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Ende einer Dienstfahrt » Stolpert Hademar Bankhofer über Schleichwerbung? | Werkstattnotiz 106

24. Juli 2008 | 18:18 Gelesen: 8262 · heute: 5 · zuletzt: 27. June 2017 11 Reaktionen

Artikel im SternEr ist nett, gut frisiert und sein charmanter österreichischer Akzent war sicher auch nicht von Nachteil, um sich einen Stammplatz als TV-Gesundheitsexperte zu sichern. Nun scheint die Bilderbuchkarriere des Hademar Bankhofer allerdings beendet zu sein. Der WDR stoppt die Zusammenarbeit mit Bankhofer, nachdem in Blogs massive Vorwürfe in Sachen Schleichwerbung formuliert wurden.

Der Journalist, der sich selbst gerne als „Mr. Gesundheit“ bezeichnete, stolpert nun offensichtlich über die unlautere Verquickung von werblicher Tätigkeit und seinen Pflichten als Journalist. Schon seit längerem hatten Insider gemunkelt, daß der Saubermann des Gesundheitsjournalismus nicht gar so unabhängig ist, wie er sich gerne gibt.

Wenn Insider bloggen…

Recherchen der Blogger der „Stationären Aufnahme“ und der „BooCompany“ haben nun weitere Verdachtsmomente geliefert, wonach Bankhofer recht unverhohlen für Produkte von „Klosterfrau Melissengeist“ Werbung macht, u.a. in Sendungen des ARD-Morgenmagazins.1

Unheilvolle Mixtur von Gesundheitsjournalismus und PR

Es fällt auf, daß Bankhofer ausdrücklich und wiederholt die „Klostermelisse“ oder die „Königsartischocke“ empfiehlt. Das mögen beides wirksame Produkte sein, der Haken an der Sache ist freilich, daß es die Klostermelisse nur als Bestandteil von „Klosterfrei Melissengeist“ gibt.

Und wer in der Apotheke nach der „Königsartischocke“ fragt, der bekommt (wie eine kurze Recherche von Marcus Anhäuser ergab) sofort das Präparat „Hepar SL forte“ über den Ladentisch gereicht. Und auch „Hepar SL forte“ befindet sich – wer hätte das gedacht – im Sortiment der Klosterfrau Vertriebsgesellschaft mbH.

Unglaubwürdige Dementis

Gestern dementierte Bankhofer die Vorwürfe – die Nennung sei zufällig, außerdem gäbe es andere Präparate, die Klostermelisse enthielten.2 Hier scheint der nette Professor wider besseres Wissen zu mogeln. Zu dieser Ansicht gelangte nun auch der WDR. Wie Thomas Knüwer für das Handelsblatt schreibt:

Jeder kennt den netten grauhaarigen Herrn mit den vielen Kräutern aus dem ARD-Morgenmagazin: Hademar Bankhofer ist wohl Deutschlands bekanntester Ernährungsberater. Nun aber trennt sich der WDR als Produzent des Frühstücksfernsehens von ihm. Grund: Der Verdacht, Bankhofer habe PR für Klosterfrau Melissengeist gemacht. Ausgelöst wurde die Affäre durch die Recherche von Weblogs.

Und in der Süddeutschen Zeitung erfährt das Online-Publikum:

Ausschlaggebend für den Rausschmiss von Bankhofer war offenbar eine Erklärung des Hauses Klosterfrau, wonach Bankhofer „seit geraumer Zeit beratend für unser Haus tätig“ sei.

Das ist dann doch ein nicht unwesentlicher Widerspruch zur Darstellung von Bankhofer – und offensichtlich konnte er gegenüber dem WDR keine plausible Erklärung für die subtilen Werbestatements liefern.

So ist das also. Und in meinen Augen ist dabei nicht ganz nebensächlich, wer den Stein ins Rollen gebracht hat. ;-)

Wieviele Relevanzbeweise wollt ihr noch?

Und da Rede mir noch einer davon, daß Blogs irrelevant und selbstbezüglich seien – der „Fall Bankhofer“ ist vielleicht nicht mit dem Fall von Andrea Kiewel zu vergleichen, die unlängst für ihre Weight-Watchers-PR abgestraft wurde.

Aber der aktuelle Fall illustriert, daß Weblogs auch in Deutschland als kritische Instanz funktionieren können.3



  1. Ich habe in diesem Beitrag etwas ausführlicher darüber geschrieben. []
  2. Das Wort Klostermelisse sei „doch mit keinem Produkt erkennbar verbunden.“ So versuchte sich Bankhofer herauszureden. []
  3. Wie auch bereits andernorts, etwa bei Don Dahlmann oder Stefan Niggemeier, registriert wird. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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Kommentare

11 Reaktionen »

  • Fontane :

    Da stecken doch die Pharmageier selbst dahinter.Ausgelöst hat dies auch einer von der Universität Freiburg, die selbst in den grössten Rad-Dopingskandal verwickelt sind Klar, dass die gegen Bankhofer sind, wenn er nur auf die Naturprodukte hinweist. Also ich finde Bankhofer geil

    [twort T]

  • Marc :

    Lieber Fontane,

    mit Verlaub, das ist nun wirklich vollkommener Blödsinn. Es geht hier gar nicht um eine Auseinandersetzung zwischen Pharmalobby und einem Kräuteronkel, sondern um journalistische Redlichkeit.

    Außerdem hat Gerd Antes, vom Cochrane-Zentrum der Uni Freiburg, mit den Sport-Medizinern der Uni Freiburg nichts zu tun. Hier werden Dinge vermischt, die einfach nicht zusammen gehören.

    [twort T]

  • Fontane :

    Hallo Marc,
    sind Sie der Autor des ganzen? Woher haben Sie denn all diese
    Informationen und Vermutungen? Da werden doch Fälle gezeigt, die teilweise 3 Jahre zuirückliegen. Warum soll denn die Pharma den Bankhofer mit Geld bestechen, wenn er doch
    ständig auf Naturprodukte hinweist und eben ein entschiedener Gegner der Chemiepharma ist. Dieser Herr Antes soll laut Süddeutscher Zeitung den Bankhofer schon seit Jahren ständig bei der ARD angeschwärzt haben. Warum denn? Haben Sie sich das auch einmal gefragt? Ganz klar. der wird nämlich von der Pharma bezahlt und der Pharma ist der Bankhofer schon lange ein Dorn im Auge. Wissen Sie eigentlich, dass die Uni Freiburg Deutschlands Nr.1 mit Skandalen, Hausdurchsuchungen und Razzien ist? Diese Dinge gehören nun mal zusammen. Sorry, aber das ist Tatsache, im Gegensatz
    zu Ihren Vermutungen.

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  • DerOli :

    Tatsache ist aber auch, dass der werte Herr Professor zunächst seinen Beratervertrag mit MCM Klosterfrau verschweigen hat. Die werden sich wohl freuen, weil der Bankhofer sich jetzt vollzeit auf seine wertvolle Beratertätigkeit konzentrieren kann. Ehrlich gesagt denke ich allerdings, dass die Rezeptur für den Melissengeist schon ganz gut ausgereift ist ;o)

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  • Marc :

    Hallo Fontane bzw. Gehlen bzw. Kramer,

    ja, richtig erkannt, ich bin der Autor dieses Blogs und auch derjenige, der den obigen Kommentar geschrieben hat.

    Ich würde mich meinerseits freuen, wenn sie meine Artikel und insgesamt die Berichte in Bezug auf das ärgerliche journalistische Selbstverständnis von Herrn Bankhofer genauer lesen würden.

    Denn es ist mir schlicht rätselhaft, wo sie den Vorwurf lesen, Herr Bankhofer sei durch die Pharmaindustrie „bestochen“ worden. Der Vorwurf lautet auf Schleichwerbung – die Indizien liegen vor und ich habe lediglich auf Ungereimtheiten verwiesen und die Tatsache kommentiert, daß der WDR den Vertrag mit Bankhofer beendet hat.

    In Bezug auf Ihr Statement zu Gerd Antes vom Dt. Cochrane-Zentrum in Freiburg muß ich feststellen, daß sie leider keine Ahnung haben. Antes ist einer der wesentlichen Akteure, wenn es darum geht, die sog. Evidence-Based-Medicine voranzubringen – durch systematische, unabhängige Übersichtarbeiten und Überprüfung klinischer Studien werden unter der Regie von Gerd Antes (medizinisch-therapeutische) Standards festgelegt, die oftmals ganz und gar nicht mit den Vorstellungen der Pharmaindustrie übereinstimmen.

    Und nochmals: die Tatsache, daß Antes auch der Universität Freiburg angehört ist allgemein bekannt. Aber die Tatsache, daß einige Sportmediziner in Dopingaffären beteiligt sind/waren, hat doch bitteschon nichts mit ihm zu tun! Machen sie sich nicht lächerlich. (Und was ich über die Freiburger Sportärzte denke, können sie hier nachlesen.)

    Und, letzter Punkt: es ist im übrigen schlechter Stil, wenn man in verschiedenen Weblogs mit unterschiedlichen Namen kommentiert. Zur Redlichkeit in der Diskussion passen auch solche Versteckspielchen nicht.

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  • Fischer :

    Kleine Anmerkung zum Thema Relevanz von Blogs: Nicht, dass ich ein Problem damit hätte, dass der Bankhofer jetzt aufs Altenteil geschickt wird, aber ich sehe in dieser Betonung des Watchblog-Aspektes der Blogosphäre wenig Zukunft.

    Lies dir mal ein paar deutsche Politblogs durch, dann verstehst du, was ich meine. Das ist praktisch alles Politik-Watchblogging (böse gesagt: Rumgenöle) ohne jegliche Konsequenz.

    Wo sind die Blogger, die eine Community für die Umsetzung konkreter Maßnahmen organisieren? Wie kann die Blogosphäre den Schritt in die wirkliche Welt schaffen?

    Für Relevanz reicht Watchblogging auf die Dauer schlicht nicht aus.

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  • Chris :

    Ein nicht ganz unwesentlicher Aspekt, der bisher unbeachtet geblieben ist:
    WENN der WDR wirklich erst durch die Blogs auf das Thema aufmerksam geworden ist, hätte er es auch im Nicht-Sommerloch gemerkt? Wären Stern, Süddeutsche, Spiegel etc. auf das Thema angesprungen, wenn nicht gerade Saure-Gurken Zeit gewesen wäre?
    Ich habe da so meine Zweifel…

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  • Marc :

    @Fischer:

    Die Frage ist natürlich, wie wir „Relevanz“ definieren bzw. operationalisieren wollen.

    Wogegen ich mich aber eben wehre, ist der pauschale Vorwurf, Blogs seien in einem absoluten Sinne selbstreferentiell. Der Blogger wird z.T. als medialer ‚homo clausus‘ (frei nach Norbert Elias) gedacht, der keinen Kontakt zur Außenwelt habe.

    Und genau das ist in meinen Augen natürlich nicht der Fall. Blogs sind resonanzraum für gesellschaftliche Veränderungen, politische, wissenschaftliche Diskurse werden in und durch Blogs weitergeführt und verändern natürlich fortwährend etwas.

    Und in diesem Fall ist die Veränderung eben greifbar und in der Demission Bankhofers klar zu bezeichnen. Insofern ist das m.E. ein tolles Beispiel, daß Blogs „relevant“ sind – also Auswirkungen und Bedeutung haben.

    Nach dieser (meiner) Lesart sind Blogs (potentiell) ebenso relevant, wie alle anderen Medien.

    Zu Deinem zweiten Einwand:

    Ich bin mir nicht sicher, ob wir die Erwartung an Blogs nicht überspannen, wenn wir ihnen abverlangen, daß sie ihre Kommunikationen sozusagen aus der Onlinesphäre in die Offlinewelt hinausverlagern sollen und dort effektiv (!) Veränderungen herbeiführen sollen, die wir dann wieder auf die Blogs zurückrechnen.

    Nochmal: Zeitungen, klassische Medien bildeten lange Zeit die infrastrukturelle Basis für (massenwirksame) soziale Kommunikations- und Diskurszusammenhänge. Daß die BILD ein Thema auf die Agenda setzen kann und dies dann aus dem „System Nachrichtenmedien“ in das „System Politik“ diffundiert und dort bearbeitet wird, ist klar.

    Aber wenn sich mediale Thematisierungsleistungen in anderen Bereichen auswirken, dann sind es nicht direkt die Medien(macher), die das „tun“. Insofern wäre es zuviel verlangt, wenn „die Blogger“ jenseits der Blogosphäre als Blogger aktiv werden müssen, um ihre Relevanz zu beweisen.

    Mir persönlich reicht als Relevanznachweis die Tatsache, daß sich Forscher in und über ihre Blogs zusammenfinden und gemeinsame Projekte machen. Oder eben wenn ein Journalist bzgl. seines fragwürdigen journalistischen Selbstverständnisses „entlarvt“ wird und sein Vertrag mit dem WDR beendet wird…

    [twort T]

  • Marc :

    @Chris:

    Gut, möglicherweise wäre bei anderer Nachrichtenlage die Sache weniger „groß“ bei SZ, Spiegel und Co. gelaufen. Aber so unterbeschäftigt sind die ja auch nicht.

    Zum WDR: erfahrungsgemäß lesen die durchaus, was in Blogs geschrieben wird. Und es gab ja neben dem Video und den Postings auch einen Beschwerdebrief, den „lanu“ an den WDR geschrieben hatte. Die konnten also fast gar nicht anders, als die Sache zur Kenntnis zu nehmen.

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  • Tim :

    Das ist eine Art von Relevanz, die Blogger, die z.B. ihr Blog vermarkten wollen bzw. in anderer Weise für die Karrriere oder als ernsthafte Kommunikation nutzen wollen, hassen. Blogs als „Abschussrampen“, und dazu noch anonym. Eigentlich müssten alle Blogger sich von sowas distanzieren, weil es der Reputation des Mediums „blog“ schadet. Wenn man sich die Schlagzeilen ansieht „Blogs stürzen Gesundheitsguru“ usw., dann ist das Anti-Werbung.

    [twort T]

  • Marc :

    @Tim:

    Nun mal langsam: niemand ergreift hier Partei für Blogs, die sich als „Abschußrampen“ verstehen. Das ist doch Blödsinn.

    Wir sollten keineswegs alle kritischen Blogs, alle Blogs, deren Autoren u.U. anonym sind, in einen Topf werfen. Ich gebe Dir recht, wenn es darum geht, daß viele Blogs, die anonym geführt werden, sicher kein Aushängeschild für die Blogosphäre sind. Gewöhnlicherweise steht man auch in Blogs für seine Statements mit seinem Namen ein.

    Allerdings gibt es Ausnahmen! Und dieser Fall und gerade die Medizin- und Pharmabranche gehört dazu. Die Blogger, die den Fall losgetreten haben, sind keineswegs Pöbelfritzen, sondern absolute Insider in ihrer Branche – allerdings können sie es eben nicht riskieren, daß sie mit ihrem echten Namen erkennbar werden.

    Allerdings mißbrauchen sie diese Anonymität nicht, denn die Geschichten, die im Medizinblog „Stationäre Aufnahme“ stehen, darfst Du sicherlich als gut recherchiert verbuchen.

    Kurz: dieser Fall ist tatsächlich ein Beispiel, wie Blogs positiv (nämlich als kritische, investigative Instanz) wirken können. Das ist alles andere als Anti-Werbung, es sei denn, Du siehst die Zukunft von Blogs in Pflegeleichtigkeit und Anbiederung.

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