Wissenschaftliche Blogs als Netzwerk- und Kommunikationskatalysatoren » Blogger-Konferenz “Science Blogging 2008″ | Werkstattnotiz LXXXVI
Ich habe mich ja in den letzten Monaten ein wenig in die Rolle des kleinen Mannes mit der Pauke hineinmanövriert,1 der fleißig trommelnd für wissenschaftliches Bloggen wirbt. Und damit meine ich es ja durchaus ernst, denn die Potentiale einer “Wissenschaftskommunikation 2.0″ sind bislang weithin unterschätzt.
Inzwischen mehren sich aber die Anzeichen, daß Blogs insgesamt als eigenständiges und bedeutsames Medium anerkannt werden2 und wissenschaftliche Blogs im Besonderen mehr Akzeptanz finden. Ich finde es jedenfalls klasse, daß die wissenschaftliche Blogszene derzeit so lebendig ist.3
Um skeptische Wissenschaftler davon zu überzeugen, daß sich ein Blog bereits heute lohnen kann, ist erfahrungsgemäß das Vernetzungsargument recht schlagkräftig. Denn schließlich ist die Tatsache, daß sich über wissenschaftliche Blogs hilfreiche Kontakte ergeben und daraus sogar handfeste Projekte erwachsen, nicht so leicht von der Hand zu weisen. Blogs sind geeignete Vehikel, um Verbindungen zwischen Wissenschaftlern (und das über Disziplingrenzen hinweg) zu erzeugen - wenn das kein Argument ist, dann weiß ich auch nicht weiter.
Blogs sind Katalysatoren für Wissenschafts-Netzwerke: sie erhöhen die Sichtbarkeit und machen Kooperation wahrscheinlicher.
Dabei zeigt sich, daß Blogs quasi als Katalysatoren wirken: sie stellen die notwendige Kommunikationsinfrastruktur dar, sie erzeugen erst die Sichtbarkeit, die notwendige Bedingung dafür ist, daß sich die einzelnen Wissenschaftler überhaupt wahrnehmen. Und wie es mit Katalysatoren eben so ist:4 sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit und Geschwindigkeit einer “Reaktion”, d.h. von Austausch, Kontakten und Kooperation.
Und diese Kontakte ergeben sich ja nicht ausschließlich nur direkt im Blog. Die Blogosphäre wird ja ohnehin mißverstanden, wenn sie nur auf die digitalen Kommunikationsakte, die in Blogposts und Kommentaren nachlesbar sind, reduziert wird. Denn Blogger kommunizieren auch über andere Kanäle und sie treffen sich auch - man höre und staune - offline. Und solche Treffen, egal ob bei Barcamps oder anderen Anläßen, sind ebenfalls wunderbare Kontaktbahnhöfe.
Internationale Wissenschaftsblog-Konferenz in London
Wer sich mit Wissenschaftsbloggern aus anderen Ländern vernetzen will, hat dazu übrigens am 30. August 2008 Gelegenheit. In London findet unter dem Titel “Science Blogging 2008″ eine Konferenz statt, die sich genau den Fragen annimmt, die ich hier in der Wissenswerkstatt auch häufig aufwerfe: Wie läßt sich die Akzeptanz von Wissenschaftsbloggern erhöhen, ist wissenschaftliches Bloggen der eigenen Karriere förderlich oder ist sie ein Hemmschuh etc. ?
Organisiert wird das Treffen von den Nature-Blogs, federführend agiert Matt Brown. Hier der Ankündigungstext:
“The science blogging community is growing rapidly and reaching larger audiences. At Science Blogging 2008, science bloggers from around the world will have the opportunity to meet and discuss the pressing issues in science, science communication, publishing and education. What can science bloggers do to maximise their impact? Can blogging contribute to scientific research and careers? How can blogs be used to help educate the public about science?”
Klingt spannend und vielleicht ergreift ja jemand aus der deutschsprachigen Community die Gelegenheit und fliegt nach London? Ich selbst werde dort5 nicht teilnehmen.
Wissenschaftsblog-Barcamp in Deutschland?
Allerdings möchte ich an dieser Stelle verraten, daß ich gestern am Rande der Gründungsversammlung der AG Social Media mit Steffen Büffel ganz kurz darüber gesprochen habe, ob sich etwas ähnliches - also ein Wissenschaftsblogger-Barcamp - nicht auch hier in Deutschland organisieren ließe. Vielleicht reicht es ja noch für Ende des Jahres? Oder dann gleich Januar/Februar 2009?
Bislang gibt es nur die Idee - aber ich denke, daß wir6 das weiterverfolgen. Wir bleiben also am Ball - aber zunächst hier die Frage: Besteht überhaupt Interesse? Gibt es Bedarf am Erfahrungsautausch im Bezug auf das wissenschaftliche Bloggeschäft?
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- Nein, damit ist keine Anspielung auf Wolfgang Neuss verknüpft, der als Kabarettist und Schauspieler bis in die 70er Jahre brillant war, danach aber leider mehr und mehr seinem Drgenkonsum Tribut zollen mußte. [↩]
- Die EU beabsichtigt offenbar die Förderung von sog. “Community Media” wozu im weiteren Bereich auch Web2.0-Formate gehören. [↩]
- Und das ist erst der Anfang! ;-) [↩]
- Die Chemiker verzeihen mir die nicht 100% stimmige Metapher. [↩]
- Aus Zeit- und Kostengründen. [↩]
- Steffen hat ja Erfahrungen auf dem Gebiet, dazu sollten wir einige andere, organisationsfreudige Mitstreiter haben. [↩]
Über diesen Artikel
Sie lesen gerade »Wissenschaftliche Blogs als Netzwerk- und Kommunikationskatalysatoren » Blogger-Konferenz “Science Blogging 2008″ | Werkstattnotiz LXXXVI«, einen Artikel der Wissenswerkstatt.
- Veröffentlicht am
- 8. Mai 2008 | 14:32
- Autor:
- Marc
- Abgelegt unter:
- Werkstattnotizen
- Schlagworte:
-
Barcamp, Wissenschaftsblogs, Wissenschaftskommunikation
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- Gelesen: 807 · heute: 2 · zuletzt: 28. August 2008, 4:32
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