobei ich – da ich das Wichtelgeschäft nicht so bier- oder glühweinernst nehme – mich nicht an alle Spielregeln zu 100% gehalten habe.1

Hier jedenfalls der Text, den ein netter Wichtel (oder eine Wichtelin?) in die Werkstatt geschickt hat. Vielen Dank dafür!2 Und ebenso die besten Wünsche für einen guten Start ins neue Jahrzehnt an alle Blogwichtelkumpanen! :-)

Klimawandel und Glühwein

Bei weihnachtlich warmen Temperaturen (10°C) sitze ich nun hier und versuche einen Wichtelartikel fürs Wissenswerkstattblog zu schreiben. Charmant und weltgewandt soll er sein. Irgendwie steckt mir aber der, ebenfalls weihnachtlich warme (65°), Glühwein von gestern noch im Kopf. Träge reihen sich Sätze aneinander, aber etwas witziges und geistreiches zu Kopenhagen fällt mir nicht ein.

Dabei wäre es doch so schön jetzt einen Artikel über die Notwendigkeit und die wahrscheinliche Vergeblichkeit der Verhandlungen im winterlich warmen (8°C)Kopenhagen zu schreiben, sich darüber auszulassen wie gut die Welt wäre, wenn sie nur vom wissenschaftlichen Konsens regiert wäre, der natürlich völlig unabhängig von externen Faktoren mit Objektivität und kühler (-3°C) Logik gefunden wird.

Stattdessen könnte ich natürlich auch über die Verleihungszeremonie der Nobelpreise im winterlich warmen (5°C) Stockholm schreiben, über den Frauenanteil unter den Preisträgern, die Meriten einer Proteinkristallstruktur, den ökonomischen Sinn von Allmenden, oder auch darüber, ob Präsident Obama den Friedensnobelpreis nun verdient hat oder nicht. Damit wären wir dann in Oslo, übrigens herrschen dort winterlich weniger warme (4°C), wo er heute im Rathaus seinen Preis überreicht bekommt.

Aber nein mein politisch-wissenschaftlicher Sinn möchte sich nicht einstellen, so bleibt mir nichts anderes übrig als euch, lieben Leserinnen und Lesern der Wissenswerkstatt, sowie meinem Gastgeber ein wunderbares Jahresende zu wünschen und einen guten Start nach 2010. Ich verlasse euch mit dem perfekten Glühweinrezept, am besten genossen bei winterlichen 65°C:

Gluehwein

3L Rotwein (z.B. zwei Flaschen Schwarzriesling und eine Flasche Dornfelder aus Fellbach)
140g Zucker
3 Zimtstangen
10 Nelken
3 Orangen in Scheiben, mit Schale
3 Sternaniskapseln
1 Löffel Cardamomkapseln ganz

Das ganze zusammen in einem Topf eine Stunde bei geschlossenem Deckel, bei ca. 70°C ziehen lassen.

  1. Das Blog, das ich „bewichteln“ sollte, war nämlich so hübsch ausgewählt, daß ich es mir nicht verkneifen konnte und einige persönliche Andeutungen gemacht habe. Aber es kommt ja – wenigstens nach meinem Verständnis – nicht auf absolute Geheimhaltung, sondern mehr auf den Spaßfaktor an und v.a. darauf, daß der Beschenkte sich über den Text freut. Für die ganz Neugierigen: Hier findet man den Wichtelbeitrag, der möglicherweise in der Werkstatt angefertigt wurde. Aber: Pssst! ;-) []
  2. Ich hatte ja schon fast ein schlechtes Gewissen, da ich geahnt habe, daß der Wichtel sich möglicherweise mit meiner Werkstatt relativ schwer tun würde… []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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Kommentare

2 Reaktionen »

  • truetigger :

    3 Liter Rotwein – das klingt nach einem brauchbaren Rezept. Denn unterhalb dieser Menge lohnt sich das Trinken ja gar nicht :)

    Die schicken Fotos und die Rezeptform lässt mich an eine/n bestimmte/n Autoren/in denken, die Kombination aus Philosphie und wissenschaftlichen Fakten gefällt mir ebenso wie die persönliche Note, der Blick in die Gedankenwelt eines anderen. Und ja – dass der Beitrag ist sehr kurz ist, gefällt auch, schliesslich hat man ja heut 35 Blogwichtel-Beiträge zu lesen und möglichst alle zu kommentieren, um den Ratespass zu erhöhen. Da weiss man die Würze der Kürze zu schätzen…

    Feines Wichtelgeschenk!

    [twort T]

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