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	<title>Systemtheorie Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation </description>
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	<title>Systemtheorie Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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		<title>Blog-Teleskop ::: Kommunikation mit Zettelkästen &#124; Werkstatt-Ticker 30</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jun 2008 09:15:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>» Vernetzung &#38; Sichtbarkeit: Blog-Teleskop Was nutzen die tollsten Blogposts, wenn sie niemand liest? Es ist das Dilemma wissenschaftlicher Blogs, daß sie (bislang!) kaum die kritische Masse an Lesern erreichen, die notwendig wäre, daß sich besonders spannende Artikel durch Mund- bzw. Linkpropaganda herumsprächen. Ein Versuch, die Sichtbarkeit von Bloggern zu erhöhen, ist ja das Wissenschafts-Café, ... <a title="Blog-Teleskop ::: Kommunikation mit Zettelkästen &#124; Werkstatt-Ticker 30" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/blog-teleskop-kommunikation-mit-zettelkaesten-werkstatt-ticker-30/" aria-label="Mehr Informationen über Blog-Teleskop ::: Kommunikation mit Zettelkästen &#124; Werkstatt-Ticker 30">Weiterlesen</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/category/werkstatt-ticker/"><img decoding="async" class="alignright size-full wp-image-234" style="border: 1px solid #dcdcdc; margin: 6px; float: right;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/uploads/2008/04/ticker_02a.jpg" alt="Ticker.jpg" width="180" height="121" /></a><em></em></p>
<h4><span><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong> <span style="font-size: large;">Vernetzung &amp; Sichtbarkeit:<strong> Blog-Teleskop</strong><br />
</span></span></span></h4>
<p>Was nutzen die tollsten Blogposts, wenn sie niemand liest? Es ist das Dilemma wissenschaftlicher Blogs, daß sie (bislang!) kaum die kritische Masse an Lesern erreichen, die notwendig wäre, daß sich besonders spannende Artikel durch Mund- bzw. Linkpropaganda herumsprächen.</p>
<p>Ein Versuch, die Sichtbarkeit von Bloggern zu erhöhen, ist ja das <a href="http://www.wissenschafts-cafe.net/newsticker/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wissenschafts-Café</a>, das ich als Nebenprojekt betreibe. Einen anderen Weg geht nun Florian Freistetter von “Astrodicticum Simplex”. Er hat die spannendsten Blogposts der letzten Tage aus den deutschen Astronomieblogs gesichtet, zusammengefasst und kurz kommentiert.<sup><a id="identifier_0_305" class="footnote-link footnote-identifier-link"  href="#footnote_0_305">1</a></sup></p>
<p>Dieses handverlesene Best-Of ist gnadenlos subjektiv &#8211; aber gleichzeitig sehr lesenswert. Und in zwei Wochen wird das Blog-Teleskop von einem anderen Astronomieblogger verantwortet. Ich finde: unbedingt nachahmenswert!</p>
<div class="links_ticker">
<ul>
<li>Astrodicticum Simplex: <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2008/06/das-blogteleskop-1.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das <strong style="color: black; background-color: #ffff66;"></strong>Blog-Teleskop #1</a></li>
</ul>
</div>
<p><span><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong> <strong><span style="font-size: large;">Wikis als System </span></strong></span></span></p>
<p><a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Niklas Luhmanns</a> systemtheoretisches Vokabular und soziologisches Beaobachtungsinstrumentarium regt immer wieder zu kleinen Fingerübungen an. Luhmanns Begrifflichkeiten sind so raffiniert gebaut, daß sie auch für Phänomene taugen, an die der 1998 verstorbene Bielefelder Großmeister noch nicht denken konnte.</p>
<p>Was hätte Luhmann wohl zum kollaborativ-emergenten Wissensphänomene “Wiki” gesagt? Johannes Moskaliuk (selbst Wiki-Experte) hat das kurz ausprobiert. Seine Anmerkungen sind ausgesprochen lesenswert. Etwa wenn er sich die Frage stellt, wie etwa das Überraschungsmoment durch Wikis<sup><a id="identifier_1_305" class="footnote-link footnote-identifier-link"  href="#footnote_1_305">2</a></sup> neue, produktive Anschlüsse generiert,</p>
<p>Johannes zieht die Analogie zu Luhmanns eigenem Arbeitswerkzeug &#8211; dem “Zettelkasten” &#8211; als Vergleich heran.</p>
<blockquote><p>All diese Überlegungen führen Luhmann zu der Aussage, dass sein Zettelkasten ein „Zweitgedächnis, mit dem man kommunizieren kann“ sei. Und, dieser Zettelkasten ist „selbstständig“, er findet „Möglichkeiten, die so nie geplant waren“.</p></blockquote>
<p>Und tatsächlich ist ein Wiki dem gar nicht so unähnlich. Es ist simultanes Wissensspeicher- und Wissensgenerierungswerkzeug. M.a.W.: Das Wiki liefert mehr Informationen, als man (selbst) hineinsteckt.</p>
<p>Gibt es eigentlich noch andere, detaillierte Texte, die Wikis systemtheoretisch ausbuchstabieren?</p>
<p>Egal &#8211; der Text von Johannes ist wirklich klasse:</p>
<div class="links_ticker">
<ul>
<li>Moskaliuk, Johannes: <a href="http://blog.moskaliuk.com/kommunikation-mit-zettelkaesten-oder-das-offline-wiki/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kommunikation mit Zettelkästen oder Das Offline &#8211; Wiki</a>, 28.5.2008</li>
</ul>
</div>
<div class="invisible">
<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Wissenschaft%20+2.0">Wissenschaft 2.0</a></p>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Wikipedia">Wikipedia</a></p>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Luhmann">Luhmann</a></p>
<hr size="1" />
<ol class="footnotes">
<li id="footnote_0_305" class="footnote">Etwas ähnliches, allerdings nicht thematisch begrenzt und auch nicht im Wechsel mit anderen Bloggern, ist ja mein Ticker. Hier versuche ich ja eben auf verschiedene andere Blogs hinzuweisen und diesen somit auch ein wenig mehr Aufmerksamkeit zuzuspielen… [<a class="footnote-link footnote-back-link" href="#identifier_0_305">↩</a>]</li>
<li id="footnote_1_305" class="footnote">Es sind die anderen “Akteure”, die das System irritieren! [<a class="footnote-link footnote-back-link" href="#identifier_1_305">↩</a>]</li>
</ol>
<hr size="1" />
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/blog-teleskop-kommunikation-mit-zettelkaesten-werkstatt-ticker-30/">Blog-Teleskop ::: Kommunikation mit Zettelkästen | Werkstatt-Ticker 30</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Jun 2007 13:51:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Blogosphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Luhmann]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
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		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Stauraum in der Werkstattecke wird schon wieder knapp. Kein Wunder, wenn man bei all den Turbulenzen um G-8-Gipfel und die sie umrahmenden Proteste und die Dopingbeichten der Radprofis kaum mehr Zeit hat, konzentriert und in Ruhe in der Werkstatt zu arbeiten. Und wenn man sich dann noch unversehens mit einer Abmahnung konfrontiert sieht, dann ... <a title="Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/" aria-label="Mehr Informationen über Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/">Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" width="240" height="177" align="right" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/05/Fundstuecke_01c.jpg" alt="Fundstuecke_01c.jpg" style="border: 1px solid rgb(136, 136, 136); margin: 6px; padding: 1px;" />Der Stauraum in der Werkstattecke wird schon wieder knapp. Kein Wunder, wenn man bei all den Turbulenzen um G-8-Gipfel und die sie umrahmenden Proteste und die Dopingbeichten der Radprofis kaum mehr Zeit hat, konzentriert und in Ruhe in der Werkstatt zu arbeiten.</p>
<p>Und wenn man sich dann noch unversehens mit einer <a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/04/abmahnwelle-in-sachen-doping-wie-schnell-man-unbeabsichtigt-persoenlichkeitsrechte-verletzt-welche-rechercheverpflichtungen-habe-ich-als-blogger/" rel="noopener noreferrer">Abmahnung</a> konfrontiert sieht, dann ist die entspannte Blogroutine ohnehin erstmal dahin. Ich hätte vor wenigen Tagen auch nicht gedacht, daß ich mich so schnell mit den juristischen Vokabeln von Abmahnungen, Unterlassungsverpflichtungserklärungen oder sog. Schutzschriften auseinandersetzen muß.&nbsp;</p>
<p>Unterdessen hat sich im Fundstücke-Fundus allerdings wieder etwas angesammelt:</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">1.</font> </font>Einer der produktivsten und faszinierendsten Denker des 20. Jahrhunderts ist der Soziologe <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Niklas Luhmann</a>. Der gelernte Jurist und Verwaltungsexperte entwickelte ab Ende der 60er Jahre eine soziologische Systemtheorie, die in origineller Weise an philosophische, literarische oder biologische Konzepte anknüpft und selbst vielfältiges Anregungspotential für weitere (Gedanken-)Gänge liefert.</p>
<p>In fast allen Texten des umfänglichen Werks Luhmanns, der 1998 verstarb, kann der aufmerksame Leser die Spur jenes Hilfsmittels nachverfolgen, das den Entstehungs- und Schreibprozeß Luhmanns begleitet und geprägt hat: <strong>die Spur des Zettelkastens.</strong> </p>
<p>Seine Lektüreerkenntnisse, Gedanken, Verweise, alles, was Luhmann in den Sinn kam, verzeichnete und verschlagwortete er auf Zetteln, die er nach einem strikten System, das Querverweise berücksichtigte, in einen Zettelkasten einordnete. Jeder Essay Luhmanns, jedes Kapitel eines Buchs  ist dann jeweils ein Beutezug, den Luhmann selbst in seinem Zettelkasten unternimmt. Die Architektur seines Denkens hat Luhmann in seinem Zettelkasten konserviert; die Architektur des Zettelkastens (dessen interne Komplexität und Anregungspotential) prägte dann im Schreibprozeß das Denken Luhmanns.</p>
<p><a href="http://www.media-ocean.de/2007/06/02/video-niklas-luhmann-erklaert-den-zettelkasten/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Steffen Büffel</a> hat einen kurzen Mitschnitt eines Luhmann-Porträts aus den 70ern aufgestöbert (ursprünglich aus der Doku &quot;Beobachter im Krähennest&quot;), wo der Meister selbst seinen Zettelkasten vorführt:</p>
<p><object width="425" height="350"><param value="http://www.youtube.com/v/tu3t_zzHJJs" name="movie" /><param value="transparent" name="wmode" /><embed width="425" height="350" wmode="transparent" type="application/x-shockwave-flash" src="http://www.youtube.com/v/tu3t_zzHJJs" /></object> </p>
<p></p>
<p>Inzwischen hat Alexander Filipovic unter &quot;<a href="http://geloggd.alexander-filipovic.de/2007/06/03/niklas-luhmann-als-video/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">geloggd</a>&quot;, die Sammlung mit Luhmann-Nostalgie-Videos komplettiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">2.</font> </font>Während mir ein Abmahnschreiben frech und zähnefletschend aus meinem Mailpostfach entgegen lächelt, widmen sich an anderer Stelle bloggende Kollegen genau dieser unerfreulichen Begleiterscheinung der Blogrealität. Abmahnungen sind Gegenstand der <a target="_blank" href="http://upload-magazin.de/?p=413" rel="noopener noreferrer">ersten Ausgabe </a>des &quot;Upload-Magazins&quot;, das sich der Thematik aus unterschiedlichen und sehr spannenden Blickwinkeln nähert.</p>
<p>Einerseits wird einem das kleine Einmaleins des Abmahnwesens kurz und prägnant vermittelt (z.B. im Beitrag &quot;Die 6 W des Abmahnens&quot;), andererseits gibt es auch Erfahrungsberichte von Betroffenen (Kirstin Walther vom &quot;<a target="_blank" href="http://www.saftblog.de/" rel="noopener noreferrer">Saftblog</a>&quot;) und Interviews mit Abmahnern (u.a. mit Folkert Knieper von &quot;Marions Kochbuch&quot;) zu lesen. Die Zusammenstellung ist spannend, informativ und kontrovers. Abgerundet wird das Ganze durch einige Überlegungen von Raphael Raue vom <a target="_blank" href="http://www.onezblog.de/" rel="noopener noreferrer">Onezblog</a> zu einer Blogethik und einem Ausblick in die Abmahnpraxis in anderen Ländern. Mit dem Urheberrecht beschäftigt sich ein Interview mit Rechtsanwalt Johannes Richard. </p>
<p>Die graphische Gestaltung ist meiner bescheidenen Ansicht nach sehr gut gelungen und das Magazin sollte Pflichtlektüre für alle aktiven Blogger werden!</p>
<p>Heruntergeladen werden kann diese Premierennummer [als PDF] des Uploadmagazins <a target="_blank" href="http://upload-magazin.de/magazin" rel="noopener noreferrer">hier</a>! </p>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»3</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">.</font> </font>Die Arbeit von Ärzten interessiert mich, wie in <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/27/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">früheren Artikeln</a> nachzulesen ist, nicht nur wenn es sich um Sportmediziner handelt. Ich habe mich immer wieder mit den Strukturen des Gesundheitssystems, der Arbeitssituation von Ärzten und medizinischen Fragestellungen befasst und innerhalb dieses aktuellen <a target="_blank" href="http://www.zeit.de/2007/24/M-EBM?page=1" rel="noopener noreferrer">ZEIT-Interviews </a>(7.6.2007) mit Dr. Edmund Neugebauer<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/#footnote_0_39" id="identifier_0_39" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Edmund Neugebauer ist Vorsitzender des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin und Direktor des Instituts f&uuml;r Forschung in der Operativen Medizin der Universit&auml;t Witten/Herdecke">1</a> werden einige Themen aufschlußreich angesprochen.</p>
<p>Im leider recht kurzen Gespräch unter dem Titel &quot;<a target="_blank" href="http://www.zeit.de/2007/24/M-EBM?page=1" rel="noopener noreferrer">Patient und Arzt auf Augenhöhe</a>&quot; weist Neugebauer u.a. darauf hin, daß die wahre Souveränität eines Arztes gerade darin zeige, wenn er in Zweifelsfällen auf die größere Expertise seiner Kollegen verweise. Interessant ist seine Anmerkung zum zwangsläufig eingeschränkten Wahrnehmungshorizont eines Arztes im Hinblick auf die Patientenzufriedenheit und erfolgreiche Behandlungen; Neugebauer führt aus:</p>
<blockquote>
<p>Denn er sieht oft nur die Patienten wieder, denen er mit seiner Behandlung geholfen hat. Die anderen, denen es durch seine Bemühungen nicht besser und manchmal sogar schlechter geht, wechseln zu einem Kollegen. Der Arzt hat also eine verschobene Wahrnehmung, die durch Zufall bestimmt sein kann und auf keinen Fall repräsentativ ist. </p>
</blockquote>
<p>&nbsp;Lesenswert!</p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">4.</font> </font>Der immer lesenswerte Sciblog weist <a href="http://www.sciblog.at/stories/8889/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">diesmal </a>auf eine in Science veröffentlichte Stellungnahme hin, die sich mit der bereits bekannten Resistenzbildung von Unkräutern gegen die derzeit dominierenden Totalherbizide mit dem Wirkstoff <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Glyphosat" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Glyphosat</a> befaßt. </p>
<p>Ursprünglich waren die Biotech-Firmen angetreten, um durch den Griff in den Werkzeugkasten &quot;Grüne Gentechnologie&quot; den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln effizienter und eleganter zu machen. Denn zunächst besteht schlicht das Dilemma, daß ein Herbizid sowohl die Nutzpflanze, als auch das als Unkraut etikettierte Gewächs schädigt. Dem US-Konzern <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Monsanto" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Monsanto</a> gelang es, gentechnisch veränderte Pflanzen zu entwickeln, die gegen das präferierte Herbizid Glyphosat resistent sind.</p>
<p>Nach diesem Erfolg vermarktete Monsanto das maßgeschneiderte Saatgut und das Totalherbizid unter dem Markennamen &quot;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Roundup" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Roundup</a>&quot; im Paket. Seit einigen Jahren [siehe den lesenswerten <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17469/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">telepolis-Artikel</a>!] mehren sich nicht nur die Hinweise, daß Glyphosat doch nicht so umweltverträglich ist wie versprochen, sondern auch, daß außerdem immer mehr Beipflanzen (=Unkräuter) Toleranzen entwickeln. Dieser Effekt wird natürlich dadurch verstärkt, daß glyphosatbasierte Herbizide eine marktdominierende Stellung einnehmen. Es gibt wenige Alternativen und aufgrund der breitflächigen Anwendung reichlich Gelegenheit zur Resistenzbildung. Auch hier zeigt sich also, daß Monopolbildungen unerwünschte Effekte zeitigen.</p>
<p>Der kritische Beitrag von Robert F. Service mit dem Titel &quot;<a href="http://www.sciencemag.org/cgi/content/summary/sci;316/5828/1114" target="_blank" rel="noopener noreferrer">A Growing Threat Down on the Farm</a>&quot;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/#footnote_1_39" id="identifier_1_39" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Science 25 May 2007: Vol. 316. no. 5828, pp. 1114 &ndash; 1117">2</a> nimmt Bezug auf die ebenfalls in Science veröffentlichte Studie von <a href="http://www.sciencemag.org/cgi/content/abstract/316/5828/1185" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Behrens et al</a>.,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/#footnote_2_39" id="identifier_2_39" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. &quot;Dicamba Resistance: Enlarging and Preserving Biotechnology-Based Weed Management Strategies&quot;, Behrens et. al., Science 25 May 2007: Vol. 316. no. 5828, pp. 1185 &ndash; 1188">3</a> die über die <a href="http://derstandard.at/?url=/?id=2893665" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">erfolgreiche Veränderung</a> des Erbgutes der Sojabohne berichtet. Von der Forschergruppe um Mark Behrens von der Universität Nebraska wurde in die Sojabohne, nach dem selben Prinzip wie bei Glyphosat, ein Resistenzgen gegen das hier schlagkräftige Herbizid Dicamba eingebracht. Die Frage ist freilich, ob man hier sehenden Auges wieder in die Falle der problematischen Resistenzbildung läuft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_39" class="footnote">Edmund Neugebauer ist Vorsitzender des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin und Direktor des Instituts für Forschung in der Operativen Medizin der Universität Witten/Herdecke</li><li id="footnote_1_39" class="footnote"><em>Science</em> 25 May 2007: Vol. 316. no. 5828, pp. 1114 &#8211; 1117</li><li id="footnote_2_39" class="footnote">vgl. &quot;Dicamba Resistance: Enlarging and Preserving Biotechnology-Based Weed Management Strategies&quot;, Behrens et. al., <em>Science</em> 25 May 2007: Vol. 316. no. 5828, pp. 1185 &#8211; 1188</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/">Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Hilflose Heiler » Wie krank macht das Gesundheitssystem seine Mitglieder?</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Apr 2007 11:05:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Luhmann]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
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		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Ausgangssituation ist alltäglich und schnell skizziert: wer ein Stechen im Knie oder ein Ziehen im Unterbauch verspürt, begibt sich zur Behandlung der fraglichen Beschwerden zu einem Arzt oder in schwereren Fällen sofort in eine Klinik. Dort erwartet den Patienten das medizinisch geschulte Fachpersonal, das den Ursachen der Krankheit mit allerlei (Diagnose-)Techniken und Instrumenten auf ... <a title="Hilflose Heiler » Wie krank macht das Gesundheitssystem seine Mitglieder?" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/" aria-label="Mehr Informationen über Hilflose Heiler » Wie krank macht das Gesundheitssystem seine Mitglieder?">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/">Hilflose Heiler » Wie krank macht das Gesundheitssystem seine Mitglieder?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Ausgangssituation ist alltäglich und schnell skizziert: wer ein Stechen im Knie oder ein Ziehen im Unterbauch verspürt, begibt sich zur Behandlung der fraglichen Beschwerden zu einem Arzt oder in schwereren Fällen sofort in eine Klinik. Dort erwartet den Patienten das medizinisch geschulte Fachpersonal, das den Ursachen der Krankheit mit allerlei (Diagnose-)Techniken und Instrumenten auf den Grund geht. Wachen und erfahrenen Auges, hochkonzentriert und beseelt von dem Wunsch zu helfen, zu lindern und zu heilen, rückt der Arzt dem gequälten Patienten buchstäblich auf den Leib.</p>
<p><strong>Das Gesundheitssystem als Beobachtungs- und Etikettiermaschine </strong></p>
<p>Was könnte selbstverständlicher sein? Der kranke Mensch hat den naheliegenden Wunsch, von seinen Leiden befreit zu werden. Und, wenn die Mittelchen der Hausapotheke, all die Kräutertees und Aspirin nicht mehr weiterhelfen, dann wird eben ein Fachmann konsultiert. Und zunächst müsste man diesem selbstverständlichen Vorgang auch keine weitere Beachtung schenken.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_0_23" id="identifier_0_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Interessant wird es &ndash; und das soll im vorliegenden Text skizziert werden &ndash; wenn man den Konsequenzen nachsp&uuml;rt, die sich aus den dem Medizinsystem zugrundeliegenden Leitdifferenzen/Beobachtungsmustern zwangsl&auml;ufig? ergeben.">1</a> Schließlich ist das Gesundheitssystem dasjenige gesellschaftliche Funktionssystem, das die Aufgabe der Salutogenese, also der &#8218;Gesundwerdung&#8216;, innehat. <strong>Die Grundunterscheidung</strong> bzw. Leitdifferenz [wenn man hier die Luhmann&#8217;sche Terminologie verwenden will]<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_1_23" id="identifier_1_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Niklas Luhmann hat sich nur in wenigen Texten explizit mit dem Gesundheitswesen befasst. Allerdings erscheint die konstruktivistische Perspektive besonders geeignet, das Gesundheitssystem in den Blick zu nehmen; denn was anderes als &sbquo;Konstrukte&lsquo; sind die Etiketten Gesundheit/Krankheit, die ja eben, wenn sie nicht beobachtet und [differentialdiagnostisch] unterschieden w&uuml;rden, tats&auml;chlich irrelevant w&auml;ren. Gerade die hochtechnisierte Medizin unserer Zeit hat den ehemals vorhandenen Zusammenhang zwischen &sbquo;erlebt-erlittenen&lsquo; [=sp&uuml;rbaren] Symptomen und Behandlungsbed&uuml;rftigkeit aufgel&ouml;st.
Die Terminologie und Handlungslogik der Medizin ist nicht mehr direkt an die K&ouml;rper- und Sinneswelt des Patienten gekoppelt. Oftmals ist es erst und ausschlie&szlig;lich die &sbquo;Beobachtung&lsquo; durch Instanzen des Gesundheitssystems, die einen Menschen zu einem Patienten macht. Denn was w&uuml;&szlig;te der erkrankte Mensch bei fehlenden Schmerzen und Symptomen von seiner in seinem K&ouml;rper befindlichen &sbquo;Krankheit&lsquo; ohne das &sbquo;Beobachtungssystem&lsquo; Medizin? vgl. u.a. Luhmann, Niklas (1990): Der medizinische Code, in ders., Soziologische Aufkl&auml;rung 5, Konstruktivistische Perspektiven, Opladen 1990, S.183-217. ">2</a> <strong>ist diejenige von krank|nicht-krank</strong>. Was also das Gesundheitswesen als &#8218;<em>System</em>&#8218; interessiert, ist die Frage, ob die Klienten in das bezeichnete Schema passen, also <em>krank</em> sind und &#8211; dieser Punkt ist tatsächlich von entscheidender Bedeutung! -, ob dem <em>System Medizin</em> geeignete Verfahren zur Verfügung stehen, um diagnostizierte Krankheit in <del>vorläufige?</del> Gesundheit zu transformieren.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_2_23" id="identifier_2_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Es erscheint banal, aber ein kurzer Blick in die &auml;rztliche Praxis illustriert, welche Kunstfertigkeit erforderlich ist, um auf die jeweiligen Anforderungen [der Akutsituation, des zweifelnden Patienten, etc.] die richtige &sbquo;Antwort&lsquo; zu geben. Und jede Antwort ist &ndash; systemtheoretisch formuliert &ndash; [kommunikativer] Anschlu&szlig;. Und diese Anschl&uuml;sse addieren sich insgesamt als Sequenzkette zur &auml;rztlichen Handlungspraxeologie. Wobei, das ger&auml;t allzu leicht aus dem Blick, wenn die Medizin keine Anschl&uuml;sse [also Kommunikationseinheiten, die sich entweder als Diagnose oder Therapie ausgeben] parat hat, dann bleibt ihr nichts anderes als zu kapitulieren. M.a.W.: Die Medizin mu&szlig; immer weiter wissen!">3</a></p>
<p>Kurz gesagt: das Gesundheitssystem ist eine Instanz der Umetikettierung &#8211; es werden erkrankte Menschen [=Patienten] in das System eingespeist und bei Erfolg der Therapie mit dem Etikett &#8218;gesund&#8216; versehen und folglich entlassen. Wer nicht krank [im Sinne des Etikettierungs- und Beobachtungsapparats Medizin] ist, für den ist in den Institutionen des Gesundheitssystems kein Platz. Ernüchterte Patienten mit bspw. psychosomatischen Beschwerden können von dieser Praxis beredt Auskunft geben.</p>
<p>Aus dieser internen Funktionslogik heraus ergeben sich freilich bestimmte Konsequenzen, die als manifeste Strukturkomponenten und &#8211; wie zu zeigen sein wird &#8211; teilweise als latente Überforderungen zu Tage treten. Die Leitdifferenz krank|nicht-krank wird jedenfalls anhand vieler Details sichtbar; jeder kennt beispielsweise die klare Grenzziehung im Behandlungszimmer: der Patient sitzt auf einem Stuhl oder einer Krankenliege, auf der er Blutdruckmessung, Bestimmung weiterer Vitalwerte und die Befragungstechniken der Anamnese über sich ergehen läßt bzw. wie es im Wort &#8218;Patient&#8216; zutreffenderweise zum Ausdruck gebracht wird: <em>erduldet</em>. Hinter dem Schreibtisch sitzt der weißgewandete Repräsentant des Gesundheitssystems, vor dem Schreibtisch das kranke Häuflein Elend. Allerdings, und hier wird es spannend, verstellt diese so offensichtliche Unterscheidung zwischen krank|gesund den Blick auf einige Nebeneffekte dieser Systemstruktur.</p>
<p><strong>Der blinde Fleck und die Krankheitsimmunität des Gesundheitssystems </strong></p>
<p>Eine der augenfälligsten Nebenfolgen der geschilderten Beobachtungsroutinen ist die Blindheit des Funktionssystems &#8218;Medizin&#8216;, wenn die Gesundheit ihrer Angehörigen (also der Ärzte und des Pflegepersonals) selbst in Frage steht. Dieser Umstand wurde in letzter Zeit immerhin in verschiedenen Zeitungsartikeln thematisiert [<a  href="http://www.zeit.de/2007/05/M-Aerztegesundheit" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>, <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0420/wissenschaft/0002/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>] und resultiert aus dem (zumindest vordergründigen) Paradox, daß bezüglich des physischen und psychischen Wohlbefindens seiner Mitglieder das Gesundheitssystems lange Zeit blind war.</p>
<p>Diese eingebaute &#8211; wenn man so will &#8211; Sehschwäche kann allerdings (wenigstens systemtheoretisch bedacht) kaum verwundern; <strong>ein Angehöriger des Gesundheitssystems kann </strong>&#8211; jedenfalls solange er durch sich und andere als solcher betrachtet wird &#8211;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_3_23" id="identifier_3_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ein Arzt oder ein Krankenpfleger wird niemals unter Beibehaltung dieser Statuszuschreibung bzw. dieses (Selbst-)Verst&auml;ndnisses krank. Dazu ist erst ein Perspektiv- und Rollenwechsel erforderlich: der kranke Arzt hat l&auml;ngst aufgeh&ouml;rt Arzt zu sein. Wenn Schmerzen und Symptomatik eine Erkrankung anzeigen, dann ist er nicht mehr l&auml;nger Arzt, sondern Patient!">4</a> <strong><em>nicht </em>erkranken</strong>. Oder, man könnte es auch mit <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Fuchs" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Peter Fuchs</a> sagen und feststellen: Das Gesundheitssystem ist niemals verschnupft.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_4_23" id="identifier_4_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="So der Titel seines Aufsatzes in: Bauch, Jost (2006): Gesundheit als System. Systemtheoretische Betrachtungen des Gesundheitswesens.">5</a></p>
<p>Allerdings wäre es verkehrt, darin eine Besonderheit des Gesundheitssystems zu sehen. Denn zumindest von einem systemtheoretischen Blickwinkel aus betrachtet ist es wenig erstaunlich, daß systemintern die Gesundheit des medizinischen Personals kaum eine Rolle spielt. Untersuchungen dazu liegen nur wenige vor. Aber hat sich jemals schon jemand gewundert, wieso Erhebungen zur Steuerzahlungsmoral von Finanzbeamten Mangelware sind? Und die Statistik, die aufschlüsselt, wieviele KFZ-Mechaniker jährlich mit Getriebeschaden auf bundesdeutschen Autobahnen liegen bleiben, muß vermutlich auch erst noch erstellt werden. Aber genauso wie die Steuerbehörden es nicht sehen können oder wollen, ob sich ihre eigenen Mitarbeiter im fiskalischen Regelungsdschungel innerhalb oder außerhalb der gesetzlichen Vorgaben bewegen, so zeichnet sich das Gesundheitssystem durch eine immanente Betriebsblindheit aus.</p>
<p><strong>Hierarchien, Unterordnung und Arbeitsüberlastung &#8211; Wie der Traumberuf Arzt zum Trauma wird</strong></p>
<p>Umso irritierter ist deshalb die Öffentlichkeit, wenn sie erfährt, daß es um die Gesundheit der deutschen Ärzte nicht zum Besten bestellt ist.</p>
<blockquote><p>Die eigene Gesundheit sei für Ärzte offenbar ein heikles Thema, sagte der DGIM-Vorsitzende<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_5_23" id="identifier_5_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Deutsche Gesellschaft f&uuml;r innere Medizin">6</a> Wolfgang Hiddemann vom Klinikum Großhadern der Universität München. &#8222;Es wird höchste Zeit, dass sich unser Berufsstand systematisch mit der eigenen körperlichen und seelischen Verfassung auseinandersetzt.&#8220; (&#8230;) Verdrängen, verschleppen, verheimlichen: Diese Verhaltensweisen scheinen bei kranken Medizinern besonders ausgeprägt zu sein.</p>
<p>[Siegmund-Schultze, Nicola: <a  href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0420/wissenschaft/0002/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ein Mediziner kennt keinen Schmerz</a>, Berliner Zeitung, 20.4.2007]</p></blockquote>
<p>Die Gründe hierfür sind bislang nur zu erahnen. Die aufzehrenden Arbeitsbedingungen an deutschen Kliniken spielen allerdings sicherlich eine Rolle. Aber auch niedergelassene Ärzte klagen immer massiver über Arbeitsüberlastungen &#8211; innerhalb einer Studie der Universität Erlangen-Nürnberg äußerten sich 77,7% aller Ärzte &#8222;resignativ oder unzufrieden über ihre vertragsärztliche Tätigkeit&#8220;, ca. 1/3 der Mediziner ist akut vom Burn-out-Syndrom bedroht.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_6_23" id="identifier_6_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Alle Werte sind einer Zusammenstellung von Dr. Renate Rottenfu&szlig;er entnommen; nachzulesen unter: &bdquo;Burnout deutscher Vertrags&auml;rzte. Konsequenzen f&uuml;r die betroffenen &Auml;rzte, ihre Patienten und das deutsche Gesundheitswesen&ldquo; auf www.aerztegesundheit.de">7</a> Neben der oftmals aufreibenden Tätigkeit ist es gerade in Kliniken auch das Arbeitsklima, das v.a. jungen Ärzten zu schaffen macht; wie in einem <a  href="http://www.zeit.de/2007/05/M-Aerztegesundheit" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Artikel der ZEIT</a> nachzulesen ist, gehört Mobbing zum Alltag in deutschen Krankenhäusern:</p>
<blockquote><p>(&#8230;) dass für die jungen Ärzte nicht nur lange Arbeitszeiten und schlechte Bezahlung Gründe zur Klage sind. Viele leiden auch am Arbeitsklima in den Krankenhäusern. Gilt es als selbstverständlich, mit den Patienten freundlich umzugehen, ist im Umgang mit Kollegen offenbar das Gegenteil indiziert: Schwächen und Probleme sind unerwünscht, es wird hart und rücksichtslos kritisiert. »Da bleibt keine Zeit, kein Raum, keine Kraft, um Konflikte in Ruhe auszutragen«. (&#8230;)</p></blockquote>
<p>Besonders die Nachwuchsmediziner leiden unter dem hierarchisch organisierten System, in dem die strikte Rang- und Hackordnung die untergebenen Ärzte oftmals zu Befehlsempfängern degradiert. Bezüglich ihrer Lebenszufriedenheit äußerten sich bspw. nur 6 Prozent der Assistenzärzte positiv und mehr als 50% klagten über Schlafprobleme. Im Zeit-Artikel (25.1.2007) ist zu lesen:</p>
<blockquote><p> »Wir können davon ausgehen, dass viele Mediziner in Deutschland psychisch beeinträchtigt sind«, sagt Jurkat.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_7_23" id="identifier_7_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Harald B. Jurkat ist Psychologe an der Universit&auml;t Gie&szlig;en.">8</a> Im Jahr 2003 befragte Jurkat auch Ärzte im Praktikum zu ihrem Wohlbefinden. Der Befund alarmierte: Um die Psyche des Nachwuchses war es im Durchschnitt schlechter bestellt als bei chronisch kranken Menschen.</p></blockquote>
<p>Eine Folge dieser schwierigen Arbeitsbedingungen ist, daß Ärzte in Deutschland die Berufsgruppe mit der höchsten Quote von Medikamentenmißbrauch und -abhängigkeit sind. Für diese erschreckende Tatsache sind im wesentlichen drei Faktoren verantwortlich zu machen: 1. die permanente Stressituation, die zu Überforderung mit Burn-out-Tendenzen führt, 2. die leichte Verfügbarkeit von Medikamenten und 3. die Illusion von Medizinern, mit den Suchtmitteln kontrolliert umgehen zu können. Die Selbstüberschätzung und die leichte Verfügbarkeit führt im Ergebnis dazu, daß (vorsichtigen) Schätzungen zufolge ca. 7-8% aller Ärzte massiv suchtgefährdet oder abhängig sind. Die größte Rolle spielt freilich der Alkoholmißbrauch, dahinter rangieren Valium<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_8_23" id="identifier_8_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Valium [Wirkstoff: Diazepam] wird zur symptomatischen Behandlung von akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzust&auml;nden eingesetzt; ein Nebeneffekt ist die sedierende und schl&auml;frig machende Wirkung. Die regelm&auml;&szlig;ige Einnahme kann psychische und physische Abh&auml;ngigkeit hervorrufen.">9</a> und verschiedene Opiate.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_9_23" id="identifier_9_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Opiate z&auml;hlen zur Gruppe der Alkaloide und haben schmerzlindernde und bewu&szlig;tseinsver&auml;ndernde Wirkung. Die gr&ouml;&szlig;te Rolle spielen Codein und Morphin.">10</a> In absoluten Zahlen bedeutet das, daß ca. 8.000-12.000 der deutschen Ärzte als alkohol- und/oder medikamentenabhängig einzustufen sind.</p>
<p>Gerade bei jüngeren Ärzten, die oftmals einen sehr hohen Leistungsanspruch an sich selbst stellen, ist der Griff zu Schlafmitteln leider häufig die Notlösung, um trotz der Belastungen und Frustrationen des Arbeitsalltags wenigstens in der Nacht Ruhe zu finden. Eine aktuelle Erhebung geht davon aus, daß 20% der Ärzte im Praktikum regelmäßig Schmerz- und Schlafmittel einnehmen.</p>
<p>Eine weitergehende Ursachenforschung müßte nun freilich in den Blick nehmen, ob möglicherweise die medizinische Ausbildung an den Universitäten mitverantwortlich für diese Entwicklung ist. Die Erörterung der Defizite des Medizinstudiums hinsichtlich der Vorbereitung der angehenden Ärzte auf den Umgang mit sterbenden und kranken Menschen, soll allerdings zu einem späteren Zeitpunkt in der Wissenswerkstatt erfolgen.</p>
<p><strong>Die soziale Fragilität und Stabilisierung von Vertrauen </strong></p>
<p>Zuletzt soll der beobachtende Blick vom (medizinischen) System nochmal auf dessen &#8218;Umwelt&#8216; gerichtet werden; daß das System selbst die Tendenz aufweist, die physische und psychische Krankheitsanfälligkeit seiner Mitglieder zu ignorieren, wurde oben erläutert. Die Frage ist nun aber, was es für die &#8218;Öffentlichkeit&#8216; bedeutet, wenn sie akzeptieren muß, daß das Gesundheitssystem aus sich heraus Überforderung und Krankheit produziert. Ist diese Kenntnis nicht fatal, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Beziehung zwischen Arzt und Patient im wesentlichen auf Vertrauen basiert? Denn sowohl das gesellschaftliche Teilsystem, der die medizinische Versorgung obliegt, als auch jeder ihrer Vertreter ist auf Vertrauen unbedingt angewiesen.</p>
<p>Nun sollte man aber nicht so naiv sein und glauben, es gäbe keine weiteren abfedernden Mechanismen, die einer vorschnellen Vertrauenserosion entgegenwirkten. Wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen sind auch im medizinischen Bereich aus guten Gründen quasi-rituelle Formen der Vertrauensstabilisierung vorhanden, die &#8211; wie man feststellen kann &#8211; auch funktional wirksam sind. Sicher, es ließe sich darauf verweisen, daß innerhalb einer so spezialisierten wie arbeitsteiligen Gesellschaft der Aufgaben- und Vertrauenstransfer längst alltäglich geworden ist. Seine finanziellen Geschäfte legt man vertrauensvoll in die Hände des freundlich lächelnden Herrn in der Bankfiliale und der KFZ-Mechaniker erwirbt schon allein durch seine ölverschmierte Arbeitskleidung das Zutrauen, daß er in der Lage ist, das klappernde Vehikel noch einmal fit für den TÜV zu machen. Und, so die naheliegende Analogie, wer eines morgens mit Arthroseschmerzen im Knie oder Magenkrämpfen erwacht, der sucht reflexhaft den nächsten Arzt auf und hofft, daß dieser schnell und effizient für Linderung sorgt.</p>
<p>Dieser Ablauf und die zugrundeliegende Erwartungshaltung ist zwar alltäglich, aber keineswegs selbstverständlich. Denn für jeden aufmerksamen Zeitungsleser gehören die Meldungen über Schmerzensgeldforderungen oder Kunstfehlerprozesse zur täglichen Morgenlektüre; vom Wissen bezüglich der Unzulänglichkeit der medizinischen Versorgung, das man vom Hörensagen her hat, ganz zu schweigen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_10_23" id="identifier_10_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Denn wer kennt keine Berichte &uuml;ber haarstr&auml;ubende Vers&auml;umnisse und Fehler, die sich im n&auml;chstgelegenen Krankenhaus zugetragen haben?">11</a> Vor diesem Hintergrund bleibt einem wenig anderes übrig, als den Gang zum Arzt als höchst irrationales Unterfangen zu bezeichnen. Oder anders formuliert: <strong>der aufgeklärte Bürger und Zeitungsleser geht nicht wegen, sondern trotz seines Kenntnisstandes zum Arzt. </strong>Erklärt werden kann dies nur durch den oben angesprochenen Vertrauenserweis, der quasi-reflexhaft erfolgt. Der Vertrauensvorschuß, den die jeweilige auf Hilfe angewiesene Person dem medizinischen Fachpersonal gegenüber erbringt, entspringt allem Anschein nach einem fest im menschlichen Handlungsrepertoire verankerten Mechanismus.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_11_23" id="identifier_11_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dessen selbstverst&auml;ndliche Wirksamkeit eigentlich verwundern m&uuml;&szlig;te: jede Konsultation eines Arztes oder gar erst die Einlieferung in eine Klinik bedeuten schlie&szlig;lich einen Souver&auml;nit&auml;tsverzicht in Bezug auf die individuelle k&ouml;rperliche Selbstbestimmung. Ist es nicht erstaunlich, da&szlig; in einer Gesellschaft, die sich durch ein H&ouml;chstma&szlig; an pers&ouml;nlicher Eigensinnigkeit und Autonomie auszeichnet, dieser Selbstbestimmunganspruch ohne weiteres &uuml;bertragen wird?">12</a> Allein der Anblick eines Mediziners genügt offenbar, um eine ganze Verhaltenskaskade auszulösen, in der der Vertrauenserweis eine zentrale Rolle spielt.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_12_23" id="identifier_12_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Daneben sind hier u.a. der beachtliche Respekt und die Ehrerbietung, die dem Arzt entgegengebracht wird, zu nennen; genauso bspw. auch die Anspannung (oftmals einhergehend mit kalten, schwitzigen H&auml;nden), die fast alle Patienten beim Betreten des Behandlungszimmers erfasst.">13</a> Als Nachweis seiner Kompetenz genügt dem Angehörigen des Gesundheitswesens sein weißer Arztkittel und das locker um den Hals baumelnde Stethoskop.</p>
<p>Aber vielleicht deuten diese gerade im medizinischen Sektor zahlreich aufzufindenden Insignien der Heilkunst auch auf einen anderen, eher verborgen-untergründigen Zusammenhang hin. Denn, machen wir uns nichts vor, die heutigen Mediziner stehen hinsichtlich ihrer Funktion in unmittelbarer Nachfolge zu den Heilern, Medizinmännern oder Schamanen unserer Vorzeit. Berücksichtigt man diese Verbindung, so ließe sich möglicherweise auch leichter erklären, weshalb sich Ärzte offenbar so schwer tun, einen Kollegen zu konsultieren. Denn hat man jemals davon gehört, daß ein Schamane im Falle eines eigenen Gebrechens einen anderen Schamanen oder Heiler aufsucht? Wer diese Erklärung für wenig plausibel erachtet, der kann vielleicht einem anderen Erklärungsansatz etwas abgewinnen, der da lautet: Mißtrauen gegenüber dem eigenen Berufsstand. Mag sein, daß die Tendenz von Ärzten, die eigene Krankheit so lange als möglich zu verdrängen, der Einsicht in die praktische Realität des Gesundheitssystems entspringt. Denn wer einmal hinter die Kulissen des Gesundheitssystems geblickt hat, der weiß, wie begrenzt die Fähigkeiten der ärztlichen Heilkunst immer noch sind. Und er weiß auch, daß einem schließlich doch nur die Hoffnung bleibt, daß einem eine tatsächlich (lebens-)bedrohliche Krankheit doch bitte erspart bleibe.</p>
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<p>Link- und Literaturtipps:</p>
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<li>Viciano, Astrid: &#8222;<a href="http://www.zeit.de/2007/05/M-Aerztegesundheit" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Guter Arzt, kranker Arzt</a>&#8222;, Die ZEIT, 25. Januar 2007</li>
<li>Siegmund-Schultze, Nicola: &#8222;<a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitunhttp://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0420/wissenschaft/0002/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ein Mediziner kennt keinen Schmerz</a>&#8222;, Berliner Zeitung, 20. April 2007</li>
<li>Jurkat, H. B. &amp; Reimer, C. (2001): Arbeitsbelastung und Lebenszufriedenheit bei berufstätigen Medizinern in Abhängigkeit von der Fachrichtung. Schweizerische Ärztezeitung, 82, 1745-1750. [<a href="http://www.saez.ch/pdf/2001/2001-33/2001-33-426.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PDF-Download</a>]</li>
<li>Jurkat, H.B., Reimer, C. (2005): Lebensqualität und Wohlbefinden bei berufstätigen Medizinern im interkulturellen Vergleich Deutschland und USA. In: Helmes, A. (Hrsg.) <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3899672631?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3899672631" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lebensstiländerungen in Prävention und Rehabilitation</a>, S. 144ff.</li>
<li>Stollberg, Gunnar (2001): <a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3933127262%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3933127262%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medizinsoziologie.</a> Transcript-Verlag.</li>
<li>Bauch, Jost (2002): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3779911671?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3779911671" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gesundheit als sozialer Code</a>. Juventa Verlag.</li>
<li>Mäulen, Bernhard (1995): Abhängigkeit bei Ärzten. In Faust, V.: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3437007599?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3437007599" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lehrbuch der Psychiatrie</a>. Fischer, Stuttgart</li>
<li>Bergner, Thomas M. H. (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3794525299?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3794525299" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Burnout bei Ärzten</a>. Schattauer-Verlag.</li>
<li>Luhmann, Niklas (1990): Der medizinische Code, in ders., <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3531420941?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3531420941" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Soziologische Aufklärung 5</a>, Konstruktivistische Perspektiven, Opladen, S.183-217.</li>
<li>Hafen, Martin (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896703803?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3896703803" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mythologie der Gesundheit</a>. Zur Integration von Salutogenese und Pathogenese.</li>
<li>Website des <a href="http://www.aerztegesundheit.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Instituts für Ärztegesundheit</a></li>
</ul>
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<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_23" class="footnote">Interessant wird es &#8211; und das soll im vorliegenden Text skizziert werden &#8211; wenn man den Konsequenzen nachspürt, die sich aus den dem Medizinsystem zugrundeliegenden Leitdifferenzen/Beobachtungsmustern <del>zwangsläufig?</del> ergeben.</li><li id="footnote_1_23" class="footnote">Niklas Luhmann hat sich nur in wenigen Texten explizit mit dem Gesundheitswesen befasst. Allerdings erscheint die konstruktivistische Perspektive besonders geeignet, das Gesundheitssystem in den Blick zu nehmen; denn was anderes als &#8218;Konstrukte&#8216; sind die Etiketten Gesundheit/Krankheit, die ja eben, wenn sie nicht beobachtet und [differentialdiagnostisch] unterschieden würden, tatsächlich irrelevant wären. Gerade die hochtechnisierte Medizin unserer Zeit hat den ehemals vorhandenen Zusammenhang zwischen &#8218;erlebt-erlittenen&#8216; [=spürbaren] Symptomen und Behandlungsbedürftigkeit aufgelöst.<br />
Die Terminologie und Handlungslogik der Medizin ist nicht mehr direkt an die Körper- und Sinneswelt des Patienten gekoppelt. Oftmals ist es erst und ausschließlich die &#8218;Beobachtung&#8216; durch Instanzen des Gesundheitssystems, die einen Menschen zu einem Patienten macht. Denn was wüßte der erkrankte Mensch bei fehlenden Schmerzen und Symptomen von seiner in seinem Körper befindlichen &#8218;Krankheit&#8216; ohne das &#8218;Beobachtungssystem&#8216; Medizin? vgl. u.a. Luhmann, Niklas (1990): Der medizinische Code, in ders., Soziologische Aufklärung 5, Konstruktivistische Perspektiven, Opladen 1990, S.183-217. </li><li id="footnote_2_23" class="footnote">Es erscheint banal, aber ein kurzer Blick in die ärztliche Praxis illustriert, welche Kunstfertigkeit erforderlich ist, um auf die jeweiligen Anforderungen [der Akutsituation, des zweifelnden Patienten, etc.] die richtige &#8218;Antwort&#8216; zu geben. Und jede Antwort ist &#8211; systemtheoretisch formuliert &#8211; [kommunikativer] Anschluß. Und diese Anschlüsse addieren sich insgesamt als Sequenzkette zur ärztlichen Handlungspraxeologie. Wobei, das gerät allzu leicht aus dem Blick, wenn die Medizin keine Anschlüsse [also Kommunikationseinheiten, die sich entweder als Diagnose oder Therapie ausgeben] parat hat, dann bleibt ihr nichts anderes als zu kapitulieren. M.a.W.: Die Medizin <strong><em>muß</em></strong> immer weiter wissen!</li><li id="footnote_3_23" class="footnote">Ein Arzt oder ein Krankenpfleger wird niemals unter Beibehaltung dieser Statuszuschreibung bzw. dieses (Selbst-)Verständnisses krank. Dazu ist erst ein Perspektiv- und Rollenwechsel erforderlich: der kranke Arzt hat längst aufgehört Arzt zu sein. <strong>Wenn Schmerzen und Symptomatik eine Erkrankung anzeigen, dann ist er nicht mehr länger Arzt, sondern Patient</strong>!</li><li id="footnote_4_23" class="footnote">So der Titel seines Aufsatzes in: Bauch, Jost (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3866280777%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3866280777%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gesundheit als System. Systemtheoretische Betrachtungen des Gesundheitswesens.</a></li><li id="footnote_5_23" class="footnote">Deutsche Gesellschaft für innere Medizin</li><li id="footnote_6_23" class="footnote">Alle Werte sind einer Zusammenstellung von Dr. Renate Rottenfußer entnommen; nachzulesen unter: &#8222;Burnout deutscher Vertragsärzte. Konsequenzen für die betroffenen Ärzte, ihre Patienten und das deutsche Gesundheitswesen&#8220; auf <a href="http://www.aerztegesundheit.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.aerztegesundheit.de</a></li><li id="footnote_7_23" class="footnote">Harald B. <a  href="http://www.jurkat.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jurkat </a>ist Psychologe an der Universität Gießen.</li><li id="footnote_8_23" class="footnote">Valium [Wirkstoff: Diazepam] wird zur symptomatischen Behandlung von akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen eingesetzt; ein Nebeneffekt ist die sedierende und schläfrig machende Wirkung. Die regelmäßige Einnahme kann psychische und physische Abhängigkeit hervorrufen.</li><li id="footnote_9_23" class="footnote">Opiate zählen zur Gruppe der Alkaloide und haben schmerzlindernde und bewußtseinsverändernde Wirkung. Die größte Rolle spielen Codein und Morphin.</li><li id="footnote_10_23" class="footnote">Denn wer kennt keine Berichte über haarsträubende Versäumnisse und Fehler, die sich im nächstgelegenen Krankenhaus zugetragen haben?</li><li id="footnote_11_23" class="footnote">Dessen selbstverständliche Wirksamkeit eigentlich verwundern müßte: jede Konsultation eines Arztes oder gar erst die Einlieferung in eine Klinik bedeuten schließlich einen Souveränitätsverzicht in Bezug auf die individuelle körperliche Selbstbestimmung. Ist es nicht erstaunlich, daß in einer Gesellschaft, die sich durch ein Höchstmaß an persönlicher Eigensinnigkeit und Autonomie auszeichnet, dieser Selbstbestimmunganspruch ohne weiteres übertragen wird?</li><li id="footnote_12_23" class="footnote">Daneben sind hier u.a. der beachtliche Respekt und die Ehrerbietung, die dem Arzt entgegengebracht wird, zu nennen; genauso bspw. auch die Anspannung (oftmals einhergehend mit kalten, schwitzigen Händen), die fast alle Patienten beim Betreten des Behandlungszimmers erfasst.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/">Hilflose Heiler » Wie krank macht das Gesundheitssystem seine Mitglieder?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne » Dopingarrangements im Spitzensport II</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 May 2007 13:58:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Doping]]></category>
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		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Radsportszene kommt nicht zur Ruhe: erst faßt sich Bert Dietz ein Herz und gewährt bei Reinhold Beckmann Einblicke in die Dopingrealität des Telekom-Rennstalls der späten 90er Jahre. Christian Henn, ebenfalls Mannschaftskollege von Jan Ullrich und Dietz, ist offenbar so angetan von der Plauderstunde am Montagabend, so daß er sich solidarisiert und ebenfalls den Epo-Mißbrauch ... <a title="Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne » Dopingarrangements im Spitzensport II" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/" aria-label="Mehr Informationen über Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne » Dopingarrangements im Spitzensport II">Weiterlesen</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Radsportszene kommt nicht zur Ruhe: erst faßt sich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bert_Dietz" target="_blank">Bert Dietz</a> ein Herz und gewährt bei Reinhold Beckmann Einblicke in die Dopingrealität des Telekom-Rennstalls der späten 90er Jahre. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Henn" target="_blank">Christian Henn</a>, ebenfalls Mannschaftskollege von Jan Ullrich und Dietz, ist offenbar so angetan von der Plauderstunde am Montagabend, so daß er sich solidarisiert und ebenfalls den Epo-Mißbrauch in den Jahren 1995-1999 einräumt. So weit, so gut. Spektakuläre Dopingfälle und Geständnisse gab es immer wieder. Nichts Neues also im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peloton" target="_blank" >Peloton</a>. </strong></p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" width="300" height="206" align="right" style="border: 1px solid rgb(105, 105, 105); margin: 5px; padding: 1px;" alt="Dopingarrangments_02c.jpg" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/05/Dopingarrangments_02c.jpg" />Nun aber kommt <a target="_blank" href="http://www.elia-gemeinschaft.de/wordpress/2007/05/24/peters-gedanken/das-machen-doch-alle">Bewegung</a> in die Szene. Die bislang so schweigsamen Jungs werden plötzlich <a target="_blank" href="http://ruegenbote.de/wordpress/2007/05/24/erik-zabel-hat-doping-zugegeben/">redselig</a> und die Chronisten der Ereignisse werden vor die Aufgabe gestellt, all die Dopinggeständnisse und Verfehlungen auch genau zu dokumentieren. Am Donnerstagvormittag ist es dann soweit, erst vollzieht die Uniklinik Freiburg den längst überfälligen Schritt und trennt sich von den belasteteten und inzwischen geständigen Ärzten Andreas Schmid und Lothar Heinrich; und kurz vor Mittag steht eine mit Spannung erwartete Pressekonferenz des T-Mobile-Rennstalls an. Was inzwischen schon zu erwarten war, tritt ein: die beiden früheren Radhelden <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aldag">Rolf Aldag</a> und <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erik_Zabel">Erik Zabel</a> räumen teilweise unter Tränen die Einnahme von Epo ein. </p>
<p>Hossa! Wer hätte noch vor Wochenfrist damit gerechnet? Hatte man sich nicht längst damit <a target="_blank" href="http://www.epenis.de/erguss/denkwechsel">abgefunden</a>, daß die Tourheroen ihr Wissen um die leistungsförderlichen Helferlein mit ins Grab nehmen würden?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_0_35" id="identifier_0_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die meisten Beobachter sind inzwischen ohnehin ern&uuml;chtert oder hinl&auml;nglich an Entt&auml;uschungen gew&ouml;hnt. Manche freilich auch &uuml;berrascht und auch pers&ouml;nlich entt&auml;uscht. Und wer kippt als n&auml;chstes um? Bjarne Riis ist ja ein hei&szlig;er Kandidat&hellip; weitere Kandidaten?">1</a> Manche hatten ohnehin vermutet, daß die Stauhitze unter den Fahrradhelmen bei den heißesten Etappen der Tour de France dem Erinnerungsvermögen nicht sehr zuträglich sein kann. Andere hatten eher auf schwere Stürze  getippt, die sowohl sportlichen Ethos, als auch Gedächtnis in Mitleidenschaft gezogen haben könnten. Aber Pustekuchen! Bald der einzige, der weiterhin nicht einsehen will oder kann, daß sein Versteckspiel und die halbseidenen Dementis nur noch lächerlich sind, ist Jan Ullrich. Ob er sich ein Beispiel an seinen früheren Kollegen nimmt, bleibt offen.</p>
<p><strong>Geständniseifer&nbsp;</strong></p>
<p>Weshalb es nun plötzlich alle so eilig haben und ihre früheren Verfehlungen (zumindest teilweise) einräumen, ist bislang dennoch kaum einsichtig. Ist es möglicherweise ein abgestimmter Versuch mit einer kollektiven, inszenierten Beichte, erstens: Einsicht, zweitens: Reue, drittens: Lernfähigkeit zu demonstrieren? Um, Zweck der ganzen Übung, viertens: Absolution zu erhalten?</p>
<p>Auffällig ist, daß die meisten Geständnisse ohnehin nur gewisse Praktiken (den Gebrauch des ohnehin in Rede stehenden <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erythropoetin" target="_blank" >Epo</a>) einräumen; Rolf Zabel ist <a  target="_blank" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,484676,00.html">offensichtlich</a> der Ansicht, daß ihm bereits das Eingeständnis &quot;einmaliger Epo-Einnahme&quot; die Reinwaschung einbringt. Ganz auszuschließen ist tatsächlich nicht, daß hier bewußt darauf spekuliert wird, durch das zähneknirschende Einräumen bestimmter Tatbestände, allen zukünftigen Fragen nach dem wahren Ausmaß des Fehlverhaltens den Wind aus den Segeln zu nehmen. Frei nach dem Motto: wer bereits einmal tränenreich und im Büßerhemd vor der Nation um Abbitte gefleht hat, dem möge man doch fürderhin alle neugierigen Nachfragen ersparen.</p>
<p><strong>Nachahmungstäter&nbsp;</strong></p>
<p>Bereits mit dem Handwerkszeug der Küchentischpsychologie ist freilich verständlich, daß es deutlich komfortabler ist, wenn man gemeinschaftlich an den Pranger gestellt wird. Bert Dietz gebührt insofern eine gewisse Anerkennung, da er als erster gewagt hat, das Schweigen zu brechen. Die anderen hoffen nun offenbar, in seinem Windschatten die Folgen der medialen Kritik etwas abfedern zu können. Die Schläge, die die Fahrer nun einstecken müssen, ertragen sich nunmal deutlich leichter, wenn sie auf mehrere Rücken niedergehen. Und überhaupt: in ein paar Wochen, wenn wieder andere Themen die Zeitungsspalten dominieren, wird man sich nicht mehr so genau daran erinnern, wer denn nun was gebeichtet hat. Man ist (vorläufig) aus der Schußlinie und äußert glaubhaft die Absicht, nun einen Neuanfang zu starten. Dies ist natürlich auch eine Möglichkeit, um Wissen zu verdecken und Nicht(genau)wissen sicherzustellen. </p>
<p>Wie glaubwürdig sind aber die Erklärungen, die nun von den Verantwortlichen in Sportverbänden und Rennställen abgegeben werden? Ist es plausibel, daß die üblichen Verdächtigen nun tatsächlich die eisernen Besen in die Hand nehmen werden und tatkräftig und effizient gegen jede Form des Dopings vorgehen werden? Sind dies nur Lippenbekenntnisse oder besteht wirklich Hoffnung auf eine Veränderung?</p>
<p>Wenn man anhand verschiedener soziologischer Begrifflichkeiten und Theorieansätze das System Spitzensport analysiert, keimen allerdings durchaus Zweifel hinsichtlich der Erfolgsaussichten eines solchen Vorhabens. Die Dopingarrangements sind &#8211; wie sich zeigen wird &#8211; fester Bestandteil der Strukuren.</p>
<p><strong>Inkohärenz der Blickwinkel: die Inszenierung des ehrlichen Sports als Spiel mit Hinter- und Vorderbühne</strong></p>
<p>Auch für einen kaum argwöhnischen Betrachter wird deutlich, daß die Welt des Sports eine hochgradig inszenierte Oberflächenstruktur aufweist. Die Athleten werden als junge, dynamische, leistungsbereite &#8218;role models&#8216; vorgeführt, die allesamt als Werbeträger für Zeitschriften der Kategorie &quot;fit &amp; fun&quot; taugen. Gesundheit, Körperbewußtsein, Leistungsfähigkeit &#8211; die positiv konnotierte Schlagwortreihe ließe sich leicht weiter fortsetzen. </p>
<p>Der spannende Wettstreit um Zeiten und Weiten tut sein weiteres. Der Sport lebt seinem Wesen nach durch seine klare Struktur, also den (vordergründig) transparenten Spielregeln, denen alle Wettkämpfer gleichermaßen unterworfen sind. Der Modus des Wettbewerbs ist klar definiert und wenn der Startschuß fällt, so fokussiert sich die Aufmerksamkeit auf den Konkurrenzkampf der Sportler. Sie sind teil einer Wette, als deren Protagonisten sie für die Zuschauer Identifikations- und Partizipationsangebote offerieren: egal ob es sich um Langstreckenläufer, Radfahrer oder Fußballteams handelt; im Vorfeld werden Sympathien verteilt und der Sportzuschauer fiebert mit seinem Favoriten mit, erleidet Niederlagen und erlebt Erfolge.</p>
<p>Das alles, was die Zuschauer und Fans miterleben, bezieht sich auf das Geschehen der &quot;Vorderbühne&quot;. Der Soziologe <a  target="_blank" href="Doping%20hat%20System.%20Wer%20sich%20in%20diesen%20Tagen%20beim%20Lesen%20der%20Berichte%20%FCber%20die%20Dopingbeichten%20gel%E4uterter%20Exradprofis%20dar%FCber%20wundert,%20da%DF%20einige%20der%20allj%E4hrlich%20gefeierten%20Radhelden%20offenbar%20zu%20unterst%FCtzenden%20Mitteln%20gegriffen%20haben,%20hat%20leider%20immer%20noch%20nichts%20verstanden.%20Die%20manipulative,%20leistungssteigernde%20Medikamenteneinnahme%20ist%20wesentlicher%20Bestandteil%20aller%20%28Ausdauer-%29Sportarten.%20Es%20mu%DF%20klar%20sein:%20wenn%20sich%20die%20Nation%20%FCber%20den%20positiven%20Medaillenspiegel%20bei%20Olympischen%20Spielen%20freut,%20dann%20ist%20die%20Erfolgsbilanz%20immer%20auch%20der%20effizienten%20Arbeit%20der%20medizinischen%20Abteilungen%20zu%20danken.%20Doping%20ist%20ein%20System.">Erving Goffmann</a> hat an vielen Beispielen illustriert, wie jede individuelle Interaktion und jedes soziale System, in zwei strukturelle Komponenten zerfällt. Einerseits gibt es den Bereich der &quot;Vorderbühne&quot;, auf der die Akteure gemäß bestimmten Verhaltenserwartungen handeln. Hier läuft ein inszeniertes (Rollen-)Spiel ab. Auf der &quot;Hinterbühne&quot; wird diese Notwendigkeit suspendiert; hier werden von den eingeweihten Personen die internen Bedingungen und Verhaltensweisen untereinander abgestimmt, um das Schauspiel auf der Vorderbühne fortführen zu können. </p>
<p>Auf den Radpsort gewendet wird sichtbar, daß sich auf der Vorderbühne lediglich der (inszenierte) Wettkampf abspielt, der an weitere Inszenierungselemente (Siegerehrung, Interviews, Pressekonferenz etc.) gekoppelt ist. Hier geht es um die Aufrechterhaltung des erwünschten Bildes eines sauberen, fairen Wettstreits. Naiv ist, wer verkennt, daß die infrastrukturellen Bedingungen des Spitzensports durch die Geschehnisse der Hinterbühne geprägt sind. Einblick in die monatelange Trainings- und Vorbereitungsarbeit, Zutritt zu internen Mannschaftsbesprechungen oder in Athleten- und Behandlungszimmer haben nur Eingeweihte. Auf dieser Hinterbühne werden Trainings- und Ernährungspläne und auch der effizienteste Einsatz von Dopingmitteln<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_1_35" id="identifier_1_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die beiden Zielkriterien sind einerseits die Verabreichung von Substanzen, ohne da&szlig; deren Verabreichung bei Dopingkontrollen registriert wird, andererseits mu&szlig; gew&auml;hrleistet bleiben, da&szlig; die Athleten keine gesundheitlichen Folgesch&auml;den davontragen. Dies ist fraglos stets eine schwierige Gratwanderung.">2</a> erörtert. </p>
<p>Zusammenfassend: vor allem die Medien präsentieren die Hochglanzversion des Spitzensports. Die Fassade, die den Glauben an den fairen, sportlichen Wettstreit aufrechterhält. Wenn, wie nun durch die Veröffentlichungen und Stellungnahmen einzelner Dissidenten (<a target="_blank" href="http://www.jurablogs.com/action/?action=gorss&amp;jbid=74672">Jeff d&#8217;Hont</a>, <a target="_blank" href="http://www.sichelputzer.de/2007/05/23/beckmann-mit-kleinem-skandal-auf-sendung/">Bert Diez</a>, <a href="http://www.handelsblatt.com/news/_pv/_p/300484/_t/ft/_b/1271987/default.aspx/index.html" target="_blank">Christian Henn</a>), die Dopingpraxis teilweise publik wird, wird der Vorhang der Vorderbühne ein Stück weit angehoben, und das erstaunte Publikum erahnt, was auf der Hinterbühne tatsächlich abläuft. </p>
<p><strong>Initiationsriten und Aneignung des spitzensportlichen Habitus</strong></p>
<p>Wie leicht nachvollziehbar ist, zerfällt auch jedes Subsystem des Spitzensports in Vorder- und Hinterbühne. Was hinter verschlossenen Türen wenigstens teilweise ausgesprochen werden darf, ist auf der Vorderbühne (zumal wenn Kameras und Mikrofone laufen) tabu. Selbstverständlich müssen deshalb gewisse Zugangsregeln installiert sein, die sicherstellen, daß diese Trennung zwischen vordergründigem hehren Sportethos und hintergründiger Leistungsmanipulation um jeden Preis aufrechterhalten werden kann.</p>
<p>Rekonstruiert man die einzelnen Etappen, bis ein talentierter Nachwuchssportler zum Mitglied eines Profiteams wird, zeigt sich, daß hier bestimmte Sozialisationsmechanismen ablaufen, die Loyalität sichern und den einzelnen Sportler mit habituellen Verhaltensmustern ausstatten. Der Habitusbegriff wurde für die Soziologie v.a. durch <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Bourdieu">Pierre Bourdieu</a> fruchtbar gemacht.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_2_35" id="identifier_2_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Habitus kann verk&uuml;rzt als Charakteristik der individuellen Pers&ouml;nlichkeitsstruktur verstanden werden. Innerhalb von Sozialisationsprozessen wird ein bestimmter Habitus von den Mitgliedern spezifischer Millieus erworben und inkorporiert; als psychische Disposition pr&auml;gt er Wahrnehmung, Bewertung und Handeln.">3</a>  </p>
<p>Bezogen auf das Sportsystem wird sichtbar, daß die Nachwuchssportler bspw. durch das Vorbild von Leistungsträgern in ihrer Trainingsgruppe vorgeführt bekommen, daß bestimmte Maßnahmen zur Leistungssteigerung selbstverständlicher Bestandteil ihres Sports sind. Bis ein hoffnungsvolles Talent zur Spitzengruppe seiner Disziplin gehört, durchläuft es mehrere Stufen der Anpassung und Gewöhnung an die jeweils vorherrschenden Praktiken.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_3_35" id="identifier_3_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dazu z&auml;hlen keinesfalls nur Formen der illegitimen Leistungssteigerung; s&auml;mtliche Verhaltensweisen, die ein Spitzenathlet f&uuml;r sein Zurechtfinden im Sportumfeld ben&ouml;tigt [angefangen von Essgewohnheiten bis hin zum Umgang mit den Fans], werden sukzessive &quot;erlernt&quot;, adaptiert und als Habitus inkorporiert.">4</a></p>
<p>Und es soll keineswegs zynisch klingen: der Erstkontakt mit Dopingmitteln kommt für jeden hoffnungsvollen Nachwuchsathleten einem Ritterschlag gleich. Denn der Umstand, daß Trainer oder Betreuer an einen herantreten, und die Möglichkeiten der Leistungssteigerung durch pharmakologische Mittelchen ansprechen, bedeutet zwar noch nicht, daß man es bereits zum Spitzensportler geschafft hat, aber zumindest, daß man auf dem besten Wege dazu ist. Wer beginnt, selbst Dopingsubstanzen einzunehmen, hat einen wichtigen Initiationsritus absolviert und gehört fortan zum legitimen Kreis der absoluten Topathleten.</p>
<p>Interessant ist, daß Bourdieu beschreibt, wie ein Habitus auch die Wahrnehmungsmuster prägt. Wer einmal kritisch das Spiel von Spitzensportlern mit Nähe und Distanz im Umgang mit Journalisten erlebt hat, kann erahnen, wie wirkmächtig habituelle Dispositionen sind. Denn: während &quot;erlernt&quot; wurde, daß dem internen Umfeld (Trainer, Ärzte&#8230;) unbedingt zu vertrauen ist, wurde gleichzeitig ein chronisches Mißtrauen gegenüber der Öffentlichkeit und Presse installiert. Das sprunghafte, kaum nachvollziehbare Verhältnis von <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Ullrich">Jan Ullrich</a> zu den Medien<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_4_35" id="identifier_4_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Einerseits Liebling, der sich feiern und hofieren l&auml;&szlig;t [der ebenfalls in Verruf geratene Ex-ARD-Sportchef Hagen Bo&szlig;dorf schrieb sogar eine Jan-Ullrich-Biographie], andererseits einsilbige Pressekonferenzen und Argwohn, sobald sich kritische Stimmen erheben.">5</a> läßt sich kaum anders erklären.</p>
<p>Die Sportler haben also, wie hoffentlich plausibel wird, über mehrere Instanzen einen Adaptionsprozeß durchlaufen und sich den Habitus &quot;Spitzensportler&quot; angeeignet. Ein Habitus markiert, wie man von Bourdieu lernen kann, immer auch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, zu einem Millieu. Von zentraler Bedeutung ist dies, wenn und sobald Zugänge zu Eliten organisiert werden müssen. Bei anderen gesellschaftlichen Leistungseliten gehört zum erworbenen Habitus bspw. das Wissen darum, daß braune Lederschuhe zu einem schwarzen Anzug einen Fauxpas darstellen oder die adaptierte Fähigkeit, einen Hummer regelgerecht zu verspeisen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_5_35" id="identifier_5_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und auch andere Leistungseliten haben, wie man wissen kann, ihre Drogenproblematik; denn auch in den Vorstandsetagen von Start-Up-Unternehmen wird der Kokainkonsum des jungen Managers lediglich hinter vorgehaltener Hand, im Schutz der Hinterb&uuml;hne also, thematisiert.">6</a></p>
<p>Die Zugehörigkeit zu einem Millieu erklärt nebenbei auch, weshalb eine Praxis, wie sie das systematische Doping im Leistungssport darstellt, so erfolgreich unter Verschluß gehalten werden kann. Oftmals wird zweifelnd eingewandt, es seien doch so viele unterschiedliche Personen(kreise) in die Vorgänge involviert: da gebe es die Betreuer, die fleißigen Helfer, die das Rad in Schuß halten und dann wieder den Ärztestab. Wenn man genau hinsieht, fällt auf, daß sich all diese Personengruppen fast ausschließlich aus ehemaligen Spitzensportlern rekrutieren. Die Teammanager (Bsp. Aldag, Henn etc.) sind selbst Ex-Radprofis, die Ärzte sind häufig selbst als Spitzensportler sozialisiert worden, bevor sie sich für die Medizin entschieden haben. Allen gemein ist, daß sie den Habitus des Leistungssports verinnerlicht haben. Dies umfasst genauso das Wissen, wie man sich vor Wettkampfhöhepunkten verhält, wie auch die Akzeptanz von Praktiken, die von der naiven Laienöffentlichkeit nicht goutiert werden. Und alle wissen, daß auf frevlerische Nachfragen, ob alles mit rechten Dingen zugehe, mit empörten Dementis zu reagieren ist. </p>
<p><strong>Verhängnisvolle Systemlogiken</strong></p>
<p>Wer glaubt, beim internationalen Spitzensport handele es sich letztlich doch nur um die regelgeleitet-spielerische Suche nach einem Sieger, der irrt. Systemtheoretisch betrachtet wird offenkundig, daß dem &quot;System Spitzensport&quot; lediglich die Orientierung am internen Differenzierungscode Leistung|Nicht-Leistung bleibt. Alle weiteren Aspekte sind, solange es sich um die Sphäre des Spitzensports handelt, nur daraus abgeleitet und sekundär.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_6_35" id="identifier_6_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="F&uuml;r die Bereiche des Breitensports oder insbesondere im Kinder- und Jugendbereich gelten andere Codierungen. Hier ist tats&auml;chlich plausibel, da&szlig; die Freude an der Bewegung, das gemeinschaftliche Wetteifern, Kameradschaft und Fairness die zentralen Elemente sind. Am Beispiel Kinderleichtathletik werden diese sozialen Aspekte etwa [hier] von Fred Eberle skizziert.">7</a> Wenn <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Coubertin">Baron de Coubertin</a> an der Schwelle zum 19. Jahrhundert die Jugend der Welt zum fairen sportlichen Wettstreit zusammenrief, war eines seiner Motive zweifellos die Völkerverständigung. Solche Aspekte, haben aber ebensowenig wie die Begriffe &quot;Moral&quot; oder &quot;Fairness&quot; einen Platz innerhalb der Eigenlogik eines ausschließlich auf Erfolge getrimmten Systems.</p>
<p>Anschlußfähig &#8211; und dies in jedem denkbaren Sinn &#8211; sind allein Leistungen, die den Sieg ermöglichen. Das Lamento darüber, daß beispielsweise bei Olympischen Spielen der Viertplazierte kaum mehr Beachtung finde, er aber doch eine fast ebenso bemerkenswerte Leistung erbracht habe wie diejenigen, die auf dem Treppchen und somit im Rampenlicht stehen, ist innerhalb des Systems Spitzensport unverständlich. Die Leistung des Siegers, dessen Werdegang, sein gestählter Körper, sein Leistungswille, all diese Aspekte interessieren. Sie lassen sich in die Notizblöcke der Reporter diktieren und können letztlich durch lukrative Werbeverträge in monetäre Vorteile transformiert werden. </p>
<p>Das Problem bei all dem ist nur, daß im Feld des Sports unterschiedliche Erwartungshaltungen aufeinanderstoßen, die kaum miteinander kompatibel sind. Das von Journalisten propagierte Bild des Ausnahmeathleten, wie es etwa von Jan Ullrich gezeichnet wurde, kollidiert in dem Moment mit der Realität, wenn publik zu werden droht, daß auch Ullrich die Bergetappen nur deshalb übersteht, weil er mit Hormonpräparaten auf Hochform getrimmt wurde und die Epozufuhr den Sauerstofftransport der roten Blutkörperchen  bis ans Limit optimiert. Für den Sport selbst, der ja eben auf Leistung|Nicht-Leistung fokussiert ist, sind die Strategien, die jeder Sportler auf dem Weg zum Sieg wählt, zunächst nebensächlich.</p>
<p>Das hartnäckige Beschweigen und die Versuche, selbst offenkundige Dopingverstöße unter dem Deckmantel zu halten, sind Anhaltspunke für diese ausschließliche Orientierung an Leistung und Erfolg. Nicht umsonst <a  target="_blank" href="http://www.faz.net/s/Rub906784803A9943C4A3399622FC846D0D/Doc%7EE9170B5095A7648C0A328AF78FF170421%7EATpl%7EEcommon%7ESspezial.html">wehrte</a> sich etwa der Deutsche Sportbund (heute der <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Olympischer_Sportbund">DOSB</a>) unter Vorsitz seines ebenfalls fragwürdig agierenden Präsidenten <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Bach">Thomas Bach</a> jahrelang gegen die Versuche der Bundesregierung, Dopingverstöße durch das Justizsystem ahnden zu lassen und ein Anti-Doping-Gesetz zu verabschieden. Das eben ist der Unterschied: das politische System, das sich am Wählerzuspruch orientiert, wünscht sich (um eben dem unterstellten Wählerwillen zu entsprechen) die Möglichkeit klarer Sanktionen. Das Sportsystem allerdings, dessen Spitzenfunktionäre nicht zufälligerweise (s. die Ausführungen zum Habitusbegriff) ebenfalls zumeist ehemalige Topathleten sind, fürchtet diese staatliche Einflußnahme wie der Teufel das Weihwasser und beharrt auf Autonomie. Ansonsten stünde ein wichtiger Teil des Dopingarrangements in Gefahr.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_7_35" id="identifier_7_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Umstand, da&szlig; die Sportverb&auml;nde mit einer eigenen Sportgerichtsbarkeit &uuml;ber Regelverst&ouml;&szlig;e befinden, resultiert aus der kaum herstellbaren Anschlu&szlig;f&auml;higkeit zum konventionellen Justizsystem. Die staatliche Justiz folgt der Unterscheidung Recht|Unrecht, die Sportgerichtsbarkeit bleibt der Eigenlogik Erfolg|Mi&szlig;erfolg unterworfen. Anders sind die haarstr&auml;ubenden Entscheidungen der letzten Jahre (siehe etwa den Fall Krabbe/Breuer in der Leichtathletik) kaum zu verstehen.">8</a></p>
<p>Interessant ist ebenfalls, wie das medizinische System (das eigentlich auf die Unterscheidung krank|gesund ausgerichtet ist) damit umgeht, wenn das Sportsystem ihm abverlangt, gesunde junge Menschen mit Medikamenten zu behandeln, die potentiell gesundheitsschädlich sind. Mit der Gratwanderung zwischen maximaler Leistungssteigerung und geringstmöglichem Gesundheitsrisiko, sowie der unseligen Vergangenheit der Freiburger Sportmedizin wird sich der nächste Artikel genauer befassen.</p>
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<li><em><a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/24/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/">Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge</a> » Dopingarrangements im Spitzensport I</em></li>
<li><em>Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne » Dopingarrangements im Spitzensport II</em></li>
<li><em><a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/31/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/">Ärzte im Schafspelz. Die Freiburger Sportmedizin</a> » Dopingarrangements im Spitzensport III</em></li>
<li><em>Kontaminierte Tourhelden und andere strahlende Sieger » Dopingarrangements im Spitzensport IV</em></li>
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<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<ul>
<li>Meutgens, Ralf (2007): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3768852458?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3768852458">Doping im Radsport</a>. Delius Klasing, April 2007.</li>
<li>Bette, K.-H., Schimank, U. (2006): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3899425375?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3899425375">Die Dopingfalle</a>. Soziologische Betrachtungen. Transcript Verlag.</li>
<li>Bette, K.-H., Schimank, U. (2006): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3518119575?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518119575">Doping im Hochleistungssport</a>. Anpassung durch Abweichung. Suhrkamp: Frankfurt</li>
<li>Haug, Tanja (2006): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3939519278?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3939519278">Doping</a>. Dilemma des Leistungssports. </li>
<li>Beune, Andreas (2005): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3936973172?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3936973172">Did Not Finish: Der Radsport und seine Opfer</a>. 20 Himmelsstürmer im Porträt</li>
</ul>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<ul>
<li>Leyendecker, Hans (2007): <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/530/115415/" target="_blank">Eine gewisse Chemie</a>. Das kurze Gedächtnis von Medien und Publikum beim Thema Doping im internationalen Radsport, 23.5.2007</li>
<li>Süddeutsche Zeitung (2007): <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/561/115446/" target="_blank" >Freiburger Ärzte gestehen Doping</a>, 23.5.2007</li>
<li>Burkert, Andreas (2007): <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/370/115255/" target="_blank" >Freiburg suspendiert Ärzte</a>, SZ, 22.5.2007</li>
<li>Spiegel-Online: Dopingbeichten: <a target="_blank" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,484676,00.html">Uni Freiburg trennt sich von Ärzten Schmid und Heinrich</a>. 24.5.2007</li>
<li>Süddeutsche Zeitung: <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/227/115112/" target="_blank">Aldag und Zabel gestehen Doping</a>, 24.5.2007</li>
<li>Blog|Morgendlandfahrt: <a href="http://www.morgenlandfahrt.net/leistungssport-druck-auswege/" target="_blank">Leistungssport. Druck. Auswege</a>. 24.5.2007</li>
<li>Franke, Werner (2006): <a target="_blank" href="http://www.welt.de/print-welt/article226396/Das_Doping_der_Anderen.html">Das Doping der Anderen</a>, Die Welt, 30.6.2006 </li>
<li>Hess, Jutta (2002): <a  target="_blank" href="http://www.zeit.de/archiv/2002/11/200211_sport_franke.xml">Sichtung und Wahrheit</a>. Seit über 30 Jahren führen Brigitte Berendonk und Werner Franke den Kampf gegen das Doping. DIE ZEIT, 11/2002 </li>
</ul>
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<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_35" class="footnote">Die <a target="_blank" href="http://www.weinschenker.name/2007-05-24/doping-im-radsport-alles-aus/">meisten</a> <a href="http://log.roskothen.de/radsport-doping-ich-bin-uberrascht-uber-die-uberraschung/" target="_blank">Beobachter</a> sind inzwischen ohnehin <a target="_blank" href="http://olbertz.de/blog/2007/05/24/zum-thema-doping/">ernüchtert</a> oder <a href="http://www.profi1a.de/wordpress/doping-im-radsport/" target="_blank">hinlänglich</a> an Enttäuschungen <a target="_blank" href="http://hith.bloginsel.de/?p=1591">gewöhnt</a>. Manche freilich auch <a target="_blank" href="http://www.web-junkies.de/2007/05/25/dopingsumpf/">überrascht</a> und auch persönlich <a target="_blank" href="http://kristinschn1.twoday.net/stories/3765213/">enttäuscht</a>. Und <a target="_blank" href="http://www.werbeblogger.de/2007/05/25/wann-faellt-t-mobile-aus-dem-sattel/">wer</a> kippt als nächstes um? <a target="_blank" href="http://www.basicthinking.de/blog/2007/05/25/bjarne-riis-singt/">Bjarne</a> Riis ist ja ein heißer Kandidat&#8230; weitere <a target="_blank" href="http://sportblog.blogsport.de/2007/05/25/wir-stellen-den-profi-radsport-ein/">Kandidaten</a>?</li><li id="footnote_1_35" class="footnote">Die beiden Zielkriterien sind einerseits die Verabreichung von Substanzen, ohne daß deren Verabreichung bei Dopingkontrollen registriert wird, andererseits muß gewährleistet bleiben, daß die Athleten keine gesundheitlichen Folgeschäden davontragen. Dies ist fraglos stets eine schwierige Gratwanderung.</li><li id="footnote_2_35" class="footnote">Der <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Habitus_%28Soziologie%29&amp;oldid=30619835">Habitus</a> kann verkürzt als Charakteristik der individuellen Persönlichkeitsstruktur verstanden werden. Innerhalb von Sozialisationsprozessen wird ein bestimmter Habitus von den Mitgliedern spezifischer Millieus erworben und inkorporiert; als psychische Disposition prägt er Wahrnehmung, Bewertung und Handeln.</li><li id="footnote_3_35" class="footnote">Dazu zählen keinesfalls nur Formen der illegitimen Leistungssteigerung; sämtliche Verhaltensweisen, die ein Spitzenathlet für sein Zurechtfinden im Sportumfeld benötigt [angefangen von Essgewohnheiten bis hin zum Umgang mit den Fans], werden sukzessive &quot;erlernt&quot;, adaptiert und als Habitus inkorporiert.</li><li id="footnote_4_35" class="footnote">Einerseits Liebling, der sich feiern und hofieren läßt [der ebenfalls in Verruf geratene Ex-ARD-Sportchef <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hagen_Bo%C3%9Fdorf&amp;oldid=31778986">Hagen Boßdorf </a>schrieb sogar eine <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3548367836?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3548367836" target="_blank">Jan-Ullrich-Biographie</a>], andererseits einsilbige Pressekonferenzen und Argwohn, sobald sich kritische Stimmen erheben.</li><li id="footnote_5_35" class="footnote">Und auch andere Leistungseliten haben, wie man wissen kann, ihre Drogenproblematik; denn auch in den Vorstandsetagen von Start-Up-Unternehmen wird der Kokainkonsum des jungen Managers lediglich hinter vorgehaltener Hand, im Schutz der Hinterbühne also, thematisiert.</li><li id="footnote_6_35" class="footnote">Für die Bereiche des Breitensports oder insbesondere im Kinder- und Jugendbereich gelten andere Codierungen. Hier ist tatsächlich plausibel, daß die Freude an der Bewegung, das gemeinschaftliche Wetteifern, Kameradschaft und Fairness die zentralen Elemente sind. Am Beispiel Kinderleichtathletik werden diese sozialen Aspekte etwa [<a target="_blank" href="http://blog.leichtathletik-ostalbkreis.de/index.php/2007/02/20/paedagogische-grundzuege-der-leichtathletik/">hier</a>] von Fred Eberle skizziert.</li><li id="footnote_7_35" class="footnote">Der Umstand, daß die Sportverbände mit einer eigenen Sportgerichtsbarkeit über Regelverstöße befinden, resultiert aus der kaum herstellbaren Anschlußfähigkeit zum konventionellen Justizsystem. Die staatliche Justiz folgt der Unterscheidung Recht|Unrecht, die Sportgerichtsbarkeit bleibt der Eigenlogik Erfolg|Mißerfolg unterworfen. Anders sind die haarsträubenden Entscheidungen der letzten Jahre (siehe etwa den Fall Krabbe/Breuer in der Leichtathletik) kaum zu verstehen.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/">Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne » Dopingarrangements im Spitzensport II</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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