Klick mich! Die todsichere Strategie den Traffic zu erhöhen » Ende der Bildergalerien? | Werkstattnotiz XXXV
Wieviele Online-Redakteure wohl über der Frage brüten, wie sich möglichst hohe Klickzahlen generieren lassen? Demjenigen, der hierfür eine innovative Strategie entwickelt, winkt mit Sicherheit eine stattliche Belohnung und vermutlich umgehend die Beförderung zum Chefredakteur.
Denn machen wir uns nichts vor: die Qualität der Texte und die Aktualität der Informationen sind im heutigen Online-Nachrichtengeschäft nur von nachgeordneter Bedeutung. Was zählt, ist der Traffic, der auf der Website zusammenläuft; was zählt, ist die Anzahl der aufgerufenen Seiten und sei deren Informationswert noch so gering. Entscheidend sind die Page-Impressions, also die Summe der Klicks, die eine Website erzielt. Und um diesen (für die Werbeerlöse ausschlaggebenden) Wert zu erhöhen, ist leider fast jedes Mittel recht.
Das einzige Kriterium ist die Zahl der Seitenzugriffe. Wie diese zustande kommen, ist nebensächlich. Unsinnige Bildergalerien sind leider das Mittel der Wahl.
Und deshalb sind ganze Heerscharen von Volontären und Praktikanten damit beschäftigt, auf möglichst elegante Weise die Leser dazu zu verleiten, nicht nur den einen Artikel zu lesen, weswegen sie den Weg auf die Seite von FAZ, SZ, ZEIT oder SpiegelOnline gefunden haben, sondern nebenbei noch vier, fünf oder besser: zwanzig weitere Seiten anzuklicken. Was der User davon hat, ist nebensächlich. Die Seitenstatistik wird in die Höhe getrieben und die kaufmännische Abteilung freut sich. Das Mittel der Wahl sind derzeit Bildergalerien. Zu jedem Thema, das sich anbietet (und ja, ich gestehe: auch leider zu jedem Thema, zu dem es sich nicht anbietet), werden flugs ein paar Photos rausgesucht, die man sich als neugieriger Zeitgenosse ansehen soll. Klick um Klick.
Daß man die Leser in den allermeisten Fällen für dumm verkauft und sie insgeheim wohl auch dafür hält, ist leider offensichtlich. Und ebenso bedauerlich ist, daß die seriöseren Online-Angebote (eben das der Süddeutschen Zeitung oder von SpiegelOnline und Co.) es in ihren marktschreierischen Methoden mit den boulevardesken Portalen locker aufnehmen können. Stefan Niggemeier hat wiederholt darauf hingewiesen, wie etwa SZ oder n-tv ihre Seiten zu Klickmaschinen umbauen.
Der Ausweg: wenn schon Dada, dann richtig
Um ehrlich zu sein, bin ich selbst mehr als genervt von diesen peinlich-anbiedernden Versuchen, mich zum Durchklicken durch diese Nonsense-Galerien zu bewegen. Gibt es keine andere Lösung, um möglichst viele User auf die Seite zu locken? Vielleicht könnte man ja anstelle der Photo-Galerien vorübergehend folgendes "Feature" einbauen: für WordPress gibt es neuerdings nämlich ein kleines Plugin, das aus dem Bloginhalt kleine Zufalls-Miniaturgedichte erstellt.
Die Sprachspielerin nebenan hat es in ihrem Blog eingebaut und erste Ergebnisse des Dada-Generators veröffentlicht.1 Mit jedem Neuaufruf der Website generiert das Plugin neue lyrische Versuchsballons. Auf den ersten Blick ist das Ergebnis meistens purer Nonsense – und unterscheidet sich damit nicht von der seitherigen Bildergalerie-Unkultur. Bei mehreren Versuchen und bei genauem Hinsehen findet man aber immer wieder nette Miniaturen – ausprobieren [hier oder bei der Sprachspielerin] lohnt sich. Und Ergebnisse dürfen natürlich gerne auch in den Kommentaren dokumentiert werden… ;-)
Und hier ist ein erster Zufalls-Gedicht-Entwurf [beim erneuten Laden der Seite wird auch jeweils das Gedicht neu erstellt]:
Eine Bringschuld des
entlarvt wird. Ich für
Verlag zu einem Kaufpreis
Rasen im Basler Stadion wieder ein Bild
Gasparini 2004 .Es bedarf
eingetragen haben. Ein
Praktiken des Boulevard Journalismus
kamenin in seinem Blog und ich in diesem
Teil weit Tradition. So
Hier entscheidet einfach, ob
brachte. Es hat vielleicht
angesehen werden können.
Risk Governance: Coping
ist. Einige fachliche Anmerkungen zur hat
Deutschland längst zum Volkssport geworden.



Noch sicherer als Bildergalerien ist ja das Aufsplitten des Textes
[1] [2]
in mehrere Teilstückchen, die dann jeweile eine PI erzeugen.
[1] [2]
Ja, sicher. Das ist eine andere Unsitte – bei langen Texten ist es ja manchmal verständlich, daß hier auf zwei Seiten serviert wird, aber inzwischen werden selbst ganz ordinäre Artikel auf vier oder gar fünf Seiten verteilt. Aber immerhin steht dann auf Seite fünf noch was Wissenswertes, die Bildergalerien enthalten selbst im günstigsten Fall außer 2-3 relevanten Photos nur Ausschuß und Füllmaterial.
Aber ob man sich um die Statistik oder um die Zufriedenheit der Leser bemüht, ist ja wohl keine Sache der Zeit, sondern eine Sache der Einstellung.
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