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	<title>Qualitätsstandards Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation </description>
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	<title>Qualitätsstandards Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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		<title>Machen Süßstoffe dick? » Wenn mit dicken Schlagzeilen fragwürdige Erkenntnisse verkauft werden &#124; Werkstattnotiz LXIII</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Feb 2008 20:26:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Qualitätsstandards]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftsjournalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Liest man die Ratschläge von Medizinern und Ernährungsexperten, so ist die Ernährung selbst zu einer Wissenschaft geworden. Wer seinen Body-Mass-Index nicht im Schlaf aufsagen kann, ist entweder furchtbar schlecht im Kopfrechnen oder ihm ist seine Gesundheit vollkommen gleichgültig. Aber möglicherweise lebte man deutlich gesünder und entspannter, wenn man all die Ernährungstipps einfach ignorieren und stattdessen ... <a title="Machen Süßstoffe dick? » Wenn mit dicken Schlagzeilen fragwürdige Erkenntnisse verkauft werden &#124; Werkstattnotiz LXIII" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/machen-suessstoffe-dick-wenn-mit-dicken-schlagzeilen-fragwuerdige-erkenntnisse-verkauft-werden-werkstattnotiz-lxiii/" aria-label="Mehr Informationen über Machen Süßstoffe dick? » Wenn mit dicken Schlagzeilen fragwürdige Erkenntnisse verkauft werden &#124; Werkstattnotiz LXIII">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/machen-suessstoffe-dick-wenn-mit-dicken-schlagzeilen-fragwuerdige-erkenntnisse-verkauft-werden-werkstattnotiz-lxiii/">Machen Süßstoffe dick? » Wenn mit dicken Schlagzeilen fragwürdige Erkenntnisse verkauft werden | Werkstattnotiz LXIII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img decoding="async" style="border: 1px solid #696969; margin: 8px; padding: 1px;" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/02/Zucker_01b.jpg" alt="Zucker_01b.jpg" width="171" height="260" align="right" />Liest man die Ratschläge von Medizinern und Ernährungsexperten, so ist die Ernährung selbst zu einer Wissenschaft geworden. Wer seinen Body-Mass-Index nicht im Schlaf aufsagen kann, ist entweder furchtbar schlecht im Kopfrechnen oder ihm ist seine Gesundheit vollkommen gleichgültig. Aber möglicherweise lebte man deutlich gesünder und entspannter, wenn man all die Ernährungstipps einfach ignorieren und stattdessen genau das essen würde, worauf man gerade Lust hat? </strong></p>
<p>Und es gäbe zweifellos einen weiteren Vorteil, wenn man die einschlägigen Nachrichten zu neuesten Erkenntnissen in Sachen Ernährung und Gesundheit einfach überblättern würde: man müßte sich nicht über Meldungen ärgern, die mit dicken Schlagzeilen über den dünnen Informationswert der Meldung hinwegtäuschen. Ein wunderbares Beispiel hierfür sind die heutigen Artikel zu einer aktuellen Süßstoff-Fütterungsstudie an Ratten &#8211; ihr Tenor: Süßstoff macht dick. Dabei sind die Indizien für diese Behauptung mehr als bescheiden&#8230;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/machen-suessstoffe-dick-wenn-mit-dicken-schlagzeilen-fragwuerdige-erkenntnisse-verkauft-werden-werkstattnotiz-lxiii/#footnote_0_192" id="identifier_0_192" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das Photo stammt &uuml;brigens von stockxchng (User:lusi) ">1</a></p>
<h4 class="pullquote_left">Essen Sie was Sie wollen, aber sparen Sie sich die Ernährungs- und Medizinberichte der Onlineportale. Zum Recherchieren sind die dortigen Redakteure offenbar zu beschäftigt&#8230;</h4>
<p><strong>Bequemlichkeit statt Recherche</strong></p>
<p>Im Prinzip bin ich ja manchmal schon froh, wenn die verehrten Kollegen des Wissenschaftsjournalismus wenigstens die halbe Wahrheit schreiben. Dennoch stellt sich die Frage, weshalb die Redakteure tagtäglich Agenturmeldungen vollkommen unkritisch abtippen. Wobei: wenn die Pressemitteilungen wenigstens abgetippt würden, dann dämmerte es dem einen oder anderen Redakteur womöglich, daß die Geschichte, die er gerade &#8222;<em>schreibt</em>&#8220; noch etwas tiefgehender recherchiert werden müßte. Aber, da man ja mit &#8222;Copy&amp;Paste&#8220; viel schneller am Ziel ist, wird selten überlegt und häufig jede Menge Informationsverwirrung gestiftet.</p>
<p>So wie im aktuellen Fall: denn heute liest man quer durch die verdächtigen Magazine die Meldung, daß &#8222;Süßstoffe dick machen&#8220;. SpiegelOnline vermeldet &#8222;<a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,534417,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ernährung: Süßstoffe machen dick</a>&#8220; und bei Focus lautet die Überschrift: &#8222;<a href="http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/news/saccharin_aid_237181.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Süßstoff macht doch dick</a>&#8222;. Kein Wunder, daß die Fachblätter &#8222;Men&#8217;s Health&#8220; (&#8222;<a href="http://www.menshealth.de/men-s-diet/diaet-abnehmen/dickmacher-suessstoff.85981.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dickmacher Süßstoff</a>&#8222;)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/machen-suessstoffe-dick-wenn-mit-dicken-schlagzeilen-fragwuerdige-erkenntnisse-verkauft-werden-werkstattnotiz-lxiii/#footnote_1_192" id="identifier_1_192" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Bei Men&rsquo;s Health erf&auml;hrt man fett gedruckt &bdquo;Lange Zeit vermutet, jetzt best&auml;tigt: Der s&uuml;&szlig;e Ersatzstoff f&uuml;r Zucker l&auml;sst die Fettpolster wachsen.&ldquo;">2</a> und &#8222;fit for fun&#8220; (&#8222;<a href="http://www.fitforfun.de/ernaehrung/abnehmen/saccharin-und-co-_aid_5245.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Süßstoffe machen dick</a>&#8222;) auch auf den Zug aufspringen. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/machen-suessstoffe-dick-wenn-mit-dicken-schlagzeilen-fragwuerdige-erkenntnisse-verkauft-werden-werkstattnotiz-lxiii/#footnote_2_192" id="identifier_2_192" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und nat&uuml;rlich ist diese Meldung auch Thema in einigen Blogs&hellip; so z.B. hier, hier und in einem &bdquo;Gesundheitsblog&bdquo;.">3</a></p>
<p>Und der interessierte Leser erfährt fast überall gleichlautend:</p>
<blockquote><p><strong>&#8222;Wer schlank sein möchte, will Kalorien einsparen. Wenn man zu Süßstoffen greift, passiert jedoch genau das Gegenteil: Der Körper wird durch die kalorienlose Süße so verwirrt, dass er sogar noch an Gewicht zulegt.&#8220;</strong> <em>(So der Einstieg bei SpOn)</em></p></blockquote>
<p>Hört sich das nicht alles nach einer eindeutigen Angelegenheit an? Wenn es so einfach nur wäre&#8230;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/machen-suessstoffe-dick-wenn-mit-dicken-schlagzeilen-fragwuerdige-erkenntnisse-verkauft-werden-werkstattnotiz-lxiii/#footnote_3_192" id="identifier_3_192" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&Uuml;brigens: mir geht es nicht darum, ob die Erkl&auml;rung f&uuml;r die negativen Effekte der S&uuml;&szlig;stoffe plausibel sind. Ich halte sie n&auml;mlich tats&auml;chlich f&uuml;r bedenkenswert. Es geht nur darum, da&szlig; etwas als wissenschaftliche Erkenntnis &bdquo;verkauft&ldquo; wird, was mehr als umstritten ist.">4</a></p>
<p>Zwar lassen sich die Studien-Ergebnisse von Susan Swithers und Terry Davidson von der Purdue-Universität durchaus in diese Richtung deuten, aber als tatsächlicher &#8222;Beleg&#8220; für die Aussage, daß Süßstoff dick macht, taugen diese Ergebnisse beim besten Willen nicht. Denn anstatt sich die marktschreierische Überschrift &#8222;Süßstoff macht dick&#8220; auszudenken, hätte man sich doch bitte ein wenig mehr bemühen können, um die Leser und Verbraucher angemessener zu informieren.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/machen-suessstoffe-dick-wenn-mit-dicken-schlagzeilen-fragwuerdige-erkenntnisse-verkauft-werden-werkstattnotiz-lxiii/#footnote_4_192" id="identifier_4_192" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hinweis: Ich bin &uuml;berhaupt kein Freund von Light-Produkten und S&uuml;&szlig;stoffen. Aber man sollte dennoch mit triftigen Argumenten hantieren und nicht solche Schnellsch&uuml;sse produzieren.">5</a></p>
<p>Aber zu einer vollständigen Information hätten zumindest folgende (Zusatz-)Informationen gehört:</p>
<ol>
<li>Zuerst hätte man an prominenter Stelle darauf verweisen müssen, daß es sich um eine Fütterungsstudie an Ratten (!) handelte. (Diese Info findet sich bei den Artikeln fast immer irgendwo im hinteren Teil. Die eiligen Leser, die nur die ersten Absätze zur Kenntnis nehmen, erfahren davon nichts&#8230;) Es ist aber bekannt, daß man nicht ohne weiteres von Nagern auf Menschen rückfolgern darf.</li>
<li>Zweitens ist es (aus methodischer Sicht) bedenklich und erwähnenswert, daß die Studie an gerade mal 27 Ratten durchgeführt wurde. Auch diese geringe Zahl der &#8222;Probanden&#8220; stützt nicht unbedingt die Glaubwürdigkeit.</li>
<li>Drittens: in der Studie wurde eine Hälfte der Ratten mit Joghurt gefüttert, der mit Zucker gesüßt war. Die andere Hälfte bekam Joghurt, der mit dem Süßstoff Saccharin versetzt wurde. Es gibt aber auch andere Süßstoffe (z.B. Aspartam, Acesulfam oder Cyclamat) Die Ergebnisse können also auch hier nicht ohne weiteres verallgemeinert werden.</li>
<li>Am unverständlichsten ist aber die Tatsache, daß die heutige Meldung so dargestellt wird, als sei damit die negative Wirkung von Süßstoffen zweifelsfrei belegt. Das ist aber überhaupt nicht der Fall! Die Rattenstudie steht nämlich im Widerspruch zu vielen anderen Studien, die durchaus eine hilfreiche Wirkung von Süßstoffen bei der Gewichtskontrolle belegt haben!</li>
</ol>
<p>Warum wird in keinem der heutigen Artikel auch nur mit einer Silbe darauf eingegangen, daß die Studie von Swithers und Davidson keineswegs im Einklang mit anderen Befunden steht? Mag oder kann man sich nicht erinnern, daß man in den letzten Monaten genau die anderslautenden Meldungen geschrieben hatte? Hat man so ein schlechtes Gedächtnis?</p>
<p><strong>Desinformation und Kurzzeitgedächtnis</strong></p>
<p>Dabei gibt es jede Menge Studien, die sich eben gar nicht mit der heute propagierten These vertragen: Das beginnt mit einer Studie, die 160 Frauen verschiedenen Alters über zwei Jahre hinweg beobachtete und günstige Effekte der kalorienreduzierten Diat ergab.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/machen-suessstoffe-dick-wenn-mit-dicken-schlagzeilen-fragwuerdige-erkenntnisse-verkauft-werden-werkstattnotiz-lxiii/#footnote_5_192" id="identifier_5_192" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Blackburn, G. L., et. al. The effect of aspartame as part of a multidisciplinary weight-control program on short- and long-term control of body weight. American Journal of Clinical Nutrition. 1997. Vol. 65. 409-418.) ">6</a> Und es endet mit einer Metastudie aus dem letzten Jahr, in der Adam Drewnowski von der University of Washington und France Bellisle von der Universität Paris gleich eine ganze Vielzahl von verschiedenen Studien ausgewertet und verglichen hatten: und Drewnowski und Bellisle kamen zum Ergebnis, daß kalorienreduzierte Süßungsstoffe sehr wohl geeignet sind, um das Körpergewicht zu kontrollieren oder zu reduzieren.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/machen-suessstoffe-dick-wenn-mit-dicken-schlagzeilen-fragwuerdige-erkenntnisse-verkauft-werden-werkstattnotiz-lxiii/#footnote_6_192" id="identifier_6_192" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Bellisle, F. and Drewnowski, A. (2007). Intense sweeteners, energy intake and the control of body weight. European Journal of Clinical Nutrition. 61, 691-700. (Abstract verf&uuml;gbar unter: http://www.nature.com/ejcn/journal/v61/n6/abs/1602649a.html) ">7</a></p>
<h4 class="pullquote">Die These &#8222;Süßstoffe machen dick&#8220; steht im Widerspruch zu zahlreichen wissenschaftlichen Studien. Die Wissenschaftsredaktionen halten das nicht für erwähnenswert.</h4>
<p>Fest steht also nur, daß die aktuelle Studie einige Fragen aufwirft. Die Süßstoffe kurzerhand als Buhmann auszurufen, ist aber vollkommen verfehlt und wirft allein ein schlechtes Licht auf die Profession der Agenturmeldungsnachplapperer. Anscheinend zählt ausgewogene Berichterstattung nicht viel, knackige Schlagzeilen aber umso mehr. Denn klar &#8211; wenn man seriös und gewissenhaft arbeiten würde, dann hätte man maximal so formulieren können:<br />
<em><br />
&#8222;Nahrungsmittel mit dem künstlichen Süßstoff Saccharin können möglicherweise zu einer Gewichtszunahme führen, wenn man die Ergebnisse einer Studie, die an Ratten durchgeführt wurde, auf den Menschen überträgt. Diese Studienbefunde stehen allerdings im Widerspruch zu anderen Forschungsergebnissen.&#8220;</em></p>
<p>Aber das liest sich ja nicht mehr so toll wie die Meldung, die man in Wahrheit lesen durfte&#8230;</p>
<p>Wirklich irritiert bin ich aber v.a. vom schlechten Gedächtnis der Redakteure. Denn wie kann man einfach so eine Meldung raushauen, ohne sich selbst darüber zu wundern, daß man vor kurzem noch genau das Gegenteil schrieb? Denn bspw. bei Focus <a href="http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/news/zuckerersatz_aid_134252.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">las man</a> am 28. September 2007 noch folgendes:</p>
<blockquote><p><strong>Süßstoffe regen den Appetit nicht an</strong></p>
<p>&#8222;Süßstoffe sind nicht gefährlich, sondern für Personen, die abnehmen oder Übergewicht vermeiden möchten, im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung eine sinnvolle Alternative zu Zucker“, sagt Isabelle Keller. Außerdem haben die Ersatzstoffe gegenüber Zucker oder Honig noch einen Vorteil: Sie verursachen keine Karies.</p></blockquote>
<p>Seltsam, daß man offenbar nicht mal die eigenen Texte zum selben Thema parat hat&#8230;</p>
<p>Mein Rat: lesen Sie die Meldungen von Focus, Stern, Spiegel und Co. besser nicht. Lesen Sie lieber Blogs. Und kochen Sie mal wieder was Vernünftiges. Ob mit oder ohne Süßstoff, sei Ihnen überlassen. Wobei: wenn sie den Einkaufsweg zu Fuß oder per Rad zurücklegen, dann können sie sich das kolorienreduzierte Zeugs auch sparen. ;-)</p>
<p><em> </em></p>
<p><em>[Update: 12.02.2008 | 0:55 Uhr]</em></p>
<p>Drüben im <a href="http://www.scienceblogs.de/mahlzeit/2008/02/sussstoffstudien.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mahlzeit-Blog</a> von Stefan Jacobasch wird die verworrene Süßstoffgeschichte nun auch auseinandergepflückt. Und Stefan weist darauf hin, daß (was kaum verwunderlich ist) in diesem Zusammenhang manche Autoren und Studien mit großer Vorsicht zu genießen sind. Denn: manche Studien werden direkt oder indirekt von der Lebensmittel- oder Süßstoffindustrie finanziert.</p>
<p>Außerden verweist Stefan auf einen Artikel der Los Angeles Times zu der Sache. Und dieser Artikel könnte den hiesigen Redakteuren wunderbar als Anschauungsmaterial dafür dienen, wie es richtig geht. Schon allein die Überschrift des empfehlenswerten Artikels: &#8222;<a href="http://www.latimes.com/news/nationworld/nation/la-sci-dietsoda11feb11,1,4931613.story?ctrack=1&amp;cset=true" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Saccharin may lead to weight gain</a>&#8220; &#8211; Na also! Erstens steht da der Name des betreffenden Süßstoffs, zweitens signalisiert das unscheinbare &#8222;may&#8220;, daß ganz offensichtlich noch einige Fragen offen sind. So wünsche ich mir das. ;-)</p>
<p><em>[Update: 18.2.2008 | 21Uhr]</em></p>
<p>Nun hat sich übrigens auch die FAZ des Themas bzw. der fraglichen Studie angenommen. Und &#8211; hier großes Lob an die Kollegen &#8211; es wurde immerhin recherchiert. Kein Wunder also, daß Magnus Heier in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung auf dasselbe Ergebnis kommt, wie es hier schon in der Wissenswerkstattfünf Tage fürher zu lesen war: die Süßstoff-Frage ist immer noch offen.</p>
<p>Heiers Text ist lesenswert, hat er doch einige Experten um O-Töne gebeten. Und kaum verwunderlich, daß hier widersprüchliche Infos zu hören sind. Aber (wie ich oben ja auch reklamiert habe) Magnus Heier kommt zum Schluß:</p>
<blockquote><p>Bleibt also die Frage offen, ob Süßstoffe &#8211; von Aspartam bis Saccharin &#8211; nun schlank machen oder dick. &#8222;Vermutlich ist schon die Frage falsch&#8220;, sagt Axel Preuß. &#8222;In der Ernährungsforschung sind pauschale Aussagen, die für alle Menschen gleichermaßen gelten, schlicht Unsinn.&#8220; Seltsam, dass dann ausgerechnet 27 Ratten eine klare Antwort geben sollen.</p></blockquote>
<ul>
<li>Heier, Magnus: <a href="http://www.faz.net/s/Rub268AB64801534CF288DF93BB89F2D797/Doc~E3C6510B329A8462C95882918D0666084~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das süße Rätsel</a>. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.02.2008, Nr. 7 / Seite 62</li>
</ul>
<hr size="1" />
<p><em><strong>Leseempfehlungen:</strong></em></p>
<ul>
<li>Im Fischblog von Lars Fischer bekommen Sie auch die Gegenargumente zu den Agenturmeldungen präsentiert. In den letzten Tagen beleuchtete Lars bspw. die These von der lebensverlängernden Wirkung des Olivenöls bzw. der vielgepriesenen Mittelmeerdiät und eine neue Studie, die offenbar Indizien liefern sollte, daß Olivenöl doch ungesünder sei als gedacht&#8230; [Details: <a href="http://fisch-blog.blog.de/2008/01/23/olivenol_jetzt_doch_ungesund~3623261" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> und <a href="http://fisch-blog.blog.de/2008/02/07/noch_mal_olivenol_seufz~3695341" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>].</li>
</ul>
<p>Anstatt Light-Produkte zu konsumieren, kochen Sie doch einfach was leckeres. In den Kochbüchern der Basic-Cooking-Serie finden sich jede Menge guter Rezepte:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3833808357?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3833808357">Indien Basics</a>. Alles, was ein Küchenguru braucht &#8211; von Ayurveda bis Bollywood</li>
<li><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3833800771?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3833800771">Fish Basics</a>. Alles, was schwimmt und was man damit machen kann</li>
<li><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3774287953?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3774287953">Vegetarian Basics.</a> Alles, was man braucht zum Glück &#8211; außer Fisch und Fleisch</li>
</ul>
<p>Und allen Wissenschaftsredakteuren seien immer noch folgende Bücher empfohlen:</p>
<ul>
<li>Kienzlen, Grit; Lublinski, Jan; Stollorz, Volker (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3867640122?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3867640122">Fakt, Fiktion, Fälschung. Trends im Wissenschaftsjournalismus</a>. UvK-Verlag.</li>
<li>Beck, Klaus; Schweiger, Wolfgang; Wirth, Werner (2004): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3889273513?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3889273513">Gute Seiten &#8211; schlechte Seiten. Qualität in der Onlinekommunikation</a>, Reinhard Fischer-Verlag.</li>
<li>Bucher, Hans-Jürgen &amp; Altmeppen, Klaus-Dieter (2003): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3531137905?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3531137905">Qualität im Journalismus. Grundlagen &#8211; Dimensionen &#8211; Praxismodelle</a>. VS-Verlag.</li>
</ul>
<p><strong><em>Studien:</em></strong></p>
<ul>
<li>S.E. Swithers, T.L. Davidson (2008): A Role for Sweet Taste: Calorie Predictive Relations in Energy Regulation by Rats, in: Behavioral Neuroscience, Volume 122, Number 1, doi: 10.1037/0735-7044.00.0.000</li>
<li>Bellisle, F. and Drewnowski, A. (2007). Intense sweeteners, energy intake and the control of body weight. in: European Journal of Clinical Nutrition. 61, 691-700. (Available at: http://www.nature.com/ejcn/journal/v61/n6/abs/1602649a.html)</li>
<li>Blackburn, G. L., et. al. (1997): The effect of aspartame as part of a multidisciplinary weight-control program on short- and long-term control of body weight. in: American Journal of Clinical Nutrition. 1997. Vol. 65. 409-418.</li>
</ul>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_192" class="footnote">Das Photo stammt übrigens von stockxchng (User:lusi) </li><li id="footnote_1_192" class="footnote">Bei Men&#8217;s Health erfährt man fett gedruckt &#8222;Lange Zeit vermutet, jetzt bestätigt: Der süße Ersatzstoff für Zucker lässt die Fettpolster wachsen.&#8220;</li><li id="footnote_2_192" class="footnote">Und natürlich ist diese Meldung auch Thema in einigen Blogs&#8230; so z.B. <a href="http://www.diewespe.de/sueszstoff-macht-dick-irrefuehrende-werbung.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>, <a href="http://littlebinbigf.wordpress.com/2008/02/11/gelangweiltes-insulin/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> und in einem &#8222;<a href="http://www.gesundheits-weblog.de/50226711/vorsicht_ratten_saastoff_macht_dick.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gesundheitsblog</a>&#8222;.</li><li id="footnote_3_192" class="footnote">Übrigens: mir geht es nicht darum, ob die Erklärung für die negativen Effekte der Süßstoffe plausibel sind. Ich halte sie nämlich tatsächlich für bedenkenswert. Es geht nur darum, daß etwas als wissenschaftliche Erkenntnis &#8222;verkauft&#8220; wird, was mehr als umstritten ist.</li><li id="footnote_4_192" class="footnote">Hinweis: Ich bin überhaupt kein Freund von Light-Produkten und Süßstoffen. Aber man sollte dennoch mit triftigen Argumenten hantieren und nicht solche Schnellschüsse produzieren.</li><li id="footnote_5_192" class="footnote">vgl. Blackburn, G. L., et. al. The effect of aspartame as part of a multidisciplinary weight-control program on short- and long-term control of body weight. American Journal of Clinical Nutrition. 1997. Vol. 65. 409-418.) </li><li id="footnote_6_192" class="footnote">Bellisle, F. and Drewnowski, A. (2007). Intense sweeteners, energy intake and the control of body weight. European Journal of Clinical Nutrition. 61, 691-700. (Abstract verfügbar unter: http://www.nature.com/ejcn/journal/v61/n6/abs/1602649a.html) </li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/machen-suessstoffe-dick-wenn-mit-dicken-schlagzeilen-fragwuerdige-erkenntnisse-verkauft-werden-werkstattnotiz-lxiii/">Machen Süßstoffe dick? » Wenn mit dicken Schlagzeilen fragwürdige Erkenntnisse verkauft werden | Werkstattnotiz LXIII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wir schreiben uns die Welt, wie sie uns gefällt » Fehlerkultur, Fehlerkorrektur, Fehlerquadratur? » Totengräber des Journalismus</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/wir-schreiben-uns-die-welt-wie-sie-uns-gefaellt-fehlerkultur-fehlerkorrektur-fehlerquadratur-totengraeber-des-journalismus/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/wir-schreiben-uns-die-welt-wie-sie-uns-gefaellt-fehlerkultur-fehlerkorrektur-fehlerquadratur-totengraeber-des-journalismus/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Mar 2008 17:55:24 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Qualitätsstandards]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/18/wir-schreiben-uns-die-welt-wie-sie-uns-gefaellt-fehlerkultur-fehlerkorrektur-fehlerquadratur-totengraeber-des-journalismus/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ältere Zeitgenossen berichten gelegentlich von Zeiten, in denen journalistische Standards in Ehren gehalten wurden. Und &#8211; man mag es kaum glauben &#8211; es gab sogar so etwas wie ein &#34;journalistisches Berufsethos&#34;. Das muß lange, lange her sein. Viele der heutigen Journalisten wissen vermutlich nicht einmal mehr, wie man den Begriff &#34;Berufsethos&#34; schreibt&#8230; Daß unter Zeitdruck, ... <a title="Wir schreiben uns die Welt, wie sie uns gefällt » Fehlerkultur, Fehlerkorrektur, Fehlerquadratur? » Totengräber des Journalismus" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/wir-schreiben-uns-die-welt-wie-sie-uns-gefaellt-fehlerkultur-fehlerkorrektur-fehlerquadratur-totengraeber-des-journalismus/" aria-label="Mehr Informationen über Wir schreiben uns die Welt, wie sie uns gefällt » Fehlerkultur, Fehlerkorrektur, Fehlerquadratur? » Totengräber des Journalismus">Weiterlesen</a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ältere Zeitgenossen berichten gelegentlich von Zeiten, in denen journalistische Standards in Ehren gehalten wurden. Und &#8211; man mag es kaum glauben &#8211; es gab sogar so etwas wie ein <em>&quot;journalistisches Berufsethos&quot;</em>. Das muß lange, lange her sein. Viele der heutigen Journalisten wissen vermutlich nicht einmal mehr, wie man den Begriff &quot;Berufsethos&quot; schreibt&#8230; </strong></p>
<p>Daß unter Zeitdruck, in der Hektik des Tagesgeschäfts auch einmal Fehler unterlaufen &#8211; geschenkt. Daß aber trotz wiederholter Hinweise fehlerhafte Informationen nicht korrigiert werden, ist nichts anderes als ein Armutszeugnis. Liebe Journalisten von Süddeutscher Zeitung und Tagesspiegel: ihr seid die Totengräber Eurer Zunft. </p>
<h4 class="pullquote_left"> Viel zu oft paaren sich mangelhafte Sachkenntnis und Recherchefaulheit. Das Ergebnis: schlechte Texte. <br /></h4>
<p>Es ist keine große Kunst, als Blogger auf die verschnarchte Sippe der Printjournalisten zu schimpfen. Mit schöner Regelmäßigkeit liefern die Redaktionen wunderbare Steilvorlagen. Wenn sich mangelhafte Sachkenntnis mit Recherchefaulheit verbindet, dann ist das Ergebnis vorhersehbar: nämlich ein schlechter Text. </p>
<p>Und wenn sich dieser Text mit dem Wandel der Medienwelt oder gar dezidiert mit dem Web 2.0 auseinandersetzt, dann darf man sich nicht wundern, daß die Blogosphäre genüßlich auf diese Unzulänglichkeiten hinweist. Wer fauliges Gemüse verkauft, der muß damit rechnen, daß die Kunden das Zeug zurückwerfen. </p>
<p><strong>Kriterien einer Fehler- und Lernkultur</strong></p>
<p>Nun stellt sich allerdings die Frage, wie man damit umgeht, wenn man <em>&quot;ertappt&quot;</em> wird. Was also tun, wenn einen Leser oder Blogger auf sachliche Fehler in bestimmten Artikeln hinweisen? Für einen Journalismus, der seine Daseinsberechtigung nicht nur aus der Tradition schöpft,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/wir-schreiben-uns-die-welt-wie-sie-uns-gefaellt-fehlerkultur-fehlerkorrektur-fehlerquadratur-totengraeber-des-journalismus/#footnote_0_213" id="identifier_0_213" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Denn da&szlig; die sog. Qualit&auml;tsmedien und insbesondere die Zeitungen gro&szlig;e Verdienste haben, ist unbenommen.">1</a> sondern auch in der zukünftigen Medienlandschaft einen legitimen Platz für sich beanspruchen will, gibt es im Grunde nur eine einzige Reaktion: erstens das Eingeständnis des Fehlers,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/wir-schreiben-uns-die-welt-wie-sie-uns-gefaellt-fehlerkultur-fehlerkorrektur-fehlerquadratur-totengraeber-des-journalismus/#footnote_1_213" id="identifier_1_213" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Journalisten sind Menschen und Menschen sind fehlbar&hellip;">2</a> zweitens die Korrektur, drittens die Lernbereitschaft bzw. Abstellen der Fehlerquellen.&nbsp;</p>
<h4 class="pullquote"> Was tun, wenn man auf Fehler hingewiesen wird? Ignorieren, aussitzen, korrigieren? <br /></h4>
<p>Das liest sich einfach und ist &#8211; so sollte man meinen &#8211; eine Selbstverständlichkeit. Denn wodurch rechtfertigen FAZ, SZ, Spiegel, Zeit und Co. ihren selbstbehaupteten Status als Qualitäts- und Leitmedien, wenn nicht dadurch, daß sie sich täglich durch routinierte Themenauswahl, solide Recherche und im Ernstfall ein professionelles Fehler- und Krisenmanagement auszeichnen? </p>
<p>Ich habe erst neulich einen &quot;Watchblog&quot; für FAZ, SZ etc. nach dem Vorbild des BILDBlog angeregt. Das war damals &#8211; um ehrlich zu sein &#8211; nicht ganz Ernst gemeint. Mehr und mehr gewinne ich den Eindruck, als sei es allerhöchste Zeit, diese Idee umzusetzen. Zwei Beispiele&#8230;</p>
<p><strong>Die unendliche Geschichte: die SZ und Blogs&#8230;</strong></p>
<p>Erst vor wenigen Tagen war in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel unter der etwas zweifelhaften Überschrift &quot;Freie Hatz für freie Bürger?&quot; zu lesen. Am 14.3. skizzierte Niklas Hofmann im SZ-Feuilleton aktuelle Veränderungen im Umgang mit Kommentaren in Onlinezeitungen, Foren und Blogs. Er kommt dabei zum Schluß, daß der einstige Wildwuchs immer stärker reglementiert werde. Er berichtet seinen neugierigen Lesern etwa:</p>
<blockquote><p>&quot;Doch nun entfaltet sich auch in der Blogosphäre eine Diskussion darüber, ob sich der Umgang mit Kommentaren nicht verändern muss.&quot;</p></blockquote>
<p>Und er zieht folgende interessante und durchaus diskussionswürdige Schlußfolgerung:</p>
<blockquote><p>&quot;Die anonyme, offene Kommentarfunktion scheint auf dem Rückmarsch zu sein. Der Blogger Fabian Mohr lässt seit Anfang des Monats nur noch Kommentatoren zu, die ihren vollen Namen angeben. Ähnlich wird es in anderen Blogs gehalten.&quot;<br /><em>[Niklas Hofmann, <a target="_blank" href="http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/105/163647/4/" rel="noopener noreferrer">Freie Hatz für freie Bürger?</a>, 14.3.2008]</em></p></blockquote>
<p>Aha. Eine spannende Beobachtung und insgesamt mag ich wenig an dem Artikel aussetzen &#8211; das Problem ist nur: dieses oben von Niklas Hofmann bemühte Beispiel des Blogs von Fabian Mohr stimmt nicht. Es ist eine vollkommen unverständliche Falschinformation, über die man nur den Kopfschütteln kann. Fabian &#8211; selbst erfahrener (Photo-)Journalist &#8211; stellt auf seinem Blog klar:</p>
<blockquote><p>&quot;Das ist nicht richtig. Weder stimmt es, dass Leser bei mir nur unter ihrem vollen Namen kommentieren dürfen (es geht auch Nickname und URL, die meisten meiner Leser kommentieren so), noch ist es zutreffend, dass ich das erst seit kurzem so halte. Meine Kommentar-Policy gilt seit Mai 2005, als dieses Blog an den Start ging &#8211; und ist seit Tag 1 nachzulesen.&quot;<br /><em>[<a target="_blank" href="http://www.fabianmohr.de/iso800/2008/03/16/fehler-im-sz-artikel-freie-hatz-fuer-freie-buerger/" rel="noopener noreferrer">Fabian Mohr</a>, 16.3.2008]</em> </p></blockquote>
<p>Ich weiß nicht, was Niklas Hofmann geritten hat, als er diese kurze Passage in seinem Artikel schrieb. Wozu? Konnte er nicht ahnen, daß hier reklamiert wird? Wem nutzt eine solche These, daß es angeblich Tendenzen gebe, die Kommentarfreiheit sukzessive einzuschränken, wenn die zitierten Beispiele nicht der Wahrheit entsprechen? </p>
<p>Das traurige &#8211; und mein Zwischenruf bezieht sich ja auf die journalistische Fehlerkultur &#8211; aber ist: diese eindeutige Fehlinformation ist bis heute bei der SZ zu lesen. Ich habe keinen Zweifel an der Darstellung von Fabian Mohr, der schreibt:</p>
<blockquote><p>&quot;Da die Süddeutsche Zeitung es trotz Email und Kommentar einfach nicht schafft, die sachlichen Fehler in ihrem Artikel “Freie Hatz für freie Bürger?” (auch bei jetzt.de veröffentlicht) zu korrigieren, eine kurze Klarstellung. &#8230;&quot;<br /><em>[<a target="_blank" href="http://www.fabianmohr.de/iso800/2008/03/16/fehler-im-sz-artikel-freie-hatz-fuer-freie-buerger/" rel="noopener noreferrer">Fabian Mohr</a>, 16.3.2008] </em></p></blockquote>
<p>Warum, liebe SZ, seid Ihr euch zu fein, um diese 1 1/2 Sätze aus dem Artikel zu streichen? Warum so stur? Kann man Euch nicht mal an der erwähnten journalistischen Ehre packen? </p>
<p>Ich selbst habe ja den Eindruck, daß Ihr im Moment alles falsch macht. Zeichnete sich wirkliche Professionalität nicht eher dadurch aus, daß man solche Pannen schnell und umfassend korrigiert? Das hätte Größe, das würde wenigstens illustrieren, daß ihr es &#8211; im Prinzip &#8211; mit der journalistischen Sorgfaltspflicht ernst meint!</p>
<p> Aber so? Wie lautet die Strategie? Aussitzen? Totschweigen? Oder fühlt Ihr Euch einfach zu wohl &#8211; in der schlechten Gesellschaft der, wie man früher wohl sagte: <em>&quot;Qualitätszeitungen&quot;</em>? </p>
<p><strong>Die traurige Realität: die Fehlerkorrektur wird zur Fehlerquadratur </strong></p>
<p>Denn vermutlich bekäme ich auf meine Anfrage, weshalb nichts korrigiert wurde, ja die Antwort: &quot;Die beim Tagesspiegel machen es auch nicht besser!&quot; Das stimmt, die beim Tagesspiegel machen es nämlich schlimmer. Aber seit wann mißt sich die SZ mit dem Berliner Tagesspiegel?&nbsp;</p>
<h4 class="pullquote"> Beim Tagesspiegel ist man offensichtlich nicht nur unfähig, sauber zu recherchieren. Fehler und falsche Zahlen werden eher multipliziert, als korrigiert. :-(<br /></h4>
<p>Zur Erinnerung: vor rund 6 Wochen schrieb Irja Most einen <a target="_blank" href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Blogs;art15532,2469884" rel="noopener noreferrer">launigen Artikel</a> über das Problem des Geldverdienens im neuen Netz. Der ganze Text war &#8211; man muß es leider sagen &#8211; eine Sammlung von Halbwahrheiten, irreführenden Informationen und haarsträubender Unkenntnis. </p>
<p>Ich hatte einige der konkreten Fehler benannt. U.a. war gleich im zweiten Absatz die Behauptung aufgestellt worden, daß Bloggen mittlerweile Volkssport sei und man durfte lesen: &quot;jeder fünfte Internet-Nutzer bloggt.&quot; Es ist keine höhere Mathematik vonnöten, um festzustellen, daß hier behauptet wird, es gäbe 10 Millionen Blogs! Das ist natürlich vollkommener Unsinn. Ich habe damals in meinem Artikel erstens andere (seriöse!) Zahlen genannt, zweitens mein Unverständnis über die Tagesspiegel-Redaktion geäußert:&nbsp;</p>
<blockquote><p>Da behauptet man frech &quot;Bloggen ist Volkssport&quot; und stellt die Zahl von ca. 10 Millionen Blogs in den Raum. Ob dies auch nur im mindesten plausibel ist, interessiert niemanden… [&#8230;] Gibt es beim geschätzten Tagesspiegel keinen Redakteur, der über solch haarsträubende Patzer stolpert?<br /><em>[Wissenswerkstatt: <a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/06/recherche-ist-luxus-nachdenken-auch-mehr-oder-minder-laessliche-suenden-des-konventionellen-journalismus/" rel="noopener noreferrer">Recherche ist Luxus! Nachdenken auch?</a>, 6.2.2008]</em></p></blockquote>
<p>Einige Tage darauf meldete sich tatsächlich Mercedes Bunz &#8211; die Online-Chefin &#8211; in den Kommentaren zu Wort. Der bzw. die Fehler seien erkannt und berichtigt:</p>
<blockquote><p>&quot;An der Kritik ist was dran, wir haben das folglich teilweise berichtigt. Netter wäre allerdings gewesen, das nicht nur hier zu posten, sondern die Redakteurin oder zumindest die Redaktion direkt darauf aufmerksam zu machen. Hoffentlich beim nächsten Mal.&quot; <br /><em>[Kommentar von Mercedes Bunz, 18.2.2008]</em></p></blockquote>
<p>Hey! Steht es etwa doch nicht so schlimm um die Journalistensippe? Und wenn man tatsächlich auf Fehlermeldungen reagiert, will ich das nächste Mal gerne per Mail reklamieren, bevor ich hier im Blog meckere. Allerdings: mein Optimismus währte nur kurz. Als ich die <em>&quot;korrigierte&quot;</em> Version des Artikels las, war sie wieder da: die Ernüchterung und Enttäuschung über das berufliche Selbstverständnis mancher Journalisten. Denn was durfte man (nachdem ich und andere auf die Fehler hingewiesen hatten!) dann im fraglichen Artikel lesen?</p>
<blockquote><p>&quot;Bloggen ist auch in Deutschland längst zum Volkssport geworden. Rund acht Prozent schreiben mindestens einmal pro Monat Beiträge in eigenen oder fremden Blogs. Weitere zwölf Prozent bloggen gelegentlich. Fast jeder zweite liest Online-Tagebücher.&quot; <br /><em>[Irja Most: <a target="_blank" href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Blogs;art15532,2469884" rel="noopener noreferrer">Bloggen für Millionen</a>, Tagesspiegel, 4.2.2008 &#8211; &quot;korrigierte&quot; Version]</em></p></blockquote>
<p><strong>Wieviele Blogs gibt es in Deutschland? 10 Millionen? 16,4 Millionen&#8230;?</strong></p>
<p>Wollen mich Mercedes Bunz und ihre Mannschaft ärgern? Ist das was anderes als ein journalistisches Herausstrecken der Zunge, das nur sagen will: &quot;Wenn Du uns auf Fehler hinweist, dann schreiben wir mit Absicht noch größeren Mist!&quot; &#8211; Denn: nun ist die Bezugsgröße ja offenbar die Gesamtbevölkerung (&quot;Bloggen ist Volkssport&quot;) und davon bloggen angeblich 12+8%. Oh nein! Ich habe am 18. Februar (also vor einem Monat!) in den Kommentaren sofort ausführlich auf den neuen Fehler hingewiesen und ausgeführt:</p>
<blockquote><p>&quot;Das macht, wenn mich nicht alles täuscht: 20%. Wenn man diesen neuen Infos glauben soll, dann sind 20% der deutschen Gesamtbevölkerung entweder Blogger oder wenigstens Blogkommentatoren. In Zahlen ausgedrückt wären das aber 16,4 Millionen Bundesbürger!</p>
<p>Entschuldigung, das ist noch viel größerer Käse, als zuvor.</p>
<p>Aber es geht ja noch wunderschön weiter, denn der Satz: “Fast jeder zweite liest Online-Tagebücher”, bezieht sich ja ebenfalls auf die Gesamtheit. Bedeutet also konsequenterweise: wir müssen von ca. 40 Millionen Bloglesern ausgehen.&quot;<br /><em>[Mein Kommentar vom 18.2.2008]</em></p></blockquote>
<p>Und ich habe &#8211; ich bin lernfähig! &#8211; natürlich an Mercedes Bunz und ihre Redaktion eine Mail mit dem Hinweis auf den neuerlichen Lapsus geschickt. Und: ich habe auch eine Antwort erhalten &#8211; man werde sich darum kümmern. Wie ich geschrieben habe: das alles ist schon wieder vier Wochen her. Ungeduldig bin ich also nicht &#8211; aber auch heute noch stehen diese vollkommen falschen Zahlen im Artikel.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/wir-schreiben-uns-die-welt-wie-sie-uns-gefaellt-fehlerkultur-fehlerkorrektur-fehlerquadratur-totengraeber-des-journalismus/#footnote_2_213" id="identifier_2_213" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Von den anderen Fehlern ganz zu schweigen&hellip;">3</a></p>
<h4 class="pullquote"> Wollen uns die Journalisten der Qualitätsblätter vielleicht ein verstecktes Zeichen geben? Wollen sie uns signalisieren, daß wir sie nicht mehr Ernst zu nehmen brauchen?<br /></h4>
<p>Wenn ich selbst recherchiere, dann haben übrigens Informationen, die ich in Tageszeitungen finde, für mich eine deutlich höhere Wertigkeit, als andere Online-Infos. Gegenüber Blogposts sollte man deutlich kritischer sein. </p>
<p>Ich werde den Tagesspiegel aus meiner Liste der zuverlässigen Quellen aber wohl streichen müssen. Und die Süddeutsche, die ich seit vielen Jahren abonniert habe, werde ich wohl oder übel auch in die Reihe der Kandidaten aufnehmen, die zu faul, zu blöd, zu arrogant sind, um Fehler einzugestehen und zu berichtigen. </p>
<p>Traurige Journalistenzunft des Jahres 2008.&nbsp; </p>
<p>&nbsp;<br />&nbsp;<br />&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><em>Links:&nbsp;</em></p>
<ul>
<li>Fabian Mohr/ISO 800: <a target="_blank" href="http://www.fabianmohr.de/iso800/2008/03/16/fehler-im-sz-artikel-freie-hatz-fuer-freie-buerger/" rel="noopener noreferrer">Fehler im SZ-Artikel “Freie Hatz für freie Bürger?”</a>, 16.3.2008</li>
<li>Niklas Hofmann: <a target="_blank" href="http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/105/163647/4/" rel="noopener noreferrer">Freie Hatz für freie Bürger?</a>, Süddeutsche Zeitung, 14.3.2008</li>
<li>Wissenswerkstatt: <a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/06/recherche-ist-luxus-nachdenken-auch-mehr-oder-minder-laessliche-suenden-des-konventionellen-journalismus/" rel="noopener noreferrer">Recherche ist Luxus! Nachdenken auch? » Mehr oder minder läßliche Sünden des konventionellen Journalismus</a>, 6.2.2008</li>
<li>Irja Most: <a target="_blank" href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Blogs;art15532,2469884" rel="noopener noreferrer">Bloggen für Millionen</a>, Tagesspiegel, 4.2.2008 </li>
</ul>
<p><strong>Literaturempfehlungen / <em>Nachhilfe:</em></strong></p>
</p>
<ul>
<li>Beck, Klaus; Schweiger, Wolfgang; Wirth, Werner (2004): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3889273513?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3889273513">Gute Seiten &#8211; schlechte Seiten. Qualität in der Onlinekommunikation</a>, Reinhard Fischer-Verlag.</li>
<li>Bucher, Hans-Jürgen &amp; Altmeppen, Klaus-Dieter (2003): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3531137905?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3531137905">Qualität im Journalismus. Grundlagen &#8211; Dimensionen &#8211; Praxismodelle</a>. VS-Verlag.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_213" class="footnote">Denn daß die sog. Qualitätsmedien und insbesondere die Zeitungen große Verdienste haben, ist unbenommen.</li><li id="footnote_1_213" class="footnote">Journalisten sind Menschen und Menschen sind fehlbar&#8230;</li><li id="footnote_2_213" class="footnote">Von den anderen Fehlern ganz zu schweigen&#8230;</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/wir-schreiben-uns-die-welt-wie-sie-uns-gefaellt-fehlerkultur-fehlerkorrektur-fehlerquadratur-totengraeber-des-journalismus/">Wir schreiben uns die Welt, wie sie uns gefällt » Fehlerkultur, Fehlerkorrektur, Fehlerquadratur? » Totengräber des Journalismus</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
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		<title>&#8222;Arbeitsgemeinschaft Social Media&#8220; » Rüstzeug für die Vermessung der Blogosphäre &#124; Werkstattnotiz LXXXXVI</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/arbeitsgemeinschaft-social-media-ruestzeug-fuer-die-vermessung-der-blogosphaere-werkstattnotiz-lxxxxvi/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Jun 2008 10:36:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Ich-Maschine]]></category>
		<category><![CDATA[AG Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Blogosphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Qualitätsstandards]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht neue Zahlen und Statistiken auftauchen, die das sog. &#8222;Web 2.0&#8220; zum Gegenstand haben. Wieviele Blogs gibt es und wieviele Blogleser? Welche Nutzungsgewohnheiten sind im Mitmach-Netz festzustellen und ist das alles überhaupt relevant? Diese Fragen sind hochspannend und doch sind die meisten Zahlen, die bislang durch den Raum ... <a title="&#8222;Arbeitsgemeinschaft Social Media&#8220; » Rüstzeug für die Vermessung der Blogosphäre &#124; Werkstattnotiz LXXXXVI" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/arbeitsgemeinschaft-social-media-ruestzeug-fuer-die-vermessung-der-blogosphaere-werkstattnotiz-lxxxxvi/" aria-label="Mehr Informationen über &#8222;Arbeitsgemeinschaft Social Media&#8220; » Rüstzeug für die Vermessung der Blogosphäre &#124; Werkstattnotiz LXXXXVI">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/arbeitsgemeinschaft-social-media-ruestzeug-fuer-die-vermessung-der-blogosphaere-werkstattnotiz-lxxxxvi/">&#8222;Arbeitsgemeinschaft Social Media&#8220; » Rüstzeug für die Vermessung der Blogosphäre | Werkstattnotiz LXXXXVI</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" style="margin: 2px 5px; float: right;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/06/Netzwerke_01.jpg" alt="Netzwerke" width="180" height="270" /><strong>Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht neue Zahlen und Statistiken auftauchen, die das sog. &#8222;Web 2.0&#8220; zum Gegenstand haben. Wieviele Blogs gibt es und wieviele Blogleser? Welche Nutzungsgewohnheiten sind im Mitmach-Netz festzustellen und ist das alles überhaupt relevant?</strong></p>
<p>Diese Fragen sind hochspannend und doch sind die meisten Zahlen, die bislang durch den Raum schwirren ein großes Ärgernis. Es werden Äpfel und Birnen in einen Topf geworfen, kaum jemand der selbsternannten Experten ist offensichtlich in der Lage das &#8222;Phänomen&#8220; Web 2.0 angemessen zu beschreiben und v.a. adäquate Kategorien zu bilden.</p>
<p>Das Ergebnis: einerseits liest man, daß angeblich viele Millionen Bundesbürger regelmäßig &#8222;bloggen&#8220; &#8211; andererseits sei diese Sache vollkommen irrelevant.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/arbeitsgemeinschaft-social-media-ruestzeug-fuer-die-vermessung-der-blogosphaere-werkstattnotiz-lxxxxvi/#footnote_0_315" id="identifier_0_315" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und da&szlig; sich diese zwei &bdquo;Befunde&ldquo; eigentlich ausschlie&szlig;en, sollte jedem klar sein&hellip;">1</a></p>
<p><strong>Endlich Qualitätsstandards für die Erforschung des Web 2.0 festlegen</strong></p>
<p>Um endlich für Klarheit in solchen Fragen zu sorgen, um endlich eindeutige Qualitätsstandards für die Beforschung unterschiedlicher Spielarten von &#8222;Social Media&#8220; zu definieren, wurde vor einigen Wochen die &#8222;Arbeitsgemeinschaft Social Media&#8220; aus der Taufe gehoben.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/arbeitsgemeinschaft-social-media-ruestzeug-fuer-die-vermessung-der-blogosphaere-werkstattnotiz-lxxxxvi/#footnote_1_315" id="identifier_1_315" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Initiator, Ideengeber, Antriebsmotor f&uuml;r die AGSM ist &uuml;brigens Benedikt K&ouml;hler (Viralmythen).">2</a> Eine der Zielsetzungen und dringlichsten Aufgaben ist es, zunächst Metriken zu etablieren, die der Logik des Web 2.0 gerecht werden.</p>
<p>Denn &#8211; wie Benedikt Köhler mehrmals <a href="http://blog.metaroll.de/2008/03/12/warum-wir-eine-arbeitsgemeinschaft-blog-und-communityforschung-brauchen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">reklamiert hat</a> &#8211; solange seitens der werbetreibenden Wirtschaft und den etablierten Medienhäusern ausschließlich der einzelne Seitenabruf als Leitwährung gilt, so lange werden bspw. alle Blogangebote systematisch unterschätzt. Denn der einzelne Klick, der Abruf einer Website<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/arbeitsgemeinschaft-social-media-ruestzeug-fuer-die-vermessung-der-blogosphaere-werkstattnotiz-lxxxxvi/#footnote_2_315" id="identifier_2_315" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="i.S. einer &bdquo;PI&ldquo;=PageImpression">3</a> ist derzeit (noch) die Basiseinheit, um Reichweite und somit Relevanz zu beziffern. Das soll sich ändern. Zweck der AGSM ist &#8211; laut Satzung:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Förderung der wissenschaftlichen Erforschung von Social Media und die Sicherung eines hohen Leistungsstandards dieser Forschung. Zum anderen ist die AGSM eine Interessenvertretung von Social Media-Forschern, -Produzenten, -Betreibern und -Vermarktern.&#8220;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/arbeitsgemeinschaft-social-media-ruestzeug-fuer-die-vermessung-der-blogosphaere-werkstattnotiz-lxxxxvi/#footnote_3_315" id="identifier_3_315" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Social Media im Sinne der Satzung sind interaktive Anwendungen wie Weblogs, Wikis, Communities, Foren, Social Commerce-Plattformen und Mikroblogs.">4</a></p></blockquote>
<p>Ich werde zu gegebener Zeit noch näher auf die AGSM eingehen. Allerdings wird es allerhöchste Zeit, daß ich hier wenigstens nochmal &#8222;offiziell&#8220; publik mache, daß ich bei der ersten Mitgliederversammlung<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/arbeitsgemeinschaft-social-media-ruestzeug-fuer-die-vermessung-der-blogosphaere-werkstattnotiz-lxxxxvi/#footnote_4_315" id="identifier_4_315" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die am 28.5. in Berlin stattfand.">5</a> als einer von zwei Vertretern der Gruppe &#8222;Social Media Produzenten&#8220; in den Arbeitsausschuß gewählt wurde.</p>
<p><strong>Die Interessen der Blogger stark machen</strong></p>
<p>Zusammen mit <a href="http://philosophieblog.de/duerhager/index.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Robert Dürhager</a> (<a href="http://www.wissenschafts-cafe.net/blogportal/2008/05/philosophieblog-robert-durhager/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Philosophieblog</a>) werde ich dort die Interessen und Standpunkte von Bloggern und anderen Betreibern von SocialMedia-Angeboten in die Arbeit der AG einbringen. Dabei geht es natürlich u.a. darum, daß einerseits die Forschungsprojekte idealerweise auch für Blogger bzw. Social Media-Produzenten einen Mehrwert<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/arbeitsgemeinschaft-social-media-ruestzeug-fuer-die-vermessung-der-blogosphaere-werkstattnotiz-lxxxxvi/#footnote_5_315" id="identifier_5_315" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Bspw. im Sinne von nutzbaren Statistiken, Daten, Informationen etc.">6</a> abwerfen und andererseits, daß die Standpunkte und Interessen von Bloggern artikuliert werden.</p>
<p>Wie das im Detail aussehen wird, wie die Arbeit konkret ablaufen wird, das müssen die nächsten Wochen und Monate zeigen.</p>
<div class="links_ticker">
<p>Link:</p>
<ul>
<li>Website der &#8222;<a href="http://ag-sm.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Arbeitsgemeinschaft Social Media&#8220;</a></li>
</ul>
</div>
<div class="invisible">
<hr size="1" />
<p>Technorati-Tags:</p>
</div>
<p><a class="invisible" href="http://www.technorati.com/tag/Social+Media" rel="tag">Social Media</a><br />
<a class="invisible" href="http://www.technorati.com/tag/Webforschung" rel="tag">Webforschung</a><br />
<a class="invisible" href="http://www.technorati.com/tag/Blogforschung" rel="tag">Blogforschung</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_315" class="footnote">Und daß sich diese zwei &#8222;Befunde&#8220; eigentlich ausschließen, sollte jedem klar sein&#8230;</li><li id="footnote_1_315" class="footnote">Initiator, Ideengeber, Antriebsmotor für die AGSM ist übrigens Benedikt Köhler (Viralmythen).</li><li id="footnote_2_315" class="footnote">i.S. einer &#8222;PI&#8220;=PageImpression</li><li id="footnote_3_315" class="footnote">Social Media im Sinne der Satzung sind interaktive Anwendungen wie Weblogs, Wikis, Communities, Foren, Social Commerce-Plattformen und Mikroblogs.</li><li id="footnote_4_315" class="footnote">Die am 28.5. in Berlin stattfand.</li><li id="footnote_5_315" class="footnote">Bspw. im Sinne von nutzbaren Statistiken, Daten, Informationen etc.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/arbeitsgemeinschaft-social-media-ruestzeug-fuer-die-vermessung-der-blogosphaere-werkstattnotiz-lxxxxvi/">&#8222;Arbeitsgemeinschaft Social Media&#8220; » Rüstzeug für die Vermessung der Blogosphäre | Werkstattnotiz LXXXXVI</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Recherche ist Luxus! Nachdenken auch? » Mehr oder minder läßliche Sünden des konventionellen Journalismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Feb 2008 12:06:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Qualitätsstandards]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die wunderbare Band Tocotronic sang vor 13 Jahren: »Es ist nicht leicht Musik zu machen«. Was für das Rockbusiness stimmt, kann wohl ohne weiteres auch auf die Medienbranche übertragen werden: »Es ist nicht leicht Journalismus zu betreiben.« Aber auch wenn man zugesteht, daß Zeitdruck und andere widrige Arbeitsbedingungen teilweise die journalistische Arbeit beeinträchtigen: manche Fehler ... <a title="Recherche ist Luxus! Nachdenken auch? » Mehr oder minder läßliche Sünden des konventionellen Journalismus" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/recherche-ist-luxus-nachdenken-auch-mehr-oder-minder-laessliche-suenden-des-konventionellen-journalismus/" aria-label="Mehr Informationen über Recherche ist Luxus! Nachdenken auch? » Mehr oder minder läßliche Sünden des konventionellen Journalismus">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/recherche-ist-luxus-nachdenken-auch-mehr-oder-minder-laessliche-suenden-des-konventionellen-journalismus/">Recherche ist Luxus! Nachdenken auch? » Mehr oder minder läßliche Sünden des konventionellen Journalismus</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img decoding="async" width="280" height="167" align="right" style="border: 1px solid rgb(105, 105, 105); margin: 7px; padding: 1px;" alt="Zeitung_03.jpg" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/02/Zeitung_03.jpg" />Die wunderbare Band Tocotronic sang vor 13 Jahren: »<em>Es ist nicht leicht Musik zu machen</em>«. Was für das Rockbusiness stimmt, kann wohl ohne weiteres auch auf die Medienbranche übertragen werden: »Es ist nicht leicht Journalismus zu betreiben.«</strong></p>
<p><strong> Aber auch wenn man zugesteht, daß Zeitdruck und andere widrige Arbeitsbedingungen teilweise die journalistische Arbeit beeinträchtigen: manche Fehler der journalistischen Kollegen sind kaum mehr unter der Rubrik »Schlamperei« abzuheften. Manchmal grenzt es schon an Arbeitsverweigerung&#8230; </strong></p>
<p>Wer sich alltäglich den Unmengen an Nachrichten und Meldungen stellt, die auf den Mediennutzer hereinprasseln, der ist nicht überrascht, daß ab und zu fehlerhafte Informationen darunter sind. Erstaunlich ist häufig nur, daß es nur weniger Mausklicks bedurft hätte, um die irreführende Information in eine zutreffende zu verwandeln.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/recherche-ist-luxus-nachdenken-auch-mehr-oder-minder-laessliche-suenden-des-konventionellen-journalismus/#footnote_0_190" id="identifier_0_190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das Symbolphoto stammt von stockxchng (User: lusi) ">1</a> Eigentlich sollte man das den bezahlten Herrschaften in den Redaktionen schon zumuten. Finde ich. Ein paar Mausklicks, um mir einen sachlich korrekten Artikel zu präsentieren. Zuviel verlangt? Warum habe ich manchmal den Eindruck, man sei zu faul nachzudenken?&nbsp;</p>
<h4 class="pullquote_left"> Der BILDBlog entlarvt die haarsträubenden Fehler der Bildzeitung. Geschenkt! Wo bleibt der Watchblog, der die Schlampereien der seriöseren Blätter in den Blick nimmt?<br /></h4>
<p>Den <a href="http://www.bildblog.de/" target="_blank">Bildblog</a> kennt (fast) jeder. Das Projekt des Gespanns Schultheiß/Niggemeier, das sich der Aufklärung über die Praktiken des Springerschen-Boulevard-Journalismus verschrieben hat, ist verdienstvoll und hat hohen Unterhaltungswert. </p>
<p>Aber, seien wir ehrlich: wer ist ernsthaft überrascht, wenn er liest, wie sich die Bild-Zeitung die Wahrheit so zurechtbiegt, daß sie am Ende in fette Buchstaben auf die Titelseite paßt?</p>
<p>Viel erstaunlicher ist doch, welche großen und kleinen Ungenauigkeiten auch in den vermeintlich untadeligen Qualitätsblättern zu finden sind. Nähme man FAZ, SZ, FR, Spiegel und Co. zusammen und sammelte deren Fehler, so ließe sich daraus spielend leicht ein Journalismus-1.0-Watchblog zimmern. Wenn ich nur denke, wie häufig allein mir nachlässige Recherchearbeit oder auch grobe Schnitzer auffallen. Es müßen ja nicht immer Fehlermeldungen vom Kaliber eines <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/09/britischer-wissenschaftshumor-wie-deutsche-journalisten-der-satire-des-einradfahrenden-humorforschers-auf-den-leim-gehen-werkstattnotiz-lvi/" target="_blank">Einradfahrenden-Humorforschers</a> sein, dessen vermeintliche Erkenntnisse allerorten verbreitet werden, ohne in die Originalstudie zu schauen. </p>
<p>Allein gestern bin ich über 2-3 Fälle von Falschinformation und Schlamperei gestolpert. Der ärgerlichste Artikel stand im Berliner Tagesspiegel.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/recherche-ist-luxus-nachdenken-auch-mehr-oder-minder-laessliche-suenden-des-konventionellen-journalismus/#footnote_1_190" id="identifier_1_190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Um es zu betonen: ich halte diesen Artikel &quot;nur&quot; f&uuml;r &auml;rgerlich. Er steht dabei prototypisch f&uuml;r viele andere, die fast jeden Tag auch in Qualit&auml;tszeitungen stehen. Es gibt einige andere Vers&auml;umnisse des Journalismus, die ich f&uuml;r gravierender halte&hellip;">2</a> Denn gleich in der früh mußte ich mich über die Bequemlichkeit und fehlende Denkbereitschaft von Irja Most ärgern, die ein wenig über die kommerziellen Potentiale des Bloggens philosophierte. &quot;<a href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Blogs;art15532,2469884" target="_blank"><em>Bloggen für Millionen</em></a>&quot; ist der Artikel nett-doppeldeutig betitelt. Ich weiß nur, daß Irja für diesen Text &#8211; wäre er kein journalistisches Erzeugnis einer Hauptstadtzeitung, sondern ein normaler Blogpost &#8211; ordentlich Prügel bekommen hätte. Denn was steht da bitteschön im zweiten Absatz?</p>
<blockquote><p>Bloggen ist auch in Deutschland längst zum Volkssport geworden. Jeder fünfte Internet-Nutzer bloggt, zeigt eine Erhebung des Branchenverbandes Bitkom im Jahr 2007, das auch das Rekord-Jahr für Online-Werbung war.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/recherche-ist-luxus-nachdenken-auch-mehr-oder-minder-laessliche-suenden-des-konventionellen-journalismus/#footnote_2_190" id="identifier_2_190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Irja Most bezieht sich offensichtlich auf diese Bitkom-Untersuchung. Dort werden auch 70%-Internet-User angegeben. Leider finde ich keine Aufschl&uuml;sselung zu den Blogbetreibern. M&ouml;glicherweise ist diese Info kostenpflichtig. Allerdings sollte es mich wundern, wenn dort 1/5 stehen sollte. Entweder ist die Studie Mist oder hat Irja Most falsch abgeschrieben&hellip;">3</a></p></blockquote>
<p>Hallo? Als ich diese Passage las, wußte ich nicht, ob ich mich amüsiert am Boden kringeln oder mir doch eine fette Notiz (&quot;Lies nie wieder einen Tagesspiegelartikel!!!&quot;) machen sollte. Liebe Irja Most, das ist doch bitte nicht Ihr Ernst? &#8211; <em>&quot;Jeder fünfte Internet-Nutzer bloggt&#8230;</em>&quot;???</p>
<p><strong>Wieviele Blogs gibt es? &#8211; Ein, zwei, fünf oder zehn Millionen? Wer bietet mehr?</strong></p>
<p>Schonmal drüber nachgedacht, was das hieße? Denkt man nicht nach, wenn man sowas schreibt? Gibt es beim geschätzten Tagesspiegel keinen Redakteur, der über solch haarsträubende Patzer stolpert?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/recherche-ist-luxus-nachdenken-auch-mehr-oder-minder-laessliche-suenden-des-konventionellen-journalismus/#footnote_3_190" id="identifier_3_190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und eigentlich h&auml;tte man ja eher davon ausgehen k&ouml;nnen, da&szlig; beim Tagesspiegel h&ouml;here Web2.0-Expertise gegegeben sei. Schlie&szlig;lich ist Mercedes Bunz ja Chefin des Onlineauftritts.">4</a> Hier geht es nicht einmal um Detailwissen, sondern es genügt der gesunde Menschenverstand: denn wenn jeder fünfte Internetnutzer tatsächlich bloggen würde, dann gäbe es zig Millionen Blogs! Ist das plausibel? Wo sind die? </p>
<h4 class="pullquote"> Da behauptet man frech &quot;<em>Bloggen ist Volkssport</em>&quot; und stellt die Zahl von ca. 10 Millionen Blogs in den Raum. Ob dies auch nur im mindesten plausibel ist, interessiert niemanden&#8230;<br /></h4>
<p>Warum versucht man es nicht mit der Eingabe von 1-2 vielversprechenden Suchbegriffen bei Google, um eine solche Information zu überprüfen? Dann fände man nämlich beispielsweise Daten des Statistischen Bundesamtes (etwa <a target="_blank" href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2007/11/PD07__486__63931,templateId=renderPrint.psml">hier</a>) oder diejenige des Allensbacher Instituts (etwa <a href="http://www.acta-online.de/" target="_blank">hier</a>). Deren aktuellen Studien zufolge kann man davon ausgehen, daß rund 70% der über 10-jährigen das Internet mehr oder minder regelmäßig nutzen. </p>
<p>Das sind grob überschlagen (Nachkommastellen interessieren nicht) 50 Millionen Bundesbürger. Und davon, liebe Frau Most, gehört ihrer Meinung nach ein Fünftel der Blogosphäre an? Erstaunlich, denn die absurde Zahl von 10 Millionen Blogs hat bislang noch kein Unwissender herbeigeschrieben&#8230;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/recherche-ist-luxus-nachdenken-auch-mehr-oder-minder-laessliche-suenden-des-konventionellen-journalismus/#footnote_4_190" id="identifier_4_190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wenn man nur kurz Google bem&uuml;ht, so findet man sofort auch diesen FAZ-Artikel. Dort polemisiert Harald Staun gegen Blogs, aber er schreibt immerhin auch: &quot;Drei Prozent der Internetnutzer, ergab Ende vergangenen Jahres eine Studie der PR-Agentur ZPR, betreiben ein Weblog, &hellip;&quot; &ndash; Diese 3 Prozent lie&szlig;e ich mir ja gefallen. Wie man auf 20% kommt, bleibt wohl Irja Mosts Geheimnis.">5</a></p>
<p>Ach herrje, wieso schreibt man so einen Quark? Zu faul zum denken? Wenigstens hätte man sich ein wenig durch die leicht auffindbaren Erhebungen klicken können.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/recherche-ist-luxus-nachdenken-auch-mehr-oder-minder-laessliche-suenden-des-konventionellen-journalismus/#footnote_5_190" id="identifier_5_190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Oder bspw. auch nur beim bloggenden Kollegen Benedikt K&ouml;hler vorbeigucken, der solche Infos auch bereith&auml;lt. Bspw. hier und hier.">6</a> Und da hätte man etwa bei der <a href="http://www.acta-online.de/" target="_blank">ACTA</a> (Allensbacher Computer- und Technikanalyse) lesen können, daß rund 2% der Webnutzer angeben, regelmäßig Blogs zu lesen! <em>LESEN! Nicht: selbst schreiben!!!</em> </p>
<p>Aber das heißt, daß wir von rund einer Million intensiven Bloglesern ausgehen dürfen. Na? Ist das nicht ein gewisser Widerspruch zwischen einer Million Blogleser und den angeblich zehn Millionen, die selbst einen Blog betreiben?&nbsp;</p>
<p>Damit wir das Rätsel auflösen: Blogs selbst gibt es &#8211; die Zahlen variieren &#8211; wohl zwischen 100.000 und 300.000. Lieber Tagesspiegel, würdet Ihr Euch das bitte für die Zukunft notieren und nicht wieder ein Zahl in den Raum stellen, die fast um den Faktor 100 zu hoch ist? Danke! </p>
<p><strong>Wer spendiert der Tagesspiegelredaktion einen Recherche-Grundkurs?</strong></p>
<p>Nach dem bärenstarken Einstieg in den Text, ist man dann fast überrascht, daß es halbwegs informativ weitergeht. Allerdings sind im weiteren Text, in dem die These aufgestellt wird, es sei mit einem professionellen Special-Interest-Blog auch in Deutschland möglich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, weitere Ungenauigkeiten enthalten. Beispiele gefällig?</p>
<p> Es geht damit los, daß Irja Most auf das Adical-Netzwerk von Lobo/Haeusler zu sprechen kommt:</p>
<blockquote>
<p>Gemeinsam mit Werber Sascha Lobo startete Spreeblick-Blogger Jonny Haeusler das Netzwerk adical vor knapp einem Jahr. Jüngster prominenter Etat-Gewinn ist Bildblog.</p>
</blockquote>
<p>Das ist alles nicht ganz falsch, allerdings bin ich etwas irritiert, wenn mir im Februar 2008 erklärt wird, daß der Bildblog offenbar erst kürzlich zu Adical hinzugestoßen sei. Ich mag jetzt nicht den konkreten Monat beschwören, aber ich sehe die Adicals seit letzten Mai oder Juni beim Bildblog blinkern. &quot;<em>Jüngster prominenter Etat-Gewinn&#8230;</em>&quot; hört sich für mich anders an. </p>
<p>Ebenfalls aus der Kategorie &quot;Irreführung durch Halbinformation&quot; stammt die Info im folgenden Absatz. Dort steht:</p>
<blockquote>
<p>Robert Basic hat seine ganz eigene innovative Idee, um mit Werbung Einnahmen zu machen: Werbeakquisition 2.0. Er überlässt seinen Lesern, welche Werbung sie auf seiner Seite sehen wollen. Sie akquirieren die passenden Kunden und bekommen für die Vermittlung ein Drittel ab.</p>
</blockquote>
<p>Nun trifft es zu, daß Robert diese (in meinen Augen wirklich pfiffige) Idee hat und es prinzipiell jedem Leser freisteht, einen Werbepartner für Robert zu akquirieren. Die ganze Geschichte ist das aber nicht. Eigentlich hätten auch die Tagesspiegelleser ein Recht auf die vollständige Info und die beinhaltet, daß Robert bislang (jedenfalls <a href="http://www.basicthinking.de/blog/2007/10/22/einnahmereport-septokt-07/" target="_blank">nach meinen Infos</a>, aber man könnte bei Robert auch nachfragen) noch keinen Werbepartner auf diese Weise an Land gezogen hat. Kann zwar noch kommen, ist aber bis dato nicht so&#8230; </p>
<h4 class="pullquote"> Seien wir großzügig: Man kann die Besucher pro Tag und diejenigen pro Woche durchaus mal in einen Topf werfen. Daß Genauigkeit im Umgang mit Zahlen nicht zu den Tugenden von Irja Most zählt, wissen wir ja&#8230; <br /></h4>
<p>Und am Ende des Artikels wundert man sich dann auch nicht mehr großartig, wenn man von einem populären Promiblog names &quot;<a href="http://www.topblogs.de/blog-2390.html" target="_blank">Viply</a>&quot; liest:</p>
<blockquote>
<p>Etwas in der Art in Deutschland gibt es zum Beispiel mit viply. Allerdings stehen auch hier ganz nach dem Motto &quot;one step to hollywood&quot; ausschließlich US-Promis im Fokus des Blogs. In der Hitliste von Topblogs rangiert viply zurzeit auf Platz 1 mit über 113.000 Besuchern pro Tag</p>
</blockquote>
<p>Hossa! Das sind Zahlen! Ich mag mich gar nicht drüber auslassen, daß dieses herangezogene Topblog-Ranking recht zweifelhaft ist<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/recherche-ist-luxus-nachdenken-auch-mehr-oder-minder-laessliche-suenden-des-konventionellen-journalismus/#footnote_6_190" id="identifier_6_190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und es einige anderer zuverl&auml;ssigere Alternativen gegeben h&auml;tte, um die meistbesuchten Blogs herauszufiltern.">7</a> &#8211; aber die 113.000 Besucher pro Tag sind offensichtlicher Humbug. Soweit ich sehe wird in der Topblog-Statistik die Anzahl der Besucher pro Woche (!) angezeigt. Ein gewisser Unterschied, aber nähme man es beim Tagesspiegel etwas genauer mit den Zahlen und Fakten, dann käme möglicherweise keine so runde Geschichte heraus&#8230; ;-(</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Keine Linkempfehlung:</em></p>
<ul>
<li>Most, Irja: <a target="_blank" href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Blogs;art15532,2469884">Bloggen für Millionen</a>, Der Tagesspiegel, 4.2.2008</li>
</ul>
<p><em>Nachhilfe:</em></p>
</p>
<ul>
<li>Beck, Klaus; Schweiger, Wolfgang; Wirth, Werner (2004): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3889273513?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3889273513">Gute Seiten &#8211; schlechte Seiten. Qualität in der Onlinekommunikation</a>, Reinhard Fischer-Verlag.</li>
<li>Bucher, Hans-Jürgen &amp; Altmeppen, Klaus-Dieter (2003): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3531137905?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3531137905">Qualität im Journalismus. Grundlagen &#8211; Dimensionen &#8211; Praxismodelle</a>. VS-Verlag.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_190" class="footnote">Das Symbolphoto stammt von stockxchng (User: lusi) </li><li id="footnote_1_190" class="footnote">Um es zu betonen: ich halte diesen Artikel &quot;nur&quot; für ärgerlich. Er steht dabei prototypisch für viele andere, die fast jeden Tag auch in Qualitätszeitungen stehen. Es gibt einige andere Versäumnisse des Journalismus, die ich für gravierender halte&#8230;</li><li id="footnote_2_190" class="footnote">Irja Most bezieht sich offensichtlich auf diese <a href="http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/46259_38541.aspx" target="_blank">Bitkom-Untersuchung</a>. Dort werden auch 70%-Internet-User angegeben. Leider finde ich keine Aufschlüsselung zu den Blogbetreibern. Möglicherweise ist diese Info kostenpflichtig. Allerdings sollte es mich wundern, wenn dort 1/5 stehen sollte. Entweder ist die Studie Mist oder hat Irja Most falsch abgeschrieben&#8230;</li><li id="footnote_3_190" class="footnote">Und eigentlich hätte man ja eher davon ausgehen können, daß beim Tagesspiegel höhere Web2.0-Expertise gegegeben sei. Schließlich ist Mercedes Bunz ja Chefin des Onlineauftritts.</li><li id="footnote_4_190" class="footnote">Wenn man nur kurz Google bemüht, so findet man sofort auch <a href="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~EB86D394356EA414D9E66635E93787C2D~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">diesen FAZ-Artikel</a>. Dort polemisiert Harald Staun gegen Blogs, aber er schreibt immerhin auch: &quot;<strong>Drei Prozent der Internetnutzer</strong>, ergab Ende vergangenen Jahres eine Studie der PR-Agentur ZPR, <strong>betreiben ein Weblog</strong>, &#8230;&quot; &#8211; Diese 3 Prozent ließe ich mir ja gefallen. Wie man auf 20% kommt, bleibt wohl Irja Mosts Geheimnis.</li><li id="footnote_5_190" class="footnote">Oder bspw. auch nur beim bloggenden Kollegen Benedikt Köhler vorbeigucken, der solche Infos auch bereithält. Bspw. <a target="_blank" href="http://blog.metaroll.de/2007/12/01/zahlen-zur-veralltaeglichung-des-internet/">hier</a> und <a target="_blank" href="http://blog.metaroll.de/2007/10/16/quantitatives-weiter-so-der-internetnutzung/">hier</a>.</li><li id="footnote_6_190" class="footnote">Und es einige anderer zuverlässigere Alternativen gegeben hätte, um die meistbesuchten Blogs herauszufiltern.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/recherche-ist-luxus-nachdenken-auch-mehr-oder-minder-laessliche-suenden-des-konventionellen-journalismus/">Recherche ist Luxus! Nachdenken auch? » Mehr oder minder läßliche Sünden des konventionellen Journalismus</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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