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	<title>Risikokommunikation Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation </description>
	<lastBuildDate>Thu, 28 Feb 2019 18:37:03 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Risikokommunikation Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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		<title>Mehr technische, mehr wissenschaftliche Demokratie wagen » Technikfolgenabschätzung 2.0? &#124; Werkstattnotiz LXXIX</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Apr 2008 15:20:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftskommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Nanotechnologie]]></category>
		<category><![CDATA[Risikokommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft 2.0]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt und gab keine technologische Innovation, keine wissenschaftliche Entdeckung, die nicht bei Zeitgenossen auf Vorbehalte oder auch offene Ablehnung gestoßen wäre. Das ist heute, wenn die Kontroversen um Gentechnologie oder Stammzellforschung hochkochen, nicht anders als zu den Zeiten, in denen die Dampflok das Pferdefuhrwerk ablöste. Was sich allerdings über die Generationen geändert hat: jede ... <a title="Mehr technische, mehr wissenschaftliche Demokratie wagen » Technikfolgenabschätzung 2.0? &#124; Werkstattnotiz LXXIX" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/mehr-technische-mehr-wissenschaftliche-demokratie-wagen-technikfolgenabschaetzung-20-werkstattnotiz-lxxix/" aria-label="Mehr Informationen über Mehr technische, mehr wissenschaftliche Demokratie wagen » Technikfolgenabschätzung 2.0? &#124; Werkstattnotiz LXXIX">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/mehr-technische-mehr-wissenschaftliche-demokratie-wagen-technikfolgenabschaetzung-20-werkstattnotiz-lxxix/">Mehr technische, mehr wissenschaftliche Demokratie wagen » Technikfolgenabschätzung 2.0? | Werkstattnotiz LXXIX</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-254 alignright" style="float: right;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/uploads/2008/04/c-60-fullerene-molekal.jpg" alt="C60-Fullerene" width="210" height="193" /><strong>Es gibt und gab keine technologische Innovation, keine wissenschaftliche Entdeckung, die nicht bei Zeitgenossen auf Vorbehalte oder auch offene Ablehnung gestoßen wäre. Das ist heute, wenn die Kontroversen um Gentechnologie oder Stammzellforschung hochkochen, nicht anders als zu den Zeiten, in denen die Dampflok das Pferdefuhrwerk ablöste.</strong></p>
<p>Was sich allerdings über die Generationen geändert hat: jede neue Technologie, die sich am Horizont abzeichnet, braucht lebensnotwendigerweise gesellschaftliche Akzeptanz.</p>
<p>Dies cum grano salis aus zwei Gründen: erstens sind wir uns wohl einig darüber, daß der Einsatz einer Technik nur dann opportun ist, wenn ein Großteil der Bürger damit einverstanden ist. Das wäre also die Legitimitätsfrage und hat demokratietheoretische Hintergründe. Zweitens existieren Technologien nur insoweit, als daß man darauf rechnen kann, Käufer zu finden. Hier kommt also die marktwirtschaftliche Komponente ins Spiel.</p>
<h4 class="pullquote_left">Fortschritt und gesellschaftliche Akzeptanz kann man nicht verordnen. Der gesellschaftliche Umgang mit Technologien organisiert sich eigensinniger, als Technokraten denken.</h4>
<p>Was ich mit diesen kurzen Andeutungen zum Ausdruck bringen will: jede Technik muß (wenigstens in Grundzügen) von der Bevölkerung getragen sein. Man kann Fortschritt nicht verordnen. Man kann aber auch Akzeptanz nicht befehlen.</p>
<p>Wir wissen jedoch aus der Technikfolgenabschätzung und den Erfahrungen aus vergangenen Technikkontroversen, daß eine frühzeitige Dialogorientierung, also die Partizipation von zivilgesellschaftlichen Akteuren im Prozeß der Technikentwicklung, von kaum überschätzbarem Vorteil ist.</p>
<p>Die Lehre in Kurzform: wer sich abschottet und glaubt &#8222;sein Ding&#8220; durchziehen zu können (und am Ende werde man schon Käufer und Akzeptanz finden), der täuscht sich.</p>
<p><strong>Zukunft gestalten: Risikodialoge, Konsenskonferenzen und die Partizipation der Bürger</strong></p>
<p>Insofern ist es begrüßenswert, daß seit einigen Jahren auch vom BMBF begleitende Risiko-Dialogbemühungen unternommen werden. Niels Boeing <a href="http://www.heise.de/tr/Nano-Tacheles--/blog/artikel/106475" target="_blank" rel="noopener noreferrer">berichtet</a> im &#8222;Technology Review&#8220;-Blog von einem ersten sog. &#8222;Bürgerdialog&#8220; in Hamburg zur Nanotechnologie.</p>
<blockquote><p>&#8222;Grundsätzlich sind diese Veranstaltungen, die sich möglichen Risiken der Nanotechnik widmen, notwendig und sehr begrüßenswert. Denn sie kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die nanotechnische Entwicklung durchaus noch gestaltbar ist.&#8220;</p></blockquote>
<p>Ein Bürgerdialog, das als kleine Erklärung, ist eine Konferenzform, in der Experten und Laien, Hersteller und Konsumenten, sowie Akteure aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen teilnehmen, diskutieren, ihre Argumente vorbringen und sich über den Stand der (wissenschaftlichen) Diskussion austauschen. Eines der Hauptanliegen solcher Konzepte ist einerseits die Vermittlung von risikorelevantem Wissen<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/mehr-technische-mehr-wissenschaftliche-demokratie-wagen-technikfolgenabschaetzung-20-werkstattnotiz-lxxix/#footnote_0_253" id="identifier_0_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Also durch sachliche, fundierte Infos &uuml;ber die jeweiligen Risikoeinsch&auml;tzungen der Experten. Wozu auch geh&ouml;rt, da&szlig; transparent wird, da&szlig; hier teilweise widerspr&uuml;chliche Meinungen vorliegen!">1</a>, andererseits geht es um die Sensibilisierung für Akzeptanzprobleme, Wünsche und Ängste.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/mehr-technische-mehr-wissenschaftliche-demokratie-wagen-technikfolgenabschaetzung-20-werkstattnotiz-lxxix/#footnote_1_253" id="identifier_1_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hier k&ouml;nnen die Fachleute enorm profitieren, denn sie erkennen im Idealfall, weshalb ihre Forschungen (noch?) skeptisch beurteilt werden&hellip;">2</a></p>
<p>Es geht also immer auch darum, die eigenen Standpunkte zu präzisieren und von anderen sog. &#8222;Stakeholdern&#8220; zu lernen und deren Sichtweise wenigstens annähernd zu verstehen.</p>
<p>Niels berichtet über einige Problempunkte, die sich in seinen Augen am vergangenen Wochenende aufgetan haben. Er schreibt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Da ist zum einen eine Unschärfe der Begriffe. Sie fängt bei dem unglücklichen Konzept von „der“ Nanotechnologie an. Obwohl seit längerem von Technikfolgenabschätzern und -philosophen <a href="http://www.zeit.de/2007/47/P-Nordmann-Interview?page=all" target="_blank" rel="noopener noreferrer">angemahnt</a> wird, dass man sinnvollerweise nur von „Nanotechnologien“ in der Mehrzahl sprechen kann (ich selbst bevorzuge den <a href="http://www.heise.de/tr/artikel/72931">Sammelbegriff Nanotechnik</a>), wird das Gebiet nach wie vor als eine einheitliche Technologie verkauft. Dabei ist ziemlich offensichtlich, dass etwa Rastersondenmikroskope, nanoskalige Medikamentfähren oder kratzfeste Beschichtungen mit eingebetteten Nanopartikeln jeweils sehr verschiedene Technologien sind. Es wäre längst überfällig, diese Unterscheidung auch in der öffentlichen Darstellung zu etablieren.&#8220;</p></blockquote>
<p>Hier ist ihm unbedingt zuzustimmen. Es gibt dringend Differenzierungsbedarf, wobei es natürlich immer schwierig ist, das zu kommunizoeren.  Grundsätzlich ist Niels Boeing aber ein Sympathisant solcher Dialogformen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/mehr-technische-mehr-wissenschaftliche-demokratie-wagen-technikfolgenabschaetzung-20-werkstattnotiz-lxxix/#footnote_2_253" id="identifier_2_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die im &uuml;brigen auf skandinavischen Modellen, den sog. Konsenskonferenzen, basieren.">3</a> Und hier stimme ich natürlich zu 100% mit ihm überein. Und den Kritikern kann ich mit ihm im Chor nur zurufen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Von einigen Nanotech-Kritikern werden die Foren und Dialoge als „Akzeptanzbeschaffungsmaßnahmen“ und „Feigenblattveranstaltungen“ abgetan. Diese Sichtweise halte ich allerdings für wenig hilfreich. Die Frage kann nicht „ob“, sondern nur „wie“ lauten.&#8220;</p></blockquote>
<p>Es gibt natürlich Vertreter von NGOs oder auch von Industrieseite, die sich weigern, sich auch nur an den Tisch mit Akteuren der Gegenseite zu setzen. Solche verbohrt-verbitterten Betonköpfe gibt es leider überall.</p>
<h5 class="pullquote">Wer sich auf einen Dialog einläßt, der muß lernbereit und lernfähig sein. Und sich zumindest in die &#8222;gegnerische&#8220; Position hineinversetzen können.</h5>
<p>Ein Dialog (von dem wirklich alle Seiten profitieren können), funktioniert aber nur ohne Scheuklappen. Wer das Visier herunterklappt und glaubt, er könne oder müsse weltanschauliche Grabenkämpfe ausfechten, hat nicht verstanden, worum es innerhalb eines solchen Dialogs geht und welche Chancen darin verborgen liegen.</p>
<p>Für hochinteressant halte ich die abschließende Bemerkung von Niels:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wenn wir wirklich aus den Debatten über Atomkraft oder Gentechnik lernen wollen, sollten wir weiterdenken &#8211; &#8222;technische Demokratie&#8220; wagen. Es wäre an der Zeit, eine Technikfolgenabschätzung mit Web-2.0-Werkzeugen im großen Stil aufzuziehen.&#8220;</p></blockquote>
<p>Ja, genau, möche ich ihm zurufen! Wir brauchen das dringend. Es entspricht &#8211; das als Randbemerkung &#8211; vollständig meiner Idee einer &#8222;wissenschaftsmündigen Gesellschaft&#8220;, die ich ja beispielsweise <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/14/demokratisierung-der-wissenschaftskommunikation-durch-wissenschaftliche-blogs-wege-in-eine-wissenschaftsmuendige-gesellschaft/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier </a>entfaltet habe. Es geht um Dialog, um Teilhabe, um Mitsprache. Und welches Medium wäre dafür besser geeignet, als das &#8222;Mit-Mach-Netz&#8220;? Schließlich geht es doch um eine Demokratisierung von Wissenschaftskommunikation.</p>
<p>Insofern schließe ich diese Überlegungen frei nach Willy Brandt:</p>
<p><strong>Wir müssen mehr technische, mehr wissenschaftliche Demokratie wagen!</strong></p>
<div class="links"><em><strong>Link:</strong></em></p>
<ul>
<li>Boeing, Niels: <a href="http://www.heise.de/tr/Nano-Tacheles--/blog/artikel/106475" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nano-Tacheles</a>, TR-Blog, 15.4.2008</li>
</ul>
<p><em>Artikel der Wissenswerkstatt zu dieser Thematik:</em></p>
<ul>
<li><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/26/risiko-nanofood-die-nanotechnologie-hat-die-lebensmittelbranche-erreicht-werkstattnotiz-lxxiii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Risiko Nanofood? » Die Nanotechnologie hat die Lebensmittelbranche erreicht</a>, 26. März 2008</li>
<li><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/14/demokratisierung-der-wissenschaftskommunikation-durch-wissenschaftliche-blogs-wege-in-eine-wissenschaftsmuendige-gesellschaft/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Demokratisierung der Wissenschaftskommunikation durch wissenschaftliche Blogs » Wege in eine „wissenschaftsmündige“ Gesellschaft</a>, 14. März 2008</li>
</ul>
<p><em><strong>Literaturempfehlungen:</strong></em></p>
<ul>
<li>Paschen, Herbert &amp; Coenen, Christopher (2008): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3540210687?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3540210687">Nanotechnologie in Forschung, Entwicklung, Anwendung. Stand und Perspektiven</a>. Springer, Berlin.</li>
<li>Shelley, Toby (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3866017200?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3866017200">Nanotechnologie. Neue Möglichkeiten &#8211; Neue Gefahren</a>. Parthas-Verlag.</li>
<li>Gazsó, André / Greßler, Sabine / Schiemer, Fritz (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3211486445?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3211486445">nano. Chancen und Risiken aktueller Technologien</a>. Springer, Wien.</li>
</ul>
</div>
<div class="invisible">
<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Risiko">Risiko</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Nanotechnologie">Nanotechnologie</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Wissenschaft">Wissenschaft</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_253" class="footnote">Also durch sachliche, fundierte Infos über die jeweiligen Risikoeinschätzungen der Experten. Wozu auch gehört, daß transparent wird, daß hier teilweise widersprüchliche Meinungen vorliegen!</li><li id="footnote_1_253" class="footnote">Hier können die Fachleute enorm profitieren, denn sie erkennen im Idealfall, weshalb ihre Forschungen (noch?) skeptisch beurteilt werden&#8230;</li><li id="footnote_2_253" class="footnote">Die im übrigen auf skandinavischen Modellen, den sog. Konsenskonferenzen, basieren.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/mehr-technische-mehr-wissenschaftliche-demokratie-wagen-technikfolgenabschaetzung-20-werkstattnotiz-lxxix/">Mehr technische, mehr wissenschaftliche Demokratie wagen » Technikfolgenabschätzung 2.0? | Werkstattnotiz LXXIX</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Aufklärung und Risikodialog mit Blogs? » Partizipativer Technikdiskurs für Jugendliche im Gentechnik-Blog &#124; Werkstattnotiz LXVI</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/aufklaerung-und-risikodialog-mit-blogs-partizipativer-technikdiskurs-fuer-jugendliche-im-gentechnik-blog-werkstattnotiz-lxvi/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Feb 2008 17:34:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Diskurs]]></category>
		<category><![CDATA[Gentechnologie]]></category>
		<category><![CDATA[Risikokommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftsblogs]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als Blogger steht man ja immer noch im Generalverdacht, man fische in allzu seichten Gewässern. Denn überwiegt in der Blogosphäre nicht doch Katzencontent, eitle Nabelschau und belangloser Klatsch? &#8211; Dieses vorurteilsbehaftete Bild wird glücklicherweise mehr und mehr korrigiert: und die wissenschaftlich ausgerichteten Blogs haben daran sicher einen großen Anteil. Denn Wissenschaftsblogs können &#8211; so unterschiedlich ... <a title="Aufklärung und Risikodialog mit Blogs? » Partizipativer Technikdiskurs für Jugendliche im Gentechnik-Blog &#124; Werkstattnotiz LXVI" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/aufklaerung-und-risikodialog-mit-blogs-partizipativer-technikdiskurs-fuer-jugendliche-im-gentechnik-blog-werkstattnotiz-lxvi/" aria-label="Mehr Informationen über Aufklärung und Risikodialog mit Blogs? » Partizipativer Technikdiskurs für Jugendliche im Gentechnik-Blog &#124; Werkstattnotiz LXVI">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/aufklaerung-und-risikodialog-mit-blogs-partizipativer-technikdiskurs-fuer-jugendliche-im-gentechnik-blog-werkstattnotiz-lxvi/">Aufklärung und Risikodialog mit Blogs? » Partizipativer Technikdiskurs für Jugendliche im Gentechnik-Blog | Werkstattnotiz LXVI</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als Blogger steht man ja immer noch im Generalverdacht, man fische in allzu seichten Gewässern. Denn überwiegt in der Blogosphäre nicht doch Katzencontent, eitle Nabelschau und belangloser Klatsch? &#8211; Dieses vorurteilsbehaftete Bild wird glücklicherweise mehr und mehr korrigiert: und die wissenschaftlich ausgerichteten Blogs haben daran sicher einen großen Anteil. </strong></p>
<p>Denn Wissenschaftsblogs können &#8211; so unterschiedlich sie konkret ausgestaltet sind &#8211; etwas leisten, was anderen Varianten der Wissenschaftskommunikation kaum möglich ist: Blogs sind Dialoginstrumente, die eben die Asymmetrie konventioneller (Massen-)Medien auflösen. Denn gute Blogs<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/aufklaerung-und-risikodialog-mit-blogs-partizipativer-technikdiskurs-fuer-jugendliche-im-gentechnik-blog-werkstattnotiz-lxvi/#footnote_0_195" id="identifier_0_195" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Egal ob mit wissenschaftlichem Akzent oder nicht.">1</a> nehmen ihre Leser ernst. Jeder Blogartikel ist ein Gesprächsangebot. &nbsp;</p>
<p>Ganz aktuell ist nun ein neues Online-Portal gestartet, das diese Vorteile nutzen will. Und man hat sich hohe Ziele gesetzt: nämlich den Kenntnisstand von Schülern und jungen Erwachsenen zur Gentechnik zu verbessern. Und (das alles basiert ja nicht umsonst auf einem Blog) gleichzeitig soll ein Forum etabliert werden, in dem Jugendliche sich tatsächlich am Diskurs um Chancen und Risiken der Gentechnologie beteiligen können. Wie gesagt: Blogs sind Dialoginstrumente &#8211; auf <a href="http://www.wie-weit-wollen-wir-gen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.wie-weit-wollen-wir-gen.de</a> ist der kommunikativ-partizipative Dialog zu allen Themen der Genforschung eröffnet.&nbsp;</p>
<p align="center"><a target="_blank" href="http://www.wie-weit-wollen-wir-gen.de/" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" width="470" height="62" align="absmiddle" style="margin: 12px;" alt="Wie weit wollen wir gen.jpg" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/02/Wie%20weit%20wollen%20wir%20gen.jpg" /></a>&nbsp;</p>
<h4 class="pullquote_left"> Blogs sind Dialoginstrumente: Der Gentechnikblog soll Jugendliche am Diskurs zu Chancen und Risiken der Gentechnologie beteiligen. <br /></h4>
<p>Die Seite ist erst seit gestern freigeschaltet und nun ist ein erster Blick auf das Projekt möglich. Ich bin (das sei an dieser Stelle gleich erwähnt) natürlich aus mehreren Gründen interessiert: erstens zählt die Wissenschafts- und Risikokommunikation ja zu meinen Interessensschwerpunkten, zweitens ist die Humangenomforschung Gegenstand meiner Doktorarbeit und drittens bin ich Mitglied des wissenschaftlichen Beirats, der dieses Projekt im Hintergrund ein wenig begleiten wird. </p>
<p>Insofern bin ich natürlich etwas voreingenommen, möchte aber dennoch dafür werben, sich in den nächsten Wochen und Monaten auf der Website umzusehen. Die Zielgruppe des Blogs sind Schüler und Jugendliche. Es geht also nicht darum, hier einen wissenschaftlichen (Fach-)Diskurs abzubilden.</p>
<p> Die zugrundeliegende Idee ist recht einfach: Ausgangspunkt ist die Tatsache, daß der technologische Fortschritt der Genomforschung immer neue Fragen aufwirft, zu denen sich die Gesellschaft (also auch jeder einzelne Bürger, Konsument und Patient) auf die eine oder andere Weise verhalten muß. Welche Anwendungen halten wir für wünschenswert? Welche Forschungsschwerpunkte sollen gebildet werden? Was erscheint uns als zu riskant oder ethisch nicht vertretbar? </p>
<h4 class="pullquote"> Mehr Infos, mehr Wissen und selbst mitreden dürfen. Kann ein Blog junge Erwachsene für technologische Fragen interessieren und sensibilisieren? <br /></h4>
<p><strong>Info- und Diskussionsblog für mündige Konsumenten und Bürger </strong></p>
<p>Die Antworten darauf kann nur der gesellschaftliche (Technik-)Diskurs ergeben. Aber genau dazu bedarf es informierter, interessierter Bürger. Denn wer soll den Dialog, die Diskussion darüber führen, was wir wollen oder nicht? Es geht also um Urteilsfähigkeit, um Kenntnisse und auch so etwas, was wir Soziologen &quot;Risikomündigkeit&quot; nennen. </p>
<p>Und ein Blog bietet eine vielversprechende Möglichkeit, um an Schüler heranzutreten und ihnen v.a. die Gelegenheit zu eröffnen, sich aktiv in die Diskussion einzubringen. Das sind in Kurzform meine Anmerkungen zum Blog, der im Rahmen des Projekts &quot;Genitiv&quot;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/aufklaerung-und-risikodialog-mit-blogs-partizipativer-technikdiskurs-fuer-jugendliche-im-gentechnik-blog-werkstattnotiz-lxvi/#footnote_1_195" id="identifier_1_195" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Gef&ouml;rdert durch das Bundesministerium f&uuml;r Bildung und Forschung; beteiligt sind das &quot;IZT &ndash; Institut f&uuml;r Zukunftsstudien und Technologiebewertung&quot;, die &quot;Dialogik GmbH&quot;, die &quot;Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW)&quot; und schlie&szlig;lich &quot;politik-digital.de&quot;.">2</a> erstellt wird. </p>
<p>Auf der Website ist zu den Hintergründen zu lesen:</p>
<blockquote><p>Mit diesem Projekt wollen wir</p>
<ol>
<li>herausfinden, welche Fragen aus dem Gebiet der Gentechnik junge Menschen interessant finden, welche Themen umstritten sind und bei welchen Themen Einigkeit besteht,</li>
<li>Eure Ansichten und Anforderungen ins Blickfeld einer breiteren Öffentlichkeit rücken,</li>
<li>herausfinden, wie das Internet die Beteiligung junger Menschen an gesellschaftlichen Diskursen fördern kann.</li>
</ol>
</blockquote>
<p>Wie gesagt: der Blog ging gestern ans Netz und bislang ist auch nur ein erster Artikel bzw. ein erstes &quot;Thema&quot; erschienen. Und ich muß dem Scienceblog-Kollegen Christoph Larssen natürlich <a target="_blank" href="http://www.scienceblogs.de/wissen-schafft-kommunikation/2008/02/genblog-fur-jugendliche.php" rel="noopener noreferrer">rechtgeben</a>, daß der erste Beitrag (das bekannte Bild der Nacktmaus, der ein künstlicher Ohrknorpel transplantiert wurde) nicht wirklich optimal ist. Für eilige Leser entsteht der Eindruck, das Ohr sei der Maus möglicherweise durch gentechnologische Manipulation &quot;gewachsen&quot;. Und die Züchtung von Hybridwesen oder zumindest das Bild von Tieren als &quot;menschlichen Ersatzteillagern&quot;, sollte man nicht gleich wieder in den Vordergrund stellen. Die Hintergrundinfo zum Photo findet sich<a target="_blank" href="http://www.wie-weit-wollen-wir-gen.de/mehr+zum+thema/stell+dir+vor+dir+f%C3%A4llt+ein+ohr+ab/so+kam+das+ohr+auf+die+maus" rel="noopener noreferrer"> hier</a>.</p>
<p>Ich denke aber, daß es sich lohnt, in ein paar Wochen die Seite nochmals zu besuchen. Bis dahin sollten deutlich mehr Infos vorhanden sein. Legen Sie also jetzt schonmal ein Lesezeichen an. ;-)</p>
<p>Und als wirklich gute Infoquellen für alle Fragen rund um die &quot;grüne&quot;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/aufklaerung-und-risikodialog-mit-blogs-partizipativer-technikdiskurs-fuer-jugendliche-im-gentechnik-blog-werkstattnotiz-lxvi/#footnote_2_195" id="identifier_2_195" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hiermit ist die Pflanzenbiotechnologie gemeint.">3</a> und die &quot;rote&quot;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/aufklaerung-und-risikodialog-mit-blogs-partizipativer-technikdiskurs-fuer-jugendliche-im-gentechnik-blog-werkstattnotiz-lxvi/#footnote_3_195" id="identifier_3_195" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Also alle medizinisch, therapeutischen Aspekte der Genforschung.">4</a> Gentechnologie möchte ich noch folgende Seiten empfehlen:</p>
<p>Zur Gentechnologie bei Lebensmitteln, Saatgut, Pflanzenzüchtung etc. &#8211;</p>
<ul>
<li><a href="http://www.transgen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.transgen.de</a></li>
</ul>
<p>Zum gesamten Feld der Gentechnik und auch mit Info zu deren medizinischen Aspekten &#8211;</p>
<ul>
<li><a href="http://www.dialog-gentechnik.at/index.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dialog&lt;&gt;gentechnik</a></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>[Update: 14.2.2008 | 21:00Uhr]</em></p>
<p>Noch ein weiteres Hinweis: Wie der Untertitel des Blogs &quot;Das <u><em>offene</em></u> Blog zur Genforschung&quot; andeutet, so unterscheidet sich das Konzept von konventionellen Blogformaten. Es handelt sich hier nämlich in gewisser Weise um ein &quot;Mitmach-Blog&quot;, d.h. es werden eben von der Redaktion Fragen bzw. Themen vorgegeben und die Leser können selbst kleine Posts zu diesen Topics posten. Und diese &quot;Sub-Artikel&quot; können dann wiederrum kommentiert und bewertet werden. </p>
<p>Los geht es eben mit der Frage: &quot;Stell Dir vor, Dir fällt ein Ohr ab, würdest Du ein auf dem Rücken einer Maus gezüchtetes menschliches Ohr nehmen?&quot; &#8211; Ich halte das auch nicht für den glücklichsten Einstieg, aber die Menschen, die hinter dem Projekt stecken, haben im Vorfeld viel Zeit investiert, es wurden mehr als hundert Berliner Jugendliche bei der Themenfindung einbezogen und befragt und ich gebe dem Projekt einen ersten Vertrauensvorschuß. :-)</p>
<p>[Die Pressemitteilung zum Start findet sich <a target="_blank" href="http://www.politik-digital.de/jugendliche-bloggen-zur-gentechnik" rel="noopener noreferrer">hier</a>.]</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><strong>Links:</strong></p>
<ul>
<li><a href="http://www.wie-weit-wollen-wir-gen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.wie-weit-wollen-wir-gen.de</a> &#8211; Das offene Blog zur Genforschung</li>
</ul>
<p><strong>Lektüretipps:</strong></p>
<ul>
<li>Schmid, Rolf D. (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3527313109?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3527313109">Taschenatlas der Biotechnologie und Gentechnik</a>. </li>
<li>Brown, Terence A. (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3827418305?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3827418305">Gentechnologie für Einsteiger</a>. 5. Aufl. Spektrum-Verlag.</li>
<li>Fox Keller, Evelyn (2001): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3593367203?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3593367203">Das Jahrhundert des Gens</a>. Campus.</li>
</ul>
<p><body></p>
<p>&nbsp;</p>
<p></body></p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_195" class="footnote">Egal ob mit wissenschaftlichem Akzent oder nicht.</li><li id="footnote_1_195" class="footnote">Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung; beteiligt sind das &quot;IZT &#8211; Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung&quot;, die &quot;Dialogik GmbH&quot;, die &quot;Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW)&quot; und schließlich &quot;politik-digital.de&quot;.</li><li id="footnote_2_195" class="footnote">Hiermit ist die Pflanzenbiotechnologie gemeint.</li><li id="footnote_3_195" class="footnote">Also alle medizinisch, therapeutischen Aspekte der Genforschung.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/aufklaerung-und-risikodialog-mit-blogs-partizipativer-technikdiskurs-fuer-jugendliche-im-gentechnik-blog-werkstattnotiz-lxvi/">Aufklärung und Risikodialog mit Blogs? » Partizipativer Technikdiskurs für Jugendliche im Gentechnik-Blog | Werkstattnotiz LXVI</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Blogs sind Wissenschaftler-Verbindungs-Maschinen » Ad-hoc-Gruppe beim Soziologentag &#124; Werkstattnotiz LXXXIII</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/blogs-sind-wissenschaftler-verbindungs-maschinen-ad-hoc-gruppe-beim-soziologentag-werkstattnotiz-lxxxiii/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Apr 2008 14:32:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ich-Maschine]]></category>
		<category><![CDATA[Risikokommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Social Web]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie & Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftsblogs]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Immer wieder wird man als bloggender Wissenschaftler mit Fragen konfrontiert, ob denn diese seltsame Bloggerei überhaupt wissenschaftliche Relevanz habe, ob sich der ganze Aufwand denn auch nur annähernd lohne und man die Zeit nicht besser anderweitig nutzen solle. Die Fragen sind &#8211; das vorweg &#8211; durchaus berechtigt und diskussionswürdig. Wenn man mehr als nur ein ... <a title="Blogs sind Wissenschaftler-Verbindungs-Maschinen » Ad-hoc-Gruppe beim Soziologentag &#124; Werkstattnotiz LXXXIII" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/blogs-sind-wissenschaftler-verbindungs-maschinen-ad-hoc-gruppe-beim-soziologentag-werkstattnotiz-lxxxiii/" aria-label="Mehr Informationen über Blogs sind Wissenschaftler-Verbindungs-Maschinen » Ad-hoc-Gruppe beim Soziologentag &#124; Werkstattnotiz LXXXIII">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/blogs-sind-wissenschaftler-verbindungs-maschinen-ad-hoc-gruppe-beim-soziologentag-werkstattnotiz-lxxxiii/">Blogs sind Wissenschaftler-Verbindungs-Maschinen » Ad-hoc-Gruppe beim Soziologentag | Werkstattnotiz LXXXIII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignright size-full wp-image-278" style="float: right; margin-left: 6px; margin-right: 6px;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/uploads/2008/04/kooperation_01.jpg" alt="Kooperation" width="180" height="180" /><strong>Immer wieder wird man als bloggender Wissenschaftler mit Fragen konfrontiert, ob denn diese seltsame Bloggerei überhaupt wissenschaftliche Relevanz habe, ob sich der ganze Aufwand denn auch nur annähernd lohne und man die Zeit nicht besser anderweitig nutzen solle.</strong></p>
<p>Die Fragen sind &#8211; das vorweg &#8211; durchaus berechtigt und diskussionswürdig. Wenn man mehr als nur ein paar kurze Links setzt, dann ist wissenschaftliches Bloggen tatsächlich ein zeitraubendes Vergnügen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/blogs-sind-wissenschaftler-verbindungs-maschinen-ad-hoc-gruppe-beim-soziologentag-werkstattnotiz-lxxxiii/#footnote_0_273" id="identifier_0_273" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wobei die Betonung auf &bdquo;Vergn&uuml;gen&ldquo; liegt!!">1</a> Und natürlich gäbe es auch alternative Formen, wie man sich die Zeit vertreiben könnte.</p>
<h4><span class="pullquote_left">Sind Wissenschaftsblogs nicht ein zeitraubendes Vergnügen? Wo bleibt der Mehrwert?</span></h4>
<p>Allerdings gehöre ich nicht zu den Zeitgenossen, die ihr Handeln unter die Prämisse stellen, daß es möglichst ständig und unmittelbar einen Mehrwert und handfesten Nutzen abwerfen müsse. In gewissem Sinne halte ich eher die umgekehrte Strategie für empfehlenswert: nämlich das Handeln aus Überzeugung, Begeisterung und der Lust an der jeweiligen Tätigkeit, ungeachtet des jeweils direkt verwertbaren Nutzens.</p>
<p><strong>Langer Atem, oder: Wissenschaftsblogger bohren dicke Bretter </strong></p>
<p>Was ich sagen will: wer heute wissenschaftlich zu bloggen beginnt, sollte sich keine Illusionen machen. Es wird wohl kaum nächste Woche der Vertrag für die hochdotierte Forscherstelle im Briefkasten liegen, nur weil man 1-2 schlaue Gedanken publiziert hat. Wissenschaftliche Blogger sind Ausdauersportler. Wer kontinuierlich am Ball bleibt, darf aber mit netten Überraschungen rechnen&#8230;</p>
<p>Und gar so nutzlos ist die wissenschaftlicher Bloggerei ja eben nicht. Denn ein Blog ist durchaus geeignet, um das eigene wissenschaftliche Tun zu begleiten, zu unterstützen und mit neuen Impulsen anzureichern. Und letztlich ist ein Wissenschaftsblog auch wissenschaftlich &#8222;relevant&#8220; &#8211; ein Beispiel gefällig?</p>
<h4><span class="pullquote">Auch Wissenschaft 1.0 profitiert: Forscher vernetzen sich in ihren Blogs und kollaborieren ganz konventionell. Offline! </span></h4>
<p>Vom 6.-10. Oktober 2008 findet in Jena unter dem Titel &#8222;Unsichere Zeiten&#8220; der <a href="http://dgs2008.de/home/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">34. Deutsche Soziologentag</a> statt. Und wie ich vor wenigen Tagen erfahren habe, wurde ein gemeinsamer Antrag für eine sog. &#8222;Ad-hoc Gruppe&#8220; bewilligt.</p>
<p>Die Besonderheit: die Antragssteller sind erstens alles Wissenschaftsblogger und zweitens hätten sie ohne ihre Blogs vermutlich niemals voneinander Kenntnis genommen, geschweige denn einen Antrag für den Soziologentag formuliert.</p>
<p><strong>Der Soziologentag wäre ohne Wissenschaftsblogger ärmer&#8230;</strong></p>
<p>Kurz: ohne Wissenschaftsblogs wäre diese Kooperation und diese Teilveranstaltung des Soziologentags niemals zustande gekommen. Wer braucht da noch Indizien für die Relevanz von Wissenschaftsblogs?</p>
<p>Wie man inzwischen unschwer erraten kann, bin ich selbst Teil der Gruppe. Federführend sind<a href="http://bucklicht-maennlein.de/blog1/?p=450" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Lars Alberth</a><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/blogs-sind-wissenschaftler-verbindungs-maschinen-ad-hoc-gruppe-beim-soziologentag-werkstattnotiz-lxxxiii/#footnote_1_273" id="identifier_1_273" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und Lars sei hier nochmal ein besonderer Dank ausgesprochen, da er koordinierend t&auml;tig war und wohl die meiste Zeit investiert hat.">2</a> und <a href="http://blog.metaroll.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Benedikt Köhler</a> aufgetreten, daneben werden <a href="http://www.sozlog.de/?p=706" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tina Guenther</a> und <a href="http://markeninstitut.wordpress.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kai-Uwe Hellmann</a> mit dabei sein.</p>
<p>Unseren erfolgreichen Antrag haben wir u.a. so begründet:</p>
<blockquote><p>“Seitdem das Internet in den letzten Jahren „sozialer“ geworden ist, d.h. dass Anwendungen, Software und Praktiken individualisierter und in ihrer Kommunikationsform symmetrischer geworden sind, sehen sich alle beteiligten Akteure mit einer enormen Komplexitätssteigerung konfrontiert: Eine Vielzahl an Stimmen, Bewertungsmaßstäben und &#8211; instrumenten, individualisierten Suchmaschinen und gemeinschaftlichen Indexierungen in tag clouds oder social bookmarks bilden eine überreiche Informationsstruktur, die zunächst einmal kognitiv, sozial und technologisch reduziert werden muss, um darin handeln zu können.</p>
<p>Welche etablierten Akteure sehen sich durch die Sozialisierung des Netzes herausgefordert, wie reagieren diese und welche Folgen hat dies für die Kommunikation und Wissensordnungen?</p>
<p>Wie regulieren die soziotechnologischen Innovationen die Kommunikations- und Wissensordnungen im Netz?&#8220;</p></blockquote>
<p>Die einzelnen Vorträge sind:</p>
<ul>
<li>Benedikt Köhler: WWWissensordnungen in der Zweiten Moderne – vom Kategorienbaum zur Tagcloud</li>
<li>Lars Alberth:Hegemonie und Repräsentation im sozialen Netz: Wer spricht für die Blogosphäre?</li>
<li>Tina Guenther: Vertrauen, Macht und Unsicherheit im neuen Netz – das Beispiel Online-Identität</li>
<li>Kai-Uwe Hellmann: Unternehmenskulturrevolution durch Web 2.0.</li>
<li>Marc Scheloske: Das Risiko der Risikokommunikation 2.0: Wie sich Technologie- und Risikokonflikte im Internet darstellen und verändern.</li>
</ul>
<p>Ich selbst werde mich also wieder der Frage nach Praktiken und Formen der Risikokommunikation zuwenden, die ich ja 2005-2006 im Rahmen einer internationalen Studie für die EU-Kommission analysiert hatte. Gleichzeitig &#8211; und das ist eben der neue Akzent &#8211; werde ich mir gezielt die Transformationen vornehmen, die sich a) durch den Wandel der Mediennutzung und b) durch die fortschreitende Vertrauenserosion in die einstigen &#8222;Experten&#8220; ergeben. Und das Web 2.0, die Foren und Blogs sind hier ein denkbar gutes Anschauungsobjekt.</p>
<p>Im Antrag hatte ich das so skizziert:</p>
<blockquote><p><strong>Das Risiko der Risikokommunikation 2.0: Wie sich Technologie- und Risikokonflikte im Internet darstellen und verändern </strong></p>
<p>Risiko- und Technologiekontroversen im Web verlaufen nach eigenen Spielregeln. Welche Argumente, welche Quellen, welche Akteure eine Bedeutung haben, wird nach neuen Mustern ausgehandelt. Die etablierten Akteure und Stakeholder (Wissenschaft, Experten, Politik etc.) sind nur noch ein Bezugspunkt unter vielen anderen.</p>
<p>Strittige Fragen und Risikothemen werden in Foren und Weblogs diskutiert und es wird deutlich, dass die Autorität institutionalisierter Expertise längst brüchig geworden ist. Die Auseinandersetzung mit Pseudo-Wissenschaften oder verschwörungstheoretischen Standpunkten wird mit harten Bandagen geführt.</p>
<p>Durch die teilweise Verlagerung der gesellschaftlichen Risiko- und Technologiedebatten ins Internet, stellen sich für die Soziologie folgende Fragen:</p>
<p>1. Wie können die Potentiale des „neuen Netzes“ im Sinne einer vorausschauenden Risikokommunikation genutzt werden? Welche Chancen bieten die Möglichkeiten, die der Dialog auf Augenhöhe bietet?  Welche  Aspekte  des  „Mit-Mach-Netzes“ können die Bürger zu mehr „Risikomündigkeit“ (O. Renn) befähigen?</p>
<p>2. Wie stellen sich die „traditonellen“ Akteure dieses Feldes auf das neue Medium ein? Wie reagieren sie auf die Konfrontation damit, daß im Netz die „Heterogenität von Wissen“ sichtbar wird? Wie gehen sie mit dem Machtverlust und der Autoritäts-Erosion um? Welche Praktiken führen Wissens-Autorität (evtl. durch die Hintertür) wieder ein?</p></blockquote>
<p>Ich freue mich auf alle Fälle auf Jena<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/blogs-sind-wissenschaftler-verbindungs-maschinen-ad-hoc-gruppe-beim-soziologentag-werkstattnotiz-lxxxiii/#footnote_2_273" id="identifier_2_273" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nicht nur, weil dort netterweise am 8. Oktober die vorz&uuml;gliche Rock&rsquo;n&rsquo;Roll-Swing-Punk-Indie-Band &bdquo;Die Sterne&ldquo; aufspielen wird. :-) ">3</a> und die weitere Zusammenarbeit mit den anderen bloggenden Sozialwissenschaftlern. Und man merke sich: <strong>Wissenschaftliche Blogs sind ganz hervorragende Wissenschaftler-Verbindungsmaschinen.</strong> Ohne diese Kooperationsinfrastruktur gäbe es zumindest die oben beschriebene &#8222;Ad-hoc Gruppe&#8220; nicht.</p>
<div class="invisible">
<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Wissenschaftliche+Blogs">Wissenschaftliche Blogs</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Soziologentag">Soziologentag</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Kooperation">Kooperation</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_273" class="footnote">Wobei die Betonung auf &#8222;Vergnügen&#8220; liegt!!</li><li id="footnote_1_273" class="footnote">Und Lars sei hier nochmal ein besonderer Dank ausgesprochen, da er koordinierend tätig war und wohl die meiste Zeit investiert hat.</li><li id="footnote_2_273" class="footnote">Nicht nur, weil dort netterweise am 8. Oktober die vorzügliche Rock&#8217;n&#8217;Roll-Swing-Punk-Indie-Band &#8222;Die Sterne&#8220; aufspielen wird. :-) </li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/blogs-sind-wissenschaftler-verbindungs-maschinen-ad-hoc-gruppe-beim-soziologentag-werkstattnotiz-lxxxiii/">Blogs sind Wissenschaftler-Verbindungs-Maschinen » Ad-hoc-Gruppe beim Soziologentag | Werkstattnotiz LXXXIII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Impfgeschichten: Paracetamol vermindert Impfschutz!</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2009/10/impfgeschichten-paracetamol-vermindert-impfschutz/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2009/10/impfgeschichten-paracetamol-vermindert-impfschutz/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc Scheloske]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Oct 2009 17:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Risikokommunikation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über den Sinn und Unsinn von Impfungen ist wohl selten so viel diskutiert worden, wie derzeit. Und je mehr über verschiedene Impfstoffe, Adjuvantien und mögliche Begleiterscheinungen der Grippeimpfung debattiert wird, desto stärker sinkt die Impfbereitschaft.1 Und während die allermeisten erstmal abwarten, wie sich die Grippesaison so entwickelt, gibt es eine recht interessante Studie zu lesen, ... <a title="Impfgeschichten: Paracetamol vermindert Impfschutz!" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2009/10/impfgeschichten-paracetamol-vermindert-impfschutz/" aria-label="Mehr Informationen über Impfgeschichten: Paracetamol vermindert Impfschutz!">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2009/10/impfgeschichten-paracetamol-vermindert-impfschutz/">Impfgeschichten: Paracetamol vermindert Impfschutz!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2009/10/Spritze.jpg" alt="Spritze"  width="220" height="174" class="alignright size-full wp-image-1229" /><strong>Über den Sinn und Unsinn von Impfungen ist wohl selten so viel diskutiert worden, wie derzeit. Und je mehr über verschiedene Impfstoffe, Adjuvantien und mögliche Begleiterscheinungen der Grippeimpfung debattiert wird, desto stärker sinkt die Impfbereitschaft.</strong><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2009/10/impfgeschichten-paracetamol-vermindert-impfschutz/#footnote_0_1226" id="identifier_0_1226" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die &ouml;ffentliche Debatte zur Schweinegrippeimpfung und v.a. die Verlautbarungen der offiziellen Akteure &ndash; von RKI, PEI, Stiko bis zu den Spitzenvertretern der &Auml;rzteverb&auml;nde &ndash; sind spannendes Anschauungsmaterial zur Wissenschafts- und Risikokommunikation. Aber darum soll es hier gar nicht gehen.">1</a><strong> Und während die allermeisten erstmal abwarten, wie sich die Grippesaison so entwickelt, gibt es eine recht interessante Studie zu lesen, die den Effekt von Paracetamol auf die Immunreaktion zum Gegenstand hat.</strong></p>
<p>Daß eine Impfung ganz gezielt die körpereigene Immunantwort provoziert, haben wir ja <a href="http://www.scienceblogs.de/weitergen/2009/10/die-waffen-des-abwehrsystems-impfungen-infektionen-und-die-immunantwort.php">zuletzt überall gelernt.</a> Und nicht selten geht so eine Impfung mit einem kurzzeitigen Temperaturanstieg, also Fieber, einher. Das ist so normal, daß manche Ärzte, v.a. wenn es um die üblichen Impfungen im Kindesalter geht, eine begleitende Einnahme von Paracetamol empfehlen. Das ist irgendwie plausibel, schon allein, weil man dann nicht Gefahr läuft, wenige Stunden nach der Impfung gegen Diphterie, Keuchhuste, Tetanus oder sonstwas, die verängstigten Eltern am Praxistelefon beruhigen zu müssen. </p>
<h4><span class="pullquote">Kinderärzte empfehlen häufig die prophylaktische Einnahme von Paracetamol bei Impfungen. Offenbar ein falscher Ratschlag&#8230;</span></h4>
<p><strong>Studie zu Effekten der impfbegleitenden Paracetamolgabe</strong></p>
<p>Allerdings wurde &#8211; was mich ehrlicherweise überrascht &#8211; offenbar kaum gezielt untersucht, welche Effekte so eine vorbeugende Paracetamoleinnahme für den Impferfolg hat. Das hat nun Roman Prymula von der University of Defence in Hradec Kralove (Königsgrätz) nachgeholt. In ihrer Studie haben die tschechischen Ärzte knapp 500 Kinder untersucht; die eine Hälfte bekam impfbegleitend Paracetamol, die andere nicht. </p>
<p>Das erste Ergebnis war zu erwarten: die Kinder aus dem Paracetamol-Arm zeigten weniger häufig einen Fieberschub (42 Prozent gegenüber 66 Prozent der Kontrollgruppe). Das sollte ja auch so sein. Gleichzeitg &#8211; und hier wird&#8217;s interessant &#8211; zeigte sich, daß die Paracetamolgabe auch die Antikörperreaktion deutlich abschwächte. Klar, die Entzündungsreaktion und damit die erwünschte immunologische Antwort wird durch das Paracetamol reduziert. Letztlich ist das aber nicht der Sinn der Übung&#8230;</p>
<p>Roman Prymula konnten allerdings zeigen, daß sich dieser kontraproduktive Effekt eigentlich nur dann zeigt, wenn das Paracetamol bereits kurz vor der Impfung eingenommen wird.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2009/10/impfgeschichten-paracetamol-vermindert-impfschutz/#footnote_1_1226" id="identifier_1_1226" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das ist dem Vernehmen nach aber h&auml;ufig die Empfehlung der Kinder&auml;rzte.">2</a> Wenn man stattdessen abwartet und erst dann, wenn sich Fiebersymptome zeigen mit Paracetamol dagegenhält, dann schmälert man den Impferfolg nicht. </p>
<p>Was heißt das also? Zunächst sollten Kinderärzte hier offensichtlich ihre gutgemeinte Strategie überdenken. Gleichzeitig gilt dieser Ratschlag aber vermutlich genauso für Erwachsene: wer Impfnebenfolgen (Fieber, Entzündungen etc.) prophylaktisch mit Paracetamol bekämpfen will, der tut sich keinen Gefallen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2009/10/impfgeschichten-paracetamol-vermindert-impfschutz/#footnote_2_1226" id="identifier_2_1226" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Es ist &ndash; ich bin kein Arzt, aber das ist meine Einsch&auml;tzung &ndash; im &uuml;brigen so, da&szlig; &auml;hnliche Effekte auch bei der Einnahme von Aspirin und Co. eintreten k&ouml;nnen. Also auch hier lieber erst nach der Impfung zu den Tableten greifen.">3</a> Wenn impfen, dann eben richtig. </p>
<p>Das gilt sicherlich auch für die Impfung gegen die saisonale Grippe und auch gegen die Schweinegrippe. Und entzündungshemmende und fiebersenkende Medikamente erst einnehmen, wenn sich das nach der Impfung als notwendig herausstellen sollte. </p>
<div class="links_ticker">
Links:</p>
<ul>
<li>R. Prymula and others. <a href="http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(09)61208-3/fulltext">Effect of prophylactic paracetamol administration at time of vaccination on febrile reactions and antibody responses in children: two open-label, randomised controlled trials</a>. Lancet 2009; 374: 1339  </li>
</ul>
<p>Viele Infos zur Schweinegrippe bei WeiterGen und aktuell eine Randnotiz auch im Fischblog:</p>
<ul>
<li>WeiterGen: <a href="http://www.scienceblogs.de/weitergen/2009/10/die-waffen-des-abwehrsystems-impfungen-infektionen-und-die-immunantwort.php">Die Waffen des Abwehrsystems: Impfungen, Infektionen und die Immunantwort</a></li>
<li>WeiterGen: <a href="http://www.scienceblogs.de/weitergen/2009/10/grunde-gegen-die-impfung-mit-pandemrix.php">Gründe gegen die Impfung mit Pandemrix</a></li>
<li>Fischblog: <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/fischblog/allgemein/2009-10-30/macht-die-regul-re-grippeimpfung-pandemien-gef-hrlicher">Macht die reguläre Grippeimpfung Pandemien gefährlicher?</a></li>
</ul>
</div>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_1226" class="footnote">Die öffentliche Debatte zur Schweinegrippeimpfung und v.a. die Verlautbarungen der offiziellen Akteure &#8211; von RKI, PEI, Stiko bis zu den Spitzenvertretern der Ärzteverbände &#8211; sind spannendes Anschauungsmaterial zur Wissenschafts- und Risikokommunikation. Aber darum soll es hier gar nicht gehen.</li><li id="footnote_1_1226" class="footnote">Das ist dem Vernehmen nach aber häufig die Empfehlung der Kinderärzte.</li><li id="footnote_2_1226" class="footnote">Es ist &#8211; ich bin kein Arzt, aber das ist meine Einschätzung &#8211; im übrigen so, daß ähnliche Effekte auch bei der Einnahme von Aspirin und Co. eintreten können. Also auch hier lieber erst <em>nach</em> der Impfung zu den Tableten greifen.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2009/10/impfgeschichten-paracetamol-vermindert-impfschutz/">Impfgeschichten: Paracetamol vermindert Impfschutz!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die eingebildeten Kranken: Wenn Informationen krank machen</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2013/05/die-eingebildeten-kranken-wenn-informationen-krank-machen/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2013/05/die-eingebildeten-kranken-wenn-informationen-krank-machen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc Scheloske]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 May 2013 21:45:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Medizinjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Risikokommunikation]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/?p=2931</guid>

					<description><![CDATA[<p>Glaube kann Berge versetzen. Und krankmachen. Dann etwa, wenn bestimmte Informationen konkrete Ängste wachrufen und die Betroffenen schließlich Symptome zeigen. Eine aktuelle Studie belegt die Effektivität solcher Nocebos.1 Vor ziemlich genau 340 Jahren schrieb Molière seine fabelhafte Geschichte vom bemitleidenswerten Hypochonder Argan, der sich seine Krankheiten quasi per Autosuggestion einimpft: &#8222;Le Malade imaginaire&#8220;. &#8211; Wie ... <a title="Die eingebildeten Kranken: Wenn Informationen krank machen" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2013/05/die-eingebildeten-kranken-wenn-informationen-krank-machen/" aria-label="Mehr Informationen über Die eingebildeten Kranken: Wenn Informationen krank machen">Weiterlesen</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2013/05/Le_Malade_imaginaire.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright  wp-image-2941"  alt="Der eingebildete Kranke - Honoré Daumier" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2013/05/Le_Malade_imaginaire-300x254.jpg" width="240" height="203" /></a><strong>Glaube kann Berge versetzen. Und krankmachen. Dann etwa, wenn bestimmte Informationen konkrete Ängste wachrufen und die Betroffenen schließlich Symptome zeigen. Eine aktuelle Studie belegt die Effektivität solcher Nocebos.</strong><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2013/05/die-eingebildeten-kranken-wenn-informationen-krank-machen/#footnote_0_2931" id="identifier_0_2931" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Als Placebo-Effekt wird die Reaktion eines Patienten auf ein medizinisches Pr&auml;parat ohne Wirkstoff bzw. generell auf jede von sich aus wirkungslose medizinische Intervention bezeichnet. Nocebo-Effekte sind analog negative Symptomver&auml;nderungen, ohne da&szlig; tats&auml;chlich ein Wirkstoff oder eine Therapie vorliegt.">1</a></p>
<p><span class="initial_klein">V</span>or ziemlich genau 340 Jahren schrieb Molière seine fabelhafte Geschichte vom bemitleidenswerten Hypochonder Argan, der sich seine Krankheiten quasi per Autosuggestion einimpft: &#8222;Le Malade imaginaire&#8220;. &#8211; Wie hoch die Ziffer der &#8222;eingebildeten Kranken&#8220; wohl ist, die täglich in den Wartezimmern Platz nehmen?</p>
<p><span class="pullquote">Der Nocebo-Effekt, der (finstere) Zwillingsbruder des Placebos, wurde bislang relativ wenig erforscht.</span> Eigentlich erstaunlich, daß die Forschung zu diesem Thema noch ziemlich in den Kinderschuhen steckt. Zu den (positiv wirkenden) Placebos ist man zwar in Medizin und Psychologie seit einiger Zeit recht aktiv, doch die (negativ wirkenden) Nocebos wurden bislang vernachlässigt.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2013/05/die-eingebildeten-kranken-wenn-informationen-krank-machen/#footnote_1_2931" id="identifier_1_2931" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Am besten sieht die Forschungslage noch bei den Beipackzetteln aus, die &ndash; hier sind ja meist jede Menge negative Nebenwirkungen genannt &ndash; ebenfalls als Nocebo funktionieren.">2</a></p>
<p><span class="zwischenueberschrift">Eingebildete Elektro-Smog-Symptome</span></p>
<p><span class="initial_klein">E</span>inen simplen, aber umso eindrucksvolleren Ansatz wählte jetzt der Psychologe <a  href="http://klinische-psychologie-mainz.de/mitarbeiter_witthoeft.html">Michael Witthöft von der Uni Mainz</a>. Bei einem Forschungsaufenthalt am Londoner King’s College zeigte er zunächst insgesamt 147 Probanden einen Fernsehbericht. Der eine Teil bekam eine BBC-Fernseh-Doku zu sehen, in der die gesundheitlichen Risiken von Mobilfunk und WLAN thematisiert wurden. Der andere Teil sah stattdessen eine (unverdächtige) Doku über Datensicherheit im Internet.</p>
<p><span class="pullquote_left">Alles Einbildung?: Zwei Probanden brachen den Test vorzeitig ab.</span> Im zweiten Teil des Versuchs wurde allen Probanden mitgeteilt, daß sie vorübergehend einem WLAN-Feld ausgesetzt seien. In Wirklichkeit gab es aber kein solches WLAN-Signal. Interessanterweise berichtete mehr als die Hälfte (54%) aller Testpersonen über die vermeintlich typischen Elektro-Smog-Symptome. Konzentrationsstörungen, Kribbeln in Fingern, Armen, Beinen etc. Darunter v.a. solche, die die Strahlenrisiken-Doku gesehen hatten. Zwei Probanden brachen den Test sogar vorzeitig ab, weil die Symptome so heftig waren und sie sich nicht noch länger der (eingebildeten!) WLAN-Strahlung aussetzen wollten.</p>
<p>Toll, oder? ;-) Solche Studien liebe ich. Die Untersuchung von Michael Witthöft zeigt wunderschön, wie wirkmächtig negative Gedanken sind. Allein die angebliche Strahlenexposition (und die wachgerufenen Ängste durch die Doku) führte zu 54% elektrosensiblen Menschen, die z.T. heftige körperliche Reaktionen spürten! Wobei die Reaktion stärker und häufiger bei Menschen ausfiel, die generell etwas &#8222;ängstlicher&#8220; waren.</p>
<p class="zwischenueberschrift">Nachdenken über die Ethik des Wissenschafts- und Technikjournalismus?</p>
<p><span class="initial_klein">E</span>inen interessanten Aspekt des Themas spricht Witthöft (vgl. Pressemitteilung zur Studie) selbst an: welche Schlußfolgerungen zieht eigentlich der Journalismus aus solchen Erkenntnissen? Wie werden Risikotechnologien angemessen dargestellt? Wie sieht es mit Zuspitzungen aus? Wie wählt man die Bebilderung usw.? Witthöft sagt:</p>
<blockquote><p>„Die Wissenschaft und die Medien müssen unbedingt stärker zusammenarbeiten und sich darum bemühen, dass Berichte beispielsweise über mögliche Gesundheitsrisiken neuer Technologien so wahrheitsgetreu wie möglich und nach bestem Wissensstand an die Öffentlichkeit gelangen.“</p></blockquote>
<p>Eigentlich sollten solche Studien Bestandteil jeder Volontärs- und Journalismus-Ausbildung sein. Denn vom Placebo-Effekt und der positiven Kraft der Gedanken hat wohl jeder schon mal gehört. Aber dessen finsteren Zwillingsbruder, den Nocebo-Effekt, kennt kaum jemand. Dabei handelt es sich schlicht um zwei Seiten einer Medaille. Beides mal sind es kognitive Prozesse, die &#8222;angetriggert&#8220; werden und die als (positive oder negative) Erwartungshaltung durchschlagen.</p>
<p>Zu diesem Thema kann ich übrigens das 15-Minuten-Gespräch zwischen Arvid Leyh und dem Placebo-Forscher Paul Enck empfehlen.</p>
<div class="werkstattlinks">
<p><strong>Links:</strong></p>
<ul>
<li>Michael Witthöft, G. James Rubin (2013): <a  href="http://www.jpsychores.com/article/S0022-3999%2812%2900335-2/abstract">Are media warnings about the adverse health effects of modern life self-fulfilling? An experimental study on idiopathic environmental intolerance attributed to electromagnetic fields (IEI-EMF)</a>, Journal of Psychosomatic Research, DOI: 10.1016/j.jpsychores.2012.12.002</li>
<li><a  href="http://dasgehirn.info/aktuell/foxp2/placebos-und-nocebos-mit-paul-enck-8330/">Placebos und Nocebos mit Paul Enck</a>, Gespräch, dasgehirn.info</li>
</ul>
<p>Lars vom Fischblog hat gerade eben auch über die Studie gebloggt und sich noch weitere Gedanken bzgl. der Schlußfolgerungen für die Berichterstattung über solche Themen gemacht:</p>
<ul>
<li>Lars Fischer: <a  href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/fischblog/allgemein/2013-05-13/gesundheitswarnungen-und-nocebo-effekt-schlechter-journalismus-macht-krank">Gesundheitswarnungen und Nocebo-Effekt: (schlechter?) Journalismus macht krank</a>, 13.5.2013</li>
</ul>
</div>
<div id="Punkte"></div>
<p><small>Bild: &#8222;Der eingebildete Kranke&#8220; von Honoré Daumier</small></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_2931" class="footnote">Als Placebo-Effekt wird die Reaktion eines Patienten auf ein medizinisches Präparat ohne Wirkstoff bzw. generell auf jede von sich aus wirkungslose medizinische Intervention bezeichnet. Nocebo-Effekte sind analog negative Symptomveränderungen, ohne daß tatsächlich ein Wirkstoff oder eine Therapie vorliegt.</li><li id="footnote_1_2931" class="footnote">Am besten sieht die Forschungslage noch bei den Beipackzetteln aus, die &#8211; hier sind ja meist jede Menge negative Nebenwirkungen genannt &#8211; ebenfalls als Nocebo funktionieren.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2013/05/die-eingebildeten-kranken-wenn-informationen-krank-machen/">Die eingebildeten Kranken: Wenn Informationen krank machen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 04</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jul 2007 23:06:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Risikokommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der deutsche Sommer ist zurückgekehrt. Zwar kann man ihm vorwerfen, daß er recht lange auf sich warten ließ, aber wenigstens entspricht er den Erwartungen, die der gemeine Mitteleuropäer an&#160; meteorologische Hochdrucklagen zur Ferienzeit stellt: er bringt Sonne und Temperaturen jenseits der 30°C. Möglicherweise wäre das &#8211; solange man sich vorwiegend in abgedunkelten, kühlen Räumen aufhält ... <a title="Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 04" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/" aria-label="Mehr Informationen über Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 04">Weiterlesen</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" width="240" height="177" align="right" style="border: 1px solid rgb(136, 136, 136); margin: 6px; padding: 1px;" alt="Fundstuecke_01c.jpg" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/05/Fundstuecke_01c.jpg" />Der deutsche Sommer ist zurückgekehrt. Zwar kann man ihm vorwerfen, daß er recht lange auf sich warten ließ, aber wenigstens entspricht er den Erwartungen, die der gemeine Mitteleuropäer an&nbsp; meteorologische Hochdrucklagen zur Ferienzeit stellt: er bringt Sonne und Temperaturen jenseits der 30°C. </p>
<p>Möglicherweise wäre das &#8211; solange man sich vorwiegend in abgedunkelten, kühlen Räumen aufhält und sich nur zu frühen Tages- und späten Abendstunden ins Freie wagt &#8211; alles noch zu ertragen; lästiger als die stupide vom Himmel funkelnde Sonne sind freilich die Begleiterscheinungen, die jeder sogenannte deutsche Sommer- bzw. Hitzetag mit sich bringt: nämlich schwitzende und v.a. schlecht gekleidete Menschen.</p>
<p> Ist ein schrecklicheres Szenario vorstellbar, als an einem Rekordsommertag zur Hauptverkehrszeit dicht gedrängt in öffentlichen Verkehrsmitteln den naßgeschwitzten Leibern der Mitpassagiere ausgesetzt zu sein?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/#footnote_0_56" id="identifier_0_56" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Auch die Blogosph&auml;re widmet sich den Auswirkungen und Randerscheinungen des Sommers. Manche st&ouml;hnen, andere beobachten wiederum wohltuende Entschleunigung und wieder andere machen sich Sorgen um ihren Kreislauf.">1</a> Diesem Horror vermag sich nur derjenige zu entziehen, der konsequent obigen Ratschlag beherzigt und die Tageshitze in den eigenen vier Wänden &#8211; und das heißt: ohne Feindkontakt &#8211; zubringt. Alternativ bleibt nur die Fortbewegung zu Fuß oder auf dem Rad. Allerdings bleibt einem auf diese Weise der Anblick der unzähligen Zeitgenossen nicht erspart, die beim Hervorblinzeln der ersten Sonnenstrahlen ihre ansonsten löblichen Bekleidungsgewohnheiten suspendieren. </p>
<p>Hat eigentlich schon jemand eine wissenschaftliche Untersuchung angestellt, um zu ergründen, weshalb sich fast ausschließlich der männliche Teil der Bevölkerung einer ästhetisch kaum hinzunehmenden Kulissenverschmutzung schuldhaft macht? Weit aufgeknöpfte Hemden, strandtaugliche Kopfbedeckungen und natürlich das Hauptübel: knielange &#8211; häufig euphemistisch &quot;Bermuda&quot; genannte &#8211; Hosen, die in fast allen Fällen genau zwei Dinge offenbaren: erstens die milchig-weiße Männerwade, zweitens die Respektlosigkeit des jeweiligen Herrn gegenüber seinen Mitmenschen. Wer erbarmt sich und erklärt den irregeleiteten Kurzhosenfans endlich, daß sie naiverweise den PR-Strategien der Strandbekleidungsindustrie auf den Leim gegangen sind? Denn, eines ist sicher: das angemessene Beinkleid für heiße Sommertage ist eine lange, dünne Stoffhose. Es ist der Hitzkopf, der glaubt, sich möglichst luftig kleiden zu müssen; der wahrhaft besonnene Herr ist ein <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3257236069?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3257236069">Liebhaber des Halbschattens</a>. Und kühl und beschattet hält er auch seine Beine. Wir werden nie erfahren, ob sie durchtrainiert oder stelzenhaft-stakig sind. </p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">1.</font> </font>Habe ich schon jemals erwähnt, daß das Gedicht &quot;Weltende&quot; von <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_van_Hoddis" rel="noopener noreferrer">Jakob van Hoddis</a> zu meinen Favoriten zählt? Dort wird von den Dachdeckern, die abstürzen und &quot;entzwei gehen&quot;&nbsp; genauso erzählt, wie von den entgleisenden Eisenbahnen. Ich weiß nicht weshalb, aber nicht selten, wenn neue Katastrophenmeldungen durch die Medien geistern, so kommt mir Hoddis in den Sinn. &quot;In allen Lüften hallt es wie Geschrei&quot; &#8211; so kündet sich das Weltende an; aber mögen die Ereignisse noch so schrecklich sein, die Unfälle der Hochtechnologiegesellschaft noch so verheerend, bislang waren es freilich viele <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kassandra-Syndrom" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Kassandrarufe</a>, die einen Großteil des Geschreis ausmachten. </p>
<p>Wenn es nach mir ginge, so darf sich die Apokalypse auch gerne ein weiteres mal in ihrem Lehnstuhl zurücklehnen und gemütlich ein Pfeifchen rauchen. Und dennoch kommt man auch als ruhiger Beobachter nicht umhin einzugestehen, daß die Situationen, in denen die Industriegesellschaft an großen Unfällen nur haarscharf vorbeischrammt, immer häufiger werden. Man mag dem Soziologen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Beck" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Ulrich Beck</a> vieles vorwerfen, daß seine Gesellschaftsdiagnose der latent suizidalen Risikogesellschaft plausibel und triftig ist, kann man aber kaum von der Hand weisen. </p>
<p>Für all diejenigen, die sich mit Risiken in der Industriegesellschaft beschäftigen oder gar noch mit den Strategien, die unabweisbaren Gefahrenpotentiale im demokratisch-öffentlichen Diskurs zu verhandeln, gab es in den letzten Tagen wieder reichlich Anschauungsmaterial. Die beiden vom Energiekonzern Vattenfall betriebenen Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel sind seit rund 10 Tagen Topthema in den Nachrichtenspalten.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/#footnote_1_56" id="identifier_1_56" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Politblog widmet sich auch ausf&uuml;hrlich der Thematik.">2</a> Wie weit Anspruch und Wirklichkeit der Risikokommunikation hier wieder einmal auseinanderlagen, wird demnächst Thema hier in der Wissenswerkstatt sein. Bis dahin sei auf die lesenswerten Artikel in der ZEIT verwiesen. </p>
<ul>
<li>Schwentker, Björn: <a target="_blank" href="http://images.zeit.de/text/online/2007/28/kernkraft-stoerfaelle-kommentar" rel="noopener noreferrer">Atomaufsicht, ja bitte!</a>, Die ZEIT, 11.7.2007</li>
<li>v. Randow, Gero: <a target="_blank" href="http://images.zeit.de/text/online/2007/29/vattenfall-kommentar" rel="noopener noreferrer">Verspieltes Vertrauen</a>, Die ZEIT, 16.7.2007&nbsp; </li>
</ul>
<p>Trotz der zutreffenden Anmerkungen in den genannten Beiträgen ist wieder einmal festzustellen: recht profane Störungen haben das hochkomplexe &#8218;System&#8216; des Kraftwerks an einem neuralgischen Punkt irritiert, so daß sowohl Bedienpersonal als auch technische Sicherheitsvorkehrungen nicht geeignet waren, die Störung umgehend wieder zu beheben. Die &#8211; wenn man hier das Vokabular von <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3593341255?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3593341255">Charles Perrow</a><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/#footnote_2_56" id="identifier_2_56" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Organisationspsychologe Perrow untersuchte in den 80er Jahren v.a. am Beispiel der beinahe Kernschmelze in Three Mile Island (Harrisburg), wie hochkomplexe Industrieanlagen, quasi aus sich heraus schwer handhabbare und im Vorfeld kaum zu berechnende Zwischenf&auml;lle produzieren.">3</a> benutzen will &#8211; &#8218;<em>enge Kopplung</em>&#8218; war wieder einmal dafür verantwortlich, daß hier ein KKW nur knapp einer Kernschmelze entgangen ist. Die Rede davon, daß hier Bedienungsfehler vorlagen und der Schichtleiter überfordert und angeblich nicht optimal geschult war, verstellt eher den Blick auf das unhintergehbare Gefahrenpotential der nuklearen Energieerzeugung, als daß es diese Debatte (mit dem Fokus auf menschliches Fehlverhalten) aufklären könnte.</p>
<p><em>Literaturempfehlungen:&nbsp;</em></p>
<ul>
<li>Perrow, Charles (1987): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3593341255?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3593341255">Normale Katastrophen</a>. Die unvermeidbaren Risiken der Großtechnik. Campus. </li>
<li>Beck, Ulrich (1986): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518113658?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518113658">Risikogesellschaft</a>. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp. </li>
</ul>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">2.</font> </font>Nicht Technik-, sondern Sprachkritik betreibt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wiglaf_Droste" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wiglaf Droste</a>. Der inzwischen preisgekrönte Satiriker zählt zu einer leider sehr raren Gattung: er ist ein Prinzipienmensch, der sich nicht scheut, auch denjenigen Personengruppen und Milieus, die ihm nahestehen, die Wahrheit ins Gesicht zu sagen. Auch wenn dies manchmal weh tut. Droste liebt die Provokation genauso wie gutes und <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3832179925?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3832179925">reichhaltiges Essen</a>. Suspekt sind ihm Phrasendrescherei und ein Journalismus, der weniger aus solider Informationsaufbereitung und Recherche, als viel mehr aus Nachplapperei von Agenturmeldungen besteht. Wenn sich Journalisten gar unkritisch als Erfüllungsgehilfen oder Sprachrohr von PR-Agenturen betätigen, dann ruft das Droste auf den Plan, der &#8211; dies eine seiner bevorzugten Beschäftigungen &#8211; den fraglichen Praktiken auf den Grund geht und ihre Gedanken- und Substanzlosigkeit nachweist.</p>
<blockquote>
<p>&quot;Sprachkritik, die nur rechthaben will, ist uninteressant. Das gleichermaßen mäkelige wie auftrumpfende Einteilen in richtig und falsch mag die Ambitionen von professionellen Rotstiften oder Amateurdeutschlehrern befriedigen. Das ist piesepömpelig und kleinlich, ärmlich und latent peinlich. Man soll kein Rechthaber der Sprache sein, sondern ihr Liebhaber. Und also das unverbindliche und häßliche Vokabular meiden und das schöne, bildhaft sprechende, treffende suchen oder erfinden.&quot; (W. Droste in seinem &quot;Sommertagebuch&quot;)</p>
</blockquote>
<p>Seit einigen Tagen ist in der &quot;jungen Welt&quot; täglich eine Notiz von Wiglaf Droste zu lesen, der dort ein hübsches, kleines <a href="http://www.jungewelt.de/2007/07-02/043.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sommertagebuch</a> führt. Auf die unsägliche Werbekampagne der BILD-Zeitung, für die Alice Schwarzer den <a target="_blank" href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/schwarzer-humor/" rel="noopener noreferrer">letzten Rest </a>ihrer Glaubwürdigkeit <a target="_blank" href="http://alteeule.blogg.de/eintrag.php?id=340" rel="noopener noreferrer">opfert</a> und die derzeit die Städte verunstaltet, hat Droste bereits <a href="http://www.jungewelt.de/2007/07-13/009.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hingewiesen</a>. Frei nach dem Motto: &quot;Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht&quot; &#8211; Wiglaf Droste, Sommertagebuch, &quot;Junge Welt&quot;. Lesen!<br />&nbsp;</p>
<ul>
<li>Droste, Wiglaf / Heidelbach, Nikolaus / Klink, Vincent (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3832179925?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3832179925">Wurst</a>. Dumont.</li>
<li>Droste, Wiglaf (2004): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3379201103?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3379201103">Der infrarote Korsar</a>. Ausgesuchte neue Texte. Reclam.</li>
<li>Droste, Wiglaf (2002): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3379200433?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3379200433">Bombardiert Belgien / Brot und Gürtelrosen</a>. Reclam.</li>
</ul>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»3</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">.</font> </font>Nicht die Sünden des Journalismus, sondern die Entwicklungen der Wissenschaft und ihrer Publikations- und Sprechweisen sind Gegenstand eines <a target="_blank" href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E736EA9319321421BB463DE1F83821F92~ATpl~Ecommon~Scontent.html" rel="noopener noreferrer">überaus lesenswerten Essays</a> von Stefan Klein.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/#footnote_3_56" id="identifier_3_56" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Den Link auf Kleins Artikel verdanke ich Wisskomm.">4</a> Ausgehend von der Beobachtung einer wissenschaftlichen Tagung in Berlin, an der zwar einige wenige Referenten englischsprachig waren, das gesamte Publikum sowie viele Vortragende jedoch deutschsprachig, kritisiert Klein die um sich greifende Unterwerfung unter die &#8218;lingua franca&#8216; des 21. Jahrhunderts.</p>
<blockquote>
<p>Wer Wissenschaft nur in einer Fremdsprache begegnet, bezahlt selbst dann mit Verlusten, wenn er dieses Idiom hervorragend beherrscht.&nbsp;</p>
</blockquote>
<p>Egal ob es wissenschaftliche Papers oder Beiträge auf Workshops oder Konferenzen sind: der Biophysiker und Wissenschaftsjournalist Stefan Klein hat häufig die Erfahrung gemacht, daß der Reflexionsgrad der englischen Beiträge (so sie nicht von Muttersprachlern stammen) hinter denjenigen der deutschsprachigen Beiträge zurückfällt. &quot;Dümmer auf Englisch&quot; ist sein Artikel in der FAZ überschrieben und er verweist auf interessante Entwicklungen in anderen Ländern. Während in Deutschland mittlerweile 250 Masterstudiengänge vollständig auf die Unterrichtssprache Englisch umgestellt sind, debattiert man im fortschrittlichen Schweden beispielsweise wieder, mehr Veranstaltungen oder gar das gesamte Studium in der Landessprache anzubieten. </p>
<p>Klein weist sicher zurecht darauf hin, daß in vielen, alltäglichen wissenschaftlichen Papers, die sowieso mit heißer Nadel gestrickt sind, die sprachliche Qualität nur sekundär ist. Das kann ohne Verluste auch auf Englisch erfolgen; die Benennung komplexer Sachverhalte mit prägnant-anschaulichem Vokabular allerdings, so argumentiert Klein, sei oftmals nur Muttersprachlern möglich. Und er verweist darauf, daß die deutsche Sprache in der Wissenschaft eine lange, ehrenvolle Tradition und beeindruckende Leistungen aufzuweisen habe: so sei <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Erwin_Schr%C3%B6dinger&amp;oldid=34415797" rel="noopener noreferrer">Erwin Schrödingers</a> Begriff der &quot;<a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Quantenverschr%C3%A4nkung&amp;oldid=33982783" rel="noopener noreferrer">Verschränkung</a>&quot; (mit der er die Verknüpfung von Statuszuständen von voneinander entfernten Teilchen in der Quantentheorie beschreibt) unübertroffen. Und dabei auch &#8211; was für Lernende und Lehrende nicht unwesentlich sei &#8211; emotional anschlußfähig. Klein stellt fest: </p>
<blockquote>
<p>Wissenschaft ist auch eine Erzählung von Menschen, die auszogen, die Welt zu begreifen und zu verbessern. Deshalb sind die Werke von Darwin, Galileo und Einstein bis heute so faszinierend. Nur wenn wir wieder lernen, Wissenschaft zu erzählen, hat Deutsch als Sprache der Wissenschaft eine Zukunft.</p>
</blockquote>
<p>Einer Wissenschaft, die sich ihrer Exzellenz nur dadurch vergewissert, daß sie auf Englisch publiziert, kann man nicht oft genug ins Gewissen reden, die Leistungsfähigkeit der Wissenschaftssprache Deutsch nicht zu vergessen. Dabei geht es nicht um einen Boykott des Englischen, sondern darum, darauf zu insistieren, daß wissenschaftliche Ergebnisse &#8211; vor allem, wenn sie in ihren Zusammenhängen und Auswirkungen dargestellt werden sollen &#8211; auch auf Deutsch veröffentlicht werden sollten. Dazu schlägt Klein vor:</p>
<blockquote>
<p>Zwei sofort umsetzbare Maßnahmen könnten einen Stimmungsumschwung einleiten: Erstens sollten Abschlussarbeiten an allen Fakultäten künftig eine mehrseitige allgemeinverständliche Zusammenfassung in deutscher Sprache enthalten, die in die Examensnote eingeht. Auch Anträgen auf öffentliche Mittel muss eine ausführliche Inhaltsangabe beigefügt werden, die jeder interessierte Laie versteht. Diese Mühe schuldet jeder Forscher der Demokratie. </p>
</blockquote>
<p>Man sollte diesen Artikel Wissenschaftspolitikern und den Apologeten der Internationalisierung und Nivellierung von Wissenschaft zur Pflichtlektüre machen.</p>
<p><em>Weiterführende Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Pörksen, Uwe (2005): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3892449783?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3892449783">Die Wissenschaft spricht Englisch</a>? Versuch einer Standortbestimmung. Wallstein.</li>
<li>Klein, Stefan (2002): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3498035096?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3498035096">Die Glücksformel</a>. Oder: Wie die guten Gefühle entstehen. Rowohlt.</li>
<li>Ammon, Ulrich (1998): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3110161486?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3110161486">Ist Deutsch noch internationale Wissenschaftssprache</a>? Gruyter.&nbsp; </li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">4.</font> </font>Möglicherweise wurde in kaum einem anderen Jahr das mediale <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sommerloch" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Sommerloch</a> stärker herbeigesehnt als dieses Jahr. Wie wohltuend wären zur Abwechslung seicht-anrührende Berichte über entflohene Minikrokodile oder sonstige Ungeheuer, die heimische Badeseen unsicher machen, wenn man nur einige Tage von den wahnwitzigen Vorschlägen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble verschont bliebe. Ob und wie die Sicherheitslage zu erhöhter Vorsicht Anlaß gibt und mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Terroranschlag in den nächsten Monaten bevorsteht, ist schon lange kein Thema mehr. Schäuble ist lange genug im Geschäft und versiert genug, um zu wissen, wie er die öffentliche Meinung sukzessive auf Linie bringen kann; und diese Linie führt &#8211; diesen Eindruck gewinnt man &#8211; geradewegs in eine<a> </a>umfassende <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberwachen_und_Strafen" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Kontroll- und Disziplinargesellschaft</a>, in der der argwöhnische Blockwart wieder zu neuen Ehren gelangt. </p>
<p>Vergegenwärtigt man sich die <a target="_blank" href="http://blog.kairaven.de/archives/1218-Internierung-und-Liquidierung-Schaeuble-legt-nach.html" rel="noopener noreferrer">jüngsten</a> <a target="_blank" href="http://www.farliblog.de/archives/766-Ein-geplatzter-Testballon-und-der-Sturm-im-Wasserglas.html" rel="noopener noreferrer">Verlautbarungen</a><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/#footnote_4_56" id="identifier_4_56" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Auf den sehr guten Artikel des Stern weist der Farliblog hin. Inzwischen rudert Sch&auml;uble vorsichtig zur&uuml;ck.">5</a> Schäubles, die &#8211; bewußt vage formuliert &#8211; ein prophylaktisches Tötungsrecht zur finalen Gefahrenabwehr zur Debatte stellen, so wird zweierlei deutlich, erstens: Schäuble versteht es nach wie vor meisterlich, sich selbst als tatkräftigen und handlungsfähigen Hüter von Sicherheit und Ordnung zu inszenieren (wenigstens für die Bevölkerungsgruppen, deren Sicherheitsempfinden fragil ist), zweitens: um die Befindlichkeit der bundesdeutschen Bevölkerung scheint es schlecht bestellt zu sein. Denn wie sonst ist es zu erklären, daß kein Schrei der Entrüstung durchs Land fegt, wenn der Innenminister eines demokratischen Rechtsstaats, die freiheitlichen Grundrechte immer weiter unter Vorbehalt stellt.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/#footnote_5_56" id="identifier_5_56" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wie der Lawblog eben verlinkt: einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge sind doch immerhin 54% der Bundesb&uuml;rger skeptisch was Sch&auml;ubles Aktivit&auml;ten angeht.">6</a></p>
<p>Ein sehr lesenswertes <a href="http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/305/123134/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interview</a> mit dem Politologen und Psychologen Thomas Kliche findet sich in der Süddeutschen Zeitung.  </p>
<blockquote>
<p>Nun, es gehört zu den Selbstverständlichkeiten für uns als Mitglieder einer Zivilisation, dass wir Spielregeln akzeptieren, wenn sie nicht gerade mit enormen persönlichen Verlusten und Einschränkungen verbunden sind. Das macht die oft irrationalen Reaktionen der Sicherheitspolitiker so fatal: Sind sie erstmal zur Regel geworden, kriegt man sie nicht mehr aus der Welt. (Thomas Kliche: <a href="http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/305/123134/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sicherheitsgefühl ist das Kernprodukt der Politik</a>, SZ, 12.7.2007)<br />&nbsp;</p>
</blockquote>
<p><em>Empfehlenswert:</em></p>
<ul>
<li>Schütz, Hans Peter: <a target="_blank" href="http://www.stern.de/politik/deutschland/:Sch%E4uble-Vorschl%E4ge-Es-Denkverbote/593142.html" rel="noopener noreferrer">Es muß Denkverbote geben</a>, Stern, 16.7.2007</li>
</ul>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_56" class="footnote">Auch die Blogosphäre widmet sich den Auswirkungen und Randerscheinungen des Sommers. Manche <a href="http://www.dreamyourworld.de/?i=509" target="_blank" rel="noopener noreferrer">stöhnen</a>, andere beobachten wiederum wohltuende <a href="http://www.westropolis.de/nadine.albach/stories/7654/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Entschleunigung</a> und wieder andere machen sich Sorgen um ihren <a href="http://nberlin.twoday.net/stories/4079841/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kreislauf</a>.</li><li id="footnote_1_56" class="footnote">Der <a href="http://politblog.net/umwelt-gesundheit/atombock-als-klimagaertner.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Politblog</a> widmet sich auch ausführlich der Thematik.</li><li id="footnote_2_56" class="footnote">Der Organisationspsychologe Perrow untersuchte in den 80er Jahren v.a. am Beispiel der beinahe Kernschmelze in Three Mile Island (Harrisburg), wie hochkomplexe Industrieanlagen, quasi aus sich heraus schwer handhabbare und im Vorfeld kaum zu berechnende Zwischenfälle produzieren.</li><li id="footnote_3_56" class="footnote">Den Link auf Kleins Artikel verdanke ich <a href="http://wisskomm.de/586.html?&amp;cHash=9b0bf673ae&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=1098" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wisskomm</a>.</li><li id="footnote_4_56" class="footnote">Auf den sehr guten Artikel des Stern weist der <a target="_blank" href="http://www.farliblog.de/archives/767-Stern-Artikel-zu-Schaeuble-und-Merkel-Es-muss-Denkverbote-geben.html" rel="noopener noreferrer">Farliblog</a> hin. Inzwischen rudert Schäuble <a target="_blank" href="http://politblog.net/rechtsstaat/oberkommandeur-schaeuble-trifft-bin-laden.htm" rel="noopener noreferrer">vorsichtig</a> zurück.</li><li id="footnote_5_56" class="footnote">Wie der <a target="_blank" href="http://www.lawblog.de/index.php/archives/2007/07/18/mehrheit-sieht-den-uberwachungsstaat/" rel="noopener noreferrer">Lawblog</a> eben verlinkt: einer <a target="_blank" href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/92877" rel="noopener noreferrer">aktuellen Forsa-Umfrage</a> zufolge sind doch immerhin 54% der Bundesbürger skeptisch was Schäubles Aktivitäten angeht.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-04/">Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 04</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Herausforderung Risikokommunikation: Über den schwierigen Umgang mit dem Phänomen des &#8222;Third-hand Smoke&#8220;</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2009/01/herausforderung-risikokommunikation-uber-den-schwierigen-umgang-mit-dem-phanomen-des-third-hand-smoke/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jan 2009 11:20:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Rauchen]]></category>
		<category><![CDATA[Risikokommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftsjournalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt wohl kaum einen Raucher, der nicht wüßte, daß Rauchen gesundheitsschädlich ist. Und auch die Gefahren des Passivrauchens haben sich zwischenzeitlich herumgesprochen, egal ob nun beispielsweise eine bayerische Staatsregierung in Sachen Nichtraucherschutz in öffentlichen Gaststätten zurückrudert oder nicht.1 In den letzten Wochen wurde nun über eine weitere Gefährdungsebene gesprochen: diejenige des sog. &#8222;Third-Hand Smoke&#8220;. ... <a title="Herausforderung Risikokommunikation: Über den schwierigen Umgang mit dem Phänomen des &#8222;Third-hand Smoke&#8220;" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2009/01/herausforderung-risikokommunikation-uber-den-schwierigen-umgang-mit-dem-phanomen-des-third-hand-smoke/" aria-label="Mehr Informationen über Herausforderung Risikokommunikation: Über den schwierigen Umgang mit dem Phänomen des &#8222;Third-hand Smoke&#8220;">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2009/01/herausforderung-risikokommunikation-uber-den-schwierigen-umgang-mit-dem-phanomen-des-third-hand-smoke/">Herausforderung Risikokommunikation: Über den schwierigen Umgang mit dem Phänomen des &#8222;Third-hand Smoke&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-832 alignright" style="float: right;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2009/01/zigarette01.jpg" alt="Zigarette" width="126" height="157" /></p>
<p><strong>Es gibt wohl kaum einen Raucher, der nicht wüßte, daß Rauchen gesundheitsschädlich ist. Und auch die Gefahren des Passivrauchens haben sich zwischenzeitlich herumgesprochen, egal ob nun beispielsweise eine bayerische Staatsregierung in Sachen Nichtraucherschutz in öffentlichen Gaststätten </strong><a href="http://www.zeit.de/news/artikel/2009/01/20/2710857.xml"><strong>zurückrudert</strong></a><strong> oder nicht.</strong><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2009/01/herausforderung-risikokommunikation-uber-den-schwierigen-umgang-mit-dem-phanomen-des-third-hand-smoke/#footnote_0_827" id="identifier_0_827" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zur Klarstellung: ich bin f&uuml;r ein Rauchverbot in &ouml;ffentlichen Geb&auml;uden, allerdings eines, das hinreichend flexibel und liberal ist. Raucher pauschal als gef&auml;hrliche Subjekte und Sch&auml;diger ihrer Umwelt einzustufen, kann in meinen Augen nicht sinnvoll sein.">1</a></p>
<p>In den letzten Wochen wurde nun über eine weitere Gefährdungsebene gesprochen: diejenige des sog. &#8222;Third-Hand Smoke&#8220;. Unter diesem Label werden alle Rückstände und Ablagerungen in Textilien und Räumlichkeiten verstanden, die durch das Rauchen zustande kommen und dann &#8211; zeitversetzt &#8211; doch in den Organismus gelangen.</p>
<p><strong>Meinungsumfrage oder toxikologische Studie?</strong></p>
<p>Klar ist, daß bei der Verbrennung von Tabak ein stattliche Menge an Reaktionsprodukten übrig bleibt. Dazu gehören u.a. Blausäure, Toluol, Butan, Chrom oder Kadmium und eine solche Aufzählung ließe sich noch über viele Zeilen fortsetzen. Vor gut 3 Wochen sorgte nun eine <a href="http://pediatrics.aappublications.org/cgi/content/abstract/123/1/e74">Studie</a> für Aufregung, die in der Zeitschrift Pediatrics erschien und folgenden Titel trägt<em>: &#8222;Beliefs About the Health Effects of &#8222;Thirdhand&#8220; Smoke and Home Smoking Bans&#8220;</em>. Es geht also &#8211; eigentlich wenig verwunderlich bei diesem Titel &#8211; um die gesellschaftliche Verteilung von Gefahrenwissen, nicht um eine medizinisch-toxikologische Bewertung der Gefahren selbst.</p>
<h4><span class="pullquote">Wie gefährlich ist &#8222;Third-hand smoke&#8220;? Und was ist das überhaupt?</span></h4>
<p>Dazu haben die Forscher um Jonathan Winickoff eine Telefonbefragung durchgeführt und die Interviewpartner nach ihrer Einschätzung gefragt, welche Risiken von Kleidung, Gardinen oder Teppichböden ausgehen, die quasi mit Rauchrückständen kontaminiert sind. Das ist absolut legitim und eine interessante Fragestellung.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2009/01/herausforderung-risikokommunikation-uber-den-schwierigen-umgang-mit-dem-phanomen-des-third-hand-smoke/#footnote_1_827" id="identifier_1_827" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="61 Prozent der Befragten gaben zur Antwort, da&szlig; es sich beim Third-Hand Smoke ihrer Meinung nach um eine ernste Gesundheitsgefahr handle. Die &uuml;brigen 39 Prozent sahen das nicht so oder hatten keine Meinung.">2</a> Das Problem: aus dieser unverdächtigen Studie wurden dutzende Artikel gestrickt, deren Tenor in eine ganz andere Richtung zielt. Nämlich eine angeblich bestätigte Gefahr des Third-hand Smoke als gegeben und unterschätzt darzustellen.</p>
<p>Bei SpiegelOnline <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,599431,00.html">war etwa zu lesen</a>:</p>
<blockquote><p>&#8222;Haare, Kleider, Hände &#8211; Raucher stinken noch nach Tabak, wenn die Zigarette längst aus ist. Tatsächlich sind die riechenden Reste ein riesiges Problem, warnen nun US-Forscher: Der sogenannte Third Hand Smoke ist ihnen zufolge eine Gefahr, die bisher völlig unterschätzt wird.&#8220;</p></blockquote>
<p>Ulrich Berger hat sich über diese doch tendenziell irreführende Berichterstattung <a href="http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2009/01/dritthandrauch.php">aufgeregt</a>. Wie ich finde, vollkommen zu Recht. Dabei geht es keineswegs darum, zu bestreiten, daß sowohl Rauchen, als auch Passivrauchen schädlich ist und auch nicht darum, die Möglichkeit in Abrede zu stellen, daß auch die zurückbleibenden Substanzen über Teppiche, Kleidung und (Fein-)Stäube etwa bei Kleinkindern Schädigungen hervorrufen können.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2009/01/herausforderung-risikokommunikation-uber-den-schwierigen-umgang-mit-dem-phanomen-des-third-hand-smoke/#footnote_2_827" id="identifier_2_827" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wie vor wenigen Stunden J&uuml;rgen Sch&ouml;nstein schreibt, mehren sich die Indizien, da&szlig; Rauchen f&uuml;r eine deutlich gr&ouml;&szlig;ere Palette an Krebserkrankungen mitverantwortlich ist, als bislang angenommen.">3</a> Es geht nur darum, daß der Eindruck erweckt wurde, als sei genau diese Schädigung zweifelsfrei belegt &#8211; durch eben diese Studie in Pediatrics.</p>
<p>Bei Ulrich Berger und auch bei Stefan Niggemeier (der den Fall <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/rauch-aus-dritter-hand/">hier</a> kommentiert hat) kann man weitere Details nachlesen und auch die Kommentare sind höchst lehrreich.</p>
<p><strong>Gratwanderung: Beruhigungspillen oder Alarmismus?</strong></p>
<p>Weshalb ich die Diskussion nochmals aufgreife, ist ein Text von Xaver Glass in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. &#8222;Korrekte Wissenschaft&#8220; ist er überschrieben und widmet sich just diesem oben skizzierten Fall. Am Text gibt es soweit auch nichts auszusetzen, aber dann ist bspw. auch folgendes zu lesen:</p>
<blockquote><p>Immerhin ist über Schädlichkeit beziehungsweise Unbedenklichkeit der erwähnten Substanzen einiges bekannt. Blausäure beispielsweise ist in sehr geringen Mengen auch in Mandeln enthalten, für Stoffe wie Butan und Toluol existieren Grenzwerte, bei deren Unterschreiten keine Giftwirkung unterstellt wird; Kohlenmonoxid wird durch Autoabgase freigesetzt, und selbst Polonium findet sich in Spuren im Granitgestein und in der Atmosphäre.</p></blockquote>
<p>Und hier muß ich dann umgekehrt doch reklamieren. Denn hier wird zwar nicht Hysterie verbreitet (und ein harmloses Studienergebnis aufgebauscht), sondern auf bekannte Weise laut &#8222;Entwarnung&#8220; gerufen, wobei auch hier keine wirklich sauberen wissenschaftlichen Belege vorliegen.</p>
<p><strong>Bekannte Muster der Verharmlosung</strong></p>
<p>Mir geht es vor allem um solche Formulierungen wie: &#8222;Kohlenmonoxid wird durch Autoabgase&#8220;. Ist also, so könnte man fragen, das bißchen zusätzliche Kohlenmonoxid durch Zigarettenrauch auch nicht mehr schlimm?</p>
<p>Oder, noch besser: &#8222;Polonium findet sich in Spuren im Granitgestein und in der Atmosphäre.&#8220; Herr Glass, das ist doch bitte kein Argument! Polonium-210 ist ein radioaktives Element, das zwar auch &#8222;natürlich&#8220; vorkommt, aber deshalb ja keineswegs automatisch unbedenklich ist.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2009/01/herausforderung-risikokommunikation-uber-den-schwierigen-umgang-mit-dem-phanomen-des-third-hand-smoke/#footnote_3_827" id="identifier_3_827" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&Uuml;ber Uranzerfallsprodukte gelangt radioaktives Blei aus dem Boden in die Tabakpflanzen, das wiederum in Polonium-210 zerf&auml;llt.">4</a> Hier wird also genau die umgekehrte argumentative Schlamperei begangen, wie in den Artikeln, die Ulrich beanstandet hat.</p>
<p>Frei nach dem Motto: Alle Substanzen, die unter den Grenzwerten liegen, sind damit automatisch unbedenklich. Und über Substanzen, die auch natürliche Quellen haben, darf man sich nicht aufregen. Eine solche Argumentation ist leider auch Quark. Schade, denn über weite Strecken ist der FAS-Text wirklich tadellos.</p>
<div class="links_ticker">
<p>Links:</p>
<ul>
<li>Ulrich Berger: <a href="http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2009/01/dritthandrauch.php">Meinungen aus vierter Hand über Rauch aus dritter Hand</a>, Kritisch gedacht, 5.1.2009</li>
<li>Ulrich Berger: <a href="http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2009/01/passivrauch-rr.php">Von Dritthandrauch-PR und Passivrauch-RR</a>, Kritisch gedacht, 7.1.2009</li>
<li>Stefan Niggemeier: <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/rauch-aus-dritter-hand/#comment-62120">Rauch aus dritter Hand</a>, 6.1.2009</li>
<li>Glass, Xaver: <a href="http://www.faz.net/s/Rub268AB64801534CF288DF93BB89F2D797/Doc~EF25486FB0C0D4EB889EFC6E73D4A673E~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_wissen">Rauchen, das ganz besondere Gift</a>, FAS, 20.1.2009</li>
</ul>
</div>
<div class="invisible">
<hr size="1" />
<p>Technorati-Tags:</p>
</div>
<p><a class="invisible" href="http://www.technorati.com/tag/Rauchen" rel="tag">Rauchen</a><br />
<a class="invisible" href="http://www.technorati.com/tag/Risikokommunikation" rel="tag">Risikokommunikation</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_827" class="footnote">Zur Klarstellung: ich bin für ein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden, allerdings eines, das hinreichend flexibel und liberal ist. Raucher pauschal als gefährliche Subjekte und Schädiger ihrer Umwelt einzustufen, kann in meinen Augen nicht sinnvoll sein.</li><li id="footnote_1_827" class="footnote">61 Prozent der Befragten gaben zur Antwort, daß es sich beim Third-Hand Smoke ihrer Meinung nach um eine ernste Gesundheitsgefahr handle. Die übrigen 39 Prozent sahen das nicht so oder hatten keine Meinung.</li><li id="footnote_2_827" class="footnote">Wie vor wenigen Stunden <a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2009/01/rauchen-eine-der-hauptursachen-von-krebs.php">Jürgen Schönstein schreibt</a>, mehren sich die Indizien, daß Rauchen für eine deutlich größere Palette an Krebserkrankungen mitverantwortlich ist, als bislang angenommen.</li><li id="footnote_3_827" class="footnote">Über Uranzerfallsprodukte gelangt radioaktives Blei aus dem Boden in die Tabakpflanzen, das wiederum in Polonium-210 zerfällt.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2009/01/herausforderung-risikokommunikation-uber-den-schwierigen-umgang-mit-dem-phanomen-des-third-hand-smoke/">Herausforderung Risikokommunikation: Über den schwierigen Umgang mit dem Phänomen des &#8222;Third-hand Smoke&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jul 2007 16:38:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Risikokommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es wird nicht lange dauern und die jüngsten Zwischenfälle in den Kernkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel werden Eingang in die Lehrbücher finden. Vermutlich und hoffentlich in diejenigen, die in den Schulungen des Bedienpersonals verwandt werden; das sollte selbstverständlich sein. Fast noch dringlicher aber sollten die Handbücher überarbeitet werden, die die Grundlage der Informationspolitik der Energiekonzerne bilden. ... <a title="Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/" aria-label="Mehr Informationen über Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/">Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" width="315" height="159" align="right" style="border: 1px solid rgb(105, 105, 105); margin: 11px; padding: 1px;" alt="Kraftwerk_01b.jpg" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/07/Kraftwerk_01b.jpg" />Es wird nicht lange dauern und die jüngsten Zwischenfälle in den Kernkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel werden Eingang in die Lehrbücher finden. Vermutlich und hoffentlich in diejenigen, die in den Schulungen des Bedienpersonals verwandt werden; das sollte selbstverständlich sein. Fast noch dringlicher aber sollten die Handbücher überarbeitet werden, die die Grundlage der Informationspolitik der Energiekonzerne bilden. Denn die Störfälle in den beiden Vattenfall-KKWs lehren zweierlei: erstens, daß unter bestimmten Bedingungen die Steuerung eines Kernkraftwerks allerhöchste Anforderungen an Souveränität, Umsicht und Sachkenntnis des Bedienpersonals stellt, diese oftmals überfordern und nur glückliche Umstände einen schwerwiegenderen Unfall verhindern können; zweitens, daß – wenn zwar glücklicherweise ein schwerer Unfall oder gar eine Kernschmelze (der technische GAU) vermieden werden konnte – der Zwischenfall dennoch ungeahnte Effekte, nämlich einen Kommunikations-GAU, hervorbringen kann.</strong></p>
<p>Für alle interessierten Beobachter und erst recht für Risiko- und Techniksoziologen sind die Vorkommnisse in Krümmel und Brunsbüttel überaus lehrreich, geben allerdings auch Anlaß zur Verwunderung. Denn zumindest all diejenigen, die sich professionell mit Hochrisikotechnologien befassen (sei es etwa aus ingenieurstechnischer Sicht oder aus sozialwissenschaftlicher Perspektive) wurden lediglich einmal mehr in der Auffassung bestätigt, daß jede fortgeschrittene Technologie inhärente Unsicherheitspotentiale birgt. Die latente Unbeherrschbarkeit – so bereits 1986 die These Ulrich Becks in seiner &quot;Risikogesellschaft&quot;&nbsp; – von Großtechnologien, wird sich niemals vollständig technisch bezwingen lassen. Wer also neuerdings über die Berichte über Pannen und den frei flottierenden Dilettantismus in den Kernkraftwerken des Vattenfallkonzerns erstaunt war, muß sich den Vorwurf der Naivität gefallen lassen. Die Tatsache, daß sich jederzeit kleine Zwischenfälle zu prekäreren Risikolagen aufaddieren können, muß als selbstverständlich erachtet werden. Vorfälle wie nun in Krümmel und Brunsbüttel sind – darüber sollte man sich keine Illusionen machen – auch zukünftig in anderen deutschen Kernkraftwerken denkbar. </p>
<p><strong>Von der Gewißheit, falsch informiert zu werden</strong></p>
<p>Was allerdings für Verwunderung und Kopfschütteln sorgen muß, ist die haarsträubend-amateurhafte Informations- und Kommunikationspolitik, die hier betrieben wurde. Denn genauso überfordert wie das Personal im Leitstand des KKW, agierte auch die Presseabteilung des Konzerns Vattenfall. Es ist mehr als erstaunlich, daß im Jahr 2007 die im Grunde allgemein bekannten Regeln einer angemessenen Risikokommunikation innerhalb des Vattenfallkonzerns entweder unbekannt waren oder aber bewußt mißachtet wurden. </p>
<p>Umso erstaunlicher ist die Salamitaktik der Betreiber, wenn man bedenkt, daß unter seriösen Kommunikationsexperten seit Jahren Konsens darüber herrscht, daß ein unmittelbarer Informationsfluß, Transparenz und Dialog mit Anwohnern, Bürgern und Konsumenten das A und O jeder Risikokommunikation darstellen. Die Mißachtung elementarer Regeln seitens der Verantwortlichen hat nun auch erste Opfer gefordert. Sowohl der Kommunikationschef Altmeppen, Atomchef Thomauske und letztlich auch Vattenfall-Europe-Chef Rauscher wurden suspendiert oder zum Rücktritt gedrängt. Das latente Mißtrauen gegenüber den Stromkonzernen ist nun wieder auf ein Höchstmaß angestiegen; die Branche wird Jahre brauchen, um sich von diesem Kommunikations-GAU zu erholen.</p>
<p>Wie gesagt: erstaunlich ist weniger, daß es zu dem Brand in Krümmel und den Pannen in Brunsbüttel kommen konnte; deutlich größere Verwunderung muß hervorrufen, in welch eklatanter Weise die Verantwortlichen die Grundregeln ‚guter Risikokommunikation‘ mißachtet haben. Einblick in Dienstpläne und die tatsächlichen Abläufe erst auf massiven Druck der Aufsichtsbehörden hin zu gewähren, ist mehr als ein Armutszeugnis.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/#footnote_0_57" id="identifier_0_57" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der desolaten Informationspolitik widmet sich auch der Trierer Medienblog; eine Abschaltung &auml;lterer KKWs fordert der R&uuml;genbote.">1</a> </p>
<p><strong>Risikokommunikation: Die Sicht der Sozialwissenschaften</strong></p>
<p>Vor allem in den Sozialwissenschaften werden seit einigen Jahren die Randbedingungen von Risikokommunikationsprozessen thematisiert. Schließlich ist das Wechselspiel zwischen den beteiligten Akteuren (Betreiber/Industrie, Politik, Interessensverbände und betroffene Bürger) selbst eine hochkomplexe Angelegenheit. Im Feld der Risikokommunikation prallen häufig grundverschiedene Interessen, Präferenzen und Weltanschauungen aufeinander. Dennoch lassen sich freilich gewisse Grundmuster rekonstruieren, die ein besseres Verständnis von Risikokommunikationsabläufen erlauben. Innerhalb ihres 6. Forschungsrahmenprogramms hatte die Europäische Union ein Projekt gefördert, das genau das Wechselspiel zwischen den beteiligten Akteuren (&quot;Stakeholdern&quot;) analysieren sollte. Das Projekt &quot;<a target="_blank" href="http://starc.jrc.it/">STARC &#8211; STAkeholders in Risk Communication</a>&quot; bündelte einerseits die zentralen theoretischen Risikokommunikationskonzepte und entwickelte andererseits Empfehlungen an die Politik und die anderen Akteure in diesem Feld, wie eine optimale Kommunikation aussehen kann und sollte.</p>
<p>Grundlage dafür waren eine Vielzahl von ausführlichen Experteninterviews, die in verschiedenen Ländern und Risikofeldern durchgeführt wurden. Unter Berücksichtigung der dort geschilderten Erfahrungen wurde schließlich versucht, Wege zu einer &quot;more dynamic risk governance culture&quot; aufzuzeigen. Einer der internationalen Partner, die bei der Durchführung der Studie kooperierten, war das <a target="_blank" href="http://www.sine-institut.de/referenzen/projekt_starc.htm">Süddeutsche Institut für empirische Sozialforschung e.V. (sine)</a>. Im Auftrag von sine habe ich an der Konzeption, Interviewführung und -auswertung und letztlich an der Formulierung der Abschlußempfehlungen (sog. &quot;<em>best practices</em>&quot;) mitgearbeitet. Wie man nun sieht, wäre es kein Fehler gewesen, hätte den Bericht auch bei Vattenfall jemand zur Kenntnis genommen. </p>
<p><strong>Die Allgegenwart von Unsicherheit und der prekäre Status von Vertrauen</strong> </p>
<p>Wer sich mit den Anforderungen an eine gelungene Risikokommunikation auseinandersetzt, wird immer wieder auf folgende Punkte stoßen: 1. Eine vollständige Sicherheit wird es im Umgang mit Hochrisikotechnologien niemals geben, so daß Unfälle oder andere negative Effekte niemals auszuschließen sind. Jede Technik birgt ein unhintergehbares Gefahrenpotential. 2. Jeder Störfall, jeder Lebensmittelskandal führt zu einer Erosion des Vertrauens, das Konsumenten und Bürger der Politik und der Industrie entgegenbringen. &nbsp;</p>
<p>Risikokommunikation ist folglich die Kunst, die Gefahren nicht zu leugnen, gleichzeitig aber durch einen transparenten und fairen Dialog zu verhindern, daß unnötig Mißtrauen und Blockadepositionen (auf allen Seiten!) aufgebaut werden. Ziel von Risikokommunikation ist es, &quot;<em>Risikomündigkeit</em>&quot; bzw. &quot;<em>Risikokompetenz</em>&quot; zu generieren. Denn vor dem Hintergrund, daß keine allumfassende Sicherheit herstellbar ist und Risiken niemals auszuschließen sind, kann allein eine stabile Vertrauensbasis die brüchige Sicherheitserwartung kompensieren. Dazu muß Risikokommunikation selbst &quot;<em>vertrauenswürdig</em>&quot; sein und bspw. Bürger und Konsumenten in dem Sinne ernst nehmen, als daß sie diejenigen Informationen bereitstellt, die den Verbraucher/Betroffenen in die Lage versetzen, sich eigenständig ein Urteil über das Gefahrenpotential einer Technologie oder etwa eines (gen-)technisch veränderten Lebensmittels zu bilden. Diese individuelle Urteilsfähigkeit ist mit dem Terminus &quot;Risikomündigkeit&quot; gemeint. </p>
<p>Ein anderer Weg ist &#8211; nach dem Verlust der Zuverlässigkeit von technischen und wissenschaftlichen Lösungen &#8211; nicht gangbar. Risikokommunikation muß sich genau in jenen Situationen bewähren, in denen sich vermeintliche Sicherheiten als fehlerhaft erwiesen haben oder zukünftig erweisen könnten.</p>
<p>Egal ob es um die komplexen und kaum überschaubaren Wechselwirkungen innerhalb einer kerntechnischen Anlage oder die in noch höherem Maße hyperkomplexen Zusammenhänge im menschlichen oder pflanzlichen Zellkern geht, mit denen sich die Gentechnologie auseinandersetzt: all diesen avancierten Technologien ist gemein, daß immer erst die Erprobung des (vermeintlich) Gewußten tatsächlich Aufschluß darüber geben kann, ob das Wissen gültig und die Eingriffe in Umwelt und Organismen unschädlich bleiben. Die Zeiten, in denen im geschützten Experimentierraum des Forschungslabors das riskante Handeln hinreichend erprobt werden konnte, sind längst vorbei. Wir müssen uns wohl oder übel damit abfinden, daß – wie Krohn/Weyer bereits 1989 zutreffend feststellten: &quot;Die Gesellschaft als Labor&quot; umfunktioniert wurde.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/#footnote_1_57" id="identifier_1_57" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Krohn, Wolfgang / Weyer, Johannes (1989): Die Gesellschaft als Labor. Die Erzeugung sozialer Risiken durch experimentelle Forschung. In: Soziale Welt, 40 (3), 349-373.">2</a></p>
<p><strong>Schizophrenie der Wissensgesellschaft</strong></p>
<p>Es ist zwar eine erkenntnis- und wissensschaftstheoretische Selbstverständlichkeit, aber die Gesellschaft insgesamt beginnt erst allmählich und höchst widerwillig sich mit dem Umstand anzufreunden, daß Wissenschaft und das von ihr produzierte Wissen prinzipiell vorläufig und fehlbar sind. Es kann als schizophrene Grundstruktur der Wissensgesellschaft betrachtet werden: die Wissenschaft agiert unter der Prämisse des Falsifikationismus, gleichzeitig erachtet die Gesellschaft diese Funktionslogik als defizitär. Nochmal: der Erfolg moderner Wissenschaft verdankt sich der Tatsache, daß sie die Bedingungen des Mißlingens präzisiert. Der nüchterne <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Raimund_Popper" target="_blank" >Karl Raimund Popper</a> brachte dieses interne Prinzip auf die Formel: &quot;<em>Wir irren uns empor!&quot;</em> Genau diese unausweichlichen Irrtümer werden allerdings – und hier wird die Schizophrenie deutlich – von der verunsicherten Restgesellschaft als Versagen und Scheitern verstanden und führen &#8211; falls die Risikokommunikationsstrategien falsch gewählt sind &#8211; fast zwangsläufig zu Mißtrauen. </p>
<p>Die Herausforderung vor der jede hochtechnologisierte Wissensgesellschaft steht, ist also folgende: Wissenschaft und Technik haben ihren früheren Status als Produzenten von Sicherheit eingebüßt<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/#footnote_2_57" id="identifier_2_57" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dies wurde ihr von der Gesellschaft &uuml;ber lange Zeit attestiert; die Ern&uuml;chterung setzte sp&auml;testens mit den gro&szlig;en Unf&auml;llen (Harrisburg, Bhopal, Seveso, Tschernobyl) ein; die Skandale um Contergan, FCKW, BSE etc. tun und taten ihr weiteres.">3</a> und das Ergebnis forcierter Wissens- und Technologieproduktion ist – und genau dies wird durch zunehmend wahrnehmbare Risiken sichtbar – immer häufiger Unsicherheit. Treten Schadensfälle ein und werden gar – wie nun wieder einmal prototypisch am Vorgehen von Vattenfall ablesbar – vertuscht oder zumindest verharmlost, so tritt der &#8218;<em>Virus&#8216; </em>Mißtrauen in die Öffentlichkeit. Mißtrauen ist die Folge von fehlerhafter, intransparenter Risikokommunikation; wie&nbsp; der erzwungene Rücktritt von Vattenfall-Europe-Chef Klaus Rauscher illustriert, sollten auch die Verantwortlichen die paralysierend-zersetzende Wirkung des sich ausbreitenden Mißtrauens nicht unterschätzen. </p>
<p>Wer glaubt, durch eine restriktive Informationspolitik, die in vielen Fällen eher eine Desinformationspolitik ist, mögliche Schäden begrenzen zu können, irrt. Sicherheit ist längst prekär geworden! Wer bei Stör-, Zwischen- und Unfällen zunächst auf Geheimhaltung setzt, anstatt offensiv und transparent zu informieren, riskiert, daß nicht nur Radioaktivität in die Umwelt entweicht. Fast ebenso zerstörerisch ist das Gift des Mißtrauens, das – wie man an den aktuellen Diskussionen ablesen kann – sogar den Entzug der Betriebserlaubnis zur Folge haben kann. </p>
<p>Nur eine seriöse, symmetrische Risikokommunikation kann darauf hoffen, diejenige gesellschaftliche Akzeptanz herzustellen, die für den Betrieb von Hochrisikotechnologien unabdingbar ist. Die Basis dieser Kommunikation ist Vertrauen. Je unsicherer eine Technologie ist, desto essentieller ist eine Risikokommunikation, die das jeder Technologie inhärente Gefahrenpotential nicht leugnet, auf tatsächlichen Dialog mit Konsumenten und Bürgern setzt und ihre demokratische Informationspflicht nicht länger als lästige Pflicht, sondern als selbstverständliche Verantwortung begreift. All das hätte man auch bei Vattenfall wissen können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em> Zum Nachlesen gibt es bspw. die Empfehlungen des STARC-Projekts bei den Linktipps.&nbsp;</em></p>
<p></p>
<hr width="75%" size="1" />&nbsp;<br />
</p>
<p><em>Artikelserie zur Risikokommunikation: </em></p>
<p>1. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/19/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/">Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I</a></p>
<p>2. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/21/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/">Erosion von Sicherheit und Vertrauen » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II</a></p>
<p>3. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/24/wenn-sicherheit-fragil-wird-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iii/">Wenn Sicherheit fragil wird » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft III</a></p>
<p>4. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/26/vertrauen-als-gefaehrdete-ressource-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iv/">Vertrauen als gefährdete Ressource » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft IV</a> <br />&nbsp;</p>
<hr width="75%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Linktipps:</em></p>
<ul>
<li>v. Randow, Gero: <a href="http://images.zeit.de/text/2007/30/01-Vattenfall" target="_blank">Bitte nicht stören,</a> Die ZEIT, 19.7.2007</li>
<li><a href="http://starc.jrc.it/" target="_blank">Projekt-Website</a> EU-Projekt &quot;STARC &#8211; Stakeholders in Risk Communication&quot; [Download des <a href="http://mahbsrv4.jrc.it/starc/downloads/wp4/STARC-final-report.zip" target="_blank">Abschlußberichts</a>]</li>
</ul>
<p></p>
<p><em>Literaturempfehlungen:</em> </p>
<ul>
<li>Renn, Ortwin (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1844072916?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1844072916">Risk Governance: Coping with Uncertainty in a Complex World</a>. Earthscan Publications. </li>
<li>Lofstedt, Ragnar E. (2005): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1403949786?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1403949786">Risk Management in Post Trust Societies</a>. Palgrave Macmillan.</li>
<li>Lundgren, Regina A. und McMakin, Andrea H. (2004): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1574771426?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1574771426">Risk Communication: A Handbook for Communicating Environmental, Safety, and Health Risks</a>. Battelle Press. </li>
<li>Frewer, Lynn (2004): The public and effective risk communication, in: Toxicology Letters, 149. Jg. (Nr.149), S. 391-397.</li>
<li>Leiss, William (2004): Effective risk communication practice, in: Toxicology Letters (Nr.149), S. 399-404.</li>
<li>Lofstedt, Ragnar (2003): Risk communication: pitfalls and promises, in: European Review, 11. Jg. (Nr.3), S. 417-435.</li>
<li>Maxwell, Terrence A. (2003): The public need to know: emergencies, government organizations and public information policies, in: Government Information Quarterly (Nr.20), S. 233-258.</li>
<li>Perrow, Charles (1987): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3593341255?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3593341255">Normale Katastrophen</a>. Die unvermeidbaren Risiken der Großtechnik. Campus. </li>
<li>Beck, Ulrich (1986): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518113658?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518113658">Risikogesellschaft</a>. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp. </li>
</ul>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_57" class="footnote">Der desolaten Informationspolitik widmet sich auch der <a target="_blank" href="http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/1838">Trierer Medienblog</a>; eine Abschaltung älterer KKWs fordert der <a target="_blank" href="http://ruegenbote.de/wordpress/2007/07/19/alte-atomkraftwerke-sofort-vom-netz-nehmen/">Rügenbote</a>.</li><li id="footnote_1_57" class="footnote">vgl. Krohn, Wolfgang / Weyer, Johannes (1989): Die Gesellschaft als Labor. Die Erzeugung sozialer Risiken durch experimentelle Forschung. In: Soziale Welt, 40 (3), 349-373.</li><li id="footnote_2_57" class="footnote">Dies wurde ihr von der Gesellschaft über lange Zeit attestiert; die Ernüchterung setzte spätestens mit den großen Unfällen (Harrisburg, Bhopal, Seveso, Tschernobyl) ein; die Skandale um Contergan, FCKW, BSE etc. tun und taten ihr weiteres.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/">Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Erosion von Sicherheit und Vertrauen &#8211; Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jul 2007 22:06:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Risikokommunikation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Pannenserie in den Kernkraftwerken von Brunsbüttel und Krümmel illustriert eindrücklich, daß sich im routinisierten Betrieb von hochriskanten Technologien oftmals Nachlässigkeiten einschleichen, die im Ernstfall hochbrisante Folgen haben können. Wenn sich dann noch herausstellt, daß seitens der Kernkraftwerksbetreiber eine Informationspolitik praktiziert wird, die nicht im mindesten den Anforderungen an eine zeitgemäße Risikokommunikation gerecht wird, drängt ... <a title="Erosion von Sicherheit und Vertrauen &#8211; Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/" aria-label="Mehr Informationen über Erosion von Sicherheit und Vertrauen &#8211; Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/">Erosion von Sicherheit und Vertrauen &#8211; Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" width="315" height="159" align="right" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/07/Kraftwerk_01b.jpg" alt="Kraftwerk_01b.jpg" style="border: 1px solid rgb(105, 105, 105); margin: 11px; padding: 1px;" />Die Pannenserie in den Kernkraftwerken von Brunsbüttel und Krümmel illustriert eindrücklich, daß sich im routinisierten Betrieb von hochriskanten Technologien oftmals Nachlässigkeiten einschleichen, die im Ernstfall hochbrisante Folgen haben können. Wenn sich dann noch herausstellt, daß seitens der Kernkraftwerksbetreiber eine Informationspolitik praktiziert wird, die nicht im mindesten den Anforderungen an eine zeitgemäße Risikokommunikation gerecht wird, drängt sich tatsächlich die Frage auf, ob unter diesen Umständen die Fortführung des Betriebs durch Vattenfall und Co. zu rechtfertigen ist.</strong></p>
<p>Die Frage, welche Rolle die Kernenergie zukünftig spielen soll, soll hier aber nicht weiter interessieren. Denn abgesehen von den technisch-betrieblichen Unzulänglichkeiten hat sich ein eklatantes Unvermögen im Hinblick auf die dringend gebotene Risikokommunikation offenbart. Auch hier waren Amateure am Werk. Die Folgen der Blockade- und Verzögerungsstrategie der angeblichen Kommunikationsprofis sind seit einigen Tagen ebenfalls zu besichtigen: neben den Chefs der Informations- und Atomsparte (Altmeppen und Thomauske) mußte inzwischen sogar Vattenfall-Europe-Chef Klaus Rauscher seinen Hut nehmen. </p>
<p>Nun könnte man freilich fragen, ob deren Demission nicht überzogen ist, denn schließlich könnten die fraglichen Personen ja aus Schaden klug werden und in Zukunft andere Maßstäbe anlegen. Außerdem, so ließe sich möglicherweise argumentieren, wird der Stellenwert der Kommunikationsbemühungen ohnehin überschätzt: denn haben wir uns nicht alle längst daran gewöhnt, daß unsere technisch-industrielle Zivilisation von selbsterzeugten Gefahrenquellen umgeben, um nicht zu sagen: umzingelt ist? Lebt es sich also nicht ganz wunderbar im Horizont universaler Unsicherheit?</p>
<p>Mit genau diesen Zusammenhängen, nämlich in welchem Sinne der Faktor „Unsicherheit“ geradezu nach effizienten Strukturen des Risikomanagements (wovon Risikokommunikation ein elementarer Bestandteil ist) schreit, werden sich die folgenden Artikel der Wissenswerkstattserie zur Risikokommunikation befassen. Zunächst soll skizziert werden, wie zentral der Topos „Sicherheit“ innerhalb moderner Gesellschaften ist. Denn wenn in der Handhabung von riskanten Technologien erst einmal Unsicherheitsspielräume sichtbar werden, so handelt es sich dabei um Folgeerscheinungen von Wissenslücken („gaps of knowledge“), im weiteren Verlauf führt dies fast unweigerlich zur Erosion von Vertrauen („gaps of trust“); unter solchen Randbedingungen ist Risikokommunikation unverzichtbar und der einzige Weg, um überhaupt mit Hochrisikotechnologien und anderen Gefahrenquellen umzugehen. Aber der Reihe nach&#8230; </p>
<p> Möglicherweise zeichnen sich moderne Gesellschaften nämlich genau dadurch aus, daß sie gelernt haben, innerhalb eines gewissen Umfangs Überraschungen zu tolerieren. Zwar ist es zweifellos immer noch zutreffend, die&nbsp; „Suche nach Gewißheit“ („quest for certainty“, vgl. <em>Dewey 1929</em>) als quasi-anthropologische Konstante zu verstehen, jedoch heben einzelne unerwartete Ereignisse die Welt keineswegs mehr aus ihren Angeln.</p>
<p>Einerseits ist also der Versuch – wie bereits Max Weber konstatiert – „alle Dinge im Prinzip durch Berechnung beherrschen zu können“ (<em>Weber 1922</em>: 594) als wesentliches Element einer kollektiven kognitiven Infrastruktur der Moderne anzusehen. Andererseits hat die Gesellschaft gelernt, mit Unsicherheiten umzugehen und&nbsp; Mechanismen entwickelt, die Unsicherheitsmomente auffangen und handhabbar machen (allen voran das Risikokalkül.)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/#footnote_0_58" id="identifier_0_58" class="footnote-link footnote-identifier-link" title=" &bdquo;Probability theory was able to quantify potential risks because, in a world governed by causal relations, sufficient knowledge of relevant factors made the uncertainties of the future estimable.&rdquo; (Reith 2004: 389f.) ">1</a><br />Dabei ist eines klar: universale Gewißheit (in sachlicher, wie zeitlicher Hinsicht) ist niemals erreichbar. Je weiter sich die Gesellschaft ausdifferenziert und ihre Kenntnisse und Fertigkeiten vorantreibt und je weiter in die Zukunft heutige Entscheidungen in ihren Folgewirkungen hinausreichen, desto komplexer ist das Feld in dem sie agiert. Die Herausforderung vor der jede fortgeschrittene Industriegesellschaft steht, beinhaltet aus diesem Grund im wesentlichen drei Dimensionen.</p>
<p><strong>1.) Die Notwendigkeit verläßliches Wissen herzustellen,<br />2.) auf dessen Basis (v.a. technologische) Anwendungen zu implementieren (erfordert legitime Anwendungszwecke und gesellschaftliche Akzeptanz) und<br />3.) die Folgen der Eingriffe in Gesellschaft und Natur zu bearbeiten/zu kompensieren.</strong></p>
<p>Dabei lässt sich die erste Dimension im wesentlichen als <strong>Sachdimension</strong> charakterisieren: hier ist schlicht die Funktion von Wissenschaft und Forschung angesprochen, <strong>hinreichend gesicherte Erkenntnisse über die Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge der (natürlichen und sozialen) Umwelt zu generieren</strong>. Die Wissenschaft (so auch ihre wesensmäßige Aufgabe) fungiert als Wissensproduzent. <strong>Ihre Zielsetzung dabei ist Sicherheit.</strong> Die Problematik hierbei ist, daß sich avancierte wissenschaftliche Erkenntnisse immer weniger auf unmittelbare Erfahrung stützen können (<em>Kuhn 1973, Knorr-Cetina 1984, Latour 2000</em>). Zudem ist es schwieriger denn je (anbetrachts hochkomplexer Gegenstände und vielfältiger möglicher Wechselwirkungen), das Wissen hinreichend zu überprüfen. Modellannahmen, Laborexperimente und Tierversuche müssen oftmals genügen, um dann bereits den ‚Ernst- und Anwendungsfall’ zu erproben (vgl. <em>Krohn/Weyer 1990</em>). </p>
<p><font color="#ee7600"><strong>Das Paradox der fortgeschrittenen Wissensgesellschaft &#8211; ‚gaps of knowledge‘</strong></font> </p>
<p>In der Folge kann Wissenschaft in immer geringerem Maße eine Gewährleistung für die Zuverlässigkeit/Validität ihrer Ergebnisse geben (<em>Chalmers 1999, Lerf/Schuberth 2004</em>). Hier hat sich also ein offensichtliches Unsicherheitsmoment (‚gap of knowledge’) in die wissenschaftliche Wissensproduktion eingenistet. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie gültige Aussagen über Sachverhalte lieferte, ist dahin. Zwar bleibt die institutionalisierte und kanonisierte Wissenschaft (auch im Verständnis der Öffentlichkeit) der zentrale Ort der gesellschaftlichen Wissensproduktion; die quasi naturwüchsige Gewißheit ist allerdings einer latenten Unsicherheit im Hinblick auf die Gültigkeit ihrer Aussagen gewichen.</p>
<p>Unsicherheit in dieser ersten (Sach-)Dimension berührt also die Zahlen, Daten und Fakten, die als Grundlage für technologisches Handeln dienen. Mögliche positive oder negative Effekte wirken dann jedoch auf die Gesellschaft insgesamt und schlagen sich als <strong>Vertrauen resp. Mißtrauen</strong> nieder, womit die dritte Dimension als <strong>Sozialdimension</strong> markiert ist. </p>
<p>Vertrauen ist als diejenige Erwartung zu charakterisieren, daß bestimmte Annahmen bezüglich einer ungewissen Zukunft in Erfüllung gehen (<em>Luhmann 1989, Gambetta 2000</em>). Hierbei ist klar: solange gegenwärtige Handlungen und Entscheidungen in der Zukunft die erwünschten und erwartbaren Folgen hervorbringen, bleibt die Vertrauensbasis unberührt und stabil. Mit jedem Unfall innerhalb einer Industrieanlage und mit jedem Medikament, dessen Einnahme unvorhergesehene Nebenwirkungen hervorruft, wird dieses Vertrauen jedoch in Frage gestellt. </p>
<p><strong>Im Falle von risikobehafteten Technologien wird Vertrauen von Verbrauchern und Anwendern, einerseits der Wissenschaft (bzgl. deren Kompetenz), andererseits der Industrie und Politik (bzgl. deren Handlungsfähigkeit, Weitsicht und Fairness) entgegengebracht.</strong> Stellt sich allerdings wissenschaftlich autorisiertes Wissen als Irrtum heraus und wird gar offenbar, daß Wirtschaft und/oder Politik relevante Informationen bezüglich des Risikopotentials nicht angemessen mitgeteilt oder gar wissentlich verschwiegen haben, wird das Vertrauen von direkt oder indirekt betroffenen Bürgern massiv enttäuscht. Unvermeidliche Wissenslücken (‚gap of knowledge’) führen also, wenn die Risikokommunikation nicht transparent gestaltet wird, im Ergebnis zu einer Erosion des Vertrauens (‚gap of trust’).&nbsp; </p>
<p><font color="#ee7600"><strong>Notwendige Infrastruktur einer technologisierten Gesellschaft: transparent-dialogische Risikokommunikation</strong></font> </p>
<p>Der einzige Weg, um das noch näher zu skizzierende Vertrauen von Öffentlichkeit und ‚stakeholdern’ aufrechtzuerhalten, zu stabiliseren oder wiederzuerlangen, ist eine am Dialog orientierte Risikokommunikation (vgl. <em>Risikokommission 2003</em>: 54ff.).&nbsp; </p>
<p><strong>Wie skizziert, stellen also die Sicherheit, über verläßliches (wissenschaftliches) Wissen zu verfügen, und das Vertrauen der Öffentlichkeit die beiden notwendigen Bedingungen für technologisches Handeln dar. </strong>In der Anwendung verzahnen sich Sach- und Sozialdimension; bei der Implementation von Technik kommen Sicherheit und Vertrauen gleichermaßen zum Tragen.</p>
<p>Und just dann, wenn diese beiden Fundamente gefährdet sind, präsentiert sich die Gesellschaft als reflexive Risikogesellschaft. Denn umfassende und vollständige Sicherheit ist für modernes Handeln (das ja immer einen Eingriff in komplexe Systeme meint, vgl. <em>Perrow 1987, Dörner 1992, Gephart 2004</em>) nicht denkbar. Und umgekehrt geht alles Handeln gleichzeitig notwendigerweise mit der Produktion von Unsicherheit einher. </p>
<p>Ob und in welchem Maße diese selbst fabrizierten Unsicherheiten von betroffenen Bürgern akzeptiert werden, ist dann allein von der Art und Weise des ‚risk management’ abhängig, das während all seiner Phasen vertrauensstabilisierende- und generierende (Risiko-)Kommunikationsformen beinhalten muß. </p>
<p><strong>Dabei ist Risikokommunikation</strong> – um dies nochmals zu betonen – <strong>kein Nebenaspekt innerhalb des Risikomanagementprozesses, sondern dessen integraler Bestandteil.</strong> Der Information, Einbindung und Partizipation von ‚stakeholdern’ erst dann Beachtung zu schenken, wenn die anderen Aufgaben der Risikobewertung und -regulation abgeschlossen sind, gefährdet den Prozeß insgesamt. Es ist also unabdingbar, die zentrale Bedeutung einer gelingenden Risikokommunikation anzuerkennen.&nbsp; </p>
<p>Die spezifische Problematik von ‚Unsicherheit’ und ‚Mißtrauen’ im Zusammenhang mit risikoträchtigem Handeln allgemein und im Bezug auf ‚Risikokommunikation’ im Besonderen, soll in den nächsten Tagen eingehender dargestellt werden. </p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="75%" size="1" />
<p><strong>Literatur:</strong></p>
</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Chalmers, Alan F. (1999): <strong>Grenzen der Wissenschaft</strong>. (orig. &#8218;Science and its Fabrication&#8216;, 1990). Berlin, Heidelberg: Springer Verlag.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Dewey, John (1929): <strong>The Quest for Certainty</strong>. Study of the relation of knowledge and action. New York: Minton Balch and Co.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Dörner, Dietrich (1992): <strong>Die Logik des Mißlingens</strong>. Strategisches Denken in komplexen Situationen. Reinbek: Rowohlt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Gambetta, Diego (2000): <strong>Trust: Making and Breaking  Cooperative Relations.</strong> Univ. Oxford &#8211; Department of Sociology.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Gephart, Robert P. (2004): <strong>Normal Risk</strong>. Technology, Sense Making and Environmental Disasters<em>, in: Organization &amp; Environment</em>, 17. Jg. (Nr.1), S. 20-26.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Knorr-Cetina, Karin (1984): <strong>Die Fabrikation der Erkenntnis</strong>. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Krohn, Wolfgang &amp; Weyer, Johannes (1990): <strong>Die Gesellschaft als Labor. Risikotransformation und Risikokonstitution durch moderne Forschung</strong>, in: Halfmann, Jost &amp; Japp, Klaus Peter (Hg.), Riskante Entscheidungen und Katastrophenpotentiale. Elemente einer soziologischen Risikoforschung. Opladen: Westdeutscher Verlag, S. 89-122.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Kuhn, Thomas S. (1973 [1962]): <strong>Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen</strong>. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Latour, Bruno (2000): <strong>When things strike back: a possible contribution of &#8217;science studies&#8216; to the social sciences</strong><em>, in: British Journal of Sociology. Special Issue: Sociology facing the next Millenium</em>,<br />
51. Jg. (Nr.1), S. 107-123.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Lerf, Anton &amp; Schuberth, Erwin (2004): <strong>Komplexe Systeme: Wo das Wissen der Naturwissenschaft an Grenzen stößt</strong>, in: Böschen, Stefan / Schneider, Michael &amp; Lerf, Anton (Hg.), Handeln trotz Nichtwissen. Vom Umgang mit Chaos und Risiko in Politik, Industrie und Wissenschaft. Frankfurt/Main, New York: Campus, S. 211-236.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Luhmann, Niklas (1989): <strong>Vertrauen</strong>. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität. Stuttgart: Enke.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Perrow, Charles (1987): <strong>Normale Katastrophen. Die unvermeidbaren Risiken der Großtechnik</strong>. New York; Frankfurt/Main: Campus.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Reith, Gerda (2004): <strong>Uncertain Times</strong>. The notion of &#8218;risk&#8216; and the development of modernity<em>, in: Time &amp; Society</em>, 13. Jg. (Nr.2/3), S. 383-402.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Risikokommission (2003): <strong>Ad-hoc-Kommission &#8218;Neuordnung der Verfahren zur Risikobewertung und Standardsetzung im gesundheitlichen Umweltschutz der Bundesrepublik Deutschland.&#8216; </strong>Abschlußbericht der Risikokommission im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Salzgitter: Geschäftsstelle c/o Bundesamt für Strahlenschutz.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; widows: 0; orphans: 0;">Weber, Max (1922): <strong>Wissenschaft als Beruf</strong>, in: Winckelmann, Johannes (Hg.), Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre. 6. Aufl., 1985. Tübingen: J.C.B. Mohr.</p>
<p>&nbsp;<br />&nbsp;</p>
<hr width="90%" size="1" />
<p>Artikelserie der Wissenswerkstatt zur Risikokommunikation:
</p>
<p>1. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/19/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/">Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I</a></p>
<p>2. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/21/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/">Erosion von Sicherheit und Vertrauen » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II</a></p>
<p>3. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/24/wenn-sicherheit-fragil-wird-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iii/">Wenn Sicherheit fragil wird » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft III</a></p>
<p>4. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/26/vertrauen-als-gefaehrdete-ressource-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iv/">Vertrauen als gefährdete Ressource » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft IV</a><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/26/vertrauen-als-gefaehrdete-ressource-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iv/"> </a></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="75%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Linktipps:</em></p>
<ul>
<li>v. Randow, Gero: <a target="_blank" href="http://images.zeit.de/text/2007/30/01-Vattenfall">Bitte nicht stören,</a> Die ZEIT, 19.7.2007</li>
<li><a target="_blank" href="http://starc.jrc.it/">Projekt-Website</a> EU-Projekt &quot;STARC &#8211; Stakeholders in Risk Communication&quot; [Download des <a target="_blank" href="http://mahbsrv4.jrc.it/starc/downloads/wp4/STARC-final-report.zip">Abschlußberichts</a>]</li>
</ul>
<p></p>
<p><em>Literaturempfehlungen:</em> </p>
<ul>
<li>Renn, Ortwin (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1844072916?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1844072916">Risk Governance: Coping with Uncertainty in a Complex World</a>. Earthscan Publications. </li>
<li>Lofstedt, Ragnar E. (2005): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1403949786?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1403949786">Risk Management in Post Trust Societies</a>. Palgrave Macmillan.</li>
<li>Lundgren, Regina A. und McMakin, Andrea H. (2004): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1574771426?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1574771426">Risk Communication: A Handbook for Communicating Environmental, Safety, and Health Risks</a>. Battelle Press. </li>
<li>Frewer, Lynn (2004): The public and effective risk communication, in: Toxicology Letters, 149. Jg. (Nr.149), S. 391-397.</li>
<li>Leiss, William (2004): Effective risk communication practice, in: Toxicology Letters (Nr.149), S. 399-404.</li>
<li>Lofstedt, Ragnar (2003): Risk communication: pitfalls and promises, in: European Review, 11. Jg. (Nr.3), S. 417-435.</li>
<li>Maxwell, Terrence A. (2003): The public need to know: emergencies, government organizations and public information policies, in: Government Information Quarterly (Nr.20), S. 233-258.</li>
<li>Perrow, Charles (1987): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3593341255?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3593341255">Normale Katastrophen</a>. Die unvermeidbaren Risiken der Großtechnik. Campus. </li>
<li>Beck, Ulrich (1986): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518113658?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518113658">Risikogesellschaft</a>. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp. </li>
</ul>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_58" class="footnote"> „Probability theory was able to quantify potential risks because, in a world governed by causal relations, sufficient knowledge of relevant factors made the uncertainties of the future estimable.” (<em>Reith 2004</em>: 389f.) </li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/">Erosion von Sicherheit und Vertrauen &#8211; Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wenn Sicherheit fragil wird » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft III</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Jul 2007 16:38:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Risikokommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie & Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Man könnte bald von einem Gesetz der Serie oder noch zutreffender von einem medialen Dominoeffekt sprechen: sobald irgendein Mißstand thematisiert, sobald irgendein Fehlverhalten entlarvt ist, so dauert es nicht lange, bis ähnliche Fälle ans Licht der Öffentlichkeit kommen. Und dies gilt ganz unabhängig von der Art des Gegenstandes: hier unterscheiden sich verrückte Pflanzenfresser (BSE), nicht ... <a title="Wenn Sicherheit fragil wird » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft III" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/wenn-sicherheit-fragil-wird-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iii/" aria-label="Mehr Informationen über Wenn Sicherheit fragil wird » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft III">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/wenn-sicherheit-fragil-wird-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iii/">Wenn Sicherheit fragil wird » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft III</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" style="border: 1px solid #696969; margin: 11px; padding: 1px;" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/07/Kraftwerk_01b.jpg" alt="Kraftwerk_01b.jpg" width="315" height="159" align="right" />Man könnte bald von einem Gesetz der Serie oder noch zutreffender von einem medialen Dominoeffekt sprechen: sobald irgendein Mißstand thematisiert, sobald irgendein Fehlverhalten entlarvt ist, so dauert es nicht lange, bis ähnliche Fälle ans Licht der Öffentlichkeit kommen. Und dies gilt ganz unabhängig von der Art des Gegenstandes: hier unterscheiden sich verrückte Pflanzenfresser (BSE), nicht von medikamentenfressenden Verrückten (Radsport) oder anderen Gammelfleischskandalen.</strong></p>
<p>Ist die erste verdorbene Fleischlieferung entdeckt, so dauert es gewiß nicht lange, bis in irgendeinem Kühlhaus tonnenweise grünlich-verfärbte Schweinehälften auftauchen. Und sobald sich der erste halbwegs geläuterte Exradstar ein Herz faßt und seine Verstrickung in die Praktiken der Leistungsmanipulation beichtet, darf man getrost schon die Taschentücher bereithalten, um sie den weiteren reuigen Sündern anzubieten.</p>
<p>Kaum anders verhält es sich mit der Pannenserie, die derzeit die bundesdeutsche Diskussion um die Sicherheit der Kernenergie bestimmt. Erst wurde ein Brand auf dem Reaktorgelände bekannt, sehr viel später offenbarte sich das wahre Ausmaß des Zwischenfalls und seitdem werden fast im täglichen Rhythmus weitere Versäumnisse publik: die Betreiber agieren so konfus, wie sich die Aufsichtsbehörden als zahnlos entpuppen. Vermutlich sind fehlerhafte Dübel noch das Geringste, was bislang verheimlicht wurde. Die ursprüngliche Rede von einer „spontanen Leckage“, wie ein Zwischenfall am 14.12.2001 im KKW Brunsbüttel ursprünglich bezeichnet wurde, erwies sich letztlich doch als nicht haltbar: immerhin war es zu einer erheblichen Knallgasexplosion gekommen, die eine Leitung des Reaktordruckbehälters auf fast 4 Metern aufriß. Unter „Leckage“ stellt man sich gemeinhin etwas anderes vor. Später kamen die Untersuchungsbehörden zu gänzlich anderen Lesarten, als die Betreiber glauben machen wollten. Als Fazit stellten die Fachleute fest, daß entweder der Vorfall „schamlos vernebelt“ werden sollte oder die Sachkunde „skandalös unterentwickelt“ sei. Nun ja, der Betrieb des Reaktors ging freilich weiter. Wie<a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,496024,00.html" target="_blank"> jetzt bekannt</a> wird, gab es ähnliche Fälle bereits mehrmals zuvor.</p>
<p>Festzuhalten bleibt: der Betrieb von hochriskanten Technologien wird niemals ohne prekäre Notfallsitationen ablaufen; es kann niemals 100% Sicherheit geben. Wie zentral freilich die Sicherheitsorientierung und der Kontrollglaube sind und welche abfedernd-aufklärende Rolle hier Risikokommunikation spielen muß, soll im folgenden eingehend erörtert werden:</p>
<p>Die Thematisierung von Sicherheit bzw. Unsicherheit hat in den unterschiedlichsten Disziplinen eine zum Teil weit zurückreichende Tradition. So setzt bspw. das moderne Staatsdenken damit ein, daß Thomas Hobbes dem Staat explizit die Aufgabe zuweist, die Sicherheit seiner Bürger zu garantieren. Und Sicherheit ist schon hier verstanden als Status kollektiver und/oder individueller Gefährdungsfreiheit. Schon Hobbes und noch deutlicher John Locke formulieren als vornehmstes Staatsziel: die institutionellen Rahmenbedingungen sind derart zu gestalten, daß für alle Mitglieder des Gemeinwesens die Abwesenheit von (physischer) Bedrohung gewährleistet ist.</p>
<p>Damit trägt die Staatstheorie nunmehr dem humanen Grundbedürfnis nach Sicherheit Rechnung, das – wie Untersuchungen aus dem Bereich von Soziobiologie und Anthropologie zeigen – als quasi-anthropologische Konstante aufzufassen ist (vgl. <em>Zelinka</em> 1997). Je unübersichtlicher und komplexer sich freilich die Lebenswirklichkeit jedes Individuums gestaltet, desto stärker wächst das subjektive Sicherheitsbedürfnis. Und so ist an der Richtigkeit der Feststellung von John Dewey nicht zu zweifeln: „Man who lives in a world of hazards is compelled to seek for security.“ (<em>Dewey</em> 1929: 3)</p>
<p>In jüngerer Vergangenheit wird Sicherheit allerdings von wachsenden Bevölkerungsteilen immer häufiger als gefährdete Ressource empfunden (<em>Kaufmann</em> 1987: 38). Noch stärker als  die ökonomisch orientierte Statussicherheit, wird vor allen Dingen die körperlich-gesundheitliche Sicherheit (resp. Unversehrtheit/Gesundheit) zu einem „Wert an sich“ erhoben.  Inzwischen hat auch die Diskussion innerhalb des Verfassungsrechts eine Bringschuld des Staates problematisiert: dem Staat wird zum Teil gar eine Schutzverpflichtung zugewiesen, die aus einem „Grundrecht auf Sicherheit“ abgeleitet wird (vgl. <em>Isensee</em> 1983, <em>Glaeßner</em> 2002). Angesichts qualitativ neuer Gefährdungspotentiale und offensichtlichen Kontrolldefiziten sei – so die Forderung – Sicherheit als Staatsziel anzuerkennen (vgl. <em>Stoll</em> 2003).</p>
<p>Hier durchdringen sich also zwei der Bedeutungsebenen, in die sich der Terminus ‚Sicherheit’ untergliedern lässt:</p>
<p>1.) Das individuell-subjektive Sicherheitsbedürfnis: dieses kommt einerseits im individuellen Streben nach Vorhersehbarkeit und Kontrolle, andererseits durch das Vermeiden unkalkulierbarer Risiken zum Ausdruck. Dabei ist von zentraler Bedeutung, daß das Sicherheitsempfinden in maßgeblicher Weise das Ergebnis soziokultureller Wahrnehmungs- und Vermittlungsprozesse ist (<em>Douglas/Wildavsky</em> 1993); Laien nehmen (Un-)sicherheit als komplexes, multidimensionales Phänomenen wahr. Offizielle auf technischen Daten basierende Risikoeinschätzungen sind lediglich ein Teil davon und für das Gefühl von Sicherheit resp. Unsicherheit nicht allein ausschlaggebend, sondern werden durch individuelle, selektive Urteilsmuster ergänzt (vgl. <em>MacGregor et al</em>. 1999, <em>Willis et al.</em> 2005).</p>
<p>2.) Das institutionelle Arrangement zur Sicherstellung staatlicher Schutz- und Kontrollpflichten: Zielsetzung ist hierbei auf der einen Seite die Minimierung objektiv gegebener Gefährdungslagen (‚Risikoregulierung’); auf der anderen Seite gilt es aber zugleich, das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken. Das Gefühl von Schutz und Verläßlichkeit kann nur über ausreichende ‚Risikokommunikation’ sichergestellt werden.</p>
<p>Dabei wird deutlich: sobald die Möglichkeiten des Einzelnen nicht mehr hinreichen, sein grundlegendes Sicherheitsbedürfnis aufrechtzuerhalten, sind kollektive Institutionen und Regelungsmechanismen gefragt, um dieses subjektiv wahrgenommene Sicherheitsdefizit zu kompensieren.</p>
<p><strong>Selbsterzeugte Gefährdungslagen und kognizierte Unsicherheit</strong></p>
<p>Für die Zeit seit etwa 1970 ist festzustellen, daß vor allem die unintendierten, ungesehenen Nebenfolgen der industriellen Wohlstandssteigerung zu einer Renaissance der Unsicherheit geführt haben. Dabei ist es nicht notwendig, daß bspw. eine tatsächliche Beeinträchtigung von Gesundheit und Leben bereits eingetreten ist. Denn während kognizierte Sicherheit, auf dem Bewußtsein beruht, die jeweilige Zukunft vorhersagen und kontrollieren zu können, ist diese essentielle Kontrollzuversicht im Falle kognizierter Unsicherheit verschwunden. Sie resultiert also aus der Konfrontation mit einer Zukunft, deren mögliche Ausprägungen weder als überschaubar, geschweige denn als kontrollierbar angesehen werden können. Unsicherheit ist in diesem Sinne das Bewußtsein, daß die Zukunft negative Überraschungen bereithalten könnte, ohne daß in der Gegenwart geeignete Mittel zur Verfügung stehen, diesen negativen Konsequenzen auszuweichen (<em>Gasparini </em>2004).</p>
<p>Es bedarf also keineswegs der möglicherweise traumatischen Katastrophen wie Bhopal oder Tschernobyl, um ein diffuses Gefühl der Unsicherheit hervorzurufen. Es scheinen vielmehr die subtilen, alltäglichen „zivilisatorischen Selbstgefährdungen“ (<em>Beck</em> 1986: 63) zu sein, die sich etwa in Gestalt der Diskussionen um Elektrosmog, Trinkwasser- oder Luftverschmutzung, Ozonloch oder BSE-Krise, etc. zu einer tiefgreifenden Verunsicherung aufaddieren (vgl. <em>Jaeggi</em> 1991, <em>Zwick</em> 1998).</p>
<blockquote><p>“The food we eat, the water we drink, the air we breathe, our habits and lifestyles, and, not least, the many technologies that we are becoming increasingly dependent upon, are all more or less imbued with uncertainty as to what their effects might be.”  (<em>Boholm</em> 2003: 159)</p></blockquote>
<p>Die Wahrnehmung einer potentiellen Betroffenheit reicht folglich aus, um das subjektive Sicherheitsempfinden nachhaltig zu stören. Das Ausmaß der Verunsicherung und die Bereitschaft, dennoch etwaige Risiken zu tolerieren, variiert – wie die Risikoperzeptionsforschung zeigt – individuell und situationsabhängig (Kahneman et al. 1982, Slovic et al. 2004). In die Risikobeurteilung von Betroffenen fließen v.a. die Freiwilligkeit der Risikoübernahme, Kosten-Nutzen-Kalküle, eigene Kontroll- und Ausweichmöglichkeiten, das Katastrophenpotential, der Bekanntheitsgrad einer Gefahrenquelle resp. deren Innovationsgrad und die kognitive Verfügbarkeit von Informationen mit ein.</p>
<blockquote><p>„Die wichtigste Erkenntnis der psychologischen Risikoforschung ist [&#8230;], daß in den Risikobeurteilungen der Öffentlichkeit sowohl Irrtum als auch Klugkeit stecken. [&#8230;] Anstrengungen zur Risikokommunikation und zum Risikomanagement müssen scheitern, wenn sie nicht als ein interaktiver, in beide Richtungen laufender Prozess begriffen und strukturiert werden.“ (<em>Jungermann/Slovic</em> 1993: 202)</p></blockquote>
<p>Diese Einsicht kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die innerhalb von Experten festzustellende Tendenz, die in der Bevölkerung anzutreffende Unsicherheit und Skepsis als irrational oder gar als Hysterie abzutun, geht an der Sache vorbei: wenn Unsicherheit etwa durch Bürgerinitiativen oder Verbraucherschutzverbände artikuliert wird, ist dies ein sozialer Tatbestand. Denn weder korreliert ein objektiv gegebenes Gefahrenpotential mit dem Grad der wahrgenommenen Unsicherheit, noch führt die Minimierung von Gefahrenquellen automatisch zu einem Anstieg des Sicherheitsempfindens (vgl. <em>Bonß</em> 1997).</p>
<p>Die Risikoeinschätzung und die ‚gefühlte Unsicherheit’ von Laien weist – wie unzählige Studien belegen – eine erhebliche Diskrepanz zu Expertenurteilen auf (in jüngerer Zeit: Slovic et al. 2004, <em>Renn </em>2004, <em>Savadori et al</em>. 2004). Allerdings ist dies nur bis zu einem gewissen Umfang auf ein Informations- und Wissensdefizit zurückzuführen. Weit größeren Einfluß auf die Risikoperzeption von Laien haben bestimmte Urteilsheuristiken, die allerdings gegenstandsspezifisch, im Zeitverlauf und hinsichtlich der sozialen Gruppenzugehörigkeit variieren (<em>Shaw</em> 2004). Die Unsicherheit bezüglich der Gefahren im Lebensmittelbereich unterscheidet sich bspw. von der Skepsis gegenüber der Nanotechnologie, Frauen zeigten während des BSE-Falles eine größere Zurückhaltung was den Fleischkonsum anging als Männer (vgl. <em>Hansen et al</em>. 2003).</p>
<p>Die von Verbrauchern wahrgenommene Unsicherheit wird daneben noch von einem weiteren Faktor beeinflußt: nämlich dem Gefühl, auf risikorelevante Entscheidungen Einfluß nehmen zu können oder wenigstens durch Verhaltensmodifikationen die persönliche Risikoausgesetztheit minimieren zu können. Doch je unüberschaubarer die Verantwortlichkeiten, je anonymer die Verfahrenswege, desto geringer die ‚Kontrollzuversicht/Kontrollfähigkeit’ (‚controllability’) der Betroffenen (<em>Willis et al</em>. 2005). Durch eine effiziente und sachangemessene Risikokommunikation, die vor allem ‚Stakeholder’ in Entscheidungsprozesse einbezieht, könnte diesem Problem begegnet werden (<em>Leiss</em> 2004, <em>Frewer</em> 2004).</p>
<p><strong>Die Grenzen der Wissenschaft: Ambivalenzen der Wissensgenese</strong></p>
<p>Neben diesem Aspekt individuell-subjektiver Unsicherheit kommt in der Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Folgen industriellen Forschens und Handelns einer weiteren Unsicherheitsdimension eine wesentliche Bedeutung zu, die als ‚scientific uncertainty’ gekennzeichnet werden kann. Je nach Perspektive mag dieser zu erläuternde Sachverhalt als Paradoxon oder als schlichte Selbstverständlichkeit erscheinen: denn schließlich ist es die wesensmäßige Bestimmung von Wissenschaft mehr Sicherheit herzustellen. Innerhalb aufgeklärter Gesellschaften ist sie diejenige Institution, die mit rationalen Methoden immer mehr kausales Wissen erzeugen soll. Die Erweiterung der Kenntnisse dient dann als Orientierungswissen und bildet die Grundlage für technologisches Handeln.</p>
<p>Der Prozeß der Wissensgenese und -implementation ist in der Realität allerdings sehr viel ambivalenter: denn jeder Erkenntnisfortschritt geht zugleich damit einher, daß Bereiche des Nicht-Wissens auftauchen (<em>Böschen</em> 2002, <em>Wehling</em> 2003). Und jede weitere Innovation und Ausweitung von (technologischen) Handlungsmöglichkeiten führt dazu, daß deren hochkomplexe Wechselwirkungen kaum noch überschaubar und berechenbar sind.</p>
<blockquote><p>„Je bestimmter [&#8230;], genauer, in immer mehr Variablen und Kombinationen zerteilt man die Gegenstände oder Ereignisse beschreibt, desto unbestimmer [&#8230;] und mehrdeutiger wird das Wissen darüber, wie sich ein System oder Gegenstand tatsächlich verhalten wird.“ (<em>Gamm</em> 2000: 178)</p></blockquote>
<p>Am Beispiel der Fehler- und Schadensanfälligkeit großtechnischer Anlagen wurde bereits 1987 in einer maßgeblichen Studie von Charles Perrow auf diese strukturelle Problematik und Risikoträchtigkeit in der Handhabung sog. ‚komplexer Systeme’ hingewiesen (<em>Perrow</em> 1987, vgl. <em>Sagan</em> 2004).</p>
<p>Die Vielzahl von wissenschaftlichen Irrtümern und industriellen Unfällen mit kaum zu kalkulierenden Schadensverläufen veranlasste etwa Ulrich Beck zur Feststellung, daß „das Ergebnis des wissenschaft­lichen Fortschritts nicht Sicherheit, sondern her­gestellte Ungewißheit ist“ (<em>Beck</em> 1991: 157). Und auch von jeder weiteren Intensivierung von Forschungsanstrengungen ist – so der Tenor jüngerer wissenschaftssoziologischer Studien (<em>Carrier</em> 2000, <em>Maasen</em> 2001, <em>Krohn</em> 2003) –  bestenfalls mehr Wissen, allerdings nicht mehr Sicherheit zu erwarten. Die unhintergehbare Restunschärfe des Wissens lässt sich nicht eliminieren. Und so ist die vor mittlerweile bald 25 Jahren von Mary Douglas und Aaron Wildavsky getroffene Bemerkung auch heute noch in gleichem Maße zutreffend:</p>
<blockquote><p>„Once the source of safety, science and technology have become the source of risk.” (<em>Douglas/Wildavsky</em> 1993: 123)</p></blockquote>
<p>Es gibt also einen Bestand an Unsicherheit trotz (oder in vielen Fällen: aufgrund von) Wissenschaft. Für das Feld des Umgangs mit Risiken ergeben sich aus diesem ‚gap of knowledge’ folgende Konsequenzen:</p>
<p>1.) Unsicherheit hinsichtlich der Wissensgenese: Der Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in Anwendungszusammenhänge setzt (gemäß einer eher naiven Vorstellung) voraus, daß vollständige Gewißheit hinsichtlich der Gültigkeit des in Frage stehenden Wissens besteht. Die politische Entscheidung für eine bestimmte Technologie (seien es denkbare Anwendungen der Nanotechnologie oder bereits verfügbare Optionen der Biotechnologie) ist allein auf der Grundlage von ‚robustem Wissen’ legitim. Andernfalls riskieren die Entscheider in der Politik den Entzug des Wählervertrauens; Verantwortliche in Industrie und Wirtschaft riskieren, daß das Unternehmen in Mißkredit gezogen wird.</p>
<p>Nachdem die Evidenz von Meßwerten, Zahlen und Daten keineswegs immer zweifelsfrei gegeben ist, bleibt allein der Konsens innerhalb der ‚scientific community’ als Entscheidungskriterium. Jedoch hat die Ausdifferenzierung und Demokratisierung des Wissenschaftssystems selbst zu einer ‚Heterogenisierung von Expertise’ geführt: der fachliche Widerstreit ist das Symptom, an dem die strukturelle Insuffizenz von Wissenschaft abzulesen ist, letztgültige Sicherheiten zu produzieren (<em>Nowotny</em> 1999, <em>Nowotny et al</em>. 2003).</p>
<p>Die Frage, die sich für die Gesellschaft stellt, ist dann nur, welcher Grad an Unsicherheit  für tolerierbar erachtet wird. Aufgabe von Risikokommunikation vor diesem Hintergrund ist es, zu vermitteln, daß ein quantitativer Zuwachs an Wissen im Ergebnis zu einem qualitativ geringeren Gewißheitsniveau führen kann; gleichzeitig aber Entscheidungsregeln auf der Basis wissenschaftlicher Aussagen gefunden werden müssen. Wissenschaft ist allerdings auch und gerade in der Konfrontation mit ihren immanenten Unzulänglichkeiten alternativlos: „In Phasen der Verunsicherung steigt die Bedeutung von Experten“ (<em>Bonß</em> 1995: 23).</p>
<p>Für Prozesse der Risikokommunikation gilt es anzuerkennen und transparent zu machen, daß wissenschaftliches Nicht-Wissen kein Einzelfall, sondern die Regel ist. Um die Entscheidungsgrundlage zu verbreitern und ggf. gegenseitige Lerneffekte anzustoßen, kann es förderlich sein, Vertreter von Interessengruppen, NGO’s oder weiteren ‚Stakeholdern’ in Entscheidungs- und Beratungsgremien einzubinden:</p>
<blockquote><p>„It is also in the interests of informed public debate that each side acknowledges that uncertainty is an inevitable part of the scientific process. […] A franker treatment of scientific uncertainty would be of long-run benefit to scientific advisory panels. Systematic treatment of scientific uncertainty will not diminish the authority of the pronouncements or recommendations of these committees. On the contrary, it will reinforce their authority by showing their ability to acknowledge and express uncertainty in a professionally responsible manner.” (<em>Weiss</em> 2002: 385)</p></blockquote>
<p>2.) Unsicherheit hinsichtlich des ‚Riskassessment’: gerade innerhalb von Risikoanalysen-/abschätzungen ergeben sich naturgemäß weitreichende Unsicherheitsspielräume.</p>
<p>a) Bereits die Definition, was überhaupt als Schadensfall einzustufen ist, kann strittig und unsicherheitsbelastet sein;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/wenn-sicherheit-fragil-wird-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iii/#footnote_0_61" id="identifier_0_61" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Als gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliches Negativszenario wurde bspw. f&uuml;r den Betrieb von Kernkraftwerken zur Energieerzeugung der &sbquo;Bruch der Hauptk&uuml;hlleitung&rsquo; angenommen und entsprechend die Risikoanalysen angefertigt. Andere &ndash; m&ouml;glicherweise weit verh&auml;ngnisvollerer Szenarien &ndash; wurden/werden gr&ouml;&szlig;tenteils ausgeblendet.">1</a> was aus der einen Perspektive noch als irrelevante Begleiterscheinung angesehen wird, ist von einem anderen Standpunkt aus betrachtet bereits eine tiefgreifende Beeinträchtigung. Hintergrund für Unbestimmtheiten dieser Art, sind aber meist weniger Defizite des Wissens, sondern ein Wertedissens zwischen verschiedenen Akteuren.</p>
<p>b) Handfeste wissenschaftlich-technische Kontroversen bestehen allerdings im Bezug auf Kausalitätsannahmen: der ursächliche Zusammenhang zwischen bestimmten Handlungen/Eingriffen oder einer angenommenen Schadstoffexposition und möglichen negativen Folgeerscheinungen ist kaum lückenlos herzustellen. Krankheitssymptome lassen sich jeweils nur indirekt auf konkrete Ursachen zurückführen. Unsicherheit besteht hier stets darüber, welcher Anteil individuellem Fehlverhalten, entsprechender Veranlagung, dem Zufall bzw. natürlicher Variabilität und der Wirkung zusätzlicher toxischer Stoffe beigemessen wird. Insbesondere die Abschätzung von Gesundheitsgefährdungen bei Schadstoffminimalexposition ist in hohem Maße unsicherheitsbehaftet.</p>
<p>Im Falle bspw. der Quecksilberbelastung durch Amalgamfüllungen kann kaum wissenschaftlich eindeutig eine verursachende Wirkung festgestellt werden. Ähnliches gilt u.a. für Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Lösemittel, Umwelt-Östrogene, elektromagnetische Felder etc. (vgl. <em>Rosenbrock/Maschewsky</em> 1998). Problemverschärfend kommt hinzu, daß die Analyse- und Bearbeitungskapazität von toxikologischen Forschungseinrichtungen äußerst gering ist; angesichts von ca. 70.000 in Wohnräumen vorzufindenden Chemikalien wird deutlich, wie partiell und selektiv Risikoanalysen ausfallen müssen (<em>EEA</em> 2001). Und gerade wenn Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge im Niedrig-Dosis-Bereich extrapoliert werden müssen, ist gesicherte Evidenz kaum herzustellen:</p>
<blockquote><p>„Die Vielschichtigkeit, Komplexität und Unsicherheit in der Risikoanalyse von Schadstoffen erschweren eine eindeutige Lösung solcher konfligierender Expertenurteile.“ (<em>Renn</em> 2002: 46)</p></blockquote>
<p>c) Der letzte Unsicherheitsaspekt bezieht sich auf die Identifizierung und Kategorisierung von Risikoszenarien allgemein: denn für bekannte, d.h. ‚definierte Risiken’ stehen bestimmte, erfolgsversprechende Handlungsstrategien bereit. Bei bekannten Gefahrenquellen liegt ein Mindestmaß an Erfahrungswissen vor. Solche Risiken sind charakterisiert dadurch, daß 1. die Häufigkeit, mit der ein Störfall/Exposition eintritt, bekannt ist, 2. zumindest Modellannahmen über mögliche Schadensverläufe und -kausalitäten existieren und 3. die Wahrscheinlichkeit bekannt ist, mit der bei einer gegebenen Exposition ein schädliche Wirkung zu erwarten ist. Die Unsicherheit ist also einerseits durch Kalküle abgefedert, andererseits kann ihnen mit den erprobten Strategien des Risikomanagements entgegengetreten werden.</p>
<p>Die Verunsicherung in der Auseinandersetzung mit hypothetisch riskantem Handeln geht allerdings so weit, daß auch bislang unbekannte, aber zukünftig nicht auszuschließende Schadensfälle in der Risikokommunikation Relevanz gewinnen (<em>Wiedemann et al</em>. 2004). Denn das oben skizzierte analytische Nicht-Wissen (‚gap of knowledge’) impliziert konsequenterweise auch, daß es nicht-gewußte, d.h. ‚diffuse Risiken’ gibt. Mangels Vergleichswissen und Informationen, können im Falle solcher kontingenter Risken auch keine Risikovorkehrungen getroffen werden (<em>EPA</em> 2000). Es bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten und sich überraschen zu lassen. Es ist eben das Charakteristikum nicht-identifizierter Risiken, daß ihr faktisches Auftreten nicht notwendig aber stets möglich ist.</p>
<p>Aber egal, ob es sich um konkrete oder rein hypothetische Bedrohungsszenarien handelt: Unsicherheit ist in Bezug auf Handlungsfolgen (i.S. ökologischer, finanzieller, politischer oder gesundheitlicher ‚bads’ or ‚goods’) immer gegeben.</p>
<p>Die Anerkennung von Wissenslücken und bestehender Unsicherheit ist daher als wesentliche Voraussetzung für eine sachgerechte Risikokommunikation anzusehen.</p>
<blockquote><p>„Risikokommunikation im Bereich von Umweltrisiken ist deshalb unabdingbar mit der Vermittlung von Komplexität, Unsicherheit und Ambivalenz verbunden.“ (<em>Renn</em> 2002: 41)</p></blockquote>
<p>Für die Risikokommunikation lassen sich vor diesem Hintergrund folgende Anforderungen formulieren:</p>
<p>Erstens: Risikokommunikation muß eine ‚Übersetzungsfunktion’ leisten: nämlich den Transfer von Expertenwissen (d.h. Stand der Forschung einschließlich der Wissenslücken resp. Nicht-Wissen) in adressatengerechte Information. Möglicherweise müßte in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht zur Erlangung einer gewissen Frustrationstoleranz der Umgang mit Unsicherheit ‚eingeübt’ werden. Dies bedeutete aber eben nicht die Leugnung oder Bagatellisierung von Unsicherheitsmomenten; vielmehr muß eine transparente Kommunikation von Ungewißheit/Nicht-Wissen durch Wissenschaft, Industrie und Politik trainiert und ggf. von ‚Stakeholdern’ eingefordert werden.</p>
<p>Zweitens: Zielsetzung dabei ist, sich einer ‚consumer sovereignty’ anzunähern: nämlich die Verbraucher in die Lage zu versetzen, souverän und bewußt über Chancen und Risiken von Technologien zu entscheiden. Es geht also darum, Bürgerinnen und Bürger mit ‚Risikokompetenz’ auszustatten, oder wie es die Risikokommission formuliert:</p>
<blockquote><p>„Kommunikation soll allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit verschaffen, auf der Basis der Kenntnis der faktisch nachweisbaren Auswirkungen, der verbleibenden Unsicherheiten und der vertretbaren Interpretationsspielräume eine persönliche Beurteilung der jeweiligen Risiken vorzunehmen“ (<em>Risikokommission</em> 2003: 15)</p></blockquote>
<p>Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß Sicherheit durch Risikohandeln prekär geworden ist und das Vertrauen in die institutionalisierten Entscheidungs- und Bearbeitungsmechanismen mehr und mehr erodiert. Wie dargestellt wurde, reichen inzwischen auch wissenschaftliche Expertenurteile nicht mehr aus, um mögliche Zweifel auszuräumen; im Gegenteil: ein Großteil der Verunsicherung resultiert gerade aus konfligierenden, sich also gegenseitig zumindest teilweise widersprechenden Expertenmeinungen. Hier liegt eine der besonderen Herausforderungen, der sich die Risikokommunikation gegenübersieht. Widersprüche und Wissenslücken nicht zu thematisieren oder gar zu leugnen, ist als Kardinalfehler aller Kommunikationsbemühungen anzusehen. Jeder der die Hoffnung darauf setzt, daß das wahre Ausmaß der Gefährdung nicht bekannt wird, setzt fahrlässigerweise die elementare Ressource „Vertrauen“ aufs Spiel. Welche Faktoren hier relevant sind, wird im nächsten Teil der Artikelserie der Wissenswerkstatt behandelt.</p>
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<p><em>Artikelserie zur Risikokommunikation: </em></p>
<p>1. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/19/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/">Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I</a></p>
<p>2. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/21/erosion-von-sicherheit-und-vertrauen-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-ii/">Erosion von Sicherheit und Vertrauen » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft II</a></p>
<p>3. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/24/wenn-sicherheit-fragil-wird-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iii/">Wenn Sicherheit fragil wird » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft III</a></p>
<p>4. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/26/vertrauen-als-gefaehrdete-ressource-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iv/">Vertrauen als gefährdete Ressource » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft IV</a><br />
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<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p><strong>Beck, Ulrich</strong> (1986): Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.<br />
<strong>Beck, Ulrich</strong> (1991): Die Welt als Labor. Essays und Analysen, in: Beck, Ulrich (Hg.), Politik in der Risikogesellschaft. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 154-167.<br />
<strong>Böschen, Stefan</strong> (2002): Risikogenese. Metamorphosen von Wissen und Nicht-Wissen, in: Soziale Welt, 53. Jg., S. 67-86.<br />
<strong>Boholm, Asa</strong> (2003): The Cultural of Nature Risk: Can there be an Anthropology of Uncertainty?, in: Ethnos, 68. Jg. (Nr.2), S. 159-178.<br />
<strong>Bonß, Wolfgang</strong> (1995): Vom Risiko. Unsicherheit und Ungewißheit in der Moderne. Hamburg: Hamburger Edition.<br />
<strong>Bonß, Wolfgang</strong> (1997): Die gesellschaftliche Konstruktion von Sicherheit, in: Lippert, E. / Prüfert, A. &amp; Wachtler, G. (Hg.), Sicherheit in der unsicheren Gesellschaft. Opladen: Westdeutscher Verlag, S. 21-41.<br />
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<strong>Dewey, John</strong> (1929): The Quest for Certainty. Study of the relation of knowledge and action. New York: Minton Balch and Co.<br />
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<strong>Glaeßner, Gert-Joachim</strong> (2002): Sicherheit und Freiheit, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 10-11. Jg., S. 3-13.<br />
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<strong>Perrow, Charles</strong> (1987): Normale Katastrophen. Die unvermeidbaren Risiken der Großtechnik. New York; Frankfurt/Main: Campus.<br />
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<strong>Rosenbrock, Rolf &amp; Maschewsky, Werner </strong>(1998): Präventionspolitische Bewertungskontroversen im Bereich &#8218;Umwelt und Gesundheit&#8216;. Veröffentlichungsreihe der Arbeitsgruppe Public Health. Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.<br />
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<strong>Zelinka, Udo </strong>(1997): Sicherheit &#8211; ein Grundbedürfnis des Menschen?, in: Lippert, Ekkehard et al. (Hg.), Sicherheit in der unsicheren Gesellschaft. Opladen: Westdeutscher Verlag, S. 43-57.<br />
<strong>Zwick, Michael M.</strong>(1998): Wahrnehmung und Bewertung von Technik in der deutschen Öffentlichkeit am Beispiel der Gentechnik, in: Pinkau, Claus &amp; Stahlberg, Christina (Hg.), Deutsche Naturphilosophie und Technikverständnis: Historische Wirkungen im internationalen Vergleich. Stuttgart, Leipzig: S. Hirzel Verlag, S. 89-146.</p>
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<p><em>Linktipps:</em></p>
<ul>
<li>Pergande, Frank: <a href="http://www.faz.net/s/Rub28FC768942F34C5B8297CC6E16FFC8B4/Doc~E1331CDAB292749699CC2ADBC9213A0C8~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell" target="_blank">Brunsbüttel bleibt abgeschaltet</a>, FAZ, 23.7.2007</li>
<li>Dambeck, Holger: <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,496024,00.html" target="_blank">Serie von Wasserstoff-Explosionen enthüllt</a>, Spiegel-Online, 23.7.2007</li>
<li>v. Randow, Gero: <a href="http://images.zeit.de/text/2007/30/01-Vattenfall" target="_blank">Bitte nicht stören,</a> Die ZEIT, 19.7.2007</li>
<li><a href="http://starc.jrc.it/" target="_blank">Projekt-Website</a> EU-Projekt &#8222;STARC &#8211; Stakeholders in Risk Communication&#8220; [Download des <a href="http://mahbsrv4.jrc.it/starc/downloads/wp4/STARC-final-report.zip" target="_blank">Abschlußberichts</a>]</li>
</ul>
<p><em>Literaturempfehlungen:</em></p>
<ul>
<li>Renn, Ortwin (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1844072916?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1844072916">Risk Governance: Coping with Uncertainty in a Complex World</a>. Earthscan Publications.</li>
<li>Lofstedt, Ragnar E. (2005): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1403949786?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1403949786">Risk Management in Post Trust Societies</a>. Palgrave Macmillan.</li>
<li>Lundgren, Regina A. und McMakin, Andrea H. (2004): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1574771426?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1574771426">Risk Communication: A Handbook for Communicating Environmental, Safety, and Health Risks</a>. Battelle Press.</li>
<li>Frewer, Lynn (2004): The public and effective risk communication, in: Toxicology Letters, 149. Jg. (Nr.149), S. 391-397.</li>
<li>Leiss, William (2004): Effective risk communication practice, in: Toxicology Letters (Nr.149), S. 399-404.</li>
<li>Lofstedt, Ragnar (2003): Risk communication: pitfalls and promises, in: European Review, 11. Jg. (Nr.3), S. 417-435.</li>
<li>Maxwell, Terrence A. (2003): The public need to know: emergencies, government organizations and public information policies, in: Government Information Quarterly (Nr.20), S. 233-258.</li>
<li>Perrow, Charles (1987): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3593341255?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3593341255">Normale Katastrophen</a>. Die unvermeidbaren Risiken der Großtechnik. Campus.</li>
<li>Beck, Ulrich (1986): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518113658?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518113658">Risikogesellschaft</a>. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp.</li>
</ul>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_61" class="footnote">Als größtmögliches Negativszenario wurde bspw. für den Betrieb von Kernkraftwerken zur Energieerzeugung der ‚Bruch der Hauptkühlleitung’ angenommen und entsprechend die Risikoanalysen angefertigt. Andere – möglicherweise weit verhängnisvollerer Szenarien – wurden/werden größtenteils ausgeblendet.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/wenn-sicherheit-fragil-wird-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iii/">Wenn Sicherheit fragil wird » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft III</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/wenn-sicherheit-fragil-wird-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-iii/feed/</wfw:commentRss>
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