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Blog-Teleskop ::: Kommunikation mit Zettelkästen | Werkstatt-Ticker 30

2. Juni 2008 | 11:15 Gelesen: 8158 · heute: 4 · zuletzt: 23. August 2017 3 Reaktionen

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» Vernetzung & Sichtbarkeit: Blog-Teleskop

Was nutzen die tollsten Blogposts, wenn sie niemand liest? Es ist das Dilemma wissenschaftlicher Blogs, daß sie (bislang!) kaum die kritische Masse an Lesern erreichen, die notwendig wäre, daß sich besonders spannende Artikel durch Mund- bzw. Linkpropaganda herumsprächen.

Ein Versuch, die Sichtbarkeit von Bloggern zu erhöhen, ist ja das Wissenschafts-Café, das ich als Nebenprojekt betreibe. Einen anderen Weg geht nun Florian Freistetter von “Astrodicticum Simplex”. Er hat die spannendsten Blogposts der letzten Tage aus den deutschen Astronomieblogs gesichtet, zusammengefasst und kurz kommentiert.1

Dieses handverlesene Best-Of ist gnadenlos subjektiv – aber gleichzeitig sehr lesenswert. Und in zwei Wochen wird das Blog-Teleskop von einem anderen Astronomieblogger verantwortet. Ich finde: unbedingt nachahmenswert!

» Wikis als System

Niklas Luhmanns systemtheoretisches Vokabular und soziologisches Beaobachtungsinstrumentarium regt immer wieder zu kleinen Fingerübungen an. Luhmanns Begrifflichkeiten sind so raffiniert gebaut, daß sie auch für Phänomene taugen, an die der 1998 verstorbene Bielefelder Großmeister noch nicht denken konnte.

Was hätte Luhmann wohl zum kollaborativ-emergenten Wissensphänomene “Wiki” gesagt? Johannes Moskaliuk (selbst Wiki-Experte) hat das kurz ausprobiert. Seine Anmerkungen sind ausgesprochen lesenswert. Etwa wenn er sich die Frage stellt, wie etwa das Überraschungsmoment durch Wikis2 neue, produktive Anschlüsse generiert,

Johannes zieht die Analogie zu Luhmanns eigenem Arbeitswerkzeug – dem “Zettelkasten” – als Vergleich heran.

All diese Überlegungen führen Luhmann zu der Aussage, dass sein Zettelkasten ein „Zweitgedächnis, mit dem man kommunizieren kann“ sei. Und, dieser Zettelkasten ist „selbstständig“, er findet „Möglichkeiten, die so nie geplant waren“.

Und tatsächlich ist ein Wiki dem gar nicht so unähnlich. Es ist simultanes Wissensspeicher- und Wissensgenerierungswerkzeug. M.a.W.: Das Wiki liefert mehr Informationen, als man (selbst) hineinsteckt.

Gibt es eigentlich noch andere, detaillierte Texte, die Wikis systemtheoretisch ausbuchstabieren?

Egal – der Text von Johannes ist wirklich klasse:


  1. Etwas ähnliches, allerdings nicht thematisch begrenzt und auch nicht im Wechsel mit anderen Bloggern, ist ja mein Ticker. Hier versuche ich ja eben auf verschiedene andere Blogs hinzuweisen und diesen somit auch ein wenig mehr Aufmerksamkeit zuzuspielen… []
  2. Es sind die anderen “Akteure”, die das System irritieren! []

Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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Kommentare

3 Reaktionen »

  • Johannes Moskaliuk :

    Ich weiß nicht, wie Du’s als Soziologe sehen würdest. Aber das Modell der kollaborativen Wissenskonstruktion mit Wikis (Kimmerle und Cress, 2008) hat aus unsere Psychologensicht schon einen systemtheoretischen Unterbau, auch wenn wir natürlich nicht Luhmann im Detail anwenden.

    Kimmerle, J. & Cress, U. (2008). A systemic and cognitive view on collaborative knowledge building with wikis. International Journal of Computer Supported Collaborative Learning. 3 (2), pp. 105-122. Der Artikel ist gerade unter FreeAccess zugänglich,
    http://ijcscl.org/?go=contents&article=53#article53
    Zusammenfassung für meinen Blog ist schon in Arbeit ;-)

    [twort T]

  • Jan :

    „Gibt es eigentlich noch andere, detaillierte Texte, die Wikis systemtheoretisch ausbuchstabieren?“

    Florian Mayer und Dennis Schoeneborn haben für den „Social Software“-Band (Stegbauer/Jäckel als hrsg) einen Aufsatz beigesteuert, der Wikis innerhalb von Organisationen systemtheoretisch deutet.

    [twort T]

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