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	<title>Kontingenz Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation </description>
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	<title>Kontingenz Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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		<title>Insuffizienzen der Wissenschaft » Wenn medizinische Metastudien unscharfes Wissen produzieren &#8211; Agnotologie II</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Aug 2007 14:33:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Kontingenz]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Paradoxien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frei nach dem Motto: &#8222;Glaube keiner Studie, die Du nicht selbst gefälscht hast&#8220; funktioniert allem Anschein nach gerade die pharmazeutisch-medizinische Forschung. Wobei, halt!: nein, es soll hier nicht der Eindruck erweckt werden, die verschiedenen Studien, die Wirksamkeit und/oder Unbedenklichkeit von Therapien und Medikamenten belegen sollen, seien allesamt manipuliert. Diese Unterstellung gehört in den Bereich der ... <a title="Insuffizienzen der Wissenschaft » Wenn medizinische Metastudien unscharfes Wissen produzieren &#8211; Agnotologie II" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/" aria-label="Mehr Informationen über Insuffizienzen der Wissenschaft » Wenn medizinische Metastudien unscharfes Wissen produzieren &#8211; Agnotologie II">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/">Insuffizienzen der Wissenschaft » Wenn medizinische Metastudien unscharfes Wissen produzieren &#8211; Agnotologie II</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frei nach dem Motto: &#8222;Glaube keiner Studie, die Du nicht selbst gefälscht hast&#8220; funktioniert allem Anschein nach gerade die pharmazeutisch-medizinische Forschung. Wobei, halt!: nein, es soll hier nicht der Eindruck erweckt werden, die verschiedenen Studien, die Wirksamkeit und/oder Unbedenklichkeit von Therapien und Medikamenten belegen sollen, seien allesamt manipuliert. Diese Unterstellung gehört in den Bereich der Verschwörungstheorie, mit der die Wissenswerkstatt nichts gemein hat. Aber das sollte auch bislang schon klar geworden sein, oder?</strong></p>
<p>Nochmal im Klartext und in Anlehnung an Bruno Latour: in der Wissenswerkstatt arbeitet ein &#8222;Liebhaber der Wissenschaften&#8220; &#8211; daß die naturgegebenen Insuffizienzen jeder Suche nach Wahrheit dennoch Thema sind, versteht sich aber von selbst. Denn genau diejenigen, die quasi blind allen technisch-wissenschaftlichen Versprechungen Glauben schenken, sind in Wahrheit Verächter und manchmal sogar Totengräber der Wissenschaft. Denn Wissenschaft will und braucht kritische Rezipienten und Freunde. Es verhält sich kaum anders als in der Sphäre der Politik: wer stets alle Taten des &#8222;Freundes&#8220; willfährig bejubelt, ohne substantiell zu prüfen, ob hier nicht möglicherweise Widersprüche und Defizite vorliegen, mag sich zunächst als loyal erweisen. Es geht aber weder in der Politik noch in der Wissenschaft um vorauseilenden Gehorsam und Gefolgschaft um jeden Preis. Es geht vielmehr um kritische Begleitung und genau das ist u.a. die Aufgabe der Wissenschaftssoziologie. Die Wissenschaft selbst, all die Forscher in ihren Labors, all die Arbeiter in ihren sprichwörtlichen Elfenbeintürmen, sie sind notwendigerweise gefangen in ihrer Binnenperspektive.</p>
<p><strong>Aufklärung und die lehrreiche Außenperspektive </strong></p>
<p>Und genau hier setzt die Wissenschaftssoziologie an: es ist der nüchterne Blick von außerhalb, der anderes sehen läßt, als wenn man immer schon in den Kontexten der jeweiligen Spezialdisziplin sozialisiert und somit auch ein Stück weit befangen, um nicht zu sagen: gefangen ist. Und somit steht die Wissenschaftssoziologie &#8211; wenigstens, wie ich sie verstehe &#8211; in der Tradition der Aufklärung: ihre Intention ist es, das Wissen der Gesellschaft über ihre technisch-wissenschaftlichen Möglichkeiten und Grenzen zu erweitern. Denn nur wer weiß und besser einschätzen kann, wo derzeit die Grenzen des Wissens liegen, diejenigen Bereiche, in denen nicht klare Sicht auf die Gegenstände des Gewußten und Erforschten gegeben ist, sondern immer wieder der Nebel des Nichtwissens den Blick trübt, nur derjenige, der solchermaßen informiert und geübt die Innovationen von Wissenschaft und Technik in den Blick nimmt, kann nachhaltige Entscheidungen darüber treffen, was mit welchen Risiken getan werden kann.</p>
<p>Denn daß es jeweils kontingente Bereiche gibt, daß also anscheinend gesicherte Wissensbestände wieder ins Schwimmen geraten und sich als unsicher herausstellen, darüber besteht ernsthaft kein Zweifel. Und gerade der Blick in die Medizin und ihre Geschichte ernüchtert allzu hochfliegende Phantasien. Denn kaum eine andere Disziplin zeichnet sich durch solch gravierende Erfahrungen des Erfolgs und des Mißerfolgs aus. Gelingen und Scheitern liegen kaum anderswo ähnlich nah beieinander. Und man braucht hier nicht einmal Schlagworte wie <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Contergan" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Contergan</a> zu erwähnen &#8211; es genügt der Verweis auf die mit immensem Ressourceneinsatz entwickelten Medikamente wie &#8222;Vioxx&#8220;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_0_67" id="identifier_0_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das Schmerz- und Rheumamedikament der Fa. Merck z&auml;hlt zur Gruppe der sog. COX2-Hemmer, die seit wenigen Jahren im Verdacht stehen, Infarkte und Schlaganf&auml;lle zu beg&uuml;nstigen.">1</a> oder &#8222;Lipobay&#8220;,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_1_67" id="identifier_1_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Unter diesem Handelsnamen mu&szlig;te Bayer seinen Cholesterinsenker mit dem Wirkstoff &bdquo;Cerivastatin&ldquo; aus dem Handel nehmen, nachdem unter dessen Einnahme mehrere Todesf&auml;lle berichtet wurden.">2</a> die sich dennoch als finanzielles und &#8211; berücksichtigt man die mutmaßlichen Todesopfer &#8211; menschliches Desaster erwiesen.</p>
<p><strong>Mehr Forschung = Mehr Unsicherheit? </strong></p>
<p>Damit aber wieder zurück zum Thema: medizinische (Meta-)Studien. Im Grunde ist es banal: wer seine Erkenntnisse überprüfen will, stellt weitere Untersuchungen und Experimente an, um seine Hypothesen zu testen. In der Medizin, zumal wenn es um bereits ausgereiftere Forschungen geht, stehen also <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Klinische_Studie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">klinische Studien</a> an, um die Wirksamkeit der Therapien näher zu ergründen. Wir reden hier von sog. Phase I+II-Studien,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_2_67" id="identifier_2_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In den Phase-I-Studien wird die Vertr&auml;glichkeit (tolerability), in den Phase-II-Studien die Wirksamkeit (effectiveness) &uuml;berpr&uuml;ft.">3</a> die dann idealerweise meist in sog. <em>randomisierte Doppelblind-Studien</em> münden. Diese werden mit einem erheblich erweiterten Probandenkreis durchgeführt und stellen in Phase III die letzte Hürde vor der Marktzulassung dar.</p>
<p>Um das nochmals unmißverständlich klarzumachen: wenn heute ein Medikament den Weg in Apotheken und Kliniken findet, so ist es gründlich und intensiv getestet und überprüft. Hinter den erwähnten &#8222;randomisierten Doppelblindstudien&#8220; verbirgt sich ein Studiendesign, das ein Höchstmaß an Aussagekraft ermöglicht, denn &#8222;<a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Doppelblind" target="_blank" rel="noopener noreferrer">doppelblind</a>&#8220; heißt, daß weder die durchführenden Ärzte noch die beteiligten Patienten wissen, welche Patienten nun das neue zu testende Medikament verabreicht bekommen und welche ein Placebo (alternativ auch die konventionelle Standardtherapie). Randomisiert bedeutet in diesem Kontext, daß die Auswahl, welche Personen welcher Studiengruppe (also der Test- oder der Kontrollgruppe mit Placebo) zugeordnet werden, zufallsgesteuert abläuft. Auch hier kann also keine Verfälschung durch die Studienleitung erfolgen. Erweist sich also ein neuer Wirkstoff in diesen umfänglichen Tests als unbedenklich (die Nebenwirkungen sind gemäß einer Kosten-Nutzen-Rechnung zu vernachlässigen) und gleichzeitig als wirksam (und den bisherigen Therapien überlegen), so steht der Marktzulassung nichts mehr im Wege. Wo ist das Problem, möchte man fragen&#8230;</p>
<p><strong>Scheitern als Wesen der Wissenschaft</strong></p>
<p>Strenggenommen gibt es kein Problem, jedenfalls nicht, wenn man sich bewußt macht, daß auch noch so aufwendige Studiendesigns niemals eine Garantie liefern können, daß ein Medikament genauso wirkt, wie beabsichtigt und nicht ganz andere Effekte hervorruft, die dummerweise nie in den Studien auftraten. Wer glaubt, die medizinisch-pharmazeutische Forschung sei in der Lage alle Parameter zu berücksichtigen, der irrt. Dazu ist der menschliche Körper, seine unendlichen Kaskaden an Stoffwechsel- und Austauschprozessen, seine Regulationsvielfalt und Irritationsanfälligkeit zu undurchschaubar und bislang nur recht wenig verstanden. Wie oben erwähnt: der Pharmariese Merck mußte im Jahr 2004 sein umsatzstärkstes Medikament, das Schmerz- und Rheumamittel &#8222;<a  href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rofecoxib&amp;oldid=34494647" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vioxx</a>&#8220; nach Berichten über eine Vielzahl von Herzinfarkten und Schlaganfällen vom Markt nehmen. Und diese erst spät erkannten Nebenfolgen waren nicht Ergebnis von Schlamperei und Leichtfertigkeit, sondern unvermeidlich.</p>
<p>Was ist aber, wenn es sich nicht um medizinische Indikationen wie bspw. Rheuma geht, die immerhin einigermaßen scharf umrissen und definiert sind? Wie verhält es sich bei medikamentösen Therapieversuchen bei so schwach konturierten Symptomatiken wie <em>geschwächter Immunabwehr</em>, <em>Wechseljahrsbeschwerden</em> oder <em>Erkältungskrankheiten?</em> Welche Medikamente haben hier welche Effekte? Man erinnere sich: Ende der 90er Jahre wurde die <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hormonersatztherapie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hormonersatztherapie</a> zur Abfederung der <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Klimakterium" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Klimakterium</a>sbeschwerden noch stark propagiert. Doch ab 2000 mehrten sich die Erkenntnisse und Studien, daß hier nicht nur kaum meßbare Vorteile, sondern augenscheinlich allerhand negative Effekte auftreten: Frauen, die durch eine Östrogenersatztherapie hofften, die gefürchtete Antriebslosigkeit oder Osteoporoseerscheinungen abmildern zu können, wurden auf einmal mit Studien konfrontiert, die eine signifikante Erhöhung des Brustkrebsrisikos nahelegten. Wie an vielen Stellen nachzulesen war, reagierten viele Länder, vor allem in Skandinavien und Nordamerika sehr schnell: die Therapie wird seitdem nur bei konkreter Indikation duchgeführt. In Deutschland freilich scheinen die Gynäkologen kaum die jeweiligen Fachblätter zu studieren.</p>
<blockquote><p>„Es besteht offenbar insbesondere bei den älteren, männlichen Frauenärzten eine sehr deutliche Tendenz, den Nutzen der Hormone über- und die Risiken unterzubewerten“, sagt Bruno Müller-Oerlinghausen, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft.</p></blockquote>
<p>Mehr als erstaunlich, wenn man weiß, daß sogar das Risiko für Demenzerkrankungen, die durch die Gabe von Hormonen abgeschwächt und vermieden werden sollten, bei den Patientinnen die Hormone erhielten, leicht erhöht war. Selbst hier waren also die angestrebten Effekte nicht zu finden.</p>
<p><strong>Echinacea, Umckaloabo und Co.</strong></p>
<p>Wer kennt nicht das Haus- und Heilmittel &#8222;Echinacea&#8220;, das als meistverkauftes natürliches Erkältungsmedikament ein wahrer Umsatzrenner ist? Aber wirkt das Extrakt aus dem roten Sonnenhut tatsächlich? Ist es gerechtfertigt, daß allein in den USA jährlich ein Umsatz von über 80 Millionen Euro mit diesen Präparaten erzielt wird?</p>
<p>Denn die Frage, ob die Einnahme von Echinacea-Präparaten bei Ansteckung oder in Bezug auf die Heilung von Erkältungskrankheiten einen positive Wirkung hat, ist mehr als umstritten. Wobei: genaugenommen ist seit einigen Jahren im Grunde erwiesen, daß die Effekte kaum meßbar oder um ehrlich zu sein, nicht vorhanden sind. Andere Hausmittelchen wie die &#8222;heiße Zitrone&#8220; oder ein &#8211; wie ich finde probates und zudem wohlschmeckendes Therapeutikum &#8211; &#8222;Bratapfel&#8220; dürften ähnlich erfolgreich wirken. Na gut, wenn Echinacea nichts nützt, Schaden ruft es &#8211; abgesehen vom Loch im Geldbeutel &#8211; wenigstens nicht hervor. Aber neuerdings gibt es doch wieder Verwirrung: eine aktuelle Metastudie einer Forschergruppe um Craig Coleman von der Universität Connecticut glaubt nun doch eine Wirksamkeit belegen zu können. Wie kann das sein?</p>
<p>Nochmal der Reihe nach: bereits 2002 stellten die Mediziner um Dr. Bruce P. Barrett von der Universität Wisconsin in einer vergleichenden Studie fest, daß die überstrapazierte Redewendung von der Erkältung, die unbehandelt sieben Tage, mit Behandlung aber eine Woche anhalte, auch für die Anwendung von Echinacea zutreffe; sie stellten fest:</p>
<blockquote><p>No statistically significant differences were detected between the echinacea and placebo groups for any of the measured outcomes. Trajectories of severity over time were nearly identical in the two groups. Mean cold duration was 6.01 days in both groups as a whole, 5.75 days in the placebo group, and 6.27 days in the echinacea group.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_3_67" id="identifier_3_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Barrett, P., Brown, R.L. et al. (2002): Treatment of the Common Cold with Unrefined Echinacea, in: Annals of Internal Medicine, 17 December 2002, Volume 137, Issue 12, pp. 939-946.">4</a></p></blockquote>
<p>Und auch in einer vergleichenden Metastudie 2006<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_4_67" id="identifier_4_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Linde K, Barrett B, W&ouml;lkart K, Bauer R, Melchart D. (2006): Echinacea for preventing and treating the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 1. ">5</a> kamen Barrett und seine Gruppe zur selben Ansicht: in 22 Einzelstudien, die erheblich in ihrer Vorgehensweise variierten, fanden sie keinen einheitlichen, gesicherten Nachweis für eine Wirksamkeit. Die Studien, die einen positiven Effekt belegen, weisen häufig deutliche Mängel in der (randomisierten) Durchführung auf und sind teilweise eher anekdotisch wertvoll.</p>
<p>Nun aber, nach einer erneuten Metastudie von Coleman et. al.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_5_67" id="identifier_5_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Lancet Infectious Diseases (vol 7, p 473) ">6</a> ist wieder alles anders. Angeblich, jedenfalls. Der &#8222;Stern&#8220; wußte vor wenigen Wochen: &#8222;<a href="http://www.stern.de/wissenschaft/medizin/:Echinacea-Mittel-Und/591741.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Echinacea-Mittel: Und sie helfen doch!</a>&#8220; Aber ist dem so? Was hat Coleman anders gemacht als seine Kollegen? Denn der &#8222;Stern&#8220; glaubt ja sogar zu wissen, daß die gemeinsame Einnahme von Vitamin C und Echinacea das Erkältungsrisiko gar um 86% senke. Toll, wenn es so einfach wäre.</p>
<p>Ein kleiner Artikel der Businessweek<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_6_67" id="identifier_6_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&Uuml;ber den ich dankenswerterweise bei Medinfo gestolpert bin.">7</a> klärt ein wenig auf; unter dem vielsagenden Titel: &#8222;When Medical Studies Collide&#8220; werden die Hintergründe der widersprüchlichen Artikel beleuchtet und man darf lesen:</p>
<blockquote><p>The problem is, the world of medical and health research is messier than most people realize. Black-and-white answers are rare, even when it comes to a single drug trial. In hormone replacement therapy, &#8222;people from the same study are disagreeing with each other,&#8220; says Julie Buring, professor of medicine at Brigham &amp; Women&#8217;s Hospital in Boston. The uncertainties deepen when studies are inconclusive or contradictory. That&#8217;s when researchers often lump data from a number of trials together in a meta-analysis, hoping the sum will be greater than the parts. But the approach often has pitfalls.</p></blockquote>
<p>Hier wird also die Hoffnung, daß die Summe der Einzelstudien in der Zusammenschau ein höheres Maß an Richtigkeit aufweisen, wieder einmal enttäuscht. Denn gerade die Auswahl der Studien, die berücksichtigt werden sollen, ist umstritten und beeinflußt das Ergebnis erheblich. Wie lassen sich die unterschiedlichen Schlußfolgerungen aber erklären?</p>
<p><strong>Die Verführung durch Erfolg und Meßbarkeit: Publikations-Bias</strong></p>
<p>Vermutlich durch einen sog. Publikations-Bias. Dieser erklärt sich schlicht daraus, daß Studien, die keine Effekte aufweisen, mit höherer Wahrscheinlichkeit unpubliziert bleiben; im Gegensatz finden Studien, die eine Wirksamkeit belegen, fast immer den Weg in die Journale. Das führt freilich dazu, daß die Wirksamkeit meist überschätzt wird, wenn man nur die Artikel in den Journalen zugrundelegt. Dies jedenfalls die plausible Erklärung, denn Coleman hatte nur 14 Studien herangezogen. Barrett allerdings 22 und darunter zwei Studien, die niemals veröffentlicht wurden. Das soll nun nicht heißen, daß es die Menge macht, also daß 22 Studien besser seien als 14, aber gewisse Verzerrungseffekte sollte man berücksichtigen.</p>
<blockquote><p>In addition, Coleman used only published studies, while Barrett included two unpublished ones. That decision can have a big impact. &#8222;We know there is publication bias,&#8220; says Frank E. Harrell Jr., chair of biostatistics at Vanderbilt University. It&#8217;s much easier to get a study published that says, &#8222;something works!&#8220; than one saying, &#8222;Oops, the treatment had no effect.&#8220; Using published data alone thus typically makes the final result more positive.</p>
<p>(&#8230;)  Meta-analyses may also mislead by relying on data reported in papers rather than on original raw data, which are usually kept secret. &#8222;Good raw data from one study can be worth 50 studies in a meta-analysis,&#8220; says Vanderbilt&#8217;s Harrell.</p></blockquote>
<p>Man sollte also auch bei angeblich durch Metastudien gewonnenen Erkenntnissen vorsichtig sein. Denn ganz offenbar sind es die Selektionskriterien, die bestimmen, welche Studie unter welcher Gewichtung berücksichtigt wird, die zu den skizzierten Effekten führen. Und im Ergebnis haben wir keine Zunahme von Wissen, sondern von Nichtwissen. Metastudien können, oh Wunder, auch ein Instrument der <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Agnotology" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Agnotologie</a> sein &#8211; der Kunst, Nichtwissen herbeizuführen. Das jedenfalls ist das Ergebnis, wenn &#8222;medizinische Studien kollidieren&#8220;.</p>
<p>Denn, wie Dr. Barrett feststellt, allzu oft werden Äpfel mit Birnen verglichen. Und der Fokus auf veröffentlichte Studien dürfte meist zu einer dezenten Verzerrung hin zu positiven Schlußfolgerungen führen. In Bezug auf Echinacea sollte man also auch weiterhin skeptisch sein. Auch wenn der &#8222;<a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenh%C3%BCte_(Echinacea)" target="_blank" rel="noopener noreferrer">rote Sonnenhut</a>&#8220; einem zunächst durchaus sympathisch sein darf, ob sein Extrakt hilfreich ist, werden weitere Studien erweisen müssen.</p>
<p>Darf man dann zum als &#8222;natürliches Antibiotikum&#8220; angepriesenen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Umckaloabo" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Umckaloabo</a> greifen? Immerhin hat sich der ethanolische Wurzelauszug ja zu einem riesigen Erfolg vornehmlich in Deutschland entwickelt, der Jahresumsatz erreicht derzeit angeblich stattliche 60 Millionen Euro. Können so viele Anwender irren? Skepsis scheint auch hier berechtigt.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_7_67" id="identifier_7_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. arznei-telegramm: arznei-telegramm (2003): Quacksalberei: Was ist dran am Umckaloabo? ">8</a> Umckaloabo ist derzeit noch deutlich schlechter erforscht als Echinacea. Man darf also gespannt sein&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>[Update | 30.10.2007]:</p>
<p>Hier im Quanti|Soz|Blog (&#8222;<a href="http://www.quantisozblog.de/2007/10/29/publication-bias-in-forschungsreviews/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Publication bias in Forschungsreviews</a>&#8222;) nimmt sich Bernd meinen Argumenten an. Er stimmt größtenteils zu, möchte aber Meta-Studien keinesfalls als Generator von Nicht-Wissen verstanden wissen. Das ist von mir auch keineswegs so beabsichtigt. Worauf es mir ankam: Meta-Studien <em>können</em> (<em>nicht müssen</em>) im Ergebnis mehr Unsicherheit als Sicherheit hinterlassen. Weitere Anmerkungen meinerseits in den Kommentaren [2].</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr size="1" width="100%" />
<p><strong>Link- und Literaturtipps: </strong></p>
<p><em>Wissenswerkstatt: </em></p>
<ul>
<li>Scheloske, Marc (2007): <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/03/28/wolke-der-unwissenheit-agnotologie-i/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wolke der Unwissenheit &#8211; Agnotologie I</a>, 28. März 2007<em><br />
</em></li>
</ul>
<p><em>Wissenschaft, Nichtwissen und Medizin:</em></p>
<ul>
<li>Evans, I., Thornton, H, Chalmers, I. (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3939069329?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3939069329">Was hilft wirklich?</a> Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsg.</li>
<li>Hans-Jörg Rheinberger: <a  href="http://www.nzz.ch/2007/05/05/li/articleELG88.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Man weiss nicht genau, was man nicht weiss</a>. Über die Kunst, das Unbekannte zu erforschen. NZZ, 5.5.2007</li>
<li>Wehling, Peter (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896696068?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3896696068">Im Schatten des Wissens?</a> Perspektiven der Soziologie des Nichtwissens. UVK-Verlag.</li>
<li>Rheinberger, Hans-Jörg (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518293710?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518293710" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Epistemologie des Konkreten.</a> Studien zur Geschichte der modernen Biologie. Frankfurt: Suhrkamp.</li>
<li><span class="sans">Latour, Bruno (2002): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518291955?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518291955" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Hoffnung der Pandora</a>. Untersuchungen zur Wirklichkeit der Wissenschaft. Frankfurt: Suhrkamp.</span></li>
<li><span class="sans">Knorr-Cetina, Karin (1981): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518285599?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518285599" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Fabrikation von Erkenntnis</a>. Zur Anthropologie der Naturwissenschaft. Frankfurt: Suhrkamp.</span></li>
</ul>
<p><em>Echinacea und Erkältungskrankheiten:</em></p>
<ul>
<li>New Scientist (2007): <a href="http://www.newscientist.com/article.ns?id=dn12126&amp;feedId=online-news_rss20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Echinacea may halve the risk of catching cold</a>, 25.6.2007</li>
<li>Business Week (2007): <a href="http://www.businessweek.com/magazine/content/07_32/b4045052.htm?campaign_id=rss_tech" target="_blank" rel="noopener noreferrer">When Medical Studies Collide</a>. Contradictory reports? Meta-analysis may make things more confusing, 6.8.2007</li>
<li>Linde K, Barrett B, Wölkart K, Bauer R, Melchart D. (2006): <a href="http://www.cochrane.org/reviews/en/ab000530.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Echinacea for preventing and treating the common cold</a>. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 1.</li>
<li>Barrett, P., Brown, R.L. et al. (2002): <a href="http://www.annals.org/cgi/content/full/137/12/939" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Treatment of the Common Cold with Unrefined Echinacea</a>, in: Annals of Internal Medicine, 17 December 2002, Volume 137, Issue 12, pp. 939-946.</li>
</ul>
<p><em>Umckaloabo:</em></p>
<ul>
<li>Kekulé, Alexander S. (2005): <a href="http://www.planger.de/tips61.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">In den Blumentopf, nicht in den Hals</a>, tagesspiegel, 20.4.2005</li>
<li>arznei-telegramm (2003): <a href="http://www.arznei-telegramm.de/zeit/0303_a.php3" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Quacksalberei: Was ist dran am Umckaloabo?</a></li>
</ul>
<p><em>Hormonersatztherapie:</em></p>
<ul>
<li>Wissenschaft.de: <a href="http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/272930.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Weniger Brustkrebs nach Rückgang der Hormonersatztherapien</a>, 16.12.2006</li>
<li>Schneider, Sylvia (2003):<span class="sans"> <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3800039168?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3800039168">Tatort Frau. Der große Hormonschwindel</a>. Ueberreuter-Verlag.<br />
</span></li>
<li>Koch, Klaus: <a href="http://www.aerztekammer-berlin.de/10_Aktuelles/bae/18_BERLINER_AERZTE/Berliner_Aerzte_bis_2005/BAEthemen/ThemaArtikel2003_04/hormontherapie.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hormontherapie &#8211; Das Ende des &#8222;Jungbrunnens&#8220;</a>, Ärztekammer Berlin, März 2003</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_67" class="footnote">Das Schmerz- und Rheumamedikament der Fa. Merck zählt zur Gruppe der sog. <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/COX-2-Hemmer" target="_blank" rel="noopener noreferrer">COX2-Hemmer</a>, die seit wenigen Jahren im Verdacht stehen, Infarkte und Schlaganfälle zu begünstigen.</li><li id="footnote_1_67" class="footnote">Unter diesem Handelsnamen mußte Bayer seinen Cholesterinsenker mit dem Wirkstoff &#8222;<a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cerivastatin" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Cerivastatin</a>&#8220; aus dem Handel nehmen, nachdem unter dessen Einnahme mehrere Todesfälle berichtet wurden.</li><li id="footnote_2_67" class="footnote">In den Phase-I-Studien wird die Verträglichkeit (tolerability), in den Phase-II-Studien die Wirksamkeit (effectiveness) überprüft.</li><li id="footnote_3_67" class="footnote">vgl. Barrett, P., Brown, R.L. et al. (2002): <a href="http://www.annals.org/cgi/content/full/137/12/939" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Treatment of the Common Cold with Unrefined Echinacea</a>, in: Annals of Internal Medicine, 17 December 2002, Volume 137, Issue 12, pp. 939-946.</li><li id="footnote_4_67" class="footnote">vgl. Linde K, Barrett B, Wölkart K, Bauer R, Melchart D. (2006): <a href="http://www.cochrane.org/reviews/en/ab000530.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Echinacea for preventing and treating the common cold</a>. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 1. </li><li id="footnote_5_67" class="footnote">vgl. <em>Lancet Infectious Diseases</em> (vol 7, p 473) </li><li id="footnote_6_67" class="footnote">Über den ich dankenswerterweise bei <a href="http://medinfo.netbib.de/archives/2007/08/07/2225" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medinfo</a> gestolpert bin.</li><li id="footnote_7_67" class="footnote">vgl. arznei-telegramm: arznei-telegramm (2003): <a href="http://www.arznei-telegramm.de/zeit/0303_a.php3" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Quacksalberei: Was ist dran am Umckaloabo?</a> </li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/">Insuffizienzen der Wissenschaft » Wenn medizinische Metastudien unscharfes Wissen produzieren &#8211; Agnotologie II</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Rückschlag für die Gentherapie » Erneuter Leukämiefall bei klinischer Studie &#124; Werkstattnotiz L</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Dec 2007 19:40:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gentherapie]]></category>
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		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Nebenwirkungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Perspektiven für Kinder, die mit einer als »SCID« bezeichneten Störung ihres Immunsystems auf die Welt kommen, sind sehr schlecht. Denn »SCID« ist die Sammelbezeichnung für sog. »schwere kombinierte Immundefekte« und die betroffenen Kinder können nur unter absolut keimfreien Bedingungen überleben. Die einzige erfolgversprechende Therapie ist eine Blutstammzelltransplantation, für die allerdings häufig kein geeigneter Spender ... <a title="Rückschlag für die Gentherapie » Erneuter Leukämiefall bei klinischer Studie &#124; Werkstattnotiz L" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/rueckschlag-fuer-die-gentherapie-erneuter-leukaemiefall-bei-klinischer-studie-werkstattnotiz-l/" aria-label="Mehr Informationen über Rückschlag für die Gentherapie » Erneuter Leukämiefall bei klinischer Studie &#124; Werkstattnotiz L">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/rueckschlag-fuer-die-gentherapie-erneuter-leukaemiefall-bei-klinischer-studie-werkstattnotiz-l/">Rückschlag für die Gentherapie » Erneuter Leukämiefall bei klinischer Studie | Werkstattnotiz L</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Perspektiven für Kinder, die mit einer als »<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/SCID" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">SCID</a>« bezeichneten Störung ihres Immunsystems auf die Welt kommen, sind sehr schlecht. Denn »SCID« ist die Sammelbezeichnung für sog. </strong><strong>»</strong><strong>schwere kombinierte Immundefekte</strong><strong>«</strong><strong> und die betroffenen Kinder können nur unter absolut keimfreien Bedingungen überleben. Die einzige erfolgversprechende Therapie ist eine Blutstammzelltransplantation, für die allerdings häufig kein geeigneter Spender zur Verfügung steht. Seit einiger Zeit richten sich nun die Hoffnungen auf die Gentherapie: allerdings ist nach früheren Rückschlägen nun erneut ein Junge an Leukämie erkrankt. </strong></p>
<p>Die Idee ist faszinierend: bei allen Varianten der &quot;schweren kombinierten Immundefekte&quot; (SCID) verhindert ein Gendefekt, daß sich aus den hämatopoetischen Stammzellen die wichtigen T-Lymphozyten entwickeln. Und ohne diese <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/T-Lymphozyten" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">T-Lymphozyten</a> ist die gesamte adaptive Immunabwehr außer Gefecht gesetzt.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/rueckschlag-fuer-die-gentherapie-erneuter-leukaemiefall-bei-klinischer-studie-werkstattnotiz-l/#footnote_0_158" id="identifier_0_158" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Von Geburt an m&uuml;ssen die Kinder von allen Keimen abgeschirmt werden.&nbsp; Durch sterile Isolationszelte sollen Infektionen verhindert werden, denn Lungenentz&uuml;ndungen oder Meningitis verlaufen meist t&ouml;dlich.">1</a> Wenn man allerdings genau diese fehlerhaften hämatopoetischen Stammzellen ersetzt bzw. eine korrekte Genvariante in die Zellen einschleust, dann bilden sich auch die erwünschten T- und B-Immunzellen. </p>
<p><strong>Erste vielversprechende Therapie-Versuche 1999/2000 in Paris</strong></p>
<p>Bereits 1999 hatte ein Team um Prof. Alain Fischer am Hôpital Necker des Enfants Malades in Paris versucht, genau diese Idee umzusetzen. Bei 11 Kindern, die an der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/X-SCID" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">X-SCID</a><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/rueckschlag-fuer-die-gentherapie-erneuter-leukaemiefall-bei-klinischer-studie-werkstattnotiz-l/#footnote_1_158" id="identifier_1_158" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Bei dieser Unterform der SCID liegt eine&nbsp; Mutation im Interleukin-2-Rezeptor-Gen (IL2RG) vor. Und diese Mutation ist auf dem X-Chromosom lokalisiert, weswegen nur Jungen betroffen sind.">2</a> erkrankt waren, entnahmen die Mediziner Stammzellen um sie mit sog. Retroviren zu &quot;impfen&quot;. Die Retroviren fungieren als Genfähren und sollen die korrekte Version des Gens ins Genom der Stammzellen schleusen. Was im Modell und in den Tierversuchen funktionierte, hatte auch bei den klinischen Studien Erfolg: bei den solchermaßen behandelten Jungen bildeten sich tatsächlich die T-Lymphozyten, die Immunabwehr kam in Gang und die kleinen Patienten konnten das Isolationszelt verlassen.&nbsp;</p>
<h4 class="pullquote_left"> Um die korrekten Gensequenzen in das Zellgenom einzuschleusen werden Viren »umprogrammiert«, die als Genfähren dienen. Aber genau diese Retroviren sind vermutlich verantwortlich für die Leukämiefälle.<br /></h4>
<p>Doch 2 Jahre später mußten die Forscher einen traurigen Rückschlag hinnehmen: insgesamt 4 der 11 Jungen erkrankten an Leukämie. Daraufhin wurden weltweit die meisten Studien abgebrochen. Als Sündenbock wurden die Retroviren &#8211; die »Gentaxis« &#8211; entdeckt. Sie stehen seitdem im Verdacht, daß sie &#8211; obwohl selbst harmlos &#8211;&nbsp; Mutagenesen in den Zellen hervorrufen, in deren Folge die T-Zellen außer Kontrolle geraten können. </p>
<p>Bislang ist freilich noch keine Möglichkeit bekannt, um die viralen Vektoren zielgerichtet dazu zu bringen, ihre Fracht genau an den erwünschten Stellen abzuladen. Daß ihr relativ unkontrolliertes Einschleusen negative Effekte &#8211; eben die Leukämien &#8211; haben könnte, wurde anfangs kaum in Erwägung gezogen. Daß man dieses Risiko unterschätzte, hat freilich einen einfachen Grund: die Tierversuche, die als Grundlage der Risikoabschätzung herangezogen wurden, endeten nach spätestens 5-6 Monaten. Die Leukämiefälle bei den klinischen Studien traten aber erst nach 2-3 Jahren auf.&nbsp;</p>
<p><strong>Wieder ein Leukämiefall bei britischer Studie</strong></p>
<p>In den letzten Jahren hatte nun eine Gruppe um Adrian Thrasher und Bobby Gaspar vom &quot;Institute of Child Health&quot; in London einen neuen Versuch bei der gentherapeutischen Behandlung der X-SCID unternommen. Die ersten Ergebnisse waren positiv, jetzt aber muß auch die britische Studie ihren ersten Leukämiefall verzeichnen. Wie das Ärzteblatt heute berichtet, wurde nun bei einem drei Jahre alten Jungen Leukämie diagnostiziert. Den anderen neun Kindern soll es Berichten zufolge gut gehen.&nbsp;</p>
<h4 class="pullquote"> Inzwischen ist klar: die Tierversuche wurden zu schnell abgebrochen. Nach 6 Monaten gab man Entwarnung. Eine Studie von 2006 zeigte aber, daß die Auffälligkeiten sich auch im Tierversuch erst nach 10 Monaten zeigen. <br /></h4>
<p>Auch dieser neuerliche Rückschlag kann nicht wirklich verwundern: erst vergangenes Jahr hatte eine US-Studie im Tierversuch nachgewiesen, daß 1/3 der Versuchstiere nach einer Gentherapie an Lymphomen erkrankte. Zu diesem Zeitpunkt war die Behandlung der zehn Jungen innerhalb der britischen Studie aber bereits abgeschlossen. Deutlich wird, daß die potentiellen Nebeneffekte der Gentherapie (bzw. des Einbringens von Gensequenzen mittels Viren) lange Zeit unterschätzt wurden. Die 2006 publizierte Studie verweist darauf, daß es sich aber vermutlich nicht nur um &quot;technische&quot; Probleme handelt &#8211; dessen ungeachtet haben die britischen Forscher für 2008 einen neuen Anlauf angekündigt: sie haben ein neues &quot;Protokoll&quot; entwickelt, das mit einem anderen Virus arbeitet. Es bleibt abzuwarten, ob hier die Mißerfolgsrate geringer ausfällt&#8230; </p>
<p><em>[Update &#8211; 20.12.2007 | 11:00Uhr]</em></p>
<p>Noch eine kurze <strong>Anmerkung aus wissenssoziologischer Sicht</strong>:</p>
<p>Interessant ist, daß die Forschergruppe um Alain Fischer in Paris keineswegs fahrlässig handelte. Die vorgeschriebenen Prozeduren, die sorgfältige Prüfung der Wirkmechanismen und eventueller Nebenwirkungen in Tierversuchen (1998/1999) wurden offenbar recht gewissenhaft ausgeführt. Und im Ergebnis wurde (vermeintlich!) abgesichertes Wissen produziert: daß nämlich die Wirksamkeit der gentherapeutischen Behandlung von SCID bestätigt ist, negative Effekte allerdings kaum zu erwarten seien. Das Tierversuchsstadium dauerte 6 Monate.&nbsp;</p>
<p>Wie oben skizziert mußte sich die französische Medizinergruppe nach 2-3 Jahren eines Besseren belehren lassen: 4 der 11 behandelten Kinder entwickelten leukämieähnliche Tumore. Erst die neuerliche Überprüfung im Jahr 2005 bestätigte den Verdacht: auch in den Tierversuchen ließen sich selbstverständlich durch die Gentherapie induzierte Tumore finden.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/rueckschlag-fuer-die-gentherapie-erneuter-leukaemiefall-bei-klinischer-studie-werkstattnotiz-l/#footnote_2_158" id="identifier_2_158" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wie oben ausgef&uuml;hrt sind daf&uuml;r allem Anschein nach die als Genf&auml;hren eingesetzten Retroviren verantwortlich.">3</a> Ca. 1/3 der Versuchstiere entwickelte Lymphome &#8211; dies allerdings eben erst durchschnittlich 10 Monate nach der Behandlung. [vgl. N.-B. Woods, V. Bottero, M. Schmidt, C. von Kalle, I. M. Verma: Therapeutic gene causing lymphoma In: Nature 7088/440/2006. S. 1123, <a href="http://www.nature.com/nature/journal/v440/n7088/abs/4401123a.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Abstract</a>]</p>
<p>Deutlich wird: Wissenschaftliche Studien stehen immer in der Gefahr Wissen zu produzieren, das sich zu diesem Entstehungszeitpunkt nicht als Irrtum identifizieren läßt. Denn wie lange hätte man die Versuchstiere weiter beobachten sollen? 8, 10, 12 Monate? Wäre es nicht auch denkbar, daß selbst die Versuchstiere erst nach 18 Monaten die Krebswucherungen zeigen? Und auf der anderen Seite stehen (das sollte man nicht vergessen) schwer kranke Patienten, für die die Therapie oftmals der letzte Rettungsanker ist. Hier möchte man wohl kaum mit den verantwortlichen Medizinern tauschen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li>Dt. Ärzteblatt (2007): <a href="http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=30855" target="_blank" rel="noopener noreferrer">X-SCID: Neuer Leukämiefall nach Gentherapie</a>, 19.12.2007</li>
<li>Dt. Ärzteblatt (2006): <a href="http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=102957" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wie die Gentherapie der Immunschwäche zu Lymphomen führen kann</a>, 27.04.2006</li>
<li><a href="http://www.ich.ucl.ac.uk/pressoffice/pressrelease_00591" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Pressemitteilung</a> des Institute of Child Health </li>
</ul>
<p></p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_158" class="footnote">Von Geburt an müssen die Kinder von allen Keimen abgeschirmt werden.&nbsp; Durch sterile Isolationszelte sollen Infektionen verhindert werden, denn Lungenentzündungen oder Meningitis verlaufen meist tödlich.</li><li id="footnote_1_158" class="footnote">Bei dieser Unterform der SCID liegt eine&nbsp; Mutation im Interleukin-2-Rezeptor-Gen (IL2RG) vor. Und diese Mutation ist auf dem X-Chromosom lokalisiert, weswegen nur Jungen betroffen sind.</li><li id="footnote_2_158" class="footnote">Wie oben ausgeführt sind dafür allem Anschein nach die als Genfähren eingesetzten Retroviren verantwortlich.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/rueckschlag-fuer-die-gentherapie-erneuter-leukaemiefall-bei-klinischer-studie-werkstattnotiz-l/">Rückschlag für die Gentherapie » Erneuter Leukämiefall bei klinischer Studie | Werkstattnotiz L</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Über den Umgang mit anderen Möglichkeiten » Eine Erwägungskultur ist eine Fehlerkultur ist eine Kontingenzkultur &#124; Werkstattnotiz LX</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Jan 2008 08:35:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kontingenz]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir neigen ja gemeinhin dazu, die Menschheit in verschiedene Gruppen einzuteilen. In Männer, die angeblich toll einparken können1 und in Frauen, die trotz überquellender Kleiderschränke nichts zum Anziehen finden.2 Eine andere Art der Schubladisierung wäre ja &#8211; wie wir gestern lernen durften 3 &#8211; diejenige in die geringgebildeten Dicken einerseits und die dünne Bildungselite andererseits. ... <a title="Über den Umgang mit anderen Möglichkeiten » Eine Erwägungskultur ist eine Fehlerkultur ist eine Kontingenzkultur &#124; Werkstattnotiz LX" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/" aria-label="Mehr Informationen über Über den Umgang mit anderen Möglichkeiten » Eine Erwägungskultur ist eine Fehlerkultur ist eine Kontingenzkultur &#124; Werkstattnotiz LX">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/">Über den Umgang mit anderen Möglichkeiten » Eine Erwägungskultur ist eine Fehlerkultur ist eine Kontingenzkultur | Werkstattnotiz LX</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<strong>Wir neigen ja gemeinhin dazu, die Menschheit in verschiedene Gruppen einzuteilen. In Männer, die angeblich toll einparken können</strong><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_0_187" id="identifier_0_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich warte ja, bis einer der Craig-Venter-J&uuml;nger das Einpark-Gen auf irgendeinem Chromosom lokalisiert.">1</a> <strong>und in Frauen, die trotz überquellender Kleiderschränke nichts zum Anziehen finden.</strong><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_1_187" id="identifier_1_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und ich warte, bis der Kleiderschrank serienreif ist, der (&auml;hnlich wie wir es von Amazon und Co. kennen) Vorschl&auml;ge unterbreitet &ndash; gem&auml;&szlig; dem Motto: &quot;An Tagen an denen Sie diesen Rock getragen haben, haben sie auch diese Bluse, dieses Top, diesen Rollkragenpullover&hellip;&quot; ;-) ">2</a> <strong>Eine andere Art der Schubladisierung wäre ja &#8211; wie wir gestern lernen durften </strong><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_2_187" id="identifier_2_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Minister Seehofer pr&auml;sentierte die Ergebnisse der &quot;Nationalen Verzehrstudie&quot;, wonach das K&ouml;rpergewicht mit dem Bildungsstand korreliert.">3</a> <strong>&#8211; diejenige in die geringgebildeten Dicken einerseits und die dünne Bildungselite andererseits.</strong> </p>
<h4 class="pullquote_left"> Die Menschheit zerfällt in zwei Gruppen: in diejenigen, die glauben, es gäbe richtige und falsche Entscheidungen. Und in diejenigen, die nüchtern genug sind und wissen, daß es so einfach niemals ist. <br /></h4>
<p>Mir persönlich sind solche Kategorisierungen ja eher suspekt. Wäre ich gezwungen dennoch eine Unterscheidung vorzunehmen, dann möglicherweise diejenige zwischen Menschen, die glauben es gäbe prinzipiell richtige und falsche Entscheidungen<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_3_187" id="identifier_3_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und diese Entscheidungen seien eindeutig und unumst&ouml;&szlig;lich.">4</a> und Menschen, die wissen, daß es allenfalls bessere und schlechtere Entscheidungen geben kann, niemals aber eine einzige unzweifelhaft optimale Lösung. </p>
<p>Ausgangspunkt für die folgenden Überlegungen ist ein <a target="_blank" href="http://images.zeit.de/text/2008/05/FiS-Erwaegung" rel="noopener noreferrer">kurzes Interview</a> in der ZEIT von vergangener Woche. Unter dem Titel &quot;<em>Erwägungskultur</em>&quot; gibt die Kulturwissenschaftlerin Bettina Blanck von der Universität Paderborn Auskunft &quot;<em>über neue Formen im wissenschaftlichen Diskurs</em>&quot;. Das klingt spannend, verspricht aber mehr als das Interview hält. Denn um den wissenschaftlichen Diskurs geht es im Gespräch nur ganz am Rande. </p>
<p>Dennoch sind die Antworten von Bettina Blanck anregend, denn die Zielsetzung einer &quot;Erwägungskultur&quot; formuliert sie bspw. so:</p>
<blockquote><p>Wir wollen Alternativen als Denkmöglichkeit bewahren. Sie sind für uns ein Gütesiegel, mit dem wir besonders für Forschung und Lehre ein höheres Niveau anstreben. Die Vermittlung von Wissen verändert sich durch ein Denken in Möglichkeiten und die Frage: Könnte es auch anders sein? </p></blockquote>
<p>Und wenn von &quot;Alternativen als Denkmöglichkeiten&quot; die Rede ist und der ganz basalen Frage: &quot;Könnte es auch anders sein?&quot; werde ich natürlich hellhörig. Denn genau das ist der zentrale Punkt, an dem wissenschaftliche (und in der Folge häufig genug gesellschaftliche) Kontroversen aufbrechen. Denn wenn es bspw. um neue Technologien geht, dann sind stets Risikoerwägungen zu treffen, deren neuralgische Stelle just diese simple Frage ist: &quot;Könnte es auch anders sein?&quot; </p>
<h4 class="pullquote"> Jede Risikodebatte dreht sich im Kern um die Frage: &quot;Könnte es auch anders sein?&quot; &#8211; Und hier stoßen (Kontingenz-)Leugner und Kontrollskeptiker aufeinander. <br /></h4>
<p><strong>Aktuelles Beispiel für eine Enttäuschung der Eindeutigkeitsversprechen: die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs ist riskanter als gedacht</strong></p>
<p>Nehmen wir als Beispiel die aktuelle Diskussion um die Risiken der sog. <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/HPV-Impfstoff" rel="noopener noreferrer">HPV-Impfung</a>. Eine Infektion mit <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Humanes_Papillomvirus" rel="noopener noreferrer">humanen Papillomviren</a> ist einer der Hauptrisikofaktoren für Gebärmutterhalskrebs und seit Ende 2006 steht unter dem Namen &quot;Gardasil&quot; ein Impfstoff zur Verfügung, der gegen die meisten HPV-Typen schützen soll.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_4_187" id="identifier_4_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wohlgemerkt taugt der Impfstoff nicht gegen alle Varianten des Virus und es ist epidemiologisch auch nicht wirklich &uuml;berzeugend belegt, da&szlig; die HPV-Impfung zuverl&auml;ssig gegen Zervixkarzinome sch&uuml;tzt.">5</a> Seit im Oktober 2007 eine 19-jährige Österreicherin im direkten Zusammenhang mit einer Gardasil-Impfung verstarb,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_5_187" id="identifier_5_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und dutzende weitere Verdachtsf&auml;lle auf Sch&auml;den und einige weitere ungekl&auml;rte Todesf&auml;lle etc. publik wurden.">6</a> wird nun debattiert, ob die Impfung nicht doch versteckte Risiken birgt und lediglich fragwürdigen Nutzen bietet.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_6_187" id="identifier_6_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Mehr Informationen zu den Diskussionen um die Risiken der HPV-Impfung finden sich wie so oft in der &quot;Station&auml;ren Aufnahme&quot; &ndash; z.B. hier und hier und hier.">7</a></p>
<p>Dieser Fall ist wieder einmal beispielhaft dafür, wie sich scheinbare Eindeutigkeiten binnen weniger Wochen<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_7_187" id="identifier_7_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und selbst vor so sicher geglaubten Glaubenss&auml;tzen, wie demjenigen, da&szlig; Oliven&ouml;l gesund ist, schrecken die Skeptiker nicht mehr zur&uuml;ck. ;-) ">8</a> in Mehrdeutigkeiten und Unsicherheiten verwandeln.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_8_187" id="identifier_8_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Woran die Todesf&auml;lle wirklich lagen, kann ich nat&uuml;rlich auch nicht sagen. Waren es nun immunologische Fehlreaktionen, die durch Gardasil ausgel&ouml;st wurden oder war es doch nur Zufall?">9</a> Denn bislang empfahl die Ständige Impfkommission (Stiko)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_9_187" id="identifier_9_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums die Empfehlungen zu Schutzimpfungen erarbeitet und am Robert-Koch-Institut angesiedelt ist.">10</a> die Impfung für Mädchen im Alter von 12-17 Jahren. Nach deren Wunsch sollen alle Mädchen der fraglichen Altersgruppe vorbeugend geimpft werden, was &#8211; jede einzelne Impfung schlägt mit knapp 500 Euro zu Buche &#8211; grob gerechnet für jeden (Mädchen-)Jahrgang die Kassen eine halbe Milliarde Euro kostet.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_10_187" id="identifier_10_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nat&uuml;rlich sind die Versprechen und Zahlen der Impfstoffhersteller (Sanofi Pasteur MSD) wieder vollmundiger und sie verschweigen, da&szlig; eine Impfung keineswegs absolute Sicherheit bietet etc.">11</a> Man sollte glauben, solche großangelegten und immens teuren Entscheidungen würden nur unter der Voraussetzung einer gesicherten Wissens- und Datenbasis getroffen, oder?</p>
<p>Weit gefehlt &#8211; und über die Aufregung um die Risiken der HPV-Impfung kann sich wohl nur derjenige wundern, der in meiner obigen Kategorisierung zu der ersten Gruppe gehört: also zu den Zeitgenossen, die felsenfest davon ausgehen, daß es richtig und falsch gibt. Oder anders formuliert: wer glaubt, daß man prinzipiell genug wissen kann, um ganz &#8211; also 100%! &#8211; sicher zu sein, der wird enttäuscht sein, wenn sich im nachhinein herausstellt, daß sich die Dinge doch anders verhalten. </p>
<p><strong>Über die Vorteile einer Erwägungskultur</strong></p>
<p>Was das alles mit einer Erwägungskultur und Risikokontroversen zu tun hat? Sehr viel, denn wie ich vorhin schrieb, entzünden sich die Konflikte meist zwischen den Angehörigen der beiden Gruppen: einerseits die Eindeutigkeitsjünger, andererseits die Skeptiker. Und die Skeptiker leben eben nach dem Motto: &quot;Es könnte auch anders sein&#8230;&quot; ;-) </p>
<h4 class="pullquote"> Wenn uns am Fortbestand unserer Zivilisation liegt, dann sollten wir anerkennen, daß unser Kontrollglaube häufig mehr ein Kontrollaberglaube ist. <br /></h4>
<p>Für wünschenswert &#8211; und übrigens auch für den Fortbestand der menschlichen Zivilisation unabdingbar &#8211; hielte ich ja, daß wir mehr und mehr lernen könnten, daß unser Kontrollglaube häufig mehr ein Kontrollaberglaube ist. Denn wer der Illusion anhängt, seine Entscheidungen auf der Basis eindeutigen, gesicherten Wissens zu treffen, der wird viel weniger über die Folgen seines Handelns nachdenken.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/#footnote_11_187" id="identifier_11_187" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und diejenigen, die vor den Nebenwirkungen warnen, als Fortschrittsfeinde beschimpfen&hellip;">12</a> Und viel zu früh andere Denk- und Handlungsmöglichkeiten verwerfen, die später auch kaum mehr reaktiviert werden können.</p>
<p>Ich hätte nichts dagegen, wenn wir in deutlich mehr Bereichen eine Erwägungskultur etablieren könnten. Denn im Umgang mit Vielfalt, im Umgang mit begrenztem Wissen ist es auf lange Sicht ratsamer, auf etwaige negative Folgeerscheinungen gefaßt zu sein. Daß wir stets nur &quot;Entscheidungen unter Unsicherheit&quot; treffen, sollte ja kaum bestreitbar sein&#8230; </p>
<p>Und Erwägungskultur meint nichts anderes als den Blick für andere Alternativen zu öffnen. Und hier ist sie eng verwandt mit einer Kontingenzkultur: nämlich dem Bewußtsein, daß alles jeweils auch anders möglich sein könnte.&nbsp; </p>
<p>&nbsp;<br />&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li>Die Zeit: <a href="http://images.zeit.de/text/2008/05/FiS-Erwaegung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Erwägungskultur</a>, Interview mit Bettina Blanck, DIE ZEIT, 24.01.2008 </li>
<li>Berndt, Christina: <a href="http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/artikel/691/136422/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Voreilige Vorsorge</a>, Süddeut. Zeitung, 5.10.2007</li>
</ul>
<p><em><strong>Literaturempfehlungen:&nbsp;</strong></em></p>
<ul>
<li>Beck, Ulrich (2007):&nbsp;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518414259?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518414259"> Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit</a>. Suhrkamp</li>
<li>Osten, Manfred (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518417444?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518417444">Die Kunst, Fehler zu machen.</a> Plädoyer für eine fehlerfreundliche Irrtumsgesellschaft. Suhrkamp</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_187" class="footnote">Ich warte ja, bis einer der Craig-Venter-Jünger das Einpark-Gen auf irgendeinem Chromosom lokalisiert.</li><li id="footnote_1_187" class="footnote">Und ich warte, bis der Kleiderschrank serienreif ist, der (ähnlich wie wir es von Amazon und Co. <a target="_blank" href="http://blog.metaroll.de/2008/01/30/amazon-als-turing-maschine/" rel="noopener noreferrer">kennen</a>) Vorschläge unterbreitet &#8211; gemäß dem Motto: &quot;An Tagen an denen Sie diesen Rock getragen haben, haben sie auch diese Bluse, dieses Top, diesen Rollkragenpullover&#8230;&quot; ;-) </li><li id="footnote_2_187" class="footnote">Minister Seehofer präsentierte die Ergebnisse der &quot;Nationalen Verzehrstudie&quot;, wonach das Körpergewicht mit dem Bildungsstand korreliert.</li><li id="footnote_3_187" class="footnote">Und diese Entscheidungen seien eindeutig und unumstößlich.</li><li id="footnote_4_187" class="footnote">Wohlgemerkt taugt der Impfstoff nicht gegen alle Varianten des Virus und es ist epidemiologisch auch nicht wirklich überzeugend belegt, daß die HPV-Impfung zuverlässig gegen Zervixkarzinome schützt.</li><li id="footnote_5_187" class="footnote">Und dutzende weitere Verdachtsfälle auf Schäden und einige weitere ungeklärte Todesfälle etc. publik wurden.</li><li id="footnote_6_187" class="footnote">Mehr Informationen zu den Diskussionen um die Risiken der HPV-Impfung finden sich wie so oft in der &quot;Stationären Aufnahme&quot; &#8211; z.B. <a target="_blank" href="http://gesundheit.blogger.de/stories/1022337/" rel="noopener noreferrer">hier</a> und <a target="_blank" href="http://gesundheit.blogger.de/stories/1029503/" rel="noopener noreferrer">hier </a>und <a target="_blank" href="http://gesundheit.blogger.de/stories/1026192/" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</li><li id="footnote_7_187" class="footnote">Und selbst vor so sicher geglaubten Glaubenssätzen, wie demjenigen, daß <a href="http://www.eigenarbeit.org/molekularkueche/2008/01/30/vorsicht-olivenol/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Olivenöl</a> <a href="http://fisch-blog.blog.de/2008/01/23/olivenol_jetzt_doch_ungesund~3623261" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gesund</a> ist, schrecken die Skeptiker nicht mehr zurück. ;-) </li><li id="footnote_8_187" class="footnote">Woran die Todesfälle wirklich lagen, kann ich natürlich auch nicht sagen. Waren es nun immunologische Fehlreaktionen, die durch Gardasil ausgelöst wurden oder war es doch nur Zufall?</li><li id="footnote_9_187" class="footnote">Die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums die Empfehlungen zu Schutzimpfungen erarbeitet und am Robert-Koch-Institut angesiedelt ist.</li><li id="footnote_10_187" class="footnote">Natürlich sind die Versprechen und Zahlen der Impfstoffhersteller (Sanofi Pasteur MSD) wieder vollmundiger und sie verschweigen, daß eine Impfung keineswegs absolute Sicherheit bietet etc.</li><li id="footnote_11_187" class="footnote">Und diejenigen, die vor den Nebenwirkungen warnen, als Fortschrittsfeinde beschimpfen&#8230;</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/ueber-den-umgang-mit-anderen-moeglichkeiten-eine-erwaegungskultur-ist-eine-fehlerkultur-ist-eine-kontingenzkultur-werkstattnotiz-lx/">Über den Umgang mit anderen Möglichkeiten » Eine Erwägungskultur ist eine Fehlerkultur ist eine Kontingenzkultur | Werkstattnotiz LX</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Sorgenkind I: Food-Safety ::: Sorgenkind II: Ärzte-Fortbildungen ::: Sorgenkind III: Ende für Trasylol &#124; Werkstatt-Ticker 27</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/sorgenkind-i-food-safety-sorgenkind-ii-aerzte-fortbildungen-sorgenkind-iii-ende-fuer-trasylol-werkstatt-ticker-27/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 May 2008 11:12:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Kontingenz]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensmittel]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Nebenwirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[Pharmaindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Risiken]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>» Lebensmittelüberwachung auf dem Weg ins 21. Jahrhundert Wenn hierzulande mal wieder in irgendeiner Lagerhalle einige Tonnen sog. &#8222;Gammelfleisch&#8220; aufgestöbert werden, dann sind das zumeist Zufallsfunde. Denn &#8211; entgegen allen Beteuerungen die Lebensmittelsicherheit habe allerhöchste Priorität &#8211; sind die Institutionen zur Lebensmittelüberwachung schon allein personell hoffnungslos unterfinanziert. Egal ob es um die Anzahl der Veterinäre, ... <a title="Sorgenkind I: Food-Safety ::: Sorgenkind II: Ärzte-Fortbildungen ::: Sorgenkind III: Ende für Trasylol &#124; Werkstatt-Ticker 27" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/sorgenkind-i-food-safety-sorgenkind-ii-aerzte-fortbildungen-sorgenkind-iii-ende-fuer-trasylol-werkstatt-ticker-27/" aria-label="Mehr Informationen über Sorgenkind I: Food-Safety ::: Sorgenkind II: Ärzte-Fortbildungen ::: Sorgenkind III: Ende für Trasylol &#124; Werkstatt-Ticker 27">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/sorgenkind-i-food-safety-sorgenkind-ii-aerzte-fortbildungen-sorgenkind-iii-ende-fuer-trasylol-werkstatt-ticker-27/">Sorgenkind I: Food-Safety ::: Sorgenkind II: Ärzte-Fortbildungen ::: Sorgenkind III: Ende für Trasylol | Werkstatt-Ticker 27</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/category/werkstatt-ticker/"><img decoding="async" class="alignright size-full wp-image-234" style="border: 1px solid #DCDCDC; margin: 6px; float: right;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/uploads/2008/04/ticker_02a.jpg" alt="Ticker.jpg" width="180" height="121" /></a><em></em></p>
<h4><span><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong> <span style="font-size: large;">Lebensmittelüberwachung auf dem Weg ins 21. Jahrhundert<br />
</span></span></span></h4>
<p>Wenn hierzulande mal wieder in irgendeiner Lagerhalle einige Tonnen sog. &#8222;Gammelfleisch&#8220; aufgestöbert werden, dann sind das zumeist Zufallsfunde. Denn &#8211; entgegen allen Beteuerungen die Lebensmittelsicherheit habe allerhöchste Priorität &#8211; sind die Institutionen zur Lebensmittelüberwachung schon allein personell hoffnungslos unterfinanziert. Egal ob es um die Anzahl der Veterinäre, der Lebensmittelchemiker oder um die Ressourcen zur Durchführung von Proben geht: es stehen viel zu wenig Mittel zur Verfügung, um den schwarzen Schafen der Lebensmittelbranche auf die Schliche zu kommen.</p>
<p>Gleichzeitig gibt es natürlich auch Lebensmittelrisken und Verunreinigungen, die nicht auf kriminelle Energie zurückzuführen sind. Wie man nun lesen kann, ist es aber auch in den USA kaum anders. Ein informativer Bericht zur &#8222;Food Safety&#8220; fordert, endlich den Konsumentenschutz ernstzunehmen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Our goal should be reducing the number of Americans who get sick from foodborne illness. But we can&#8217;t adequately protect people from contaminated foods if we continue to use 100 year-old practices.&#8220;</p></blockquote>
<div class="links_ticker">
<ul>
<li>Trust for America&#8217;s Health: <a href="http://healthyamericans.org/reports/foodsafety08/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fixing Food Safety</a></li>
</ul>
</div>
<h4><span><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong> <span style="font-size: large;">Selbstlosigkeit der Pharmaindustrie?</span></span></span></h4>
<p>Neben Kritik an der fortschreitenden Rationierung im Gesundheitssystem (Stichwort: <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zwei-Klassen-Medizin" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zwei-Klassen-Medizin</a>) waren die letzten Tage vom Deutschen Ärztetag in Ulm wiederholt Klagen über die miserable Entlohnung der ärztlichen Leistungen zu hören. Ich bin der Meinung, daß hier auf sehr hohem Niveau gejammert wird und frage mich, weshalb andere Themen beim Ärztetag offensichtlich keine Rolle spielen. Denn wie wäre es mit der Frage nach der höchst fragwürdigen Rolle der Pharmaindustrie bei den ärztlichen Fortbildungen?</p>
<p>Für Workshops, Kongresse und immer mehr Online-Fortbildungen gibt die Pharmaindustrie jährlich 2 Mrd. Euro aus! Wohlgemerkt beharren die Pharmafirmen darauf, daß diese Angebote ausschließlich medizinisch motiviert seien und die Ärzte mit den neuesten Therapien und Methoden vertraut machen sollen &#8211; Produktbotschaften, gar noch für die eigenen Medikamente, liegt den Firmen natürlich fern.</p>
<p>Zur traurigen Realität und Intransparenz des ärztlichen Fortbildungswesen, war hier etwas zu lesen:</p>
<div class="links_ticker">
<ul>
<li>Kreiss, Stefanie und Schmincke, Polly: <a href="http://www.ftd.de/unternehmen/gesundheitswirtschaft/:Gesundheitswirtschaft%20Manipulierter%20%C4rzte%20Lehrplan/353078.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Manipulierter Ärzte-Lehrplan</a>, FTD, 13.5.2008</li>
</ul>
</div>
<p><span><span><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong><span style="font-size: large;"> </span></span></span></span><strong><span><span><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><span style="font-size: large;">Trasylol: Ende eines Hoffnungsträgers</span></span></span></span></strong></p>
<p>Das Bayer-Präparat &#8222;Trasylol&#8220; stand schon seit einigen Monaten in den Schlagzeilen. Nun hat Bayer angekündigt, die Trasylol-Vorräte von Kliniken und Apotheken zurückzunehmen, was nach der vorläufigen Marktrücknahme nun wohl das endgültige Ende des Medikaments bedeutet.</p>
<p>Der Hintergrund: Trasylol mit dem Wirkstoff Aprotinin ist ein Antifibrinolytikum. Dient also als Blutungsstiller und wird demzufolge zur Vermeidung von schweren Blutungen bei Operationen eingesetzt. Nun war bei einer großen Vergleichsstudie (BART)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/sorgenkind-i-food-safety-sorgenkind-ii-aerzte-fortbildungen-sorgenkind-iii-ende-fuer-trasylol-werkstatt-ticker-27/#footnote_0_300" id="identifier_0_300" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="An der Studie &bdquo;Blood Conservation using Antifibrinolytics in a Randomized Trial&ldquo; waren mehr als 100 kanadische Herzchirugen beteiligt. Es wurden ingesamt 3 Blutungsstiller (Antifibrinolytika) in einer randomisierten Vergleichsstudie getestet.">1</a> entdeckt worden, daß &#8222;Trasylol&#8220; zwar genau seinen Zweck erfüllt &#8211; es senkt die Wahrscheinlichkeit von Blutungskomplikationen bei Herz-OPs am effektivsten. Aber: die Mortalitätsrate der Patienten steigt ebenfalls überdurchschnittlich.</p>
<p>Das interessante: der angestrebte Haupteffekt wird durch Trasylol erreicht, allerdings führt ein Nebeneffekt, der lange Zeit unbeachtet blieb zur Marktrücknahme. Und niemand weiß warum. Oder wie das Ärzteblatt notiert:</p>
<blockquote><p>&#8222;Eine Erklärung für dieses Paradox (höhere Sterblichkeit trotz weniger Blutungskomplikationen) fällt den Forschern noch immer schwer.&#8220;</p></blockquote>
<div class="links_ticker">Link:</p>
<ul>
<li>Ärzteblatt: <a href="http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docid=107989" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BART-Studie publiziert: Endgültiges Ende von Trasylol,</a> 15.5.2008</li>
</ul>
</div>
<div class="invisible">
<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Medizin">Medizin</a></p>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Pharmalobby">Pharmalobby</a></p>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Nebenwirkungen">Nebenwirkungen</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_300" class="footnote">An der Studie &#8222;Blood Conservation using Antifibrinolytics in a Randomized Trial&#8220; waren mehr als 100 kanadische Herzchirugen beteiligt. Es wurden ingesamt 3 Blutungsstiller (Antifibrinolytika) in einer randomisierten Vergleichsstudie getestet.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/sorgenkind-i-food-safety-sorgenkind-ii-aerzte-fortbildungen-sorgenkind-iii-ende-fuer-trasylol-werkstatt-ticker-27/">Sorgenkind I: Food-Safety ::: Sorgenkind II: Ärzte-Fortbildungen ::: Sorgenkind III: Ende für Trasylol | Werkstatt-Ticker 27</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kritik der ironiefreien Vernunft » Zum Tod des empfindsamen Philosophen Richard Rorty</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/kritik-der-ironiefreien-vernunft-zum-tod-des-empfindsamen-philosophen-richard-rorty/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jun 2007 14:35:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Kontingenz]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alle Theorie, alle Praxis ist großartig, wenn sie Schattierungen zuläßt, integriert oder sichtbar macht. Das sklavisch-strikte Festhalten an Kategorien, an schwarz&#124;weiß, an entweder&#124;oder erlaubt zwar Orientierung, verkennt in seiner Ängstlichkeit aber die Vielfalt der tatsächlichen Sachverhalte. Ein Philosoph, in dessen Leben und Werk sichtbar wurde, daß Philosophie nicht praxis- und lebensfern und daß praktisches Handeln ... <a title="Kritik der ironiefreien Vernunft » Zum Tod des empfindsamen Philosophen Richard Rorty" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/kritik-der-ironiefreien-vernunft-zum-tod-des-empfindsamen-philosophen-richard-rorty/" aria-label="Mehr Informationen über Kritik der ironiefreien Vernunft » Zum Tod des empfindsamen Philosophen Richard Rorty">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/kritik-der-ironiefreien-vernunft-zum-tod-des-empfindsamen-philosophen-richard-rorty/">Kritik der ironiefreien Vernunft » Zum Tod des empfindsamen Philosophen Richard Rorty</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Alle Theorie, alle Praxis ist großartig, wenn sie Schattierungen zuläßt, integriert oder sichtbar macht. Das sklavisch-strikte Festhalten an Kategorien, an schwarz|weiß, an entweder|oder erlaubt zwar Orientierung, verkennt in seiner Ängstlichkeit aber die Vielfalt der tatsächlichen Sachverhalte. Ein Philosoph, in dessen Leben und Werk sichtbar wurde, daß Philosophie nicht praxis- und lebensfern und daß praktisches Handeln nicht denkfeindlich sein muß, war Richard Rorty. Der amerikanische Philosoph und Literaturwissenschaftler verstarb am vergangenen Freitag, den 8. Juni 2007. </strong></p>
<p>Wenn die Rede von einem Querdenker berechtigt ist, dann bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rorty" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Richard Rorty</a>. Rorty erregte Widerspruch und widersprach selbst mit Leidenschaft. Stets getrieben vom Interesse, den kontingenten, zufälligen Grund vermeintlicher Gewißheiten aufzuzeigen. Und immer beseelt vom Wunsch, davon überzeugen zu können, daß nicht die nüchtern, kalkulierende Rationalität die Blüte der zivilisatorischen Kulturentwicklung darstellt, sondern daß es die Steigerung der Mitleidsfähigkeit ist, die uns vor anderen Zeiten oder Kulturen auszeichnet oder zumindest auszeichnen könnte.&nbsp; </p>
<p>Rorty betätigte sich als Wegbereiter, als Wegweiser für eine &quot;Gemeinschaft liberaler Ironikerinnen&quot;, deren Ziel nicht die Erlangung absoluter Wahrheit, sondern die &quot;Vermeidung von Grausamkeit&quot; ist. Darin, so Rortys utopische Überzeugung, erwiese sich ein tatsächlicher Fortschritt. Die zutiefst menschliche Fähigkeit zur Mitleidsempfindung war Rorty Anlaß und Auftrag, um zeitlebens darauf zu insistieren,&nbsp; </p>
<blockquote>
<p>[daß] moralischer Fortschritt im Sinne zunehmender Sensibilität und wachsender Empfänglichkeit für die Bedürfnisse einer immer größeren Vielfalt der Menschen und der Dinge [anzusehen ist].<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/kritik-der-ironiefreien-vernunft-zum-tod-des-empfindsamen-philosophen-richard-rorty/#footnote_0_44" id="identifier_0_44" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Rorty, Richard (1994): Hoffnung statt Erkenntnis. Eine Einf&uuml;hrung in die pragmatische Philosophie. S. 79.">1</a> </p>
</blockquote>
<p>Rorty durchlief in seinem Denk- und Lebensweg, wie sollte es anders sein, verschiedene Etappen: ausgehend und gründend in der US-amerikanischen analytischen Philosophie, emanzipierte er sich durch die Rezeption von <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nietzsche" rel="noopener noreferrer">Nietzsche</a>, <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Wittgenstein" rel="noopener noreferrer">Wittgenstein</a>, <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Heidegger" rel="noopener noreferrer">Heidegger</a> oder <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/John_Dewey" rel="noopener noreferrer">Dewey</a>. Er war mitverantwortlich für den Erfolg und die Reichweite des &#8218;<a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Linguistic_Turn" rel="noopener noreferrer"><em>linguistic turn</em></a>&#8218; und vollzog später selbst einen zusätzlichen &#8218;<em>pragmatic turn</em>&#8218;, weswegen er wohl nicht zu Unrecht als Neo-Pragmatiker bezeichnet wird. </p>
<p>Seine Kritik der vorherrschenden Erkenntnistheorie gründete in der Einsicht, daß Denken immer in sprachliche Kontexte eingelassen ist.  Wahrheitsansprüche sind für Rorty &#8211; hier wird der Einfluß Wittgensteins deutlich &#8211; nichts anderes als ein Metaphernheer, ein Sprachspiel eben, das mehr oder weniger Überzeugungskraft hat. Und so stellte er fest: &quot;Sprache hat die Macht, neue und andere Dinge möglich und wichtig zu machen.&quot;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/kritik-der-ironiefreien-vernunft-zum-tod-des-empfindsamen-philosophen-richard-rorty/#footnote_1_44" id="identifier_1_44" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Rorty, Richard (1992): Kontingenz, Ironie und Solidarit&auml;t. Frankfurt, S. 147.">2</a> </p>
<p>Folgerichtig entdeckte Rorty in den Erzähltraditionen und namentlich im Roman die Möglichkeit, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sowie zwischen unterschiedlichen Menschen und Kulturen zu vermitteln. In der Literatur (ganz egal ob in trivialer oder anspruchsvoller Spielart) werde Sensibilität und Empathie geschärft, so seine These. Und &#8211; so konsequent war Rorty &#8211; nachdem für ihn die akademische Philosophie immer mehr fragwürdig geworden war, gab er 1982 seinen Lehrstuhl für Philosophie in Princeton auf und wechselte als Professor für Altphilologie nach Virginia bevor er schließlich Vergleichende Literaturwissenschaften in Stanford lehrte. </p>
<p>Mit seiner&nbsp;Skizze eines Lebensentwurfs für das postmoderne Zeitalter der Unübersichtlichkeit erntete Rorty viel Zuspruch und Sympathie, aber auch heftige Kritik. Die Figur der &#8218;liberalen Ironikerin&#8216; kennzeichnete er selbst folgenderweise:</p>
<blockquote>
<p>&nbsp;&quot;Ironikerin&quot; nenne ich eine Person, die der Tatsache ins Gesicht sieht, daß ihre zentralen Überzeugungen und Bedürfnisse kontingent sind. &quot;Ironikerin&quot; nenne ich jemanden,  der so nominalistisch und historistisch ist, daß er die Vorstellung aufgegeben hat, seine zentralen Überzeugungen und Bedürfnisse bezögen sich zurück auf eine Instanz jenseits des raum-zeitlichen Bereiches. Liberale Ironiker sind Menschen, die zu diesen nicht auf tiefste Gründe rückführbaren Bedürfnissen auch ihre eigenen Hoffnungen rechnen, die Hoffnungen, daß Leiden geringer wird, daß die Demütigung von Menschen durch Menschen vielleicht aufhört.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/kritik-der-ironiefreien-vernunft-zum-tod-des-empfindsamen-philosophen-richard-rorty/#footnote_2_44" id="identifier_2_44" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Rorty, Richard (1992): Kontingenz, Ironie und Solidarit&auml;t. S. 14">3</a></p>
</blockquote>
<p>Richard Rorty, dem das Streben nach absoluten Wahrheiten stets suspekt blieb, ist mir persönlich vor allem durch seine Kritik am (szientistischen) Erkenntnismodell und dessen Wahrheitspostulat, sowie durch seinen Verweis auf die Kontingenz all unserer Anschauungen und ihrer sprachlichen Kontextualität sehr sympathisch. Aus diesem Grund wird es in wenigen Tagen in der Wissenswerkstatt eine ausführlichere Skizze des Denkens von Richard Rorty geben. Für heute nur diese kurze, schlaglichtartige Einführung und folgende Link- und Literaturhinweise:<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/kritik-der-ironiefreien-vernunft-zum-tod-des-empfindsamen-philosophen-richard-rorty/#footnote_3_44" id="identifier_3_44" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das selbsternannte Online-Leitmedium Spiegel-Online hat bis jetzt nicht einmal einen kurzen Verweis auf den Tod Rortys eingestellt; immerhin einen der wichtigsten Philosophen der zweiten H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts. Auch die Blogsph&auml;re nimmt diese Nachricht nur zur&uuml;ckhaltend zur Kenntnis; J&ouml;rg Lau schreibt etwas im Zeit-Blog, hier findet man die Notiz auch und diesem Schweizer Blog verdanke ich den Hinweis auf den NYT-Artikel.">4</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<ul>
<li>Wenzel, Uwe Justus (2007): <a  target="_blank" href="http://www.nzz.ch/2007/06/12/fe/articleF9940.html" rel="noopener noreferrer">Mitfühlender Liberalismus</a>, Neue Zürcher Zeitung (NZZ), 12.6.2007</li>
<li>Knipphals, Dirk (2007): <a  target="_blank" href="http://www.taz.de/dx/2007/06/12/a0054.1/text" rel="noopener noreferrer">Vom Grübeln zum Handeln</a>, taz, 12.6.2007</li>
<li>Geier, Manfred (2007): <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/960/117831/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Philosophie gegen die Lachfeinde</a>, Süddeutsche Zeitung, 11.6.2007</li>
<li>Habermas, Jürgen (2007): <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/953/117824/" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Immer wieder schockiert</a>, Süddeutsche Zeitung, 11.6.2007</li>
<li>Schlüter, Christian (2007): <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?sid=1fa5d2a5854d207f235f080b0956a6bf&amp;em_cnt=1151849" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Misstrauen als erste Bürgerpflicht</a>, Frankfurter Rundschau, 11.6.2007</li>
<li>Cohen, Patricia (2007): <a href="http://www.nytimes.com/2007/06/11/obituaries/11rorty.html" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Richard Rorty, Philosopher, Dies at 75</a>, The New York Times, 11.6.2007</li>
<li>Fetscher, Caroline (2007): <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/;art772,2318418" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Mitleid kann man lernen</a>, Der Tagesspiegel, 10.6.2007</li>
<li>Rorty, Richard (2004): <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EB7D34EB50CD1428DBA295C40A46AEA1E~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Wissen deutsche Politiker, wozu Universitäten da sind?</a>, FAZ, 31.8.2004</li>
</ul>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<ul>
<li>Reese-Schäfer, Walter (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3885066238?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3885066238">Richard Rorty zur Einführung</a>. Junius Verlag. </li>
<li>Rorty, Richard &amp; Vattimo, Gianni (2006): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3518584588?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518584588" rel="noopener noreferrer">Die Zukunft der Religion</a>. Suhrkamp: Frankfurt. </li>
<li>Sandbothe, Mike (2005): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518292919?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518292919">Donald Davidson/Richard Rorty. Wozu Wahrheit?</a> Eine Debatte. Suhrkamp: Frankfurt.</li>
<li>Rorty, Richard (2003): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/351829220X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=351829220X">Wahrheit und Fortschritt. Moralische Vernunft in der Praxis.</a> Suhrkamp: Frankfurt.</li>
<li>Rorty, Richard (2000): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/359614762X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=359614762X">Philosophie und die Zukunft</a>. Essays. Fischer: Frankfurt.</li>
<li>Rorty, Richard (1994): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3851650751?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3851650751">Hoffnung statt Erkenntnis</a>. Eine Einführung in die pragmatische Philosophie. Wien: Passagen.</li>
<li> Rorty, Richard (1992): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518285815?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518285815">Kontingenz, Ironie und Solidarität</a>. Frankfurt: Suhrkamp.</li>
<li>Rorty, Richard (1987<span class="sans">): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518282867?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518282867">Der Spiegel der Natur: eine Kritik der Philosophie</a>. Frankfurt: Suhrkamp.</span><strong class="sans"><br /></strong></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_44" class="footnote">Rorty, Richard (1994): Hoffnung statt Erkenntnis. Eine Einführung in die pragmatische Philosophie. S. 79.</li><li id="footnote_1_44" class="footnote">Rorty, Richard (1992): Kontingenz, Ironie und Solidarität. Frankfurt, S. 147.</li><li id="footnote_2_44" class="footnote">Rorty, Richard (1992): Kontingenz, Ironie und Solidarität. S. 14</li><li id="footnote_3_44" class="footnote">Das selbsternannte Online-Leitmedium Spiegel-Online hat bis jetzt nicht einmal einen kurzen Verweis auf den Tod Rortys eingestellt; immerhin einen der wichtigsten Philosophen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Auch die Blogsphäre nimmt diese Nachricht nur zurückhaltend zur Kenntnis; Jörg Lau schreibt etwas im <a href="http://blog.zeit.de/joerglau/2007/06/10/richard-rorty-ist-tot_553" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zeit-Blog</a>, <a href="http://litart.twoday.net/stories/3823870/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> findet man die Notiz auch und diesem Schweizer <a href="http://alpha.blueblog.ch/log/richard-rorty-gestorben.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blog</a> verdanke ich den Hinweis auf den NYT-Artikel.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/kritik-der-ironiefreien-vernunft-zum-tod-des-empfindsamen-philosophen-richard-rorty/">Kritik der ironiefreien Vernunft » Zum Tod des empfindsamen Philosophen Richard Rorty</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Experimentalsysteme » Hans-Jörg Rheinberger skizziert Kontingenzspielräume</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 May 2007 16:40:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kontingenz]]></category>
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		<category><![CDATA[Wissenschaftsgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Beobachten von Wissenschaft, insbesondere wenn es sich um die avanciertesten Forschungsbemühungen der Naturwissenschaften handelt, ist ein problematisches Unterfangen. Allzu leicht sieht sich etwa die Wissenschaftssoziologie, die von einem externen Standpunkt aus verstehend-analysierend zu rekonstruieren versucht, was in den Laboren geschieht, dem Vorwurf ausgesetzt, daß sie stets nur ihre eigenen (eben soziologischen) Kriterien und Sichtweisen ... <a title="Experimentalsysteme » Hans-Jörg Rheinberger skizziert Kontingenzspielräume" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume/" aria-label="Mehr Informationen über Experimentalsysteme » Hans-Jörg Rheinberger skizziert Kontingenzspielräume">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume/">Experimentalsysteme » Hans-Jörg Rheinberger skizziert Kontingenzspielräume</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Beobachten von Wissenschaft, insbesondere wenn es sich um die avanciertesten Forschungsbemühungen der Naturwissenschaften handelt, ist ein problematisches Unterfangen. Allzu leicht sieht sich etwa die Wissenschaftssoziologie, die von einem externen Standpunkt aus verstehend-analysierend zu rekonstruieren versucht, was in den Laboren geschieht, dem Vorwurf ausgesetzt, daß sie stets nur ihre eigenen (eben soziologischen) Kriterien und Sichtweisen an ihren Gegenstand herantrage. Und somit eben den tatsächlichen Vorgängen in den chemischen, physikalischen oder biologischen Laboren niemals gerecht werden könne. </p>
<p>Und tatsächlich fällt es oftmals schwer, diesen Verdacht zu entkräften. Denn die Forschungsarbeit in den jeweiligen Disziplinen ist nicht nur hochspezialisiert, sondern gehorcht auch einer subtilen, fachspezifischen Eigenlogik. Bestimmte Routinen des Vorgehens, des experimentellen Designs, der Messung und schließlich der Datenauswertung sind für alle Nichteingeweihten nur schwer zu entschlüsseln. Umso wertvoller, wenn man als Beobachter der (Natur-)Wissenschaft wenigstens vorübergehend selbst Angehöriger der jeweiligen Disziplin war. </p>
<p><strong>Grenzgänge</strong></p>
<p>Insofern ist ein Wissenschaftshistoriker wie <a  target="_blank" href="http://www.mpg.de/cgi-bin/mpg.de/person.cgi?nav=vita&amp;persId=107277&amp;lang=de&amp;inst=wissenschaftsgeschichte&amp;from=">Hans-Jörg Rheinberger</a> ein regelrechter Glücksfall. Denn als habilitierter Molekularbiologe, weiß er, wovon er spricht. Der gebürtige Schweizer studierte zunächst Philosophie und Biologie, legte dann seinen Schwerpunkt auf die Molekularbiologie wo er nach der Promotion schließlich 1987 auch die Habilitation vorlegte. Nach rund zehnjähriger Tätigkeit als forschender Biologe wechselte er in gewissem Sinne wieder die Fronten, vertiefte seine wissenschaftshistorischen Studien und schaut seither seinen ehemaligen Kollegen über die Schulter. Seit 1997 ist er Direktor <span class="content">des Berliner Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte.</span></p>
<p><span class="content"> Seine Arbeiten stellen den spannenden Versuch dar, den untergründigen Mechanismen des wissenschaftlichen Forschens auf den Grund zu gehen. Und dabei gelingt es ihm regelmäßig, Selbstverständlichkeiten des wissenschaftlichen Arbeitsprozesses als Konstrukte zu entlarven, die lediglich Ausdruck einer disziplinären und/oder sprachlichen Konvention sind. Nicht mehr, nicht weniger. </span></p>
<p><strong>Wie Wissenschaft das Neue in den Blick nimmt</strong> </p>
<p>Hauptaugenmerk der Studien von Hans-Jörg Rheinberger lag in den letzten Jahren auf den von ihm als &quot;Experimentalsysteme&quot; bezeichneten Versuchsanordnungen, die als Kontexte den Forschungsprozeß begleiten und prägen. Es ist ganz offensichtlich, daß Rheinberger sich weniger an Karl Popper orientiert, sondern sein Zugang viel stärker von <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Derrida">Derrida</a><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume/#footnote_0_28" id="identifier_0_28" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Als Philosophiestudent &uuml;bersetzte Hans-J&ouml;rg Rheinberger zusammen mit Hanns Zischler Derridas &quot;Grammatologie&quot; ins Deutsche.">1</a> oder Heidegger inspiriert ist. Auf diese Weise gelingt es ihm bspw., das Selbstmißverständnis der experimentierenden Wissenschaften zu &quot;dekonstruieren&quot;. Die Ansicht, das Experiment &#8211; so wenigstens das offizielle Verständnis &#8211; diene ja eben entweder der Bestätigung oder der Widerlegung klar definierter Hypothesen, ist zwar konsensfähig, aber (wie Rheinberger zeigen kann) schlicht falsch. Tatsächlich verlaufe der alltägliche Forschungsprozeß deutlich ungeordneter, chaotischer, ungeplanter. Die Geradlinigkeit und Stringenz des Forschungsverlaufs werde<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume/#footnote_1_28" id="identifier_1_28" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Was eben einer tief verankerten Fortschrittsgl&auml;ubigkeit und Rationalit&auml;tsunterstellung der forschenden Akteure zugerechnet werden mu&szlig;.">2</a> allenfalls nachträglich &quot;konstruiert&quot;. </p>
<p>Spannend dabei ist, daß Rheinberger aufzeigen kann, in welchem Sinne dies nicht als Defizit, sondern als notwendige Bedingung für Erkenntnisfortschritt und Entdeckungen anzusehen ist. Das Neue werde allein durch eine Experimentalanordnung ermöglicht, die Unschärfen, Nichtwissen und &#8211; wie ich hinzufügen möchte &#8211; Kontingenz<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume/#footnote_2_28" id="identifier_2_28" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Kontingenz bezeichnet (vereinfacht gesagt) alle Sachverhalte, die zwar m&ouml;glich sind, aber deren Eintreten nicht notwendig ist. Verk&uuml;rzt k&ouml;nnte man Kontingenz auch als Zufall bezeichnen. Besser und treffender ist vermutlich, jedenfalls im von mir angestrebten Bedeutungskontext, der Terminus &sbquo;Unverf&uuml;gbarkeit&lsquo;. Kontingenz ist ein&nbsp; durchaus schillernder Begriff mit unterschiedlichen Konnotationen in Philosophie und Soziologie; ich selbst beziehe mich mit dem Kontingenzbegriff (in der Tradition von Aristoteles bis hin zu Luhmann) sowohl auf Gegebenes, als auch auf Erwartetes im Horizont m&ouml;glicher Abwandlungen. Alle Ereignisse, die nicht ausgeschlossen werden k&ouml;nnen, w&auml;ren demnach kontingent.">3</a> zu integrieren in der Lage ist. In der gestrigen Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung (5. Mai 2007) ist ein aufschlußreicher <a href="http://www.nzz.ch/2007/05/05/li/articleELG88.html" target="_blank" >Essay</a> von Hans-Jörg Rheinberger abgedruckt,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume/#footnote_3_28" id="identifier_3_28" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Grundlage des Artikels ist ein Vortrag, den H.-J. Rheinberger anl&auml;&szlig;lich der Verleihung des &quot;Cogito&quot;-Preises im Oktober 2006 gehalten hatte.">4</a> der genau diesen Sachverhalt thematisiert.</p>
<p><strong>Experimentalsysteme als Kontingenzermöglichungen</strong></p>
<p>Von der weit verbreiteten Annahme, daß wissenschaftliche Forschung ein nüchtern-abgeklärtes Unternehmen sei, das auf der Basis gesicherter Wissensbestände in rationaler Vorgehensweise immer neue Sachverhalte in den Blick nehme und deren Gesetzmäßigkeiten aufdecke, läßt Rheinberger wenig übrig. Sein Interesse richtet sich auf die Frage, wie im Labor das Neue entsteht. Rheinberger bemüht in seinem Essay zunächst die Metapher des Bergwerks &#8211; nicht also im hellen Licht der Aufklärung, wo alles offen vor einem liegt, sondern in der Dunkelheit und Enge operiere die Wissenschaft auf der Suche nach Erkenntnis. Die einzigen Wege dorthin zu gelangen, seien die bereits gegrabenen Tunnel und Schächte. Allein deren undurchschaubares Gewirr an (Zu-)Gängen stünde zur Verfügung. Die Hoffnung, auf eine Goldader zu stoßen, ist allen Wissenschaftlern gemein. Sicherheit, ob man die rechten Wege gegangen ist, könne man freilich niemals erlangen. Und dies hat konsequenterweise zur Folge, daß (so Rheinberger) &quot;Forschungsergebnisse (&#8230;) nicht einfach bestellt und geliefert werden (können).&quot; Ein Sachverhalt, den man all den Wissenschaftspolitikern, die immer noch glauben, mit ausreichendem Geldeinsatz ließen sich wissenschaftliche Erfolge &quot;herstellen&quot;,&nbsp;nicht oft genug in Erinnerung rufen kann.</p>
<p>Wenn Wissenschaft also doch hoffen darf, neue Entdeckungen zu machen, dann (zugespitzt formuliert) nicht durch planmäßiges Vorgehen, sondern allein durch die Zufallsanordnung im und durch das Experiment.</p>
<blockquote>
<p>Es ist klar, dass die Entstehung des Neuen in den modernen Wissenschaften etwas mit dem Experiment zu tun hat. Aber wie kann man zu fassen bekommen, was da im Kern des Geschehens vor sich geht, eben dort im Dunkeln, wenn man vor den Tunnels und den Schächten früherer Werke steht? Man fängt ja nie von vorne an, sondern steht am Ende eines Weges, den andere gegangen sind.</p>
</blockquote>
<p>Das Experiment kennzeichnet sich, wie ich sagen möchte, erstens durch eine Selektion und zweitens durch die Eröffnung eines Kontingenzspielraumes. Zunächst wird also in der experimentellen Anordnung eine Beschränkung vorgenommen: es wird nur ein kleiner Ausschnitt der interessierenden Materie in den Blick genommen oder, anders formuliert: ins Spiel gebracht.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume/#footnote_4_28" id="identifier_4_28" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ob es das &quot;richtige&quot; Material ist, die &quot;richtige&quot; Anordnung, l&auml;sst sich im Vorfeld freilich nicht sagen, allenfalls intuitiv erahnen.">5</a> Rheinberger zitiert hier den Molekularbiologen und Nobelpeisträger <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Fran%C3%A7ois_Jacob&amp;oldid=30571854" target="_blank" >François Jacob</a> vom Institut Pasteur in Paris, der zu Protokoll gibt: </p>
<blockquote>
<p>&quot;Um ein Problem zu analysieren, ist der Biologe gezwungen, seine Aufmerksamkeit auf einen Ausschnitt der Realität zu richten, auf ein Stück Wirklichkeit, das er willkürlich aussondert, um gewisse Parameter dieser Wirklichkeit zu definieren. In der Biologie beginnt mithin jede Untersuchung mit der Wahl eines Systems. Von dieser Wahl hängt der Spielraum ab, in dem sich der Experimentierende bewegen kann, der Charakter der Fragen, die er stellen kann, und sehr oft sogar auch die Art der Antworten, die er geben kann.&quot;</p>
</blockquote>
<p>Neben dieser Beschränkung, eröffnet das Experiment allerdings gleichzeitig einen Raum, in dem (so jedenfalls die Hoffnung) sich aufschlußreiche Phänomene ereignen, die sich durch die Meßapparate abbilden lassen. Wie Rheinberger illustriert, bewegt sich das Experiment somit stets im Grenzbereich zwischen Wissen und Nichtwissen und genau die Anordnung, die die Unschärfen dieser Randbereiche produktiv miteinander konfrontieren kann, zeitigt (möglicherweise) Erfolg. Daß dieser nicht berechenbar ist, wird aus dem Gesagten wohl deutlich. Das Kalkül kann sich folglich niemals auf das wissenschaftlich stringente Vorgehen beziehen,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume/#footnote_5_28" id="identifier_5_28" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="wird als solches h&ouml;chstens a posteriori in Anschlag gebracht">6</a> sondern erschöpft sich darin, auf trickreiche Art und Weise das Experimentalsystem als Zufalls-Spielplatz zu arrangieren. </p>
<blockquote>
<p>Es kommt also alles darauf an, dass man nicht nur den abschliessenden,<br />
sondern auch den aufschliessenden Charakter solcher Beschränkungen<br />
versteht. (&#8230;) Experimentalsysteme verengen den Blick, sie erweitern ihn aber im gleichen Atemzug. Diese Erweiterung, dieser aufschliessende Charakter des Experiments kann auf zwei Weisen betrachtet werden. Experimentalsysteme sind die Orte, an denen sich in den empirischen Wissenschaften das Neue ereignet. Und das meine ich jetzt ganz konkret: Das Neue ereignet sich weniger in den Köpfen der Wissenschafter &#8211; wo es allerdings letztlich ankommen muss &#8211; als vielmehr im Experimentalsystem selbst. (&#8230;) </p>
<p>Experimentalsysteme sind also äusserst trickreiche Anlagen; man muss sie als Orte der Emergenz ansehen, als Strukturen, die wir uns ausgedacht haben, um Nicht-Ausdenkbares einzufangen. Sie sind wie Spinnennetze. Es muss sich in ihnen etwas verfangen können, von dem man nicht genau weiss, was es ist, und auch nicht genau, wann es kommt. Es sind Vorkehrungen zur Erzeugung von unvorwegnehmbaren Ereignissen. &nbsp;</p>
</blockquote>
<p>Was sind experimentale Anordnungen also anderes als Einrichtungen, um Kontingenz zu ermöglichen? Und aus dieser Feststellung ließe sich ohne weiteres schlußfolgern, daß Wissenschaft genau dann erfolgreich operiert, wenn sie Kontingenz<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume/#footnote_6_28" id="identifier_6_28" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Unter gewissen produktiven Rahmensetzungen, die sie im Versuchsdesign wie schon im gesamten Forschungsproze&szlig; integriert.">7</a> zu nutzen versteht. Man könnte sogar pointiert sagen, daß Wissenschaft ihren Erkenntniszuwachs niemals planend kontrolliert, sondern zumeist das findet, wonach sie nicht gesucht hat. Hans-Jörg Rheinberger resümiert auf folgende Weise: </p>
<blockquote>
<p>Man kann das Forschen also als eine Suchbewegung charakterisieren, die sich auf der Grenze zwischen dem Wissen und dem Nichtwissen bewegt. Das Grundproblem besteht darin, dass man nicht genau weiss, was man nicht weiss. Damit ist das Wesen der Forschung kurz, aber bündig ausgesprochen. Es geht letztlich um das Gewinnen von neuen Erkenntnissen; und was wirklich neu ist, ist definitionsgemäss nicht vorhersehbar, es kann also auch nur begrenzt herbeigeführt werden. Was wirklich neu ist, muss sich einstellen, und man muss Bedingungen dafür schaffen, dass es sich einstellen kann. Mit dem Experiment schafft sich der Forscher eine empirische Struktur, eine Umgebung, die es erlaubt, in diesem Zustand des Nichtwissens um das Nichtwissen handlungsfähig zu werden. (&#8230;) Das Experiment ist, wenn man so will, eine Suchmaschine, aber von merkwürdiger Struktur: Sie erzeugt Dinge, von denen man immer nur nachträglich sagen kann, dass man sie hätte gesucht haben müssen.</p>
</blockquote>
<p>Es lässt sich also mit einiger Plausibilität behaupten, daß der Kern des wissenschaftlichhen Experimentierens in der Entfaltung von Kontingenzspielräumen besteht. Umso verwunderlicher, daß genau diese Kontingenz den meisten Wissenschaftlern zumeist als Ärgernis erscheint.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume/#footnote_7_28" id="identifier_7_28" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die verschiedenen Versuche, die Kontingenzen, die durch das jeweilige wissenschaftliche Handeln freigesetzt werden, zu limitieren, nehme ich &uuml;brigens innerhalb meiner Doktorarbeit am Beispiel der humanen Gentechnologie in den Blick. Weitere Informationen dazu hier.">8</a></p>
<p></p>
<hr width="70%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p>Link- und Literaturtipps: </p>
<ul>
<li>Hans-Jörg Rheinberger: <a href="http://www.nzz.ch/2007/05/05/li/articleELG88.html" target="_blank" >Man weiss nicht genau, was man nicht weiss</a>. Über die Kunst, das Unbekannte zu erforschen. NZZ, 5.5.2007</li>
<li>Mayer, Helmut: Wissensdinge. <a href="http://www.nzz.ch/2006/10/25/fe/articleEL6B6.html" target="_blank" >Hans-Jörg Rheinbergers «Epistemologie des Konkreten»</a>. NZZ, 26.10.2006</li>
<li>von Thadden, Elisabeth (2001): <a href="http://www.zeit.de/2001/31/200131_st-rheinberger_xml" target="_blank" >Wie im Labor das Neue entsteht.</a> Die ZEIT.</li>
<li>Rheinberger, Hans-Jörg (2006): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3518293710?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518293710">Epistemologie des Konkreten.</a> Studien zur Geschichte der modernen Biologie. Frankfurt: Suhrkamp.</li>
<li>Rheinberger, Hans-Jörg (2001): <span class="sans"><a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3518294067?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518294067">Experimentalsysteme und epistemische Dinge</a>. Eine Geschichte der Proteinsynthese im Reagenzglas. Frankfurt: Suhrkamp.</span></li>
<li><span class="sans">Rheinberger, Hans-Jörg (2005): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3883962058?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3883962058">Iterationen</a>. Berlin: Merve.</span></li>
<li><span class="sans">Latour, Bruno (2002): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3518291955?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518291955">Die Hoffnung der Pandora</a>. Untersuchungen zur Wirklichkeit der Wissenschaft. Frankfurt: Suhrkamp.</span></li>
<li><span class="sans">Knorr-Cetina, Karin (1981): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3518285599?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518285599">Die Fabrikation von Erkenntnis</a>. Zur Anthropologie der Naturwissenschaft. Frankfurt: Suhrkamp.</span></li>
</ul>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_28" class="footnote">Als Philosophiestudent übersetzte Hans-Jörg Rheinberger zusammen mit Hanns Zischler Derridas &quot;<a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3518280171?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518280171">Grammatologie</a>&quot; ins Deutsche.</li><li id="footnote_1_28" class="footnote">Was eben einer tief verankerten Fortschrittsgläubigkeit und Rationalitätsunterstellung der forschenden Akteure zugerechnet werden muß.</li><li id="footnote_2_28" class="footnote">Kontingenz bezeichnet (vereinfacht gesagt) alle Sachverhalte, die zwar möglich sind, aber deren Eintreten nicht notwendig ist. Verkürzt könnte man Kontingenz auch als Zufall bezeichnen. Besser und treffender ist vermutlich, jedenfalls im von mir angestrebten Bedeutungskontext, der Terminus &#8218;Unverfügbarkeit&#8216;. Kontingenz ist ein&nbsp; durchaus schillernder Begriff mit unterschiedlichen Konnotationen in Philosophie und Soziologie; ich selbst beziehe mich mit dem Kontingenzbegriff (in der Tradition von Aristoteles bis hin zu Luhmann) sowohl auf Gegebenes, als auch auf Erwartetes im Horizont möglicher Abwandlungen. Alle Ereignisse, die nicht ausgeschlossen werden können, wären demnach kontingent.</li><li id="footnote_3_28" class="footnote">Grundlage des Artikels ist ein Vortrag, den H.-J. Rheinberger anläßlich der Verleihung des &quot;Cogito&quot;-Preises im Oktober 2006 gehalten hatte.</li><li id="footnote_4_28" class="footnote">Ob es das &quot;richtige&quot; Material ist, die &quot;richtige&quot; Anordnung, lässt sich im Vorfeld freilich nicht sagen, allenfalls intuitiv erahnen.</li><li id="footnote_5_28" class="footnote">wird als solches höchstens a posteriori in Anschlag gebracht</li><li id="footnote_6_28" class="footnote">Unter gewissen produktiven Rahmensetzungen, die sie im Versuchsdesign wie schon im gesamten Forschungsprozeß integriert.</li><li id="footnote_7_28" class="footnote">Die verschiedenen Versuche, die Kontingenzen, die durch das jeweilige wissenschaftliche Handeln freigesetzt werden, zu limitieren, nehme ich übrigens innerhalb meiner Doktorarbeit am Beispiel der humanen Gentechnologie in den Blick. Weitere Informationen dazu <a href="http://www.scheloske.net/Promotion_1a.htm" target="_blank" >hier</a>.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume/">Experimentalsysteme » Hans-Jörg Rheinberger skizziert Kontingenzspielräume</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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