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Viel Feind, viel Ehr‘? » Die Zahl der inhaftierten Blogger steigt an | Werkstattnotiz LXXXXVIII

17. Juni 2008 | 15:33 Gelesen: 9242 · heute: 2 · zuletzt: 27. June 2017 1 Reaktion

Um die Relevanz eines Mediums zu beurteilen, bieten sich verschiedene Kenngrößen an: man kann die Reichweite messen, also Auflagenzahl oder Trafficvolumen. Oder man kann versuchen die Nutzungsweisen zu analysieren, um zu klären, welche tatsächliche Auswirkung und Bedeutung die Mediennutzung hat.

Man kann freilich bei der Analyse anstatt direkt bei den Rezipienten auch bei den Produzenten ansetzen – und die Repressalien, die die jeweiligen Produzenten der Medieninhalte erdulden müssen, wären dann ein Anhaltspunkt, um die tatsächliche Relevanz des Mediums einzuschätzen.

Je mehr Repressalien, desto größer die Bedeutung

Ich gebe zu, daß dies eine etwas perfide Logik ist. Doch wenn man die aktuellen Zahlen aus dem „World Information Access“-Report der University of Washington heranzieht, so muß man daraus schlußfolgern, daß die Blogosphäre an Bedeutung gewinnt. Im WIA-Report wurde untersucht, wieviele Blogger aufgrund ihrer Blogtätigkeit inhaftiert wurden. Grundlage für die Untersuchung ist eine Auswertung von einschlägigen Medienberichten.

Insgesamt wurden dem WIA-Report zufolge seit 2003 insgesamt 64 Blogger inhaftiert. Die durchschnittliche Haftzeit betrug 15 Monate – die meisten Fälle werden aus Südostasien und dem Mittleren Osten berichtet. Wie heise aktuell schreibt:

„Ägypten, Iran und China sind die gefährlichsten Orte, um über das politische Leben zu bloggen“, erläutert der Forschungsleiter, Phil Howard, die Ergebnisse der Medienanalyse. Die Regierungen und Behörden dieser drei Länder seien für die Hälfte der Verhaftungen verantwortlich, „seit das Bloggen eine große Sache geworden ist“, weiß der Kommunikationsprofessor.

Die Entwicklung sieht so aus (Anklicken öffnet größere Variante):

Schaubild der inhaftierten Blogger

Ein Schaubild, das einerseits betroffen macht: denn es macht uns bewußt, welchen unglaublichen Luxus es darstellt, daß wir hierzulande das Privileg einer freien Meinungsäußerung genießen dürfen. Wir sollten uns dieses Privilegs wohl noch stärker bewußt sein.

Die traurigen Zahlen illustrieren, daß Blogs als relevantes Medium akzeptiert sind. Leider haben das auch die Despoten begriffen.

Anderseits illustriert die Entwicklung auch, daß (siehe oben) die Blogosphäre inzwischen als relevantes Medium akzeptiert ist. Leider haben das auch Unrechtsregime, Militärdiktaturen und anti-liberale Staaten begriffen.

Hoffen wir also darauf, daß die politischen Aktivisten in Ägypten, Iran, China, Burma und an vielen weiteren Orten auf der Welt mit ihren Nachrichten und Botschaften möglichst viele Leser erreichen und möglichst wenig Repressalien erdulden müssen.

Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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