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Rowohlt hat Geburtstag ::: Interview mit Frank Westphal ::: Der Mythos leergefischter Meere | Werkstatt-Ticker 08

8. April 2008 | 08:00 Gelesen: 7022 · heute: 3 · zuletzt: 25. May 2017 1 Reaktion

Ticker_02a.jpg»Auch Verlage feiern Geburtstag. Mit dem Rowohlt-Verlag begeht dieses Jahr einer der renommiertesten und wichtigsten deutschen Literaturverlage sein einhundertjähriges Jubiläum. Es gibt wohl keinen Wissenschaftler oder gar Literaturfreund, der kein Buch im Regal stehen hat, auf dessen Rücken das Kürzel "rororo" prangt.

Im 1908 in Leipzig gegründeten Verlag, der seit langem in Reinbek bei Hamburg residiert, hatten so illustre Literaten wie Franz Kafka, Robert Musil oder Vladimir Nabokov ihre Heimat. Von Camus und Sartre ganz zu Schweigen.

Die Sprachspielerin hat einige persönliche Anmerkungen zum Rowohlt-Geburtstag verfasst:

"Rowohlt hat dieses gewisse Etwas, ein aufregendes, ein bisschen anrüchiges, anstößiges, erotisches, modernes und avantgardistisches Etwas, finde ich. Also gehen hiermit die herzlichsten Glückwünsche zum Geburtstag von mir an meinen Lieblingsverlag!"

Und sie verweist auf einige weitere lesenswerte Artikel und Links. Und auch einen Jubiläumsblog gibt es. Ob der auch wirklich mit Leben gefüllt wird, muß sich erst noch zeigen.

 

» Erst gestern habe ich auf "Rivva" hingewiesen, den Nachrichten-Dienst, der versucht die zentralen Diskursbewegungen der Blogwelt nachzuvollziehen. Wer in der linken Seitenleiste auf den Link "Rivva-Newskontext" klickt, der findet Artikel, auf die ich verweise, all die Blogposts, die evtl. auf mich verweisen und dazu noch thematisch verwandte Quellen. 

Auf 1000ff. ist ein interessantes Interview mit Frank Westphal, dem Macher von Rivva erschienen. Dort gibt er Auskunft zu seiner Intention, weiteren Plänen und dem alltäglichen Kampf, den Dienst funktionsfähig zu halten und weiter zu optimieren.

"Ich versuche, die dumme Maschine genau so zu programmieren, dass sie automatisch das erledigt, was auch ein Mensch machen würde, der nix besseres zu tun hätte, als rund um die Uhr tausende von Blog- und Nachrichtenfeeds nach den interessantesten Geschichten zu durchforsten."

Zu seiner Idee sagt er:

"Na klar, einen Teil des Wertes eines Dienstes wie Rivva besteht in der Echtzeitfähigkeit, die hoffentlich wesentlichsten Konversationsstränge im Netz quasi live mitverfolgen zu können." 

Und er übt auch Kritik an der mangelhaften Verlinkungs-Praxis.1 Manche Blogger nehmen es offenbar nicht mehr so genau und verschweigen, woher sie eine Information hatten: 

"Die Sphäre kanibalisiert sich eigentlich relativ stark selbst, muss ich sagen. Dass Quellen richtig genannt/verlinkt werden, war einmal eine großgeschriebene Tugend unter Bloggern und ein Mangel, den man eher den Massenmedien vorgehalten hat. Aus Rivva-Sicht lässt sich der “Content-Diebstahl der anderen Art” allerdings ständig beobachten. Keine Credits zu geben, wo Credits fällig wären, ist und bleibt nicht-cool."

 

» Ein hochinteressanter Artikel2 zur Frage, welche negativen Faktoren dem Zustand der Weltmeere am massivsten zusetzen, war vor wenigen Tagen in der NZZ zu lesen. Meeresökologen debattieren seit Jahren über den Anteil verschiedener Einflüsse auf die zukünftige Entwicklung der Meere. Dabei reicht die Palette vom Schiffsverkehr3 über die damit zusammenhängende Einschleppung fremder Meeresorganismen in sensible Zonen bis zum Temperaturanstieg infolge des Klimawandels oder den Stickstoff- und Phosphoreintrag, der über die Flüsse der Anrainer erfolgt.

Das sind nur einige der Faktoren, die beachtet werden wollen. Immer dabei – und eben auch in der öffentlichen Diskussion zuerst genannt – ist die Fischereiwirtschaft. Der Artikel erläutert, daß hier oftmals eine verzerrte Wahrnehmung stattfinde. Der Autor Gregor Klaus zitiert Christopher Zimmermann vom Institut für Ostseefischer, wonach

"Global gesehen, sei die Fischerei angesichts der Schadstoffeinleitungen, der Überdüngung, der Öl- und Gasextraktionen, der Versauerung der Meere und der Ausbreitung invasiver Arten sicher nicht der dominante menschliche Faktor."

Es sind – jedenfalls für mich – einige interessante Gedanken dabei und der Feststellung, daß die pauschale These der Überfischung der Weltmeere nicht haltbar ist, kann man wohl getrost zustimmen. Wie erläutert wird, fehlen für eine solche Behauptung schlicht die Daten.

Nicht ganz sicher bin ich mir, ob der Autor den (lobbyistischen?) Argumenten der Fischereisympathisanten nicht zu viel Platz einräumt und hier zu unkritisch ist. Man sollte aber wohl wirklich skeptisch sein, wenn wieder einmal dicke Schlagzeilen den Kollaps der Fischbestände und das nahe Ende des "Ökosystems Meer" verkünden.



  1. Das Interview habe ich bei Rivva selbst gefunden… []
  2. Den Link verdanke ich Reto Stauss. []
  3. Und hier wären die Containerschiffe von den Fähren und die wiederum von den Öltankern zu unterscheiden… []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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Kommentare

Eine Reaktion »

  • Fischer :

    Ich habe mit dem Fischerei-Artikel so ein bisschen meine Probleme, und zwar gar nicht so sehr vom Sachinhalt her, sondern vom… Gesamteindruck, wenn man mal so will. Das ist zwar alles nicht falsch und auch informativ, aber wenn man mit großem Buhei eine „ketzerische“ These aufstellt, sollte man sie anschließend nicht gleich häppchenweise wieder einkassieren.

    Denn:
    Global gesehen und wenn man den ganz großen abstrakten Bogen schlägt, dann ist Fischerei nicht der entscheidende Faktor. Wenn man aber mal vom Abstrakten zum Konkreten, sprich: vom eher wolkigen Meeresökosystem zum greifbaren Thunfisch, Kabeljau oder meinethalben Seehecht übergeht, dann hat die Fischerei einen beträchtlichen Einfluss. Was ja auch in dem Artikel klar gesagt wird.

    Insofern ist der Titel irreführend, oder nicht? Was genau ist jetzt der Mythos an der Überfischung? Mir ist nicht so ganz klar, was uns der Autor jetzt damit sagen will, und ich habe auch das Gefühl, der Autor weiß es am Ende selbst auch nicht mehr so genau.

    [twort T]

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