Tofu macht dumm ::: Schattenseiten der Hochschulreformen | Werkstatt-Ticker 44
» Der Soja-Mythos
Die Müsli- und Tofufraktion rechtfertigt den Kauf beim Biohändler ja gerne durch die gesundheitlich positiven Effekte der alternativen Lebensmittel. Die Enttäuschung ist dann immer groß, wenn bei unabhängigen Tests bisweilen herauskommt, daß Ökoprodukte den konventionell hergestellten Erzeugnissen nicht immer überlegen sind.
Ähnliche Irritationen dürfte eine neue Studie hervorrufen, die am Soja-Mythos rüttelt. Denn Sojaprodukte genießen besonders innerhalb der vegetarischen Szene immer noch den Ruf eines Wundermittels: vor allem die Phytoöstrogene1 sollen vor koronaren Erkankungen schützen, das Krebsrisiko und den Cholesterinspiegel senken und noch weitere günstige Effekte haben.
Exzessiver Sojakonsum mindert die Gedächtnisleistungen im Alter.
So unbestritten sind die positiven Wirkungen aber keineswegs. Von Sojamilch für Kleinkinder wird beispielsweise inzwischen von Fachleuten abgeraten. Und auch Erwachsene sollten – wenn man die jüngsten Studienergebnisse ernstnimmt – ihren Soja- bzw. Tofukonsum etwas einschränken.
Eine Studie, an der über 700 Indonesier teilnahmen, erbrachte deutliche Hinweise darauf, daß exzessiver Sojakonsum die Gedächtnisleistungen im Alter beeinträchtigt.
Im Abstract ist u.a. zu lesen:
High tofu consumption was associated with worse memory…
Sicher kein Grund zur Beunruhigung für alle Freunde vegetarischer Kost, die gelegentlich ein Tofuschnitzel in der Pfanne brutzeln. Aber Hinweis darauf, daß eine abwechslungsreiche Ernährung immer noch besser ist, als einseitige Kost – auch wenn Soja oder Tofu (noch?) ein gutes Image haben.
- Hogervorst E, Sadjimim T, Yesufu A, Kreager P, Rahardjo TB: High Tofu Intake Is Associated with Worse Memory in Elderly Indonesian Men and Women. Dement Geriatr Cogn Disord 2008;26:50-57 (DOI: 10.1159/000141484)
- Zinkant, Kathrin: Blöd mit Tofu, Diagnose Mensch, 5.7.2008
» Der Bologna-Mythos
Jetzt könnte ich ja die Analogie weiterspinnen und fortfahren: “Soja macht dumm… – Bologna auch”, aber im Gegensatz zur eiweißreichen Bohne aus Fernost, hat die Internationalisierung und Ökonomisierung der Hochschullandschaft schon längst ihren Glanz verloren.
Soll heißen: Der Umbau der Hochschulen in Exzellenzproduktionswerkstätten und die Output-Orientierung des Bildungssystems hat schon seit längerem mit heftiger, meist berechtigter Kritik zu kämpfen. Die GEW hat jüngst ihre (natürlich dezidiert kritischen) Positionen zu diesem Umstrukturierungsprozeß zusammengestellt.
Wie andere Bildungsbereiche sind auch die Hochschulen einem massiven Privatisierungsdruck ausgesetzt. Dabei geht es keineswegs nur um die Versuche zur Gründung neuer Privathochschulen, die teilweise kläglich scheitern. Viel ernster zu nehmen ist die Umstrukturierung der staatlichen Hochschulen selbst, die Schritt für Schritt dem Leitbild „unternehmerische Hochschule“ angepasst werden.
Wer sich über den Bologna-Prozeß, Studiengebühren und andere Aspekte des gegenwärtigen Wandels im Hochschulbereich informieren will, wird im GEW-Papier fündig.2
- Schöne neue Hochschulwelt, GEW, April 2008 [PDF]
Technorati-Tags:
- Allen voran die Isoflavone Genistein und Daidzein. [↩]
- Den Hinweis darauf lese ich im Konzeptblog von Joachim Wedekind. [↩]



Kommt es mir nur so vor oder ist n=700 bei einer Studie, die die Langzeitwirkung von Gedächtnisleistungen im Alter untersucht, extrem gering ist.
Es ist doch so, dass unglaublich viele Faktoren für Gedächtnis und Denkvermögen entscheidend sein, dass eine klare Aussage sehr fraglich ist.
Damit will ich das Ergebnis nicht prinzipiell als falsch bezeichnen, die Folgerung erscheint mir allerdings sehr gewagt.
Die Aussage, dass eine abwechslungsreiche Ernährung vermutlich positiv zu sehen ist, ist ja nicht neu.
Ja, klar. Ich wollte meine Feststellung auch nicht als Neuigkeit verstanden wissen.
Zu Deiner Anmerkung bzgl. der Stichhaltigkeit bzw. Repräsentativität: es kommt natürlich immer darauf an, wie methodisch vorgegangen wurde. Allein die Größe der Stichprobe sagt noch lange nichts über die Reliabilität aus. Und die Schlußfolgerungen sind wieder eine andere Sache.
Aber: soweit ich sehe wurden die Versuchspersonen sowohl aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen, ethnischen Gruppen und auch regional (Stadt/Land) verschiedenen Milieus untersucht. Wenn sich dann die Effekte einheitlich bei über 700 Personen (n=719) zeigen, dann ist das durchaus bemerkenswert.
Ich frag mich da natürlich auch sofort nach confoundern. Wenn sich zum Beispiel ärmere Rentner nur Tofu leisten können…
Andererseits, sooo blöd werden die Autoren der Studie dann doch nicht sein, dass sie solche Effekte nicht auf der Rechnung haben.
Ach, Soja mal wieder. Vor ein paar Jahren ging eine Studie aus Hawaii durchs antivegetarische / antivegane Internet, dass Tofu das Gehirn schrumpfen laesst. Nein im Ernst.
Als man das Phaenomen genauer untersuchte, stellte sich heraus dass die dortige Produktionsmethode eine Aluminiumverseuchung des Nahrungsmittels verursacht hatte…
Zu Soja gibt es eine ganze Reihe dieser Horror-Enten, ich sollte die mal aufschreiben und veroeffentlichen, wie z. B. die, das Tofu schwul macht.
Kritik auch am Blogbeitrag: Der Autor vermischt, wohl aus Unkenntis Vegetarier mit Biobefuerwortern mit Sojafans und ruehrt das alles mit ein wenig Sojapanik als Bindemittel auf eine herabwuerdigende Art und Weise zusammen. Auch suggeriert der Beitrag, als Veganer/Vegetarier sei man auf Soja unbedingt angewiesen, auch ein Mythos der laengst entkraeftet ist.
Na da haben wirs ja schon!
Schon bloed, wenn man mit Halbwissen Panikmeldungen verbreitet.
In der gleichen Studie wurde naemlich beobachtet, dass Tempeh das Erinnerungsvermoegen erhoeht.
Und nun ratet mal aus was Tempeh hergestellt wird?
Richtig, Soja.
Das ist nur ein manueller Trackback – da scheint schon wieder was nicht zu funktionieren…
Hi Florian,
Trackback ist da. War nur im Spamfilter gelandet. :-)
@Ava Odoemena:
Klar: Vegetarier, Sojafans und Bio-Lebensmittelsympathisanten sind nicht dasselbe. Ich behaupte aber, daß a) die Unterschiede zwischen diesen Gruppen allen Lesern bekannt sind, b) es dennoch eine relativ große Schnittmenge gibt.
Denn unter den Vegetariern gibt es dann doch eine erhebliche größere Menge an Tofufreunden, als innerhalb der omnivoren Bevölkerung.
Und – ebenfalls zu meiner Verteidigung – ich denke kaum, daß mein kurzer Beitrag als “Panikmeldung” durchgeht. Mir ging es ja v.a. darum, daß eben die Zuschreibung von gesundheitsförderlichen Effekten keineswegs so eindeutig ist.
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