<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Risikogesellschaft Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
	<atom:link href="https://www.wissenswerkstatt.net/tag/risikogesellschaft/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link></link>
	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation </description>
	<lastBuildDate>Thu, 28 Feb 2019 18:37:01 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	

<image>
	<url>https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2019/02/cropped-Werkstatt-Logo-512-180x180.png</url>
	<title>Risikogesellschaft Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
	<link></link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Heiter bis wolkig: Aussichten auf Medizin, Wissenschaft und Technik</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2013/04/heiter-bis-wolkig-aussichten-auf-medizin-wissenschaft-und-technik/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2013/04/heiter-bis-wolkig-aussichten-auf-medizin-wissenschaft-und-technik/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc Scheloske]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Apr 2013 21:55:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftskommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Antibiotika]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Risiko]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/?p=2902</guid>

					<description><![CDATA[<p>&#8222;Prognosen sind schwierig, besonders dann, wenn sie die Zukunft betreffen.&#8220; &#8211; Soll (angeblich) Niels Bohr gesagt haben. Ob diese Feststellung tatsächlich von Bohr stammt oder nicht, ist mir gerade ziemlich egal. In meiner heutigen Link- und Lesesammlung geht es allerdings 3x um Aussichten auf die Zukunft.  Und die Schwierigkeit, die jeweilige Entwicklung einzuschätzen. Mal geht ... <a title="Heiter bis wolkig: Aussichten auf Medizin, Wissenschaft und Technik" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2013/04/heiter-bis-wolkig-aussichten-auf-medizin-wissenschaft-und-technik/" aria-label="Mehr Informationen über Heiter bis wolkig: Aussichten auf Medizin, Wissenschaft und Technik">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2013/04/heiter-bis-wolkig-aussichten-auf-medizin-wissenschaft-und-technik/">Heiter bis wolkig: Aussichten auf Medizin, Wissenschaft und Technik</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>&#8222;Prognosen sind schwierig, besonders dann, wenn sie die Zukunft betreffen.&#8220;</em> &#8211; Soll (angeblich) Niels Bohr gesagt haben. Ob diese Feststellung tatsächlich von Bohr stammt oder nicht, ist mir gerade ziemlich egal. In meiner heutigen Link- und Lesesammlung geht es allerdings 3x um Aussichten auf die Zukunft. </strong></p>
<p><span class="initial_klein">U</span>nd die Schwierigkeit, die jeweilige Entwicklung einzuschätzen. Mal geht es um die Weiterentwicklung technischer Innovationen, mal um die Veränderungen innerhalb der akademischen Publikationskultur und gleich zu Beginn um eine der &#8222;größten Gefahren für die menschliche Gesundheit&#8220; (so die Einschätzung der WHO): um das Problem der Antibiotikaresistenzen.</p>
<p class="zwischenueberschrift">Über die (unterschätzten) Gefahren durch Antiobiotika-resistente Bakterien</p>
<p><span class="initial_klein">D</span>ie moderne Medizin ist ohne Antibiotika schlicht nicht vorstellbar. Umso beunruhigender sind deshalb die regelmäßigen Meldungen über neue Antibiotika-resistente Bakterien. Und die Entwicklung neuer schlagkräftiger Antiobiotika scheint schon seit einiger Zeit zu stagnieren. Keine wirklich erfreulichen Ausichten. Doch obwohl diese Problematik seit Jahren bekannt ist, ist das Wissen über die Konsequenzen (in den verschiedensten Bereichen!) noch absolut lückenhaft.</p>
<p>Wie kann im Ernstfall die medizinische Versorgung auch nur ansatzweise aufrechterhalten werden? Mit wievielen Opfern wäre zu rechnen? Welche Auswirkungen auf andere Bereiche (Verkehr, Wirtschaft, öffentliches Leben&#8230;) und welche Kosten wären zu erwarten? Dazu gibt es natürlich Hochrechnungen. Allerdings &#8211; so haben die Gesundheitsökonomen Richard Smith und Joanna Coast jetzt berechnet &#8211; wird das tatsächliche Ausmaß vermutlich stark unterschätzt.</p>
<p>Lars Fischer hat den BMJ-Artikel durchgesehen und kommentiert einige Aspekte drüben bei sich im Fischblog. Zum selben Thema liegt übrigens seit einigen Wochen eine knapp 80 Seiten starke Stellungnahme der Leopoldina vor. Unter dem Titel &#8222;Antibiotika-Forschung: Probleme und Perspektiven&#8220; ist dort erstens der aktuelle Stand in Sachen Antibiotikaforschung und -Resistenzen zusammengefasst und zweitens wird skizziert, wie die Entwicklung neuer Antiobiotika aussehen könnte und welche Rahmenbedingungen dafür erforderlich sind. Das alles gibt es als Open-Access-Dokument auch als PDF.</p>
<p><strong>Lesetipps:</strong></p>
<ul>
<li>Lars Fischer: <a  href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/fischblog/biologie/2013-03-19/resistenzen-gesundheitssystem">Wie Antibiotika-Resistenzen den Fortbestand unserer Gesellschaft gefährden</a>, Fischblog, 19.3.2013</li>
<li>R. Smith &amp; J. Coast (2013): <a  href="http://www.bmj.com/content/346/bmj.f1493">The true cost of antimicrobial resistance</a>, BMJ 2013; 346 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.f1493</li>
<li>Leopoldina (Deutsche Akademie der Naturforscher): <a  href="http://www.degruyter.com/viewbooktoc/product/204117">Antibiotika-Forschung: Probleme und Perspektiven</a> (2013)</li>
</ul>
<div id="Punkte"></div>
<p class="zwischenueberschrift">Anmerkungen zur Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens</p>
<p><span class="initial_klein">B</span>ei <em>nature</em> hat man sich vorletzte Woche an einer kleinen Bestandsaufnahme zum aktuellen Stand der wissenschaftlichen Publikationskultur versucht. Und es wird auch ein wenig in die Zukunft gedacht. Darüber, wie sich Open Access weiterentwickeln könnte zum Beispiel. Oder darüber, welche (möglichen) negativen Effekte der Erfolg des Open Access auch haben könnte. Die vielfältigen Veränderungen in diesem Feld sind jedenfalls <a href="http://www.nature.com/news/specials/scipublishing/index.html">Thema einer <em>nature</em>-Sonderausgabe</a>.</p>
<p>Wird ja irgendwie auch Zeit, nachdem zunächst die großen Verlage auf Zeit gespielt, die wissenschaftlichen Bibliotheken geschlafen und die Politischen Institutionen sich irgendwie nicht zuständig gefühlt haben. Seit 1-2 Jahren (so jedenfalls mein Gefühl) kommt jetzt Leben in die Bude. Die EU-Kommission hat zwischenzeitlich Lust auf Open-Access bekommen und vor einigen Wochen hat ja auch Barack Obama angekündigt, daß künftig öffentliche finanzierte Forschungsarbeiten innerhalb weniger Monate auch in einem Open-Access-Journal zugänglich gemacht werden müssen. Sehr, sehr erfreulich das alles&#8230;</p>
<p>Bei <em>nature</em> besonders lesenswert fand ich:</p>
<ul>
<li>Richard Van Noorden: <a href="http://www.nature.com/news/open-access-the-true-cost-of-science-publishing-1.12676">Open access: The true cost of science publishing</a></li>
<li><a href="http://www.nature.com/nature/journal/v495/n7442/full/495442a.html">Advocacy: How to hasten open access</a></li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2013/04/heiter-bis-wolkig-aussichten-auf-medizin-wissenschaft-und-technik/">Heiter bis wolkig: Aussichten auf Medizin, Wissenschaft und Technik</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.wissenswerkstatt.net/2013/04/heiter-bis-wolkig-aussichten-auf-medizin-wissenschaft-und-technik/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>3</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Über den Umgang mit anderen Möglichkeiten » Eine Erwägungskultur ist eine Fehlerkultur ist eine Kontingenzkultur &#124; Werkstattnotiz LX</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Jan 2008 08:35:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kontingenz]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/31/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wir neigen ja gemeinhin dazu, die Menschheit in verschiedene Gruppen einzuteilen. In Männer, die angeblich toll einparken können1 und in Frauen, die trotz überquellender Kleiderschränke nichts zum Anziehen finden.2 Eine andere Art der Schubladisierung wäre ja &#8211; wie wir gestern lernen durften 3 &#8211; diejenige in die geringgebildeten Dicken einerseits und die dünne Bildungselite andererseits. ... <a title="Über den Umgang mit anderen Möglichkeiten » Eine Erwägungskultur ist eine Fehlerkultur ist eine Kontingenzkultur &#124; Werkstattnotiz LX" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/" aria-label="Mehr Informationen über Über den Umgang mit anderen Möglichkeiten » Eine Erwägungskultur ist eine Fehlerkultur ist eine Kontingenzkultur &#124; Werkstattnotiz LX">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/">Über den Umgang mit anderen Möglichkeiten » Eine Erwägungskultur ist eine Fehlerkultur ist eine Kontingenzkultur | Werkstattnotiz LX</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<strong>Wir neigen ja gemeinhin dazu, die Menschheit in verschiedene Gruppen einzuteilen. In Männer, die angeblich toll einparken können</strong><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_0_187" id="identifier_0_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich warte ja, bis einer der Craig-Venter-J&uuml;nger das Einpark-Gen auf irgendeinem Chromosom lokalisiert.">1</a> <strong>und in Frauen, die trotz überquellender Kleiderschränke nichts zum Anziehen finden.</strong><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_1_187" id="identifier_1_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und ich warte, bis der Kleiderschrank serienreif ist, der (&auml;hnlich wie wir es von Amazon und Co. kennen) Vorschl&auml;ge unterbreitet &ndash; gem&auml;&szlig; dem Motto: &quot;An Tagen an denen Sie diesen Rock getragen haben, haben sie auch diese Bluse, dieses Top, diesen Rollkragenpullover&hellip;&quot; ;-) ">2</a> <strong>Eine andere Art der Schubladisierung wäre ja &#8211; wie wir gestern lernen durften </strong><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_2_187" id="identifier_2_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Minister Seehofer pr&auml;sentierte die Ergebnisse der &quot;Nationalen Verzehrstudie&quot;, wonach das K&ouml;rpergewicht mit dem Bildungsstand korreliert.">3</a> <strong>&#8211; diejenige in die geringgebildeten Dicken einerseits und die dünne Bildungselite andererseits.</strong> </p>
<h4 class="pullquote_left"> Die Menschheit zerfällt in zwei Gruppen: in diejenigen, die glauben, es gäbe richtige und falsche Entscheidungen. Und in diejenigen, die nüchtern genug sind und wissen, daß es so einfach niemals ist. <br /></h4>
<p>Mir persönlich sind solche Kategorisierungen ja eher suspekt. Wäre ich gezwungen dennoch eine Unterscheidung vorzunehmen, dann möglicherweise diejenige zwischen Menschen, die glauben es gäbe prinzipiell richtige und falsche Entscheidungen<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_3_187" id="identifier_3_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und diese Entscheidungen seien eindeutig und unumst&ouml;&szlig;lich.">4</a> und Menschen, die wissen, daß es allenfalls bessere und schlechtere Entscheidungen geben kann, niemals aber eine einzige unzweifelhaft optimale Lösung. </p>
<p>Ausgangspunkt für die folgenden Überlegungen ist ein <a target="_blank" href="http://images.zeit.de/text/2008/05/FiS-Erwaegung" rel="noopener noreferrer">kurzes Interview</a> in der ZEIT von vergangener Woche. Unter dem Titel &quot;<em>Erwägungskultur</em>&quot; gibt die Kulturwissenschaftlerin Bettina Blanck von der Universität Paderborn Auskunft &quot;<em>über neue Formen im wissenschaftlichen Diskurs</em>&quot;. Das klingt spannend, verspricht aber mehr als das Interview hält. Denn um den wissenschaftlichen Diskurs geht es im Gespräch nur ganz am Rande. </p>
<p>Dennoch sind die Antworten von Bettina Blanck anregend, denn die Zielsetzung einer &quot;Erwägungskultur&quot; formuliert sie bspw. so:</p>
<blockquote><p>Wir wollen Alternativen als Denkmöglichkeit bewahren. Sie sind für uns ein Gütesiegel, mit dem wir besonders für Forschung und Lehre ein höheres Niveau anstreben. Die Vermittlung von Wissen verändert sich durch ein Denken in Möglichkeiten und die Frage: Könnte es auch anders sein? </p></blockquote>
<p>Und wenn von &quot;Alternativen als Denkmöglichkeiten&quot; die Rede ist und der ganz basalen Frage: &quot;Könnte es auch anders sein?&quot; werde ich natürlich hellhörig. Denn genau das ist der zentrale Punkt, an dem wissenschaftliche (und in der Folge häufig genug gesellschaftliche) Kontroversen aufbrechen. Denn wenn es bspw. um neue Technologien geht, dann sind stets Risikoerwägungen zu treffen, deren neuralgische Stelle just diese simple Frage ist: &quot;Könnte es auch anders sein?&quot; </p>
<h4 class="pullquote"> Jede Risikodebatte dreht sich im Kern um die Frage: &quot;Könnte es auch anders sein?&quot; &#8211; Und hier stoßen (Kontingenz-)Leugner und Kontrollskeptiker aufeinander. <br /></h4>
<p><strong>Aktuelles Beispiel für eine Enttäuschung der Eindeutigkeitsversprechen: die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs ist riskanter als gedacht</strong></p>
<p>Nehmen wir als Beispiel die aktuelle Diskussion um die Risiken der sog. <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/HPV-Impfstoff" rel="noopener noreferrer">HPV-Impfung</a>. Eine Infektion mit <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Humanes_Papillomvirus" rel="noopener noreferrer">humanen Papillomviren</a> ist einer der Hauptrisikofaktoren für Gebärmutterhalskrebs und seit Ende 2006 steht unter dem Namen &quot;Gardasil&quot; ein Impfstoff zur Verfügung, der gegen die meisten HPV-Typen schützen soll.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_4_187" id="identifier_4_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wohlgemerkt taugt der Impfstoff nicht gegen alle Varianten des Virus und es ist epidemiologisch auch nicht wirklich &uuml;berzeugend belegt, da&szlig; die HPV-Impfung zuverl&auml;ssig gegen Zervixkarzinome sch&uuml;tzt.">5</a> Seit im Oktober 2007 eine 19-jährige Österreicherin im direkten Zusammenhang mit einer Gardasil-Impfung verstarb,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_5_187" id="identifier_5_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und dutzende weitere Verdachtsf&auml;lle auf Sch&auml;den und einige weitere ungekl&auml;rte Todesf&auml;lle etc. publik wurden.">6</a> wird nun debattiert, ob die Impfung nicht doch versteckte Risiken birgt und lediglich fragwürdigen Nutzen bietet.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_6_187" id="identifier_6_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Mehr Informationen zu den Diskussionen um die Risiken der HPV-Impfung finden sich wie so oft in der &quot;Station&auml;ren Aufnahme&quot; &ndash; z.B. hier und hier und hier.">7</a></p>
<p>Dieser Fall ist wieder einmal beispielhaft dafür, wie sich scheinbare Eindeutigkeiten binnen weniger Wochen<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_7_187" id="identifier_7_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und selbst vor so sicher geglaubten Glaubenss&auml;tzen, wie demjenigen, da&szlig; Oliven&ouml;l gesund ist, schrecken die Skeptiker nicht mehr zur&uuml;ck. ;-) ">8</a> in Mehrdeutigkeiten und Unsicherheiten verwandeln.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_8_187" id="identifier_8_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Woran die Todesf&auml;lle wirklich lagen, kann ich nat&uuml;rlich auch nicht sagen. Waren es nun immunologische Fehlreaktionen, die durch Gardasil ausgel&ouml;st wurden oder war es doch nur Zufall?">9</a> Denn bislang empfahl die Ständige Impfkommission (Stiko)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_9_187" id="identifier_9_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums die Empfehlungen zu Schutzimpfungen erarbeitet und am Robert-Koch-Institut angesiedelt ist.">10</a> die Impfung für Mädchen im Alter von 12-17 Jahren. Nach deren Wunsch sollen alle Mädchen der fraglichen Altersgruppe vorbeugend geimpft werden, was &#8211; jede einzelne Impfung schlägt mit knapp 500 Euro zu Buche &#8211; grob gerechnet für jeden (Mädchen-)Jahrgang die Kassen eine halbe Milliarde Euro kostet.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_10_187" id="identifier_10_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nat&uuml;rlich sind die Versprechen und Zahlen der Impfstoffhersteller (Sanofi Pasteur MSD) wieder vollmundiger und sie verschweigen, da&szlig; eine Impfung keineswegs absolute Sicherheit bietet etc.">11</a> Man sollte glauben, solche großangelegten und immens teuren Entscheidungen würden nur unter der Voraussetzung einer gesicherten Wissens- und Datenbasis getroffen, oder?</p>
<p>Weit gefehlt &#8211; und über die Aufregung um die Risiken der HPV-Impfung kann sich wohl nur derjenige wundern, der in meiner obigen Kategorisierung zu der ersten Gruppe gehört: also zu den Zeitgenossen, die felsenfest davon ausgehen, daß es richtig und falsch gibt. Oder anders formuliert: wer glaubt, daß man prinzipiell genug wissen kann, um ganz &#8211; also 100%! &#8211; sicher zu sein, der wird enttäuscht sein, wenn sich im nachhinein herausstellt, daß sich die Dinge doch anders verhalten. </p>
<p><strong>Über die Vorteile einer Erwägungskultur</strong></p>
<p>Was das alles mit einer Erwägungskultur und Risikokontroversen zu tun hat? Sehr viel, denn wie ich vorhin schrieb, entzünden sich die Konflikte meist zwischen den Angehörigen der beiden Gruppen: einerseits die Eindeutigkeitsjünger, andererseits die Skeptiker. Und die Skeptiker leben eben nach dem Motto: &quot;Es könnte auch anders sein&#8230;&quot; ;-) </p>
<h4 class="pullquote"> Wenn uns am Fortbestand unserer Zivilisation liegt, dann sollten wir anerkennen, daß unser Kontrollglaube häufig mehr ein Kontrollaberglaube ist. <br /></h4>
<p>Für wünschenswert &#8211; und übrigens auch für den Fortbestand der menschlichen Zivilisation unabdingbar &#8211; hielte ich ja, daß wir mehr und mehr lernen könnten, daß unser Kontrollglaube häufig mehr ein Kontrollaberglaube ist. Denn wer der Illusion anhängt, seine Entscheidungen auf der Basis eindeutigen, gesicherten Wissens zu treffen, der wird viel weniger über die Folgen seines Handelns nachdenken.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_11_187" id="identifier_11_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und diejenigen, die vor den Nebenwirkungen warnen, als Fortschrittsfeinde beschimpfen&hellip;">12</a> Und viel zu früh andere Denk- und Handlungsmöglichkeiten verwerfen, die später auch kaum mehr reaktiviert werden können.</p>
<p>Ich hätte nichts dagegen, wenn wir in deutlich mehr Bereichen eine Erwägungskultur etablieren könnten. Denn im Umgang mit Vielfalt, im Umgang mit begrenztem Wissen ist es auf lange Sicht ratsamer, auf etwaige negative Folgeerscheinungen gefaßt zu sein. Daß wir stets nur &quot;Entscheidungen unter Unsicherheit&quot; treffen, sollte ja kaum bestreitbar sein&#8230; </p>
<p>Und Erwägungskultur meint nichts anderes als den Blick für andere Alternativen zu öffnen. Und hier ist sie eng verwandt mit einer Kontingenzkultur: nämlich dem Bewußtsein, daß alles jeweils auch anders möglich sein könnte.&nbsp; </p>
<p>&nbsp;<br />&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li>Die Zeit: <a href="http://images.zeit.de/text/2008/05/FiS-Erwaegung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Erwägungskultur</a>, Interview mit Bettina Blanck, DIE ZEIT, 24.01.2008 </li>
<li>Berndt, Christina: <a href="http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/artikel/691/136422/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Voreilige Vorsorge</a>, Süddeut. Zeitung, 5.10.2007</li>
</ul>
<p><em><strong>Literaturempfehlungen:&nbsp;</strong></em></p>
<ul>
<li>Beck, Ulrich (2007):&nbsp;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518414259?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518414259"> Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit</a>. Suhrkamp</li>
<li>Osten, Manfred (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518417444?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518417444">Die Kunst, Fehler zu machen.</a> Plädoyer für eine fehlerfreundliche Irrtumsgesellschaft. Suhrkamp</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_187" class="footnote">Ich warte ja, bis einer der Craig-Venter-Jünger das Einpark-Gen auf irgendeinem Chromosom lokalisiert.</li><li id="footnote_1_187" class="footnote">Und ich warte, bis der Kleiderschrank serienreif ist, der (ähnlich wie wir es von Amazon und Co. <a target="_blank" href="http://blog.metaroll.de/2008/01/30/amazon-als-turing-maschine/" rel="noopener noreferrer">kennen</a>) Vorschläge unterbreitet &#8211; gemäß dem Motto: &quot;An Tagen an denen Sie diesen Rock getragen haben, haben sie auch diese Bluse, dieses Top, diesen Rollkragenpullover&#8230;&quot; ;-) </li><li id="footnote_2_187" class="footnote">Minister Seehofer präsentierte die Ergebnisse der &quot;Nationalen Verzehrstudie&quot;, wonach das Körpergewicht mit dem Bildungsstand korreliert.</li><li id="footnote_3_187" class="footnote">Und diese Entscheidungen seien eindeutig und unumstößlich.</li><li id="footnote_4_187" class="footnote">Wohlgemerkt taugt der Impfstoff nicht gegen alle Varianten des Virus und es ist epidemiologisch auch nicht wirklich überzeugend belegt, daß die HPV-Impfung zuverlässig gegen Zervixkarzinome schützt.</li><li id="footnote_5_187" class="footnote">Und dutzende weitere Verdachtsfälle auf Schäden und einige weitere ungeklärte Todesfälle etc. publik wurden.</li><li id="footnote_6_187" class="footnote">Mehr Informationen zu den Diskussionen um die Risiken der HPV-Impfung finden sich wie so oft in der &quot;Stationären Aufnahme&quot; &#8211; z.B. <a target="_blank" href="http://gesundheit.blogger.de/stories/1022337/" rel="noopener noreferrer">hier</a> und <a target="_blank" href="http://gesundheit.blogger.de/stories/1029503/" rel="noopener noreferrer">hier </a>und <a target="_blank" href="http://gesundheit.blogger.de/stories/1026192/" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</li><li id="footnote_7_187" class="footnote">Und selbst vor so sicher geglaubten Glaubenssätzen, wie demjenigen, daß <a href="http://www.eigenarbeit.org/molekularkueche/2008/01/30/vorsicht-olivenol/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Olivenöl</a> <a href="http://fisch-blog.blog.de/2008/01/23/olivenol_jetzt_doch_ungesund~3623261" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gesund</a> ist, schrecken die Skeptiker nicht mehr zurück. ;-) </li><li id="footnote_8_187" class="footnote">Woran die Todesfälle wirklich lagen, kann ich natürlich auch nicht sagen. Waren es nun immunologische Fehlreaktionen, die durch Gardasil ausgelöst wurden oder war es doch nur Zufall?</li><li id="footnote_9_187" class="footnote">Die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums die Empfehlungen zu Schutzimpfungen erarbeitet und am Robert-Koch-Institut angesiedelt ist.</li><li id="footnote_10_187" class="footnote">Natürlich sind die Versprechen und Zahlen der Impfstoffhersteller (Sanofi Pasteur MSD) wieder vollmundiger und sie verschweigen, daß eine Impfung keineswegs absolute Sicherheit bietet etc.</li><li id="footnote_11_187" class="footnote">Und diejenigen, die vor den Nebenwirkungen warnen, als Fortschrittsfeinde beschimpfen&#8230;</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/">Über den Umgang mit anderen Möglichkeiten » Eine Erwägungskultur ist eine Fehlerkultur ist eine Kontingenzkultur | Werkstattnotiz LX</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>6</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 04</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jul 2007 23:06:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Risikokommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/18/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der deutsche Sommer ist zurückgekehrt. Zwar kann man ihm vorwerfen, daß er recht lange auf sich warten ließ, aber wenigstens entspricht er den Erwartungen, die der gemeine Mitteleuropäer an&#160; meteorologische Hochdrucklagen zur Ferienzeit stellt: er bringt Sonne und Temperaturen jenseits der 30°C. Möglicherweise wäre das &#8211; solange man sich vorwiegend in abgedunkelten, kühlen Räumen aufhält ... <a title="Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 04" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/" aria-label="Mehr Informationen über Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 04">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/">Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 04</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" width="240" height="177" align="right" style="border: 1px solid rgb(136, 136, 136); margin: 6px; padding: 1px;" alt="Fundstuecke_01c.jpg" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/05/Fundstuecke_01c.jpg" />Der deutsche Sommer ist zurückgekehrt. Zwar kann man ihm vorwerfen, daß er recht lange auf sich warten ließ, aber wenigstens entspricht er den Erwartungen, die der gemeine Mitteleuropäer an&nbsp; meteorologische Hochdrucklagen zur Ferienzeit stellt: er bringt Sonne und Temperaturen jenseits der 30°C. </p>
<p>Möglicherweise wäre das &#8211; solange man sich vorwiegend in abgedunkelten, kühlen Räumen aufhält und sich nur zu frühen Tages- und späten Abendstunden ins Freie wagt &#8211; alles noch zu ertragen; lästiger als die stupide vom Himmel funkelnde Sonne sind freilich die Begleiterscheinungen, die jeder sogenannte deutsche Sommer- bzw. Hitzetag mit sich bringt: nämlich schwitzende und v.a. schlecht gekleidete Menschen.</p>
<p> Ist ein schrecklicheres Szenario vorstellbar, als an einem Rekordsommertag zur Hauptverkehrszeit dicht gedrängt in öffentlichen Verkehrsmitteln den naßgeschwitzten Leibern der Mitpassagiere ausgesetzt zu sein?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/#footnote_0_56" id="identifier_0_56" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Auch die Blogosph&auml;re widmet sich den Auswirkungen und Randerscheinungen des Sommers. Manche st&ouml;hnen, andere beobachten wiederum wohltuende Entschleunigung und wieder andere machen sich Sorgen um ihren Kreislauf.">1</a> Diesem Horror vermag sich nur derjenige zu entziehen, der konsequent obigen Ratschlag beherzigt und die Tageshitze in den eigenen vier Wänden &#8211; und das heißt: ohne Feindkontakt &#8211; zubringt. Alternativ bleibt nur die Fortbewegung zu Fuß oder auf dem Rad. Allerdings bleibt einem auf diese Weise der Anblick der unzähligen Zeitgenossen nicht erspart, die beim Hervorblinzeln der ersten Sonnenstrahlen ihre ansonsten löblichen Bekleidungsgewohnheiten suspendieren. </p>
<p>Hat eigentlich schon jemand eine wissenschaftliche Untersuchung angestellt, um zu ergründen, weshalb sich fast ausschließlich der männliche Teil der Bevölkerung einer ästhetisch kaum hinzunehmenden Kulissenverschmutzung schuldhaft macht? Weit aufgeknöpfte Hemden, strandtaugliche Kopfbedeckungen und natürlich das Hauptübel: knielange &#8211; häufig euphemistisch &quot;Bermuda&quot; genannte &#8211; Hosen, die in fast allen Fällen genau zwei Dinge offenbaren: erstens die milchig-weiße Männerwade, zweitens die Respektlosigkeit des jeweiligen Herrn gegenüber seinen Mitmenschen. Wer erbarmt sich und erklärt den irregeleiteten Kurzhosenfans endlich, daß sie naiverweise den PR-Strategien der Strandbekleidungsindustrie auf den Leim gegangen sind? Denn, eines ist sicher: das angemessene Beinkleid für heiße Sommertage ist eine lange, dünne Stoffhose. Es ist der Hitzkopf, der glaubt, sich möglichst luftig kleiden zu müssen; der wahrhaft besonnene Herr ist ein <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3257236069?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3257236069">Liebhaber des Halbschattens</a>. Und kühl und beschattet hält er auch seine Beine. Wir werden nie erfahren, ob sie durchtrainiert oder stelzenhaft-stakig sind. </p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">1.</font> </font>Habe ich schon jemals erwähnt, daß das Gedicht &quot;Weltende&quot; von <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_van_Hoddis" rel="noopener noreferrer">Jakob van Hoddis</a> zu meinen Favoriten zählt? Dort wird von den Dachdeckern, die abstürzen und &quot;entzwei gehen&quot;&nbsp; genauso erzählt, wie von den entgleisenden Eisenbahnen. Ich weiß nicht weshalb, aber nicht selten, wenn neue Katastrophenmeldungen durch die Medien geistern, so kommt mir Hoddis in den Sinn. &quot;In allen Lüften hallt es wie Geschrei&quot; &#8211; so kündet sich das Weltende an; aber mögen die Ereignisse noch so schrecklich sein, die Unfälle der Hochtechnologiegesellschaft noch so verheerend, bislang waren es freilich viele <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kassandra-Syndrom" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Kassandrarufe</a>, die einen Großteil des Geschreis ausmachten. </p>
<p>Wenn es nach mir ginge, so darf sich die Apokalypse auch gerne ein weiteres mal in ihrem Lehnstuhl zurücklehnen und gemütlich ein Pfeifchen rauchen. Und dennoch kommt man auch als ruhiger Beobachter nicht umhin einzugestehen, daß die Situationen, in denen die Industriegesellschaft an großen Unfällen nur haarscharf vorbeischrammt, immer häufiger werden. Man mag dem Soziologen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Beck" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Ulrich Beck</a> vieles vorwerfen, daß seine Gesellschaftsdiagnose der latent suizidalen Risikogesellschaft plausibel und triftig ist, kann man aber kaum von der Hand weisen. </p>
<p>Für all diejenigen, die sich mit Risiken in der Industriegesellschaft beschäftigen oder gar noch mit den Strategien, die unabweisbaren Gefahrenpotentiale im demokratisch-öffentlichen Diskurs zu verhandeln, gab es in den letzten Tagen wieder reichlich Anschauungsmaterial. Die beiden vom Energiekonzern Vattenfall betriebenen Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel sind seit rund 10 Tagen Topthema in den Nachrichtenspalten.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/#footnote_1_56" id="identifier_1_56" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Politblog widmet sich auch ausf&uuml;hrlich der Thematik.">2</a> Wie weit Anspruch und Wirklichkeit der Risikokommunikation hier wieder einmal auseinanderlagen, wird demnächst Thema hier in der Wissenswerkstatt sein. Bis dahin sei auf die lesenswerten Artikel in der ZEIT verwiesen. </p>
<ul>
<li>Schwentker, Björn: <a target="_blank" href="http://images.zeit.de/text/online/2007/28/kernkraft-stoerfaelle-kommentar" rel="noopener noreferrer">Atomaufsicht, ja bitte!</a>, Die ZEIT, 11.7.2007</li>
<li>v. Randow, Gero: <a target="_blank" href="http://images.zeit.de/text/online/2007/29/vattenfall-kommentar" rel="noopener noreferrer">Verspieltes Vertrauen</a>, Die ZEIT, 16.7.2007&nbsp; </li>
</ul>
<p>Trotz der zutreffenden Anmerkungen in den genannten Beiträgen ist wieder einmal festzustellen: recht profane Störungen haben das hochkomplexe &#8218;System&#8216; des Kraftwerks an einem neuralgischen Punkt irritiert, so daß sowohl Bedienpersonal als auch technische Sicherheitsvorkehrungen nicht geeignet waren, die Störung umgehend wieder zu beheben. Die &#8211; wenn man hier das Vokabular von <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3593341255?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3593341255">Charles Perrow</a><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/#footnote_2_56" id="identifier_2_56" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Organisationspsychologe Perrow untersuchte in den 80er Jahren v.a. am Beispiel der beinahe Kernschmelze in Three Mile Island (Harrisburg), wie hochkomplexe Industrieanlagen, quasi aus sich heraus schwer handhabbare und im Vorfeld kaum zu berechnende Zwischenf&auml;lle produzieren.">3</a> benutzen will &#8211; &#8218;<em>enge Kopplung</em>&#8218; war wieder einmal dafür verantwortlich, daß hier ein KKW nur knapp einer Kernschmelze entgangen ist. Die Rede davon, daß hier Bedienungsfehler vorlagen und der Schichtleiter überfordert und angeblich nicht optimal geschult war, verstellt eher den Blick auf das unhintergehbare Gefahrenpotential der nuklearen Energieerzeugung, als daß es diese Debatte (mit dem Fokus auf menschliches Fehlverhalten) aufklären könnte.</p>
<p><em>Literaturempfehlungen:&nbsp;</em></p>
<ul>
<li>Perrow, Charles (1987): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3593341255?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3593341255">Normale Katastrophen</a>. Die unvermeidbaren Risiken der Großtechnik. Campus. </li>
<li>Beck, Ulrich (1986): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518113658?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518113658">Risikogesellschaft</a>. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp. </li>
</ul>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">2.</font> </font>Nicht Technik-, sondern Sprachkritik betreibt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wiglaf_Droste" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wiglaf Droste</a>. Der inzwischen preisgekrönte Satiriker zählt zu einer leider sehr raren Gattung: er ist ein Prinzipienmensch, der sich nicht scheut, auch denjenigen Personengruppen und Milieus, die ihm nahestehen, die Wahrheit ins Gesicht zu sagen. Auch wenn dies manchmal weh tut. Droste liebt die Provokation genauso wie gutes und <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3832179925?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3832179925">reichhaltiges Essen</a>. Suspekt sind ihm Phrasendrescherei und ein Journalismus, der weniger aus solider Informationsaufbereitung und Recherche, als viel mehr aus Nachplapperei von Agenturmeldungen besteht. Wenn sich Journalisten gar unkritisch als Erfüllungsgehilfen oder Sprachrohr von PR-Agenturen betätigen, dann ruft das Droste auf den Plan, der &#8211; dies eine seiner bevorzugten Beschäftigungen &#8211; den fraglichen Praktiken auf den Grund geht und ihre Gedanken- und Substanzlosigkeit nachweist.</p>
<blockquote>
<p>&quot;Sprachkritik, die nur rechthaben will, ist uninteressant. Das gleichermaßen mäkelige wie auftrumpfende Einteilen in richtig und falsch mag die Ambitionen von professionellen Rotstiften oder Amateurdeutschlehrern befriedigen. Das ist piesepömpelig und kleinlich, ärmlich und latent peinlich. Man soll kein Rechthaber der Sprache sein, sondern ihr Liebhaber. Und also das unverbindliche und häßliche Vokabular meiden und das schöne, bildhaft sprechende, treffende suchen oder erfinden.&quot; (W. Droste in seinem &quot;Sommertagebuch&quot;)</p>
</blockquote>
<p>Seit einigen Tagen ist in der &quot;jungen Welt&quot; täglich eine Notiz von Wiglaf Droste zu lesen, der dort ein hübsches, kleines <a href="http://www.jungewelt.de/2007/07-02/043.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sommertagebuch</a> führt. Auf die unsägliche Werbekampagne der BILD-Zeitung, für die Alice Schwarzer den <a target="_blank" href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/schwarzer-humor/" rel="noopener noreferrer">letzten Rest </a>ihrer Glaubwürdigkeit <a target="_blank" href="http://alteeule.blogg.de/eintrag.php?id=340" rel="noopener noreferrer">opfert</a> und die derzeit die Städte verunstaltet, hat Droste bereits <a href="http://www.jungewelt.de/2007/07-13/009.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hingewiesen</a>. Frei nach dem Motto: &quot;Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht&quot; &#8211; Wiglaf Droste, Sommertagebuch, &quot;Junge Welt&quot;. Lesen!<br />&nbsp;</p>
<ul>
<li>Droste, Wiglaf / Heidelbach, Nikolaus / Klink, Vincent (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3832179925?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3832179925">Wurst</a>. Dumont.</li>
<li>Droste, Wiglaf (2004): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3379201103?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3379201103">Der infrarote Korsar</a>. Ausgesuchte neue Texte. Reclam.</li>
<li>Droste, Wiglaf (2002): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3379200433?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3379200433">Bombardiert Belgien / Brot und Gürtelrosen</a>. Reclam.</li>
</ul>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»3</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">.</font> </font>Nicht die Sünden des Journalismus, sondern die Entwicklungen der Wissenschaft und ihrer Publikations- und Sprechweisen sind Gegenstand eines <a target="_blank" href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E736EA9319321421BB463DE1F83821F92~ATpl~Ecommon~Scontent.html" rel="noopener noreferrer">überaus lesenswerten Essays</a> von Stefan Klein.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/#footnote_3_56" id="identifier_3_56" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Den Link auf Kleins Artikel verdanke ich Wisskomm.">4</a> Ausgehend von der Beobachtung einer wissenschaftlichen Tagung in Berlin, an der zwar einige wenige Referenten englischsprachig waren, das gesamte Publikum sowie viele Vortragende jedoch deutschsprachig, kritisiert Klein die um sich greifende Unterwerfung unter die &#8218;lingua franca&#8216; des 21. Jahrhunderts.</p>
<blockquote>
<p>Wer Wissenschaft nur in einer Fremdsprache begegnet, bezahlt selbst dann mit Verlusten, wenn er dieses Idiom hervorragend beherrscht.&nbsp;</p>
</blockquote>
<p>Egal ob es wissenschaftliche Papers oder Beiträge auf Workshops oder Konferenzen sind: der Biophysiker und Wissenschaftsjournalist Stefan Klein hat häufig die Erfahrung gemacht, daß der Reflexionsgrad der englischen Beiträge (so sie nicht von Muttersprachlern stammen) hinter denjenigen der deutschsprachigen Beiträge zurückfällt. &quot;Dümmer auf Englisch&quot; ist sein Artikel in der FAZ überschrieben und er verweist auf interessante Entwicklungen in anderen Ländern. Während in Deutschland mittlerweile 250 Masterstudiengänge vollständig auf die Unterrichtssprache Englisch umgestellt sind, debattiert man im fortschrittlichen Schweden beispielsweise wieder, mehr Veranstaltungen oder gar das gesamte Studium in der Landessprache anzubieten. </p>
<p>Klein weist sicher zurecht darauf hin, daß in vielen, alltäglichen wissenschaftlichen Papers, die sowieso mit heißer Nadel gestrickt sind, die sprachliche Qualität nur sekundär ist. Das kann ohne Verluste auch auf Englisch erfolgen; die Benennung komplexer Sachverhalte mit prägnant-anschaulichem Vokabular allerdings, so argumentiert Klein, sei oftmals nur Muttersprachlern möglich. Und er verweist darauf, daß die deutsche Sprache in der Wissenschaft eine lange, ehrenvolle Tradition und beeindruckende Leistungen aufzuweisen habe: so sei <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Erwin_Schr%C3%B6dinger&amp;oldid=34415797" rel="noopener noreferrer">Erwin Schrödingers</a> Begriff der &quot;<a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Quantenverschr%C3%A4nkung&amp;oldid=33982783" rel="noopener noreferrer">Verschränkung</a>&quot; (mit der er die Verknüpfung von Statuszuständen von voneinander entfernten Teilchen in der Quantentheorie beschreibt) unübertroffen. Und dabei auch &#8211; was für Lernende und Lehrende nicht unwesentlich sei &#8211; emotional anschlußfähig. Klein stellt fest: </p>
<blockquote>
<p>Wissenschaft ist auch eine Erzählung von Menschen, die auszogen, die Welt zu begreifen und zu verbessern. Deshalb sind die Werke von Darwin, Galileo und Einstein bis heute so faszinierend. Nur wenn wir wieder lernen, Wissenschaft zu erzählen, hat Deutsch als Sprache der Wissenschaft eine Zukunft.</p>
</blockquote>
<p>Einer Wissenschaft, die sich ihrer Exzellenz nur dadurch vergewissert, daß sie auf Englisch publiziert, kann man nicht oft genug ins Gewissen reden, die Leistungsfähigkeit der Wissenschaftssprache Deutsch nicht zu vergessen. Dabei geht es nicht um einen Boykott des Englischen, sondern darum, darauf zu insistieren, daß wissenschaftliche Ergebnisse &#8211; vor allem, wenn sie in ihren Zusammenhängen und Auswirkungen dargestellt werden sollen &#8211; auch auf Deutsch veröffentlicht werden sollten. Dazu schlägt Klein vor:</p>
<blockquote>
<p>Zwei sofort umsetzbare Maßnahmen könnten einen Stimmungsumschwung einleiten: Erstens sollten Abschlussarbeiten an allen Fakultäten künftig eine mehrseitige allgemeinverständliche Zusammenfassung in deutscher Sprache enthalten, die in die Examensnote eingeht. Auch Anträgen auf öffentliche Mittel muss eine ausführliche Inhaltsangabe beigefügt werden, die jeder interessierte Laie versteht. Diese Mühe schuldet jeder Forscher der Demokratie. </p>
</blockquote>
<p>Man sollte diesen Artikel Wissenschaftspolitikern und den Apologeten der Internationalisierung und Nivellierung von Wissenschaft zur Pflichtlektüre machen.</p>
<p><em>Weiterführende Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Pörksen, Uwe (2005): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3892449783?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3892449783">Die Wissenschaft spricht Englisch</a>? Versuch einer Standortbestimmung. Wallstein.</li>
<li>Klein, Stefan (2002): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3498035096?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3498035096">Die Glücksformel</a>. Oder: Wie die guten Gefühle entstehen. Rowohlt.</li>
<li>Ammon, Ulrich (1998): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3110161486?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3110161486">Ist Deutsch noch internationale Wissenschaftssprache</a>? Gruyter.&nbsp; </li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">4.</font> </font>Möglicherweise wurde in kaum einem anderen Jahr das mediale <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sommerloch" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Sommerloch</a> stärker herbeigesehnt als dieses Jahr. Wie wohltuend wären zur Abwechslung seicht-anrührende Berichte über entflohene Minikrokodile oder sonstige Ungeheuer, die heimische Badeseen unsicher machen, wenn man nur einige Tage von den wahnwitzigen Vorschlägen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble verschont bliebe. Ob und wie die Sicherheitslage zu erhöhter Vorsicht Anlaß gibt und mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Terroranschlag in den nächsten Monaten bevorsteht, ist schon lange kein Thema mehr. Schäuble ist lange genug im Geschäft und versiert genug, um zu wissen, wie er die öffentliche Meinung sukzessive auf Linie bringen kann; und diese Linie führt &#8211; diesen Eindruck gewinnt man &#8211; geradewegs in eine<a> </a>umfassende <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberwachen_und_Strafen" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Kontroll- und Disziplinargesellschaft</a>, in der der argwöhnische Blockwart wieder zu neuen Ehren gelangt. </p>
<p>Vergegenwärtigt man sich die <a target="_blank" href="http://blog.kairaven.de/archives/1218-Internierung-und-Liquidierung-Schaeuble-legt-nach.html" rel="noopener noreferrer">jüngsten</a> <a target="_blank" href="http://www.farliblog.de/archives/766-Ein-geplatzter-Testballon-und-der-Sturm-im-Wasserglas.html" rel="noopener noreferrer">Verlautbarungen</a><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/#footnote_4_56" id="identifier_4_56" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Auf den sehr guten Artikel des Stern weist der Farliblog hin. Inzwischen rudert Sch&auml;uble vorsichtig zur&uuml;ck.">5</a> Schäubles, die &#8211; bewußt vage formuliert &#8211; ein prophylaktisches Tötungsrecht zur finalen Gefahrenabwehr zur Debatte stellen, so wird zweierlei deutlich, erstens: Schäuble versteht es nach wie vor meisterlich, sich selbst als tatkräftigen und handlungsfähigen Hüter von Sicherheit und Ordnung zu inszenieren (wenigstens für die Bevölkerungsgruppen, deren Sicherheitsempfinden fragil ist), zweitens: um die Befindlichkeit der bundesdeutschen Bevölkerung scheint es schlecht bestellt zu sein. Denn wie sonst ist es zu erklären, daß kein Schrei der Entrüstung durchs Land fegt, wenn der Innenminister eines demokratischen Rechtsstaats, die freiheitlichen Grundrechte immer weiter unter Vorbehalt stellt.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/#footnote_5_56" id="identifier_5_56" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wie der Lawblog eben verlinkt: einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge sind doch immerhin 54% der Bundesb&uuml;rger skeptisch was Sch&auml;ubles Aktivit&auml;ten angeht.">6</a></p>
<p>Ein sehr lesenswertes <a href="http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/305/123134/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interview</a> mit dem Politologen und Psychologen Thomas Kliche findet sich in der Süddeutschen Zeitung.  </p>
<blockquote>
<p>Nun, es gehört zu den Selbstverständlichkeiten für uns als Mitglieder einer Zivilisation, dass wir Spielregeln akzeptieren, wenn sie nicht gerade mit enormen persönlichen Verlusten und Einschränkungen verbunden sind. Das macht die oft irrationalen Reaktionen der Sicherheitspolitiker so fatal: Sind sie erstmal zur Regel geworden, kriegt man sie nicht mehr aus der Welt. (Thomas Kliche: <a href="http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/305/123134/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sicherheitsgefühl ist das Kernprodukt der Politik</a>, SZ, 12.7.2007)<br />&nbsp;</p>
</blockquote>
<p><em>Empfehlenswert:</em></p>
<ul>
<li>Schütz, Hans Peter: <a target="_blank" href="http://www.stern.de/politik/deutschland/:Sch%E4uble-Vorschl%E4ge-Es-Denkverbote/593142.html" rel="noopener noreferrer">Es muß Denkverbote geben</a>, Stern, 16.7.2007</li>
</ul>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_56" class="footnote">Auch die Blogosphäre widmet sich den Auswirkungen und Randerscheinungen des Sommers. Manche <a href="http://www.dreamyourworld.de/?i=509" target="_blank" rel="noopener noreferrer">stöhnen</a>, andere beobachten wiederum wohltuende <a href="http://www.westropolis.de/nadine.albach/stories/7654/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Entschleunigung</a> und wieder andere machen sich Sorgen um ihren <a href="http://nberlin.twoday.net/stories/4079841/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kreislauf</a>.</li><li id="footnote_1_56" class="footnote">Der <a href="http://politblog.net/umwelt-gesundheit/atombock-als-klimagaertner.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Politblog</a> widmet sich auch ausführlich der Thematik.</li><li id="footnote_2_56" class="footnote">Der Organisationspsychologe Perrow untersuchte in den 80er Jahren v.a. am Beispiel der beinahe Kernschmelze in Three Mile Island (Harrisburg), wie hochkomplexe Industrieanlagen, quasi aus sich heraus schwer handhabbare und im Vorfeld kaum zu berechnende Zwischenfälle produzieren.</li><li id="footnote_3_56" class="footnote">Den Link auf Kleins Artikel verdanke ich <a href="http://wisskomm.de/586.html?&amp;cHash=9b0bf673ae&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=1098" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wisskomm</a>.</li><li id="footnote_4_56" class="footnote">Auf den sehr guten Artikel des Stern weist der <a target="_blank" href="http://www.farliblog.de/archives/767-Stern-Artikel-zu-Schaeuble-und-Merkel-Es-muss-Denkverbote-geben.html" rel="noopener noreferrer">Farliblog</a> hin. Inzwischen rudert Schäuble <a target="_blank" href="http://politblog.net/rechtsstaat/oberkommandeur-schaeuble-trifft-bin-laden.htm" rel="noopener noreferrer">vorsichtig</a> zurück.</li><li id="footnote_5_56" class="footnote">Wie der <a target="_blank" href="http://www.lawblog.de/index.php/archives/2007/07/18/mehrheit-sieht-den-uberwachungsstaat/" rel="noopener noreferrer">Lawblog</a> eben verlinkt: einer <a target="_blank" href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/92877" rel="noopener noreferrer">aktuellen Forsa-Umfrage</a> zufolge sind doch immerhin 54% der Bundesbürger skeptisch was Schäubles Aktivitäten angeht.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/">Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 04</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc Scheloske]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Feb 2012 16:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Radioaktivität]]></category>
		<category><![CDATA[Risiko]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Schwangerschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie & Gesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/?p=2190</guid>

					<description><![CDATA[<p>Jede Schwangerschaft bringt Veränderungen mit sich. Plötzlich werden viele Selbstverständlichkeiten wieder zu Lebensfragen, die neu durchdacht, erörtert und entschieden werden müssen. Das hat mit der neuen, nun auf das heranwachsende Baby im eigenen Bauch erweiterten Verantwortung zu tun. Und mit Risikoabwägungen, die &#8211; wie so oft &#8211; ziemlich kompliziert sind. Mit der Schwangerschaft stellen sich ... <a title="Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/" aria-label="Mehr Informationen über Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/">Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_2195" aria-describedby="caption-attachment-2195" style="width: 200px" class="wp-caption alignright"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-2195"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2012/02/Schwangere_Frau_210.jpg" alt="Schwangere Frau" width="210" height="360" /><figcaption id="caption-attachment-2195" class="wp-caption-text">Ausnahmesituation Schwangerschaft: Auch was Risikoabwägungen betrifft</figcaption></figure>
<p><strong>Jede Schwangerschaft bringt Veränderungen mit sich. Plötzlich werden viele Selbstverständlichkeiten wieder zu Lebensfragen, die neu durchdacht, erörtert und entschieden werden müssen. Das hat mit der neuen, nun auf das heranwachsende Baby im eigenen Bauch erweiterten Verantwortung zu tun. Und mit Risikoabwägungen, die &#8211; wie so oft &#8211; ziemlich kompliziert sind. Mit der Schwangerschaft stellen sich einfach furchtbar viele Fragen: Welche Hebamme ist die beste? Was darf ich essen? Wieviel Stress darf ich mir zumuten? Und darf ich in ein Flugzeug steigen? Handelt eine schwangere Frau vielleicht sogar unverantwortlich, wenn sie mit dickem Babybauch einen Langstreckenflug unternimmt?</strong></p>
<p>Im Hintergrund dieser Überlegungen steht die Höhenstrahlung, die jeder Flugpassagier abbekommt, egal ob schwanger oder nicht. Die Frage ist nur, ob diese Tatsache überhaupt relevant für schwangere Frauen ist. Sollte eine werdende Mutter die gebuchte Flugreise stornieren? Viele Schwangere tun das jedenfalls, weil sie irgendwo von der Strahlengefahr gehört haben und kein Risiko eingehen wollen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_0_2190" id="identifier_0_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Vollst&auml;ndigkeit halber: Es gibt durchaus Gr&uuml;nde w&auml;hrend der Schwangerschaft auf eine (anstrengende) Flugreise zu verzichten. Etwa in den letzten 3-4 Wochen vor dem Geburtstermin, um ggf. eine vorzeitige und ungeplante Geburt zu verhindern. Und schwangere Frauen sollten f&uuml;r den Flug explizit Thromboseprophylaxe betreiben. Aber damit hat es sich auch fast&hellip;">1</a></p>
<p>Schließlich ist es ja vollkommen nachvollziehbar: Wer aus Rücksicht auf sein Baby mit dem Rauchen aufhört, Alkohol meidet und sich während der Schwangerschaft ganz bewußt gesund ernährt, der wird auch weiteren gesundheitlichen Risikofaktoren aus dem Weg gehen. Und wenn so ein Langstreckenflug durch die potentiell schädigende Strahlung eben ein Risiko darstellt, dann ist es ja nur logisch auch auf Flugreisen während der Schwagerschaft zu verzichten.</p>
<p>Wäre es dann vielleicht sogar sinnvoll, den Fluggesellschaften die Beförderung von Schwangeren zu verbieten? Oder sollten wenigstens große Warnhinweise auf jedes Flugticket gedruckt werden: Vorsicht, mit jedem Flug gefährden sie ungeborenes Leben! ;-)</p>
<p>Doch ganz so einfach ist die Sache nicht, denn schließlich könnte es doch auch ganz anders sein: Vielleicht ist es ja sogar riskanter, wenn man brav auf dem Boden bleibt?</p>
<p class="zwischenueberschrift_mit_linie">Zusätzliche Strahlenexposition bei Flugreisen</p>
<p><span class="pullquote">Wie gefährlich ist Fliegen? Sollte man Schwangeren evtl. Flugreisen verbieten?</span></p>
<p>Um diese Frage zu beantworten, ist es ganz hilfreich, wenn man sich einmal vor Augen führt, welcher Art von Strahlung wir denn überhaupt ausgesetzt sind und was wir uns bei einer Flugreise so zumuten.</p>
<p>Die Strahlendosis, die wir im Flugzeug abkriegen, hängt von einigen Faktoren ab und variiert deshalb innerhalb einer gewissen Bandbreite. Entscheidend sind natürlich die Flugdauer, dazu aber auch Flughöhe, die Flugroute und die Sonnenaktivität.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_1_2190" id="identifier_1_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Strahlenexposition nimmt bspw. zu, je weiter man vom &Auml;quator entfernt ist. &Uuml;ber Skandinavien ist sie etwa 3x so hoch, wie direkt &uuml;ber dem &Auml;quator. Dazu variiert die Strahlenexposition eben mit den Sonnenzyklen, die innerhalb eines elfj&auml;hrigen Intervalls schwanken.">2</a> Dennoch lassen sich in etwa Werte für typische Flugrouten angeben.</p>
<p>Die Strahlenexposition wird üblicherweise in der Einheit μSv/Zeiteinheit (Mikrosievert pro Zeiteinheit) angegeben. Und beim Flug von Frankfurt nach Rom kommen da ca. 3-6 μSv zusammen. Der Flug von Frankfurt nach Rio de Janeiro schlägt mit 17-28 μSv zu Buche.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_2_2190" id="identifier_2_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Angaben jeweils nach den Infos des Bfs &ndash; Bundesamt f&uuml;r Strahlenschutz. Website mit weiteren, sehr guten Informationen: www.bfs.de">3</a></p>
<p>Was haben wir aber nun davon, wenn wir wissen, daß wir auf dem Weg nach Rom maximal 5-6 Mikrosievert an kosmischer Strahlung abbekommen haben? Ist das viel und vielleicht kritisch für einen Embryo im Mutterleib?</p>
<p><span class="zwischenueberschrift_mit_linie">Strahlendosis pro Jahr: Kosmische und terrestrische Quellen</span></p>
<p>Um die Sache einschätzen zu können, muß man die Strahlenexposition während des Flugs natürlich in Beziehung setzen mit der durchschnittlichen Belastung durch andere Quellen. Denn grundsätzlich ist es schlicht so, daß wir ja ständig äußerer Strahlung ausgesetzt sind. Da gibt es eben einerseits die kosmische Strahlung, die uns auch auf dem Boden trifft (aber eben deutlich weniger als in 10-12 Kilometern Flughöhe).</p>
<figure id="attachment_2197" aria-describedby="caption-attachment-2197" style="width: 170px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" class="size-full wp-image-2197"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2012/02/Blick_aus_dem_Flugzeug180.jpg" alt="Blick aus dem Flugzeug" width="180" height="246" /><figcaption id="caption-attachment-2197" class="wp-caption-text">Welche Strahlendosis trifft auf einen Flugzeugpassagier?</figcaption></figure>
<p>Pro Jahr kommen da ca. 300 μSv zusammen (und auch hier gilt, daß die Dosis Richtung Äquator geringer ist, als weiter zu den Polen hin). Andererseits gibt es die terrestrische Strahlung, deren Quelle natürlich vorkommendes radioaktives Gestein (Uran, Thorium) und v.a. das radioaktive Edelgas Radon ist (zusammen macht das etwa 1500 μSv/a). Schließlich gibt es noch die quasi zivilisatorischen Belastungen (radioaktiver Fallout infolge von Atombombentests oder AKW-Unfällen) oder medizinische Quellen (Röntgenstrahlen).</p>
<p>Die jährliche Strahlendosis addiert sich (auch hier eben Schwankungen aufgrund des Wohnortes etc.) in Deutschland auf etwa 2000-5000 μSv. Das ist also das, was wir immer abkriegen!<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_3_2190" id="identifier_3_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In Europa gibt es &uuml;brigens Regionen, in denen man pro Jahr etwa 10.000 &mu;Sv abbekommt und im Iran gibt es wohl eine Region, wo die j&auml;hrliche Belastung mit ionisierender Strahlung bei 200.000 liegt. Das ist nat&uuml;rlich heftig. Quelle: Wikipedia &ndash; Strahlenbelastung">4</a></p>
<p>Und jetzt wieder zurück zu unserer Ausgangsfrage: Wie riskant ist eine Flugreise während der Schwangerschaft? Handelt eine schwangere Frau unverantwortlich, wenn sie sich in ein Flugzeug setzt?</p>
<p>Wenn man die Werte betrachtet, so läßt sich eigentlich nur schlußfolgern, daß die kosmische Strahlung sicher kein Grund für einen Verzicht auf eine Flugreise sein kann.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_4_2190" id="identifier_4_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dieser Ansicht sind &uuml;brigens auch alle seri&ouml;sen Wissenschaftler und auch das Bundesamt f&uuml;r Strahlenschutz schreibt ausdr&uuml;cklich, &bdquo;&hellip; die Strahlenbelastung durch H&ouml;henstrahlung ist gering und gesundheitlich nicht relevant.&ldquo;">5</a> Denn die Menge an Strahlung, die ich auf dem Flug von Frankfurt nach Rom abkriege, trifft mich auch innerhalb von 24 Stunden, wenn ich (wohnhaft etwa in der relativ stark belasteten Oberpfalz) zuhause bleibe. Die Belastung während des doch etwas längeren Fluges nach Rio den Janeiro entspricht derjenigen, die man während fünf Tagen in der Heimat abkriegt.</p>
<p><span class="zwischenueberschrift_mit_linie">Plädoyer für mehr Flugreisen in der Schwangerschaft</span></p>
<p>Strenggenommen könnte man sogar für Flugreisen in der Schwangerschaft plädieren. Zumindest alle schwangere Frauen, die sich Sorgen wegen des Strahlenrisikos während des Flugs machen, sollten sich mal informieren, wie hoch die ständige Strahlendosis an ihrem Wohnort ist. Wenn der Wert überdurchschnittlich ist (Stichwort: natürliche Uranvorkommen in der Nähe bzw. Radonausdünstungen), dann sollte mindestens der Umzug nach Nordfriesland in Betracht gezogen werden. Dort treffen einen eigentlich fast überall nur unterdurchschnittliche 0,5 μSv/h. Oder man setzt sich in ein Flugzeug und fliegt nach Rom oder sonstwohin. Wenn das Flugziel richtig gewählt ist, dann kompensiert man innerhalb weniger Tage die Strahlendosis während des Fluges und auf die ganze Schwangerschaft gerechnet, minimiert man das strahlenbedingte Risiko auf alle Fälle.</p>
<p><span class="pullquote">Wir brauchen mehr Gelassenheit in der Risikoabwägung. Und wir müssen einsehen, daß es ohne Risiken nicht geht. Egal, wie wir entscheiden.</span></p>
<p>Soll das nun ein ernstgemeintes Plädoyer für Flugreisen während der Schwangerschaft sein? Natürlich nicht!</p>
<p>Aber ein Aufruf zu mehr Gelassenheit bzw. ein Plädoyer für genauers Hinsehen und Abwägen. Und die Erinnerung daran, daß wir uns nicht verrückt machen sollten, nur weil wir gehört haben, daß in diesem oder jenem Lebensmittel besonders viel XY enthalten ist. Vielleicht stimmt das ja gar nicht, wie glaubwürdig ist die Quelle unserer Information? Und wenn es doch stimmt? Ist es schlimm, wenn wir XY zu uns nehmen? Und wie lauten die Alternativen? Wissen wir wirklich, welche (negativen) Konsequenzen unser Ausweichverhalten mit sich bringt?</p>
<p>Das ist ist natürlich das Grunddilemma jeder Risikosituation. Dabei gibt es zwei Aspekte: Erstens verfügen wir eigentlich immer über unvollständige Informationen (und aus diesem Nicht-Wissen kommen wir nicht raus). Und zweitens müssen wir diese Information (so unvollständig sie auch sind) einordnen und gegenüber Alternativen abwägen.</p>
<p class="zwischenueberschrift_mit_linie">Das unlösbare Problem der Eigenerfahrungslosigkeit</p>
<p>Die oben skizzierte Risikoabwägung zeigt dabei noch ganz deutlich ein weiteres typisches Begleitphänomen solcher Situationen: Wir können selbst das potentiell gefährliche Moment nicht (sinnlich) wahrnehmen. Radioaktivität und/oder Strahlung ist und bleibt für uns unsichtbar. Deshalb beunruhigt es uns ja auch, wenn wir lesen, daß während des Flugs die Strahlendosis hoch ist. Daß wir &#8211; während wir im Sessel sitzend lesen &#8211; gleichzeitig auch von ionisierender Strahlung umgeben und betroffen sind (und keine Ahnung haben, wie hoch die ihrerseits ist), ist uns wohl häufig gar nicht bewußt.</p>
<p>Der Soziologe Ulrich Beck hat in diesem Zusammenhang vor gut 25 Jahren zutreffend folgendes geschrieben und den Begriff &#8222;Eigenerfahrungslosigkeit&#8220; geprägt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Das Unsichtbare, mehr noch: das, was sich der Wahrnehmung prinzipiell entzieht, das nur theoretisch Verknüpfte, (&#8230;) wird im zivilisatorischen Krisenbewußtsein unproblematischer Bestand des persönlichen Denkens, Wahrnehmens, Erlebens. (&#8230;) Man steigt nicht mehr nur von Eigenerfahrungen zu Allgemeinurteilen auf, sondern eigenerfahrungsloses Allgemeinwissen wird zum bestimmenden Zentrum der Eigenerfahrung.&#8220;<br />
(Ulrich Beck: <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3518113658/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518113658">Risikogesellschaft</a>, S. 96)</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p class="zwischenueberschrift_mit_linie">Riskantes Dasein: Kein Leben ohne Risiko</p>
<p>So ist das. Wir leben ein riskantes Leben. Ob wir wollen oder nicht. Und wenn wir es genau betrachten, so wird es stets nur noch riskanter. Mit jeder neuen Technologie, jeder neuen Option und Information, die wir haben. Jede zusätzliche Information ist wie ein luhmann&#8217;scher Regenschirm:</p>
<blockquote><p>„Wenn es Regenschirme gibt, kann man nicht mehr risikofrei leben: Die Gefahr, dass man durch Regen nass wird, wird zum Risiko, das man eingeht, wenn man den Regenschirm nicht mitnimmt. Aber wenn man ihn mitnimmt, läuft man das Risiko, ihn irgendwo liegenzulassen.“<br />
(Niklas Luhmann: Die Moral des Risikos und das Risiko der Moral)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_5_2190" id="identifier_5_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Niklas Luhmann: Die Moral des Risikos und das Risiko der Moral, in: Gotthard Bechmann (Hrsg): Risiko und Gesellschaft. 1993.">6</a></p></blockquote>
<p>Der Erfinder des Regenschirms ist schuld daran, daß wir mit dem Risiko nass zu werden (bzw. dem Schirmverlust) umgehen und leben müssen. Und ich meine das nicht als Spaß.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div class="werkstattlinks">
<p>Lesetipps zur Thematik:</p>
<ul>
<li>Ulrich Beck (1986): <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3518113658/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518113658">Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne</a>. Suhrkamp.</li>
<li>Ulrich Beck (2007): <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3518460382/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518460382">Weltrisikogesellschaft: Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit.</a> Suhrkamp.</li>
<li>Niklas Luhmann (1991): <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3110178044/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3110178044">Soziologie des Risikos.</a> Gruyter.</li>
<li>Ortwin Renn (Hg.) (2007): <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3865810675/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3865810675">Risiko: Über den gesellschaftlichen Umgang mit Unsicherheit</a>. oekom-Verlag.</li>
</ul>
<p>Gute Informationen zu allen Strahlenrisiken (auch diejenigen bei/durch Flugreisen) findet man beim Bundesamt für Strahlenschutz: <a  href="http://www.bfs.de">www. bfs.de</a></p>
</div>
<p>&nbsp;</p>
<p><small>* Bilder // Schwangere Frau: stock.xchng (User: simmbarb) //Blick aus Flugzeugfenster: stock.xchng (User: aprilbell)<br />
</small></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_2190" class="footnote">Der Vollständigkeit halber: Es gibt durchaus Gründe während der Schwangerschaft auf eine (anstrengende) Flugreise zu verzichten. Etwa in den letzten 3-4 Wochen vor dem Geburtstermin, um ggf. eine vorzeitige und ungeplante Geburt zu verhindern. Und schwangere Frauen sollten für den Flug explizit Thromboseprophylaxe betreiben. Aber damit hat es sich auch fast&#8230;</li><li id="footnote_1_2190" class="footnote">Die Strahlenexposition nimmt bspw. zu, je weiter man vom Äquator entfernt ist. Über Skandinavien ist sie etwa 3x so hoch, wie direkt über dem Äquator. Dazu variiert die Strahlenexposition eben mit den Sonnenzyklen, die innerhalb eines elfjährigen Intervalls schwanken.</li><li id="footnote_2_2190" class="footnote">Angaben jeweils nach den Infos des Bfs &#8211; Bundesamt für Strahlenschutz. Website mit weiteren, sehr guten Informationen: www.bfs.de</li><li id="footnote_3_2190" class="footnote">In Europa gibt es übrigens Regionen, in denen man pro Jahr etwa 10.000 μSv abbekommt und im Iran gibt es wohl eine Region, wo die jährliche Belastung mit ionisierender Strahlung bei 200.000 liegt. Das ist natürlich heftig. Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Strahlenbelastung">Wikipedia &#8211; Strahlenbelastung</a></li><li id="footnote_4_2190" class="footnote">Dieser Ansicht sind übrigens auch alle seriösen Wissenschaftler und auch das Bundesamt für Strahlenschutz schreibt ausdrücklich, &#8222;&#8230; die Strahlenbelastung durch Höhenstrahlung ist gering und gesundheitlich nicht relevant.&#8220;</li><li id="footnote_5_2190" class="footnote">vgl. Niklas Luhmann: Die Moral des Risikos und das Risiko der Moral, in: Gotthard Bechmann (Hrsg): Risiko und Gesellschaft. 1993.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/">Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>6</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aufmerksamkeitszyklen » Über die begrenzte Haltbarkeit von Katastrophen</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Apr 2007 15:41:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie & Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltsoziologie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/02/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Saurer Regen, Waldsterben, FCKW, Ozonloch, BSE, SARS&#8230; Schlagworte, die für einige Zeit die Schlagzeilen sämtlicher Medien beherrschten. Schlagworte, deren bloße Nennung bei weniger katastrophenerprobten Zeitgenossen (wenigstens vorübergehend) noch vor kurzer Zeit tiefsitzende Ängste wachrief. Und, nicht zuletzt, Schlagworte, die spezifische Phasen der Umwelt- oder Verbraucherschutzpolitik markieren. Aber erntet man heute, im Jahr 2007, mehr als ... <a title="Aufmerksamkeitszyklen » Über die begrenzte Haltbarkeit von Katastrophen" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/" aria-label="Mehr Informationen über Aufmerksamkeitszyklen » Über die begrenzte Haltbarkeit von Katastrophen">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/">Aufmerksamkeitszyklen » Über die begrenzte Haltbarkeit von Katastrophen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Saurer Regen, Waldsterben, FCKW, Ozonloch, BSE, SARS&#8230; Schlagworte, die für einige Zeit die Schlagzeilen sämtlicher Medien beherrschten. Schlagworte, deren bloße Nennung bei weniger katastrophenerprobten Zeitgenossen (wenigstens vorübergehend) </strong><strong>noch vor kurzer Zeit</strong><strong> tiefsitzende Ängste wachrief. Und, nicht zuletzt, Schlagworte, die spezifische Phasen der Umwelt- oder Verbraucherschutzpolitik markieren. Aber erntet man heute, im Jahr 2007, mehr als ein müdes Schulterzucken, wenn man einen dieser Begriffe in die Runde wirft? </strong></p>
<p>Berücksichtigt man, daß mit all den genannten Katastrophenszenarien tatsächliche, also konkrete Gesundheitsgefährdungen verknüpft sind bzw. waren, so verwundert der nüchtern-abgeklärte Blick, den man heute darauf wirft <del>bzw. zu werfen können glaubt</del>. Gerade fünf Jahre sind vergangen und schon begleitet die Erinnerung an die kleine bundesrepublikanische Medienhysterie anläßlich der BSE-Fälle<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/#footnote_0_11" id="identifier_0_11" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Dressel, Kerstin (2002): BSE &ndash; the new dimension of uncertainty &ndash; the cultural politics of science and decision making. Berlin: Edition Sigma.">1</a> der Jahre 2000 und 2001 [v.a. in Großbritannien, Deutschland oder der Schweiz] eine dezent nostalgische Begleitmelodie. Ach, wie glücklich waren wir doch, als wir uns noch über den Skandal und Unsinn der Tiermehlverfütterung die Köpfe heiß redeten. Wer wünschte sich angesichts der globalen Klimakatastrophe, nicht in den Horizont dieses verhältnismäßig überschaubaren Gefährdungsszenarios namens BSE zurück? Und wer für sich selbst den Verzehr von Fleisch aus ohnehin zweifelhafter Massentierhaltungsindustrie verneinen konnte, befand sich ohnehin auf der sicheren Seite.  </p>
<p>Heute ertappen wir uns kopfnickend und beifallklatschend, wenn Angela Merkel ihre europäischen Ratskollegen zum Umsteuern bei den CO2-Emmissionen zwingt. Und &#8211; diese Wette gehe ich ein &#8211; wer sich heute mit einem beliebigen Aufmacher aus Zeiten der SARS-Krise in die bundesrepublikanischen Fußgängerzonen aufmacht, der wird kaum einen Zeitgenossen des Jahres 2007 finden, der das (Photo-)Dokument richtig einzuordnen imstande wäre. Die Mehrheit aller Befragten (zweiter Teil meiner Wette) wird beim Anblick eines solchen Photos [wie bspw. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/04/sars3.jpg" rel="lightbox">hier</a> und <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/04/SARS_china_250.jpg" rel="lightbox">hier</a>] die einzig naheliegende und daher falsche Antwort geben: &quot;Ja, kenn ich &#8211; ist ne Aufnahme vom Michael-Jackson-look-alike-Contest.&quot; ;-)</p>
<p><strong>Katastrophenblindheit und Lerneffekte?</strong></p>
<p> Nun könnte man freilich erschrocken sein angesichts dieser bedenklichen Katastrophenvergessenheit.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/#footnote_1_11" id="identifier_1_11" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Auf die kurzen Intervalle von Risikomeldungen nimmt auch der Sciblog bezug.">2</a> Trifft also der Vorwurf der Betriebsblindheit an die Adresse der westlichen Industriegesellschaften zu? Können und/oder wollen diejenigen, die von den Segnungen des industriegesellschaftlichen Fortschritts profitieren, deren negative Effekte nicht sehen und wahrhaben?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/#footnote_2_11" id="identifier_2_11" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="wie es etwa Ulrich Beck der Moderne seit nunmehr 20 Jahren vorh&auml;lt; vgl. Beck, Ulrich (1986): Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.">3</a> Und wie sieht es dann mit Lerneffekten aus? Hat nicht gerade die aufgeklärte Gesellschaft stets für sich reklamiert, wenn schon nicht alles unter Kontrolle halten zu können, so doch zumindest aus Fehlern zu lernen?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/#footnote_3_11" id="identifier_3_11" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Grunds&auml;tzlich und sehr instruktiv dazu: B&ouml;schen, Stefan / Vieh&ouml;fer, Willy &amp; Zinn, Jens (2003): Rinderwahnsinn. K&ouml;nnen Gesellschaften aus Krisen lernen?, in: Berliner Journal f&uuml;r Soziologie (Nr.1), S. 35-58.">4</a>&nbsp;</p>
<p>Nun darf man selbstverständlich nicht den Irrtum begehen und von der (ganz offensichtlich immer kürzer werdenden) Halbwertzeit solcher Meldungen im öffentlichen Gedächtnis auf etwaige Lern- und Wahrnehmungsblockaden schließen. Denn es steht außer Frage, daß eine öffentlichkeitswirksame Thematisierung von Problemlagen geradezu zwingend erforderlich ist, um den <del>leider?</del> notwendigen Handlungsdruck auf das politische System zu erzeugen. Erst infolgedessen werden Expertisen eingeholt, Krisenstäbe und Bürgertelefone eingerichtet und schließlich auch die Geldtöpfe geöffnet, um wissenschaftliche Forschungen und Lösungsangebote zu finanzieren. Und egal, ob es nun die intensivierten Anstregungen zur Untersuchung der BSE-Epidemie<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/#footnote_4_11" id="identifier_4_11" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="womit insgesamt alle durch Prionen &uuml;bertragenen Erkrankungen des Gehirns gemeint sind; also BSE, Scrapie oder eben den Menschen betreffend das Creutzfeldt-Jakob-Syndrom. Mehr Informationen auf den Seiten der TSE-Forschungsplattform.">5</a> oder die Programme zur Klärung der Übertragungswege von Seuchen sind: diese Forschungen laufen unabhängig von aller Medienaufmerksamkeit. Allerdings ist es offenbar zu einem ungeschriebenen Gesetz der Forschungspolitik geworden, daß erst nach einer <del>kleinen? </del>medienunterstützten Hysterie die Bereitschaft und Einsicht der jeweiligen Entscheider ausreicht, um die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Die Logik ist ganz einfach: ohne Bilder von SARS-Opfern keine diesbezüglichen Forschungsprogramme an Robert-Koch-Instituten o.ä. und ohne den sprichwörtlichen PISA-Schock und der fortwährend schwelenden Debatten zur fraglichen Konkurrenzfähigkeit des deutschen Bildungssystems wäre an den Pädagogikinstituten der deutschen Universitäten keine einzige weitere Stelle eingerichtet worden.</p>
<p><strong>Über die Popularität und Allgegenwart von Katastrophen</strong></p>
<p>Wenn also die Erfahrung lehrt, daß erst die Popularisierung von Risikoszenarien<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/#footnote_5_11" id="identifier_5_11" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="selbst eine kurze Rekonstruktion der Konjunkturzyklen von Risikothemen zeigt, da&szlig; erst die simultane und prominente Berichterstattung &uuml;ber etwaige Risiken in den einschl&auml;gigen reichweitenstarken Medien ein handlungsrelevantes Problembewu&szlig;tsein erzeugt; die Tatsache, da&szlig; schon Monate oder gar Jahre zuvor in seri&ouml;sen Fachorganen auf dieselben Effekte [Waldsterben, BSE, etc.] hingewiesen wurde, wirkt sich jeweils nur in der jeweiligen scientific community aus; &uuml;ber die Bereitstellung von Forschungsmitteln befinden allerdings Gremien, die heterogen zusammengesetzt sind im Einvernehmen mit Organen der Forschungspolitik">6</a> bzw. eine strategische Hysterisierung eine intensivierte Bearbeitung des Problemfeldes möglich macht, dann stellt sich die Frage, welche Kriterien [abstrakte] Risiken erfüllen müssen, um in den Medien Resonanz zu finden. Oder anders gefragt: <strong>Wie bedrohlich muß die Bedrohung sein, um als Schlagzeile auf der Titelseite thematisiert zu werden?</strong> Und: wie medienerprobt und talentiert müssen die jeweiligen Vertreter der fraglichen (Fach-)Disziplinen sein, um ihr Anliegen an den Mann oder die Frau bzw. genauer: an den Journalisten zu bringen?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/#footnote_6_11" id="identifier_6_11" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Interessant w&auml;re auch eine Untersuchung, welche Gatekeeper-Effekte hier wirken.">7</a> Wären in Deutschland die Vorboten des Klimawandels überhaupt wahrgenommen worden, wenn nicht ein publikumstauglicher und rhetorisch versierter Forscher wie <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mojib_Latif">Mojib Latif </a>den Fernsehredaktionen stets zur Verfügung gestanden hätte? Aber was &#8211; so die nächsten offenen Fragen &#8211; passiert mit umweltpolitischen Themen, wenn sie ihre Medienpopularität eingebüßt haben? Welche Faktoren beeinflussen die Lebensdauer der jeweiligen Diskurse? </p>
<p>Und zuletzt: welche Auswirkungen zeitigt die <strong>Omnipräsenz von Risiken</strong> auf den einzelnen Fernsehzuschauer und Zeitungsleser? Ist es genaugenommen nicht erstaunlich, daß trotz der Allgegenwart von drohenden Katastrophen das zivile Leben in der Bundesrepublik noch nicht zum Erliegen gekommen ist? Die Ursache dafür &#8211; so meine These &#8211; liegt genau in der fortwährenden Konfrontation mit Katastrophen begründet: denn wären (so der Verdacht) bspw. die Meldungen über Gesundheitsschäden durch die Mobilfunkstrahlung tatsächlich die ersten Berichte ihrer Art gewesen, so wären die Verkaufszahlen der Handyhersteller längst eingebrochen; aber, da jeder informierte und interessierte Bürger und Konsument die Erfahrung gemacht hat, daß auch die letzten Meldungen über Gesundheitsgefahren<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/#footnote_7_11" id="identifier_7_11" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="egal ob nun vor der Quecksilberbelastung von heimischen Fischen, den seit Tschernoybl immer noch erh&ouml;hten Strahlenwerten von Pilzen oder Rotwild oder dem Nitrat im Trinkwasser gewarnt wurde: der Medienrezipient hat all diese vorangegangenen Risiken ja ebenfalls unbeschadet &uuml;berstanden. Wieso sollte es diesmal anders sein?">8</a> wieder in Vergessenheit geraten sind und er sich immer noch bester Gesundheit erfreut, wird auch die aktuelle Meldung kaum mehr Auswirkungen haben. Das einzige, was möglicherweise wirklich beängstigt, ist die frappierende Katastrophenimmunität, die sich die Zivilgesellschaft inzwischen angeeignet hat.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/#footnote_8_11" id="identifier_8_11" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&auml;hnlich dazu: Koch, Claus (2002): Verantwortlich, aber nicht schuldig: Anleitung zum aufgekl&auml;rten Katastrophismus, in: Merkur: deutsche Zeitschrift f&uuml;r europ&auml;isches Denken, Jg. 56/2002, H. 11 = H. 643, S. 1002-1011.">9</a>&nbsp;</p>
<p>Letztlich läßt sich nur feststellen, daß die Allgegenwart von Katastrophen und ihre offensive Thematisierung mindestens einen Effekt hervorgebracht haben: <strong>gerade durch und in ihrer Häufung</strong><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/#footnote_9_11" id="identifier_9_11" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="zus&auml;tzlich verst&auml;rkt durch ihr in immer k&uuml;rzeren Intervallen aufeinander folgendes Auftreten">10</a> <strong>, haben Katastrophen ihre Katastrophabilität weitgehend eingebüßt. </strong>Was könnte für eine Gesellschaft im permanten Eregungszustand<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/#footnote_10_11" id="identifier_10_11" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="und einer entsprechend hohen Aufmerksamkeitsschwelle">11</a> verhängnisvoller sein?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/#footnote_11_11" id="identifier_11_11" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Abzuwarten bleibt, ob und inwiefern die aktuelle Diskussion um die Klimaerw&auml;mrung eine andere Entwicklung nimmt.">12</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_11" class="footnote">vgl. Dressel, Kerstin (2002): <a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3894044969%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3894044969%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02">BSE &#8211; the new dimension of uncertainty</a> &#8211; the cultural politics of science and decision making. Berlin: Edition Sigma.</li><li id="footnote_1_11" class="footnote">Auf die kurzen Intervalle von Risikomeldungen nimmt auch der <a href="http://www.sciblog.at/stories/7276/">Sciblog</a> bezug.</li><li id="footnote_2_11" class="footnote">wie es etwa Ulrich Beck der Moderne seit nunmehr 20 Jahren vorhält; vgl. Beck, Ulrich (1986): <a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3518113658%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3518113658%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02">Risikogesellschaft</a>. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.</li><li id="footnote_3_11" class="footnote">Grundsätzlich und sehr instruktiv dazu: Böschen, Stefan / Viehöfer, Willy &amp; Zinn, Jens (2003): Rinderwahnsinn. Können Gesellschaften aus Krisen lernen?, in: Berliner Journal für Soziologie (Nr.1), S. 35-58.</li><li id="footnote_4_11" class="footnote">womit insgesamt alle durch Prionen übertragenen Erkrankungen des Gehirns gemeint sind; also BSE, Scrapie oder eben den Menschen betreffend das Creutzfeldt-Jakob-Syndrom. Mehr Informationen auf den Seiten der <a href="http://www.tse-forum.de/">TSE-Forschungsplattform</a>.</li><li id="footnote_5_11" class="footnote">selbst eine kurze Rekonstruktion der Konjunkturzyklen von Risikothemen zeigt, daß erst die simultane und prominente Berichterstattung über etwaige Risiken in den einschlägigen reichweitenstarken Medien ein handlungsrelevantes Problembewußtsein erzeugt; die Tatsache, daß schon Monate oder gar Jahre zuvor in seriösen Fachorganen auf dieselben Effekte [Waldsterben, BSE, etc.] hingewiesen wurde, wirkt sich jeweils nur in der jeweiligen scientific community aus; über die Bereitstellung von Forschungsmitteln befinden allerdings Gremien, die heterogen zusammengesetzt sind im Einvernehmen mit Organen der Forschungspolitik</li><li id="footnote_6_11" class="footnote">Interessant wäre auch eine Untersuchung, welche Gatekeeper-Effekte hier wirken.</li><li id="footnote_7_11" class="footnote">egal ob nun vor der Quecksilberbelastung von heimischen Fischen, den seit Tschernoybl immer noch erhöhten Strahlenwerten von Pilzen oder Rotwild oder dem Nitrat im Trinkwasser gewarnt wurde: der Medienrezipient hat all diese vorangegangenen Risiken ja ebenfalls unbeschadet überstanden. Wieso sollte es diesmal anders sein?</li><li id="footnote_8_11" class="footnote">ähnlich dazu: Koch, Claus (2002): Verantwortlich, aber nicht schuldig: Anleitung zum aufgeklärten Katastrophismus, in: Merkur: deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, Jg. 56/2002, H. 11 = H. 643, S. 1002-1011.</li><li id="footnote_9_11" class="footnote">zusätzlich verstärkt durch ihr in immer kürzeren Intervallen aufeinander folgendes Auftreten</li><li id="footnote_10_11" class="footnote">und einer entsprechend hohen Aufmerksamkeitsschwelle</li><li id="footnote_11_11" class="footnote">Abzuwarten bleibt, ob und inwiefern die aktuelle Diskussion um die Klimaerwämrung eine andere Entwicklung nimmt.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/">Aufmerksamkeitszyklen » Über die begrenzte Haltbarkeit von Katastrophen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/aufmerksamkeitszyklen-ueber-die-begrenzte-haltbarkeit-von-katastrophen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jul 2007 16:38:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Risikokommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/19/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Es wird nicht lange dauern und die jüngsten Zwischenfälle in den Kernkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel werden Eingang in die Lehrbücher finden. Vermutlich und hoffentlich in diejenigen, die in den Schulungen des Bedienpersonals verwandt werden; das sollte selbstverständlich sein. Fast noch dringlicher aber sollten die Handbücher überarbeitet werden, die die Grundlage der Informationspolitik der Energiekonzerne bilden. ... <a title="Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/" aria-label="Mehr Informationen über Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/">Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" width="315" height="159" align="right" style="border: 1px solid rgb(105, 105, 105); margin: 11px; padding: 1px;" alt="Kraftwerk_01b.jpg" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/07/Kraftwerk_01b.jpg" />Es wird nicht lange dauern und die jüngsten Zwischenfälle in den Kernkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel werden Eingang in die Lehrbücher finden. Vermutlich und hoffentlich in diejenigen, die in den Schulungen des Bedienpersonals verwandt werden; das sollte selbstverständlich sein. Fast noch dringlicher aber sollten die Handbücher überarbeitet werden, die die Grundlage der Informationspolitik der Energiekonzerne bilden. Denn die Störfälle in den beiden Vattenfall-KKWs lehren zweierlei: erstens, daß unter bestimmten Bedingungen die Steuerung eines Kernkraftwerks allerhöchste Anforderungen an Souveränität, Umsicht und Sachkenntnis des Bedienpersonals stellt, diese oftmals überfordern und nur glückliche Umstände einen schwerwiegenderen Unfall verhindern können; zweitens, daß – wenn zwar glücklicherweise ein schwerer Unfall oder gar eine Kernschmelze (der technische GAU) vermieden werden konnte – der Zwischenfall dennoch ungeahnte Effekte, nämlich einen Kommunikations-GAU, hervorbringen kann.</strong></p>
<p>Für alle interessierten Beobachter und erst recht für Risiko- und Techniksoziologen sind die Vorkommnisse in Krümmel und Brunsbüttel überaus lehrreich, geben allerdings auch Anlaß zur Verwunderung. Denn zumindest all diejenigen, die sich professionell mit Hochrisikotechnologien befassen (sei es etwa aus ingenieurstechnischer Sicht oder aus sozialwissenschaftlicher Perspektive) wurden lediglich einmal mehr in der Auffassung bestätigt, daß jede fortgeschrittene Technologie inhärente Unsicherheitspotentiale birgt. Die latente Unbeherrschbarkeit – so bereits 1986 die These Ulrich Becks in seiner &quot;Risikogesellschaft&quot;&nbsp; – von Großtechnologien, wird sich niemals vollständig technisch bezwingen lassen. Wer also neuerdings über die Berichte über Pannen und den frei flottierenden Dilettantismus in den Kernkraftwerken des Vattenfallkonzerns erstaunt war, muß sich den Vorwurf der Naivität gefallen lassen. Die Tatsache, daß sich jederzeit kleine Zwischenfälle zu prekäreren Risikolagen aufaddieren können, muß als selbstverständlich erachtet werden. Vorfälle wie nun in Krümmel und Brunsbüttel sind – darüber sollte man sich keine Illusionen machen – auch zukünftig in anderen deutschen Kernkraftwerken denkbar. </p>
<p><strong>Von der Gewißheit, falsch informiert zu werden</strong></p>
<p>Was allerdings für Verwunderung und Kopfschütteln sorgen muß, ist die haarsträubend-amateurhafte Informations- und Kommunikationspolitik, die hier betrieben wurde. Denn genauso überfordert wie das Personal im Leitstand des KKW, agierte auch die Presseabteilung des Konzerns Vattenfall. Es ist mehr als erstaunlich, daß im Jahr 2007 die im Grunde allgemein bekannten Regeln einer angemessenen Risikokommunikation innerhalb des Vattenfallkonzerns entweder unbekannt waren oder aber bewußt mißachtet wurden. </p>
<p>Umso erstaunlicher ist die Salamitaktik der Betreiber, wenn man bedenkt, daß unter seriösen Kommunikationsexperten seit Jahren Konsens darüber herrscht, daß ein unmittelbarer Informationsfluß, Transparenz und Dialog mit Anwohnern, Bürgern und Konsumenten das A und O jeder Risikokommunikation darstellen. Die Mißachtung elementarer Regeln seitens der Verantwortlichen hat nun auch erste Opfer gefordert. Sowohl der Kommunikationschef Altmeppen, Atomchef Thomauske und letztlich auch Vattenfall-Europe-Chef Rauscher wurden suspendiert oder zum Rücktritt gedrängt. Das latente Mißtrauen gegenüber den Stromkonzernen ist nun wieder auf ein Höchstmaß angestiegen; die Branche wird Jahre brauchen, um sich von diesem Kommunikations-GAU zu erholen.</p>
<p>Wie gesagt: erstaunlich ist weniger, daß es zu dem Brand in Krümmel und den Pannen in Brunsbüttel kommen konnte; deutlich größere Verwunderung muß hervorrufen, in welch eklatanter Weise die Verantwortlichen die Grundregeln ‚guter Risikokommunikation‘ mißachtet haben. Einblick in Dienstpläne und die tatsächlichen Abläufe erst auf massiven Druck der Aufsichtsbehörden hin zu gewähren, ist mehr als ein Armutszeugnis.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/#footnote_0_57" id="identifier_0_57" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der desolaten Informationspolitik widmet sich auch der Trierer Medienblog; eine Abschaltung &auml;lterer KKWs fordert der R&uuml;genbote.">1</a> </p>
<p><strong>Risikokommunikation: Die Sicht der Sozialwissenschaften</strong></p>
<p>Vor allem in den Sozialwissenschaften werden seit einigen Jahren die Randbedingungen von Risikokommunikationsprozessen thematisiert. Schließlich ist das Wechselspiel zwischen den beteiligten Akteuren (Betreiber/Industrie, Politik, Interessensverbände und betroffene Bürger) selbst eine hochkomplexe Angelegenheit. Im Feld der Risikokommunikation prallen häufig grundverschiedene Interessen, Präferenzen und Weltanschauungen aufeinander. Dennoch lassen sich freilich gewisse Grundmuster rekonstruieren, die ein besseres Verständnis von Risikokommunikationsabläufen erlauben. Innerhalb ihres 6. Forschungsrahmenprogramms hatte die Europäische Union ein Projekt gefördert, das genau das Wechselspiel zwischen den beteiligten Akteuren (&quot;Stakeholdern&quot;) analysieren sollte. Das Projekt &quot;<a target="_blank" href="http://starc.jrc.it/">STARC &#8211; STAkeholders in Risk Communication</a>&quot; bündelte einerseits die zentralen theoretischen Risikokommunikationskonzepte und entwickelte andererseits Empfehlungen an die Politik und die anderen Akteure in diesem Feld, wie eine optimale Kommunikation aussehen kann und sollte.</p>
<p>Grundlage dafür waren eine Vielzahl von ausführlichen Experteninterviews, die in verschiedenen Ländern und Risikofeldern durchgeführt wurden. Unter Berücksichtigung der dort geschilderten Erfahrungen wurde schließlich versucht, Wege zu einer &quot;more dynamic risk governance culture&quot; aufzuzeigen. Einer der internationalen Partner, die bei der Durchführung der Studie kooperierten, war das <a target="_blank" href="http://www.sine-institut.de/referenzen/projekt_starc.htm">Süddeutsche Institut für empirische Sozialforschung e.V. (sine)</a>. Im Auftrag von sine habe ich an der Konzeption, Interviewführung und -auswertung und letztlich an der Formulierung der Abschlußempfehlungen (sog. &quot;<em>best practices</em>&quot;) mitgearbeitet. Wie man nun sieht, wäre es kein Fehler gewesen, hätte den Bericht auch bei Vattenfall jemand zur Kenntnis genommen. </p>
<p><strong>Die Allgegenwart von Unsicherheit und der prekäre Status von Vertrauen</strong> </p>
<p>Wer sich mit den Anforderungen an eine gelungene Risikokommunikation auseinandersetzt, wird immer wieder auf folgende Punkte stoßen: 1. Eine vollständige Sicherheit wird es im Umgang mit Hochrisikotechnologien niemals geben, so daß Unfälle oder andere negative Effekte niemals auszuschließen sind. Jede Technik birgt ein unhintergehbares Gefahrenpotential. 2. Jeder Störfall, jeder Lebensmittelskandal führt zu einer Erosion des Vertrauens, das Konsumenten und Bürger der Politik und der Industrie entgegenbringen. &nbsp;</p>
<p>Risikokommunikation ist folglich die Kunst, die Gefahren nicht zu leugnen, gleichzeitig aber durch einen transparenten und fairen Dialog zu verhindern, daß unnötig Mißtrauen und Blockadepositionen (auf allen Seiten!) aufgebaut werden. Ziel von Risikokommunikation ist es, &quot;<em>Risikomündigkeit</em>&quot; bzw. &quot;<em>Risikokompetenz</em>&quot; zu generieren. Denn vor dem Hintergrund, daß keine allumfassende Sicherheit herstellbar ist und Risiken niemals auszuschließen sind, kann allein eine stabile Vertrauensbasis die brüchige Sicherheitserwartung kompensieren. Dazu muß Risikokommunikation selbst &quot;<em>vertrauenswürdig</em>&quot; sein und bspw. Bürger und Konsumenten in dem Sinne ernst nehmen, als daß sie diejenigen Informationen bereitstellt, die den Verbraucher/Betroffenen in die Lage versetzen, sich eigenständig ein Urteil über das Gefahrenpotential einer Technologie oder etwa eines (gen-)technisch veränderten Lebensmittels zu bilden. Diese individuelle Urteilsfähigkeit ist mit dem Terminus &quot;Risikomündigkeit&quot; gemeint. </p>
<p>Ein anderer Weg ist &#8211; nach dem Verlust der Zuverlässigkeit von technischen und wissenschaftlichen Lösungen &#8211; nicht gangbar. Risikokommunikation muß sich genau in jenen Situationen bewähren, in denen sich vermeintliche Sicherheiten als fehlerhaft erwiesen haben oder zukünftig erweisen könnten.</p>
<p>Egal ob es um die komplexen und kaum überschaubaren Wechselwirkungen innerhalb einer kerntechnischen Anlage oder die in noch höherem Maße hyperkomplexen Zusammenhänge im menschlichen oder pflanzlichen Zellkern geht, mit denen sich die Gentechnologie auseinandersetzt: all diesen avancierten Technologien ist gemein, daß immer erst die Erprobung des (vermeintlich) Gewußten tatsächlich Aufschluß darüber geben kann, ob das Wissen gültig und die Eingriffe in Umwelt und Organismen unschädlich bleiben. Die Zeiten, in denen im geschützten Experimentierraum des Forschungslabors das riskante Handeln hinreichend erprobt werden konnte, sind längst vorbei. Wir müssen uns wohl oder übel damit abfinden, daß – wie Krohn/Weyer bereits 1989 zutreffend feststellten: &quot;Die Gesellschaft als Labor&quot; umfunktioniert wurde.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/#footnote_1_57" id="identifier_1_57" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Krohn, Wolfgang / Weyer, Johannes (1989): Die Gesellschaft als Labor. Die Erzeugung sozialer Risiken durch experimentelle Forschung. In: Soziale Welt, 40 (3), 349-373.">2</a></p>
<p><strong>Schizophrenie der Wissensgesellschaft</strong></p>
<p>Es ist zwar eine erkenntnis- und wissensschaftstheoretische Selbstverständlichkeit, aber die Gesellschaft insgesamt beginnt erst allmählich und höchst widerwillig sich mit dem Umstand anzufreunden, daß Wissenschaft und das von ihr produzierte Wissen prinzipiell vorläufig und fehlbar sind. Es kann als schizophrene Grundstruktur der Wissensgesellschaft betrachtet werden: die Wissenschaft agiert unter der Prämisse des Falsifikationismus, gleichzeitig erachtet die Gesellschaft diese Funktionslogik als defizitär. Nochmal: der Erfolg moderner Wissenschaft verdankt sich der Tatsache, daß sie die Bedingungen des Mißlingens präzisiert. Der nüchterne <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Raimund_Popper" target="_blank" >Karl Raimund Popper</a> brachte dieses interne Prinzip auf die Formel: &quot;<em>Wir irren uns empor!&quot;</em> Genau diese unausweichlichen Irrtümer werden allerdings – und hier wird die Schizophrenie deutlich – von der verunsicherten Restgesellschaft als Versagen und Scheitern verstanden und führen &#8211; falls die Risikokommunikationsstrategien falsch gewählt sind &#8211; fast zwangsläufig zu Mißtrauen. </p>
<p>Die Herausforderung vor der jede hochtechnologisierte Wissensgesellschaft steht, ist also folgende: Wissenschaft und Technik haben ihren früheren Status als Produzenten von Sicherheit eingebüßt<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/#footnote_2_57" id="identifier_2_57" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dies wurde ihr von der Gesellschaft &uuml;ber lange Zeit attestiert; die Ern&uuml;chterung setzte sp&auml;testens mit den gro&szlig;en Unf&auml;llen (Harrisburg, Bhopal, Seveso, Tschernobyl) ein; die Skandale um Contergan, FCKW, BSE etc. tun und taten ihr weiteres.">3</a> und das Ergebnis forcierter Wissens- und Technologieproduktion ist – und genau dies wird durch zunehmend wahrnehmbare Risiken sichtbar – immer häufiger Unsicherheit. Treten Schadensfälle ein und werden gar – wie nun wieder einmal prototypisch am Vorgehen von Vattenfall ablesbar – vertuscht oder zumindest verharmlost, so tritt der &#8218;<em>Virus&#8216; </em>Mißtrauen in die Öffentlichkeit. Mißtrauen ist die Folge von fehlerhafter, intransparenter Risikokommunikation; wie&nbsp; der erzwungene Rücktritt von Vattenfall-Europe-Chef Klaus Rauscher illustriert, sollten auch die Verantwortlichen die paralysierend-zersetzende Wirkung des sich ausbreitenden Mißtrauens nicht unterschätzen. </p>
<p>Wer glaubt, durch eine restriktive Informationspolitik, die in vielen Fällen eher eine Desinformationspolitik ist, mögliche Schäden begrenzen zu können, irrt. Sicherheit ist längst prekär geworden! Wer bei Stör-, Zwischen- und Unfällen zunächst auf Geheimhaltung setzt, anstatt offensiv und transparent zu informieren, riskiert, daß nicht nur Radioaktivität in die Umwelt entweicht. Fast ebenso zerstörerisch ist das Gift des Mißtrauens, das – wie man an den aktuellen Diskussionen ablesen kann – sogar den Entzug der Betriebserlaubnis zur Folge haben kann. </p>
<p>Nur eine seriöse, symmetrische Risikokommunikation kann darauf hoffen, diejenige gesellschaftliche Akzeptanz herzustellen, die für den Betrieb von Hochrisikotechnologien unabdingbar ist. Die Basis dieser Kommunikation ist Vertrauen. Je unsicherer eine Technologie ist, desto essentieller ist eine Risikokommunikation, die das jeder Technologie inhärente Gefahrenpotential nicht leugnet, auf tatsächlichen Dialog mit Konsumenten und Bürgern setzt und ihre demokratische Informationspflicht nicht länger als lästige Pflicht, sondern als selbstverständliche Verantwortung begreift. All das hätte man auch bei Vattenfall wissen können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em> Zum Nachlesen gibt es bspw. die Empfehlungen des STARC-Projekts bei den Linktipps.&nbsp;</em></p>
<p></p>
<hr width="75%" size="1" />&nbsp;<br />
</p>
<p><em>Artikelserie zur Risikokommunikation: </em></p>
<p>1. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/19/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/">Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I</a></p>
<p>2. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/21/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/">Erosion von Sicherheit und Vertrauen » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II</a></p>
<p>3. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/24/wenn-sicherheit-fragil-wird-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iii/">Wenn Sicherheit fragil wird » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft III</a></p>
<p>4. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/26/vertrauen-als-gefaehrdete-ressource-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iv/">Vertrauen als gefährdete Ressource » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft IV</a> <br />&nbsp;</p>
<hr width="75%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Linktipps:</em></p>
<ul>
<li>v. Randow, Gero: <a href="http://images.zeit.de/text/2007/30/01-Vattenfall" target="_blank">Bitte nicht stören,</a> Die ZEIT, 19.7.2007</li>
<li><a href="http://starc.jrc.it/" target="_blank">Projekt-Website</a> EU-Projekt &quot;STARC &#8211; Stakeholders in Risk Communication&quot; [Download des <a href="http://mahbsrv4.jrc.it/starc/downloads/wp4/STARC-final-report.zip" target="_blank">Abschlußberichts</a>]</li>
</ul>
<p></p>
<p><em>Literaturempfehlungen:</em> </p>
<ul>
<li>Renn, Ortwin (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1844072916?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1844072916">Risk Governance: Coping with Uncertainty in a Complex World</a>. Earthscan Publications. </li>
<li>Lofstedt, Ragnar E. (2005): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1403949786?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1403949786">Risk Management in Post Trust Societies</a>. Palgrave Macmillan.</li>
<li>Lundgren, Regina A. und McMakin, Andrea H. (2004): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1574771426?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1574771426">Risk Communication: A Handbook for Communicating Environmental, Safety, and Health Risks</a>. Battelle Press. </li>
<li>Frewer, Lynn (2004): The public and effective risk communication, in: Toxicology Letters, 149. Jg. (Nr.149), S. 391-397.</li>
<li>Leiss, William (2004): Effective risk communication practice, in: Toxicology Letters (Nr.149), S. 399-404.</li>
<li>Lofstedt, Ragnar (2003): Risk communication: pitfalls and promises, in: European Review, 11. Jg. (Nr.3), S. 417-435.</li>
<li>Maxwell, Terrence A. (2003): The public need to know: emergencies, government organizations and public information policies, in: Government Information Quarterly (Nr.20), S. 233-258.</li>
<li>Perrow, Charles (1987): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3593341255?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3593341255">Normale Katastrophen</a>. Die unvermeidbaren Risiken der Großtechnik. Campus. </li>
<li>Beck, Ulrich (1986): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518113658?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518113658">Risikogesellschaft</a>. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp. </li>
</ul>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_57" class="footnote">Der desolaten Informationspolitik widmet sich auch der <a target="_blank" href="http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/1838">Trierer Medienblog</a>; eine Abschaltung älterer KKWs fordert der <a target="_blank" href="http://ruegenbote.de/wordpress/2007/07/19/alte-atomkraftwerke-sofort-vom-netz-nehmen/">Rügenbote</a>.</li><li id="footnote_1_57" class="footnote">vgl. Krohn, Wolfgang / Weyer, Johannes (1989): Die Gesellschaft als Labor. Die Erzeugung sozialer Risiken durch experimentelle Forschung. In: Soziale Welt, 40 (3), 349-373.</li><li id="footnote_2_57" class="footnote">Dies wurde ihr von der Gesellschaft über lange Zeit attestiert; die Ernüchterung setzte spätestens mit den großen Unfällen (Harrisburg, Bhopal, Seveso, Tschernobyl) ein; die Skandale um Contergan, FCKW, BSE etc. tun und taten ihr weiteres.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/">Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>5</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Erosion von Sicherheit und Vertrauen &#8211; Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jul 2007 22:06:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Risikokommunikation]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/21/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Pannenserie in den Kernkraftwerken von Brunsbüttel und Krümmel illustriert eindrücklich, daß sich im routinisierten Betrieb von hochriskanten Technologien oftmals Nachlässigkeiten einschleichen, die im Ernstfall hochbrisante Folgen haben können. Wenn sich dann noch herausstellt, daß seitens der Kernkraftwerksbetreiber eine Informationspolitik praktiziert wird, die nicht im mindesten den Anforderungen an eine zeitgemäße Risikokommunikation gerecht wird, drängt ... <a title="Erosion von Sicherheit und Vertrauen &#8211; Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/" aria-label="Mehr Informationen über Erosion von Sicherheit und Vertrauen &#8211; Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/">Erosion von Sicherheit und Vertrauen &#8211; Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" width="315" height="159" align="right" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/07/Kraftwerk_01b.jpg" alt="Kraftwerk_01b.jpg" style="border: 1px solid rgb(105, 105, 105); margin: 11px; padding: 1px;" />Die Pannenserie in den Kernkraftwerken von Brunsbüttel und Krümmel illustriert eindrücklich, daß sich im routinisierten Betrieb von hochriskanten Technologien oftmals Nachlässigkeiten einschleichen, die im Ernstfall hochbrisante Folgen haben können. Wenn sich dann noch herausstellt, daß seitens der Kernkraftwerksbetreiber eine Informationspolitik praktiziert wird, die nicht im mindesten den Anforderungen an eine zeitgemäße Risikokommunikation gerecht wird, drängt sich tatsächlich die Frage auf, ob unter diesen Umständen die Fortführung des Betriebs durch Vattenfall und Co. zu rechtfertigen ist.</strong></p>
<p>Die Frage, welche Rolle die Kernenergie zukünftig spielen soll, soll hier aber nicht weiter interessieren. Denn abgesehen von den technisch-betrieblichen Unzulänglichkeiten hat sich ein eklatantes Unvermögen im Hinblick auf die dringend gebotene Risikokommunikation offenbart. Auch hier waren Amateure am Werk. Die Folgen der Blockade- und Verzögerungsstrategie der angeblichen Kommunikationsprofis sind seit einigen Tagen ebenfalls zu besichtigen: neben den Chefs der Informations- und Atomsparte (Altmeppen und Thomauske) mußte inzwischen sogar Vattenfall-Europe-Chef Klaus Rauscher seinen Hut nehmen. </p>
<p>Nun könnte man freilich fragen, ob deren Demission nicht überzogen ist, denn schließlich könnten die fraglichen Personen ja aus Schaden klug werden und in Zukunft andere Maßstäbe anlegen. Außerdem, so ließe sich möglicherweise argumentieren, wird der Stellenwert der Kommunikationsbemühungen ohnehin überschätzt: denn haben wir uns nicht alle längst daran gewöhnt, daß unsere technisch-industrielle Zivilisation von selbsterzeugten Gefahrenquellen umgeben, um nicht zu sagen: umzingelt ist? Lebt es sich also nicht ganz wunderbar im Horizont universaler Unsicherheit?</p>
<p>Mit genau diesen Zusammenhängen, nämlich in welchem Sinne der Faktor „Unsicherheit“ geradezu nach effizienten Strukturen des Risikomanagements (wovon Risikokommunikation ein elementarer Bestandteil ist) schreit, werden sich die folgenden Artikel der Wissenswerkstattserie zur Risikokommunikation befassen. Zunächst soll skizziert werden, wie zentral der Topos „Sicherheit“ innerhalb moderner Gesellschaften ist. Denn wenn in der Handhabung von riskanten Technologien erst einmal Unsicherheitsspielräume sichtbar werden, so handelt es sich dabei um Folgeerscheinungen von Wissenslücken („gaps of knowledge“), im weiteren Verlauf führt dies fast unweigerlich zur Erosion von Vertrauen („gaps of trust“); unter solchen Randbedingungen ist Risikokommunikation unverzichtbar und der einzige Weg, um überhaupt mit Hochrisikotechnologien und anderen Gefahrenquellen umzugehen. Aber der Reihe nach&#8230; </p>
<p> Möglicherweise zeichnen sich moderne Gesellschaften nämlich genau dadurch aus, daß sie gelernt haben, innerhalb eines gewissen Umfangs Überraschungen zu tolerieren. Zwar ist es zweifellos immer noch zutreffend, die&nbsp; „Suche nach Gewißheit“ („quest for certainty“, vgl. <em>Dewey 1929</em>) als quasi-anthropologische Konstante zu verstehen, jedoch heben einzelne unerwartete Ereignisse die Welt keineswegs mehr aus ihren Angeln.</p>
<p>Einerseits ist also der Versuch – wie bereits Max Weber konstatiert – „alle Dinge im Prinzip durch Berechnung beherrschen zu können“ (<em>Weber 1922</em>: 594) als wesentliches Element einer kollektiven kognitiven Infrastruktur der Moderne anzusehen. Andererseits hat die Gesellschaft gelernt, mit Unsicherheiten umzugehen und&nbsp; Mechanismen entwickelt, die Unsicherheitsmomente auffangen und handhabbar machen (allen voran das Risikokalkül.)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/#footnote_0_58" id="identifier_0_58" class="footnote-link footnote-identifier-link" title=" &bdquo;Probability theory was able to quantify potential risks because, in a world governed by causal relations, sufficient knowledge of relevant factors made the uncertainties of the future estimable.&rdquo; (Reith 2004: 389f.) ">1</a><br />Dabei ist eines klar: universale Gewißheit (in sachlicher, wie zeitlicher Hinsicht) ist niemals erreichbar. Je weiter sich die Gesellschaft ausdifferenziert und ihre Kenntnisse und Fertigkeiten vorantreibt und je weiter in die Zukunft heutige Entscheidungen in ihren Folgewirkungen hinausreichen, desto komplexer ist das Feld in dem sie agiert. Die Herausforderung vor der jede fortgeschrittene Industriegesellschaft steht, beinhaltet aus diesem Grund im wesentlichen drei Dimensionen.</p>
<p><strong>1.) Die Notwendigkeit verläßliches Wissen herzustellen,<br />2.) auf dessen Basis (v.a. technologische) Anwendungen zu implementieren (erfordert legitime Anwendungszwecke und gesellschaftliche Akzeptanz) und<br />3.) die Folgen der Eingriffe in Gesellschaft und Natur zu bearbeiten/zu kompensieren.</strong></p>
<p>Dabei lässt sich die erste Dimension im wesentlichen als <strong>Sachdimension</strong> charakterisieren: hier ist schlicht die Funktion von Wissenschaft und Forschung angesprochen, <strong>hinreichend gesicherte Erkenntnisse über die Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge der (natürlichen und sozialen) Umwelt zu generieren</strong>. Die Wissenschaft (so auch ihre wesensmäßige Aufgabe) fungiert als Wissensproduzent. <strong>Ihre Zielsetzung dabei ist Sicherheit.</strong> Die Problematik hierbei ist, daß sich avancierte wissenschaftliche Erkenntnisse immer weniger auf unmittelbare Erfahrung stützen können (<em>Kuhn 1973, Knorr-Cetina 1984, Latour 2000</em>). Zudem ist es schwieriger denn je (anbetrachts hochkomplexer Gegenstände und vielfältiger möglicher Wechselwirkungen), das Wissen hinreichend zu überprüfen. Modellannahmen, Laborexperimente und Tierversuche müssen oftmals genügen, um dann bereits den ‚Ernst- und Anwendungsfall’ zu erproben (vgl. <em>Krohn/Weyer 1990</em>). </p>
<p><font color="#ee7600"><strong>Das Paradox der fortgeschrittenen Wissensgesellschaft &#8211; ‚gaps of knowledge‘</strong></font> </p>
<p>In der Folge kann Wissenschaft in immer geringerem Maße eine Gewährleistung für die Zuverlässigkeit/Validität ihrer Ergebnisse geben (<em>Chalmers 1999, Lerf/Schuberth 2004</em>). Hier hat sich also ein offensichtliches Unsicherheitsmoment (‚gap of knowledge’) in die wissenschaftliche Wissensproduktion eingenistet. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie gültige Aussagen über Sachverhalte lieferte, ist dahin. Zwar bleibt die institutionalisierte und kanonisierte Wissenschaft (auch im Verständnis der Öffentlichkeit) der zentrale Ort der gesellschaftlichen Wissensproduktion; die quasi naturwüchsige Gewißheit ist allerdings einer latenten Unsicherheit im Hinblick auf die Gültigkeit ihrer Aussagen gewichen.</p>
<p>Unsicherheit in dieser ersten (Sach-)Dimension berührt also die Zahlen, Daten und Fakten, die als Grundlage für technologisches Handeln dienen. Mögliche positive oder negative Effekte wirken dann jedoch auf die Gesellschaft insgesamt und schlagen sich als <strong>Vertrauen resp. Mißtrauen</strong> nieder, womit die dritte Dimension als <strong>Sozialdimension</strong> markiert ist. </p>
<p>Vertrauen ist als diejenige Erwartung zu charakterisieren, daß bestimmte Annahmen bezüglich einer ungewissen Zukunft in Erfüllung gehen (<em>Luhmann 1989, Gambetta 2000</em>). Hierbei ist klar: solange gegenwärtige Handlungen und Entscheidungen in der Zukunft die erwünschten und erwartbaren Folgen hervorbringen, bleibt die Vertrauensbasis unberührt und stabil. Mit jedem Unfall innerhalb einer Industrieanlage und mit jedem Medikament, dessen Einnahme unvorhergesehene Nebenwirkungen hervorruft, wird dieses Vertrauen jedoch in Frage gestellt. </p>
<p><strong>Im Falle von risikobehafteten Technologien wird Vertrauen von Verbrauchern und Anwendern, einerseits der Wissenschaft (bzgl. deren Kompetenz), andererseits der Industrie und Politik (bzgl. deren Handlungsfähigkeit, Weitsicht und Fairness) entgegengebracht.</strong> Stellt sich allerdings wissenschaftlich autorisiertes Wissen als Irrtum heraus und wird gar offenbar, daß Wirtschaft und/oder Politik relevante Informationen bezüglich des Risikopotentials nicht angemessen mitgeteilt oder gar wissentlich verschwiegen haben, wird das Vertrauen von direkt oder indirekt betroffenen Bürgern massiv enttäuscht. Unvermeidliche Wissenslücken (‚gap of knowledge’) führen also, wenn die Risikokommunikation nicht transparent gestaltet wird, im Ergebnis zu einer Erosion des Vertrauens (‚gap of trust’).&nbsp; </p>
<p><font color="#ee7600"><strong>Notwendige Infrastruktur einer technologisierten Gesellschaft: transparent-dialogische Risikokommunikation</strong></font> </p>
<p>Der einzige Weg, um das noch näher zu skizzierende Vertrauen von Öffentlichkeit und ‚stakeholdern’ aufrechtzuerhalten, zu stabiliseren oder wiederzuerlangen, ist eine am Dialog orientierte Risikokommunikation (vgl. <em>Risikokommission 2003</em>: 54ff.).&nbsp; </p>
<p><strong>Wie skizziert, stellen also die Sicherheit, über verläßliches (wissenschaftliches) Wissen zu verfügen, und das Vertrauen der Öffentlichkeit die beiden notwendigen Bedingungen für technologisches Handeln dar. </strong>In der Anwendung verzahnen sich Sach- und Sozialdimension; bei der Implementation von Technik kommen Sicherheit und Vertrauen gleichermaßen zum Tragen.</p>
<p>Und just dann, wenn diese beiden Fundamente gefährdet sind, präsentiert sich die Gesellschaft als reflexive Risikogesellschaft. Denn umfassende und vollständige Sicherheit ist für modernes Handeln (das ja immer einen Eingriff in komplexe Systeme meint, vgl. <em>Perrow 1987, Dörner 1992, Gephart 2004</em>) nicht denkbar. Und umgekehrt geht alles Handeln gleichzeitig notwendigerweise mit der Produktion von Unsicherheit einher. </p>
<p>Ob und in welchem Maße diese selbst fabrizierten Unsicherheiten von betroffenen Bürgern akzeptiert werden, ist dann allein von der Art und Weise des ‚risk management’ abhängig, das während all seiner Phasen vertrauensstabilisierende- und generierende (Risiko-)Kommunikationsformen beinhalten muß. </p>
<p><strong>Dabei ist Risikokommunikation</strong> – um dies nochmals zu betonen – <strong>kein Nebenaspekt innerhalb des Risikomanagementprozesses, sondern dessen integraler Bestandteil.</strong> Der Information, Einbindung und Partizipation von ‚stakeholdern’ erst dann Beachtung zu schenken, wenn die anderen Aufgaben der Risikobewertung und -regulation abgeschlossen sind, gefährdet den Prozeß insgesamt. Es ist also unabdingbar, die zentrale Bedeutung einer gelingenden Risikokommunikation anzuerkennen.&nbsp; </p>
<p>Die spezifische Problematik von ‚Unsicherheit’ und ‚Mißtrauen’ im Zusammenhang mit risikoträchtigem Handeln allgemein und im Bezug auf ‚Risikokommunikation’ im Besonderen, soll in den nächsten Tagen eingehender dargestellt werden. </p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="75%" size="1" />
<p><strong>Literatur:</strong></p>
</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Chalmers, Alan F. (1999): <strong>Grenzen der Wissenschaft</strong>. (orig. &#8218;Science and its Fabrication&#8216;, 1990). Berlin, Heidelberg: Springer Verlag.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Dewey, John (1929): <strong>The Quest for Certainty</strong>. Study of the relation of knowledge and action. New York: Minton Balch and Co.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Dörner, Dietrich (1992): <strong>Die Logik des Mißlingens</strong>. Strategisches Denken in komplexen Situationen. Reinbek: Rowohlt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Gambetta, Diego (2000): <strong>Trust: Making and Breaking  Cooperative Relations.</strong> Univ. Oxford &#8211; Department of Sociology.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Gephart, Robert P. (2004): <strong>Normal Risk</strong>. Technology, Sense Making and Environmental Disasters<em>, in: Organization &amp; Environment</em>, 17. Jg. (Nr.1), S. 20-26.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Knorr-Cetina, Karin (1984): <strong>Die Fabrikation der Erkenntnis</strong>. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Krohn, Wolfgang &amp; Weyer, Johannes (1990): <strong>Die Gesellschaft als Labor. Risikotransformation und Risikokonstitution durch moderne Forschung</strong>, in: Halfmann, Jost &amp; Japp, Klaus Peter (Hg.), Riskante Entscheidungen und Katastrophenpotentiale. Elemente einer soziologischen Risikoforschung. Opladen: Westdeutscher Verlag, S. 89-122.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Kuhn, Thomas S. (1973 [1962]): <strong>Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen</strong>. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Latour, Bruno (2000): <strong>When things strike back: a possible contribution of &#8217;science studies&#8216; to the social sciences</strong><em>, in: British Journal of Sociology. Special Issue: Sociology facing the next Millenium</em>,<br />
51. Jg. (Nr.1), S. 107-123.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Lerf, Anton &amp; Schuberth, Erwin (2004): <strong>Komplexe Systeme: Wo das Wissen der Naturwissenschaft an Grenzen stößt</strong>, in: Böschen, Stefan / Schneider, Michael &amp; Lerf, Anton (Hg.), Handeln trotz Nichtwissen. Vom Umgang mit Chaos und Risiko in Politik, Industrie und Wissenschaft. Frankfurt/Main, New York: Campus, S. 211-236.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Luhmann, Niklas (1989): <strong>Vertrauen</strong>. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität. Stuttgart: Enke.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Perrow, Charles (1987): <strong>Normale Katastrophen. Die unvermeidbaren Risiken der Großtechnik</strong>. New York; Frankfurt/Main: Campus.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Reith, Gerda (2004): <strong>Uncertain Times</strong>. The notion of &#8218;risk&#8216; and the development of modernity<em>, in: Time &amp; Society</em>, 13. Jg. (Nr.2/3), S. 383-402.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Risikokommission (2003): <strong>Ad-hoc-Kommission &#8218;Neuordnung der Verfahren zur Risikobewertung und Standardsetzung im gesundheitlichen Umweltschutz der Bundesrepublik Deutschland.&#8216; </strong>Abschlußbericht der Risikokommission im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Salzgitter: Geschäftsstelle c/o Bundesamt für Strahlenschutz.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Weber, Max (1922): <strong>Wissenschaft als Beruf</strong>, in: Winckelmann, Johannes (Hg.), Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre. 6. Aufl., 1985. Tübingen: J.C.B. Mohr.</p>
<p>&nbsp;<br />&nbsp;</p>
<hr width="90%" size="1" />
<p>Artikelserie der Wissenswerkstatt zur Risikokommunikation:
</p>
<p>1. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/19/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/">Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I</a></p>
<p>2. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/21/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/">Erosion von Sicherheit und Vertrauen » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II</a></p>
<p>3. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/24/wenn-sicherheit-fragil-wird-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iii/">Wenn Sicherheit fragil wird » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft III</a></p>
<p>4. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/26/vertrauen-als-gefaehrdete-ressource-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iv/">Vertrauen als gefährdete Ressource » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft IV</a><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/26/vertrauen-als-gefaehrdete-ressource-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iv/"> </a></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="75%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Linktipps:</em></p>
<ul>
<li>v. Randow, Gero: <a target="_blank" href="http://images.zeit.de/text/2007/30/01-Vattenfall">Bitte nicht stören,</a> Die ZEIT, 19.7.2007</li>
<li><a target="_blank" href="http://starc.jrc.it/">Projekt-Website</a> EU-Projekt &quot;STARC &#8211; Stakeholders in Risk Communication&quot; [Download des <a target="_blank" href="http://mahbsrv4.jrc.it/starc/downloads/wp4/STARC-final-report.zip">Abschlußberichts</a>]</li>
</ul>
<p></p>
<p><em>Literaturempfehlungen:</em> </p>
<ul>
<li>Renn, Ortwin (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1844072916?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1844072916">Risk Governance: Coping with Uncertainty in a Complex World</a>. Earthscan Publications. </li>
<li>Lofstedt, Ragnar E. (2005): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1403949786?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1403949786">Risk Management in Post Trust Societies</a>. Palgrave Macmillan.</li>
<li>Lundgren, Regina A. und McMakin, Andrea H. (2004): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1574771426?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1574771426">Risk Communication: A Handbook for Communicating Environmental, Safety, and Health Risks</a>. Battelle Press. </li>
<li>Frewer, Lynn (2004): The public and effective risk communication, in: Toxicology Letters, 149. Jg. (Nr.149), S. 391-397.</li>
<li>Leiss, William (2004): Effective risk communication practice, in: Toxicology Letters (Nr.149), S. 399-404.</li>
<li>Lofstedt, Ragnar (2003): Risk communication: pitfalls and promises, in: European Review, 11. Jg. (Nr.3), S. 417-435.</li>
<li>Maxwell, Terrence A. (2003): The public need to know: emergencies, government organizations and public information policies, in: Government Information Quarterly (Nr.20), S. 233-258.</li>
<li>Perrow, Charles (1987): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3593341255?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3593341255">Normale Katastrophen</a>. Die unvermeidbaren Risiken der Großtechnik. Campus. </li>
<li>Beck, Ulrich (1986): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518113658?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518113658">Risikogesellschaft</a>. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp. </li>
</ul>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_58" class="footnote"> „Probability theory was able to quantify potential risks because, in a world governed by causal relations, sufficient knowledge of relevant factors made the uncertainties of the future estimable.” (<em>Reith 2004</em>: 389f.) </li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/">Erosion von Sicherheit und Vertrauen &#8211; Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>4</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Einstein hätte geflucht » Bienensterben, Insektizid-Lobbyismus und die Ignoranz deutscher Behörden</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 May 2008 16:22:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Risiko]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/?p=290</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nun ist es wieder soweit: dicke Schlagzeilen über rätselhaftes Bienensterben sorgen bei der morgendlichen Zeitungslektüre für Mißstimmung. Werden sich die Honigfreunde bald an steigende Preise gewöhnen müssen, wenn die Nektarproduzenten millionenfach dahingerafft werden? Aber kommen uns solche Meldungen nicht allzu bekannt vor? War nicht unlängst sogar von Bienen-AIDS die Rede? Und was ist schon der ... <a title="Einstein hätte geflucht » Bienensterben, Insektizid-Lobbyismus und die Ignoranz deutscher Behörden" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/" aria-label="Mehr Informationen über Einstein hätte geflucht » Bienensterben, Insektizid-Lobbyismus und die Ignoranz deutscher Behörden">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/">Einstein hätte geflucht » Bienensterben, Insektizid-Lobbyismus und die Ignoranz deutscher Behörden</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" style="border: 1px none #dcdcdc; margin-left: 7px; margin-right: 7px; float: right;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/05/Biene.jpg" alt="Biene, Quelle: Stock.xchng, User: robertt" width="200" height="163" /><strong>Nun ist es wieder soweit: dicke Schlagzeilen über rätselhaftes Bienensterben sorgen bei der morgendlichen Zeitungslektüre für Mißstimmung. Werden sich die Honigfreunde bald an steigende Preise gewöhnen müssen, wenn die Nektarproduzenten millionenfach dahingerafft werden?</strong></p>
<p>Aber kommen uns solche Meldungen nicht allzu bekannt vor? War nicht unlängst sogar von Bienen-AIDS die Rede? Und was ist schon der Verlust von 7000 Bienenvölkern, der derzeit von Imkern im Rheintal beklagt wird, wenn wir uns an die Horrormeldungen vom Vorjahr erinnern? Der aktuelle Fall ist sicher kein Grund zur Beunruhigung, aber wieder ein hochinteressantes Lehrstück über die Kollision wirtschaftlicher und ökologischer Interessen und die uneindeutig-unglückliche Rolle hiesiger Umwelt- und Risikoregulierungsinstanzen.</p>
<h4 class="pullquote_left">Im Rheintal beklagen Imker den Verlust tausender Bienenvölker</h4>
<p>Aber der Reihe nach: während vergangenes Jahr v.a. Imker aus den USA über den Verlust von bis zu 80% ihrer Bienenvölker berichtet haben, befindet sich das Zentrum des aktuellen Bienen-Massensterbens direkt vor unserer Haustür. Im Rheintal und vereinzelt auch in bayerischen Gegenden (etwa rund um Passau) sind in den letzten Wochen massenhaft tote Bienen vorgefunden worden.</p>
<p>Anders als in den USA, wo die Bienen 2007 einfach spurlos verschwanden und man dieses Phänomen auf den Namen &#8222;<a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Colony_Collapse_Disorder" target="_blank">Colony Collapse Disorder (CCD)</a>&#8220; taufte<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_0_290" id="identifier_0_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und &uuml;ber die Hintergr&uuml;nde besteht immer noch keine Klarheit. Denn die Bienenv&ouml;lker hatten ihre St&ouml;cke zur&uuml;ckgelassen, obwohl ihre Brut und Pollen dort eingelagert waren. In Frage kommen verschiedene Krankheitserreger, etwa die Varroa-Milbe, aber auch Pestizide und andere Umweltgifte. Experten gehen von einer multifaktoriellen Verursachung aus. Insofern k&ouml;nnte man den &bdquo;Bienenvolk-Kollaps&ldquo; auch als Stressymptom lesen.">1</a>, sind dieses Mal die &#8222;Opfer&#8220; immerhin verfügbar und können analysiert werden.</p>
<p><strong>Was steckt dahinter?</strong></p>
<p>Die möglichen Ursachen, die für das Kollabieren der Völker in Frage kommen, sind vielfältig: Bakterien, Viren, Pilze. Oder war es doch die berüchtigte <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Varroamilbe" target="_blank">Varroa-Milbe</a>, die einst aus Asien eingeschleppt wurde?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_1_290" id="identifier_1_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&Uuml;brigens waren es vermutlich deutsche Forscher (des Bieneninstituts Oberursel), die zu Untersuchungszwecken asiatische Bienen eingef&uuml;hrt hatten und die Milbe nach Europa brachten. W&auml;hrend asiatische Bienen allerdings die Sch&auml;den durch die Varroamilbe begrenzen k&ouml;nnen, haben ihre europ&auml;ischen Verwandten keinen geeigneten Mechanismus entwickelt, um mit diesem Parasiten umzugehen.">2</a> Der obligatorische Völkerverlust über den Winter hatte allerdings nur rund 10% betragen. Diese Verlustquote gilt als Standard.</p>
<p>Weshalb aber nun der massenhafte Exitus, der zudem regional begrenzt auftritt? Und wieso ausgerechnet Ende April? Nun könnte man es &#8211; rein hypothetisch &#8211; mit einer neuen Seuche zu tun haben, für die bislang niemand eine Erklärung hat, aber gleichzeitig auch niemand eine Verantwortung trägt.</p>
<p>Nach allem, was man heute über das jüngste Bienensterben in Baden-Württemberg weiß, ist aber genau das Gegenteil der Fall: denn erstens hat man &#8211; mit großer Wahrscheinlichkeit &#8211; die Ursache identifiziert und zweitens hätte man das alles durchaus vorher wissen können. Die große Frage ist nur: weshalb hat man Warnhinweise nicht rechtzeitig ernstgenommen, weshalb hat man die Erfahrungen aus anderen Ländern ignoriert?</p>
<p><strong>Konnte oder <em>wollte</em> man es nicht früher wissen?</strong></p>
<p>Zur Erklärung: in den Proben verendeter Bienen wurden Rückstände des Insektengifts <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Clothianidin" target="_blank">Clothianidin</a> gefunden. Clothianidin ist ein systemisch wirkendes Insektizid, das u.a. auch zur Behandlung von Saatgut eingesetzt wird. Und nachdem 2007 in Teilen Baden-Württembergs und Bayerns erstmals das Auftreten des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maiswurzelbohrer" target="_blank">Maiswurzelbohrers</a> festgestellt wurde, wurde dieses Jahr &#8222;gebeiztes&#8220; Mais-Saatgut ausgebracht. Nun muß man möglicherweise nur noch 1+1 zusammenzählen, wenn man weiß, daß das Bienensterben kurz nach Ausbringen der Maissaat begann, oder?</p>
<p>Am gestrigen Freitag war es dann auch soweit, daß das Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) in Berlin die Zulassung von allen Saatgut-Behandlungsmitteln, die diesen Wirkstoff enthalten, auf Eis legte. Die Stellungnahmen der Forscher des Julius-Kühn-Instituts in Braunschweig, die die Bienen untersucht hatten, waren eindeutig. Dabei war man sich offenbar bis dato recht sicher:</p>
<blockquote><p>&#8222;Weil es als Beizmittel eingesetzt und nicht großflächig versprüht wird, galt das Insektengift als unschädlich für Bienen.&#8220; [SZ, 16.5.2008]</p></blockquote>
<p>Nun ist man angeblich schlauer: bei der maschinellen Ausbringung des gebeizten Saatguts könne eine feine Clothianidin-Wolke entstehen, die auf benachbarte Wiesen und Blüten abdrifte und dort von den Bienen aufgenommen werde. So die vorläufige Erklärung.</p>
<h4 class="pullquote">Der Übeltäter steht fest: des Insektizid Clothiandin landete bei der Mais-Aussaat nicht nur im Boden, sondern auch in der Luft</h4>
<p>Aber kam das Bienensterben wirklich überraschend? Tatsache ist, daß Umweltverbände und hochrangige Imker seit Jahren das Verbot genau dieser Insektizide fordern.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_2_290" id="identifier_2_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Manfred Hederer, Pr&auml;sident des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbunds, beklagte: &bdquo;In allen 15 bisher untersuchten Proben verendeter Bienen ist Clothianidin gefunden worden.&ldquo; Schon im Juli 2006 hatte Hederer in einem Brief an das Bundesamt f&uuml;r Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit scharfe Kritik an der Zulassung des Pestizids ge&auml;u&szlig;ert und vorausgesagt, &bdquo;dass Clothianidin f&uuml;r unsere Bienen zu einer gro&szlig;en Gefahr werden wird&ldquo;. Quelle: Presseerkl&auml;rung des cbgnetwork">3</a> Clothianidin ist &#8211; seiner Bestimmung nach &#8211; ein hochtoxisches Fraß- und Kontaktgift und zählt ebenso, wie das Insektizid Imidacloprid zur Gruppe der  <span class="new">Neonicotinoide.</span></p>
<p><strong>Seit Jahren wird gewarnt</strong></p>
<p><span class="new">Sowohl Clothianidin (Handelsname &#8222;Poncho Pro&#8220;), als auch </span>Imidacloprid (erhältlich als &#8222;Goncho&#8220;) werden von Bayer CropScience hergestellt und vertrieben. Und sie gehören, wen wundert&#8217;s, zu deren Top-Produkten. Imidacloprid zählte 2004 mit einem Umsatz von mehr als einer halben Millarde Euro jährlich (!) zu den wichtigsten Bayer-Produkten, seit 2004 ist das Nachfolgeprodukt mit dem Wirkstoff Clothianidin am Markt positioniert.</p>
<h4 class="pullquote_left">Die Insektizide bringen Bayer CropScience fetten Umsatz. Und nun negative Schlagzeilen&#8230;</h4>
<p><strong>Hinweise aus Frankreich oder Italien interessierten nicht</strong></p>
<p>In Frankreich wurde interessanterweise bereits im Mai 2004 die Zulassung von Imidacloprid als Saatgutbeizmittel aufgehoben.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_3_290" id="identifier_3_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und ebenfalls 2004 forderte die franz&ouml;sische Umweltministerin Roselyne Bachelot die deutschen Beh&ouml;rden dazu auf, das Bayer-Insektizid &bdquo;Gaucho&ldquo; zu verbieten. Hintergrund: das staatliche Forschungsinstitut &bdquo;Comit&eacute; Scientifique et Technique&ldquo; hatte die Saatgutbehandlung als &bdquo;signifikantes Risiko f&uuml;r Bienen&ldquo; bezeichnet.">4</a> Und auch eine Warnung der    französischen Veterinärämter zu Frühjahrsbeginn 2008, interessierte die deutschen Behörden offensichtlich nicht: die Franzosen warnten ihre Imker    eindringlich, mit ihren Bienenvölkern die Gebiete, in welchen das Gift    eingesetzt werde, zu meiden.</p>
<p>Aber im BVL in Berlin scheint man nicht nur blind zu sein, was die Expertise der französischen Fachleute angeht. Auch für den Fall, daß aus Italien irritierende Stellungnahmen zu vernehmen sind, hat man offenbar Scheuklappen oder Ohrstöpsel bereitgelegt.</p>
<p>Denn das auffällige Bienensterben entlang des Rheins kam für Insider mit einer Vorankündigung: in Italien waren vor einigen Wochen ebenfalls massenhaft Völker gestorben. Ebenfalls im direkten Zusammenhang mit der Ausbringung von Mais-Saatgut<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_4_290" id="identifier_4_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Aussaat findet in Italien aber eben einige Wochen fr&uuml;her statt.">5</a> &#8211; und die italienischen Behörden hatten ebenfalls Clothianidin in den Bienen gefunden.</p>
<h4 class="pullquote">In Frankreich wurde die Zulassung zurückgezogen und erst vor wenigen Wochen fand in Italien ebenfalls ein Massensterben von Bienen statt &#8211; Ursache damals: Rückstände von Clothianidin</h4>
<p>Weshalb aber wartet man in Deutschland erstmal ab, bevor man hier die Zulassung aussetzt? Gab es eine Güterabwägung, ob man lieber ein Bienensterben in Kauf nehmen wollte oder die Ausbreitung des Maiswurzelbohrers bekämpfen? Oder war einfach die Lobbyarbeit und Beschwichtigung seitens Bayer CropScience so effektiv?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_5_290" id="identifier_5_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Befremdlich ist etwa, da&szlig; Bayer auf seiner Website eine Halbwertzeit von Clothianidin von 120 Tagen angibt &ndash; die US-Beh&ouml;rden gehen aber bspw. von ca. 3 Jahren aus. Ebenso seltsam mutet es allen Bienenkennern an, da&szlig; Bayer zum Nachweis der Unbedenklichkeit lediglich eine Studie &uuml;ber 3 Wochen durchf&uuml;hrte und das nicht zur Hauptbl&uuml;tezeit, sondern erst im sp&auml;teren Sommer. Die Imkerverb&auml;nde nennen weitere Indizien, wie sich Bayer u.a. Ausnahmeregelungen erstritten hat, um die Zulassung zu erhalten.">6</a></p>
<p>Wie gesagt: mit den Insektiziden verdient Bayer viel Geld. Allein mit den beiden nun ins Schußfeld geratenen Wirkstoffen kommt man derzeit ca. auf 800 Millionen Euro Umsatz.</p>
<p>Da kann man Warnhinweise durchaus einmal ignorieren. Erst recht, wenn die Kritik von Dauernörglern wie Greenpeace kommt<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_6_290" id="identifier_6_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wie mich Eric Zeissloff per Mail informiert, so waren die deutschen Imker-Spitzenverb&auml;nde auch lange Zeit zur&uuml;ckhaltend, was die Kritik anging. Hier scheint es innerhalb der Fachorganisation unterschiedliche Standpunkte gegeben zu haben. Nun haben freilich die Kritiker &ndash; Eric Zeissloff geh&ouml;rt dazu &ndash; Recht bekommen. Erg&auml;nzender Link: Zeissloff, E. (2003): Schadet Imidacloprid den Bienen?, in: beekeeping.com">7</a> &#8211; diese hatten übrigens Anfang Februar Clothianidin auf ihre &#8222;<a href="http://www.greenpeace.de/themen/chemie/nachrichten/artikel/die_schwarze_liste_der_pestizide/" target="_blank">Schwarze Liste der Pestizide</a>&#8220; gesetzt. Und dort steht es offensichtlich vollkommen zu Recht.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_7_290" id="identifier_7_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zur Aufkl&auml;rung bzgl. der &Uuml;berschrift &ndash; gelegentlich wird Albert Einstein folgendes Zitat zugeschrieben: &raquo;Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr.&laquo; Belege f&uuml;r diesen Ausspruch liegen allerdings nicht vor, dennoch ist die These einigerma&szlig;en bedenkenswert.">8</a></p>
<div class="links_kurz">Weiterführende Artikel zum aktuellen Fall:</p>
<ul>
<li>Charisius, Hanno: <a href="http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/633/175109/" target="_blank">Tod im Maisfeld</a>, SZ, 16.5.2008</li>
<li>Jacobasch, Stefan: <a href="http://www.scienceblogs.de/mahlzeit/2008/05/honigsammler-unter-druck.php" target="_blank">Honigsammler unter Druck</a>, Mahlzeit-Blog, 15.5.2008</li>
</ul>
<p>Weitere Links:</p>
<ul>
<li>Greenpeace: <a href="http://www.greenpeace.de/themen/chemie/nachrichten/artikel/die_schwarze_liste_der_pestizide/" target="_blank">Die Schwarze Liste der Pestizide</a>, 7.2.2008</li>
<li>Schuh, Hans: <a href="http://www.zeit.de/2007/22/Bienen?page=all" target="_blank">Die Biene, das Geld und der Tod</a>, Die ZEIT, 24.5.2007</li>
<li>Steinberger, Petra: <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt5m3/wissen/artikel/352/105247/" target="_blank">Das spurlose Sterben</a>, Süddt. Zeitung, 12.03.2007</li>
</ul>
</div>
<div class="invisible">
<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Ökologie">Ökologie</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Bienen">Bienen</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Bienensterben">Bienensterben</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_290" class="footnote">Und über die Hintergründe besteht immer noch keine Klarheit. Denn die Bienenvölker hatten ihre Stöcke zurückgelassen, obwohl ihre Brut und Pollen dort eingelagert waren. In Frage kommen verschiedene Krankheitserreger, etwa die Varroa-Milbe, aber auch Pestizide und andere Umweltgifte. Experten gehen von einer multifaktoriellen Verursachung aus. Insofern könnte man den &#8222;Bienenvolk-Kollaps&#8220; auch als Stressymptom lesen.</li><li id="footnote_1_290" class="footnote">Übrigens waren es vermutlich deutsche Forscher (des Bieneninstituts Oberursel), die zu Untersuchungszwecken asiatische Bienen eingeführt hatten und die Milbe nach Europa brachten. Während asiatische Bienen allerdings die Schäden durch die Varroamilbe begrenzen können, haben ihre europäischen Verwandten keinen geeigneten Mechanismus entwickelt, um mit diesem Parasiten umzugehen.</li><li id="footnote_2_290" class="footnote">Manfred Hederer, Präsident des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbunds, beklagte: &#8222;In allen 15 bisher untersuchten Proben verendeter Bienen ist Clothianidin gefunden worden.&#8220; Schon im Juli 2006 hatte Hederer in einem Brief an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit scharfe Kritik an der Zulassung des Pestizids geäußert und vorausgesagt, &#8222;dass Clothianidin für unsere Bienen zu einer großen Gefahr werden wird&#8220;. Quelle: <a href="http://www.cbgnetwork.org/2510.html" target="_blank">Presseerklärung des cbgnetwork</a></li><li id="footnote_3_290" class="footnote">Und ebenfalls 2004 forderte die französische Umweltministerin <span class="texteinf">Roselyne Bachelot die deutschen Behörden dazu auf, das Bayer-Insektizid &#8222;Gaucho&#8220; zu verbieten. Hintergrund: das staatliche Forschungsinstitut </span>&#8222;Comité Scientifique et Technique&#8220; hatte die Saatgutbehandlung als &#8222;signifikantes Risiko für Bienen&#8220; bezeichnet.</li><li id="footnote_4_290" class="footnote">Die Aussaat findet in Italien aber eben einige Wochen früher statt.</li><li id="footnote_5_290" class="footnote">Befremdlich ist etwa, daß Bayer auf seiner Website eine Halbwertzeit von Clothianidin von 120 Tagen angibt &#8211; die US-Behörden gehen aber bspw. von ca. 3 Jahren aus. Ebenso seltsam mutet es allen Bienenkennern an, daß Bayer zum Nachweis der Unbedenklichkeit lediglich eine Studie über 3 Wochen durchführte und das nicht zur Hauptblütezeit, sondern erst im späteren Sommer. Die Imkerverbände nennen weitere Indizien, wie sich Bayer u.a. Ausnahmeregelungen erstritten hat, um die Zulassung zu erhalten.</li><li id="footnote_6_290" class="footnote">Wie mich Eric Zeissloff per Mail informiert, so waren die deutschen Imker-Spitzenverbände auch lange Zeit zurückhaltend, was die Kritik anging. Hier scheint es innerhalb der Fachorganisation unterschiedliche Standpunkte gegeben zu haben. Nun haben freilich die Kritiker &#8211; Eric Zeissloff gehört dazu &#8211; Recht bekommen. Ergänzender Link: Zeissloff, E. (2003): <a href="http://www.beekeeping.com/artikel/imidacloprid_1.htm" target="_blank">Schadet Imidacloprid den Bienen?</a>, in: beekeeping.com</li><li id="footnote_7_290" class="footnote">Zur Aufklärung bzgl. der Überschrift &#8211; gelegentlich wird Albert Einstein folgendes Zitat zugeschrieben: »Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr.« Belege für diesen Ausspruch liegen allerdings nicht vor, dennoch ist die These einigermaßen bedenkenswert.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/">Einstein hätte geflucht » Bienensterben, Insektizid-Lobbyismus und die Ignoranz deutscher Behörden</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>15</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Einfach clever suchen » Die Suchmaschine &#8222;Clewwa&#8220; bietet Verbrauchern mehr Orientierung im Internetdschungel &#124; kurz&#038;knapp 21</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/einfach-clever-suchen-die-suchmaschine-clewwa-bietet-verbrauchern-mehr-orientierung-im-internetdschungel-kurzknapp-21/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/einfach-clever-suchen-die-suchmaschine-clewwa-bietet-verbrauchern-mehr-orientierung-im-internetdschungel-kurzknapp-21/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Mar 2008 08:07:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensmittel]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensgesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/17/einfach-clever-suchen-die-suchmaschine-clewwa-bietet-verbrauchern-mehr-orientierung-im-internetdschungel-kurzknapp-21/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Pestizide im Trinkwasser, Antibiotika im Kalbfleisch oder bestrahltes Gemüse aus dem Supermarkt. Die warnenden Schlagzeilen über tatsächliche oder vermeintliche Gesundheitsrisiken erreichen uns etwa im Wochentakt. Aber wo lohnt es sich, den eigenen Speiseplan umzustellen und in welchen Fällen werden lediglich hypothetische Risiken aufgebauscht? Das Internet ist ein hervorragendes Instrument, um weiterführende Informationen zu vielen Fragen ... <a title="Einfach clever suchen » Die Suchmaschine &#8222;Clewwa&#8220; bietet Verbrauchern mehr Orientierung im Internetdschungel &#124; kurz&#038;knapp 21" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/einfach-clever-suchen-die-suchmaschine-clewwa-bietet-verbrauchern-mehr-orientierung-im-internetdschungel-kurzknapp-21/" aria-label="Mehr Informationen über Einfach clever suchen » Die Suchmaschine &#8222;Clewwa&#8220; bietet Verbrauchern mehr Orientierung im Internetdschungel &#124; kurz&#038;knapp 21">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/einfach-clever-suchen-die-suchmaschine-clewwa-bietet-verbrauchern-mehr-orientierung-im-internetdschungel-kurzknapp-21/">Einfach clever suchen » Die Suchmaschine &#8222;Clewwa&#8220; bietet Verbrauchern mehr Orientierung im Internetdschungel | kurz&#038;knapp 21</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Pestizide im Trinkwasser, Antibiotika im Kalbfleisch oder bestrahltes Gemüse aus dem Supermarkt. Die warnenden Schlagzeilen über tatsächliche oder vermeintliche Gesundheitsrisiken erreichen uns etwa im Wochentakt. Aber wo lohnt es sich, den eigenen Speiseplan umzustellen und in welchen Fällen werden lediglich hypothetische Risiken aufgebauscht? Das Internet ist ein hervorragendes Instrument, um weiterführende Informationen zu vielen Fragen im Bereich Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz zu erhalten. Aber leider ist es häufig schwer, wirklich seriöse Informationsquellen zu finden &#8211; die neue Suchmaschine &quot;<a target="_blank" href="http://www.clewwa.de/">Clewwa</a>&quot; soll hier für Abhilfe sorgen.<br /></strong><br />Man kennt diese Situation: man schlägt morgens die Zeitung auf und schon springen einem die Skandalmeldungen förmlich entgegen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/einfach-clever-suchen-die-suchmaschine-clewwa-bietet-verbrauchern-mehr-orientierung-im-internetdschungel-kurzknapp-21/#footnote_0_209" id="identifier_0_209" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Im Grunde mu&szlig; man sich fast wundern, da&szlig; man immer aufs Neue davon lesen kann &ndash; denn eigentlich m&uuml;&szlig;ten wir alle l&auml;ngst tot sein, oder?">1</a> Sobald die BSE-Angst abgeebbt ist, dürfen wir uns vor Gammelfleisch ekeln und auch die Veganer können sich einigermaßen sicher sein, daß ihr Tofuschnitzel mindestens in einer genveränderten Variante auf dem Teller liegt. </p>
<p>Aber wovor sollen wir uns eigentlich wirklich fürchten? Welche Informationen sind relevant, welche nur ein Medienstrohfeuer? Ist es unverantwortlich, wenn wir als Eltern unser Kind weiterhin mit Nahrungsmitteln aus dem Supermarkt füttern oder stehen wir in der Pflicht, es zu 100% mit Bioware zu versorgen? </p>
<h4 class="pullquote_left"> Es gibt tausend Fragen zur Lebensmittelsicherheit &#8211; und noch viel mehr Antworten. Zeit für einer Suchmaschine, die Verbrauchern mehr Orientierung liefert.<br /></h4>
<p>Es gibt tausend offene Fragen und noch viel mehr Antworten &#8211; im Internet ist alles zu finden: Panikmache und Beruhigungspillen. Vor allem Nutzer, die weniger Erfahrung in der Internetrecherche haben, geben häufig konsterniert auf: wenn einem bei der Google-Suche auf den ersten Plätzen fragwürdige Infos entgegenflattern, dann verwirrt die Netzrecherche mehr, als sie an Aufklärung bietet. </p>
<p>Wo sind die fundierten, verständlich aufbereiteten Infos? Genau hier soll &quot;Clewwa&quot; für Übersicht und Verläßlichkeit sorgen. Entwickelt wurde diese neue &quot;Suchmaschine für Verbraucher&quot; vom &quot;Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)&quot; und ist seit vergangenem Freitag<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/einfach-clever-suchen-die-suchmaschine-clewwa-bietet-verbrauchern-mehr-orientierung-im-internetdschungel-kurzknapp-21/#footnote_1_209" id="identifier_1_209" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Anla&szlig; war der Weltverbrauchertag am 14.3.2008">2</a> online. </p>
<p>Was macht Clewwa besonders?&nbsp;</p>
<blockquote><p>Clewwa sucht die von Ihnen gewünschten Informationen innerhalb eines vorgegebenen Katalogs von Internetseiten. Dieser Katalog umfasst Seiten ausgewählter Behörden, Umwelt- und Verbraucherverbände, Universitäten und Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Wirtschaftsverbände sowie Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender und verbraucherrelevanter Onlineportale. <em>[Quelle: <a target="_blank" href="http://www.clewwa.de/wie_sucht_clewwa.html">Selbstauskunft</a>]</em></p></blockquote>
<p>Das heißt also, daß hier bereits von Fachleuten eine gewisse Vorprüfung stattgefunden hat &#8211; zumindest die Quellen haben sich in der Vergangenheit als einigermaßen seriös qualifiziert. Und der Vorteil für die Konsumenten liegt auf der Hand:</p>
<blockquote><p>Durch die Auswahl von Internetseiten fallen hunderte und tausende irrelevante Suchergebnisse weg, die dem Nutzer bei den üblichen Suchmaschinen oft das Leben schwer machen.</p>
<p>Darüber hinaus kann man bei Clewwa vor einer Suche den Bereich bestimmen, aus dem die Ergebnisse angezeigt werden sollen. Die Suche kann also beispielsweise auf Internetseiten von Behörden und Wissenschaft oder Medien und Verbraucher- und Umweltverbänden beschränkt werden.&nbsp;</p></blockquote>
<h4 class="pullquote"> &quot;Clewwa&quot; kann auch alten Internetprofis nutzen: man kann die Suche bspw. auf Universitäten und/oder Ministerien und Behörden begrenzen&#8230; <br /></h4>
<p>Und dieser letzte Punkt ist auch für versierte Internetnutzer und Journalisten interessant. Denn eine Suche z.B. nur auf Universitäten oder Behörden/Ministerien einzugrenzen, kann einem die Arbeit deutlich erleichtern. Denn wer will sich schon erst durch dutzende obskure Blogartikel durchwühlen, bis er den Link zu einer fundierten Studie vorliegen hat? ;-)</p>
<p>Ich sehe im Angebot tatsächlich einen handfesten Mehrwert, ich selbst habe die Arbeit des BVL<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/einfach-clever-suchen-die-suchmaschine-clewwa-bietet-verbrauchern-mehr-orientierung-im-internetdschungel-kurzknapp-21/#footnote_2_209" id="identifier_2_209" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Als ich im Rahmen einer Studie f&uuml;r die EU einige Male dort zu Gast war.">3</a> als sehr gewissenhaft und kompetent erlebt und ein kurzer Test wirft auch anständige Treffer aus. Wer in der Weihnachtszeit bzgl. der Cumarin-Warnungen in Zimtprodukten verunsichert war, bekommt nun bei &quot;Clewwa&quot; sehr gute Infos geliefert &#8211; etwa <a href="http://www.waswiressen.de/verbraucher/zimt.php" target="_blank">diese Seite</a> des BMELV.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/einfach-clever-suchen-die-suchmaschine-clewwa-bietet-verbrauchern-mehr-orientierung-im-internetdschungel-kurzknapp-21/#footnote_3_209" id="identifier_3_209" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hinter diesem K&uuml;rzel steckt das &quot;Bundesministerium f&uuml;r Ern&auml;hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.&quot;">4</a> Da hätte ich mir <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/07/das-verflixte-cumarin-vorsichtige-entwarnung-fuer-zimtsterne-achtung-bei-muesli-werkstattnotiz-xxiii/" target="_blank">meinen Artikel</a> dazu ja fast sparen können. ;-)</p>
<p>Also, &quot;Clewwa&quot; scheint wirklich sinnvoll zu sein.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/einfach-clever-suchen-die-suchmaschine-clewwa-bietet-verbrauchern-mehr-orientierung-im-internetdschungel-kurzknapp-21/#footnote_4_209" id="identifier_4_209" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und dar&uuml;ber, ob das onomapoetische Wortspiel gelungen ist, zerbreche ich mir erst gar nicht den Kopf. ;-) ">5</a> Ich wünsche dem Suchportal jedenfalls viele neugierige Benutzer &#8211; ein Klick lohnt sich:</p>
<p>&nbsp;</p>
<div align="center"><a target="_blank" href="http://www.clewwa.de/"><img loading="lazy" decoding="async" width="540" height="160" align="middle" alt="clewwa_01.gif" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/03/clewwa_01.gif" /></a></div>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_209" class="footnote">Im Grunde muß man sich fast wundern, daß man immer aufs Neue davon lesen kann &#8211; denn eigentlich müßten wir alle längst tot sein, oder?</li><li id="footnote_1_209" class="footnote">Anlaß war der Weltverbrauchertag am 14.3.2008</li><li id="footnote_2_209" class="footnote">Als ich im Rahmen einer Studie für die EU einige Male dort zu Gast war.</li><li id="footnote_3_209" class="footnote">Hinter diesem Kürzel steckt das &quot;Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.&quot;</li><li id="footnote_4_209" class="footnote">Und darüber, ob das onomapoetische Wortspiel gelungen ist, zerbreche ich mir erst gar nicht den Kopf. ;-) </li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/einfach-clever-suchen-die-suchmaschine-clewwa-bietet-verbrauchern-mehr-orientierung-im-internetdschungel-kurzknapp-21/">Einfach clever suchen » Die Suchmaschine &#8222;Clewwa&#8220; bietet Verbrauchern mehr Orientierung im Internetdschungel | kurz&#038;knapp 21</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/einfach-clever-suchen-die-suchmaschine-clewwa-bietet-verbrauchern-mehr-orientierung-im-internetdschungel-kurzknapp-21/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Dec 2007 14:38:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Risiko]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/08/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Gedankenspiel: Nach welchen Kriterien würden Sie Ihren Wohnort auswählen, wenn Sie innerhalb Deutschlands einen beliebigen Ort als künftiges Familiendomizil bestimmen könnten? &#8211; Möglicherweise würden Sie eher die großen, lebendigen Städte (Hamburg, Berlin, München&#8230;) wählen, wenn Sie Konzert-, Theater- oder Museenliebhaber sind. Oder vielleicht eine Kleinstadt in der Provinz, wo Sozialstruktur und Natur noch intakt sind ... <a title="Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/" aria-label="Mehr Informationen über Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/">Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Gedankenspiel:</strong> Nach welchen Kriterien würden Sie Ihren Wohnort auswählen, wenn Sie innerhalb Deutschlands einen beliebigen Ort als künftiges Familiendomizil bestimmen könnten? &#8211; Möglicherweise würden Sie eher die großen, lebendigen Städte (Hamburg, Berlin, München&#8230;) wählen, wenn Sie Konzert-, Theater- oder Museenliebhaber sind. Oder vielleicht eine Kleinstadt in der Provinz, wo Sozialstruktur und Natur noch intakt sind und es weniger hektisch zugeht? Oder sind Sie Wintersport- und Bergfreund und siedeln sich im Voralpenraum an? Oder präferieren Sie das Wasser und das Meer, dann käme natürlich nur irgendein norddeutsches Plätzchen in die engere Wahl.</em></p>
<p>Aber, Hand aufs Herz: hätten Sie vor der Entscheidung einen Blick auf eine Landkarte geworfen und nachgeprüft, in welcher Entfernung sich das nächste Kernkraftwerk befindet? Nein? Hätten Sie aber tun sollen, zumindest wenn Ihnen die Gesundheit Ihrer Kinder am Herzen liegt&#8230;</p>
<p><strong>Neue Studie zu Leukämiefällen im Umkreis von KKW-Anlagen</strong></p>
<p>Aber der Reihe nach: die Süddeutsche Zeitung <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/wissen/artikel/504/147161/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">berichtet heute</a> von einer aktuellen Studie der Universität Mainz,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_0_153" id="identifier_0_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Studie wurde im Auftrag des Bundesamtes f&uuml;r Strahlenschutz erstellt.">1</a> die für den Zeitraum von 1980 bis 2003 die Zahlen des <a href="http://www.kinderkrebsregister.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kinderkrebsregisters</a> ausgewertet hat. Nun besteht freilich auch nach dieser Studie kein Grund zur Hysterie,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_1_153" id="identifier_1_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Insofern ist meine einleitende Frage etwas zu pointiert bzw. die Aussage, da&szlig; verantwortliche Eltern nicht in die N&auml;he eines KKWs ziehen d&uuml;rften, etwas zu stark formuliert&hellip;">2</a> denn unmittelbare Kausalitäten können auch aus dieser Untersuchung nicht abgeleitet werden. Jedoch sind die Schlußfolgerungen, die die Mainzer Forscher ziehen, alarmierend und werfen (erneut!) viele Fragen auf &#8211; die SZ schreibt:</p>
<blockquote><p>Kleinkinder, die in der Nähe von Kernkraftwerken leben, erkranken offenbar häufiger an Krebs. Das geht aus einer Studie im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz hervor, die der &#8222;Süddeutschen Zeitung&#8220; vorliegt. Demnach steigt die Zahl krebskranker Kinder, je näher ihr Wohnort an einem der 16 deutschen Reaktorstandorte liegt. Dieser Zusammenhang sei &#8222;statistisch signifikant&#8220;. <em>[<a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/wissen/artikel/504/147161/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SZ</a>]</em></p></blockquote>
<p>Nun müßte ich lügen, wenn ich behaupten wollte, von dieser Information heute früh überrascht gewesen zu sein. Denn Indizien, daß v.a. die Kinder-Leukämierate in der Nähe vieler Kernkraftwerke erhöht ist, gab es schon viele. Und wenn sich am Montag die ersten Politiker oder auch die Chefs der Energieunternehmen zu Wort melden werden und dann beschwichtigend-ahnungslos etwas von einer angeblichen »Überraschung« in die Mikrofone murmeln, dann werde ich umgehend einen weiteren Artikel einstellen und diese Herrschaften als das bezeichnen, was sie sind: als »Heuchler« nämlich.</p>
<h4 class="pullquote_left">Die aktuelle Studie kann nicht überraschen: ähnliche Befunde und viele Indizien liegen seit 20 Jahren vor. Wollte oder konnte man nicht mehr wissen?</h4>
<p><strong>Die Heuchler und Risikoverneiner laufen sich vermutlich schon warm </strong></p>
<p>Denn wer sich nur ein klein wenig mit den potentiellen Risiken der zivilen Nutzung der Kernenergie auseinandersetzt, nur ein klein wenig die lange Geschichte der Stör- und Beinaheunfälle in den Kernkraftanlagen dieser Welt kennt, der wird niemals behaupten können, daß ihn ein solches Untersuchungsergebnis »überrascht«. Denn wie gesagt: die Verdachtsmomente und Einzelstudien, die zu ähnlichen Befunden kamen, liegen schon lange vor.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_2_153" id="identifier_2_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Freilich &ndash; und das ist die Crux an diesem Gesch&auml;ft &ndash; sind die Ergebnisse nur sehr selten eindeutig. Die Fallzahlen sind zu gering, die Streuung zu breit, als da&szlig; man daraus starke Schlu&szlig;folgerungen mit Sicherheit ableiten k&ouml;nnte.">3</a> Und wer zu Protokoll gibt, daß man das alles ja nicht habe wissen »können«, dem werde ich die Frage stellen, ob man es vielleicht gar nicht habe wissen »wollen«. Was ein kleiner aber wichtiger Unterschied wäre.</p>
<p>Die Mainzer Studie ist nach ersten Informationen endlich belastbar genug, daß man nun evtl. auch frühere Fälle neu aufrollen könnte. Freilich betonen die Wissenschaftler auch, daß es nach strahlenbiologischen Erkenntnissen keine Erklärungen für diese Häufung gebe.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_3_153" id="identifier_3_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Um dies nochmals klarzumachen: diese Argumentation grenzt an Naivit&auml;t &ndash; denn nur weil etwas bislang nicht erkl&auml;rbar ist, hei&szlig;t das noch lange nicht, da&szlig; diese Effekte nicht vorhanden sind.">4</a> Im Klartext heißt das freilich: diese dokumentierten Fälle »dürfte« es eigentlich nicht geben. Spannend wird also, wie man mit diesen irritierenden Befunden umgehen wird.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_4_153" id="identifier_4_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zu bef&uuml;rchten ist nat&uuml;rlich, da&szlig; man die Zahlen letztlich doch durch Zuf&auml;lle wegerkl&auml;rt.">5</a> Nach SZ-Angaben steht in der Studie aber auch:</p>
<blockquote><p>&#8222;Unsere Studie hat bestätigt, dass in Deutschland ein Zusammenhang zwischen der Nähe der Wohnung zum nächstgelegenen Kernkraftwerk zum Zeitpunkt der Diagnose und dem Risiko, vor dem fünften Geburtstag an Krebs (bzw. Leukämie) zu erkranken, beobachtet wird.&#8220; <em>[<a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/wissen/artikel/504/147161/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SZ</a>]</em></p></blockquote>
<p>Indizien genau dafür gab und gibt es schon lange. Erinnert sei nur an die langen Auseinandersetzungen um die auffällige Häufung von Leukämiefällen Ende der 80er Jahre im unmittelbaren Umfeld des KKW Krümmel.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_5_153" id="identifier_5_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Da wenige Kilometer entfernt auch noch das Forschungszentrum GKSS der Helmholtz-Gemeinschaft ist, wo ebenfalls mit radioaktiven Materialen gearbeitet wird, kam auch diese Quelle als Ursache in Frage.">6</a> Jahre später endlich setzte die schleswig-holsteinische Landesregierung eine Untersuchungskommission ein &#8211; und nach jahrelangen Gutachterstreits, politischen Einflußnahmen, Hysterievorwürfen und Polemiken gaben 6 von 9 Kommissionsmitgliedern entnervt auf. Die Landesregierung habe &#8211; so die Erklärung der Wissenschaftler &#8211; ihre Recherchen zum Teil massiv behindert. Und am Ende ging die Sache aus wie das Hornberger Schießen: ergebnislos.</p>
<p><strong>Die Kunst der Agnotologie: Mehr Studien, mehr Experten = mehr Unsicherheit</strong></p>
<h4 class="pullquote">Eine der bewährtesten Strategien, um Indizien zu verwischen und zu verschleiern: man gebe neue Gutachten in Auftrag. Und schon werden neue Eventualitäten entdeckt, die im Ergebnis alles nur noch fragwürdiger erscheinen lassen. Und wo es eben neue Fragen gibt, da bleibt am Ende alles offen…</h4>
<p>Ein Konsens konnte nicht hergestellt werden und andere Ursachen für die vielen Leukämietodesfälle in der direkt neben dem AKW liegenden Gemeinde Elbmarsch konnten niemals ausgeschlossen werden. Aber &#8211; so läuft die Sache in der Juristerei und in der Wissenschaft &#8211; wenn auch andere Ursachen in Betracht kommen, wenn auch andere potentielle Täter am Tatort nicht ausgeschlossen werden können, so kommt der Verdächtige wieder auf freien Fuß. Damals in Krümmel wurden die anderen »möglichen« Ursachen für die Todesfälle geradezu multipliziert:</p>
<blockquote><p>&#8222;Waren Viren Schuld an der Leukämie? Schadstoffe in der Elbe? Aerosole aus dem Fluss, die an der Staustufe aufgewirbelt werden? Chemikalien aus heute oder früher ansässigen Unternehmen? Oder Wegebaumaterial, Altlasten auf Kinderspielplätzen? Muttermilch, Kuhmilch, Pflanzenschutzmittel? Selbst einer Mäuseplage im Jahr 1989 wurde nachgegangen und der Frage, ob der Deich mit Schädlingsbekämpfungsmitteln begast wurde – wurde er nicht.&#8220; [<em>Quelle: <a href="http://images.zeit.de/text/2004/49/Geesthacht_49" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die ZEIT</a>, 25.11.2004</em>]</p></blockquote>
<p>Es geht hier nicht darum, die jeweiligen Landesregierungen der absichtlichen Verschleierung  solcher Technologienebenfolgen zu bezichtigen. Aber bevor man eben den Energiekonzernen (die ja auch sehr gute Steuerzahler sind) die Tür vor der Nase zuschlägt und gar eine Stillegung einzelner AKWs aus Risikoerwägungen in Betracht zieht, will man es eben ganz genau wissen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_6_153" id="identifier_6_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hier spielt nat&uuml;rlich auch eine Rolle, da&szlig; man im Ernstfall vor Entsch&auml;digungsklagen zur&uuml;ckschreckt; denn wenn sich irgendwann einmal erweisen lie&szlig;e, da&szlig; die Leuk&auml;mief&auml;lle nicht auf die AKWs, sondern auf andere Ursachen zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden m&uuml;&szlig;ten, st&uuml;nden die Stromkonzerne sofort auf der Matte.">7</a> Und da die kausalen Zusammenhänge eben nur sehr indirekt entschlüsselt werden können, Ursache und Wirkung nur über viele Zwischenschritte in Beziehung stehen, liegen wirkliche »Beweise« letzten Endes fast nie vor.</p>
<p><strong>Nicht-Wissen-Wollen: Wieso gibt es in Deutschland kein zentrales Krebsregister?</strong></p>
<p>Aber daß dem auch zukünftig so bleibt, daß also die potentiell kritischen Studien erst gar nicht so belastbar sind wie notwendig, daran wirkt die bundesdeutsche Politik stillschweigend schon lange mit. Denn auch heute im Jahr 2007 gibt es in Deutschland kein einheitliches Register, in dem alle Krebsfälle oder zumindest einzelne Tumorerkrankungen erfaßt würden. Daß man ansonsten weniger Scheu zeigt, bestimmte Daten zu erheben, ist bekannt &#8211; daran kann es nicht liegen. Bisweilen versteckt man sich hinter der Ausrede, daß eben die epidemiologische Krebsregistrierung in Landesgesetzen geregelt werde. Also ist der Föderalismus dafür verantwortlich, daß zwar im Saarland oder in Hamburg seit Ende der 60er Jahre solche Register geführt werden, in anderen Bundesländern aber bis heute nicht.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_7_153" id="identifier_7_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und wie bezeichnend ist es, da&szlig; es ausgerechnet in diesen einwohnerschw&auml;chsten Staaten diese Register seit 30 Jahren gibt? In Baden-W&uuml;rttemberg aber beginnt man gerade jetzt 2007 mit dem Aufbau solcher Institutionen. Die Zahlen Hamburgs k&ouml;nnte man sich n&auml;mlich (aufgrund der doch geringen Einwohnerzahl) getrost sparen.">8</a></p>
<h4 class="pullquote">Während es in vielen Ländern seit langem zentrale Krebsregister gibt, ist das kein Anliegen der Bundesregierung. Will man eventuell manche Dinge schlicht nicht wissen…?</h4>
<p>In anderen Ländern sind solche Krebsregister schon seit Jahrzehnten etabliert. Während meiner Mitarbeit an einer Studie zur Risikokommunikation für die EU (Projekt STARC)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_8_153" id="identifier_8_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Mehr Infos waren u.a. hier zu lesen.">9</a> erfuhr ich beiläufig, daß man etwa in Österreich oder der Tschechei über diesen deutschen Sonderweg nur den Kopf schüttelt. Und selbst das der Mainzer Studie zugrundeliegende Kinderkrebsregister basiert quasi auf einer Privatinitiative. Angesiedelt ist es am Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universität Mainz &#8211; ein Gesetz oder gar eine Meldeverpflichtung gibt es freilich nicht.</p>
<p>Es bleibt der Freiwilligkeit der Kinderärzte und Onkologen überlassen &#8211; wäre ja auch zuviel verlangt, wenn man hier die Kliniken oder die Krankenkassen in die Pflicht nähme, denn am Ende würde man ja möglicherweise aufgrund eines tatsächlich umfassenden, flächendeckenden Registers Zusammenhänge erkennen, von denen man lieber nichts gewußt hätte&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr size="1" width="100%" />
<p><em>Links: </em></p>
<ul>
<li>Bartens, Werner und Bauchmüller, Michael: <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/wissen/artikel/504/147161/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Krebsgefahr in der Nähe von Kernkraftwerken</a>, SZ, 8.12.2007</li>
<li>Christiane Grefe: <a href="http://images.zeit.de/text/2004/49/Geesthacht_49" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Spaltung</a>, Die ZEIT, 25.11.2004</li>
</ul>
<p><em>Liste der Standorte von Atomkraftwerken in der Bundesrepublik:</em></p>
<ul>
<li>Bundesamt für Strahlenschutz: <a href="http://www.bfs.de/de/kerntechnik/ereignisse/standorte/karte_kw.html/printversion" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kernkraftwerke in der BRD</a>, Stand: 20.4.2007</li>
</ul>
<p><em>Artikelserie der Wissenswerkstatt zur Risikokommunikation am Bsp. der Kernenergie:</em></p>
<ul>
<li>Marc Scheloske: <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/19/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I</a>, 19.7.2007</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<hr size="1" width="100%" />
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Empfehlenswerte Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Renn, Ortwin (2008): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1844072916?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1844072916">Risk Governance: Coping with Uncertainty in a Complex World</a> (Risk, Society and Policy), Earthscan Publications.</li>
<li>Beck, Ulrich (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518414259?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518414259">Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit</a>. Suhrkamp.</li>
<li>Gill, Bernhard (2003): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3531138383?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3531138383">Streitfall Natur</a>. Weltbilder in Technik- und Umweltkonflikten. VS-Verlag.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_153" class="footnote">Die Studie wurde im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz erstellt.</li><li id="footnote_1_153" class="footnote">Insofern ist meine einleitende Frage etwas zu pointiert bzw. die Aussage, daß verantwortliche Eltern nicht in die Nähe eines KKWs ziehen dürften, etwas zu stark formuliert&#8230;</li><li id="footnote_2_153" class="footnote">Freilich &#8211; und das ist die Crux an diesem Geschäft &#8211; sind die Ergebnisse nur sehr selten eindeutig. Die Fallzahlen sind zu gering, die Streuung zu breit, als daß man daraus starke Schlußfolgerungen mit Sicherheit ableiten könnte.</li><li id="footnote_3_153" class="footnote">Um dies nochmals klarzumachen: diese Argumentation grenzt an Naivität &#8211; denn nur weil etwas bislang nicht erklärbar ist, heißt das noch lange nicht, daß diese Effekte nicht vorhanden sind.</li><li id="footnote_4_153" class="footnote">Zu befürchten ist natürlich, daß man die Zahlen letztlich doch durch Zufälle wegerklärt.</li><li id="footnote_5_153" class="footnote">Da wenige Kilometer entfernt auch noch das Forschungszentrum GKSS der Helmholtz-Gemeinschaft ist, wo ebenfalls mit radioaktiven Materialen gearbeitet wird, kam auch diese Quelle als Ursache in Frage.</li><li id="footnote_6_153" class="footnote">Hier spielt natürlich auch eine Rolle, daß man im Ernstfall vor Entschädigungsklagen zurückschreckt; denn wenn sich irgendwann einmal erweisen ließe, daß die Leukämiefälle nicht auf die AKWs, sondern auf andere Ursachen zurückgeführt werden müßten, stünden die Stromkonzerne sofort auf der Matte.</li><li id="footnote_7_153" class="footnote">Und wie bezeichnend ist es, daß es ausgerechnet in diesen einwohnerschwächsten Staaten diese Register seit 30 Jahren gibt? In Baden-Württemberg aber beginnt man gerade jetzt 2007 mit dem Aufbau solcher Institutionen. Die Zahlen Hamburgs könnte man sich nämlich (aufgrund der doch geringen Einwohnerzahl) getrost sparen.</li><li id="footnote_8_153" class="footnote">Mehr Infos waren u.a. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/19/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> zu lesen.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/">Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>17</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
