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Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes & Links – 18

17. Oktober 2007 | 13:36 Gelesen: 7829 · heute: 2 · zuletzt: 26. July 2017 1 Reaktion

Fundstuecke_01c.jpgDurch das Fenster leuchten gerade die vermutlich letzten wirklich warmen Sonnenstrahlen dieses Jahres und deswegen werde ich mir später noch den Luxus gönnen und einen kleinen Herbst- bzw. Spätsommerspaziergang machen. Zuvor gilt es aber noch einige Fundstücke zu präsentieren, denn die letzten Tage hat sich einiges angesammelt. Der letzte Teil meiner Betrachtungen zu den Chancen und Schwierigkeiten, die mit der (breitenwirksamen) Thematisierung von politischen Fragen in Blogs verbunden sind, folgt eher gegen abend.

Vorhin murmelte die Radiosprecherin etwas von Schneefall, der sich im Voralpenland für die nächsten Tage bereit macht. Insofern wird man ja beinahe etwas wehmütig. Und deshalb der Herbstspaziergang, wie eben erwähnt. Und bei der Gelegenheit klingen mir einige Takte des wunderbaren Tocotronic-Songs "Jenseits des Kanals" im Ohr – die abschließenden Zeilen lauten:

Ich stand allein in meinem Garten
Alles schien erstarrt in einem Warten
Auf die letzten Sommertage dieses Jahres
Und mir war es
Alles andere als fremd

So ist das. Sehr schön gesagt und sehr treffend.

 


»1. Um mit einem kleinen Verweis und einer Empfehlung zu beginnen: Soeren Onez, der im bürgerlichen Leben Raphael heißt und in Marburg u.a. Philosophie studiert, ist einigen mit seinem Onezblog bekannt. Sein direkter, ungefilterter Stil und eine gewisse Wut, die manchmal zwischen den Zeilen mitschwang, machte den Onezblog zu etwas besonderem. Nach einigem hin und her hat sich Soeren nun entschlossen, seinen Blog aufzugeben und an anderer Stelle etwas Neues zu beginnen.

"Endlosrekursion" heißt das neue Kind und kommt in meinen Augen sehr vielversprechend daher. Es sind erst sehr wenige Artikel eingestellt, aber das Design stimmt und ist keinesfalls 08/15-mäßig von der Stange und wenn Soeren ein wenig seltener "Schnellschüsse" produziert und stattdessen mit einer größeren Gelassenheit textet und schreibt, lohnt es sich garantiert dort öfters reinzuklicken. Oder am besten gleich in den Feedreader damit. ;-)

Meine Empfehlung:

  • Endlosrekursion: Das Drama des menschlichen Bewußtseins ist seine Neugierde.

 


»2.  Habe ich eben etwas von Feedreader geschrieben? Ja, dann muß ich natürlich auch noch gleich eine weitere Empfehlung aussprechen: der Freeware-RSS-Reader "GreatNews" ist ein uneingeschränkt gelungenes Produkt. Ich hatte bis vor wenigen Tagen meine RSS-Feeds mit dem Firefox-Addon "Sage" gelesen. Das funktionierte durchaus, aber ein wenig mehr Funktionalität hätte ich mir gewünscht.

Einen Onlinereader (Bloglines, GoogleReader etc.) wollte ich nicht und so bin ich durch den Tipp von Frank Bueltge auf "GreatNews" gestoßen. Die Organisation der Feeds ist durchdacht, die Anzeige kann durch CSS-Templates individuell angepaßt werden und es ist auch eine Verschlagwortung der Posts möglich. Zudem ist ein "tracking" der Kommentare zuschaltbar… Wer also mit seinem Reader nicht wirklich zufrieden ist, dem sei "GreatNews" wärmstens ans Herz gelegt.

  • FeedReader: GreatNews (Hier sind die einzelnen Features gelistet + Download-Link)

 


»3. Nun aber Ende der Werbeeinblendung und weiter mit profanen Linktipps: Tina Günther hat an der Herbsttagung der DGS-Sektionen "Arbeits- und Industriesoziologie" und "Techniksoziologie" teilgenommen und einen sehr detaillierten und informativen Bericht dazu geschrieben.

Thematischer Schwerpunkt war der Innovationsbegriff. Renate Mayntz – die ich bei Tina zum ersten Mal auf einem Photo sehe – hielt den einleitenden Vortrag unter dem Titel: "Von politischer Steuerung zu Governance? Überlegungen zur Architektur von Innovationspolitik" und im Anschluß wurden weitere spannende Vorträge präsentiert. Besonders interessant war offenbar der Vortrag von Horst Kern, der seine Gedanken zu den Randbedingungen von Kreativität und Originalität in den Sozial- und Geisteswissenschaften vorstellte. Kern zielte offenbar darauf ab, zu ergründen, welche Kriterien tauglich sind, um in den weichen Kulturwissenschaften zu bestimmen, welche Arbeiten tatsächlich innovativ sind und einen Fortschritt im disziplinären Kontext darstellen.

Gemeint sind Erkenntnisse und Schriften, die fundamental Neues liefern und dabei evtl. auch gegen die etablierten Institutionen und dominierenden Positionen gerichtet sind. Anders als in den Naturwissenschaften gibt es in den Geisteswissenschaften keine vergleichbar etablierten Wissenschaftspreise (wie z.B. Nobelpreise).

So greift man häufig auf Zitationshäufigkeiten zurück. Zitationsraten sind allerdings ebenfalls ein höchst zweifelhaftes Kriterium: erstens deshalb, weil Robert Merton’s Matthäus-Prinzip zufolge solche Publikationen in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken, die ohnehin vermehrt zitiert werden, zweitens, weil Wissenschaftler in anerkannter Rangreihe früherer bahnbrechender Publikationen auch dann profitieren, wenn spätere Publikationen weniger herausragend sind, drittens weil Zitationsraten eher über das strukturelle Umfeld eines Wissenschaftlers aussagen, das seine Arbeit absorbiert als die Genialität einer Schrift.

 
 


»4. Genauso lohnend und informativ ist die Zusammenfassung, die Benedikt Köhler von der gestern veröffentlichten "Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA)" angefertigt hat. Ich muß zwar gestehen, daß ich die Meinungsforscher aus Allensbach rund um ihre Chefin Renate Köcher nicht sonderlich schätze, aber die Erhebung ist natürlich seriös gemacht und ist hinsichtlich ihrer Aussagen auch belastbar (es wurden ca. 10.000 Interviews geführt).

Deutlich wird: das Internet steigt weiter in der Akzeptanz und die Nutzungsgewohnheiten verschieben sich weiter zu seinen Gunsten. Ich erlaube mir, im Hinblick auf zwei wesentliche Erkenntnisse, Benedikt zu zitieren:

Obwohl die Internetnutzung 2006 mit 67% bereits ein hohes Niveau erreicht hat, ist erneut eine Steigerung auf 72% möglich gewesen (…) Gleichzeitig nimmt der Anteil derer weiter ab, die auch auf absehbare Zeit nicht planen, das Internet zu nutzen (von 23% auf 19%).

Lobenswert ist die intensive Berücksichtigung des Web 2.0 in der Studie. Und so kann man der Studie auch einige Zahlen zur Blognutzung entnehmen. Kurz gefasst: Weblogs sind immer noch eine Nischen-Domäne. Obwohl 18% der Befragten Weblogs lesen, sind es nur 2% davon, die dies häufiger tun und 5% nur ab und zu. 

Deutlich ausführlichere Einschätzungen finden sich bei Benedikt:

 


»5. Abschließend – wie so oft – noch ein kleiner popmusikalischer Hinweis. Bei "stereogum" findet sich ein ganz besonderes Schmankerl. Dort steht ein "Tribute-Album" zum Download bereit, das R.E.M. bzw. deren Album "Automatic for the people" die Ehre erweist.

Es war 1992, als Michael Stipe und seine Mannschaft dieses Album veröffentlichte, und wenngleich ich mich nicht zu den REM-Fans zähle, muß ich wohl zugestehen, daß die Band zu "den Guten" gehört. Songs wie "Drive", "The Sidewinder sleeps tonite" und andere zählen durchaus zu den besseren Songs, die es in die Hitparaden geschafft haben.

Ich persönlich halte ja das drei Jahre später veröffentlichte "New Adventures in HiFi" für das meistunterschätzte Album der Band. Das also meine Empfehlung.

Drüben bei Stereogum gibt es aber Neuinterpretationen der alten REM-Hits zu hören (worauf ich durch Nicorola aufmerksam wurde); beteiligt haben sich sehr, sehr klangvolle Namen.

Rogue Wave – “The Sidewinder Sleeps Tonite”
The Veils – “Drive”
Shout Out Louds – “Man On The Moon”
Figurines – "New Orleans Instrumental No. 1"
The Wrens – "Nightswimming"

Um nur einige zu nennen; das Ergebnis finde ich teilweise nicht 100% überzeugend, aber reinhören lohnt sich! Und hier der Link:

Stereogum: A Tribute To Automatic For The People.


 

 

Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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Kommentare

Eine Reaktion »

  • Tina :

    Beim Projekt von Horst Kern dachte ich auch an die Wissenswerkstatt. Kern behandelt das Thema mit kritischer Distanz zum Tagesgeschäft und kann durch seine Erfahrung als Altpräsident einer Hochschule und Loslösung von den institutionellen und zeitlichen Rahmenbedingungen des Drittmittelgeschäfts als Emeritus Erfahrung und Freiheitsgrade einbringen, um die sozialen und strukturellen Bedingungen für Kreativität in den Sozialwissenschaften zu erforschen.

    [twort T]

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