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	<title>Risiko Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation </description>
	<lastBuildDate>Thu, 28 Feb 2019 18:37:01 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Risiko Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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		<title>Heiter bis wolkig: Aussichten auf Medizin, Wissenschaft und Technik</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2013/04/heiter-bis-wolkig-aussichten-auf-medizin-wissenschaft-und-technik/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2013/04/heiter-bis-wolkig-aussichten-auf-medizin-wissenschaft-und-technik/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc Scheloske]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Apr 2013 21:55:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftskommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Antibiotika]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Risiko]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#8222;Prognosen sind schwierig, besonders dann, wenn sie die Zukunft betreffen.&#8220; &#8211; Soll (angeblich) Niels Bohr gesagt haben. Ob diese Feststellung tatsächlich von Bohr stammt oder nicht, ist mir gerade ziemlich egal. In meiner heutigen Link- und Lesesammlung geht es allerdings 3x um Aussichten auf die Zukunft.  Und die Schwierigkeit, die jeweilige Entwicklung einzuschätzen. Mal geht ... <a title="Heiter bis wolkig: Aussichten auf Medizin, Wissenschaft und Technik" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2013/04/heiter-bis-wolkig-aussichten-auf-medizin-wissenschaft-und-technik/" aria-label="Mehr Informationen über Heiter bis wolkig: Aussichten auf Medizin, Wissenschaft und Technik">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2013/04/heiter-bis-wolkig-aussichten-auf-medizin-wissenschaft-und-technik/">Heiter bis wolkig: Aussichten auf Medizin, Wissenschaft und Technik</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>&#8222;Prognosen sind schwierig, besonders dann, wenn sie die Zukunft betreffen.&#8220;</em> &#8211; Soll (angeblich) Niels Bohr gesagt haben. Ob diese Feststellung tatsächlich von Bohr stammt oder nicht, ist mir gerade ziemlich egal. In meiner heutigen Link- und Lesesammlung geht es allerdings 3x um Aussichten auf die Zukunft. </strong></p>
<p><span class="initial_klein">U</span>nd die Schwierigkeit, die jeweilige Entwicklung einzuschätzen. Mal geht es um die Weiterentwicklung technischer Innovationen, mal um die Veränderungen innerhalb der akademischen Publikationskultur und gleich zu Beginn um eine der &#8222;größten Gefahren für die menschliche Gesundheit&#8220; (so die Einschätzung der WHO): um das Problem der Antibiotikaresistenzen.</p>
<p class="zwischenueberschrift">Über die (unterschätzten) Gefahren durch Antiobiotika-resistente Bakterien</p>
<p><span class="initial_klein">D</span>ie moderne Medizin ist ohne Antibiotika schlicht nicht vorstellbar. Umso beunruhigender sind deshalb die regelmäßigen Meldungen über neue Antibiotika-resistente Bakterien. Und die Entwicklung neuer schlagkräftiger Antiobiotika scheint schon seit einiger Zeit zu stagnieren. Keine wirklich erfreulichen Ausichten. Doch obwohl diese Problematik seit Jahren bekannt ist, ist das Wissen über die Konsequenzen (in den verschiedensten Bereichen!) noch absolut lückenhaft.</p>
<p>Wie kann im Ernstfall die medizinische Versorgung auch nur ansatzweise aufrechterhalten werden? Mit wievielen Opfern wäre zu rechnen? Welche Auswirkungen auf andere Bereiche (Verkehr, Wirtschaft, öffentliches Leben&#8230;) und welche Kosten wären zu erwarten? Dazu gibt es natürlich Hochrechnungen. Allerdings &#8211; so haben die Gesundheitsökonomen Richard Smith und Joanna Coast jetzt berechnet &#8211; wird das tatsächliche Ausmaß vermutlich stark unterschätzt.</p>
<p>Lars Fischer hat den BMJ-Artikel durchgesehen und kommentiert einige Aspekte drüben bei sich im Fischblog. Zum selben Thema liegt übrigens seit einigen Wochen eine knapp 80 Seiten starke Stellungnahme der Leopoldina vor. Unter dem Titel &#8222;Antibiotika-Forschung: Probleme und Perspektiven&#8220; ist dort erstens der aktuelle Stand in Sachen Antibiotikaforschung und -Resistenzen zusammengefasst und zweitens wird skizziert, wie die Entwicklung neuer Antiobiotika aussehen könnte und welche Rahmenbedingungen dafür erforderlich sind. Das alles gibt es als Open-Access-Dokument auch als PDF.</p>
<p><strong>Lesetipps:</strong></p>
<ul>
<li>Lars Fischer: <a  href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/fischblog/biologie/2013-03-19/resistenzen-gesundheitssystem">Wie Antibiotika-Resistenzen den Fortbestand unserer Gesellschaft gefährden</a>, Fischblog, 19.3.2013</li>
<li>R. Smith &amp; J. Coast (2013): <a  href="http://www.bmj.com/content/346/bmj.f1493">The true cost of antimicrobial resistance</a>, BMJ 2013; 346 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.f1493</li>
<li>Leopoldina (Deutsche Akademie der Naturforscher): <a  href="http://www.degruyter.com/viewbooktoc/product/204117">Antibiotika-Forschung: Probleme und Perspektiven</a> (2013)</li>
</ul>
<div id="Punkte"></div>
<p class="zwischenueberschrift">Anmerkungen zur Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens</p>
<p><span class="initial_klein">B</span>ei <em>nature</em> hat man sich vorletzte Woche an einer kleinen Bestandsaufnahme zum aktuellen Stand der wissenschaftlichen Publikationskultur versucht. Und es wird auch ein wenig in die Zukunft gedacht. Darüber, wie sich Open Access weiterentwickeln könnte zum Beispiel. Oder darüber, welche (möglichen) negativen Effekte der Erfolg des Open Access auch haben könnte. Die vielfältigen Veränderungen in diesem Feld sind jedenfalls <a href="http://www.nature.com/news/specials/scipublishing/index.html">Thema einer <em>nature</em>-Sonderausgabe</a>.</p>
<p>Wird ja irgendwie auch Zeit, nachdem zunächst die großen Verlage auf Zeit gespielt, die wissenschaftlichen Bibliotheken geschlafen und die Politischen Institutionen sich irgendwie nicht zuständig gefühlt haben. Seit 1-2 Jahren (so jedenfalls mein Gefühl) kommt jetzt Leben in die Bude. Die EU-Kommission hat zwischenzeitlich Lust auf Open-Access bekommen und vor einigen Wochen hat ja auch Barack Obama angekündigt, daß künftig öffentliche finanzierte Forschungsarbeiten innerhalb weniger Monate auch in einem Open-Access-Journal zugänglich gemacht werden müssen. Sehr, sehr erfreulich das alles&#8230;</p>
<p>Bei <em>nature</em> besonders lesenswert fand ich:</p>
<ul>
<li>Richard Van Noorden: <a href="http://www.nature.com/news/open-access-the-true-cost-of-science-publishing-1.12676">Open access: The true cost of science publishing</a></li>
<li><a href="http://www.nature.com/nature/journal/v495/n7442/full/495442a.html">Advocacy: How to hasten open access</a></li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>Automatisierte Risikoabschätzung für die Nanotechnologie ::: Michael Sandels &#8222;Plädoyer gegen die Perfektion&#8220; &#124; Werkstatt-Ticker 40</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/automatisierte-risikoabschaetzung-fuer-die-nanotechnologie-michael-sandels-plaedoyer-gegen-die-perfektion-werkstatt-ticker-40/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Jun 2008 12:13:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Nanotechnologie]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Risiko]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>» Nano-Partikel-Screening Nanomaterialien &#8211; Wissenswerkstatt wissen das längst &#8211; sind keineswegs per se unverdächtig. Gerade über die gesundheitlichen Effekte von Nanopartikeln in Kosmetikprodukten oder im Bereich der Lebensmittelindustrie, weiß man derzeit recht wenig. Zuletzt sorgte eine Studie für Aufsehen, die für längere Nanoröhren eine ähnliche kanzerogene Wirkung wie für Asbest feststellte. Bei Technology Review lese ... <a title="Automatisierte Risikoabschätzung für die Nanotechnologie ::: Michael Sandels &#8222;Plädoyer gegen die Perfektion&#8220; &#124; Werkstatt-Ticker 40" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/automatisierte-risikoabschaetzung-fuer-die-nanotechnologie-michael-sandels-plaedoyer-gegen-die-perfektion-werkstatt-ticker-40/" aria-label="Mehr Informationen über Automatisierte Risikoabschätzung für die Nanotechnologie ::: Michael Sandels &#8222;Plädoyer gegen die Perfektion&#8220; &#124; Werkstatt-Ticker 40">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/automatisierte-risikoabschaetzung-fuer-die-nanotechnologie-michael-sandels-plaedoyer-gegen-die-perfektion-werkstatt-ticker-40/">Automatisierte Risikoabschätzung für die Nanotechnologie ::: Michael Sandels &#8222;Plädoyer gegen die Perfektion&#8220; | Werkstatt-Ticker 40</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/category/werkstatt-ticker/"><img decoding="async" class="alignright size-full wp-image-234" style="border: 1px solid #DCDCDC; margin: 6px; float: right;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/uploads/2008/04/ticker_02a.jpg" alt="Ticker.jpg" width="180" height="121" /></a><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><span class="ticker_titel"><strong>»</strong> </span><span style="font-size: large;"><span class="ticker_titel">Nano-Partikel-Screening</span><br />
</span></span></h2>
<p>Nanomaterialien &#8211; Wissenswerkstatt wissen das längst &#8211; sind keineswegs per se unverdächtig. Gerade über die gesundheitlichen Effekte von Nanopartikeln in Kosmetikprodukten oder im Bereich der Lebensmittelindustrie, weiß man derzeit recht wenig. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/15/kein-persilschein-fuer-die-nanotechnologie-religion-als-intelligenzvernichtungsmaschine-werkstatt-ticker-35/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zuletzt</a> sorgte eine Studie für Aufsehen, die für längere Nanoröhren eine ähnliche kanzerogene Wirkung wie für Asbest feststellte.</p>
<p>Bei <a href="http://www.heise.de/tr/Ein-Robotersystem-fuer-die-Nanotoxikologie--/artikel/109659" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Technology Review</a> lese ich nun, daß Forscher vom Massachusetts General Hospital, der Harvard University und dem MIT nun ein halbautomatisiertes Verfahren entwickelt haben, mit dem sie die Risikoabschätzung für Nanopartikel stark beschleunigen. Die Wissenschaftler testeten bislang 50 Substanzen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Diese 50 Substanzen wurden nun jeweils in vitro an vier verschiedenen Zellarten getestet: Immunzellen von Mäusen, zwei Arten von menschlichen Gewebezellen in Blutgefäßen und menschlichen Leberzellen. Dabei wurden sie jeweils in vier verschiedenen Dosierungen untersucht. Um sämtliche möglichen Kombinationen von Testbedingungen effizient zu bewerkstelligen, wurden die Partikel mit einem Robotersystem, wie es beim Medikamenten-Screening eingesetzt wird, in Hunderten von kleinen Mulden mit den jeweiligen Zellkulturen auf einer Arbeitsplattform deponiert.&#8220;</p></blockquote>
<p>Anschließend wird untersucht, ob die Partikel Änderungen im Stoffwechsel der Zellen auslösen.</p>
<p>Sicher ein spannender Ansatz. Allerdings ist &#8211; wie im Artikel auch anklingt &#8211; auch hier Vorsicht geboten: denn die Zahl der falsch negativen Befunde<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/automatisierte-risikoabschaetzung-fuer-die-nanotechnologie-michael-sandels-plaedoyer-gegen-die-perfektion-werkstatt-ticker-40/#footnote_0_326" id="identifier_0_326" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Also der F&auml;lle, in denen das &bdquo;System&ldquo; nicht anschl&auml;gt, aber dennoch ein hohes toxikologisches Potential gegeben ist.">1</a> dürfte nicht unerheblich sein. Allein schon deshalb, weil lediglich vier Zelltypen recht wenig sind. Zellen aus Lungengewebe fehlen beispielsweise. Dennoch sind die Analysen begrüßenswert &#8211; das Risikowissen bzgl. der Toxikologie von Nanomaterialien steckt noch in den Kinderschuhen.</p>
<div class="links_ticker">Weiterlesen:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.heise.de/tr/Ein-Robotersystem-fuer-die-Nanotoxikologie--/artikel/109659" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ein Robotersystem für die Nanotoxikologie?</a>, Technology Review, 24.6.2008</li>
</ul>
<p>Auch Claudia Kaiser von den Wissenslogs hat darüber geschrieben:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/exciting-molecules/forschung-aktuell/2008-06-24/ans-tze-zur-klassifizierung-des-gefahrenpotentials-von-nano-partikeln" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ansätze zur Klassifizierung des Gefahrenpotentials von Nano-Partikeln</a>, Exiting Molecules, 24.6.2008.2008</li>
</ul>
</div>
<h2><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><span class="ticker_titel"><strong>»</strong> </span><span style="font-size: large;"><span class="ticker_titel">Freiheit oder Perfektion</span><br />
</span></span></h2>
<p>Für Schiller war der Mensch bekanntlich &#8222;nur da ganz Mensch, wo er spielt.&#8220;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/automatisierte-risikoabschaetzung-fuer-die-nanotechnologie-michael-sandels-plaedoyer-gegen-die-perfektion-werkstatt-ticker-40/#footnote_1_326" id="identifier_1_326" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="So in Schillers Briefen &bdquo;&Uuml;ber die &auml;sthetische Erziehung des Menschen&bdquo;">2</a> Insofern erleben wir derzeit &#8211; während der Fußball-Europameisterschaft &#8211; in gewissem Sinne die Reinform der menschlichen Existenz. ;-)</p>
<p>Gut, Schiller schwebte freilich weniger das sportliche, eher das ästhetisch-künstlerische Spiel vor. Allerdings: die spielerische Betätigung war für Schiller ein Bereich der Freiheit. Und frei ist für ihn eben der &#8222;homo ludens&#8220;. Ganz ähnlich argumentiert der Harvard-Philosoph <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Sandel" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Michael J. Sandel</a>. Sandel war Ende der 80er Jahre durch seine Kritik an der liberalen Theorie von John Rawls bekannt geworden.</p>
<p>Nun hat er &#8211; wie ich durch die Rezension in der Frankfurter Rundschau erfahre &#8211; ein spannendes Buch über die menschliche Freiheit, die Moral und unser Unbehagen über die Allmachtsphantasien der Genetiker geschrieben. Nach Sandel bestehe die menschliche Freiheit<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/automatisierte-risikoabschaetzung-fuer-die-nanotechnologie-michael-sandels-plaedoyer-gegen-die-perfektion-werkstatt-ticker-40/#footnote_2_326" id="identifier_2_326" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und man k&ouml;nnte Freiheit wohl ohne weiteres durch &bdquo;W&uuml;rde&ldquo; ersetzen.">3</a> gerade in und durch seine Imperfektion. Just unsere Unzulänglichkeiten, unsere Schwächen zeichnen uns aus.</p>
<blockquote><p>&#8222;Optimiert wird mittlerweile alles, unsere Kinder, deren Größe, Geschlecht und Charakter, unsere Launen und Stimmungen, unsere Gesundheit, unser Gedächtnis, unsere Haustiere… Dass eine gentechnologisch beschleunigte TotalEugenisierung des Gesellschaftskörpers zudem besonders einträgliche Geschäfte verspricht, versteht sich von selbst. Die eugenische Zurichtung erscheint heute nicht mehr als Zwang, sondern als verlockendes Angebot, das anzunehmen jedem frei steht.<br />
Was wir hier verlieren, nennt Michael J. Sandel die &#8222;Demut für das Leben als Gabe&#8220; und die &#8222;Wertschätzung der geschenkten Natur menschlicher Fähigkeiten und Erfolge&#8220;.&#8220;</p></blockquote>
<p>Spannend und sicher auch kontrovers.</p>
<div class="links_ticker">Link:</p>
<ul>
<li>Michael J. Sandel: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3940432148?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3940432148">Plädoyer gegen die Perfektion. Ethik im Zeitalter der genetischen Technik.</a> A. d. Engl. v. Rudolf Teuwsen, Berlin University Press, Berlin 2008</li>
<li>Schlüter, Christoph: <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?sid=d4a8278e2f5160de48ef05821ddd426e&amp;em_cnt=1355798" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Moralischer Schwindel, Rezension zu Sandels Buch</a>, FR, 23.6.2008</li>
</ul>
</div>
<div class="invisible">
<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Nanotechnologie">Nanotechnologie</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Michael+Sandel">Michael Sandel</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_326" class="footnote">Also der Fälle, in denen das &#8222;System&#8220; nicht anschlägt, aber dennoch ein hohes toxikologisches Potential gegeben ist.</li><li id="footnote_1_326" class="footnote">So in Schillers Briefen &#8222;<a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_die_%C3%A4sthetische_Erziehung_des_Menschen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Über die ästhetische Erziehung des Menschen</a>&#8222;</li><li id="footnote_2_326" class="footnote">Und man könnte Freiheit wohl ohne weiteres durch &#8222;Würde&#8220; ersetzen.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/automatisierte-risikoabschaetzung-fuer-die-nanotechnologie-michael-sandels-plaedoyer-gegen-die-perfektion-werkstatt-ticker-40/">Automatisierte Risikoabschätzung für die Nanotechnologie ::: Michael Sandels &#8222;Plädoyer gegen die Perfektion&#8220; | Werkstatt-Ticker 40</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc Scheloske]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Feb 2012 16:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
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		<category><![CDATA[Radioaktivität]]></category>
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		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Schwangerschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie & Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jede Schwangerschaft bringt Veränderungen mit sich. Plötzlich werden viele Selbstverständlichkeiten wieder zu Lebensfragen, die neu durchdacht, erörtert und entschieden werden müssen. Das hat mit der neuen, nun auf das heranwachsende Baby im eigenen Bauch erweiterten Verantwortung zu tun. Und mit Risikoabwägungen, die &#8211; wie so oft &#8211; ziemlich kompliziert sind. Mit der Schwangerschaft stellen sich ... <a title="Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/" aria-label="Mehr Informationen über Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/">Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_2195" aria-describedby="caption-attachment-2195" style="width: 200px" class="wp-caption alignright"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-2195"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2012/02/Schwangere_Frau_210.jpg" alt="Schwangere Frau" width="210" height="360" /><figcaption id="caption-attachment-2195" class="wp-caption-text">Ausnahmesituation Schwangerschaft: Auch was Risikoabwägungen betrifft</figcaption></figure>
<p><strong>Jede Schwangerschaft bringt Veränderungen mit sich. Plötzlich werden viele Selbstverständlichkeiten wieder zu Lebensfragen, die neu durchdacht, erörtert und entschieden werden müssen. Das hat mit der neuen, nun auf das heranwachsende Baby im eigenen Bauch erweiterten Verantwortung zu tun. Und mit Risikoabwägungen, die &#8211; wie so oft &#8211; ziemlich kompliziert sind. Mit der Schwangerschaft stellen sich einfach furchtbar viele Fragen: Welche Hebamme ist die beste? Was darf ich essen? Wieviel Stress darf ich mir zumuten? Und darf ich in ein Flugzeug steigen? Handelt eine schwangere Frau vielleicht sogar unverantwortlich, wenn sie mit dickem Babybauch einen Langstreckenflug unternimmt?</strong></p>
<p>Im Hintergrund dieser Überlegungen steht die Höhenstrahlung, die jeder Flugpassagier abbekommt, egal ob schwanger oder nicht. Die Frage ist nur, ob diese Tatsache überhaupt relevant für schwangere Frauen ist. Sollte eine werdende Mutter die gebuchte Flugreise stornieren? Viele Schwangere tun das jedenfalls, weil sie irgendwo von der Strahlengefahr gehört haben und kein Risiko eingehen wollen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_0_2190" id="identifier_0_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Vollst&auml;ndigkeit halber: Es gibt durchaus Gr&uuml;nde w&auml;hrend der Schwangerschaft auf eine (anstrengende) Flugreise zu verzichten. Etwa in den letzten 3-4 Wochen vor dem Geburtstermin, um ggf. eine vorzeitige und ungeplante Geburt zu verhindern. Und schwangere Frauen sollten f&uuml;r den Flug explizit Thromboseprophylaxe betreiben. Aber damit hat es sich auch fast&hellip;">1</a></p>
<p>Schließlich ist es ja vollkommen nachvollziehbar: Wer aus Rücksicht auf sein Baby mit dem Rauchen aufhört, Alkohol meidet und sich während der Schwangerschaft ganz bewußt gesund ernährt, der wird auch weiteren gesundheitlichen Risikofaktoren aus dem Weg gehen. Und wenn so ein Langstreckenflug durch die potentiell schädigende Strahlung eben ein Risiko darstellt, dann ist es ja nur logisch auch auf Flugreisen während der Schwagerschaft zu verzichten.</p>
<p>Wäre es dann vielleicht sogar sinnvoll, den Fluggesellschaften die Beförderung von Schwangeren zu verbieten? Oder sollten wenigstens große Warnhinweise auf jedes Flugticket gedruckt werden: Vorsicht, mit jedem Flug gefährden sie ungeborenes Leben! ;-)</p>
<p>Doch ganz so einfach ist die Sache nicht, denn schließlich könnte es doch auch ganz anders sein: Vielleicht ist es ja sogar riskanter, wenn man brav auf dem Boden bleibt?</p>
<p class="zwischenueberschrift_mit_linie">Zusätzliche Strahlenexposition bei Flugreisen</p>
<p><span class="pullquote">Wie gefährlich ist Fliegen? Sollte man Schwangeren evtl. Flugreisen verbieten?</span></p>
<p>Um diese Frage zu beantworten, ist es ganz hilfreich, wenn man sich einmal vor Augen führt, welcher Art von Strahlung wir denn überhaupt ausgesetzt sind und was wir uns bei einer Flugreise so zumuten.</p>
<p>Die Strahlendosis, die wir im Flugzeug abkriegen, hängt von einigen Faktoren ab und variiert deshalb innerhalb einer gewissen Bandbreite. Entscheidend sind natürlich die Flugdauer, dazu aber auch Flughöhe, die Flugroute und die Sonnenaktivität.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_1_2190" id="identifier_1_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Strahlenexposition nimmt bspw. zu, je weiter man vom &Auml;quator entfernt ist. &Uuml;ber Skandinavien ist sie etwa 3x so hoch, wie direkt &uuml;ber dem &Auml;quator. Dazu variiert die Strahlenexposition eben mit den Sonnenzyklen, die innerhalb eines elfj&auml;hrigen Intervalls schwanken.">2</a> Dennoch lassen sich in etwa Werte für typische Flugrouten angeben.</p>
<p>Die Strahlenexposition wird üblicherweise in der Einheit μSv/Zeiteinheit (Mikrosievert pro Zeiteinheit) angegeben. Und beim Flug von Frankfurt nach Rom kommen da ca. 3-6 μSv zusammen. Der Flug von Frankfurt nach Rio de Janeiro schlägt mit 17-28 μSv zu Buche.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_2_2190" id="identifier_2_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Angaben jeweils nach den Infos des Bfs &ndash; Bundesamt f&uuml;r Strahlenschutz. Website mit weiteren, sehr guten Informationen: www.bfs.de">3</a></p>
<p>Was haben wir aber nun davon, wenn wir wissen, daß wir auf dem Weg nach Rom maximal 5-6 Mikrosievert an kosmischer Strahlung abbekommen haben? Ist das viel und vielleicht kritisch für einen Embryo im Mutterleib?</p>
<p><span class="zwischenueberschrift_mit_linie">Strahlendosis pro Jahr: Kosmische und terrestrische Quellen</span></p>
<p>Um die Sache einschätzen zu können, muß man die Strahlenexposition während des Flugs natürlich in Beziehung setzen mit der durchschnittlichen Belastung durch andere Quellen. Denn grundsätzlich ist es schlicht so, daß wir ja ständig äußerer Strahlung ausgesetzt sind. Da gibt es eben einerseits die kosmische Strahlung, die uns auch auf dem Boden trifft (aber eben deutlich weniger als in 10-12 Kilometern Flughöhe).</p>
<figure id="attachment_2197" aria-describedby="caption-attachment-2197" style="width: 170px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" class="size-full wp-image-2197"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2012/02/Blick_aus_dem_Flugzeug180.jpg" alt="Blick aus dem Flugzeug" width="180" height="246" /><figcaption id="caption-attachment-2197" class="wp-caption-text">Welche Strahlendosis trifft auf einen Flugzeugpassagier?</figcaption></figure>
<p>Pro Jahr kommen da ca. 300 μSv zusammen (und auch hier gilt, daß die Dosis Richtung Äquator geringer ist, als weiter zu den Polen hin). Andererseits gibt es die terrestrische Strahlung, deren Quelle natürlich vorkommendes radioaktives Gestein (Uran, Thorium) und v.a. das radioaktive Edelgas Radon ist (zusammen macht das etwa 1500 μSv/a). Schließlich gibt es noch die quasi zivilisatorischen Belastungen (radioaktiver Fallout infolge von Atombombentests oder AKW-Unfällen) oder medizinische Quellen (Röntgenstrahlen).</p>
<p>Die jährliche Strahlendosis addiert sich (auch hier eben Schwankungen aufgrund des Wohnortes etc.) in Deutschland auf etwa 2000-5000 μSv. Das ist also das, was wir immer abkriegen!<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_3_2190" id="identifier_3_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In Europa gibt es &uuml;brigens Regionen, in denen man pro Jahr etwa 10.000 &mu;Sv abbekommt und im Iran gibt es wohl eine Region, wo die j&auml;hrliche Belastung mit ionisierender Strahlung bei 200.000 liegt. Das ist nat&uuml;rlich heftig. Quelle: Wikipedia &ndash; Strahlenbelastung">4</a></p>
<p>Und jetzt wieder zurück zu unserer Ausgangsfrage: Wie riskant ist eine Flugreise während der Schwangerschaft? Handelt eine schwangere Frau unverantwortlich, wenn sie sich in ein Flugzeug setzt?</p>
<p>Wenn man die Werte betrachtet, so läßt sich eigentlich nur schlußfolgern, daß die kosmische Strahlung sicher kein Grund für einen Verzicht auf eine Flugreise sein kann.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_4_2190" id="identifier_4_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dieser Ansicht sind &uuml;brigens auch alle seri&ouml;sen Wissenschaftler und auch das Bundesamt f&uuml;r Strahlenschutz schreibt ausdr&uuml;cklich, &bdquo;&hellip; die Strahlenbelastung durch H&ouml;henstrahlung ist gering und gesundheitlich nicht relevant.&ldquo;">5</a> Denn die Menge an Strahlung, die ich auf dem Flug von Frankfurt nach Rom abkriege, trifft mich auch innerhalb von 24 Stunden, wenn ich (wohnhaft etwa in der relativ stark belasteten Oberpfalz) zuhause bleibe. Die Belastung während des doch etwas längeren Fluges nach Rio den Janeiro entspricht derjenigen, die man während fünf Tagen in der Heimat abkriegt.</p>
<p><span class="zwischenueberschrift_mit_linie">Plädoyer für mehr Flugreisen in der Schwangerschaft</span></p>
<p>Strenggenommen könnte man sogar für Flugreisen in der Schwangerschaft plädieren. Zumindest alle schwangere Frauen, die sich Sorgen wegen des Strahlenrisikos während des Flugs machen, sollten sich mal informieren, wie hoch die ständige Strahlendosis an ihrem Wohnort ist. Wenn der Wert überdurchschnittlich ist (Stichwort: natürliche Uranvorkommen in der Nähe bzw. Radonausdünstungen), dann sollte mindestens der Umzug nach Nordfriesland in Betracht gezogen werden. Dort treffen einen eigentlich fast überall nur unterdurchschnittliche 0,5 μSv/h. Oder man setzt sich in ein Flugzeug und fliegt nach Rom oder sonstwohin. Wenn das Flugziel richtig gewählt ist, dann kompensiert man innerhalb weniger Tage die Strahlendosis während des Fluges und auf die ganze Schwangerschaft gerechnet, minimiert man das strahlenbedingte Risiko auf alle Fälle.</p>
<p><span class="pullquote">Wir brauchen mehr Gelassenheit in der Risikoabwägung. Und wir müssen einsehen, daß es ohne Risiken nicht geht. Egal, wie wir entscheiden.</span></p>
<p>Soll das nun ein ernstgemeintes Plädoyer für Flugreisen während der Schwangerschaft sein? Natürlich nicht!</p>
<p>Aber ein Aufruf zu mehr Gelassenheit bzw. ein Plädoyer für genauers Hinsehen und Abwägen. Und die Erinnerung daran, daß wir uns nicht verrückt machen sollten, nur weil wir gehört haben, daß in diesem oder jenem Lebensmittel besonders viel XY enthalten ist. Vielleicht stimmt das ja gar nicht, wie glaubwürdig ist die Quelle unserer Information? Und wenn es doch stimmt? Ist es schlimm, wenn wir XY zu uns nehmen? Und wie lauten die Alternativen? Wissen wir wirklich, welche (negativen) Konsequenzen unser Ausweichverhalten mit sich bringt?</p>
<p>Das ist ist natürlich das Grunddilemma jeder Risikosituation. Dabei gibt es zwei Aspekte: Erstens verfügen wir eigentlich immer über unvollständige Informationen (und aus diesem Nicht-Wissen kommen wir nicht raus). Und zweitens müssen wir diese Information (so unvollständig sie auch sind) einordnen und gegenüber Alternativen abwägen.</p>
<p class="zwischenueberschrift_mit_linie">Das unlösbare Problem der Eigenerfahrungslosigkeit</p>
<p>Die oben skizzierte Risikoabwägung zeigt dabei noch ganz deutlich ein weiteres typisches Begleitphänomen solcher Situationen: Wir können selbst das potentiell gefährliche Moment nicht (sinnlich) wahrnehmen. Radioaktivität und/oder Strahlung ist und bleibt für uns unsichtbar. Deshalb beunruhigt es uns ja auch, wenn wir lesen, daß während des Flugs die Strahlendosis hoch ist. Daß wir &#8211; während wir im Sessel sitzend lesen &#8211; gleichzeitig auch von ionisierender Strahlung umgeben und betroffen sind (und keine Ahnung haben, wie hoch die ihrerseits ist), ist uns wohl häufig gar nicht bewußt.</p>
<p>Der Soziologe Ulrich Beck hat in diesem Zusammenhang vor gut 25 Jahren zutreffend folgendes geschrieben und den Begriff &#8222;Eigenerfahrungslosigkeit&#8220; geprägt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Das Unsichtbare, mehr noch: das, was sich der Wahrnehmung prinzipiell entzieht, das nur theoretisch Verknüpfte, (&#8230;) wird im zivilisatorischen Krisenbewußtsein unproblematischer Bestand des persönlichen Denkens, Wahrnehmens, Erlebens. (&#8230;) Man steigt nicht mehr nur von Eigenerfahrungen zu Allgemeinurteilen auf, sondern eigenerfahrungsloses Allgemeinwissen wird zum bestimmenden Zentrum der Eigenerfahrung.&#8220;<br />
(Ulrich Beck: <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3518113658/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518113658">Risikogesellschaft</a>, S. 96)</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p class="zwischenueberschrift_mit_linie">Riskantes Dasein: Kein Leben ohne Risiko</p>
<p>So ist das. Wir leben ein riskantes Leben. Ob wir wollen oder nicht. Und wenn wir es genau betrachten, so wird es stets nur noch riskanter. Mit jeder neuen Technologie, jeder neuen Option und Information, die wir haben. Jede zusätzliche Information ist wie ein luhmann&#8217;scher Regenschirm:</p>
<blockquote><p>„Wenn es Regenschirme gibt, kann man nicht mehr risikofrei leben: Die Gefahr, dass man durch Regen nass wird, wird zum Risiko, das man eingeht, wenn man den Regenschirm nicht mitnimmt. Aber wenn man ihn mitnimmt, läuft man das Risiko, ihn irgendwo liegenzulassen.“<br />
(Niklas Luhmann: Die Moral des Risikos und das Risiko der Moral)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_5_2190" id="identifier_5_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Niklas Luhmann: Die Moral des Risikos und das Risiko der Moral, in: Gotthard Bechmann (Hrsg): Risiko und Gesellschaft. 1993.">6</a></p></blockquote>
<p>Der Erfinder des Regenschirms ist schuld daran, daß wir mit dem Risiko nass zu werden (bzw. dem Schirmverlust) umgehen und leben müssen. Und ich meine das nicht als Spaß.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div class="werkstattlinks">
<p>Lesetipps zur Thematik:</p>
<ul>
<li>Ulrich Beck (1986): <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3518113658/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518113658">Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne</a>. Suhrkamp.</li>
<li>Ulrich Beck (2007): <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3518460382/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518460382">Weltrisikogesellschaft: Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit.</a> Suhrkamp.</li>
<li>Niklas Luhmann (1991): <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3110178044/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3110178044">Soziologie des Risikos.</a> Gruyter.</li>
<li>Ortwin Renn (Hg.) (2007): <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3865810675/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3865810675">Risiko: Über den gesellschaftlichen Umgang mit Unsicherheit</a>. oekom-Verlag.</li>
</ul>
<p>Gute Informationen zu allen Strahlenrisiken (auch diejenigen bei/durch Flugreisen) findet man beim Bundesamt für Strahlenschutz: <a  href="http://www.bfs.de">www. bfs.de</a></p>
</div>
<p>&nbsp;</p>
<p><small>* Bilder // Schwangere Frau: stock.xchng (User: simmbarb) //Blick aus Flugzeugfenster: stock.xchng (User: aprilbell)<br />
</small></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_2190" class="footnote">Der Vollständigkeit halber: Es gibt durchaus Gründe während der Schwangerschaft auf eine (anstrengende) Flugreise zu verzichten. Etwa in den letzten 3-4 Wochen vor dem Geburtstermin, um ggf. eine vorzeitige und ungeplante Geburt zu verhindern. Und schwangere Frauen sollten für den Flug explizit Thromboseprophylaxe betreiben. Aber damit hat es sich auch fast&#8230;</li><li id="footnote_1_2190" class="footnote">Die Strahlenexposition nimmt bspw. zu, je weiter man vom Äquator entfernt ist. Über Skandinavien ist sie etwa 3x so hoch, wie direkt über dem Äquator. Dazu variiert die Strahlenexposition eben mit den Sonnenzyklen, die innerhalb eines elfjährigen Intervalls schwanken.</li><li id="footnote_2_2190" class="footnote">Angaben jeweils nach den Infos des Bfs &#8211; Bundesamt für Strahlenschutz. Website mit weiteren, sehr guten Informationen: www.bfs.de</li><li id="footnote_3_2190" class="footnote">In Europa gibt es übrigens Regionen, in denen man pro Jahr etwa 10.000 μSv abbekommt und im Iran gibt es wohl eine Region, wo die jährliche Belastung mit ionisierender Strahlung bei 200.000 liegt. Das ist natürlich heftig. Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Strahlenbelastung">Wikipedia &#8211; Strahlenbelastung</a></li><li id="footnote_4_2190" class="footnote">Dieser Ansicht sind übrigens auch alle seriösen Wissenschaftler und auch das Bundesamt für Strahlenschutz schreibt ausdrücklich, &#8222;&#8230; die Strahlenbelastung durch Höhenstrahlung ist gering und gesundheitlich nicht relevant.&#8220;</li><li id="footnote_5_2190" class="footnote">vgl. Niklas Luhmann: Die Moral des Risikos und das Risiko der Moral, in: Gotthard Bechmann (Hrsg): Risiko und Gesellschaft. 1993.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/">Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Die unterschätzten Nebenfolgen der Computertomographie » CT-Aufnahmen als Krebsrisiko</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Dec 2007 08:00:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Risiko]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftssoziologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schöne neue Welt der Medizintechnik &#8211; was noch Ende der 80er Jahre nur an wenigen Kliniken möglich war, gehört heute längst zum Standardrepertoire der medizinischen Diagnostik: die Computertomographie. Und die immer brillanteren Bilder werden von Ärzten immer häufiger eingesetzt. Vergessen wird dabei, daß auch jede CT-Aufnahme mit einer unvermeidlichen Strahlenbelastung einhergeht. Und diese wird offenbar ... <a title="Die unterschätzten Nebenfolgen der Computertomographie » CT-Aufnahmen als Krebsrisiko" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/" aria-label="Mehr Informationen über Die unterschätzten Nebenfolgen der Computertomographie » CT-Aufnahmen als Krebsrisiko">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/">Die unterschätzten Nebenfolgen der Computertomographie » CT-Aufnahmen als Krebsrisiko</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schöne neue Welt der Medizintechnik &#8211; was noch Ende der 80er Jahre nur an wenigen Kliniken möglich war, gehört heute längst zum Standardrepertoire der medizinischen Diagnostik: die Computertomographie. Und die immer brillanteren Bilder werden von Ärzten immer häufiger eingesetzt. Vergessen wird dabei, daß auch jede CT-Aufnahme mit einer unvermeidlichen Strahlenbelastung einhergeht. Und diese wird offenbar systematisch unterschätzt.</strong></p>
<p>Daß Röntgenstrahlung gefährlich ist, weiß heute jedes Kind. Und die Arglosigkeit im Umgang mit klassischen Röntgenaufnahmen ist inzwischen auch einer gesunden Skepsis gewichen: die Strahlenexposition, die jede Röntgenuntersuchung mit sich bringt, ist Ärzten und Patienten als Gesundheitsrisiko längst bekannt.</p>
<h4 class="pullquote_left">Die Computertomographie liegt im Trend: sie liefert schnell und schmerzfrei detaillierte Bilder. Aber die Strahlenbelastung liegt zum Teil um das 100-1000-fache höher als bei einer konventionellen Röntgenaufnahme.</h4>
<p>Die Entwicklung der bildgebenden Verfahren ist inzwischen freilich rasant fortgeschritten und die Vorzeigekinder der diagnostischen Radiologie hören heute auf die Namen <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Magnetresonanztomographie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Magnetresonanztomographie</a> (MRT) und <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Computertomografie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Computertomographie</a> (CT). Allerdings ist die CT, also die so unverdächtig und sehr fortschrittlich klingende Computertomographie, nichts anderes als eine Fortentwicklung der guten alten Röntgenaufnahme. Denn aus vielen verschiedenen Röntgenbildern setzt der Rechner schließlich die detailreichen Schnittbilder und dreidimensionalen Ansichten zusammen, die Einblicke in das Körperinnere erlauben. Diese Vorteile in der Diagnostik werden freilich mit einem zentralen Nachteil erkauft: die Strahlenbelastung durch eine einzelne CT-Aufnahme ist in vielen Fällen etwa um das 100-1000-fache höher, als das der verpönten Röntgenaufnahme.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_0_146" id="identifier_0_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dieser Faktor variiert in Abh&auml;ngigkeit von den jeweiligen Aufnahmebereichen. Je nach eingesetztem Ger&auml;t sind hier bspw. bei CT-Brustraumaufnahmen bis zu 1.000-fach h&ouml;here Strahlenexpositionen gegeben. Auch eine Sch&auml;del-CT weist eine 100-fach h&ouml;here Effektivdosis auf.">1</a></p>
<p><strong>Erhöhte Strahlenbelastung und Krebsrisiko durch Computertomographie</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" style="margin: 10px;" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/12/CT-Entwicklung2.gif" alt="CT-Entwicklung2.gif" width="240" height="197" align="right" />Nichtsdestotrotz liegt die Computertomographie im Trend. Eine aktuelle US-Studie<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_1_146" id="identifier_1_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Brenner, David J.; Hall, Eric J.: Computed Tomography &mdash; An Increasing Source of Radiation Exposure, in: New England Journal of Medicine, 2007; 357: 2277-2284.">2</a> weist nun erneut auf die damit verbundenen Risiken hin. Allein in den USA wurden im Jahr 2006 ca. 62 Millionen CT-Aufnahmen gemacht, Tendenz steigend. (vgl. Abbildung rechts)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_2_146" id="identifier_2_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Figure 2. &bdquo;Estimated Number of CT Scans Performed Annually in the United States.&ldquo; &ndash; Brenner/Hall, s. Studienlink.">3</a></p>
<p>Kein Wunder, eine Computertomographie ist schmerzfrei und liefert schnelle Ergebnisse. Und das ist gleichermaßen im Sinne von Ärzten und Patienten. Allerdings wird dabei systematisch übersehen, daß mit dem inflationären CT-Einsatz auch die Strahlenbelastung der Bevölkerung und somit auch das Krebsrisiko deutlich ansteigen.</p>
<p>Nach der Einschätzung von David Brenner und Eric Hall vom Center for Radiological Research an der New Yorker Columbia Universität sind bereits heute 1,5-2,0% aller Krebsfälle auf die Strahlenexposition durch CT-Scans zurückzuführen. Denn während eine normale Röntgenaufnahme mit ca. 0,03 bis 0,5 Millisievert zu Buche schlägt, liegt die effektive Dosis der ionisierenden Strahlung bspw. bei einer CT-Aufnahme des Schädels im Bereich von 2-4 Millisievert.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_3_146" id="identifier_3_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dieser Wert kann auch noch &uuml;bertroffen werden. Bei einer CT-Aufnahme des Brustraums fallen z.T. bis zu 10 mSv an.">4</a> Zum Vergleich: die durchschnittliche Strahlenbelastung eines Bundesbürgers liegt bei 2,1 Millisievert, allerdings pro Jahr.</p>
<h4 class="pullquote_left">Auch bei CT-Scans werden Patienten ionisierender Strahlung ausgesetzt. 1,5-2,0% aller künftigen Krebsfälle müssen darauf zurückgeführt werden.</h4>
<p>Diese Zahlen sind nun zwar kein Grund, die Computertomographie zu verteufeln, denn sie ist zweifellos ein wunderbares Diagnose-Instrument und in vielen Bereichen kaum zu ersetzen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_4_146" id="identifier_4_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich selbst habe mich erst letztes Jahr in eine solche R&ouml;hre schieben lassen. Und auch meine WG-Mitbewohnerin, die als Juristin in einem Unternehmen arbeitet, das genau die Software f&uuml;r CTs liefert, wird best&auml;tigen, da&szlig; ich die richtig verstandenen M&ouml;glichkeiten solcher Diagnoseger&auml;te durchaus sch&auml;tze.">5</a> Jedoch ist es ganz offensichtlich dringend geboten, deutlich stärker auf die Risiken des CT-Booms hinzuweisen. Es wäre mehr als wünschenswert, wenn an die Stelle der momentanen Leichtfertigkeit im Umgang mit den Möglichkeiten der Computertomographie eine stärkere Orientierung an einem Kosten-Nutzen-Kalkül treten würde. Das Bewußtsein, daß der Nutzen jedes einzelnen CT-Scans mit konkreten Risiken einhergeht, ist aber kaum verbreitet.</p>
<p><strong>Alarmierende Unkenntnis der Ärzte &#8211; Fortbildungen dringend notwendig</strong></p>
<p>Und vielleicht sollte man auch darüber nachdenken, jedem CT-Gerät einen Beipackzettel beizufügen: &#8222;<em>Zu Risiken oder Nebenwirkungen fragen sie Ihren Arzt&#8230;</em>&#8220; Aber halt, es sind ja eben Ärzte, die ihre Patienten reihenweise zu CT-Untersuchungen schicken. Und es spricht &#8211; wie jüngste Studien illustrieren &#8211; einiges dafür, daß die Naivität und pure Unkenntnis eines großen Teils der Ärzteschaft mitverantwortlich für die stetig wachsende Popularität der CT-Diagnose ist. Denn wie in anderen Feldern auch, muß man leider auch hier für viele Mediziner feststellen: &#8222;Denn sie wissen nicht, was sie tun.&#8220;</p>
<h4 class="pullquote">Die erhebliche CT-Strahlenbelastung ist den meisten Ärzten nicht bewußt. 2/3 der befragten Uniklinikärzte unterschätzten die Belastung.</h4>
<p>Erst im Frühjahr hatte Christoph Heyer (Institut für Diagnostische Radiologie, Ruhr-Universität Bochum) die ernüchternden Ergebnisse einer Ärztebefragung präsentiert.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_5_146" id="identifier_5_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Heyer, C. M.; Peters, S.; Lemburg, S.; Nicolas, V.: Einsch&auml;tzung der Strahlenbelastung radiologischer Thorax-Verfahren: Was ist Nichtradiologen bekannt? In: R&ouml;Fo: Fortschritte auf dem Gebiet der R&ouml;ntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren, 2007, 179(3):261-267.">6</a> Insgesamt 124 Ärzte eines Universitätsklinikums wurden zu verschiedenen radiologischen Verfahren befragt &#8211; dabei schätzten jeweils ca. 2/3 der befragten Mediziner die sog. Effektivdosis (ED) der klassischen Röntgenaufnahme oder eben der jeweiligen CT-Aufnahme falsch ein. Die befragten Ärzte waren selbst keine Radiologen,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_6_146" id="identifier_6_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Sie stammten aus den Fachrichtungen Chirurgie, Innere Medizin, An&auml;sthesie und Neurologie">7</a> aber genau diejenigen, die jeweils die notwendige Indikation feststellen und somit an zentraler Stelle über den Einsatz von CTs mitentscheiden. Mehr als erschreckend, daß hier quer durch alle Fachrichtungen kaum Sensibilität für die vorhandenen Strahlenrisiken vorhanden ist &#8211; 72,3% der Uniklinikärzte unterschätzte die Effektivdosis der CT im Vergleich zur konventionellen Röntgenaufnahme.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_7_146" id="identifier_7_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Soll einen die Information tr&ouml;sten oder erz&uuml;rnen, da&szlig; weder die Berufserfahrung noch die Fachrichtung oder die Position der Befragten einen wesentlichen Einfluss auf die Testergebnisse zeigten? Vgl. Heyer, C. M.; Peters, S.; Lemburg, S.; Nicolas, V.: Einsch&auml;tzung der Strahlenbelastung radiologischer Thorax-Verfahren: Was ist Nichtradiologen bekannt? In: R&ouml;Fo: Fortschritte auf dem Gebiet der R&ouml;ntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren, 2007, 179(3): 261-267.">8</a></p>
<p>Und diese Befunde decken sich weitgehend mit den Studienergebnissen aus den USA. Dort sind sogar 53% der Radiologen der Überzeugung, daß CT-Scans das Risiko an Krebs zu erkranken nicht erhöhen. Daß alle epidemiologischen Studien das Gegenteil belegen, scheint diese Röntgenfachärzte nicht zu irritieren.</p>
<blockquote><p>&#8222;Part of the issue is that physicians often view CT studies in the same light as other radiologic procedures, even though radiation doses are typically much higher with CT than with other radiologic procedures. In a recent survey of radiologists and emergency-room physicians, about 75% of the entire group significantly underestimated the radiation dose from a CT scan, and 53% of radiologists and 91% of emergency-room physicians did not believe that CT scans increased the lifetime risk of cancer.&#8220; <em>[Brenner/Hall]</em></p></blockquote>
<p>Wenn man freilich bedenkt, daß seit wenigen Jahren u.a. die Aufnahmen bei Kindern überproportional zunehmen<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_8_146" id="identifier_8_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Hauptgrund f&uuml;r diese Zunahme liegt schlicht darin, da&szlig; es lange Zeit erforderlich war, still in der CT-R&ouml;hre zu verharren. Neuerdings konnte aber die Aufnahmedauer auf unter eine Minute gedr&uuml;ckt werden.">9</a> (diese aber aus verschiedenen Gründen besonders strahlensensibel sind) ist diese Leichtfertigkeit kaum mehr zu verstehen. Und auch bei Schwangeren gehört die CT offenbar immer häufiger zum Mittel der Wahl, wie Elizabeth Lazarus jüngst auf einem Fachkongress in Chicago berichtete.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_9_146" id="identifier_9_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&bdquo;Overall utilization of radiological examinations in pregnant women increased by 121% over ten years with an increase in the patient population of only 7%. The greatest increases were in utilization of CT which also averaged the greatest overall radiation exposure to the fetus.&ldquo; vgl. Lazarus, E. et. al. &bdquo;Utilization of Radiological Examinations in Pregnant Women: A Ten Year Review&ndash;1997-2006.&ldquo;">10</a></p>
<p>David Brenner und Eric Hall kommen in ihrer Studie zum Schluß:</p>
<blockquote><p>&#8222;In light of these considerations, and despite the fact that most diagnostic CT scans are associated with very favorable ratios of benefit to risk, there is a strong case to be made that too many CT studies are being performed in the United States.&#8220; <em>[Brenner/Hall]</em></p></blockquote>
<h4 class="pullquote">Die medizinische Erfahrung lehrt: 1/3 aller diagnostischen Tests ist überflüssig. In den USA könnten folglich 20 Millionen CT-Aufnahmen pro Jahr eingespart werden.</h4>
<p>Daß diese Einschätzung (daß viel zu viele CT-Untersuchungen durchgeführt werden) ebenso für Deutschland zutrifft, steht außer Frage. Und auch für Europa gilt die Faustregel, daß sich rund 1/3 aller Untersuchungen letztlich als unnötig herausstellen. Wäre der Kenntnisstand der Ärzteschaft in diesem Bereich höher,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_10_146" id="identifier_10_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und blieben betriebswirtschaftliche Kalk&uuml;le au&szlig;en vor">11</a> so bliebe jährlich Hunderttausenden oder sogar Millionen Bundesbürgern eine solche zusätzliche Strahlenbelastung erspart. Für die USA kommen Brenner und Hall sogar auf ca. 20 Millionen CT-Aufnahmen, die im Grunde gestrichen werden könnten.</p>
<blockquote><p>&#8222;The third and most effective way to reduce the population dose from CT is simply to decrease the number of CT studies that are prescribed. From an individual standpoint, when a CT scan is justified by medical need, the associated risk is small relative to the diagnostic information obtained. However, if it is true that about one third of all CT scans are not justified by medical need, and it appears to be likely, perhaps 20 million adults and, crucially, more than 1 million children per year in the United States are being irradiated unnecessarily.&#8220; <em>[Brenner/Hall]</em></p></blockquote>
<p>Dringender Handlungsbedarf also &#8211; wann stehen die ersten Radiologie-Fortbildungen an? Und ansonsten kann man nur darauf hoffen, daß die Ultraschalldiagnostik und v.a. die MRT (Magnetresonanztomographie)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_11_146" id="identifier_11_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Sie wird teilweise auch als Kernspintomographie bezeichnet.">12</a>, die beide ohne ionisierende Strahlung auskommen, weitere Fortschritte machen bzw. günstiger werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr size="1" width="100%" />
<p>Links zu den Studien:</p>
<ul>
<li>Brenner, David J.; Hall, Eric J.: <a href="http://content.nejm.org/cgi/content/full/357/22/2277" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Computed Tomography — An Increasing Source of Radiation Exposure</a>, in: New England Journal of Medicine, 2007; 357: 2277-2284.</li>
<li>Heyer, C. M.; Peters, S.; Lemburg, S.; Nicolas, V.: <a href="http://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/roefo/doi/10.1055/s-2006-927366" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Einschätzung der Strahlenbelastung radiologischer Thorax-Verfahren: Was ist Nichtradiologen bekannt?</a> In: RöFo: Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren, 2007, 179(3): 261-267.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_146" class="footnote">Dieser Faktor variiert in Abhängigkeit von den jeweiligen Aufnahmebereichen. Je nach eingesetztem Gerät sind hier bspw. bei CT-Brustraumaufnahmen bis zu 1.000-fach höhere Strahlenexpositionen gegeben. Auch eine Schädel-CT weist eine 100-fach höhere Effektivdosis auf.</li><li id="footnote_1_146" class="footnote">Brenner, David J.; Hall, Eric J.: Computed Tomography — An Increasing Source of Radiation Exposure, in: New England Journal of Medicine, 2007; 357: 2277-2284.</li><li id="footnote_2_146" class="footnote">vgl. Figure 2. &#8222;Estimated Number of CT Scans Performed Annually in the United States.&#8220; &#8211; Brenner/Hall, s. Studienlink.</li><li id="footnote_3_146" class="footnote">Dieser Wert kann auch noch übertroffen werden. Bei einer CT-Aufnahme des Brustraums fallen z.T. bis zu 10 mSv an.</li><li id="footnote_4_146" class="footnote">Ich selbst habe mich erst letztes Jahr in eine solche Röhre schieben lassen. Und auch meine WG-Mitbewohnerin, die als Juristin in einem Unternehmen arbeitet, das genau die Software für CTs liefert, wird bestätigen, daß ich die richtig verstandenen Möglichkeiten solcher Diagnosegeräte durchaus schätze.</li><li id="footnote_5_146" class="footnote">vgl. Heyer, C. M.; Peters, S.; Lemburg, S.; Nicolas, V.: Einschätzung der Strahlenbelastung radiologischer Thorax-Verfahren: Was ist Nichtradiologen bekannt? In: RöFo: Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren, 2007, 179(3):261-267.</li><li id="footnote_6_146" class="footnote">Sie stammten aus den Fachrichtungen Chirurgie, Innere Medizin, Anästhesie und Neurologie</li><li id="footnote_7_146" class="footnote">Soll einen die Information trösten oder erzürnen, daß weder die Berufserfahrung noch die Fachrichtung oder die Position der Befragten einen wesentlichen Einfluss auf die Testergebnisse zeigten? Vgl. Heyer, C. M.; Peters, S.; Lemburg, S.; Nicolas, V.: Einschätzung der Strahlenbelastung radiologischer Thorax-Verfahren: Was ist Nichtradiologen bekannt? In: RöFo: Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren, 2007, 179(3): 261-267.</li><li id="footnote_8_146" class="footnote">Der Hauptgrund für diese Zunahme liegt schlicht darin, daß es lange Zeit erforderlich war, still in der CT-Röhre zu verharren. Neuerdings konnte aber die Aufnahmedauer auf unter eine Minute gedrückt werden.</li><li id="footnote_9_146" class="footnote">&#8222;Overall utilization of radiological examinations in pregnant women increased by 121% over ten years with an increase in the patient population of only 7%. The greatest increases were in utilization of CT which also averaged the greatest overall radiation exposure to the fetus.&#8220; vgl. Lazarus, E. et. al. &#8222;<a href="http://rsna2007.rsna.org/rsna2007/v2007/conference/event_display.cfm?em_id=5001944" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Utilization of Radiological Examinations in Pregnant Women: A Ten Year Review–1997-2006</a>.&#8220;</li><li id="footnote_10_146" class="footnote">Und blieben betriebswirtschaftliche Kalküle außen vor</li><li id="footnote_11_146" class="footnote">Sie wird teilweise auch als Kernspintomographie bezeichnet.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/">Die unterschätzten Nebenfolgen der Computertomographie » CT-Aufnahmen als Krebsrisiko</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Einstein hätte geflucht » Bienensterben, Insektizid-Lobbyismus und die Ignoranz deutscher Behörden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 May 2008 16:22:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Risiko]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun ist es wieder soweit: dicke Schlagzeilen über rätselhaftes Bienensterben sorgen bei der morgendlichen Zeitungslektüre für Mißstimmung. Werden sich die Honigfreunde bald an steigende Preise gewöhnen müssen, wenn die Nektarproduzenten millionenfach dahingerafft werden? Aber kommen uns solche Meldungen nicht allzu bekannt vor? War nicht unlängst sogar von Bienen-AIDS die Rede? Und was ist schon der ... <a title="Einstein hätte geflucht » Bienensterben, Insektizid-Lobbyismus und die Ignoranz deutscher Behörden" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/" aria-label="Mehr Informationen über Einstein hätte geflucht » Bienensterben, Insektizid-Lobbyismus und die Ignoranz deutscher Behörden">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/">Einstein hätte geflucht » Bienensterben, Insektizid-Lobbyismus und die Ignoranz deutscher Behörden</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" style="border: 1px none #dcdcdc; margin-left: 7px; margin-right: 7px; float: right;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/05/Biene.jpg" alt="Biene, Quelle: Stock.xchng, User: robertt" width="200" height="163" /><strong>Nun ist es wieder soweit: dicke Schlagzeilen über rätselhaftes Bienensterben sorgen bei der morgendlichen Zeitungslektüre für Mißstimmung. Werden sich die Honigfreunde bald an steigende Preise gewöhnen müssen, wenn die Nektarproduzenten millionenfach dahingerafft werden?</strong></p>
<p>Aber kommen uns solche Meldungen nicht allzu bekannt vor? War nicht unlängst sogar von Bienen-AIDS die Rede? Und was ist schon der Verlust von 7000 Bienenvölkern, der derzeit von Imkern im Rheintal beklagt wird, wenn wir uns an die Horrormeldungen vom Vorjahr erinnern? Der aktuelle Fall ist sicher kein Grund zur Beunruhigung, aber wieder ein hochinteressantes Lehrstück über die Kollision wirtschaftlicher und ökologischer Interessen und die uneindeutig-unglückliche Rolle hiesiger Umwelt- und Risikoregulierungsinstanzen.</p>
<h4 class="pullquote_left">Im Rheintal beklagen Imker den Verlust tausender Bienenvölker</h4>
<p>Aber der Reihe nach: während vergangenes Jahr v.a. Imker aus den USA über den Verlust von bis zu 80% ihrer Bienenvölker berichtet haben, befindet sich das Zentrum des aktuellen Bienen-Massensterbens direkt vor unserer Haustür. Im Rheintal und vereinzelt auch in bayerischen Gegenden (etwa rund um Passau) sind in den letzten Wochen massenhaft tote Bienen vorgefunden worden.</p>
<p>Anders als in den USA, wo die Bienen 2007 einfach spurlos verschwanden und man dieses Phänomen auf den Namen &#8222;<a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Colony_Collapse_Disorder" target="_blank">Colony Collapse Disorder (CCD)</a>&#8220; taufte<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_0_290" id="identifier_0_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und &uuml;ber die Hintergr&uuml;nde besteht immer noch keine Klarheit. Denn die Bienenv&ouml;lker hatten ihre St&ouml;cke zur&uuml;ckgelassen, obwohl ihre Brut und Pollen dort eingelagert waren. In Frage kommen verschiedene Krankheitserreger, etwa die Varroa-Milbe, aber auch Pestizide und andere Umweltgifte. Experten gehen von einer multifaktoriellen Verursachung aus. Insofern k&ouml;nnte man den &bdquo;Bienenvolk-Kollaps&ldquo; auch als Stressymptom lesen.">1</a>, sind dieses Mal die &#8222;Opfer&#8220; immerhin verfügbar und können analysiert werden.</p>
<p><strong>Was steckt dahinter?</strong></p>
<p>Die möglichen Ursachen, die für das Kollabieren der Völker in Frage kommen, sind vielfältig: Bakterien, Viren, Pilze. Oder war es doch die berüchtigte <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Varroamilbe" target="_blank">Varroa-Milbe</a>, die einst aus Asien eingeschleppt wurde?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_1_290" id="identifier_1_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&Uuml;brigens waren es vermutlich deutsche Forscher (des Bieneninstituts Oberursel), die zu Untersuchungszwecken asiatische Bienen eingef&uuml;hrt hatten und die Milbe nach Europa brachten. W&auml;hrend asiatische Bienen allerdings die Sch&auml;den durch die Varroamilbe begrenzen k&ouml;nnen, haben ihre europ&auml;ischen Verwandten keinen geeigneten Mechanismus entwickelt, um mit diesem Parasiten umzugehen.">2</a> Der obligatorische Völkerverlust über den Winter hatte allerdings nur rund 10% betragen. Diese Verlustquote gilt als Standard.</p>
<p>Weshalb aber nun der massenhafte Exitus, der zudem regional begrenzt auftritt? Und wieso ausgerechnet Ende April? Nun könnte man es &#8211; rein hypothetisch &#8211; mit einer neuen Seuche zu tun haben, für die bislang niemand eine Erklärung hat, aber gleichzeitig auch niemand eine Verantwortung trägt.</p>
<p>Nach allem, was man heute über das jüngste Bienensterben in Baden-Württemberg weiß, ist aber genau das Gegenteil der Fall: denn erstens hat man &#8211; mit großer Wahrscheinlichkeit &#8211; die Ursache identifiziert und zweitens hätte man das alles durchaus vorher wissen können. Die große Frage ist nur: weshalb hat man Warnhinweise nicht rechtzeitig ernstgenommen, weshalb hat man die Erfahrungen aus anderen Ländern ignoriert?</p>
<p><strong>Konnte oder <em>wollte</em> man es nicht früher wissen?</strong></p>
<p>Zur Erklärung: in den Proben verendeter Bienen wurden Rückstände des Insektengifts <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Clothianidin" target="_blank">Clothianidin</a> gefunden. Clothianidin ist ein systemisch wirkendes Insektizid, das u.a. auch zur Behandlung von Saatgut eingesetzt wird. Und nachdem 2007 in Teilen Baden-Württembergs und Bayerns erstmals das Auftreten des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maiswurzelbohrer" target="_blank">Maiswurzelbohrers</a> festgestellt wurde, wurde dieses Jahr &#8222;gebeiztes&#8220; Mais-Saatgut ausgebracht. Nun muß man möglicherweise nur noch 1+1 zusammenzählen, wenn man weiß, daß das Bienensterben kurz nach Ausbringen der Maissaat begann, oder?</p>
<p>Am gestrigen Freitag war es dann auch soweit, daß das Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) in Berlin die Zulassung von allen Saatgut-Behandlungsmitteln, die diesen Wirkstoff enthalten, auf Eis legte. Die Stellungnahmen der Forscher des Julius-Kühn-Instituts in Braunschweig, die die Bienen untersucht hatten, waren eindeutig. Dabei war man sich offenbar bis dato recht sicher:</p>
<blockquote><p>&#8222;Weil es als Beizmittel eingesetzt und nicht großflächig versprüht wird, galt das Insektengift als unschädlich für Bienen.&#8220; [SZ, 16.5.2008]</p></blockquote>
<p>Nun ist man angeblich schlauer: bei der maschinellen Ausbringung des gebeizten Saatguts könne eine feine Clothianidin-Wolke entstehen, die auf benachbarte Wiesen und Blüten abdrifte und dort von den Bienen aufgenommen werde. So die vorläufige Erklärung.</p>
<h4 class="pullquote">Der Übeltäter steht fest: des Insektizid Clothiandin landete bei der Mais-Aussaat nicht nur im Boden, sondern auch in der Luft</h4>
<p>Aber kam das Bienensterben wirklich überraschend? Tatsache ist, daß Umweltverbände und hochrangige Imker seit Jahren das Verbot genau dieser Insektizide fordern.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_2_290" id="identifier_2_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Manfred Hederer, Pr&auml;sident des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbunds, beklagte: &bdquo;In allen 15 bisher untersuchten Proben verendeter Bienen ist Clothianidin gefunden worden.&ldquo; Schon im Juli 2006 hatte Hederer in einem Brief an das Bundesamt f&uuml;r Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit scharfe Kritik an der Zulassung des Pestizids ge&auml;u&szlig;ert und vorausgesagt, &bdquo;dass Clothianidin f&uuml;r unsere Bienen zu einer gro&szlig;en Gefahr werden wird&ldquo;. Quelle: Presseerkl&auml;rung des cbgnetwork">3</a> Clothianidin ist &#8211; seiner Bestimmung nach &#8211; ein hochtoxisches Fraß- und Kontaktgift und zählt ebenso, wie das Insektizid Imidacloprid zur Gruppe der  <span class="new">Neonicotinoide.</span></p>
<p><strong>Seit Jahren wird gewarnt</strong></p>
<p><span class="new">Sowohl Clothianidin (Handelsname &#8222;Poncho Pro&#8220;), als auch </span>Imidacloprid (erhältlich als &#8222;Goncho&#8220;) werden von Bayer CropScience hergestellt und vertrieben. Und sie gehören, wen wundert&#8217;s, zu deren Top-Produkten. Imidacloprid zählte 2004 mit einem Umsatz von mehr als einer halben Millarde Euro jährlich (!) zu den wichtigsten Bayer-Produkten, seit 2004 ist das Nachfolgeprodukt mit dem Wirkstoff Clothianidin am Markt positioniert.</p>
<h4 class="pullquote_left">Die Insektizide bringen Bayer CropScience fetten Umsatz. Und nun negative Schlagzeilen&#8230;</h4>
<p><strong>Hinweise aus Frankreich oder Italien interessierten nicht</strong></p>
<p>In Frankreich wurde interessanterweise bereits im Mai 2004 die Zulassung von Imidacloprid als Saatgutbeizmittel aufgehoben.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_3_290" id="identifier_3_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und ebenfalls 2004 forderte die franz&ouml;sische Umweltministerin Roselyne Bachelot die deutschen Beh&ouml;rden dazu auf, das Bayer-Insektizid &bdquo;Gaucho&ldquo; zu verbieten. Hintergrund: das staatliche Forschungsinstitut &bdquo;Comit&eacute; Scientifique et Technique&ldquo; hatte die Saatgutbehandlung als &bdquo;signifikantes Risiko f&uuml;r Bienen&ldquo; bezeichnet.">4</a> Und auch eine Warnung der    französischen Veterinärämter zu Frühjahrsbeginn 2008, interessierte die deutschen Behörden offensichtlich nicht: die Franzosen warnten ihre Imker    eindringlich, mit ihren Bienenvölkern die Gebiete, in welchen das Gift    eingesetzt werde, zu meiden.</p>
<p>Aber im BVL in Berlin scheint man nicht nur blind zu sein, was die Expertise der französischen Fachleute angeht. Auch für den Fall, daß aus Italien irritierende Stellungnahmen zu vernehmen sind, hat man offenbar Scheuklappen oder Ohrstöpsel bereitgelegt.</p>
<p>Denn das auffällige Bienensterben entlang des Rheins kam für Insider mit einer Vorankündigung: in Italien waren vor einigen Wochen ebenfalls massenhaft Völker gestorben. Ebenfalls im direkten Zusammenhang mit der Ausbringung von Mais-Saatgut<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_4_290" id="identifier_4_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Aussaat findet in Italien aber eben einige Wochen fr&uuml;her statt.">5</a> &#8211; und die italienischen Behörden hatten ebenfalls Clothianidin in den Bienen gefunden.</p>
<h4 class="pullquote">In Frankreich wurde die Zulassung zurückgezogen und erst vor wenigen Wochen fand in Italien ebenfalls ein Massensterben von Bienen statt &#8211; Ursache damals: Rückstände von Clothianidin</h4>
<p>Weshalb aber wartet man in Deutschland erstmal ab, bevor man hier die Zulassung aussetzt? Gab es eine Güterabwägung, ob man lieber ein Bienensterben in Kauf nehmen wollte oder die Ausbreitung des Maiswurzelbohrers bekämpfen? Oder war einfach die Lobbyarbeit und Beschwichtigung seitens Bayer CropScience so effektiv?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_5_290" id="identifier_5_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Befremdlich ist etwa, da&szlig; Bayer auf seiner Website eine Halbwertzeit von Clothianidin von 120 Tagen angibt &ndash; die US-Beh&ouml;rden gehen aber bspw. von ca. 3 Jahren aus. Ebenso seltsam mutet es allen Bienenkennern an, da&szlig; Bayer zum Nachweis der Unbedenklichkeit lediglich eine Studie &uuml;ber 3 Wochen durchf&uuml;hrte und das nicht zur Hauptbl&uuml;tezeit, sondern erst im sp&auml;teren Sommer. Die Imkerverb&auml;nde nennen weitere Indizien, wie sich Bayer u.a. Ausnahmeregelungen erstritten hat, um die Zulassung zu erhalten.">6</a></p>
<p>Wie gesagt: mit den Insektiziden verdient Bayer viel Geld. Allein mit den beiden nun ins Schußfeld geratenen Wirkstoffen kommt man derzeit ca. auf 800 Millionen Euro Umsatz.</p>
<p>Da kann man Warnhinweise durchaus einmal ignorieren. Erst recht, wenn die Kritik von Dauernörglern wie Greenpeace kommt<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_6_290" id="identifier_6_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wie mich Eric Zeissloff per Mail informiert, so waren die deutschen Imker-Spitzenverb&auml;nde auch lange Zeit zur&uuml;ckhaltend, was die Kritik anging. Hier scheint es innerhalb der Fachorganisation unterschiedliche Standpunkte gegeben zu haben. Nun haben freilich die Kritiker &ndash; Eric Zeissloff geh&ouml;rt dazu &ndash; Recht bekommen. Erg&auml;nzender Link: Zeissloff, E. (2003): Schadet Imidacloprid den Bienen?, in: beekeeping.com">7</a> &#8211; diese hatten übrigens Anfang Februar Clothianidin auf ihre &#8222;<a href="http://www.greenpeace.de/themen/chemie/nachrichten/artikel/die_schwarze_liste_der_pestizide/" target="_blank">Schwarze Liste der Pestizide</a>&#8220; gesetzt. Und dort steht es offensichtlich vollkommen zu Recht.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/#footnote_7_290" id="identifier_7_290" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zur Aufkl&auml;rung bzgl. der &Uuml;berschrift &ndash; gelegentlich wird Albert Einstein folgendes Zitat zugeschrieben: &raquo;Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr.&laquo; Belege f&uuml;r diesen Ausspruch liegen allerdings nicht vor, dennoch ist die These einigerma&szlig;en bedenkenswert.">8</a></p>
<div class="links_kurz">Weiterführende Artikel zum aktuellen Fall:</p>
<ul>
<li>Charisius, Hanno: <a href="http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/633/175109/" target="_blank">Tod im Maisfeld</a>, SZ, 16.5.2008</li>
<li>Jacobasch, Stefan: <a href="http://www.scienceblogs.de/mahlzeit/2008/05/honigsammler-unter-druck.php" target="_blank">Honigsammler unter Druck</a>, Mahlzeit-Blog, 15.5.2008</li>
</ul>
<p>Weitere Links:</p>
<ul>
<li>Greenpeace: <a href="http://www.greenpeace.de/themen/chemie/nachrichten/artikel/die_schwarze_liste_der_pestizide/" target="_blank">Die Schwarze Liste der Pestizide</a>, 7.2.2008</li>
<li>Schuh, Hans: <a href="http://www.zeit.de/2007/22/Bienen?page=all" target="_blank">Die Biene, das Geld und der Tod</a>, Die ZEIT, 24.5.2007</li>
<li>Steinberger, Petra: <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt5m3/wissen/artikel/352/105247/" target="_blank">Das spurlose Sterben</a>, Süddt. Zeitung, 12.03.2007</li>
</ul>
</div>
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<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
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<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Bienen">Bienen</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Bienensterben">Bienensterben</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_290" class="footnote">Und über die Hintergründe besteht immer noch keine Klarheit. Denn die Bienenvölker hatten ihre Stöcke zurückgelassen, obwohl ihre Brut und Pollen dort eingelagert waren. In Frage kommen verschiedene Krankheitserreger, etwa die Varroa-Milbe, aber auch Pestizide und andere Umweltgifte. Experten gehen von einer multifaktoriellen Verursachung aus. Insofern könnte man den &#8222;Bienenvolk-Kollaps&#8220; auch als Stressymptom lesen.</li><li id="footnote_1_290" class="footnote">Übrigens waren es vermutlich deutsche Forscher (des Bieneninstituts Oberursel), die zu Untersuchungszwecken asiatische Bienen eingeführt hatten und die Milbe nach Europa brachten. Während asiatische Bienen allerdings die Schäden durch die Varroamilbe begrenzen können, haben ihre europäischen Verwandten keinen geeigneten Mechanismus entwickelt, um mit diesem Parasiten umzugehen.</li><li id="footnote_2_290" class="footnote">Manfred Hederer, Präsident des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbunds, beklagte: &#8222;In allen 15 bisher untersuchten Proben verendeter Bienen ist Clothianidin gefunden worden.&#8220; Schon im Juli 2006 hatte Hederer in einem Brief an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit scharfe Kritik an der Zulassung des Pestizids geäußert und vorausgesagt, &#8222;dass Clothianidin für unsere Bienen zu einer großen Gefahr werden wird&#8220;. Quelle: <a href="http://www.cbgnetwork.org/2510.html" target="_blank">Presseerklärung des cbgnetwork</a></li><li id="footnote_3_290" class="footnote">Und ebenfalls 2004 forderte die französische Umweltministerin <span class="texteinf">Roselyne Bachelot die deutschen Behörden dazu auf, das Bayer-Insektizid &#8222;Gaucho&#8220; zu verbieten. Hintergrund: das staatliche Forschungsinstitut </span>&#8222;Comité Scientifique et Technique&#8220; hatte die Saatgutbehandlung als &#8222;signifikantes Risiko für Bienen&#8220; bezeichnet.</li><li id="footnote_4_290" class="footnote">Die Aussaat findet in Italien aber eben einige Wochen früher statt.</li><li id="footnote_5_290" class="footnote">Befremdlich ist etwa, daß Bayer auf seiner Website eine Halbwertzeit von Clothianidin von 120 Tagen angibt &#8211; die US-Behörden gehen aber bspw. von ca. 3 Jahren aus. Ebenso seltsam mutet es allen Bienenkennern an, daß Bayer zum Nachweis der Unbedenklichkeit lediglich eine Studie über 3 Wochen durchführte und das nicht zur Hauptblütezeit, sondern erst im späteren Sommer. Die Imkerverbände nennen weitere Indizien, wie sich Bayer u.a. Ausnahmeregelungen erstritten hat, um die Zulassung zu erhalten.</li><li id="footnote_6_290" class="footnote">Wie mich Eric Zeissloff per Mail informiert, so waren die deutschen Imker-Spitzenverbände auch lange Zeit zurückhaltend, was die Kritik anging. Hier scheint es innerhalb der Fachorganisation unterschiedliche Standpunkte gegeben zu haben. Nun haben freilich die Kritiker &#8211; Eric Zeissloff gehört dazu &#8211; Recht bekommen. Ergänzender Link: Zeissloff, E. (2003): <a href="http://www.beekeeping.com/artikel/imidacloprid_1.htm" target="_blank">Schadet Imidacloprid den Bienen?</a>, in: beekeeping.com</li><li id="footnote_7_290" class="footnote">Zur Aufklärung bzgl. der Überschrift &#8211; gelegentlich wird Albert Einstein folgendes Zitat zugeschrieben: »Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr.« Belege für diesen Ausspruch liegen allerdings nicht vor, dennoch ist die These einigermaßen bedenkenswert.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/einstein-haette-geflucht-bienensterben-insektizid-lobbyismus-und-die-ignoranz-deutscher-behoerden/">Einstein hätte geflucht » Bienensterben, Insektizid-Lobbyismus und die Ignoranz deutscher Behörden</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<item>
		<title>Behandlungsfehler, Komplikationen &#038; Infektionen » Die Risiken von Klinikaufenthalten &#124; Werkstattnotiz IIL</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Dec 2007 13:45:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Nebenwirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[Risiko]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn es gilt, der Großtante einen Krankenhausbesuch abzustatten, erzählt man kleinen Kindern für gewöhnlich, daß die Tante in der Klinik sei, damit sie wieder gesund werde. Das ist natürlich Sinn und Zweck der Übung, allerdings ist häufig auch genau das Gegenteil der Fall: Patienten werden erst im Krankenhaus richtig krank. Behandlungsfehler und mangelnde Hygiene sind ... <a title="Behandlungsfehler, Komplikationen &#038; Infektionen » Die Risiken von Klinikaufenthalten &#124; Werkstattnotiz IIL" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/behandlungsfehler-komplikationen-infektionen-die-risiken-von-klinikaufenthalten-werkstattnotiz-iil/" aria-label="Mehr Informationen über Behandlungsfehler, Komplikationen &#038; Infektionen » Die Risiken von Klinikaufenthalten &#124; Werkstattnotiz IIL">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/behandlungsfehler-komplikationen-infektionen-die-risiken-von-klinikaufenthalten-werkstattnotiz-iil/">Behandlungsfehler, Komplikationen &#038; Infektionen » Die Risiken von Klinikaufenthalten | Werkstattnotiz IIL</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn es gilt, der Großtante einen Krankenhausbesuch abzustatten, erzählt man kleinen Kindern für gewöhnlich, daß die Tante in der Klinik sei, damit sie wieder gesund werde. Das ist natürlich Sinn und Zweck der Übung, allerdings ist häufig auch genau das Gegenteil der Fall: Patienten werden erst im Krankenhaus richtig krank. Behandlungsfehler und mangelnde Hygiene sind die Hauptursache für diese unerwünschten Effekte. Eine aktuelle Studie der Universität York hat diese Risiken von Klinikaufenthalten nun näher unter die Lupe genommen.</strong></p>
<p>Auf den ersten Blick ist es natürlich überraschend, daß Krankenhäuser nicht nur ein Ort sind, an dem Krankheiten bekämpft werden, sondern gleichzeitig auch derjenige, an dem neue Krankheiten entstehen. Aber die unerwünschten Nebenfolgen des &quot;Systems Krankenhaus&quot; treffen Patienten, deren Gesundheitszustand ja eben geschwächt ist. Und insofern führen bspw. Infektionen häufig zu schwerwiegenden Komplikationen: der Klinikaufenthalt verlängert sich und in manchen Fällen führen sie auch zum Tod.&nbsp;</p>
<h4 class="pullquote_left"> Eine britische Studie zeigt: knapp 10% der Krankenhauspatienten sind von Komplikationen betroffen, die durch Behandlungsfehler oder (vermeidbare) Infektionen zustande kommen. <br /></h4>
<p>Die Ergebnisse einer englischen Studie<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/behandlungsfehler-komplikationen-infektionen-die-risiken-von-klinikaufenthalten-werkstattnotiz-iil/#footnote_0_157" id="identifier_0_157" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Sari, Ali Baba-Akbari; Sheldon, Trevor A. et. al. (2007): Extent, nature and consequences of adverse events: results of a retrospective casenote review in a large NHS hospital, in: Quality and Safety in Health Care, 2007;16:434&ndash;439">1</a> zeigen, daß fast jeder zehnte Patient Opfer von Behandlungskomplikationen wird, die in 30%-50% aller Fälle vermeidbar wären. Das Team um Trevor Sheldon von der Universität York hatte 1.006 Krankenakten eines Lehrkrankenhauses im Norden Englands per Zufallsstichprobe ausgewählt und analyisiert. In 110 Akten fanden sich Indizien für Schäden, die auf Behandlungsfehler oder Infektionen während des Klinikaufenthalts hindeuteten. </p>
<blockquote><p>In the light of the findings from this study and the previous UK study it is now clear that around 8–10% of patients in NHS hospitals may experience some kind of adverse events, of which between 30% and 55%are to some extent preventable.&nbsp;</p></blockquote>
<p>Am häufigsten stießen die Wissenschaftler auf OP-Komplikationen (19.9% aller Fälle) und Infektionen, die sich im Anschluß an Operationen ergaben (16.9%). Fast ebenso oft fanden sich Fälle von <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/11/risiken-nebenwirkungen-todesfaelle-medikamenten-und-pharmaskandale-des-jahres-2007-topliste-1-5/" target="_blank">Medikamentennebenwirkungen</a> (14.0%). Fehldiagnosen waren für 5.1% der Komplikationen verantwortlich und 8.8% gehen auf das Konto von Druckgeschwüren, die evtl. auf mangelhafte Pflege zurückzuführen sind. Und schließlich wurden weitere 14% von sog. Krankenhausinfektionen notiert, die besonders problematisch sind, da die Krankenhauskeime oftmals Multiresistenzen aufweisen und mit gängigen Antibiotika kaum mehr behandelbar sind.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/behandlungsfehler-komplikationen-infektionen-die-risiken-von-klinikaufenthalten-werkstattnotiz-iil/#footnote_1_157" id="identifier_1_157" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die sog. MRSA-Keime (multiresistenter Staphylokokkus Aureus) sind seit einigen Jahren ein Brennpunkt der Krankenhaushygiene. Die Ausbreitung dieser lebensgef&auml;hrlichen Erreger &ndash; in den USA starben 2006 ca. 19.000 Patienten an MRSA-Infektionen &ndash; stellt eine ernsthafte Bedrohung f&uuml;r die Patientengesundheit dar.">2</a> </p>
<h4 class="pullquote"> Die Folgen vermeidbarer Pannen: längere Klinikaufenthalte und Spätschäden. Und bei jedem zehnten betroffenen Patienten führen diese Krankenhauszwischenfälle zum Tod.<br /></h4>
<p>Der durchschnttliche Klinikaufenthalt verlängerte sich &#8211; so die Ergebnisse &#8211; um durchschnittlich 8 Tage durch diese Komplikationen. Etwa die Hälfte der Patienten war rund 4 Wochen nach dem unerwünschten Zwischenfall wieder vollständig gesund. Bei ca. 30% dauerte die Genesung bis zu einem Jahr. Rund 10% trug allerdings dauerhafte Schäden davon und bei ebenfalls ca. 10% der Patienten waren die Komplikationen für den Tod mitverantwortlich.</p>
<p><strong>Flüchtigkeitsfehler, Organisationspannen, mangelnde Hygiene: viele der Komplikationen wären vermeidbar</strong></p>
<p>Diese Folgen hätten aber, so die weitere Analyse der Forschergruppe, in etwa 30-50% aller Fälle vermieden werden können. Oftmals waren es Flüchtigkeitsfehler des Arzt- oder Pflegepersonals, womit man hier wieder die Frage nach den Dienst- und Arbeitszeiten stellen müßte. Und für die Infektionen ist, wie man aus anderen Studien weiß, oftmals der nachlässige Umgang mit Hygienevorschriften verantwortlich. </p>
<h4 class="pullquote"> Regelmäßiges Händewaschen und das Abschaffen der Arztkittel, die sich als wahre Dreckschleudern erwiesen haben, könnte einen großen Teil der Infektionen verhindern. <br /></h4>
<p>Es klingt banal, aber das bloße Händewaschen des Pflegepersonals könnte nach Expertenmeinung viele der problematischen Krankenhausinfektionen verhindern. Und inzwischen ist eine weitere Infektionsquelle identifiziert: der Arztkittel. Denn selbst wenn sie blütenweiß erscheinen &#8211; hygienisch rein sind die Arztkittel fast nie, denn die Mediziner waschen ihre Arbeitskleidung viel zu selten und sammeln während ihres Arbeitstages die verschiedensten Keime, die sie dann zuverlässig wieder verteilen. Experten weisen seit längerem darauf hin, daß der einzige Zweck des Kittels darin besteht, das Namenschild daran zu befestigen. In England werden die Kittel zum 1.1.2008 abgeschafft. </p>
<p>Die Ergebnisse der Studie von Trevor Sheldon und Kollegen deckt sich in weiten Teilen mit Untersuchungen aus anderen Ländern (in Australien kam man bei einer ähnlichen Analyse auf ca. 16% der Patienten, die zusätzliche Komplikationen durch Behandlungsfehler oder Infektionen erleiden). Für das deutsche Krankenhaussystem darf man wohl von ähnlichen Zahlen ausgehen. </p>
<p>Die Zahl der Todesfälle, die auf die oben angeführten Ereignisse zurückgeführt werden müssen, ist der englischen Studie zufolge allerdings deutlich höher als bisher oft zu lesen war.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/behandlungsfehler-komplikationen-infektionen-die-risiken-von-klinikaufenthalten-werkstattnotiz-iil/#footnote_2_157" id="identifier_2_157" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das &quot;Aktionsb&uuml;ndnis Patientensicherheit&quot; hatte im Fr&uuml;hjahr eine eigene Metaanalyse publiziert und war auf sch&auml;tzungsweise 0.1% Todesf&auml;lle gekommen. vgl. SZ-Artikel">3</a> Denn 8.7% aller Patienten (n=1.006) waren von Zwischenfällen betroffen, 10% (n=9) starben infolgedessen. Das hieße aber, daß knapp 1% aller Patienten infolge eines Klinikzwischenfalls verstirbt. Bislang war man &#8211; auch in Deutschland &#8211; davon ausgegangen, daß dieses Schicksal nur jeden Tausendsten Patienten trifft. Hier wären weitere Studien (mit größeren Fallzahlen) erforderlich, die klären, ob man letztlich als Sterberisiko infolge des Klinikaufenthalts nun die Wahrscheinlichkeit 1% oder 0.1% ansetzen muß.&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p>&nbsp;<br /><em>Links:</em></p>
<ul>
<li>Sari, Ali Baba-Akbari; Sheldon, Trevor A. et. al. (2007): Extent,nature and consequences of adverse events: results of a retrospective casenote review in a large NHS hospital, in: Quality and Safety in Health Care, 2007;16:434–439. [Download als <a href="http://press.psprings.co.uk/qshc/december/434_qc21154.pdf">PDF</a>] </li>
<li>Dt. Ärzteblatt: <a target="_blank" href="http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=30680">Häufige Behandlungskomplikationen in britischen Kliniken</a>, 4.12.2007</li>
<li>Hardenberg, Nina v.: <a target="_blank" href="http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/artikel/475/111364/">Tod in der Klinik</a>, Süddeutsche Zeitung, 25.4.2007</li>
<li>Bartens, Werner: <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt7l1/gesundheit/artikel/525/133277/" target="_blank">Dreckschleudern in Weiß</a>, Süddeutsche Zeitung, 18.9.2007</li>
</ul>
<p><em>Weitere Informationen:</em></p>
<ul>
<li>Website des &quot;<a target="_blank" href="http://www.aktionsbuendnis-patientensicherheit.de/">Aktionsbündnis Patientensicherheit</a>&quot;</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_157" class="footnote">vgl. Sari, Ali Baba-Akbari; Sheldon, Trevor A. et. al. (2007): Extent, nature and consequences of adverse events: results of a retrospective casenote review in a large NHS hospital, in: Quality and Safety in Health Care, 2007;16:434–439</li><li id="footnote_1_157" class="footnote">Die sog. <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Staphylococcus_aureus">MRSA-Keime</a> (multiresistenter Staphylokokkus Aureus) sind seit einigen Jahren ein Brennpunkt der Krankenhaushygiene. Die Ausbreitung dieser lebensgefährlichen Erreger &#8211; in den USA starben 2006 ca. 19.000 Patienten an MRSA-Infektionen &#8211; stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Patientengesundheit dar.</li><li id="footnote_2_157" class="footnote">Das &quot;Aktionsbündnis Patientensicherheit&quot; hatte im Frühjahr eine eigene Metaanalyse publiziert und war auf schätzungsweise 0.1% Todesfälle gekommen. vgl. SZ-Artikel</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/behandlungsfehler-komplikationen-infektionen-die-risiken-von-klinikaufenthalten-werkstattnotiz-iil/">Behandlungsfehler, Komplikationen &#038; Infektionen » Die Risiken von Klinikaufenthalten | Werkstattnotiz IIL</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Dec 2007 14:38:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Risiko]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gedankenspiel: Nach welchen Kriterien würden Sie Ihren Wohnort auswählen, wenn Sie innerhalb Deutschlands einen beliebigen Ort als künftiges Familiendomizil bestimmen könnten? &#8211; Möglicherweise würden Sie eher die großen, lebendigen Städte (Hamburg, Berlin, München&#8230;) wählen, wenn Sie Konzert-, Theater- oder Museenliebhaber sind. Oder vielleicht eine Kleinstadt in der Provinz, wo Sozialstruktur und Natur noch intakt sind ... <a title="Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/" aria-label="Mehr Informationen über Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/">Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Gedankenspiel:</strong> Nach welchen Kriterien würden Sie Ihren Wohnort auswählen, wenn Sie innerhalb Deutschlands einen beliebigen Ort als künftiges Familiendomizil bestimmen könnten? &#8211; Möglicherweise würden Sie eher die großen, lebendigen Städte (Hamburg, Berlin, München&#8230;) wählen, wenn Sie Konzert-, Theater- oder Museenliebhaber sind. Oder vielleicht eine Kleinstadt in der Provinz, wo Sozialstruktur und Natur noch intakt sind und es weniger hektisch zugeht? Oder sind Sie Wintersport- und Bergfreund und siedeln sich im Voralpenraum an? Oder präferieren Sie das Wasser und das Meer, dann käme natürlich nur irgendein norddeutsches Plätzchen in die engere Wahl.</em></p>
<p>Aber, Hand aufs Herz: hätten Sie vor der Entscheidung einen Blick auf eine Landkarte geworfen und nachgeprüft, in welcher Entfernung sich das nächste Kernkraftwerk befindet? Nein? Hätten Sie aber tun sollen, zumindest wenn Ihnen die Gesundheit Ihrer Kinder am Herzen liegt&#8230;</p>
<p><strong>Neue Studie zu Leukämiefällen im Umkreis von KKW-Anlagen</strong></p>
<p>Aber der Reihe nach: die Süddeutsche Zeitung <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/wissen/artikel/504/147161/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">berichtet heute</a> von einer aktuellen Studie der Universität Mainz,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_0_153" id="identifier_0_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Studie wurde im Auftrag des Bundesamtes f&uuml;r Strahlenschutz erstellt.">1</a> die für den Zeitraum von 1980 bis 2003 die Zahlen des <a href="http://www.kinderkrebsregister.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kinderkrebsregisters</a> ausgewertet hat. Nun besteht freilich auch nach dieser Studie kein Grund zur Hysterie,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_1_153" id="identifier_1_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Insofern ist meine einleitende Frage etwas zu pointiert bzw. die Aussage, da&szlig; verantwortliche Eltern nicht in die N&auml;he eines KKWs ziehen d&uuml;rften, etwas zu stark formuliert&hellip;">2</a> denn unmittelbare Kausalitäten können auch aus dieser Untersuchung nicht abgeleitet werden. Jedoch sind die Schlußfolgerungen, die die Mainzer Forscher ziehen, alarmierend und werfen (erneut!) viele Fragen auf &#8211; die SZ schreibt:</p>
<blockquote><p>Kleinkinder, die in der Nähe von Kernkraftwerken leben, erkranken offenbar häufiger an Krebs. Das geht aus einer Studie im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz hervor, die der &#8222;Süddeutschen Zeitung&#8220; vorliegt. Demnach steigt die Zahl krebskranker Kinder, je näher ihr Wohnort an einem der 16 deutschen Reaktorstandorte liegt. Dieser Zusammenhang sei &#8222;statistisch signifikant&#8220;. <em>[<a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/wissen/artikel/504/147161/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SZ</a>]</em></p></blockquote>
<p>Nun müßte ich lügen, wenn ich behaupten wollte, von dieser Information heute früh überrascht gewesen zu sein. Denn Indizien, daß v.a. die Kinder-Leukämierate in der Nähe vieler Kernkraftwerke erhöht ist, gab es schon viele. Und wenn sich am Montag die ersten Politiker oder auch die Chefs der Energieunternehmen zu Wort melden werden und dann beschwichtigend-ahnungslos etwas von einer angeblichen »Überraschung« in die Mikrofone murmeln, dann werde ich umgehend einen weiteren Artikel einstellen und diese Herrschaften als das bezeichnen, was sie sind: als »Heuchler« nämlich.</p>
<h4 class="pullquote_left">Die aktuelle Studie kann nicht überraschen: ähnliche Befunde und viele Indizien liegen seit 20 Jahren vor. Wollte oder konnte man nicht mehr wissen?</h4>
<p><strong>Die Heuchler und Risikoverneiner laufen sich vermutlich schon warm </strong></p>
<p>Denn wer sich nur ein klein wenig mit den potentiellen Risiken der zivilen Nutzung der Kernenergie auseinandersetzt, nur ein klein wenig die lange Geschichte der Stör- und Beinaheunfälle in den Kernkraftanlagen dieser Welt kennt, der wird niemals behaupten können, daß ihn ein solches Untersuchungsergebnis »überrascht«. Denn wie gesagt: die Verdachtsmomente und Einzelstudien, die zu ähnlichen Befunden kamen, liegen schon lange vor.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_2_153" id="identifier_2_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Freilich &ndash; und das ist die Crux an diesem Gesch&auml;ft &ndash; sind die Ergebnisse nur sehr selten eindeutig. Die Fallzahlen sind zu gering, die Streuung zu breit, als da&szlig; man daraus starke Schlu&szlig;folgerungen mit Sicherheit ableiten k&ouml;nnte.">3</a> Und wer zu Protokoll gibt, daß man das alles ja nicht habe wissen »können«, dem werde ich die Frage stellen, ob man es vielleicht gar nicht habe wissen »wollen«. Was ein kleiner aber wichtiger Unterschied wäre.</p>
<p>Die Mainzer Studie ist nach ersten Informationen endlich belastbar genug, daß man nun evtl. auch frühere Fälle neu aufrollen könnte. Freilich betonen die Wissenschaftler auch, daß es nach strahlenbiologischen Erkenntnissen keine Erklärungen für diese Häufung gebe.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_3_153" id="identifier_3_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Um dies nochmals klarzumachen: diese Argumentation grenzt an Naivit&auml;t &ndash; denn nur weil etwas bislang nicht erkl&auml;rbar ist, hei&szlig;t das noch lange nicht, da&szlig; diese Effekte nicht vorhanden sind.">4</a> Im Klartext heißt das freilich: diese dokumentierten Fälle »dürfte« es eigentlich nicht geben. Spannend wird also, wie man mit diesen irritierenden Befunden umgehen wird.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_4_153" id="identifier_4_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zu bef&uuml;rchten ist nat&uuml;rlich, da&szlig; man die Zahlen letztlich doch durch Zuf&auml;lle wegerkl&auml;rt.">5</a> Nach SZ-Angaben steht in der Studie aber auch:</p>
<blockquote><p>&#8222;Unsere Studie hat bestätigt, dass in Deutschland ein Zusammenhang zwischen der Nähe der Wohnung zum nächstgelegenen Kernkraftwerk zum Zeitpunkt der Diagnose und dem Risiko, vor dem fünften Geburtstag an Krebs (bzw. Leukämie) zu erkranken, beobachtet wird.&#8220; <em>[<a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/wissen/artikel/504/147161/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SZ</a>]</em></p></blockquote>
<p>Indizien genau dafür gab und gibt es schon lange. Erinnert sei nur an die langen Auseinandersetzungen um die auffällige Häufung von Leukämiefällen Ende der 80er Jahre im unmittelbaren Umfeld des KKW Krümmel.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_5_153" id="identifier_5_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Da wenige Kilometer entfernt auch noch das Forschungszentrum GKSS der Helmholtz-Gemeinschaft ist, wo ebenfalls mit radioaktiven Materialen gearbeitet wird, kam auch diese Quelle als Ursache in Frage.">6</a> Jahre später endlich setzte die schleswig-holsteinische Landesregierung eine Untersuchungskommission ein &#8211; und nach jahrelangen Gutachterstreits, politischen Einflußnahmen, Hysterievorwürfen und Polemiken gaben 6 von 9 Kommissionsmitgliedern entnervt auf. Die Landesregierung habe &#8211; so die Erklärung der Wissenschaftler &#8211; ihre Recherchen zum Teil massiv behindert. Und am Ende ging die Sache aus wie das Hornberger Schießen: ergebnislos.</p>
<p><strong>Die Kunst der Agnotologie: Mehr Studien, mehr Experten = mehr Unsicherheit</strong></p>
<h4 class="pullquote">Eine der bewährtesten Strategien, um Indizien zu verwischen und zu verschleiern: man gebe neue Gutachten in Auftrag. Und schon werden neue Eventualitäten entdeckt, die im Ergebnis alles nur noch fragwürdiger erscheinen lassen. Und wo es eben neue Fragen gibt, da bleibt am Ende alles offen…</h4>
<p>Ein Konsens konnte nicht hergestellt werden und andere Ursachen für die vielen Leukämietodesfälle in der direkt neben dem AKW liegenden Gemeinde Elbmarsch konnten niemals ausgeschlossen werden. Aber &#8211; so läuft die Sache in der Juristerei und in der Wissenschaft &#8211; wenn auch andere Ursachen in Betracht kommen, wenn auch andere potentielle Täter am Tatort nicht ausgeschlossen werden können, so kommt der Verdächtige wieder auf freien Fuß. Damals in Krümmel wurden die anderen »möglichen« Ursachen für die Todesfälle geradezu multipliziert:</p>
<blockquote><p>&#8222;Waren Viren Schuld an der Leukämie? Schadstoffe in der Elbe? Aerosole aus dem Fluss, die an der Staustufe aufgewirbelt werden? Chemikalien aus heute oder früher ansässigen Unternehmen? Oder Wegebaumaterial, Altlasten auf Kinderspielplätzen? Muttermilch, Kuhmilch, Pflanzenschutzmittel? Selbst einer Mäuseplage im Jahr 1989 wurde nachgegangen und der Frage, ob der Deich mit Schädlingsbekämpfungsmitteln begast wurde – wurde er nicht.&#8220; [<em>Quelle: <a href="http://images.zeit.de/text/2004/49/Geesthacht_49" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die ZEIT</a>, 25.11.2004</em>]</p></blockquote>
<p>Es geht hier nicht darum, die jeweiligen Landesregierungen der absichtlichen Verschleierung  solcher Technologienebenfolgen zu bezichtigen. Aber bevor man eben den Energiekonzernen (die ja auch sehr gute Steuerzahler sind) die Tür vor der Nase zuschlägt und gar eine Stillegung einzelner AKWs aus Risikoerwägungen in Betracht zieht, will man es eben ganz genau wissen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_6_153" id="identifier_6_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hier spielt nat&uuml;rlich auch eine Rolle, da&szlig; man im Ernstfall vor Entsch&auml;digungsklagen zur&uuml;ckschreckt; denn wenn sich irgendwann einmal erweisen lie&szlig;e, da&szlig; die Leuk&auml;mief&auml;lle nicht auf die AKWs, sondern auf andere Ursachen zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden m&uuml;&szlig;ten, st&uuml;nden die Stromkonzerne sofort auf der Matte.">7</a> Und da die kausalen Zusammenhänge eben nur sehr indirekt entschlüsselt werden können, Ursache und Wirkung nur über viele Zwischenschritte in Beziehung stehen, liegen wirkliche »Beweise« letzten Endes fast nie vor.</p>
<p><strong>Nicht-Wissen-Wollen: Wieso gibt es in Deutschland kein zentrales Krebsregister?</strong></p>
<p>Aber daß dem auch zukünftig so bleibt, daß also die potentiell kritischen Studien erst gar nicht so belastbar sind wie notwendig, daran wirkt die bundesdeutsche Politik stillschweigend schon lange mit. Denn auch heute im Jahr 2007 gibt es in Deutschland kein einheitliches Register, in dem alle Krebsfälle oder zumindest einzelne Tumorerkrankungen erfaßt würden. Daß man ansonsten weniger Scheu zeigt, bestimmte Daten zu erheben, ist bekannt &#8211; daran kann es nicht liegen. Bisweilen versteckt man sich hinter der Ausrede, daß eben die epidemiologische Krebsregistrierung in Landesgesetzen geregelt werde. Also ist der Föderalismus dafür verantwortlich, daß zwar im Saarland oder in Hamburg seit Ende der 60er Jahre solche Register geführt werden, in anderen Bundesländern aber bis heute nicht.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_7_153" id="identifier_7_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und wie bezeichnend ist es, da&szlig; es ausgerechnet in diesen einwohnerschw&auml;chsten Staaten diese Register seit 30 Jahren gibt? In Baden-W&uuml;rttemberg aber beginnt man gerade jetzt 2007 mit dem Aufbau solcher Institutionen. Die Zahlen Hamburgs k&ouml;nnte man sich n&auml;mlich (aufgrund der doch geringen Einwohnerzahl) getrost sparen.">8</a></p>
<h4 class="pullquote">Während es in vielen Ländern seit langem zentrale Krebsregister gibt, ist das kein Anliegen der Bundesregierung. Will man eventuell manche Dinge schlicht nicht wissen…?</h4>
<p>In anderen Ländern sind solche Krebsregister schon seit Jahrzehnten etabliert. Während meiner Mitarbeit an einer Studie zur Risikokommunikation für die EU (Projekt STARC)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_8_153" id="identifier_8_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Mehr Infos waren u.a. hier zu lesen.">9</a> erfuhr ich beiläufig, daß man etwa in Österreich oder der Tschechei über diesen deutschen Sonderweg nur den Kopf schüttelt. Und selbst das der Mainzer Studie zugrundeliegende Kinderkrebsregister basiert quasi auf einer Privatinitiative. Angesiedelt ist es am Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universität Mainz &#8211; ein Gesetz oder gar eine Meldeverpflichtung gibt es freilich nicht.</p>
<p>Es bleibt der Freiwilligkeit der Kinderärzte und Onkologen überlassen &#8211; wäre ja auch zuviel verlangt, wenn man hier die Kliniken oder die Krankenkassen in die Pflicht nähme, denn am Ende würde man ja möglicherweise aufgrund eines tatsächlich umfassenden, flächendeckenden Registers Zusammenhänge erkennen, von denen man lieber nichts gewußt hätte&#8230;</p>
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<p><em>Links: </em></p>
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<li>Bartens, Werner und Bauchmüller, Michael: <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/wissen/artikel/504/147161/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Krebsgefahr in der Nähe von Kernkraftwerken</a>, SZ, 8.12.2007</li>
<li>Christiane Grefe: <a href="http://images.zeit.de/text/2004/49/Geesthacht_49" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Spaltung</a>, Die ZEIT, 25.11.2004</li>
</ul>
<p><em>Liste der Standorte von Atomkraftwerken in der Bundesrepublik:</em></p>
<ul>
<li>Bundesamt für Strahlenschutz: <a href="http://www.bfs.de/de/kerntechnik/ereignisse/standorte/karte_kw.html/printversion" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kernkraftwerke in der BRD</a>, Stand: 20.4.2007</li>
</ul>
<p><em>Artikelserie der Wissenswerkstatt zur Risikokommunikation am Bsp. der Kernenergie:</em></p>
<ul>
<li>Marc Scheloske: <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/19/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I</a>, 19.7.2007</li>
</ul>
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<p><em>Empfehlenswerte Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Renn, Ortwin (2008): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1844072916?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1844072916">Risk Governance: Coping with Uncertainty in a Complex World</a> (Risk, Society and Policy), Earthscan Publications.</li>
<li>Beck, Ulrich (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518414259?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518414259">Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit</a>. Suhrkamp.</li>
<li>Gill, Bernhard (2003): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3531138383?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3531138383">Streitfall Natur</a>. Weltbilder in Technik- und Umweltkonflikten. VS-Verlag.</li>
</ul>
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<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_153" class="footnote">Die Studie wurde im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz erstellt.</li><li id="footnote_1_153" class="footnote">Insofern ist meine einleitende Frage etwas zu pointiert bzw. die Aussage, daß verantwortliche Eltern nicht in die Nähe eines KKWs ziehen dürften, etwas zu stark formuliert&#8230;</li><li id="footnote_2_153" class="footnote">Freilich &#8211; und das ist die Crux an diesem Geschäft &#8211; sind die Ergebnisse nur sehr selten eindeutig. Die Fallzahlen sind zu gering, die Streuung zu breit, als daß man daraus starke Schlußfolgerungen mit Sicherheit ableiten könnte.</li><li id="footnote_3_153" class="footnote">Um dies nochmals klarzumachen: diese Argumentation grenzt an Naivität &#8211; denn nur weil etwas bislang nicht erklärbar ist, heißt das noch lange nicht, daß diese Effekte nicht vorhanden sind.</li><li id="footnote_4_153" class="footnote">Zu befürchten ist natürlich, daß man die Zahlen letztlich doch durch Zufälle wegerklärt.</li><li id="footnote_5_153" class="footnote">Da wenige Kilometer entfernt auch noch das Forschungszentrum GKSS der Helmholtz-Gemeinschaft ist, wo ebenfalls mit radioaktiven Materialen gearbeitet wird, kam auch diese Quelle als Ursache in Frage.</li><li id="footnote_6_153" class="footnote">Hier spielt natürlich auch eine Rolle, daß man im Ernstfall vor Entschädigungsklagen zurückschreckt; denn wenn sich irgendwann einmal erweisen ließe, daß die Leukämiefälle nicht auf die AKWs, sondern auf andere Ursachen zurückgeführt werden müßten, stünden die Stromkonzerne sofort auf der Matte.</li><li id="footnote_7_153" class="footnote">Und wie bezeichnend ist es, daß es ausgerechnet in diesen einwohnerschwächsten Staaten diese Register seit 30 Jahren gibt? In Baden-Württemberg aber beginnt man gerade jetzt 2007 mit dem Aufbau solcher Institutionen. Die Zahlen Hamburgs könnte man sich nämlich (aufgrund der doch geringen Einwohnerzahl) getrost sparen.</li><li id="footnote_8_153" class="footnote">Mehr Infos waren u.a. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/19/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> zu lesen.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/">Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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