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Kühe mit feinem Gespür » Über die Sensibilität von Rindviechern und anderen Wildtieren für das Erdmagnetfeld | Werkstattnotiz 114

29. August 2008 | 09:30 Gelesen: 12517 · heute: 2 · zuletzt: 23. August 2017 1 Reaktion

MagnetKuhRindviecher haben es schwer. Da werden sie geschmäht und gelten als träge und eher wenig intelligent. Und in der Rangliste der meistgebrauchten Schimpfwörter dürfte „Du dumme Kuh“ sehr weit oben plaziert sein.

Doch – wie so oft – liegen wir mit unseren vorschnellen Urteilen weit daneben. Wenn wir einer aktuellen Studie glauben dürfen, dann haben die talentierten Wiederkäuer eine Begabung, die sie jahrtausendelang geschickt vor uns verborgen haben: sie haben nämlich offensichtlich ein Gespür für das Erdmagnetfeld. Kühe mit eingebautem Kompaß sozusagen…

Wie Kühe „ticken“

Seltsam: da leben wir seit Jahrtausenden in direkter Koexistenz mit dem domestizierten Nutztier und wir wissen doch so wenig über diese meist so behäbig dreinblickenden Wiederkäuer. Klar: wie sich die Kühe zu Hochleistungsmilchmaschinen optimieren lassen, das haben wir verstanden. Nicht verstanden haben wir, welche Talente Kühe sonst noch haben. Ein feines Gespür für das Magnetfeld der Erde gehört dazu.

Kühe, Rehe und Hirsche richten sich zielgenau in Nord-Süd-Richtung aus. Wozu?

Sag mir wie die Kühe stehen

Wie das Team um Sabine Begall von der Universität Duisberg-Essen nun herausfand, richten sich Kühe (wenn sie nicht gerade fressen oder saufen) sehr zielgenau nach Norden aus. Die Wissenschaftler haben für diese etwas unkonventionelle Untersuchung zunächst unzählige Aufnahmen von GoogleEarth ausgewertet und dort gesichtet, wo und wie die Kühe stehen. Über 8.500 Kühe an über 300 verschiedenen Standorten wurden registriert. Und die statistische Auswertung ergab eindeutig, daß sich die Kühe in Nord-Süd-Richtung ausrichten.

Damit sind Kühe allerdings kein Einzelfall. Der tschechische Zoologe Jaroslav Cervený konnte im Rahmen einer Feldforschung, die ihren Namen auch buchstäblich verdient, diese Beobachtung bestätigen. In seiner Erhebung registrierte er knapp 3000 Rehe und Hirsche und auch diese standen überwiegend akkurat ausgerichtet. Die Forscher sind über diese Beobachtung zwar überrascht, kennen aber freilich Parallelen. Bei Termiten, Bienen oder Fledermäusen hat man bereits ähnliche Effekte beobachtet.

Magneto-Sensibilität: Der 7. Kuhsinn

Die große Frage lautet nun aber, welchen (evolutionären) Vorteil diese Begabung für die Kühe und das Rotwild haben könnte. Bei Zugvögeln weiß man, daß dieses feine Sensorium der Orientierung dient – aber weshalb wappnen sich Kühe mit einem feinen Orientierungssystem, das für Langstreckenflüge geeignet wäre? Planen die gemütlichen Wiederkäuer was und wir sind (noch) ahnungslos???


Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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Kommentare

Eine Reaktion »

  • Werner Dunkel :

    Wieder mal ein Beweis dafür, es gibt Parallelwelten die nur mit entsprechenden Sensoren zugänglich sind.

    Wer weis, was wir sonst noch alles nicht erkennen.
    Durch unsere Subjektivität geht uns viel verloren.

    [twort T]

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