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	<title>Luhmann Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation </description>
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	<title>Luhmann Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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		<title>Blog-Teleskop ::: Kommunikation mit Zettelkästen &#124; Werkstatt-Ticker 30</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jun 2008 09:15:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Luhmann]]></category>
		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>» Vernetzung &#38; Sichtbarkeit: Blog-Teleskop Was nutzen die tollsten Blogposts, wenn sie niemand liest? Es ist das Dilemma wissenschaftlicher Blogs, daß sie (bislang!) kaum die kritische Masse an Lesern erreichen, die notwendig wäre, daß sich besonders spannende Artikel durch Mund- bzw. Linkpropaganda herumsprächen. Ein Versuch, die Sichtbarkeit von Bloggern zu erhöhen, ist ja das Wissenschafts-Café, ... <a title="Blog-Teleskop ::: Kommunikation mit Zettelkästen &#124; Werkstatt-Ticker 30" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/blog-teleskop-kommunikation-mit-zettelkaesten-werkstatt-ticker-30/" aria-label="Mehr Informationen über Blog-Teleskop ::: Kommunikation mit Zettelkästen &#124; Werkstatt-Ticker 30">Weiterlesen</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/category/werkstatt-ticker/"><img decoding="async" class="alignright size-full wp-image-234" style="border: 1px solid #dcdcdc; margin: 6px; float: right;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/uploads/2008/04/ticker_02a.jpg" alt="Ticker.jpg" width="180" height="121" /></a><em></em></p>
<h4><span><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong> <span style="font-size: large;">Vernetzung &amp; Sichtbarkeit:<strong> Blog-Teleskop</strong><br />
</span></span></span></h4>
<p>Was nutzen die tollsten Blogposts, wenn sie niemand liest? Es ist das Dilemma wissenschaftlicher Blogs, daß sie (bislang!) kaum die kritische Masse an Lesern erreichen, die notwendig wäre, daß sich besonders spannende Artikel durch Mund- bzw. Linkpropaganda herumsprächen.</p>
<p>Ein Versuch, die Sichtbarkeit von Bloggern zu erhöhen, ist ja das <a href="http://www.wissenschafts-cafe.net/newsticker/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wissenschafts-Café</a>, das ich als Nebenprojekt betreibe. Einen anderen Weg geht nun Florian Freistetter von “Astrodicticum Simplex”. Er hat die spannendsten Blogposts der letzten Tage aus den deutschen Astronomieblogs gesichtet, zusammengefasst und kurz kommentiert.<sup><a id="identifier_0_305" class="footnote-link footnote-identifier-link"  href="#footnote_0_305">1</a></sup></p>
<p>Dieses handverlesene Best-Of ist gnadenlos subjektiv &#8211; aber gleichzeitig sehr lesenswert. Und in zwei Wochen wird das Blog-Teleskop von einem anderen Astronomieblogger verantwortet. Ich finde: unbedingt nachahmenswert!</p>
<div class="links_ticker">
<ul>
<li>Astrodicticum Simplex: <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2008/06/das-blogteleskop-1.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das <strong style="color: black; background-color: #ffff66;"></strong>Blog-Teleskop #1</a></li>
</ul>
</div>
<p><span><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong> <strong><span style="font-size: large;">Wikis als System </span></strong></span></span></p>
<p><a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Niklas Luhmanns</a> systemtheoretisches Vokabular und soziologisches Beaobachtungsinstrumentarium regt immer wieder zu kleinen Fingerübungen an. Luhmanns Begrifflichkeiten sind so raffiniert gebaut, daß sie auch für Phänomene taugen, an die der 1998 verstorbene Bielefelder Großmeister noch nicht denken konnte.</p>
<p>Was hätte Luhmann wohl zum kollaborativ-emergenten Wissensphänomene “Wiki” gesagt? Johannes Moskaliuk (selbst Wiki-Experte) hat das kurz ausprobiert. Seine Anmerkungen sind ausgesprochen lesenswert. Etwa wenn er sich die Frage stellt, wie etwa das Überraschungsmoment durch Wikis<sup><a id="identifier_1_305" class="footnote-link footnote-identifier-link"  href="#footnote_1_305">2</a></sup> neue, produktive Anschlüsse generiert,</p>
<p>Johannes zieht die Analogie zu Luhmanns eigenem Arbeitswerkzeug &#8211; dem “Zettelkasten” &#8211; als Vergleich heran.</p>
<blockquote><p>All diese Überlegungen führen Luhmann zu der Aussage, dass sein Zettelkasten ein „Zweitgedächnis, mit dem man kommunizieren kann“ sei. Und, dieser Zettelkasten ist „selbstständig“, er findet „Möglichkeiten, die so nie geplant waren“.</p></blockquote>
<p>Und tatsächlich ist ein Wiki dem gar nicht so unähnlich. Es ist simultanes Wissensspeicher- und Wissensgenerierungswerkzeug. M.a.W.: Das Wiki liefert mehr Informationen, als man (selbst) hineinsteckt.</p>
<p>Gibt es eigentlich noch andere, detaillierte Texte, die Wikis systemtheoretisch ausbuchstabieren?</p>
<p>Egal &#8211; der Text von Johannes ist wirklich klasse:</p>
<div class="links_ticker">
<ul>
<li>Moskaliuk, Johannes: <a href="http://blog.moskaliuk.com/kommunikation-mit-zettelkaesten-oder-das-offline-wiki/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kommunikation mit Zettelkästen oder Das Offline &#8211; Wiki</a>, 28.5.2008</li>
</ul>
</div>
<div class="invisible">
<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Wissenschaft%20+2.0">Wissenschaft 2.0</a></p>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Wikipedia">Wikipedia</a></p>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Luhmann">Luhmann</a></p>
<hr size="1" />
<ol class="footnotes">
<li id="footnote_0_305" class="footnote">Etwas ähnliches, allerdings nicht thematisch begrenzt und auch nicht im Wechsel mit anderen Bloggern, ist ja mein Ticker. Hier versuche ich ja eben auf verschiedene andere Blogs hinzuweisen und diesen somit auch ein wenig mehr Aufmerksamkeit zuzuspielen… [<a class="footnote-link footnote-back-link" href="#identifier_0_305">↩</a>]</li>
<li id="footnote_1_305" class="footnote">Es sind die anderen “Akteure”, die das System irritieren! [<a class="footnote-link footnote-back-link" href="#identifier_1_305">↩</a>]</li>
</ol>
<hr size="1" />
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		<title>Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 03</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-03/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Jun 2007 17:21:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Blogosphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Luhmann]]></category>
		<category><![CDATA[Popmusik]]></category>
		<category><![CDATA[Rockmusik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Juni ist ein durchaus eigentümlicher Monat. Es ist der Monat der Passage, des Übergangs. Das Frühjahr und der vielbesungene Wonnemonat Mai liegen hinter einem und am Horizont leuchten die Sommertage seligen Nichtstuns.&#160; Die Übergänge kennzeichnen sich durch Warten: die Studenten warten auf das Semesterende und versuchen hektisch, sich den Stoff für die anstehenden Prüfungen ... <a title="Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 03" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-03/" aria-label="Mehr Informationen über Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 03">Weiterlesen</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" style="border: 1px solid rgb(136, 136, 136); margin: 6px; padding: 1px;" alt="Fundstuecke_01c.jpg" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/05/Fundstuecke_01c.jpg" align="right" height="177" width="240">Der Juni ist ein durchaus eigentümlicher Monat. Es ist der Monat der Passage, des Übergangs. Das Frühjahr und der vielbesungene Wonnemonat Mai liegen hinter einem und am Horizont leuchten die Sommertage seligen Nichtstuns.&nbsp;</p>
<p>Die Übergänge kennzeichnen sich durch Warten: die Studenten warten auf das Semesterende und versuchen hektisch, sich den Stoff für die anstehenden Prüfungen reinzupauken, die Dozenten warten ebenfalls auf die Sommerpause, um den staubig-muffigen Seminarräumen zu entrinnen. Die Fernseh- und Medienschaffenden haben sich teilweise schon in ihre Feriendomizile verabschiedet und die Politikerkaste arbeitet auch nur noch mit halber Kraft und sitzt auf gepackten Koffern. </p>
<p>Warten also. Ich persönlich warte auf die anstehende <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000RG121I?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B000RG121I">Tocotronic-Platte</a>. In zwei Wochen ist es soweit und die ersten Höreindrücke sind vielversprechend. Andere warten auf den Sommerhit. Der wird nicht von Tocotronic sein, soviel steht glücklicherweise fest. Und wieder andere freuen sich auf den Sommerroman. Ein dicker Schmöker natürlich.&nbsp;</p>
<p>Um Literatur geht es auch in diesem dritten Teil der Fundstückesammlung, wenigstens ein bißchen:</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr size="1" width="100%">
<p><font color="#888888" size="5">»</font><font size="5"><font color="#888888" size="5">1.</font> </font>Zunächst geht es allerdings um einen Rückblick und zwar auf die &#8222;<a href="http://re-publica.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">re:publica</a>&#8220; vom April. Ich selbst war nicht dort, da man als bloggender Sozialwissenschaftler schließlich auch noch andere Dinge zu tun hat, als sich auf diversen Blogger-Treffen, Barcamps und ähnlichem rumzutreiben. Außerdem &#8211; ich gestehe &#8211; wurde ich weder eingeladen, noch war es mir den weiten Weg nach Berlin wert. Interessantes wurde freilich durchaus geboten, die meisten Präsentationen sind ja hinlänglich durchdiskutiert und bedürfen keiner Reanimationsversuche meinerseits. Einen der spannendsten Vorträge hielt dort sicherlich <a href="http://www.bamberg-gewinnt.de/wordpress/archives/788" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jan Schmidt</a>, der unter dem Titel &#8222;Mythen der Blogosphäre&#8220; mit so manchem Vorurteil aufräumte.</p>
<p>Vor allem kommt es ihm darauf an, die vielfältig kursierenden Annahmen und Etiketten die mit Bloggern und Blogs verknüpft sind auf ihre Substanz zu hinterfragen; mit sozialwissenschaftlichen Methoden natürlich, denn Jan Schmidt und die Forschungsstelle &#8222;Neue Kommunikationsmedien&#8220; [<a href="http://www.fonk-bamberg.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">FoNK]</a> in Bamberg haben sich durch ihre akribische Vermessungsarbeit im Feld der Blogosphäre längst zu einer zentralen Instanz gemausert, wenn man fundierte Informationen möchte, was (abseits des journalistischen Tralala) wirklich Sache ist.</p>
<p>So, damit aber genug der Lobhudelei. Der erwähnte Vortrag von Jan Schmidt ist seit wenigen Tagen jedenfalls auch online als Video eingestellt [<a href="http://re-publica.de/2007/06/14/video-mythen-der-blogosphare/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier!</a>]. In stolzen 47 Minuten erfährt man dort u.a., daß Blogs entgegen so mancher Klischees &#8222;weiblich&#8220; sind&#8230; den dreitagebärtigen, schmerbäuchigen Nerd als Prototyp des Bloggers dürfen wir also getrost verabschieden. ;-)</p>
<p>Wer sich für Jan Schmidts Arbeit interessiert ist sicher mit seinem Buch &#8222;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896695800?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3896695800">Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie</a>&#8220; gut beraten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<p></p>
<hr size="1" width="100%">
<p><font color="#888888" size="5">»</font><font size="5"><font color="#888888" size="5">2.</font> </font>Themawechsel: Vermutlich der einzige bloggende <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pal%C3%A4ontologie&amp;oldid=33027835" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Paläontologe</a> im deutschsprachigen Raum, Björn Kröger, hat sich vor wenigen Tagen in seinem stets lesenswerten Blog &#8222;<a target="_blank" href="http://www.tiefes-leben.de/" rel="noopener noreferrer">tiefes leben</a>&#8220; mit aktuellen Entwicklungen im wissenschaftlichen Publikationswesen beschäftigt. Genauer: er schildert aus eigener Erfahrung das Dilemma, die eigenen Artikel nur noch in zitationsstarken Journalen veröffentlichen zu können, wohlwissend, daß somit die weniger prestigeträchtigen Zeitschriften noch stärker ins Hintertreffen geraten. </p>
<p>Nochmal: der eigenen Karriere, der eigenen Reputation (und ein Wissenschaftler kann nur mit diesem Pfund wuchern!) zuliebe, ist es unabdingbar, daß man als Wissenschaftler gezielt die Zeitschriften auswählt, in denen man zu publizieren beabsichtigt. Das erscheint auf den ersten Blick unproblematisch. Allerdings ist es so, daß diese Logik zur Folge hat, daß &#8211; wie Björn schreibt &#8211; die renommierten Zeitschriften geradezu überrannt werden und kaum mit der Bearbeitung nachkommen. Von der Einreichung bis zur Veröffentlichung vergehen da in Björns Fachgebiet bis zu zwei Jahre! Umgekehrt stehen die vielen anderen, kleinen Zeitschriften immer häufiger vor dem Aus &#8211; ein Konzentrations- und Monopolisierungsprozeß, wie man ihn etwa aus der Marktwirtschaft kennt. </p>
</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Meine persönliche Erfahrung in den letzten Jahren sieht so aus: Ich kann es mir nicht mehr leisten in Journalen mit geringem Impakt zu veröffentlichen. Veröffentlichungen, auch wenn teilweise sinnvoll, in nicht peer gereviewten und ISI gelisteten Journalen kommt für mich nicht in Frage, weil mein wissenschaftliches Überleben davon abhängt, dass ich zitiert werde und in Journalen mit möglichst hohem ISI Faktor veröffentliche. [Quelle: tiefes leben, <a target="_blank" href="http://www.tiefes-leben.de/2007/06/15/imperialer-impakt/" rel="noopener noreferrer">imperialer impakt</a>, 15.6.2007]
</p>
</blockquote>
<p>Björn geht aber noch weiter und skizziert ein weiteres Problem seiner hochspezialisierten Arbeit: da er einer von ganz wenigen Experten auf seinem Gebiet ist, werden seine Artikel auch nach dem Erscheinen nur relativ selten zitiert. Die Zitationshäufigkeit ist aber (so dogmatisch, unflexibel und zahlenhörig ist Wissenschaftspolitik heute!) das entscheidende Kriterium, ob Wissenschaft als erfolgreich angesehen wird oder nicht. </p>
<p>In der Konsequenz werden große Forschungsprojekte bzw. Arbeiten, die von mehreren Autoren eingereicht werden, immer als &#8222;erfolgreicher&#8220; angesehen als andere. Da ja die jeweiligen Mitarbeiter in der Folgezeit genau diesen Artikel auch weiterhin zitieren werden. Einzelkämpfer haben diese Möglichkeit nicht. Und noch auf ein weiteres Problem weist Björn hin:</p>
<blockquote>
<p>Die Editoren der hochrangigen Zeitschriften erleben einen enormen Machtzuwachs, da immer mehr Arbeiten in den Top Journalen eingereicht werden. Die Top Journale werden einen immer stärkeren Einfluss auf die Inhalte und Forschungsausrichtungen der Fächer haben. [Quelle: tiefes leben, <a target="_blank" href="http://www.tiefes-leben.de/2007/06/15/imperialer-impakt/" rel="noopener noreferrer">imperialer impakt</a>, 15.6.2007]<br />&nbsp;</p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<hr size="1" width="100%">
<p><font color="#888888" size="5">»3</font><font size="5"><font color="#888888" size="5">.</font> </font>Anläßlich der <a href="http://www.strengejacke.de/2007-06-12/oekologische-kommunikation-und-klimawandel/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Re-Lektüre</a> von Niklas Luhmanns &#8222;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3531517759?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3531517759">Ökologische Kommunikation</a>&#8220; thematisiert Daniel Lüdecke die Unhintergehbarkeit des Beobachterstandpunkts. Da &#8211; und dies ist in meinen Augen eine der Hauptleistungen von Luhmanns Kommunikationstheorie &#8211; jede Beobachtung stets an ihre Unterscheidung gekoppelt bleibt, kann sie sich selbst, also den Prozeß des Beobachtens mitsamt seinen möglichen Schwachpunkten, nicht gleichzeitig in den Blick nehmen. </p>
<p>Oder anders formuliert: in jeder Situation in der wir unsere Umwelt beurteilen bzw. beobachten, benötigen wir eine Unterscheidung. Wenn wir am Badesee vorsichtig tastend die Zehenspitzen ins Wasser halten bspw. diejenige von warm|kalt. Ob diese Unterscheidung angemessen ist, kann allerdings nur eine sog. &#8222;Beobachtung 2. Ordnung&#8220; feststellen. Denn ein anderer Beobachter könnte möglicherweise sehen, daß die Temperatur in diesem Moment überhaupt nicht erste Priorität hat, wenn sich im Schilfgürtel des Seeufers gerade eine Schnappschildkröte aufhält. Gefahr|Nicht-Gefahr wäre also eine alternative Beobachtungsform, die aber ihrerseits hinsichtlich ihrer Unterscheidungswahl wieder blind ist.&nbsp;</p>
<p>Aber entfernen wir uns wieder von den trivialen Niederungen des Badevergnügens &#8211; und nähern uns der Verallgemeinerung an: was wir aus diesen Überlegungen im Anschluß an Luhmann lernen können ist, daß jede Beobachtung einen unhintergehbaren &#8222;blinden Fleck&#8220; aufweist; nämlich nicht sehen kann, was sie <em>nicht</em> sehen kann. Um also die Beobachtungsadäquanz zu beurteilen, bedarf es einer Beobachtung 2. Ordnung, die selbst wieder nicht zwangsläufig besseres, sondern lediglich anderes Wissen generiert.  </p>
<p>Daniel Lüdecke kommt zum Schluß: </p>
<blockquote>
<p>Die Eigengesetzlichkeiten der Kommunikation müssen durch Selbstbeobachtung beobachtet werden, um zu verstehen, warum geschieht, was geschieht, und warum nicht geschieht, was vielleicht geschehen sollte. Erst wenn diese Eigengesetzlichkeit der Gesellschaft (=Kommunikation) mit hinreichend komplexen Theorien analysiert werden kann, können vernünftige Argumente und funktionale Äquivalente oder Lösungen entwickelt werden.</p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Weiterführende Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Niklas Luhmann und Dirk Baecker (2006<span class="sans">): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896704591?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3896704591">Einführung in die Systemtheorie</a>. Carl-Auer.</span></li>
<li><span class="sans">Niklas Luhmann (2004): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3531517759?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3531517759">Ökologische Kommunikation</a>. VS-Verlag.</span></li>
<li><span class="sans">Niklas Luhmann (1984): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518282662?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518282662">Soziale Systeme</a>. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Suhrkamp.</span> </li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<hr size="1" width="100%">
<p><font color="#888888" size="5">»</font><font size="5"><font color="#888888" size="5">4.</font> </font>Was ist denn in Uhlmann gefahren, mag man sich fragen. Ziemt es sich neuerdings für Rockstars sich in der Hauptstadtpostille &#8222;Tagesspiegel&#8220; über die Befindlichkeiten, Sorgen und Nöte junger Väter auszulassen?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-03/#footnote_0_41" id="identifier_0_41" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und da ich mit dem Hinweis auf Thees Essay nun einige Tage gewartet habe, bis diese Fundst&uuml;ckesammlung komplett wird, wurde auch schon anderswo, z.B. im Spreeblick oder bei Franzi und hier darauf verwiesen. Das kommt davon, wenn man sich Zeit l&auml;&szlig;t. ;-) ">1</a> Aber wenn Thees Uhlmann ein Prinzip verinnerlicht hat, dann ist es dasjenige, sich nicht um Erwartungen zu scheren. Immer geraderaus oder &#8211; Uhlmanns Freund Marcus Wiebusch zitierend &#8211; &#8222;mach immer, was dein Herz Dir sagt.&#8220;&nbsp;</p>
<p>Das sind also die Prämissen, unter die Uhlmann &#8211; seines Zeichens Kopf und Sänger der unvergleichlich charmanten Hamburger Indieband &#8222;Tomte&#8220; &#8211; seinen Lebensentwurfs stellt. Man verdankt Uhlmann einige der authentischsten Zeilen in der Geschichte der Rockmusik und viele unvergessene Konzerte. Und daß er es verdammt Ernst meint mit der Aufforderung, die Schönheit der Chance zu ergreifen und all das zu umarmen, was einem gefällt, war ohnehin längst klar.</p>
<p>Nun ist auch öffentlich, weshalb der Tomte-Clan dieses Jahr nicht mit neuer Platte aufwarten kann. Denn Thees ist Vater geworden. Offenbar schon im April. Und über seine Erfahrungen gibt er unter der netten Überschrift &#8222;<a href="http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Frauen-Maenner;art7754,2326890" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Von Windeln verweht</a>&#8220; Auskunft:</p>
</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><a name="ar_text"></a>Also, in aller erster Linie soll dieser Text eine tiefe Verneigung vor den Damen dieser Welt sein für das, was sie vor der Schwangerschaft, während der Schwangerschaft und vor allen Dingen nach der Schwangerschaft über sich ergehen lassen müssen. Hut ab!
</p>
</blockquote>
<p>So ein wenig vermisst man dann auch die Rotzig- und Respektlosigkeit, die Uhlmann sonst auszeichnet. Der Text ist &#8211; jedenfalls meiner bescheidenen Ansicht nach &#8211; gehörig inkohärent und lässt den roten Faden vermissen. Einige Passagen sind dennoch bemerkens- und festhaltenswert, so z.B.:</p>
</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><a name="ar_text1"></a>Ich gebe zu, ein Kind zu haben, ist zu 90 Prozent der Himmel. Aber zu zehn Prozent ist es die gottverdammte Hölle. Wenn das Kind schreit – und merke, wenn das Kind schreit, hat es immer recht! – dann ist das kein Weinen, wie wenn man sich den kleinen Zeh nachts am Bettpfosten gestoßen hat. Das ist ein Geräusch vom Ende der Seele. </p>
</blockquote>
<p>Ja, das ist der Uhlmann, von dem man gerne mehr lesen würde. Aber vermutlich hat der Nachwuchs auch während der Abfassung des Textes genau das getan, worüber Thees schreibt: geheult nämlich und den jungen Papa nicht in Ruhe schreiben lassen. So ist es kein Artikel wie aus einem Guß geworden, dafür endet er mit einem schönen Plädoyer bzw. einer Aufforderung an zumindest den männlichen Teil der Leserschaft:</p>
</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><a name="ar_text2"></a>Haben Sie Langeweile, starke Nerven, eine Dame, bei der sie sich vorstellen können, sie 20 Jahre zu lieben, und haben Sie alle dummen Bars und dummen Typen dieser Stadt gesehen? Ja? Gut, dann sage ich: Machen Sie mal schnell ein Kind.
</p>
</blockquote>
<p>&nbsp;Sollte dem noch etwas hinzuzufügen sein?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
</p>
<hr size="1" width="100%">
<p><font color="#888888" size="5">»5</font><font size="5"><font color="#888888" size="5">.</font> </font>Und wo wir abschließend bei Musik sind: einer der vielversprechendsten Musiker und Songwriter unserer Zeit ist der 34-jährige <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Damien_Rice" rel="noopener noreferrer">Damien Rice</a>. Bereits 2002 hatte der gebürtige Ire mit dem Album &#8222;O&#8220; für wahre Begeisterungsstürme gesorgt, dann mit Liveauftritten sich weiteres Renommee erarbeitet und schließlich Ende 2006 sein zweites Album vorgelegt. </p>
<p>Dieses ist &#8211; Rice ist kein Elegiker &#8211; ebenfalls recht unscheinbar mit &#8222;9&#8220; betitelt. Was so bescheiden daherkommt, offenbart allerdings beim Hören der Popsongs ein Strahlen, das seltene Intensität besitzt. Wundervoll zart instrumentiert sind die Lieder von Rice. Und von beeindruckender Schönheit. Im Zentrum steht Rice&#8216; kraftvolle Stimme, die aber nie überwältigt, sondern stets die Möglichkeit ihrer Fragilität kenntlich macht. Große Gefühle, Emotionalität und bescheidene, fast introvertierte Klänge gehen so Hand in Hand. Einer der zerbrechlichsten Songs ist die Singleauskopplung &#8222;9 Crimes&#8220;, das Rice im Duett mit Lisa Hannigans singt. Dazu gibt es ein sehr schönes Video.&nbsp; </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><object height="350" width="425"><param value="http://www.youtube.com/v/smKb79ltpaU" name="movie"><param value="transparent" name="wmode"><embed wmode="transparent" type="application/x-shockwave-flash" src="http://www.youtube.com/v/smKb79ltpaU" height="350" width="425"></object></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>CD-Tipps:</em></p>
<ul>
<li>Damien Rice (2002): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B0000AXKRB?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B0000AXKRB">&#8222;0&#8220;&nbsp;</a> |&nbsp; Damien Rice (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000IY03ZA?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B000IY03ZA">&#8222;9&#8220;</a>&nbsp;</li>
<li>Tomte (2006):&nbsp; <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000CR78NI?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B000CR78NI">Buchstaben über der Stadt</a>.</li>
<li>Tocotronic (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000RG121I?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B000RG121I">Kapitulation.</a>&nbsp;</li>
</ul>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_41" class="footnote">Und da ich mit dem Hinweis auf Thees Essay nun einige Tage gewartet habe, bis diese Fundstückesammlung komplett wird, wurde auch schon anderswo, z.B. im <a href="http://www.spreeblick.com/2007/06/25/schreibende-sanger/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spreeblick</a> oder bei <a href="http://blog.franziskript.de/?p=2231" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Franzi</a> und <a href="http://www.randpop.de/index.php/2007/06/25/thees-u-schreibt-ueber-die-freuden-eines-vaters/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> darauf verwiesen. Das kommt davon, wenn man sich Zeit läßt. ;-) </li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-03/">Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 03</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Jun 2007 13:51:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Blogosphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Luhmann]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Stauraum in der Werkstattecke wird schon wieder knapp. Kein Wunder, wenn man bei all den Turbulenzen um G-8-Gipfel und die sie umrahmenden Proteste und die Dopingbeichten der Radprofis kaum mehr Zeit hat, konzentriert und in Ruhe in der Werkstatt zu arbeiten. Und wenn man sich dann noch unversehens mit einer Abmahnung konfrontiert sieht, dann ... <a title="Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/" aria-label="Mehr Informationen über Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/">Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" width="240" height="177" align="right" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/05/Fundstuecke_01c.jpg" alt="Fundstuecke_01c.jpg" style="border: 1px solid rgb(136, 136, 136); margin: 6px; padding: 1px;" />Der Stauraum in der Werkstattecke wird schon wieder knapp. Kein Wunder, wenn man bei all den Turbulenzen um G-8-Gipfel und die sie umrahmenden Proteste und die Dopingbeichten der Radprofis kaum mehr Zeit hat, konzentriert und in Ruhe in der Werkstatt zu arbeiten.</p>
<p>Und wenn man sich dann noch unversehens mit einer <a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/04/abmahnwelle-in-sachen-doping-wie-schnell-man-unbeabsichtigt-persoenlichkeitsrechte-verletzt-welche-rechercheverpflichtungen-habe-ich-als-blogger/" rel="noopener noreferrer">Abmahnung</a> konfrontiert sieht, dann ist die entspannte Blogroutine ohnehin erstmal dahin. Ich hätte vor wenigen Tagen auch nicht gedacht, daß ich mich so schnell mit den juristischen Vokabeln von Abmahnungen, Unterlassungsverpflichtungserklärungen oder sog. Schutzschriften auseinandersetzen muß.&nbsp;</p>
<p>Unterdessen hat sich im Fundstücke-Fundus allerdings wieder etwas angesammelt:</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">1.</font> </font>Einer der produktivsten und faszinierendsten Denker des 20. Jahrhunderts ist der Soziologe <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Niklas Luhmann</a>. Der gelernte Jurist und Verwaltungsexperte entwickelte ab Ende der 60er Jahre eine soziologische Systemtheorie, die in origineller Weise an philosophische, literarische oder biologische Konzepte anknüpft und selbst vielfältiges Anregungspotential für weitere (Gedanken-)Gänge liefert.</p>
<p>In fast allen Texten des umfänglichen Werks Luhmanns, der 1998 verstarb, kann der aufmerksame Leser die Spur jenes Hilfsmittels nachverfolgen, das den Entstehungs- und Schreibprozeß Luhmanns begleitet und geprägt hat: <strong>die Spur des Zettelkastens.</strong> </p>
<p>Seine Lektüreerkenntnisse, Gedanken, Verweise, alles, was Luhmann in den Sinn kam, verzeichnete und verschlagwortete er auf Zetteln, die er nach einem strikten System, das Querverweise berücksichtigte, in einen Zettelkasten einordnete. Jeder Essay Luhmanns, jedes Kapitel eines Buchs  ist dann jeweils ein Beutezug, den Luhmann selbst in seinem Zettelkasten unternimmt. Die Architektur seines Denkens hat Luhmann in seinem Zettelkasten konserviert; die Architektur des Zettelkastens (dessen interne Komplexität und Anregungspotential) prägte dann im Schreibprozeß das Denken Luhmanns.</p>
<p><a href="http://www.media-ocean.de/2007/06/02/video-niklas-luhmann-erklaert-den-zettelkasten/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Steffen Büffel</a> hat einen kurzen Mitschnitt eines Luhmann-Porträts aus den 70ern aufgestöbert (ursprünglich aus der Doku &quot;Beobachter im Krähennest&quot;), wo der Meister selbst seinen Zettelkasten vorführt:</p>
<p><object width="425" height="350"><param value="http://www.youtube.com/v/tu3t_zzHJJs" name="movie" /><param value="transparent" name="wmode" /><embed width="425" height="350" wmode="transparent" type="application/x-shockwave-flash" src="http://www.youtube.com/v/tu3t_zzHJJs" /></object> </p>
<p></p>
<p>Inzwischen hat Alexander Filipovic unter &quot;<a href="http://geloggd.alexander-filipovic.de/2007/06/03/niklas-luhmann-als-video/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">geloggd</a>&quot;, die Sammlung mit Luhmann-Nostalgie-Videos komplettiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">2.</font> </font>Während mir ein Abmahnschreiben frech und zähnefletschend aus meinem Mailpostfach entgegen lächelt, widmen sich an anderer Stelle bloggende Kollegen genau dieser unerfreulichen Begleiterscheinung der Blogrealität. Abmahnungen sind Gegenstand der <a target="_blank" href="http://upload-magazin.de/?p=413" rel="noopener noreferrer">ersten Ausgabe </a>des &quot;Upload-Magazins&quot;, das sich der Thematik aus unterschiedlichen und sehr spannenden Blickwinkeln nähert.</p>
<p>Einerseits wird einem das kleine Einmaleins des Abmahnwesens kurz und prägnant vermittelt (z.B. im Beitrag &quot;Die 6 W des Abmahnens&quot;), andererseits gibt es auch Erfahrungsberichte von Betroffenen (Kirstin Walther vom &quot;<a target="_blank" href="http://www.saftblog.de/" rel="noopener noreferrer">Saftblog</a>&quot;) und Interviews mit Abmahnern (u.a. mit Folkert Knieper von &quot;Marions Kochbuch&quot;) zu lesen. Die Zusammenstellung ist spannend, informativ und kontrovers. Abgerundet wird das Ganze durch einige Überlegungen von Raphael Raue vom <a target="_blank" href="http://www.onezblog.de/" rel="noopener noreferrer">Onezblog</a> zu einer Blogethik und einem Ausblick in die Abmahnpraxis in anderen Ländern. Mit dem Urheberrecht beschäftigt sich ein Interview mit Rechtsanwalt Johannes Richard. </p>
<p>Die graphische Gestaltung ist meiner bescheidenen Ansicht nach sehr gut gelungen und das Magazin sollte Pflichtlektüre für alle aktiven Blogger werden!</p>
<p>Heruntergeladen werden kann diese Premierennummer [als PDF] des Uploadmagazins <a target="_blank" href="http://upload-magazin.de/magazin" rel="noopener noreferrer">hier</a>! </p>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»3</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">.</font> </font>Die Arbeit von Ärzten interessiert mich, wie in <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/27/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">früheren Artikeln</a> nachzulesen ist, nicht nur wenn es sich um Sportmediziner handelt. Ich habe mich immer wieder mit den Strukturen des Gesundheitssystems, der Arbeitssituation von Ärzten und medizinischen Fragestellungen befasst und innerhalb dieses aktuellen <a target="_blank" href="http://www.zeit.de/2007/24/M-EBM?page=1" rel="noopener noreferrer">ZEIT-Interviews </a>(7.6.2007) mit Dr. Edmund Neugebauer<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/#footnote_0_39" id="identifier_0_39" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Edmund Neugebauer ist Vorsitzender des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin und Direktor des Instituts f&uuml;r Forschung in der Operativen Medizin der Universit&auml;t Witten/Herdecke">1</a> werden einige Themen aufschlußreich angesprochen.</p>
<p>Im leider recht kurzen Gespräch unter dem Titel &quot;<a target="_blank" href="http://www.zeit.de/2007/24/M-EBM?page=1" rel="noopener noreferrer">Patient und Arzt auf Augenhöhe</a>&quot; weist Neugebauer u.a. darauf hin, daß die wahre Souveränität eines Arztes gerade darin zeige, wenn er in Zweifelsfällen auf die größere Expertise seiner Kollegen verweise. Interessant ist seine Anmerkung zum zwangsläufig eingeschränkten Wahrnehmungshorizont eines Arztes im Hinblick auf die Patientenzufriedenheit und erfolgreiche Behandlungen; Neugebauer führt aus:</p>
<blockquote>
<p>Denn er sieht oft nur die Patienten wieder, denen er mit seiner Behandlung geholfen hat. Die anderen, denen es durch seine Bemühungen nicht besser und manchmal sogar schlechter geht, wechseln zu einem Kollegen. Der Arzt hat also eine verschobene Wahrnehmung, die durch Zufall bestimmt sein kann und auf keinen Fall repräsentativ ist. </p>
</blockquote>
<p>&nbsp;Lesenswert!</p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">4.</font> </font>Der immer lesenswerte Sciblog weist <a href="http://www.sciblog.at/stories/8889/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">diesmal </a>auf eine in Science veröffentlichte Stellungnahme hin, die sich mit der bereits bekannten Resistenzbildung von Unkräutern gegen die derzeit dominierenden Totalherbizide mit dem Wirkstoff <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Glyphosat" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Glyphosat</a> befaßt. </p>
<p>Ursprünglich waren die Biotech-Firmen angetreten, um durch den Griff in den Werkzeugkasten &quot;Grüne Gentechnologie&quot; den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln effizienter und eleganter zu machen. Denn zunächst besteht schlicht das Dilemma, daß ein Herbizid sowohl die Nutzpflanze, als auch das als Unkraut etikettierte Gewächs schädigt. Dem US-Konzern <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Monsanto" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Monsanto</a> gelang es, gentechnisch veränderte Pflanzen zu entwickeln, die gegen das präferierte Herbizid Glyphosat resistent sind.</p>
<p>Nach diesem Erfolg vermarktete Monsanto das maßgeschneiderte Saatgut und das Totalherbizid unter dem Markennamen &quot;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Roundup" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Roundup</a>&quot; im Paket. Seit einigen Jahren [siehe den lesenswerten <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17469/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">telepolis-Artikel</a>!] mehren sich nicht nur die Hinweise, daß Glyphosat doch nicht so umweltverträglich ist wie versprochen, sondern auch, daß außerdem immer mehr Beipflanzen (=Unkräuter) Toleranzen entwickeln. Dieser Effekt wird natürlich dadurch verstärkt, daß glyphosatbasierte Herbizide eine marktdominierende Stellung einnehmen. Es gibt wenige Alternativen und aufgrund der breitflächigen Anwendung reichlich Gelegenheit zur Resistenzbildung. Auch hier zeigt sich also, daß Monopolbildungen unerwünschte Effekte zeitigen.</p>
<p>Der kritische Beitrag von Robert F. Service mit dem Titel &quot;<a href="http://www.sciencemag.org/cgi/content/summary/sci;316/5828/1114" target="_blank" rel="noopener noreferrer">A Growing Threat Down on the Farm</a>&quot;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/#footnote_1_39" id="identifier_1_39" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Science 25 May 2007: Vol. 316. no. 5828, pp. 1114 &ndash; 1117">2</a> nimmt Bezug auf die ebenfalls in Science veröffentlichte Studie von <a href="http://www.sciencemag.org/cgi/content/abstract/316/5828/1185" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Behrens et al</a>.,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/#footnote_2_39" id="identifier_2_39" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. &quot;Dicamba Resistance: Enlarging and Preserving Biotechnology-Based Weed Management Strategies&quot;, Behrens et. al., Science 25 May 2007: Vol. 316. no. 5828, pp. 1185 &ndash; 1188">3</a> die über die <a href="http://derstandard.at/?url=/?id=2893665" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">erfolgreiche Veränderung</a> des Erbgutes der Sojabohne berichtet. Von der Forschergruppe um Mark Behrens von der Universität Nebraska wurde in die Sojabohne, nach dem selben Prinzip wie bei Glyphosat, ein Resistenzgen gegen das hier schlagkräftige Herbizid Dicamba eingebracht. Die Frage ist freilich, ob man hier sehenden Auges wieder in die Falle der problematischen Resistenzbildung läuft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_39" class="footnote">Edmund Neugebauer ist Vorsitzender des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin und Direktor des Instituts für Forschung in der Operativen Medizin der Universität Witten/Herdecke</li><li id="footnote_1_39" class="footnote"><em>Science</em> 25 May 2007: Vol. 316. no. 5828, pp. 1114 &#8211; 1117</li><li id="footnote_2_39" class="footnote">vgl. &quot;Dicamba Resistance: Enlarging and Preserving Biotechnology-Based Weed Management Strategies&quot;, Behrens et. al., <em>Science</em> 25 May 2007: Vol. 316. no. 5828, pp. 1185 &#8211; 1188</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/">Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Hilflose Heiler » Wie krank macht das Gesundheitssystem seine Mitglieder?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Apr 2007 11:05:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Luhmann]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Paradoxien]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie & Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Ausgangssituation ist alltäglich und schnell skizziert: wer ein Stechen im Knie oder ein Ziehen im Unterbauch verspürt, begibt sich zur Behandlung der fraglichen Beschwerden zu einem Arzt oder in schwereren Fällen sofort in eine Klinik. Dort erwartet den Patienten das medizinisch geschulte Fachpersonal, das den Ursachen der Krankheit mit allerlei (Diagnose-)Techniken und Instrumenten auf ... <a title="Hilflose Heiler » Wie krank macht das Gesundheitssystem seine Mitglieder?" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/" aria-label="Mehr Informationen über Hilflose Heiler » Wie krank macht das Gesundheitssystem seine Mitglieder?">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/">Hilflose Heiler » Wie krank macht das Gesundheitssystem seine Mitglieder?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Ausgangssituation ist alltäglich und schnell skizziert: wer ein Stechen im Knie oder ein Ziehen im Unterbauch verspürt, begibt sich zur Behandlung der fraglichen Beschwerden zu einem Arzt oder in schwereren Fällen sofort in eine Klinik. Dort erwartet den Patienten das medizinisch geschulte Fachpersonal, das den Ursachen der Krankheit mit allerlei (Diagnose-)Techniken und Instrumenten auf den Grund geht. Wachen und erfahrenen Auges, hochkonzentriert und beseelt von dem Wunsch zu helfen, zu lindern und zu heilen, rückt der Arzt dem gequälten Patienten buchstäblich auf den Leib.</p>
<p><strong>Das Gesundheitssystem als Beobachtungs- und Etikettiermaschine </strong></p>
<p>Was könnte selbstverständlicher sein? Der kranke Mensch hat den naheliegenden Wunsch, von seinen Leiden befreit zu werden. Und, wenn die Mittelchen der Hausapotheke, all die Kräutertees und Aspirin nicht mehr weiterhelfen, dann wird eben ein Fachmann konsultiert. Und zunächst müsste man diesem selbstverständlichen Vorgang auch keine weitere Beachtung schenken.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_0_23" id="identifier_0_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Interessant wird es &ndash; und das soll im vorliegenden Text skizziert werden &ndash; wenn man den Konsequenzen nachsp&uuml;rt, die sich aus den dem Medizinsystem zugrundeliegenden Leitdifferenzen/Beobachtungsmustern zwangsl&auml;ufig? ergeben.">1</a> Schließlich ist das Gesundheitssystem dasjenige gesellschaftliche Funktionssystem, das die Aufgabe der Salutogenese, also der &#8218;Gesundwerdung&#8216;, innehat. <strong>Die Grundunterscheidung</strong> bzw. Leitdifferenz [wenn man hier die Luhmann&#8217;sche Terminologie verwenden will]<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_1_23" id="identifier_1_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Niklas Luhmann hat sich nur in wenigen Texten explizit mit dem Gesundheitswesen befasst. Allerdings erscheint die konstruktivistische Perspektive besonders geeignet, das Gesundheitssystem in den Blick zu nehmen; denn was anderes als &sbquo;Konstrukte&lsquo; sind die Etiketten Gesundheit/Krankheit, die ja eben, wenn sie nicht beobachtet und [differentialdiagnostisch] unterschieden w&uuml;rden, tats&auml;chlich irrelevant w&auml;ren. Gerade die hochtechnisierte Medizin unserer Zeit hat den ehemals vorhandenen Zusammenhang zwischen &sbquo;erlebt-erlittenen&lsquo; [=sp&uuml;rbaren] Symptomen und Behandlungsbed&uuml;rftigkeit aufgel&ouml;st.
Die Terminologie und Handlungslogik der Medizin ist nicht mehr direkt an die K&ouml;rper- und Sinneswelt des Patienten gekoppelt. Oftmals ist es erst und ausschlie&szlig;lich die &sbquo;Beobachtung&lsquo; durch Instanzen des Gesundheitssystems, die einen Menschen zu einem Patienten macht. Denn was w&uuml;&szlig;te der erkrankte Mensch bei fehlenden Schmerzen und Symptomen von seiner in seinem K&ouml;rper befindlichen &sbquo;Krankheit&lsquo; ohne das &sbquo;Beobachtungssystem&lsquo; Medizin? vgl. u.a. Luhmann, Niklas (1990): Der medizinische Code, in ders., Soziologische Aufkl&auml;rung 5, Konstruktivistische Perspektiven, Opladen 1990, S.183-217. ">2</a> <strong>ist diejenige von krank|nicht-krank</strong>. Was also das Gesundheitswesen als &#8218;<em>System</em>&#8218; interessiert, ist die Frage, ob die Klienten in das bezeichnete Schema passen, also <em>krank</em> sind und &#8211; dieser Punkt ist tatsächlich von entscheidender Bedeutung! -, ob dem <em>System Medizin</em> geeignete Verfahren zur Verfügung stehen, um diagnostizierte Krankheit in <del>vorläufige?</del> Gesundheit zu transformieren.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_2_23" id="identifier_2_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Es erscheint banal, aber ein kurzer Blick in die &auml;rztliche Praxis illustriert, welche Kunstfertigkeit erforderlich ist, um auf die jeweiligen Anforderungen [der Akutsituation, des zweifelnden Patienten, etc.] die richtige &sbquo;Antwort&lsquo; zu geben. Und jede Antwort ist &ndash; systemtheoretisch formuliert &ndash; [kommunikativer] Anschlu&szlig;. Und diese Anschl&uuml;sse addieren sich insgesamt als Sequenzkette zur &auml;rztlichen Handlungspraxeologie. Wobei, das ger&auml;t allzu leicht aus dem Blick, wenn die Medizin keine Anschl&uuml;sse [also Kommunikationseinheiten, die sich entweder als Diagnose oder Therapie ausgeben] parat hat, dann bleibt ihr nichts anderes als zu kapitulieren. M.a.W.: Die Medizin mu&szlig; immer weiter wissen!">3</a></p>
<p>Kurz gesagt: das Gesundheitssystem ist eine Instanz der Umetikettierung &#8211; es werden erkrankte Menschen [=Patienten] in das System eingespeist und bei Erfolg der Therapie mit dem Etikett &#8218;gesund&#8216; versehen und folglich entlassen. Wer nicht krank [im Sinne des Etikettierungs- und Beobachtungsapparats Medizin] ist, für den ist in den Institutionen des Gesundheitssystems kein Platz. Ernüchterte Patienten mit bspw. psychosomatischen Beschwerden können von dieser Praxis beredt Auskunft geben.</p>
<p>Aus dieser internen Funktionslogik heraus ergeben sich freilich bestimmte Konsequenzen, die als manifeste Strukturkomponenten und &#8211; wie zu zeigen sein wird &#8211; teilweise als latente Überforderungen zu Tage treten. Die Leitdifferenz krank|nicht-krank wird jedenfalls anhand vieler Details sichtbar; jeder kennt beispielsweise die klare Grenzziehung im Behandlungszimmer: der Patient sitzt auf einem Stuhl oder einer Krankenliege, auf der er Blutdruckmessung, Bestimmung weiterer Vitalwerte und die Befragungstechniken der Anamnese über sich ergehen läßt bzw. wie es im Wort &#8218;Patient&#8216; zutreffenderweise zum Ausdruck gebracht wird: <em>erduldet</em>. Hinter dem Schreibtisch sitzt der weißgewandete Repräsentant des Gesundheitssystems, vor dem Schreibtisch das kranke Häuflein Elend. Allerdings, und hier wird es spannend, verstellt diese so offensichtliche Unterscheidung zwischen krank|gesund den Blick auf einige Nebeneffekte dieser Systemstruktur.</p>
<p><strong>Der blinde Fleck und die Krankheitsimmunität des Gesundheitssystems </strong></p>
<p>Eine der augenfälligsten Nebenfolgen der geschilderten Beobachtungsroutinen ist die Blindheit des Funktionssystems &#8218;Medizin&#8216;, wenn die Gesundheit ihrer Angehörigen (also der Ärzte und des Pflegepersonals) selbst in Frage steht. Dieser Umstand wurde in letzter Zeit immerhin in verschiedenen Zeitungsartikeln thematisiert [<a  href="http://www.zeit.de/2007/05/M-Aerztegesundheit" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>, <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0420/wissenschaft/0002/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>] und resultiert aus dem (zumindest vordergründigen) Paradox, daß bezüglich des physischen und psychischen Wohlbefindens seiner Mitglieder das Gesundheitssystems lange Zeit blind war.</p>
<p>Diese eingebaute &#8211; wenn man so will &#8211; Sehschwäche kann allerdings (wenigstens systemtheoretisch bedacht) kaum verwundern; <strong>ein Angehöriger des Gesundheitssystems kann </strong>&#8211; jedenfalls solange er durch sich und andere als solcher betrachtet wird &#8211;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_3_23" id="identifier_3_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ein Arzt oder ein Krankenpfleger wird niemals unter Beibehaltung dieser Statuszuschreibung bzw. dieses (Selbst-)Verst&auml;ndnisses krank. Dazu ist erst ein Perspektiv- und Rollenwechsel erforderlich: der kranke Arzt hat l&auml;ngst aufgeh&ouml;rt Arzt zu sein. Wenn Schmerzen und Symptomatik eine Erkrankung anzeigen, dann ist er nicht mehr l&auml;nger Arzt, sondern Patient!">4</a> <strong><em>nicht </em>erkranken</strong>. Oder, man könnte es auch mit <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Fuchs" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Peter Fuchs</a> sagen und feststellen: Das Gesundheitssystem ist niemals verschnupft.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_4_23" id="identifier_4_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="So der Titel seines Aufsatzes in: Bauch, Jost (2006): Gesundheit als System. Systemtheoretische Betrachtungen des Gesundheitswesens.">5</a></p>
<p>Allerdings wäre es verkehrt, darin eine Besonderheit des Gesundheitssystems zu sehen. Denn zumindest von einem systemtheoretischen Blickwinkel aus betrachtet ist es wenig erstaunlich, daß systemintern die Gesundheit des medizinischen Personals kaum eine Rolle spielt. Untersuchungen dazu liegen nur wenige vor. Aber hat sich jemals schon jemand gewundert, wieso Erhebungen zur Steuerzahlungsmoral von Finanzbeamten Mangelware sind? Und die Statistik, die aufschlüsselt, wieviele KFZ-Mechaniker jährlich mit Getriebeschaden auf bundesdeutschen Autobahnen liegen bleiben, muß vermutlich auch erst noch erstellt werden. Aber genauso wie die Steuerbehörden es nicht sehen können oder wollen, ob sich ihre eigenen Mitarbeiter im fiskalischen Regelungsdschungel innerhalb oder außerhalb der gesetzlichen Vorgaben bewegen, so zeichnet sich das Gesundheitssystem durch eine immanente Betriebsblindheit aus.</p>
<p><strong>Hierarchien, Unterordnung und Arbeitsüberlastung &#8211; Wie der Traumberuf Arzt zum Trauma wird</strong></p>
<p>Umso irritierter ist deshalb die Öffentlichkeit, wenn sie erfährt, daß es um die Gesundheit der deutschen Ärzte nicht zum Besten bestellt ist.</p>
<blockquote><p>Die eigene Gesundheit sei für Ärzte offenbar ein heikles Thema, sagte der DGIM-Vorsitzende<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_5_23" id="identifier_5_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Deutsche Gesellschaft f&uuml;r innere Medizin">6</a> Wolfgang Hiddemann vom Klinikum Großhadern der Universität München. &#8222;Es wird höchste Zeit, dass sich unser Berufsstand systematisch mit der eigenen körperlichen und seelischen Verfassung auseinandersetzt.&#8220; (&#8230;) Verdrängen, verschleppen, verheimlichen: Diese Verhaltensweisen scheinen bei kranken Medizinern besonders ausgeprägt zu sein.</p>
<p>[Siegmund-Schultze, Nicola: <a  href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0420/wissenschaft/0002/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ein Mediziner kennt keinen Schmerz</a>, Berliner Zeitung, 20.4.2007]</p></blockquote>
<p>Die Gründe hierfür sind bislang nur zu erahnen. Die aufzehrenden Arbeitsbedingungen an deutschen Kliniken spielen allerdings sicherlich eine Rolle. Aber auch niedergelassene Ärzte klagen immer massiver über Arbeitsüberlastungen &#8211; innerhalb einer Studie der Universität Erlangen-Nürnberg äußerten sich 77,7% aller Ärzte &#8222;resignativ oder unzufrieden über ihre vertragsärztliche Tätigkeit&#8220;, ca. 1/3 der Mediziner ist akut vom Burn-out-Syndrom bedroht.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_6_23" id="identifier_6_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Alle Werte sind einer Zusammenstellung von Dr. Renate Rottenfu&szlig;er entnommen; nachzulesen unter: &bdquo;Burnout deutscher Vertrags&auml;rzte. Konsequenzen f&uuml;r die betroffenen &Auml;rzte, ihre Patienten und das deutsche Gesundheitswesen&ldquo; auf www.aerztegesundheit.de">7</a> Neben der oftmals aufreibenden Tätigkeit ist es gerade in Kliniken auch das Arbeitsklima, das v.a. jungen Ärzten zu schaffen macht; wie in einem <a  href="http://www.zeit.de/2007/05/M-Aerztegesundheit" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Artikel der ZEIT</a> nachzulesen ist, gehört Mobbing zum Alltag in deutschen Krankenhäusern:</p>
<blockquote><p>(&#8230;) dass für die jungen Ärzte nicht nur lange Arbeitszeiten und schlechte Bezahlung Gründe zur Klage sind. Viele leiden auch am Arbeitsklima in den Krankenhäusern. Gilt es als selbstverständlich, mit den Patienten freundlich umzugehen, ist im Umgang mit Kollegen offenbar das Gegenteil indiziert: Schwächen und Probleme sind unerwünscht, es wird hart und rücksichtslos kritisiert. »Da bleibt keine Zeit, kein Raum, keine Kraft, um Konflikte in Ruhe auszutragen«. (&#8230;)</p></blockquote>
<p>Besonders die Nachwuchsmediziner leiden unter dem hierarchisch organisierten System, in dem die strikte Rang- und Hackordnung die untergebenen Ärzte oftmals zu Befehlsempfängern degradiert. Bezüglich ihrer Lebenszufriedenheit äußerten sich bspw. nur 6 Prozent der Assistenzärzte positiv und mehr als 50% klagten über Schlafprobleme. Im Zeit-Artikel (25.1.2007) ist zu lesen:</p>
<blockquote><p> »Wir können davon ausgehen, dass viele Mediziner in Deutschland psychisch beeinträchtigt sind«, sagt Jurkat.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_7_23" id="identifier_7_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Harald B. Jurkat ist Psychologe an der Universit&auml;t Gie&szlig;en.">8</a> Im Jahr 2003 befragte Jurkat auch Ärzte im Praktikum zu ihrem Wohlbefinden. Der Befund alarmierte: Um die Psyche des Nachwuchses war es im Durchschnitt schlechter bestellt als bei chronisch kranken Menschen.</p></blockquote>
<p>Eine Folge dieser schwierigen Arbeitsbedingungen ist, daß Ärzte in Deutschland die Berufsgruppe mit der höchsten Quote von Medikamentenmißbrauch und -abhängigkeit sind. Für diese erschreckende Tatsache sind im wesentlichen drei Faktoren verantwortlich zu machen: 1. die permanente Stressituation, die zu Überforderung mit Burn-out-Tendenzen führt, 2. die leichte Verfügbarkeit von Medikamenten und 3. die Illusion von Medizinern, mit den Suchtmitteln kontrolliert umgehen zu können. Die Selbstüberschätzung und die leichte Verfügbarkeit führt im Ergebnis dazu, daß (vorsichtigen) Schätzungen zufolge ca. 7-8% aller Ärzte massiv suchtgefährdet oder abhängig sind. Die größte Rolle spielt freilich der Alkoholmißbrauch, dahinter rangieren Valium<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_8_23" id="identifier_8_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Valium [Wirkstoff: Diazepam] wird zur symptomatischen Behandlung von akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzust&auml;nden eingesetzt; ein Nebeneffekt ist die sedierende und schl&auml;frig machende Wirkung. Die regelm&auml;&szlig;ige Einnahme kann psychische und physische Abh&auml;ngigkeit hervorrufen.">9</a> und verschiedene Opiate.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_9_23" id="identifier_9_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Opiate z&auml;hlen zur Gruppe der Alkaloide und haben schmerzlindernde und bewu&szlig;tseinsver&auml;ndernde Wirkung. Die gr&ouml;&szlig;te Rolle spielen Codein und Morphin.">10</a> In absoluten Zahlen bedeutet das, daß ca. 8.000-12.000 der deutschen Ärzte als alkohol- und/oder medikamentenabhängig einzustufen sind.</p>
<p>Gerade bei jüngeren Ärzten, die oftmals einen sehr hohen Leistungsanspruch an sich selbst stellen, ist der Griff zu Schlafmitteln leider häufig die Notlösung, um trotz der Belastungen und Frustrationen des Arbeitsalltags wenigstens in der Nacht Ruhe zu finden. Eine aktuelle Erhebung geht davon aus, daß 20% der Ärzte im Praktikum regelmäßig Schmerz- und Schlafmittel einnehmen.</p>
<p>Eine weitergehende Ursachenforschung müßte nun freilich in den Blick nehmen, ob möglicherweise die medizinische Ausbildung an den Universitäten mitverantwortlich für diese Entwicklung ist. Die Erörterung der Defizite des Medizinstudiums hinsichtlich der Vorbereitung der angehenden Ärzte auf den Umgang mit sterbenden und kranken Menschen, soll allerdings zu einem späteren Zeitpunkt in der Wissenswerkstatt erfolgen.</p>
<p><strong>Die soziale Fragilität und Stabilisierung von Vertrauen </strong></p>
<p>Zuletzt soll der beobachtende Blick vom (medizinischen) System nochmal auf dessen &#8218;Umwelt&#8216; gerichtet werden; daß das System selbst die Tendenz aufweist, die physische und psychische Krankheitsanfälligkeit seiner Mitglieder zu ignorieren, wurde oben erläutert. Die Frage ist nun aber, was es für die &#8218;Öffentlichkeit&#8216; bedeutet, wenn sie akzeptieren muß, daß das Gesundheitssystem aus sich heraus Überforderung und Krankheit produziert. Ist diese Kenntnis nicht fatal, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Beziehung zwischen Arzt und Patient im wesentlichen auf Vertrauen basiert? Denn sowohl das gesellschaftliche Teilsystem, der die medizinische Versorgung obliegt, als auch jeder ihrer Vertreter ist auf Vertrauen unbedingt angewiesen.</p>
<p>Nun sollte man aber nicht so naiv sein und glauben, es gäbe keine weiteren abfedernden Mechanismen, die einer vorschnellen Vertrauenserosion entgegenwirkten. Wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen sind auch im medizinischen Bereich aus guten Gründen quasi-rituelle Formen der Vertrauensstabilisierung vorhanden, die &#8211; wie man feststellen kann &#8211; auch funktional wirksam sind. Sicher, es ließe sich darauf verweisen, daß innerhalb einer so spezialisierten wie arbeitsteiligen Gesellschaft der Aufgaben- und Vertrauenstransfer längst alltäglich geworden ist. Seine finanziellen Geschäfte legt man vertrauensvoll in die Hände des freundlich lächelnden Herrn in der Bankfiliale und der KFZ-Mechaniker erwirbt schon allein durch seine ölverschmierte Arbeitskleidung das Zutrauen, daß er in der Lage ist, das klappernde Vehikel noch einmal fit für den TÜV zu machen. Und, so die naheliegende Analogie, wer eines morgens mit Arthroseschmerzen im Knie oder Magenkrämpfen erwacht, der sucht reflexhaft den nächsten Arzt auf und hofft, daß dieser schnell und effizient für Linderung sorgt.</p>
<p>Dieser Ablauf und die zugrundeliegende Erwartungshaltung ist zwar alltäglich, aber keineswegs selbstverständlich. Denn für jeden aufmerksamen Zeitungsleser gehören die Meldungen über Schmerzensgeldforderungen oder Kunstfehlerprozesse zur täglichen Morgenlektüre; vom Wissen bezüglich der Unzulänglichkeit der medizinischen Versorgung, das man vom Hörensagen her hat, ganz zu schweigen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_10_23" id="identifier_10_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Denn wer kennt keine Berichte &uuml;ber haarstr&auml;ubende Vers&auml;umnisse und Fehler, die sich im n&auml;chstgelegenen Krankenhaus zugetragen haben?">11</a> Vor diesem Hintergrund bleibt einem wenig anderes übrig, als den Gang zum Arzt als höchst irrationales Unterfangen zu bezeichnen. Oder anders formuliert: <strong>der aufgeklärte Bürger und Zeitungsleser geht nicht wegen, sondern trotz seines Kenntnisstandes zum Arzt. </strong>Erklärt werden kann dies nur durch den oben angesprochenen Vertrauenserweis, der quasi-reflexhaft erfolgt. Der Vertrauensvorschuß, den die jeweilige auf Hilfe angewiesene Person dem medizinischen Fachpersonal gegenüber erbringt, entspringt allem Anschein nach einem fest im menschlichen Handlungsrepertoire verankerten Mechanismus.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_11_23" id="identifier_11_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dessen selbstverst&auml;ndliche Wirksamkeit eigentlich verwundern m&uuml;&szlig;te: jede Konsultation eines Arztes oder gar erst die Einlieferung in eine Klinik bedeuten schlie&szlig;lich einen Souver&auml;nit&auml;tsverzicht in Bezug auf die individuelle k&ouml;rperliche Selbstbestimmung. Ist es nicht erstaunlich, da&szlig; in einer Gesellschaft, die sich durch ein H&ouml;chstma&szlig; an pers&ouml;nlicher Eigensinnigkeit und Autonomie auszeichnet, dieser Selbstbestimmunganspruch ohne weiteres &uuml;bertragen wird?">12</a> Allein der Anblick eines Mediziners genügt offenbar, um eine ganze Verhaltenskaskade auszulösen, in der der Vertrauenserweis eine zentrale Rolle spielt.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/#footnote_12_23" id="identifier_12_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Daneben sind hier u.a. der beachtliche Respekt und die Ehrerbietung, die dem Arzt entgegengebracht wird, zu nennen; genauso bspw. auch die Anspannung (oftmals einhergehend mit kalten, schwitzigen H&auml;nden), die fast alle Patienten beim Betreten des Behandlungszimmers erfasst.">13</a> Als Nachweis seiner Kompetenz genügt dem Angehörigen des Gesundheitswesens sein weißer Arztkittel und das locker um den Hals baumelnde Stethoskop.</p>
<p>Aber vielleicht deuten diese gerade im medizinischen Sektor zahlreich aufzufindenden Insignien der Heilkunst auch auf einen anderen, eher verborgen-untergründigen Zusammenhang hin. Denn, machen wir uns nichts vor, die heutigen Mediziner stehen hinsichtlich ihrer Funktion in unmittelbarer Nachfolge zu den Heilern, Medizinmännern oder Schamanen unserer Vorzeit. Berücksichtigt man diese Verbindung, so ließe sich möglicherweise auch leichter erklären, weshalb sich Ärzte offenbar so schwer tun, einen Kollegen zu konsultieren. Denn hat man jemals davon gehört, daß ein Schamane im Falle eines eigenen Gebrechens einen anderen Schamanen oder Heiler aufsucht? Wer diese Erklärung für wenig plausibel erachtet, der kann vielleicht einem anderen Erklärungsansatz etwas abgewinnen, der da lautet: Mißtrauen gegenüber dem eigenen Berufsstand. Mag sein, daß die Tendenz von Ärzten, die eigene Krankheit so lange als möglich zu verdrängen, der Einsicht in die praktische Realität des Gesundheitssystems entspringt. Denn wer einmal hinter die Kulissen des Gesundheitssystems geblickt hat, der weiß, wie begrenzt die Fähigkeiten der ärztlichen Heilkunst immer noch sind. Und er weiß auch, daß einem schließlich doch nur die Hoffnung bleibt, daß einem eine tatsächlich (lebens-)bedrohliche Krankheit doch bitte erspart bleibe.</p>
<hr size="1" width="60%" />
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<p>Link- und Literaturtipps:</p>
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<li>Viciano, Astrid: &#8222;<a href="http://www.zeit.de/2007/05/M-Aerztegesundheit" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Guter Arzt, kranker Arzt</a>&#8222;, Die ZEIT, 25. Januar 2007</li>
<li>Siegmund-Schultze, Nicola: &#8222;<a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitunhttp://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0420/wissenschaft/0002/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ein Mediziner kennt keinen Schmerz</a>&#8222;, Berliner Zeitung, 20. April 2007</li>
<li>Jurkat, H. B. &amp; Reimer, C. (2001): Arbeitsbelastung und Lebenszufriedenheit bei berufstätigen Medizinern in Abhängigkeit von der Fachrichtung. Schweizerische Ärztezeitung, 82, 1745-1750. [<a href="http://www.saez.ch/pdf/2001/2001-33/2001-33-426.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PDF-Download</a>]</li>
<li>Jurkat, H.B., Reimer, C. (2005): Lebensqualität und Wohlbefinden bei berufstätigen Medizinern im interkulturellen Vergleich Deutschland und USA. In: Helmes, A. (Hrsg.) <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3899672631?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3899672631" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lebensstiländerungen in Prävention und Rehabilitation</a>, S. 144ff.</li>
<li>Stollberg, Gunnar (2001): <a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3933127262%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3933127262%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medizinsoziologie.</a> Transcript-Verlag.</li>
<li>Bauch, Jost (2002): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3779911671?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3779911671" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gesundheit als sozialer Code</a>. Juventa Verlag.</li>
<li>Mäulen, Bernhard (1995): Abhängigkeit bei Ärzten. In Faust, V.: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3437007599?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3437007599" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lehrbuch der Psychiatrie</a>. Fischer, Stuttgart</li>
<li>Bergner, Thomas M. H. (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3794525299?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3794525299" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Burnout bei Ärzten</a>. Schattauer-Verlag.</li>
<li>Luhmann, Niklas (1990): Der medizinische Code, in ders., <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3531420941?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3531420941" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Soziologische Aufklärung 5</a>, Konstruktivistische Perspektiven, Opladen, S.183-217.</li>
<li>Hafen, Martin (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896703803?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3896703803" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mythologie der Gesundheit</a>. Zur Integration von Salutogenese und Pathogenese.</li>
<li>Website des <a href="http://www.aerztegesundheit.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Instituts für Ärztegesundheit</a></li>
</ul>
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<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_23" class="footnote">Interessant wird es &#8211; und das soll im vorliegenden Text skizziert werden &#8211; wenn man den Konsequenzen nachspürt, die sich aus den dem Medizinsystem zugrundeliegenden Leitdifferenzen/Beobachtungsmustern <del>zwangsläufig?</del> ergeben.</li><li id="footnote_1_23" class="footnote">Niklas Luhmann hat sich nur in wenigen Texten explizit mit dem Gesundheitswesen befasst. Allerdings erscheint die konstruktivistische Perspektive besonders geeignet, das Gesundheitssystem in den Blick zu nehmen; denn was anderes als &#8218;Konstrukte&#8216; sind die Etiketten Gesundheit/Krankheit, die ja eben, wenn sie nicht beobachtet und [differentialdiagnostisch] unterschieden würden, tatsächlich irrelevant wären. Gerade die hochtechnisierte Medizin unserer Zeit hat den ehemals vorhandenen Zusammenhang zwischen &#8218;erlebt-erlittenen&#8216; [=spürbaren] Symptomen und Behandlungsbedürftigkeit aufgelöst.<br />
Die Terminologie und Handlungslogik der Medizin ist nicht mehr direkt an die Körper- und Sinneswelt des Patienten gekoppelt. Oftmals ist es erst und ausschließlich die &#8218;Beobachtung&#8216; durch Instanzen des Gesundheitssystems, die einen Menschen zu einem Patienten macht. Denn was wüßte der erkrankte Mensch bei fehlenden Schmerzen und Symptomen von seiner in seinem Körper befindlichen &#8218;Krankheit&#8216; ohne das &#8218;Beobachtungssystem&#8216; Medizin? vgl. u.a. Luhmann, Niklas (1990): Der medizinische Code, in ders., Soziologische Aufklärung 5, Konstruktivistische Perspektiven, Opladen 1990, S.183-217. </li><li id="footnote_2_23" class="footnote">Es erscheint banal, aber ein kurzer Blick in die ärztliche Praxis illustriert, welche Kunstfertigkeit erforderlich ist, um auf die jeweiligen Anforderungen [der Akutsituation, des zweifelnden Patienten, etc.] die richtige &#8218;Antwort&#8216; zu geben. Und jede Antwort ist &#8211; systemtheoretisch formuliert &#8211; [kommunikativer] Anschluß. Und diese Anschlüsse addieren sich insgesamt als Sequenzkette zur ärztlichen Handlungspraxeologie. Wobei, das gerät allzu leicht aus dem Blick, wenn die Medizin keine Anschlüsse [also Kommunikationseinheiten, die sich entweder als Diagnose oder Therapie ausgeben] parat hat, dann bleibt ihr nichts anderes als zu kapitulieren. M.a.W.: Die Medizin <strong><em>muß</em></strong> immer weiter wissen!</li><li id="footnote_3_23" class="footnote">Ein Arzt oder ein Krankenpfleger wird niemals unter Beibehaltung dieser Statuszuschreibung bzw. dieses (Selbst-)Verständnisses krank. Dazu ist erst ein Perspektiv- und Rollenwechsel erforderlich: der kranke Arzt hat längst aufgehört Arzt zu sein. <strong>Wenn Schmerzen und Symptomatik eine Erkrankung anzeigen, dann ist er nicht mehr länger Arzt, sondern Patient</strong>!</li><li id="footnote_4_23" class="footnote">So der Titel seines Aufsatzes in: Bauch, Jost (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3866280777%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3866280777%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gesundheit als System. Systemtheoretische Betrachtungen des Gesundheitswesens.</a></li><li id="footnote_5_23" class="footnote">Deutsche Gesellschaft für innere Medizin</li><li id="footnote_6_23" class="footnote">Alle Werte sind einer Zusammenstellung von Dr. Renate Rottenfußer entnommen; nachzulesen unter: &#8222;Burnout deutscher Vertragsärzte. Konsequenzen für die betroffenen Ärzte, ihre Patienten und das deutsche Gesundheitswesen&#8220; auf <a href="http://www.aerztegesundheit.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.aerztegesundheit.de</a></li><li id="footnote_7_23" class="footnote">Harald B. <a  href="http://www.jurkat.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jurkat </a>ist Psychologe an der Universität Gießen.</li><li id="footnote_8_23" class="footnote">Valium [Wirkstoff: Diazepam] wird zur symptomatischen Behandlung von akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen eingesetzt; ein Nebeneffekt ist die sedierende und schläfrig machende Wirkung. Die regelmäßige Einnahme kann psychische und physische Abhängigkeit hervorrufen.</li><li id="footnote_9_23" class="footnote">Opiate zählen zur Gruppe der Alkaloide und haben schmerzlindernde und bewußtseinsverändernde Wirkung. Die größte Rolle spielen Codein und Morphin.</li><li id="footnote_10_23" class="footnote">Denn wer kennt keine Berichte über haarsträubende Versäumnisse und Fehler, die sich im nächstgelegenen Krankenhaus zugetragen haben?</li><li id="footnote_11_23" class="footnote">Dessen selbstverständliche Wirksamkeit eigentlich verwundern müßte: jede Konsultation eines Arztes oder gar erst die Einlieferung in eine Klinik bedeuten schließlich einen Souveränitätsverzicht in Bezug auf die individuelle körperliche Selbstbestimmung. Ist es nicht erstaunlich, daß in einer Gesellschaft, die sich durch ein Höchstmaß an persönlicher Eigensinnigkeit und Autonomie auszeichnet, dieser Selbstbestimmunganspruch ohne weiteres übertragen wird?</li><li id="footnote_12_23" class="footnote">Daneben sind hier u.a. der beachtliche Respekt und die Ehrerbietung, die dem Arzt entgegengebracht wird, zu nennen; genauso bspw. auch die Anspannung (oftmals einhergehend mit kalten, schwitzigen Händen), die fast alle Patienten beim Betreten des Behandlungszimmers erfasst.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/">Hilflose Heiler » Wie krank macht das Gesundheitssystem seine Mitglieder?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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