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Nomenklatur 2.0 » Auf der Namenssuche für Fossilien | Werkstattnotiz XXXVIII

21. November 2007 | 17:51 Gelesen: 7286 · heute: 2 · zuletzt: 27. July 2017 2 Reaktionen

Da sage noch einer, die Blogosphäre sei ein hoffnungslos selbstreferentielles Getratsche! Alle Skeptiker, die beharrlich behaupten, die Blogger seien sich selbst genug und hätten schon längst den Bezug zur Offline-Welt verloren, seien hiermit aufgefordert, sofort auf die Website von Björn Kröger zu surfen!

Spekulationen, über neue Suchalgorithmen von Google oder den nächsten Hype des Internetmarketings, sucht man auf Björns Blog "tiefes leben" ohnehin vergebens. Kein Wunder, schließlich ist Björn mit einem Doktortitel ausgezeichnet, der ihn als einen versierten Paläontologen ausweist. Und seit kurzer Zeit bringt Björn die umfangreiche Fossiliensammlung des "Naturhistoriska Riksmuseet" in Stockholm auf Vordermann.1

Wann darf man schon mal 500 Millionen Jahre alte Fossilien "taufen"?

Vorrangig handelt es sich offenbar um Stücke, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf der Insel Öland gefunden wurden. Allerdings hatte sich aus verschiedenen Gründen noch niemand die Mühe gemacht, alle Fossilien eingehend zu sichten, zu bewerten und zu beschreiben. Die meisten Fundstücke sind – wie Björn schreibt – einem gewissen Gerhard Holm und seiner Frau zu verdanken, allerdings sind diese Funde kaum wissenschaftlich erschlossen.

Er [Gerhard Holm] hat dort nun auch viele Cephalopoden gesammelt. Selbst hat er nur ganz wenig zu diesen Stücken veröffentlicht, vor mehr als hundert Jahren. Seitdem wurden nur ganz wenige von den tausenden Stücken bearbeitet und beschrieben. 1990 hat einmal ein armer Brite eine dicke Doktorarbeit darüber verfasst, die Arbeit jedoch nie veröffentlicht. Dabei sind die Stücke extrem wichtig. [Quelle]

Nun aber sitzt Björn gerade über diesen tollen Fossilien und muß bzw. darf auch einige Stücke erstmals benennen. Und genau dafür sucht er aktuell noch ein wenig Unterstützung:

Diese Tage bin ich dabei, bisher unbekannte Nautiloideen zu beschreiben die zu den absolut ältesten ihrer Ordnung gehören. Die Dinger nennen sich Oncoceraten und kommen alle aus einer Kalkschicht aus dem Norden der Insel Öland die genau 471 Millionen Jahre alt ist und sehen ganz schön aus. [Quelle]

Denn inzwischen gehen ihm schon die Namen aus: wer also Ideen hat oder Anregungen, wie diese Nautilodeen2 denn "getauft" werden sollen, hat jetzt die vermutlich ziemlich einzigartige Gelegenheit dazu, sich einzubringen. Also: schnell rüber zu Björn und spart nicht mit Vorschlägen! So ein Angebot kommt auch in Zeiten der Wissenschaft 2.0 nicht so schnell wieder!

 


Links zu Björns aktueller Tätigkeit:

  1. Hey Martina, hast Du dir die Sammlung schonmal bekuckt? Vielleicht ja mal Anlaß für eine Wochenendunternehmung? Und wenn Du dich vorher anmeldest, gibt Dir Björn vielleicht ja auch ne kurze exklusive Führung?! ;-) []
  2. Sie stammen aus der Endphase des Kambriums, also von vor 500 Millionen Jahren. Und die Nautiloideen – so habe ich mich schlau gemacht – zählen zur Klasse der Kopffüßer, mehr Info hier bei Wikipedia. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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Kommentare

2 Reaktionen »

  • Björn :

    Toll, danke für deine Unterstützung. Wenn ich also mal wieder ein paar Namen brauche…

    Ein Kollege von mir hat mal einen ganzen Schwung Neogener Pteropoden nach den Vornamen der MitschülerInnen seiner Tochter benannt. :-)

    [twort T]

  • Marc :

    Bitte, bitte, gern geschehen. Auf so eine einzigartige Möglichkeit sich hier einzubringen, muß man doch hinweisen. Und wie ich den Kommentaren entnehme, wird dieses ungefähr 471 Millionen Jahre alte Fossil auf den zeitgemäßen Namen „Webduoceras“ getauft. Schön! :-)

    [twort T]

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