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Länger fit und gesund durch Lauftraining » Studie belegt die positiven Effekte regelmäßiger Bewegung | Werkstattnotiz 109

13. August 2008 | 08:30 Gelesen: 10207 · heute: 5 · zuletzt: 28. June 2017 7 Reaktionen

Running„Laufen hält jung!“ Auf diese kurze Formel lassen sich die jüngsten Studienergebnisse der Forschungsgruppe um Eliza Chakravarty von der Stanford University School of Medicine bringen. Besonders im fortgeschrittenen Alter profitiert man durch regelmäßiges Lauftraining. Sowohl Lebenserwartung, als auch Lebensqualität steigen an.

Zunächst klingt es ja eher wie eine Binsenweisheit, daß regelmäßige sportliche Betätigung auch gesundheitsfördernde Effekte hat. Aber so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint, ist die Faktenlage ja keineswegs.

Denn lange Zeit galt es ja bspw. auch als gesichert, daß Übergewicht zwingend mit einem erhöhten Risiko für Herz-/Kreislauferkrankungen und natürlich einem höheren Cholesterinwert korreliert.

Jüngere Studien zeigen hier, daß dieser Zusammenhang keineswegs so direkt besteht.1 Die Tatsache, daß Lauftraining der Gesundheit zuträglich ist, wird aber durch neue Befunde erhärtet.

Mehr als 500 Läufer wurden 20 Jahre lang beobachtet: sie blieben länger fit als die „passive“ Vergleichsgruppe!

Studienbeginn 1984

An der Studie, deren Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der „Archives of Internal Medicine“ publiziert werden, hatten sich über 500 Läufer beteiligt, die zu Studienbeginn im Jahr 1984 älter als 50 Jahre waren. Insgesamt wurde diese Läufergruppe über 21 Jahre lang beobachtet, jährlich wurde ihr Gesundheitszustand gecheckt und mit einer Gruppe von rund 430 Senioren aus Nordkalifornien verglichen, die nicht dem Laufhobby frönten.

Die Ergebnisse sind verblüffend: nach rund 20 Jahren waren aus der sportabstinenten Gruppe 34% der Teilnehmer gestorben. Die Laufsportler hatten demgegenüber eine Sterberate von nur 15% zu verzeichnen!

Bewegung und Aktivität als Schlüssel zu einem langen, gesunden Leben

Aber nicht nur die geringere Sterblichkeit ist ein Argument für die sportliche Betätigung: denn die Studie ergibt eindeutig, daß die laufenden Probanden länger leben und dabei länger fit bleiben. James Fries, Medizinprofessor und einer der Studienautoren erläutert:

„Gesundheitliche Einschränkungen setzten bei den Läufern rund 16 Jahre später ein, als bei den Nichtläufern. Die Läufer blieben länger gesund, was wir nicht erwartet haben. Die gesundheitliche Nutzen von Bewegung ist größer als wir dachten.“

Die aktiven Sportler profitierten dabei in Bezug auf ein breites Spektrum an möglichen Erkrankungen: sie erlitten weniger Knochenbrüche, litten seltener an Infektionskrankheiten und hatten auch weniger neurologische und koronare Erkrankungen und auch weniger Krebsfälle zu verzeichnen. Am augenfälligsten war der positive Effekt in Bezug auf die Brustkrebsrate: das Risiko an Brustkrebs zu erkranken war für die passiven Teilnehmerinnen innerhalb der Studie um das vierfache erhöht.

Der Lohn des Lauftrainings: weniger koronare Erkrankungen, weniger Krebsfälle.

Alles in allem sehr bemerkenswerte Ergebnisse. Wenngleich man einschränkend hinzufügen muß, daß solche Studien sehr schwierig und hinsichtlich der Schlußfolgerungen immer mit Vorsicht zu genießen sind. Denn, wie die Studienautoren einräumen: bereits zu Beginn der Studie waren die Läufer schlanker und rauchten seltener, als die Vergleichsgruppe.

Es ist schlicht so, daß Läufer natürlich auch andere Eigenschaften aufweisen, die gemeinhin gesundheitsfördernd sind: sie ernähren sich bewußter, achten auf regelmäßigen Schlaf und haben möglicherweise noch in anderer Hinsicht ein günstiges „Profil“.

Laufen Sie!

Aber egal, die Studie lässt zumindest eine Empfehlung zu: laufen Sie! Nicht um ihr Leben, aber um lange und gesund zu leben. Schaden tut ein kleiner Dauerlauf jedenfalls nicht.



  1. Wie Peter Artmann heute im Medlog schreibt, ist es vorschnell, aus dem Faktum Übergewicht sofort ein Gesundheitsrisiko abzuleiten. Knapp über die Hälfte aller übergewichtigen Menschen haben vollkommen „normale“ Blutdruck- und Cholesterinwerte. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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Kommentare

7 Reaktionen »

  • Fischer :

    Ein schönes Fundstück hast du da aufgetan. :-) Man könnte ja über so viele Sachen bloggen, wenn man nur die Zeit hätte…

    Das Problem mit Kausalität und Korrelation hat man bei solchen Studien sehr oft, deswegen sind sie generell bei der Bewertung isolierter Effekte wenig hilfreich. Insofern würde ich ein großes Fragezeichen auch hinter diese Studie setzen.

    Allerdings ist die Fixierung auf eine spezifische Wirkung einzelner Faktoren bei der Lebensführung eh nicht besonders tiefsinnig und der Überlegenheit der reduktionistischen Betrachtungsweise in anderen Wissensgebieten geschuldet.

    Man könnte vielleicht eher schlussfolgern, dass Läufer generell den gesünderen Lebensstil haben. Das muss man für sich selbst dann vielleicht gar nicht weiter auseinanderdröseln, jedenfalls nicht beim derzeitigen lückenhaften Kenntnisstand.

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  • Marc :

    Man könnte vielleicht eher schlussfolgern, dass Läufer generell den gesünderen Lebensstil haben.

    Genau, darauf kam es mir auch an. Wobei hier möglicherweise sowieso die etwas zirkuläre, aber dennoch zutreffende Behauptung statthaft ist.

    1. Läufer haben einen gesünderen Lebensstil.
    2. Zu einem gesunden Lebensstil gehört Laufen (bzw. Bewegung).

    Und vor diesem Hintergrund ist es irgendwann auch müßig, ob erst die Entscheidung steht mit dem Laufen zu beginnen (und andere positive Verhaltensweisen schließen sich in der Folgezeit an) oder ob jemand ohnehin zu den bewußt-gesundheitsorientierten Menschen zählt und dann auch noch das Laufen beginnt.

    p.s.: Und ich fahre Rad. Laufen nur ab und zu… ;-)

    [twort T]

  • monsun :

    Abgesehen von den positiven Auswirkungen auf die Gesundheit macht Laufen, laut den Ergebnissen einer Studie der Uni Karlsruhe, auch schlau. Man wird zwar dadurch nicht den Nobelpreis erreichen, aber der Studie zufolge verbessert sich das visuell-räumliche Gedächtnis und die Konzentration

    [twort T]

  • Fischer :

    Ja. solche Storys hört man häufiger. Dabei wird allerdings wohlweislich nicht gesagt, was man hier miteinander vergleicht.

    Wodurch wird man wohl eher schlau: Durch Joggen oder durch Lesen?

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  • Christiane :

    @Fischer: Durch Lesen sammelt man Wissen an. Ob das unbedingt gleichbedeutend ist mit „Schlauheit“ (=Intelligenz) steht auf einem ganz anderen Blatt.
    Interessant an der Lauf-Studie an sich finde ich, dass sie überhaupt durchgeführt wurde. Denn wer hat wohl ein Interesse daran zu zeigen, dass Laufen (oder Bewegung) eben doch gar nicht so gesund ist wie gemeinhin angenommen? Genau – die Pharma- und Medizin-Lobby, die die Leute lieber weiter glauben lassen möchte, sie seien arme Opfer eines unvermeidlichen Lebensstils – oder gar ihrer Gene. Und vielleicht auch diejenigen, die zu bequem sind, ihr Schicksal so weit wie möglich selbst in die Hand zu nehmen. Mag ja sein, dass nicht jeder Übergewichtige sterbenskrank ist (wobei man da auch noch zwischen moderatem und starkem Übergewicht unterscheiden muss). Aber dass ein Körper aus Knochen, Sehnen, Muskeln, Blutkreislauf und weiteren Organen 100 Kilo nicht so leicht und lange „gewuppt“ bekommt wie 80, sollte eigentlich offensichtlich sein.
    Ach ja: Ich muss so denken – ich laufe!

    [twort T]

  • Fischer :

    @Christine:
    Ich habe nun mal die Angewohnheit, das Gelesene nicht nur auswendig zu lernen, sondern mich damit auch aktiv auseinanderzusetzen. So weit muss man natürlich dann auch gehen, wenn man vom Lesen schlau werden will.

    Ich laufe übrigens auch. Ich hasse es. Und schlauer werd ich dadurch auch nicht. ;-)

    [twort T]

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