Blogmythen revisited » Blog-Small-Talk in München | Werkstattnotiz VIII
Blogger sind geschwätzig, durstig, zuweilen etwas nachlässig rasiert und männlich. Zu diesem Urteil gelangt zumindest der Beobachter des gestrigen Bloggertreffens in München. Das Durchschnittsalter dürfte - über den Daumen gepeilt - bei 30 Jahren gelegen haben. Der jüngste Teilnehmer war Jonathan, der im nächsten Frühjahr erst noch sein Abitur macht, andere Blogger brachten dagegen mit etwas lichterem Haupthaar oder grauem Schopf ihre Autorität und Lebensweisheit zum Ausdruck. Und ich? Mittendrin! Nicht mehr ganz jung, ebenfalls schlecht rasiert, aber die Haare sind noch da, wo sie hingehören. ;-)
Gewiß ist die gestrige Stichprobe etwas klein, um auf den tatsächlichen Phänotyp des "typischen" Bloggers zu schließen; dennoch stand die Zusammensetzung der Teilnehmer in auffälligem Mißverhältnis zu den Daten, die v.a. Jan Schmidt immer wieder präsentiert.1 Er hatte ja bekanntlich in seiner Erhebung "Wie ich blogge" festgestellt, daß 45% der Blogbetreiber weiblich sind, eine andere Studie nennt gar einen Anteil von 2/3 aller Blogs, die von Frauen gestaltet und betextet werden. Deutet das Blogtreffen im "Rumpler" also eine Trendwende an? Naja, wie gesagt, man sollte hier natürlich keine ungültigen Schlußfolgerungen ableiten, aber dennoch war es auffallend, daß sich unter den ca. 30 Bloggern gerade drei Frauen befanden. Und die - das sei angemerkt - waren alle mit ihren ebenfalls bloggenden Partnern angereist.
Blogger sind kommunikativ, trinkfest, schlecht rasiert und männlich. Klischee? Blogmythos? Bestätigen Ausnahmen die Regel?
Was sich also sagen läßt: weibliche "Solo"-Bloggerinnen meiden Blogtreffen, zumindest in München. Aber vielleicht habe ich ja auch schlicht die Location schlecht gewählt? Hätte ich in der Beschreibung und Ankündigung nicht derart prominent darauf hinweisen sollen, daß die Bierauswahl ein Kriterium darstellte? ;-)
Egal: schon kurz nach 19 Uhr füllte sich die reservierte Ecke in der Gaststätte "Rumpler" und rund eine Stunde später waren fast alle angemeldeten Blogger versammelt. An den einzelnen Tischen wurde eifrig diskutiert; neue Start-Up-Pläne wurden mehr geraunt, als erklärt. Bisweilen wurde ein wenig gelästert, zumeist gab es viel Interesse, neugierige Fragen und wohlwollendes Schulterklopfen.
Ich selbst habe längere Zeit mit Benedikt vom "Poplog" gequatscht, den ich seit Studienzeiten nicht mehr gesehen hatte. Sein Projekt der "Metaroll" habe ich ja bereits gestern empfohlen. Jedenfalls stellten wir gemeinsam fest, daß die Soziologie das Phänomen Web2.0 und SocialSoftware (von einigen Ausnahmen abgesehen) bislang sträflich vernachlässigt. Bleibt abzuwarten, wann man hier größere Aufmerksamkeit zeigt.
Später gab es auf Roberts Vorschlag hin eine kleine Vorstellungsrunde der einzelnen Blogger, wobei deutlich wurde, daß das Spektrum der vertretenen Blogs kaum größer hätte sein können: von der Finanz- und Aktienbranche, über einen entstehenden Weltreise- und Touristikblog, schöngeistige Literaturblogs bis zu den Müslimachern von "Mymuesli" war alles versammelt.
Gelernt habe ich, daß die Rezepte bei der "Huettenhilfe" z.T. mit fachlicher Expertise eines Chemikers erstellt werden, der dann genau berechnet, weshalb nur 3g Hefe in den Pizzateig gehören. Und ein Pizzastein, so wußte Alin, gehört sowieso fast zum Pflichtutensil. Eine Kürbissuppe fehlt der Huettenhilfe allerdings noch…
Später verkleinerte sich die Runde. Schließlich waren nicht wenige von weit her angereist. Christian war etwa eigens aus Giengen a.d. Brenz gekommen und gleich eine ganze PKW-Ladung war aus der Oberpfalz zu Gast. Aber sie wurden vom Herrn Stoibär wieder sicher zurückchauffiert. Im kleinen Kreis konnte dann noch eine Blog- und Businessdiskussion zwischen Robert Basic und Frank Helmschrott verfolgt werden. Tja und Robert, obwohl er den weitesten Heimweg hatte,2 blieb tatsächlich bis zum Schluß. Und kurz bevor die zuletzt fünfköpfige Blogtruppe hinaus in die kalte, verregnete Münchner Nacht entlassen wurde, "beichtete" Robert noch (er möge mir diese Plauderei verzeihen), daß er seine Diplomarbeit noch mit einem 9-Nadel-Drucker zu Papier gebracht hatte. Fein säuberlich, jedes Blatt einzeln von Hand in den Einzug gelegt… Da ist das Diplom tatsächlich ehrlich verdient…
Insgesamt - wenigstens aus meiner Sicht - ein runder Abend. Die Location erwies sich, so deute ich das nette Feedback, als genau passend, alle hatten hergefunden und einige haben bereits ihre Eindrücke gepostet [etwa hier, hier, hier und hier]. Es spricht also wenig dagegen, einen solchen Treff bei Gelegenheit mal zu wiederholen. Ich würde mich auch wieder bereit erklären, ein angemessene Location zu organisieren… vielleicht ja irgendwann 2008?


Einige Eindrücke von gestern - andere Teilnehmer hatten ja auch ihre Kameras dabei - möglicherweise gibt es bald auch an anderen Stellen noch Photos zu sehen?
[Inzwischen haben Stoibär und Cindy von der Blogwiese auch ihre Photos online gestellt. Und Cindy hat ihre Aufnahmen sogar aufwendig und ausgesprochen hübsch zu einer Collage zusammengebastelt.]
- Und diese Frage wird ja immer wieder heiß diskutiert. Zuletzt verwiesen die Blogpiloten [hier] ebenfalls auf ein Interview von Jan Schmidt. Lesen!] [↩]
- Er ist aber offensichtlich gut angekommen und schon wieder fleißig am posten. [↩]
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Über diesen Artikel
Sie lesen gerade »Blogmythen revisited » Blog-Small-Talk in München | Werkstattnotiz VIII«, einen Artikel der Wissenswerkstatt.
- Veröffentlicht am
- 7. September 2007 | 13:15
- Autor:
- Marc
- Abgelegt unter:
- Werkstattnotizen
- Schlagworte:
-
Blogosphäre, München
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- Gelesen: 1431 · heute: 3 · zuletzt: 17. May 2008, 5:58
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