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	<title>Politik Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation </description>
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	<title>Politik Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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		<title>Der universale Raum der Politik » Weshalb die Rede von der Politikverdrossenheit in die Irre führt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Jun 2007 18:37:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Politikwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie & Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gehört genauso zum festen Programm von Wahlabenden wie das Auspacken der Geschenke zum Weihnachtsabend. Früher oder später fällt der Blick auf die erneut gesunkene Wahlbeteiligung und als sei es ein konditionierter Reflex, wird umgehend die These der Politikverdrossenheit ins Gespräch gebracht. Als Indikator für diese seit Jahrzehnten diskutierte Verdrossenheit der Bürger im Hinblick auf ... <a title="Der universale Raum der Politik » Weshalb die Rede von der Politikverdrossenheit in die Irre führt" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/der-universale-raum-der-politik-weshalb-die-rede-von-der-politikverdrossenheit-in-die-irre-fuehrt/" aria-label="Mehr Informationen über Der universale Raum der Politik » Weshalb die Rede von der Politikverdrossenheit in die Irre führt">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/der-universale-raum-der-politik-weshalb-die-rede-von-der-politikverdrossenheit-in-die-irre-fuehrt/">Der universale Raum der Politik » Weshalb die Rede von der Politikverdrossenheit in die Irre führt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><br />
Es gehört genauso zum festen Programm von Wahlabenden wie das Auspacken der Geschenke zum Weihnachtsabend. Früher oder später fällt der Blick auf die erneut gesunkene Wahlbeteiligung und als sei es ein konditionierter Reflex, wird umgehend die These der Politikverdrossenheit ins Gespräch gebracht. Als Indikator für diese seit Jahrzehnten diskutierte Verdrossenheit der Bürger im Hinblick auf die Politik dient &#8211; wie ganz offensichtlich ist &#8211; ausschließlich die zurückgehende Anzahl der Wahlberechtigten, die den Weg zur Wahlurne finden. Ob dieser Sachverhalt freilich überhaupt als Anhaltspunkt für ein wachsendes Desinteresse der Bevölkerung an politischen Themen anzusehen und was mit dem Slogan „Politikverdrossenheit“ gemeint ist, wird leider selten oder, seien wir ehrlich, überhaupt nicht debattiert.</strong></p>
<p><a href="http://www.onezblog.de/item/2007/06/erster-politischer-blog-karneval/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" style="margin: 10px;" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/06/Blogkarneval01.jpg" alt="Blogkarneval01.jpg" width="180" height="60" align="right" /></a>Wer aber mit ernster Miene dieses Wort zuerst in die Runde wirft<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/der-universale-raum-der-politik-weshalb-die-rede-von-der-politikverdrossenheit-in-die-irre-fuehrt/#footnote_0_49" id="identifier_0_49" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="am wirkungsvollsten geschieht dies nat&uuml;rlich in der &bdquo;Elefantenrunde&ldquo; der Parteif&uuml;rsten">1</a>, erntet mit allerschönster Zuverlässigkeit eifriges Kopfnicken und zustimmendes Gemurmel. Das sei eine Aufgabe, der sich alle Parteien stellen müssten, ertönt es dann sofort aus einer anderen Ecke, was wiederum gewissenhaft-zustimmende Resonanz erfährt. Und schließlich wird dieses ritualisierte Spiel noch durch die Äußerung ergänzt, daß man die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen habe und das Feld nicht den extremistischen Parteien an den Rändern des politischen Spektrums überlassen dürfe. Erneut, man ahnt es, gefälliges Gemurmel und energisches Kopfnicken.</p>
<p><strong>Die Unschärfe der Terminologie</strong></p>
<p>Man könnte erheitert sein, wie von so manch anderen Ritualen des Wahlabends, wenn nicht schon die Begrifflichkeit der „Politikverdrossenheit“ so schief im Raum hängen würde. Von der fraglichen Stichhaltigkeit der Diagnose und den – mit Ausnahme der Wahlbeteiligung siehe oben &#8211; leider niemals genannten Indizien ganz zu schweigen. Denn welches Politikverständnis ist denn hier überhaupt gemeint? Und wie äußert sich denn bitteschön der allenthalben erwähnte Verdruß?</p>
<p>Konstatiert man, daß es einige Bevölkerungsgruppen gibt, die sich durch eine latente Unzufriedenheit mit bestimmten politischen Sachverhalten und Strukturen auszeichnen, so wäre umso mehr eine begriffliche Differenzierung zu wünschen. Denn wäre es hier nicht dringend angeraten zu diskutieren, was konkret der Gegenstand und Anlaß des Verdrusses ist? Möglicherweise würde man, wenn man bereit wäre der Frage ernsthaft nachzuspüren, feststellen, daß das im Raum stehende Phänomen „Politikverdrossenheit“ viel angemessener als „Politikerverdrossenheit“ und – damit zusammenhängend, aber mit unterschiedlichem Akzent &#8211; als „Parteiverdrossenheit“ zu beschreiben wäre? Davon nochmals zu unterscheiden wäre eine grundsätzliche Enttäuschung im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit nationalstaatlicher Poltik. Und schließlich ließe sich – wenn man eben mit genauerem Vokabular in die Diskussion einstiege – auch erkennen, daß von Politikverdrossenheit ernsthaft kaum die Rede sein kann. Aber der Reihe nach.</p>
<p><strong>Das Phänomen genau bezeichnen: Politikerverdrossenheit</strong></p>
<p>Wie einführend dargestellt, wird die Diagnose „Politikverdrossenheit“ zumeist an genau einem Symptom festgemacht: der abnehmenden Wahlbeteiligung. Diese steht – zumal, wenn es um Kommunal- oder Europawahlen geht – außer Frage. Allerdings gilt es hier zu überlegen, was oder genauer: wer hier eigentlich zur Wahl steht? Es sind, ja genau, Politiker, also Personen, die ein Amt in den jeweiligen Parlamenten anstreben und/oder die jeweiligen Parteien, deren Aufgabe zufälligerweise auch die Rekrutierung des politischen Personals ist.</p>
<p>Der Entschluß, sich nicht an einer Wahl zu beteiligen, ist folglich zunächst der Ausdruck einer Skepsis bzw. Ablehnung, des zur Verfügung stehenden politischen Establishments. Nicht mehr, nicht weniger.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/der-universale-raum-der-politik-weshalb-die-rede-von-der-politikverdrossenheit-in-die-irre-fuehrt/#footnote_1_49" id="identifier_1_49" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Um Mi&szlig;verst&auml;ndnissen vorzubeugen: Die Ablehnung des zur Wahl stehenden Personals ist nur ein Motiv/Beweggrund unter vielen, die f&uuml;r das Ph&auml;nomen Wahlenthaltung verantwortlich zu machen sind. Zweifel, ob die relevanten Entscheidungen &uuml;berhaupt durch die Politik getroffen werden und deren Handlungsspielr&auml;ume nicht l&auml;ngst stark minimiert sind, w&auml;re &ndash; wie ich an anderer Stelle andeute &ndash; ein weiteres Motiv. Dar&uuml;berhinaus gibt es selbstverst&auml;ndlich weitere Faktoren; darum geht es im hier interessierenden Zusammenhang aber gar nicht.">2</a> Oder anders: derjenige, der am Wahlsonntag lieber zuhause bleibt, bringt damit unter anderem zum Ausdruck, daß er von den Politikern – also denjenigen, die ihm mit Zahnpastalächeln von den Plakaten entgegengrinsen – nichts hält. Das mag in manchen Fällen tatsächlich schon allein dadurch motiviert sein, daß man die Formen der Wahlkampfführung für mehr und mehr penetrant hält. Die Art der Anbiederung, die immergleiche und kaum unterscheidbare Aufmachung der Flugblätter und Wahlbroschüren, sind hier ein Faktor unter vielen. Wichtiger vermutlich ist die Art und Weise, wie sich die führenden Repräsentanten der politischen Führungsriege in den öffentlichen Debatten zeigen und darstellen. Das Urteil der Wahlbürger basiert schließlich in wesentlichem Umfang auf der Wahrnehmung der Selbstdarstellung der Kandidaten. Und hier zeigt sich, daß die Spitzenpolitiker sich immer ähnlicher und somit ununterscheidbarer werden.</p>
<p><strong>Die Ununterscheidbarkeit weichgespülter Politdarsteller</strong></p>
<p>Es ist der Fluch, der mit den PR-Beratern und Image-Trainern über die politische Klasse gekommen ist: während die Generation der Politiker, die sich in den 60er und 70er Jahren die großen Auseinandersetzungen lieferten, noch ein scharfes Profil hatte, erscheint die aktuelle Elite wie weichgespült. Wie kantig, wie im Wortsinne: originell, waren doch <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Wehner" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wehner</a>, <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Josef_Strau%C3%9F" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Strauß</a>, <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Willy_Brandt" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Brandt</a> und Co. Wie brillant verstand der kettenrauchende <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Schmidt" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Helmut Schmidt</a>, nicht umsonst Schmidt Schnauze genannt, die Argumente der Gegner zu parieren. Wer erinnert sich nicht an den Architekten der Ostpolitik <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Egon_Bahr" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Egon Bahr</a> oder den überzeugten Pazifisten <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erhard_Eppler" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Erhard Eppler</a>, der einmal so etwas wie das soziale Gewissen der SPD war?</p>
<p>Heute freilich dominieren Herren wie <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Wulff" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Christian Wulff</a> oder <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ole_von_Beust" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ole von Beust</a>. Es sind lautere Politiker, die sich aber vor allem dadurch auszeichnen, niemandem weh zu tun. Politik, so also die erste These, müßte unterscheidbar sein und dazu Profil haben. Wo man stets nur darum bemüht ist, keine Wähler zu verprellen, braucht man sich kaum zu wundern, wenn man immer weiter im Wählerzuspruch absinkt. Die politischen Schwergewichte früherer Tage wußten demgegenüber zu polarisieren, und ja gewiß, es gab sicher Zehntausende, die Personen wie Strauß oder Wehner abscheulich fanden, aber genau die fanden den Weg zur Urne, um just die andere Partei zu wählen und um den verabscheuten Kandidaten zu verhindern.</p>
<p><strong>Warum Frau Christiansen und Frau Illner der Politik einen Bärendienst erweisen</strong></p>
<p>Die zweite bedauerliche Entwicklung bezieht sich auf die Debattenkultur, die sich mehr und mehr in die Fernsehtalkshows verlagert hat. Jeder Kenner der Szene weiß, daß es hier nicht um Sach- und Problemlösungen geht, sondern daß hier der Schlagabtausch und die Selbstdarstellung der Akteure im Vordergrund steht. Hinter den Kulissen stehen schließlich die Berater und messen die Redezeit mit der Stoppuhr und achten sorgsam darauf, daß die Föhnfrisur richtig sitzt. Es geht also – wie alle Beteiligten wissen – <em>nicht</em> (!) um die Verhandlung von politischen Problemen, die findet anderswo statt. Dem interessierten Zuschauer freilich wird suggeriert, vor seinen Augen finde eine problemorientierte Debatte statt. Und was muß er erleben? Gleichviel, ob die jeweiligen Argumente plausiblel sind oder nicht: auf den politischen Gegner wird argumentativ eingehauen, es wird polemisiert und alle sonnen sich im Lichte der Gewißheit, es schon immer gewußt zu haben und insistieren darauf, daß die anderen es schon immer falsch gemacht haben.</p>
<p>Im Ergebnis wendet sich der Zuschauer entsetzt ab: denn einerseits sind die Akteure kaum unterscheidbar, andererseits nimmt er zur Kenntnis, daß es mit der Problemlösungsfähigkeit nicht allzu weit her ist. Daß in den Fraktionen, den Ministerien, den Verhandlungsausschüssen und an all den anderen Orten, wo keine Kameras positioniert sind, dennoch sachkundig und engagiert, meist sogar effektiv (zusammen-)gearbeitet wird, nimmt der Fernsehzuschauer kaum zur Kenntnis. Wie sollte er es auch, wenn Frau Christiansen und Frau Illner ständig die Streithähne aufeinander loslassen?</p>
<p><strong>Die eingeschränkte Handlungsfähigkeit nationalstaatlicher Politik</strong></p>
<p>Der dritte und letzte Punkt: der gesellschaftlich-strukturelle Prozeß, der unter dem Stichwort „Globalisierung“ verhandelt wird, hat die Grundlagen jedweder Politik verändert. Hier ist nicht der Platz, um darauf näher einzugehen. Was aber außer Zweifel steht: die exponentielle Zunahme der kommunikativen, wirtschaftlichen, ökologischen und letztlich: politischen Verflechtungen hat zu einer wahnwitzigen Erosion des nationalstaatlichen Handlungspotentials geführt. Der Bereich, der noch vor 20 Jahren durch nationale Gesetzgebungen geregelt werden konnte, ist auf einen Bruchteil seines früheren Ausmaßes geschrumpft. Supranationale Regime und die Delegation von Souveränität und Kompetenzen an die EU tun ihr weiteres. Im Ergebnis hat sich der Handlungsspielraum der nationalen Regierungen minimiert. Egal ob die Umweltgesetzgebung oder der gesamte Komplex der Finanz- und Steuerpolitik. Die Hände der Bundesregierung sind gebunden, handeln ist jeweils nur im transnationalen kooperativen Verbund denkbar und möglich.</p>
<p>Kein Wunder also, daß sich nicht wenige der Wahlbürger lieber einen schönen Familienausflug gönnen, anstatt ins muffige Wahllokal zu eilen, wo man ohnehin nur die Personen wählen kann, die dann – im Vergleich zu früher, nicht absolut! – relativ wenig Handlungskompetenz haben.</p>
<p>Zusammenfassend: das Fehlen charakteristischer „Köpfe“ in der Politik, das Fehlen von Mut, auch unbequeme Positionen durchzusetzen und die Angst der Parteien und Politiker Wähler zu verprellen, führt zusammengenommen dazu, daß eine gewisse Frustration Raum greift, die sich nach meinem Dafürhalten als „(Partei-)Politikerverdrossenheit“ beschreiben ließe. Der zuletzt genannte Punkt fokussiert auf eine realistische Einschätzung der Veränderungen im Zuge der Transnationalisierungsprozesse, die die nationalen Regierungen zunehmend vor Handlungsprobleme stellt. Die Wahlenthaltung aus diesem Grund ist aber auch längst keine Politikverdrossenheit, sondern eine individuelle Skepsis, die in der Verweigerung der Stimmabgabe zum Ausdruck kommt.</p>
<p><strong>Politik ist mehr: wo und wie wir alle immer schon politisch agieren</strong></p>
<p>Ich hoffe, daß die Erläuterungen etwas plausibel machen konnten, daß der Terminus „Politikverdrossenheit“ an der Sache vorbei geht. Um diese Tatsache mit einem weiteren Argument zu untermauern, sei mir noch ein letzter Hinweis auf die inhaltliche Dimension des Politischen erlaubt.</p>
<p>Der üblichen – und wie gezeigt unscharfen, deplatzierten – Rede von der Politikverdrossenheit liegt ein unterkomplexes bzw. unzeitgemäßes Politikverständnis zugrunde. Denn Politik bezeichnet längst nicht nur die Prozesse, die institutionalisiert in Parlamenten, Regierungen und Ministerien ablaufen. Politik ist schon immer mehr. Der öffentliche Raum ist die eigentliche und ursprüngliche Sphäre des Politischen. Das galt in früheren Zeiten und gilt seit den 80er Jahren erst Recht.</p>
<p>Denn waren und sind die Protestbewegungen der 80er Jahre, die sich an Aufrüstung, Umweltzerstörung und der Frage der Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern entzündeten, nicht originär politisch? Wer hat Zweifel daran, daß eine Sitzblockade, eine Demonstration nicht ein dezidiert politischer Akt ist? Wer führt allen Ernstes die Rede von Politikverdrossenheit im Munde, wenn man sich die breite Wahrnehmung des G8-Gipfels und der Proteste vor Augen führt?</p>
<p>Aber es wäre auch falsch nur diese eindeutig sichtbaren Stellungnahmen des außerparlamentarischen Raums als „<em>politisch</em>“ zu begreifen; Politik ist deutlich mehr. Jeder Kaufakt, jede Diskussion im Freundeskreis ist politisch. Die Entscheidung, ob wir im Biomarkt oder beim Discounter kaufen ist politisch. Die Entscheidung für ein spritsparendes oder eben ein prestigeträchtiges Auto ebenso. Wer mit dem Rad fährt handelt immer auch politisch und wer erinnert sich noch an den Boykott der Shell-Tankstellen im Zusammenhang mit der geplanten Versenkung der Ölbohrplattform „<a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Brent_Spar" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Brent Spar</a>“? Genau: hier führte individuelles Handeln zu einer politisch wirkmächtigen Entscheidung. Der Druck auf den Ölkonzern wurde so groß, daß er seine  Pläne änderte.</p>
<p>Aber nicht nur im Kollektiv wird Politik wirksam. Auch das Private ist längst politisch geworden. Der eigene Lebensentwurf, die Frage nach Ausbildungsplätzen, Karriere, Familienplanung, Kinderbetreuung und Alterssicherung sind heute mehr denn je ein Thema, das in den Familien, den Freundeskreisen, in Universitäten und an den Stammtischen der Republik diskutiert wird. Gehen wir doch raus auf die Straße und fragen beliebige Passanten, welche Meinung sie zu den Plänen von Ursula von der Leyen im Bezug auf die Vorschulbetreuung und Krippenplätze haben. Egal, ob wir Ablehnung oder befürwortende Stimmen finden werden: wir werden kaum Gleichgültigkeit vorfinden. Ist ein besseres Indiz vorstellbar, gibt es ein besseres Argument dafür, daß die These von der angeblichen „Politikverdrossenheit“ an der Realität vorbeigeht?</p>
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<hr size="1" width="80%" />
<p>Hinweis: Hier handelt es sich um einen Beitrag im Rahmen des &#8222;<a href="http://www.onezblog.de/item/2007/06/erster-politischer-blog-karneval/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Politischen Blogkarnevals</a>&#8222;. Einen anderen Artikel der Wissenswerkstatt dazu, eher auf die demokratietheoretischen Konzepte und deren Kritik fokussierend, findet man <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/21/traditionen-der-rede-von-der-politikverdrossenheit-rechte-und-linke-varianten-der-parlamentarismuskritik-im-anschluss-an-jean-jaques-rousseau/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</p>
<p>tags: Subpolitik, Terminologie, Krisenerscheinung, Politikerverdrossenheit, Profillosigkeit, Wahlverhalten, Protest, Individualisierung</p>
<p><strong>Empfehlenswerte Literatur:</strong></p>
<ul>
<li>Geiselberger, Heinrich H. (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518125001?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518125001">Und jetzt? Politik, Protest und Propaganda</a>. Frankfurt/M.: Suhrkamp.</li>
<li>Roth, Roland und Rucht, Dieter (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3593383721?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3593383721">Die Sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945</a>. Ein Handbuch. Campus Verlag.</li>
<li>Maurer, Marcus (2003): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896694022?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3896694022">Politikverdrossenheit durch Medienberichte</a>. Eine Paneluntersuchung. Konstanz: Uvk.</li>
<li>Beck, Ulrich (2002): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518413627?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518413627">Macht und Gegenmacht im globalen Zeitalter</a>. Neue weltpolitische Ökonomie. Frankfurt/M.: Suhrkamp.</li>
<li>Beck, Ulrich (1993): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518117807?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518117807">Die Erfindung des Politischen</a>. Zu einer Theorie reflexiver Modernisierung. Frankfurt/M.: Suhrkamp.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_49" class="footnote">am wirkungsvollsten geschieht dies natürlich in der „Elefantenrunde“ der Parteifürsten</li><li id="footnote_1_49" class="footnote">Um Mißverständnissen vorzubeugen: Die Ablehnung des zur Wahl stehenden Personals ist nur ein Motiv/Beweggrund unter vielen, die für das Phänomen Wahlenthaltung verantwortlich zu machen sind. Zweifel, ob die relevanten Entscheidungen überhaupt durch die Politik getroffen werden und deren Handlungsspielräume nicht längst stark minimiert sind, wäre &#8211; wie ich an anderer Stelle andeute &#8211; ein weiteres Motiv. Darüberhinaus gibt es selbstverständlich weitere Faktoren; darum geht es im hier interessierenden Zusammenhang aber gar nicht.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/der-universale-raum-der-politik-weshalb-die-rede-von-der-politikverdrossenheit-in-die-irre-fuehrt/">Der universale Raum der Politik » Weshalb die Rede von der Politikverdrossenheit in die Irre führt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>17 Fragen an Petra Zugschwerdt ::: Kubanisches Tagebuch &#124; Werkstatt-Ticker 18</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 May 2008 10:48:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftskommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Biologie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftsblogs]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>» Café-Gespräche Bevor die Nachfragen kommen, ob denn die wissenschaftliche Bloglandschaft ausschließlich von männlichen Wesen bevölkert werde1 und Rufe nach einer Wissenschaftsbloggerinnen-Quote laut werden, habe ich kurzerhand Petra Zugschwerdt zum Interview gebeten. Drüben im Wissenschafts-Café hat Petra geduldig meine 17 Fragen beantwortet und dabei verraten, daß sie bei Cheeseburgern und Pommes zum Bloggen &#8222;verführt&#8220; wurde.2 ... <a title="17 Fragen an Petra Zugschwerdt ::: Kubanisches Tagebuch &#124; Werkstatt-Ticker 18" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/17-fragen-an-petra-zugschwerdt-kubanisches-tagebuch-werkstatt-ticker-18/" aria-label="Mehr Informationen über 17 Fragen an Petra Zugschwerdt ::: Kubanisches Tagebuch &#124; Werkstatt-Ticker 18">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/17-fragen-an-petra-zugschwerdt-kubanisches-tagebuch-werkstatt-ticker-18/">17 Fragen an Petra Zugschwerdt ::: Kubanisches Tagebuch | Werkstatt-Ticker 18</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h4><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/category/werkstatt-ticker/"><img decoding="async" class="alignright size-full wp-image-234" style="border: 1px solid #DCDCDC; margin: 6px; float: right;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/uploads/2008/04/ticker_02a.jpg" alt="Ticker.jpg" width="180" height="121" /></a><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong> <span style="font-size: large;">Café-Gespräche </span></span></h4>
<p>Bevor die Nachfragen kommen, ob denn die wissenschaftliche Bloglandschaft ausschließlich von männlichen Wesen bevölkert werde<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/17-fragen-an-petra-zugschwerdt-kubanisches-tagebuch-werkstatt-ticker-18/#footnote_0_281" id="identifier_0_281" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wobei die Frage nat&uuml;rlich berechtigt ist. Ich werde demn&auml;chst mal ne kleine &bdquo;Volksz&auml;hlung&ldquo; vornehmen. Ich sch&auml;tze, da&szlig; rund 80% Prozent der wissenschaftlichen Blogger m&auml;nnlich sind&hellip;">1</a> und Rufe nach einer Wissenschaftsbloggerinnen-Quote laut werden, habe ich kurzerhand Petra Zugschwerdt zum Interview gebeten.</p>
<p>Drüben im Wissenschafts-Café hat Petra geduldig meine 17 Fragen beantwortet und dabei verraten, daß sie bei Cheeseburgern und Pommes zum Bloggen &#8222;verführt&#8220; wurde.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/17-fragen-an-petra-zugschwerdt-kubanisches-tagebuch-werkstatt-ticker-18/#footnote_1_281" id="identifier_1_281" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Beim Verf&uuml;hrer handelte es sich &uuml;brigens um Igor Schwarzmann, der mit Freunden ganz aktuell den Blog &bdquo;amerikawaehlt&ldquo; aufgezogen hat.">2</a> Ob dieser Tipp verallgemeinerbar ist? Ansonsten erfahren wir von Petra, die quasi zum bloggenden Urgestein zählt (sie ist seit 2005 dabei und bloggt bei &#8222;<a href="http://www.forenplanet.de/network/biocrash/wordpress" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bio crash</a>&#8220; und <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/biologenplatz" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> bei den Wissenslogs), daß sie bei ihren Heidelberger Kommilitonen durchaus positives Feedback auf ihren Blog erhält, allerdings die Mitstudenten kaum dazu zu bewegen sind, bei ihr zu kommentieren.</p>
<p>Wer mehr Antworten der Biologiestudentin lesen möchte und erfahren will, bei welcher Gelegenheit Petra mit den Worten: <em>&#8222;Du bist also das Rotfell!&#8220; </em>angesprochen wurde, der wird im Wissenschafts-Café bedient:</p>
<div class="links_kurz">
<ul>
<li>Wissenschafts-Café: <a href="http://www.wissenschafts-cafe.net/blogportal/2008/05/17-fragen-an-petra-zugschwerdt-von-bio-crash/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">17 Fragen an&#8230; Petra Zugschwerdt von bio crash</a>, 5.5.2008</li>
</ul>
</div>
<h4><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong> <span style="font-size: large;">Die 17 Fragen bei der wisskomm-Wochenschau</span></span></h4>
<p>Ich habe ja gelegentlich für den wöchentlichen Videocast der Kollegen von wisskomm geworben, der sich inzwischen als feste Größe etabliert hat. Volker Lange ist verantwortlicher Redakteur, Michael Spielkamp präsentiert die News und ich schaue mir das jeden Freitag an. ;-)</p>
<p>Und ich habe den Eindruck, das pfiffig-informative Angebot findet ein immer größeres Publikum. Klasse! Bereits letzte Woche war im Rückblick auf die 16. Kalenderwoche auch der Start der Wissenschafts-Café-Gespräche erwähnt worden. Vielen Dank für die Werbung und hier gibt es das nochmals zum Nachschauen:</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="480" height="390" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="src" value="http://blip.tv/play/AbS7dQA" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="480" height="390" src="http://blip.tv/play/AbS7dQA"></embed></object></p>
<div class="links_kurz">Alle anderen Wochenrückblicke gibt es natürlich hier:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.wisskomm.tv/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wisskomm-TV</a></li>
</ul>
</div>
<h4><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong> <span style="font-size: large;">7 Tage auf Kuba</span></span></h4>
<p>Wer sich über die aktuellen Verhältnisse auf Kuba und die Lebensumstände der Bevölkerung auf der karibischen Insel informieren möchte, hat unzählige Möglichkeiten. Das Internet bietet fundierte Berichte und Experteneinschätzungen &#8211; aber die Blogosphäre bietet anderes. Und weil das manchmal überaus lesenswert ist, möchte ich abschließend kurz auf einen Artikel von Markus Trapp verweisen, der vor wenigen Tagen aus Kuba zurückgekehrt ist.</p>
<p>Markus war als Referent zur internationalen Konferenz &#8222;Congreso Internacional de Información&#8220; eingeladen, die neue neue Strukturen der Wissensgesellschaft und im speziellen aktuelle Tendenzen innerhalb der Bibliotheks- und Informationswissenschaften zum Thema hatte. Markus schildert ein paar seiner (natürlich) subjektiven Eindrücke. Er erzählt u.a. von einer Begebenheit, die ihm die Willkür des Systems schmerzhaft vor Augen führte (als er nämlich als Taxigast die Schikane der Polizei miterleben mußte) und gibt so einen kleinen Einblick in das Leben der Kubaner.</p>
<p>Er schreibt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Sie überleben irgendwie. Und das mit einer Lebensfreude trotz all dieser Probleme, die dem verwöhnten Zentraleuropäer die Schamesröte ins Gesicht treiben kann, wenn er an die eigenen vergleichsweise banalen Sorgen und Nöte denkt, die im Vergleich zu dem, was die Kubaner durchmachen, so nichtig sind.&#8220;</p></blockquote>
<div class="links_kurz">Weiterlesen:</p>
<ul>
<li>Text&amp;Blog: <a href="http://textundblog.de/?p=2154" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kuba &#8211; ein schönes Land mit vielen Problemen</a>, 4.5.2008</li>
</ul>
</div>
<div class="invisible">
<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Interview">Interview</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Kuba">Kuba</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Wissenschaftskommunikation">Wissenschaftskommunikation</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_281" class="footnote">Wobei die Frage natürlich berechtigt ist. Ich werde demnächst mal ne kleine &#8222;Volkszählung&#8220; vornehmen. Ich schätze, daß rund 80% Prozent der wissenschaftlichen Blogger männlich sind&#8230;</li><li id="footnote_1_281" class="footnote">Beim Verführer handelte es sich übrigens um Igor Schwarzmann, der mit Freunden ganz aktuell den Blog &#8222;<a href="http://www.amerikawaehlt.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">amerikawaehlt</a>&#8220; aufgezogen hat.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/17-fragen-an-petra-zugschwerdt-kubanisches-tagebuch-werkstatt-ticker-18/">17 Fragen an Petra Zugschwerdt ::: Kubanisches Tagebuch | Werkstatt-Ticker 18</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/17-fragen-an-petra-zugschwerdt-kubanisches-tagebuch-werkstatt-ticker-18/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>»Wir sind viele«, oder: Die Blogosphäre gibt es nicht &#124; Werkstattnotiz XVI</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Oct 2007 09:59:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Blogosphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/16/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Kategorien, Etiketten, Schlagworte &#8211; sie sind notwendig, wir gebrauchen sie alltäglich und doch verstellen sie oftmals die Sicht auf die tatsächlichen Sachverhalte. Jeder weiß, daß es die Politik nicht gibt, wenn er auf bestimmte politische Mißstände hinweist. Jeder weiß, daß Politik von unzähligen unterschiedlichen Akteuren bestimmt wird und dennoch werden pauschale Kategorien genutzt. Und jeder ... <a title="»Wir sind viele«, oder: Die Blogosphäre gibt es nicht &#124; Werkstattnotiz XVI" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/" aria-label="Mehr Informationen über »Wir sind viele«, oder: Die Blogosphäre gibt es nicht &#124; Werkstattnotiz XVI">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/">»Wir sind viele«, oder: Die Blogosphäre gibt es nicht | Werkstattnotiz XVI</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kategorien, Etiketten, Schlagworte &#8211; sie sind notwendig, wir gebrauchen sie alltäglich und doch verstellen sie oftmals die Sicht auf die tatsächlichen Sachverhalte. Jeder weiß, daß es <em>die</em> Politik nicht gibt, wenn er auf bestimmte politische Mißstände hinweist. Jeder weiß, daß Politik von unzähligen unterschiedlichen Akteuren bestimmt wird und dennoch werden pauschale Kategorien genutzt.</strong> </p>
<p>Und jeder weiß, daß es <em>die</em> Männer [bzw. den <em>typischen</em> Mann] und <em>die</em> Frauen [bzw. die <em>typische</em> Frau] nicht gibt<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/#footnote_0_102" id="identifier_0_102" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und da&szlig; die verschiedenen Geschlechter nicht von unterschiedlichen Planeten &ndash; Mars vs. Venus &ndash; importiert sind, sollte sich insofern genauso verstehen.">1</a>. Die Liste mit naturgemäß schiefen Pauschalkategorien, die dennoch ständig gebraucht werden, ließe sich vermutlich fast endlos fortschreiben<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/#footnote_1_102" id="identifier_1_102" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Jugend (von heute), die Schriftsteller, die Medien, die Industrie&hellip;">2</a>. Aber ich behaupte, daß wenigstens den aufgeklärteren Zeitgenossen bewußt ist, daß es sich bei all diesen Etiketten um eine unzulässige Einordnung in Schubladen handelt und die jeweiligen Angehörigen der Gruppen meist genausoviel Unterschiede wie Gemeinsamkeiten aufweisen. </p>
<p><strong>Das Web 2.0 gibt es nicht?!</strong></p>
<p>Wieso ich meinen Artikel mit dieser allgemeinen Betrachtung von Pauschalurteilen beginne? Weil ich die These aufstellen möchte, daß es sich bei einigen Begriffen nicht so wie oben skizziert verhält. Denn wenn beispielsweise von <em>Internet</em>, <em>Web 2.0</em> oder <em>der Blogosphäre</em> die Rede ist, dann hört man nur selten im Anschluß die differenzierende Einschränkung, daß es sich hierbei um vereinfachende Kategorien handele. </p>
<h4 class="pullquote">Sind Blogger das evolutionäre Produkt des Computernerds und der tagebuchführenden Hausfrau? Vorurteil oder zutreffende Beschreibung? <br /></h4>
<p>Kurz gesagt: fast immer, wenn von <em>den</em> Blogs zu lesen ist, dann steht gleichzeitig die Behauptung im Raum, es handele sich bei dieser ominösen Gemeinschaft der Blogger um eine weitestgehende kohärente soziale Subkultur. Eine Subkultur, die man sich als Symbiose aus einerseits den Compterfreaks, Nerds und Usenet-Leuten, andererseits tagebuchführenden Hausfrauen vorzustellen habe. Und die Angehörigen dieses Milieus weisen eben spezifische Eigenschaften auf, so eine unausgesprochene Unterstellung.&nbsp;</p>
<p>Was hat aber diese These mit der Frage zu tun, weshalb die Blogosphäre offenbar kaum kalkulierbare Reaktionsmuster aufweist? Denn ich hatte ja <a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/15/die-launen-der-blogdiva-selbstreferentialitaet-oder-das-schwierige-geschaeft-die-blogosphaere-zu-mobilisieren-werkstattnotiz-xv/" rel="noopener noreferrer">im letzten Beitrag</a> festgestellt, daß sich die Mobilisierung für (externe) Themen mit gewissen Schwierigkeiten und Empfindlichkeiten innerhalb der Blogcommunity auseinandersetzen muß. Anders formuliert: Wer innerhalb der Blogosphäre ein bestimmtes, evtl. sogar ein soziales Thema auf die Agenda setzen will, der muß sich bewußt sein, daß er es mit einem höchst launischen Medium zu tun hat. Kein Wunder, denn &#8211; so meine weiterführende These &#8211; <em>die</em> Blogs gibt es nicht. Wir sind viele! Es gibt nur einzelne, im Wortsinn: individuelle Blogger, die unterschiedliche Motive, Herangehensweisen und Vernetzungsstrukturen aufweisen.</p>
<h4 class="pullquote">Blogger sind Individuen &#8211; Die Blogosphäre ist bunt!</h4>
<p>Das ist &#8211; zugegeben &#8211; ein pure Selbstverständlichkeit. Aber: sowohl in den konventionellen Medien und überwiegend auch in der Blogosphäre selbst,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/#footnote_2_102" id="identifier_2_102" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und auch hier in der Wissenswerkstatt ist/war vereinzelt von &quot;den Blogs&quot; zu lesen&hellip;">3</a> wird meist vergessen, daß hier keine kohärente gesellschaftliche Gruppe bezeichnet ist. Und deshalb wird auch meist übersehen, daß es eben auch kein verallgemeinerbares Eigenschaftsprofil geben kann. Die Blogosphäre ist bunt!, das könnte und sollte man sich immer wieder vor Augen halten. Das ist zugleich eines ihrer Gütesiegel, wie auch Ursache dafür, daß ihre Reaktionen mitunter unberechenbar ausfallen. </p>
<p>Deshalb zurück zur ursprünglichen Frage: Weshalb ist die Mobilisierung für Aktionen mit sozialer und/oder ökologischer Ausrichtung so schwierig? Ich habe mir deshalb die zwei zurückliegenden Blogaktionen auf diesem Gebiet angesehen. Zuerst die &quot;<a target="_blank" href="http://www.free-burma.org" rel="noopener noreferrer">Free Burma</a>&quot;-Blogaktion, dann den gestern stattfindenen &quot;<a target="_blank" href="http://blogactionday.org" rel="noopener noreferrer">Blog Action Day</a>&quot; zum Thema Umwelt.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/#footnote_3_102" id="identifier_3_102" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Robert Basic hatte hier ein Zwischenfazit zur Burma-Aktion gezogen. Eine Auswertung des Fragebogens &ndash; wer mit welcher Motivation usw. sich beteiligt hatte &ndash; folgt in einigen Tagen.">4</a> </p>
<p>Die Unterschiede zwischen den beiden Aktionen liegen klar auf der Hand: die &quot;Free Burma&quot;-Aktion entstand als spontane Solidaritätsaktion und -reaktion auf die Entwicklungn in Burma/Myanmar und wurde innerhalb eines Zeitfensters von 5 Tagen organisiert. D.h. auch, daß eine zentrale, professionelle Koordination überhaupt nicht denkbar war und die Aktion notwendigerweise ein &quot;Schnellschuß&quot; war. Die Mobilisierung mußte sich binnen weniger Tage (ein Wochenende war auch noch mit dabei) vollziehen.</p>
<p>Der &quot;Blog Action Day&quot; hatte ca. 2 1/2 Monate Vorbereitungszeit. Thematischer Fokus lag auf umweltpolitischen Themen (Schlagwort: Environment, &quot;climate change&quot; etc.) Idee und Konzept lagen in der Hand <a target="_blank" href="http://blogactionday.org/who" rel="noopener noreferrer">von mindestens drei</a> sog. Majorbloggern aus Australien, die teilweise mit einem Technoratiwert von über 4.000 in der weltweiten Spitzengruppe rangieren.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/#footnote_4_102" id="identifier_4_102" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Blogbeitr&auml;ge der &quot;Organisatoren&quot; finden sich hier: Cyan Ta&rsquo;eed, Collis Ta&rsquo;eed, Leo Babauta.">5</a>Sehr ungleiche Ausgangsbedingungen also &#8211; ich habe mir die Reichweite der Aktionen nun anhand einer kurzen Technorati- und Blogpulseanalyse durchgesehen.&nbsp;</p>
<p>&nbsp;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/10/Reichweite_Blogaktionen_01a.jpg"  rel="lightbox"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="550" height="342" align="middle" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/10/Reichweite_Blogaktionen_01b.jpg" alt="Reichweite_Blogaktionen_01b.jpg" style="border: 1px solid rgb(102, 102, 102); margin: 12px;" /></a></p>
<p><em>[Anklicken der Graphik öffnet eine größere Version.]</em></p>
<p><em></em><br />Es wird sichtbar, daß sich erstaunlicherweise an der &quot;Free Burma&quot;-Aktion trotz der ungünstigeren Startbedingungen etwas mehr Blogger beteiligt haben.<em> </em>Technorati weist aktuell 14.400 Posts für &quot;Free Burma&quot;, 12.100 für den &quot;BlogActionDay&quot; aus.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/#footnote_5_102" id="identifier_5_102" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Daten jeweils 16.10 &ndash; 10.00Uhr.">6</a> Der kursorische Ländervergleich zeigt: wie zu erwarten, waren englischsprachige Posts bei der Burma-Aktion etwas schwächer vertreten (4.450:6.670), allerdings gab es in der deutschsprachigen Szene eine deutliche Mehrbeteiligung bei Burma (2.900:630).<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/#footnote_6_102" id="identifier_6_102" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der &quot;prominenteste&quot; deutsche Blogger, der sich gestern beteiligte ist &ndash; soweit ich sehe &ndash; Frank Bueltge gewesen. Nennenswert sind daneben u.a. Simon Columbus, Yoda aus der Schweiz. Nach der zu erwartenden Resonanz hatte schon vor 5 Wochen Frank Pleil gefragt &ndash; hier.">7</a> &nbsp;</p>
<p>Sicher: die &quot;Free Burma&quot;-Aktion ging von Italien und Deutschland aus. Das wird auch in den beiden Werten deutlich. Für Spanien und Fankreich ergeben sich zwischen diesen beiden Aktionen nur marginale Unterschiede. Erstaunlich ist, daß es dieser von &quot;langer Hand&quot; vorbereitenden Aktion nicht gelang, eine wesentliche höhere Wirkung zu erzielen. Am Thema &#8211; Klima- und Umweltfragen sind alles andere als peripher in der öffentlichen Debatte &#8211; kann es m.E. nicht gelegen haben. Wer hat hier Vermutungen? </p>
<h4 class="pullquote">Blogger haben das Autonomieprinzip verinnerlicht: ohne eine thematische Identifikation ist kaum eine Mobilisierung machbar.</h4>
<p>Als erstes Zwischenfazit bleibt festzuhalten: das Bloggerselbstverständnis (so meine Beobachtung) ist von einem Bewußtsein der Selbstbestimmung geprägt. D.h.: die Möglichkeit, die Themen des eigenen Blogs selbstständig und ohne äußere Einflußnahme zu wählen, ist ein hoher Wert. Um von diesem &quot;Konzept&quot; der Selbststeuerung und Autonomie abzurücken, sind weitere Faktoren erforderlich. Es muß vermutlich entweder eine thematische Identifikation mit der Aktion vorliegen<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/#footnote_7_102" id="identifier_7_102" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="also bspw. ausgepr&auml;gte politische und/oder &ouml;kologische Sensibilit&auml;t">8</a> oder es muß ein Solidarisierungseffekt hervorgerufen werden.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/#footnote_8_102" id="identifier_8_102" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Botschaft und ihre &quot;Sender&quot; m&uuml;ssen so glaubw&uuml;rdig und mitrei&szlig;end sein, so da&szlig; ich mich beteilige.">9</a> Es ist also offensichtlich: Blogger sind keine Lemminge. ;-)</p>
<p>Zweite Erkenntnis: die internationale Blogosphäre weist einen sehr geringen Vernetzungsgrad auf. Die &quot;Free Burma&quot;-Aktion erreichte nur schwer englischsprachige Blogger<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/#footnote_9_102" id="identifier_9_102" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und die Platzhirsche in den USA reagierten erst gar nicht.">10</a>, umgekehrt fand der internationale &quot;Blog Action Day&quot; nur wenig Resonanz in Deutschland.&nbsp;</p>
<p>Wäre es also nicht angemessener, die Redeweise von der Blogosphäre aufzugeben oder zu revidieren? Denn wird nicht immer deutlicher, daß es nicht eine, sondern viele Blogosphären gibt?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Weitere Gedanken zur selben Frage:</em></p>
<ul>
<li>Werkstattnotiz: <a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/15/die-launen-der-blogdiva-selbstreferentialitaet-oder-das-schwierige-geschaeft-die-blogosphaere-zu-mobilisieren-werkstattnotiz-xv/" rel="noopener noreferrer">Die Launen der Blogdiva, Selbstreferentialität oder: Das schwierige Geschäft die Blogosphäre zu mobilisieren</a> </li>
<li>Werkstattnotiz: <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/17/umweltschutz-kampf-gegen-armut-menschenrechte-strategien-der-mobilisierung-und-die-inflation-medialer-good-will-kampagnen-werkstattnotiz-xvii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Umweltschutz, Kampf gegen Armut, Menschenrechte…</a> » Strategien der Mobilisierung und die Inflation medialer Good-Will-Kampagnen
</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><br /></em></p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p><!--adsense#Banner_Breit_01--></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_102" class="footnote">Und daß die verschiedenen Geschlechter nicht von unterschiedlichen Planeten &#8211; Mars vs. Venus &#8211; importiert sind, sollte sich insofern genauso verstehen.</li><li id="footnote_1_102" class="footnote"><em>Die</em> Jugend (von heute), <em>die</em> Schriftsteller, <em>die</em> Medien, <em>die</em> Industrie&#8230;</li><li id="footnote_2_102" class="footnote">Und auch hier in der Wissenswerkstatt ist/war vereinzelt von &quot;<em>den</em> Blogs&quot; zu lesen&#8230;</li><li id="footnote_3_102" class="footnote">Robert Basic hatte <a target="_blank" href="http://www.basicthinking.de/blog/2007/10/05/burma-action-zwischenfazit-ii/" rel="noopener noreferrer">hier</a> ein Zwischenfazit zur Burma-Aktion gezogen. Eine Auswertung des Fragebogens &#8211; wer mit welcher Motivation usw. sich beteiligt hatte &#8211; folgt in einigen Tagen.</li><li id="footnote_4_102" class="footnote">Die Blogbeiträge der &quot;Organisatoren&quot; finden sich hier: <a target="_blank" href="http://freelanceswitch.com/working/29-simple-ways-to-become-a-more-environmentally-friendly-freelancer-help-us-donate-500-to-charity/" rel="noopener noreferrer">Cyan Ta&#8217;eed</a>, <a target="_blank" href="http://northxeast.com/blogging/building-momentum-how-blog-action-day-got-going/#more-174" rel="noopener noreferrer">Collis Ta&#8217;eed</a>, <a target="_blank" href="http://zenhabits.net/2007/10/5-ways-save-the-world-while-getting-fitter-saving-money-simplifying-and-becoming-happier/" rel="noopener noreferrer">Leo Babauta</a>.</li><li id="footnote_5_102" class="footnote">Daten jeweils 16.10 &#8211; 10.00Uhr.</li><li id="footnote_6_102" class="footnote">Der &quot;prominenteste&quot; deutsche Blogger, der sich gestern beteiligte ist &#8211; soweit ich sehe &#8211; <a target="_blank" href="http://bueltge.de/blog-action-day-2007-umwelt/524/" rel="noopener noreferrer">Frank Bueltge</a> gewesen. Nennenswert sind daneben u.a. <a target="_blank" href="http://www.simoncolumbus.de/?p=363" rel="noopener noreferrer">Simon Columbus</a>, <a target="_blank" href="http://blog.yoda.ch/?p=1745" rel="noopener noreferrer">Yoda</a> aus der Schweiz. Nach der zu erwartenden Resonanz hatte schon vor 5 Wochen Frank Pleil gefragt &#8211; <a target="_blank" href="http://thomaspleil.wordpress.com/2007/09/04/blog-action-day-weltweite-blog-kampagne/" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</li><li id="footnote_7_102" class="footnote">also bspw. ausgeprägte politische und/oder ökologische Sensibilität</li><li id="footnote_8_102" class="footnote">Die Botschaft und ihre &quot;Sender&quot; müssen so glaubwürdig und mitreißend sein, so daß ich mich beteilige.</li><li id="footnote_9_102" class="footnote">Und die Platzhirsche in den USA reagierten erst gar nicht.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/">»Wir sind viele«, oder: Die Blogosphäre gibt es nicht | Werkstattnotiz XVI</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Umweltschutz, Kampf gegen Armut, Menschenrechte&#8230; » Strategien der Mobilisierung und die Inflation medialer Good-Will-Kampagnen &#124; Werkstattnotiz XVII</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/umweltschutz-kampf-gegen-armut-menschenrechte-strategien-der-mobilisierung-und-die-inflation-medialer-good-will-kampagnen-werkstattnotiz-xvii/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Oct 2007 21:59:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Blogosphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kein Tag vergeht, ohne daß einem von irgendeiner Seite abverlangt wird, sich mit drängenden Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen. Und es ist schließlich unabweisbar: die klimaschädlichen Emissionen steigen, Menschenrechte werden weiter nationalen oder egoistischen Interessen geopfert und die Schere zwischen den reichen und armen Regionen öffnet sich. Grund genug also, um auf diese Mißstände hinzuweisen. Grund ... <a title="Umweltschutz, Kampf gegen Armut, Menschenrechte&#8230; » Strategien der Mobilisierung und die Inflation medialer Good-Will-Kampagnen &#124; Werkstattnotiz XVII" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/umweltschutz-kampf-gegen-armut-menschenrechte-strategien-der-mobilisierung-und-die-inflation-medialer-good-will-kampagnen-werkstattnotiz-xvii/" aria-label="Mehr Informationen über Umweltschutz, Kampf gegen Armut, Menschenrechte&#8230; » Strategien der Mobilisierung und die Inflation medialer Good-Will-Kampagnen &#124; Werkstattnotiz XVII">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/umweltschutz-kampf-gegen-armut-menschenrechte-strategien-der-mobilisierung-und-die-inflation-medialer-good-will-kampagnen-werkstattnotiz-xvii/">Umweltschutz, Kampf gegen Armut, Menschenrechte&#8230; » Strategien der Mobilisierung und die Inflation medialer Good-Will-Kampagnen | Werkstattnotiz XVII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kein Tag vergeht, ohne daß einem von irgendeiner Seite abverlangt wird, sich mit drängenden Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen. Und es ist schließlich unabweisbar: die klimaschädlichen Emissionen steigen, Menschenrechte werden weiter nationalen oder egoistischen Interessen geopfert und die Schere zwischen den reichen und armen Regionen öffnet sich.</strong></p>
<p>Grund genug also, um auf diese Mißstände hinzuweisen. Grund genug, um für Solidaritäts- und Informationskampagnen die Werbetrommel zu rühren. Wenigstens ein Stückchen Aufmerksamkeit für die in Not geratenen Menschen, nur ein wenig mehr Bewußtsein für die prekäre ökologische Situation, in die wir (industriellen) Nationen uns hineinmanövriert haben. Wer sollte daran etwas auszusetzen haben? Geht uns die Lage der Welt und ihrer Bewohner nicht alle an? </p>
<h4 class="pullquote">Gibt es die <em>guten</em> und die <em>bösen</em> Blogger?</h4>
<p>Die Argumente, die so oder ähnlich lauten, haben eines gemeinsam: sie haben gewaltiges moralisches Gewicht. Heißt das aber gleichzeitig, daß man als Zeitungsleser auch die Pflicht hat, an den anstehenden Spendenaktionen zur Weihnachtszeit teilzunehmen? Heißt das folglich auch, daß man die Blogcommunity in zwei Lager einteilen kann? Die &#8222;Guten&#8220;, die sich an den Blogaktionen à la &#8222;Free Burma&#8220; brav beteiligen und in die &#8222;Bösen&#8220;, die weiterhin nur ihr eigenes Süppchen kochen?</p>
<p>Ist es überhaupt sinnvoll, selbst an solchen Aktionen teilzunehmen? Wie stehen die Chancen für das jeweilige Anliegen Mitstreiter zu finden? Welche Strategien verfolgen die Organisatoren, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen?</p>
<p>Einigen dieser Fragen möchte ich im folgenden etwas nachspüren. Ich hatte bereits einige grundsätzliche Überlegungen bzgl. der Schwierigkeit die Blogszene zur Teilnahme an solchen events zu motivieren angestellt <em>[vgl. &#8222;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/15/die-launen-der-blogdiva-selbstreferentialitaet-oder-das-schwierige-geschaeft-die-blogosphaere-zu-mobilisieren-werkstattnotiz-xv/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Launen der Blogdiva</a>&#8230;&#8220;]</em> und gestern einen Vergleich der Reichweite der beiden Blogaktionen &#8222;Free Burma&#8220; und &#8222;Blog Action Day&#8220; vorgenommen <em>[vgl. &#8222;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/16/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wir sind viele</a>&#8230;]</em>.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/umweltschutz-kampf-gegen-armut-menschenrechte-strategien-der-mobilisierung-und-die-inflation-medialer-good-will-kampagnen-werkstattnotiz-xvii/#footnote_0_104" id="identifier_0_104" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Thomas Pleil hat sich ebenfalls an einem Vergleich der beiden Aktionen versucht&hellip; nachzulesen hier.">1</a> Als vorläufiges Fazit ist festzustellen: Blogger haben ein sehr feines Sensorium ausgebildet, wenn es darum geht, sie zu einem bestimmten (weil erwünschten) Verhalten zu animieren. Hier ist eher mit trotziger Skepsis, als mit blinder Gefolgschaft zu rechnen. Zweitens zeigt sich anhand solcher Aktionen: die globale Blogosphäre weist deutliche Sprachgrenzen auf. </p>
<p>In diesem dritten Teil werde ich kurz die begleitenden (Online-)Kampagnen der diese Woche stattfindenden Aktionen &#8222;<em>Blog Action Day</em>&#8220; und &#8222;<em>Deine Stimme gegen Armut</em>&#8220; bewerten und kommentieren. </p>
<p><strong>&#8222;Blog Action Day&#8220; &#8211; Hürden der weltweiten Kommunikation</strong></p>
<p>Wie ich bereits <a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/16/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/" rel="noopener noreferrer">hier</a> ausgeführt habe, ging die Idee zum &#8222;<a target="_blank" href="http://www.blogactionday.org/" rel="noopener noreferrer">Blog Action Day</a>&#8220; von drei australischen Bloggern aus. Diese nutzten einerseits ihre durchaus renommierten Blogs, um ab Anfang August für den Aktionstag am 15.10.2007 zu werben. Andererseits stand sehr schnell eine sehr professionelle Kampagnenseite im Netz. Dort ist in allen wichtigen internationalen Sprachen das Anliegen des Aktionstages beschrieben:</p>
<blockquote>
<p>Am 15. Oktober werden sich Blogger überall im Internet zusammentun, um die Öffentlichkeit auf ein ausgewähltes Thema aufmerksam zu machen. Das Thema für den Blog Action Day 2007 ist die Umwelt. Jeder teilnehmende Blogger wird sich auf seine ganz persönliche Weise eines von ihm selbst ausgewählten Umweltthemas annehmen.</p>
</blockquote>
<p>Die Beiträge an diesem Tag sollten sich also um das Thema &#8222;Umwelt&#8220; (&#8222;Environment&#8220;) drehen; dabei wurden die Blogger aufgefordert, einen individuellen Artikel zu schreiben und die Frage aus ihrer jeweiligen Sicht zu beleuchten.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/umweltschutz-kampf-gegen-armut-menschenrechte-strategien-der-mobilisierung-und-die-inflation-medialer-good-will-kampagnen-werkstattnotiz-xvii/#footnote_1_104" id="identifier_1_104" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Einen guten &Uuml;berblick &uuml;ber die verschiedenen Varianten der Beteiligung gibt u.a. Marie Naumann hier in der ReadersEdition.">2</a>  </p>
<p>Unter anderem stand auf der Website folgendes Youtube-Video zur Verfügung, das die Idee nochmal einprägsam transportieren sollte:</p>
<p><object height="350" width="425"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/WfO8mGjXoe8"><param name="wmode" value="transparent"><embed src="http://www.youtube.com/v/WfO8mGjXoe8" type="application/x-shockwave-flash" wmode="transparent" height="350" width="425"></object></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auffallend ist: die Resonanz in Deutschland blieb weit hinter dem Potential zurück. Einige Vermutungen dazu habe ich im letzten Beitrag bereits angestellt. Die Kommunikation über Sprachgrenzen hinaus ist offenbar immer noch problematisch. Außerdem wird sichtbar, daß es von essentieller Bedeutung ist, sog. A-Blogger mit im Boot zu haben. In Deutschland ist das nicht gelungen bzw. nicht versucht worden.</p>
<p> Am griffigen Slogan &#8222;<em>One day. One issue. Thousands of voices</em>.&#8220; kann es m.E. nicht gelegen haben. Dennoch ist die <a href="http://www.charmingquark.de/?p=2826" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Feststellung von Liisa</a> ohne Einschränkungen zutreffend:<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/umweltschutz-kampf-gegen-armut-menschenrechte-strategien-der-mobilisierung-und-die-inflation-medialer-good-will-kampagnen-werkstattnotiz-xvii/#footnote_2_104" id="identifier_2_104" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die kaum verwunderliche Kritik an der Aktion ist ebenfalls in Liisas Blog gut nachzulesen; hier &auml;u&szlig;ert sich &bdquo;creezy&ldquo; folgenderweise: &bdquo;Ehrlich gesagt packen mich solche Aktionen genau nicht, weil sie rein gar nichts bewirken. Mitmachen kann jeder, der Spa&szlig; daran hat. Nichtmitmachen kann jeder, der darin wenig Sinn sieht. Warum soll ich ausgerechnet zum 15.10. zum Thema Umwelt bloggen? Nur weil mich einer zum Schaf einer ganzen Herde machen will?&ldquo;">3</a></p>
<blockquote>
<p>Schaut man sich die Liste der an dem Tag teilnehmenden Weblogs an, fällt ebenfalls auf, dass Weblogs aus Deutschland mit der Lupe gesucht werden müssen. Und ich frage mich mal wieder, woran das liegt? Mir ist das schon bei anderen länderübergreifenden Blogaktionen aufgefallen, dass sich die deutschen Blogger da gerne sehr zurückhalten.</p>
<p>Ist das schlicht blankes Desinteresse? Bekommen sie solche Aktionen gar nicht mit, weil die »maßgeblichen« Blogs in Deutschland (sog. A-Blogger) sich kaum darum kümmern und es darum nicht »interessant genug« ist&#8230;</p>
</blockquote>
<p>Mein persönliches Resümee: Der &#8222;Blog Action Day&#8220; wurde professionell aufgezogen und die Herangehensweise ist vielversprechend. Nächstes Jahr soll ebenfalls am 15. Oktober die zweite Auflage folgen. Es wird erforderlich sein, daß zumindest in den &#8222;<em>großen</em>&#8220; Blognationen ebenfalls Mitstreiter und Bloginsider gefunden werden, die hier für Aufmerksamkeit sorgen. Wenn man es nicht schafft 1-2 Blogger der Topkategorie zu begeistern, dann wird auch nächstes Jahr kein größerer Erfolg drin sein.</p>
<p><strong>&#8222;Deine Stimme gegen Armut&#8220; &#8211; Großer Aufwand und Mißachtung der Blogszene&nbsp;</strong></p>
<p>Nun noch ein kurzer Seitenblick auf die heute stattfindende Aktion &#8222;Deine Stimme gegen Armut&#8220; resp. &#8222;<a target="_blank" href="http://www.standagainstpoverty.org/" rel="noopener noreferrer">Stand against poverty</a>&#8222;. Bevor später die Reklamationen kommen und mir vorwerfen, daß ich hier Äpfel mit Birnen vergleiche. Ja, diese internationale Kampagne &#8211; für die sich eine Vielzahl prominenter Künstler engagiert &#8211; ist <em>keine</em> originäre Online-Aktion. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf Aktionen, die heute weltweit in verschiedenen Städten organisiert werden, häufig in Verbindung mit (kleinen) Konzerten. Getragen ist das alles von der symbolischen Idee: &#8222;<em>Stand up and speak out!</em>&#8222;. So das <a href="http://stell-dich-gegen-armut.de/v2/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">heutige Motto</a>.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/umweltschutz-kampf-gegen-armut-menschenrechte-strategien-der-mobilisierung-und-die-inflation-medialer-good-will-kampagnen-werkstattnotiz-xvii/#footnote_3_104" id="identifier_3_104" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der heutige Aktionstag fand im Rahmen der &uuml;bergreifenden &bdquo;Milleniumsaktion&ldquo; der UN statt.">4</a>  </p>
<p>Allerdings ist den Veranstaltern und Verantwortlichen (federführend die Entwicklungshilfeabteilung der Vereinten Nationen) freilich daran gelegen, möglichst viele Teilnehmer zum Mitmachen zu bewegen. Wenn die Konzertbühne aufgebaut ist und davor verlieren sich ein paar dutzend Besucher, gibt das auch kein überzeugendes Bild ab. Ziel ist es, primär ein Zeichen zu setzen und Bewußtsein für die weltweite Armut zu erzeugen. Der Aufruf zur Beteiligung liest sich wie folgt:</p>
<blockquote>
<p>Am 17. Oktober 2007 findet der weltweite Aktionstag gegen Armut (&#8222;White Band Day&#8220;) statt. Millionen Menschen auf der ganzen Welt werden an diesem Tag darauf aufmerksam machen.<br />Gemeinsam werden die Staats- und Regierungschefs daran erinnert, ihre Versprechen einzuhalten und die UN-Entwicklungsziele (MDGs) bis 2015 umzusetzen.</p>
</blockquote>
<p>Daran gekoppelt ist ein Weltrekordversuch:</p>
<blockquote>
<p>&#8222;Deine Stimme gegen Armut&#8220; ruft dazu auf, am 17. Oktober aktiv am &#8222;Stand up &amp; Speak out&#8220;-Weltrekordversuch teilzunehmen.<br />Ziel dieser globalen Aktion ist es, dass binnen 24 Stunden möglichst viele Menschen gemeinsam Aufstehen und ihre Stimme gegen Armut erheben. </p>
</blockquote>
<p>Dafür wurden Kino- und Fernsehwerbespots gedreht, PDF-Flyer zum Download angeboten und auch ein <a href="http://www.deine-stimme-gegen-armut.de/blog.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blog eingerichtet</a>. Wenn man das Webangebot allerdings näher betrachtet, so kann kaum verwundern, daß die Aktion zumindest in der Blogszene kaum Widerhall gefunden hat. Zwar ist die Website natürlich von Profis gestaltet, allerdings ist offenbar niemand darunter, der ein wenig Blogerfahrung besitzt. </p>
<p>Das aufwendig gestaltete Video ist bspw. nirgendwo in einer YouTube-Version verlinkt.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/umweltschutz-kampf-gegen-armut-menschenrechte-strategien-der-mobilisierung-und-die-inflation-medialer-good-will-kampagnen-werkstattnotiz-xvii/#footnote_4_104" id="identifier_4_104" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dar&uuml;berhinaus lie&szlig;e sich auch fragen, ob man f&uuml;r den aktuellen Aktionstag nicht den Verweis auf den G8-Gipfel h&auml;tte rausschneiden k&ouml;nnen.">5</a> Zwar findet man es dort auch, aber wer sich auf der Aktionsseite informieren und mit Material versorgen will, wird enttäuscht. Denn in Erinnerung bleibt dieses Video sicher dem einen oder anderen:</p>
<p><object height="350" width="425"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/_ebikWrpyno"><param name="wmode" value="transparent"><embed src="http://www.youtube.com/v/_ebikWrpyno" type="application/x-shockwave-flash" wmode="transparent" height="350" width="425"></object><br />&nbsp;</p>
<p>Eine verpasste Möglichkeit unter vielen. Denn anstatt die Möglichkeiten eines Weblogs zu nutzen, werden nur sporadisch kleine Artikel eingestellt, aktuelle Informationen über den Fortschritt der Planungen finden sich so gut wie gar nicht und etwas mehr Hintergrundinformationen hätten meiner Einschätzung nach auch nicht geschadet. Bedenkt man, daß es auch in Deutschland eine Vielzahl von Blogs mit politisch-sozialkritischer Ausrichtung gibt und das Thema &#8222;Armut&#8220; durchaus Anlaß für Diskussionen und Engagement bietet, kann man nur den Kopf darüber schütteln, wenn man sieht, daß in den letzten Wochen (!) nur 2-3 Kommentare im Aktionsblog aufliefen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/umweltschutz-kampf-gegen-armut-menschenrechte-strategien-der-mobilisierung-und-die-inflation-medialer-good-will-kampagnen-werkstattnotiz-xvii/#footnote_5_104" id="identifier_5_104" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und auch am heutigen Aktionstag sind Blogposts, die sich mit der Kampagne befassen oder zum Mitmachen aufrufen, so gut wie nicht zu finden. Ausnahmen sind hier und hier nachzulesen. Und ein kritischer Kommentar steht hier.">6</a> </p>
<h4 class="pullquote">Man hätte es auch jemanden machen lassen können, der sich damit auskennt. <br /></h4>
<p>Als kleine Randbemerkung sei noch der Hinweis erlaubt, daß die &#8222;Pflege&#8220; bzw. &#8222;Betreung&#8220; des Blogs offenbar auch nur sehr nachlässig erfolgt: Kommentare bzw. Trackbacks werden nur mit erheblicher Zeitverzögerung freigeschaltet. Wer zum Dialog und Mitmachen anregen will, sollte hier gewissenhafter sein. Zumindest was den Kampagnenblog betrifft erlaube ich mir das Urteil: man hätte die Sache jemanden machen lassen, der sich damit auskennt. </p>
<p>Auch hier gilt: schade, daß es eine durchaus unterstützungswürdige Aktion durch kleine Fehler und Unkenntnis der Blogszene versäumt, eine stärkere Aufmerksamkeit und Onlinepräsenz zu erzeugen. Und wenn man bedenkt, daß ein Teil der heutigen Aktion eigentlich darauf abzielte, daß auf möglichst vielen Websites die jeweiligen Betreiber ein Photo von sich mit dem Slogan &#8222;Ich zeige Gesicht gegen Armut!&#8220; zu sehen ist, dann kommt man aus dem Kopfschütteln kam mehr heraus. Wußte bei den Organisatoren hier in Deutschland niemand, daß auch Blogs im weiteren Sinne &#8222;Webseiten&#8220; sind und auch Leser haben? </p>
<p>Abschließend läßt sich sagen, daß es durchaus handwerkliche Fehler gibt, die der Mobilisierung für die beiden genannten &#8222;Good Will&#8220;-Kampagnen nicht dienlich waren. Wer sich schon die Mühe macht und einen Blog aufsetzt, der sollte auch bereit sein, sich in die Szene hineinzudenken oder jemanden fragen, der hier Insiderkenntnisse hat. Vielleicht lernen die Organisatoren ja noch dazu?</p>
<p>Generell stellt sich allerdings die Frage, ob man &#8211; wenn sich derlei Aktionstage häufen &#8211; nicht verstärkt Abstumpfungseffekte heraufbeschwört. Ich habe hierauf auch keine Antwort. Allerdings läuft man &#8211; so meine Vermutung &#8211; durchaus Gefahr, daß sich interessierte und potentiell engagierte Leser, Blogger, Bürger ermüdet abwenden, wenn solche Kampagnen allzu inflationär werden.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/umweltschutz-kampf-gegen-armut-menschenrechte-strategien-der-mobilisierung-und-die-inflation-medialer-good-will-kampagnen-werkstattnotiz-xvii/#footnote_6_104" id="identifier_6_104" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Aber es w&auml;re vermutlich einmal zuviel um die Ecke gedacht, wenn man die These aufstellt, da&szlig; das offensichtlich dilettantische Vorgehen dadurch zu verstehen ist, da&szlig; man die Blogszene eben nicht &bdquo;bel&auml;stigen&ldquo; wollte?">7</a> </p>
<p>In diesem Sinne kann man vermutlich nur daran erinnern: es gibt auch ein zuviel des Guten. Aber wenn man &#8222;das Gute&#8220; erreichen will, darauf aufmerksam machen will, daß es Unrecht, Armut, <em>Hunger gibt, dann sollte man das auch möglichst &#8222;gut&#8220; tun. Die Aktion heute war davon &#8211; was die Blogosphäre angeht &#8211; noch ein gutes Stückchen entfernt.</em></p>
<p><em>&nbsp;</em></p>
<p><em>Die beiden vorgehenden Artikel zur selben Frage:</em></p>
<ul>
<li>Werkstattnotiz: <a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/15/die-launen-der-blogdiva-selbstreferentialitaet-oder-das-schwierige-geschaeft-die-blogosphaere-zu-mobilisieren-werkstattnotiz-xv/" rel="noopener noreferrer">Die Launen der Blogdiva, Selbstreferentialität oder: Das schwierige Geschäft die Blogosphäre zu mobilisieren</a> </li>
<li>Werkstattnotiz: <a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/16/wir-sind-viele-oder-die-blogosphaere-gibt-es-nicht-werkstattnotiz-xvi/" rel="noopener noreferrer">»Wir sind viele«, oder: Die Blogosphäre gibt es nicht </a>&nbsp;</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_104" class="footnote">Thomas Pleil hat sich ebenfalls an einem Vergleich der beiden Aktionen versucht&#8230; nachzulesen <a href="http://thomaspleil.wordpress.com/2007/10/15/blog-action-day/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</li><li id="footnote_1_104" class="footnote">Einen guten Überblick über die verschiedenen Varianten der Beteiligung gibt u.a. Marie Naumann <a target="_blank" href="http://www.readers-edition.de/2007/10/16/tausend-stimmen-zur-umwelt-buergerjournalismus-weltweit/" rel="noopener noreferrer">hier</a> in der ReadersEdition.</li><li id="footnote_2_104" class="footnote">Die kaum verwunderliche Kritik an der Aktion ist ebenfalls in Liisas Blog gut nachzulesen; hier äußert sich &#8222;creezy&#8220; <a href="http://www.charmingquark.de/?p=2826#comment-5148" target="_blank" rel="noopener noreferrer">folgenderweise:</a> &#8222;Ehrlich gesagt packen mich solche Aktionen genau nicht, weil sie rein gar nichts bewirken. Mitmachen kann jeder, der Spaß daran hat. Nichtmitmachen kann jeder, der darin wenig Sinn sieht. Warum soll ich ausgerechnet zum 15.10. zum Thema Umwelt bloggen? Nur weil mich einer zum Schaf einer ganzen Herde machen will?&#8220;</li><li id="footnote_3_104" class="footnote">Der heutige Aktionstag fand im Rahmen der übergreifenden &#8222;<a href="http://un-kampagne.de/index.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Milleniumsaktion</a>&#8220; der UN statt.</li><li id="footnote_4_104" class="footnote">Darüberhinaus ließe sich auch fragen, ob man für den aktuellen Aktionstag nicht den Verweis auf den G8-Gipfel hätte rausschneiden können.</li><li id="footnote_5_104" class="footnote">Und auch am heutigen Aktionstag sind Blogposts, die sich mit der Kampagne befassen oder zum Mitmachen aufrufen, so gut wie nicht zu finden. Ausnahmen sind <a target="_blank" href="http://mitgeloggt.de/2007/10/17/gegen-armut/" rel="noopener noreferrer">hier</a> und <a href="http://greenfilm.wordpress.com/2007/10/15/gegen-hunger-und-armut/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> nachzulesen. Und ein kritischer Kommentar steht <a href="http://sozionaut.blogspot.com/2007/10/deine-stimme-gegen-wohlstandszynismus.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</li><li id="footnote_6_104" class="footnote">Aber es wäre vermutlich einmal zuviel um die Ecke gedacht, wenn man die These aufstellt, daß das offensichtlich dilettantische Vorgehen dadurch zu verstehen ist, daß man die Blogszene eben nicht &#8222;belästigen&#8220; wollte?</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/umweltschutz-kampf-gegen-armut-menschenrechte-strategien-der-mobilisierung-und-die-inflation-medialer-good-will-kampagnen-werkstattnotiz-xvii/">Umweltschutz, Kampf gegen Armut, Menschenrechte&#8230; » Strategien der Mobilisierung und die Inflation medialer Good-Will-Kampagnen | Werkstattnotiz XVII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Wie es Euch gefällt&#8230; » Argumentative Pirouetten und die Frage nach dem Tempolimit auf Autobahnen &#124; Werkstattnotiz XXVI</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Nov 2007 12:30:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Genau vor einer Woche stimmte die Mehrheit der Delegierten beim Hamburger SPD-Parteitag für die Einführung eines Tempolimits auf deutschen Autobahnen. Sie widersetzten sich damit der Empfehlung der Parteiführung und leiteten damit eine neue Runde in der nun schon über 30 Jahre andauernden Diskussion um Geschwindigkeitsbegrenzungen ein.&#160; Die Argumente zwischen den verschiedenen Interessensgruppen sind schon längst ... <a title="Wie es Euch gefällt&#8230; » Argumentative Pirouetten und die Frage nach dem Tempolimit auf Autobahnen &#124; Werkstattnotiz XXVI" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/wie-es-euch-gefaellt-argumentative-pirouetten-und-die-frage-nach-dem-tempolimit-auf-autobahnen-werkstattnotiz-xxvi/" aria-label="Mehr Informationen über Wie es Euch gefällt&#8230; » Argumentative Pirouetten und die Frage nach dem Tempolimit auf Autobahnen &#124; Werkstattnotiz XXVI">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/wie-es-euch-gefaellt-argumentative-pirouetten-und-die-frage-nach-dem-tempolimit-auf-autobahnen-werkstattnotiz-xxvi/">Wie es Euch gefällt&#8230; » Argumentative Pirouetten und die Frage nach dem Tempolimit auf Autobahnen | Werkstattnotiz XXVI</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Genau vor einer Woche stimmte die Mehrheit der Delegierten beim Hamburger SPD-Parteitag für die Einführung eines Tempolimits auf deutschen Autobahnen. Sie widersetzten sich damit der Empfehlung der Parteiführung und leiteten damit eine neue Runde in der nun schon über 30 Jahre andauernden Diskussion um Geschwindigkeitsbegrenzungen ein.&nbsp;</strong></p>
<p>Die Argumente zwischen den verschiedenen Interessensgruppen sind schon längst ausgetauscht. Und ebenso klar ist: der Umstand, daß auf über 50% Prozent des deutschen Autobahn-Wegenetzes kein Tempolimit einzuhalten ist, ist europaweit quasi einzigartig.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/wie-es-euch-gefaellt-argumentative-pirouetten-und-die-frage-nach-dem-tempolimit-auf-autobahnen-werkstattnotiz-xxvi/#footnote_0_119" id="identifier_0_119" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Lediglich in Island und auf der Isle of Man gibt es ebenfalls keine Geschwindigkeitsbegrenzungen.">1</a> Seitdem freilich das Thema Klimaschutz auf der politischen Agenda an prominenter Stelle steht und die Reduktion der CO2-Emissionen ein wichtiges Anliegen jeder Regierung sein muß, haben die Befürworter des alten Slogans &quot;<em>Freie Fahrt für freie Bürger</em>&quot; noch schlechtere argumentative Karten.&nbsp;</p>
<p>Da werden dann bisweilen haarsträubende argumentative Pirouetten gedreht, um letztlich doch an der bisherigen Linie festzuhalten. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla meldet sich kaum überraschend mit Sätzen wie diesem zu Wort:</p>
<blockquote>
<p>„Der Nutzen eines allgemeinen Tempolimits steht in keinem Verhältnis zu den Einschränkungen für die Autofahrer. Mit der CDU sind solche Gängeleien nicht zu machen.“ <em>[Quelle: <a target="_blank" href="http://www.welt.de/politik/article1305874/Koalitionsstreit_ueber_Forderung_nach_Tempolimit.html" rel="noopener noreferrer">Welt</a>]</em></p>
</blockquote>
<p>Die Erklärung, weshalb eine Geschwindigkeitsobergrenze allerdings eine Gängelung darstellt, bleibt er freilich schuldig. Schließlich ist der Straßenverkehr an allen Ecken und Enden reglementiert, wieso nicht was die Fahrgeschwindigkeit auf Autobahnen angeht?</p>
<p><strong>Politisches Argumentationskabarett</strong></p>
<p>Die obskursten Argumente, die immer wieder bemüht werden, lauten dann u.a. so:</p>
<blockquote>
<p>&quot;Auf geraden Straßen besteht bei Tempo 130 die Gefahr einzuschlafen.&quot;</p>
</blockquote>
<p>Nur seltsam, daß unter solchen Umständen überhaupt Kraftfahrzeuge zugelassen sind, die dieses offenbar prekäre Limit nur kaum oder nicht überschreiten.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/wie-es-euch-gefaellt-argumentative-pirouetten-und-die-frage-nach-dem-tempolimit-auf-autobahnen-werkstattnotiz-xxvi/#footnote_1_119" id="identifier_1_119" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Schw&auml;cher motorisierte PKWs &auml;lterer Baujahre erreichen h&ouml;chstens auf absch&uuml;ssiger Strecke 140km/h oder mehr..">2</a> Und sollte man &#8211; wenn diese Einschlafgefahr so triftig ist &#8211; nicht viel eher sogar eine Mindestgeschwindigkeit einführen? Also eine Verpflichtung mindestens 130km/h zu fahren? ;-) &nbsp;</p>
<blockquote>
<p>&quot;Das Tempolimit würde vermutlich unzureichend befolgt, die Polizei wäre mit der Kontrolle überfordert.&quot;&nbsp;</p>
</blockquote>
<p>Naja, diese Argumentationslogik ist ähnlich gewagt. Interessante Vorstellung, wenn alle Verhaltensweisen, die nur schwer kontrollierbar sind, plötzlich freigegeben werden.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/wie-es-euch-gefaellt-argumentative-pirouetten-und-die-frage-nach-dem-tempolimit-auf-autobahnen-werkstattnotiz-xxvi/#footnote_2_119" id="identifier_2_119" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wie sieht es hier mit der Legalisierung weicher Drogen aus? Lehrt nicht die Erfahrung ebenso, da&szlig; die Polizei kaum alle kiffenden Jugendlichen kontrollieren kann? ;-) ">3</a></p>
<p><strong>Es nützt ja nur ein bißchen&#8230;&nbsp;</strong></p>
<p>Eine der aktuellen Diskussionen kreist um die Frage, wieviele CO2 durch ein Tempolimit eingespart werden könnte. Die Berechnungen gehen hier etwas auseinander, aber auch Skeptiker räumen ein, daß wohl wenigstens 2,5 Millionen Tonnen CO2 durch diese Maßnahme eingespart werden könnten. Jedoch sei das ja gerade &#8211; so das Lamento &#8211; mal ein knappes Prozent des Gesamtvolumens, das die Bundesrepublik ingesamt gemäß der Klimaschutzabkommen einsparen will bzw. muß. Insofern seien diese 2,5 Millionen Tonnen ja kaum der Rede wert&#8230;</p>
<p>Auch eine interessante Logik &#8211; schließlich lassen sich auf diese Weise auch fast alle andere Klimaschutzmaßnahmen (Energiesparlampen, Stand-By-Schaltung, Nutzung des ÖPNV&nbsp; etc.) als überflüssig delegitimieren. </p>
<h4 class="pullquote">Keine Argumente pro Tempolimit? Was zählt die Reduktion der CO2-Emissionen? Was zählen weniger Verkehrstote pro Jahr? <br /></h4>
<p>Nach diesem Muster könnte man noch weitere &quot;<em>Argumente</em>&quot; der Autofahrerlobby zerpflücken. Die zu erwartende Anzahl der Verkehrstoten, die sich vermindern ließe, gehört ebenfalls dazu. Der ADAC sieht hier freilich (entgegen allen Erfahrungen aus den Nachbarländern oder den Expertenmeinungen von Verkehrswissenschaftlern) keine Vorteile, die sich aus einem Tempolimit ergeben&#8230;</p>
<p>Kurz und prägnant nimmt Gregor Honsel auf dem Technoloy Review-Blog <a href="http://www.heise.de/tr/blog/artikel/98346/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dazu Stellung</a>: </p>
<blockquote><p>„Es gibt kein einziges sachliches Argument, das ein Tempolimit rechtfertigt“, meint CDU-Bundestagsfraktionsvorsitzender Volker Kauder. Bitte sehr, hier sind welche: Die kinetische Energie nimmt im Quadrat zur Geschwindigkeit zu. Zwischen rechter und linker Spur herrscht heute manchmal eine Geschwindigkeitsdifferenz von mehr als hundert Stundenkilometer. Haben diese beiden Fakten einen Einfluss auf die Sicherheit? Definitiv.</p></blockquote>
<p>Übrig bleibt dann nur noch die Frage, ob ein Tempolimit auf Akzeptanz bei der Bevölkerung stieße. Die volkskundigen Herrschaften von ADAC oder CDU glauben zu wissen, daß <em>der</em> Autofahrer &#8211; womit wohl auch alle anderen Bürger/innen eingeschlossen sind &#8211; keine Beschränkung wolle. Bestätigt wird diese Haltung durch Umfragen, wie diejenige von FORSA (durchgeführt diese Woche). ntv vermeldet dann auch prompt &quot;<a href="http://www.n-tv.de/873816.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>Tempolimit 130 unpopulär</em></a>&quot;. </p>
<h4 class="pullquote">&quot;Die Menschen wollen kein Tempolimit!&quot; &#8211; Ach, wirklich? <br /></h4>
<p> Die aktuellen Zahlen weisen dann aber bei genauem Hinsehen lediglich 54% der Befragten aus, die kein Limit wollen, gegen 46%, die sich ein Tempolimit wünschen. Und, zur Erinnerung: im Frühjahr ergab dieselbe Frage (ebenfalls von FORSA durchgeführt, nachlesbar: <a href="http://www.stern.de/presse/vorab/582023.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>) genau das gegenteilige Ergebnis: 60% wollten damals die Einführung von Tempobegrenzungen. Will also nochmals ernsthaft jemand behaupten, man stelle sich mit einem Tempolimit <em>gegen</em> die Bevölkerung?</p>
<p>Und abgesehen davon: seit wann ist die &quot;<em>Meinung</em>&quot; der Bevölkerung  die Richtschnur für Entscheidungen der Bundesregierung &#8211; wurde bei den HartzIV-Gesetzen, der Erhöhung der Mehrwertsteuer etc. auch zur Bedingung gemacht, daß eine 2/3-Mehrheit diesen Schritten im Vorfeld zustimmt? </p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><em>&nbsp;Links:</em></p>
<ul>
<li>ntv: <a href="http://www.n-tv.de/873816.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tempolimit 130 unpopulär</a>, 1.11.2007</li>
</ul>
<ul>
<li>Umweltbundesamt (2003): CO2-Minderung im Verkehr, Studie, [<a href="http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/2606.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PDF</a>] </li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_119" class="footnote">Lediglich in Island und auf der Isle of Man gibt es ebenfalls keine Geschwindigkeitsbegrenzungen.</li><li id="footnote_1_119" class="footnote">Schwächer motorisierte PKWs älterer Baujahre erreichen höchstens auf abschüssiger Strecke 140km/h oder mehr..</li><li id="footnote_2_119" class="footnote">Wie sieht es hier mit der Legalisierung weicher Drogen aus? Lehrt nicht die Erfahrung ebenso, daß die Polizei kaum alle kiffenden Jugendlichen kontrollieren kann? ;-) </li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/wie-es-euch-gefaellt-argumentative-pirouetten-und-die-frage-nach-dem-tempolimit-auf-autobahnen-werkstattnotiz-xxvi/">Wie es Euch gefällt&#8230; » Argumentative Pirouetten und die Frage nach dem Tempolimit auf Autobahnen | Werkstattnotiz XXVI</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die offene Gesellschaft und ihre Freunde » Ralf Dahrendorf erinnert daran, daß Freiheit kein Luxus ist &#124; Werkstattnotiz IV</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/die-offene-gesellschaft-und-ihre-freunde-ralf-dahrendorf-erinnert-daran-dass-freiheit-kein-luxus-ist-werkstattnotiz-iv/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Aug 2007 14:36:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Liberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ganz in der Tradition liberalen Denkens steht Ralf Dahrendorf. Der Soziologe und Sozialphilosoph, der Ende der 60er Jahre kurzzeitig Bundestagsabgeordneter der FDP war und nach dem Wechsel der Staatsbürgerschaft seit einigen Jahren Mitglied des britischen Oberhauses ist, widmete sich in einem Essay der Verführungskraft des Sicherheitsarguments vor dem Hintergrund terroristischer Bedrohungen. In der Neuen Zürcher ... <a title="Die offene Gesellschaft und ihre Freunde » Ralf Dahrendorf erinnert daran, daß Freiheit kein Luxus ist &#124; Werkstattnotiz IV" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/die-offene-gesellschaft-und-ihre-freunde-ralf-dahrendorf-erinnert-daran-dass-freiheit-kein-luxus-ist-werkstattnotiz-iv/" aria-label="Mehr Informationen über Die offene Gesellschaft und ihre Freunde » Ralf Dahrendorf erinnert daran, daß Freiheit kein Luxus ist &#124; Werkstattnotiz IV">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/die-offene-gesellschaft-und-ihre-freunde-ralf-dahrendorf-erinnert-daran-dass-freiheit-kein-luxus-ist-werkstattnotiz-iv/">Die offene Gesellschaft und ihre Freunde » Ralf Dahrendorf erinnert daran, daß Freiheit kein Luxus ist | Werkstattnotiz IV</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ganz in der Tradition liberalen Denkens steht <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ralf_Dahrendorf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ralf Dahrendorf</a>. Der Soziologe und Sozialphilosoph, der Ende der 60er Jahre kurzzeitig Bundestagsabgeordneter der FDP war und nach dem Wechsel der Staatsbürgerschaft seit einigen Jahren Mitglied des britischen Oberhauses ist, widmete sich in einem Essay der Verführungskraft des Sicherheitsarguments vor dem Hintergrund terroristischer Bedrohungen.</strong> </p>
<p>In der Neuen Zürcher Zeitung skizziert er kurz, was Freiheit im liberalen Sinne kennzeichnet, um dann zu erläutern, durch welche staatlichen Maßnahmen diese Freiheit gefährdet ist. Die &quot;Bewegungsfreiheit&quot; in einem umfassenden Sinn &#8211; so Dahrendorfs Forderung &#8211; müsse verteidigt werden:</p>
<blockquote>
<p>Doch fängt die Bewegungsfreiheit vor der eigenen Haustür an, und zu ihr gehört nicht nur die physische Mobilität, sondern auch die Möglichkeit, sich neue Horizonte der Zugehörigkeit (zum Beispiel zu politischen Parteien) zu suchen, ja die virtuelle Mobilität, zu der die elektronische Vernetzung der Welt ermuntert.</p>
</blockquote>
<p>Die immer weitergehende Verschärfung von Polizei- und Haftgesetzen ist ihm freilich ein Dorn im Auge. Die Tatsache, daß Terrorverdächtige mit dem Argument der Gefahrenabwehr wochenlang festgehalten werden, ist ihm Anlaß zur Kritik; ursprünglich durfte ein Verdächtiger in England ohne Anklage maximal 12 Tage lang festgehalten werden. Dieser Zeitraum wurde &#8211; da u.a. in Fällen islamistisch motivierten Terrors umfangreiche Ermittlungen über Ländergrenzen hinweg vorgenommen werden müssen &#8211; auf 28 Tage erweitert. Blair scheiterte mit dem Antrag auf Ausweitung auf 90 Tage, nun aber plädiert Gordon Brown für mindestens 56 Tage. Dahrendorf vermutet, daß wohl ein Kompromiß gefunden werden wird, aber:</p>
<blockquote>
<p>Dennoch liegt hier eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit vor, die mit der liberalen Ordnung nicht vereinbar ist. Sie ist auch nur begrenzt wirksam. Von 1228 unter den britischen Terrorgesetzen Verhafteten sind bisher 41 rechtskräftig verurteilt, hingegen 699 ohne Anklage entlassen worden. Ich fand schon die Verlängerung der Haft ohne Anklage auf 28 Tage ungerechtfertigt und werde wohl (im Oberhaus) gegen jede weitere Verlängerung stimmen.&nbsp;</p>
</blockquote>
<p>Allerdings verknüpft Dahrendorf mit dem neuen Premier Gordon Brown vorsichtige Hoffnungen; die Tatsache, daß Blair sich fast vorbehaltlos an George W. Bushs Seite im Kampf gegen den Terror stellte, hält Dahrendorf für sehr bedauerlich:</p>
<blockquote>
<p>Blair hat überdies wiederholt gesagt, Sicherheit sei die erste Voraussetzung der Freiheit, ja Sicherheit sei unentbehrlicher Teil der Freiheit. Da ist es dann nicht weit zu einer Haltung, die zuerst Sicherheit fordert und die Freiheit unter «ferner liefen» behandelt.</p>
<p>(&#8230;) Es ist aber wichtig, genau zu sein in der Art, in der wir über Freiheit reden. Wer zuerst etwas anderes will, um dann zur Freiheit zu kommen, hat die Freiheit zum Luxusgut erklärt und wird sie vermutlich nie erreichen.</p>
</blockquote>
<p>Seien wir also ganz im Sinne Dahrendorfs sensibilisiert und kritisch, wenn uns Einschränkungen der (Meinungs-, Bewegungs- oder Versammlungs-)Freiheit abverlangt werden. Erinnern wir uns an die Mahnung Dahrendorfs, daß Freiheit eben kein Luxusgut für bessere Zeiten sein darf. Die offene Gesellschaft braucht wachsame Freunde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<ul>
<li>Dahrendorf, Ralf (2007): <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/bewegungsfreiheit_1.542427.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bewegungsfreiheit</a>. Anmerkungen zur Diskussion über Freiheit und Sicherheit. NZZ, 18. August 2007</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<ul>
<li>Ackermann, Ulrike (Hg. &#8211; 2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3882218851?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3882218851">Welche Freiheit</a>. Plädoyers für eine offene Gesellschaft. Matthes &amp; Seitz Berlin. (mit Essays von Ralf Dahrendorf, Ian Buruma, Wolfgang Sofsky, Gerhard Schulze u.a.)</li>
<li>Dahrendorf, Ralf (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406540546?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3406540546">Versuchungen der Unfreiheit</a>. Die Intellektuellen in Zeiten der Prüfung. Beck.</li>
<li>Popper, Karl (1945): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3161480686?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3161480686">Die offene Gesellschaft und ihre Feinde</a> (Band 1+2)</li>
</ul>
<p></p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p><!--adsense#Banner_Breit_01--></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Internationale Blog-Aktion &#8222;Free Burma&#8220; » Die schwachen Argumente der Skeptiker &#124; Werkstattnotiz XI</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/internationale-blog-aktion-free-burma-die-schwachen-argumente-der-skeptiker-werkstattnotiz-xi/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Oct 2007 15:03:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Blogosphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zur These von Marshall McLuhan, daß die Informationstechnologien die Welt zu einem &#34;globalen Dorf&#34; zusammenschrumpfen ließen, ist in den letzten 40 Jahren fast alles gesagt worden. An diesem Bild ist vieles richtig, manche &#8211; allzu euphorische &#8211; Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Die räumliche Distanz ist immer noch ein Faktor, der über Nähe, Empathie und ... <a title="Internationale Blog-Aktion &#8222;Free Burma&#8220; » Die schwachen Argumente der Skeptiker &#124; Werkstattnotiz XI" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/internationale-blog-aktion-free-burma-die-schwachen-argumente-der-skeptiker-werkstattnotiz-xi/" aria-label="Mehr Informationen über Internationale Blog-Aktion &#8222;Free Burma&#8220; » Die schwachen Argumente der Skeptiker &#124; Werkstattnotiz XI">Weiterlesen</a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zur These von Marshall McLuhan, daß die Informationstechnologien die Welt zu einem &quot;globalen Dorf&quot; zusammenschrumpfen ließen, ist in den letzten 40 Jahren fast alles gesagt worden. An diesem Bild ist vieles richtig, manche &#8211; allzu euphorische &#8211; Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Die räumliche Distanz ist immer noch ein Faktor, der über Nähe, Empathie und Solidarität entscheidet. Der Weg bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Erdbevölkerung von sich als &quot;<em>Weltgesellschaft</em>&quot; reden wird, ist noch weit.</strong></p>
<p>Dennoch: die Tatsache, daß die Kommunikation über raumzeitliche Distanzen hinweg in Echtzeit möglich geworden ist und zumindest für die Bürger der fortgeschrittenen Industrienationen zum Alltag gehört, ist eine der begrüßenswerteren technologischen Errungenschaften der letzten Generationen. Auf die aktuellen Fragestellungen gewendet: zu Goethes Zeiten konnte man noch ungestraft schreiben, daß einem die Geschehnisse in anderen Weltgegenden kaum etwas angingen. Was interessierte es den Geheimen Rat Goethe, &quot;<em>wenn hinten, weit, in der Türkei. Die Völker aufeinander schlagen.</em>&quot; So die bekannte Passage im <em>Faust I</em>.</p>
<p><strong>Wandlungen: Das globale Dorf?</strong></p>
<p>Die Zeiten haben sich geändert. Wir <em>können</em> wissen, daß in anderen Regionen Menschenrechte nichts gelten und diejenigen drangsaliert und gar ermordet werden, die für die Minimalstandards (Rede-, Meinungs-, Versammlungsfreiheit) eintreten.</p>
<p>So nun wieder geschehen in Burma. Die Weltöffentlichkeit wurde Zeuge der schwersten Unruhen seit 20 Jahren, nachdem die Demonstrationen buddhistischer Mönche große Resonanz in der Zivilbevölkerung hervergerufen hatten. Und die Weltöffentlichkeit wurde einerseits Zeuge, daß das Regime in Rangun um Junta-Chef Than Shwe mit brutalen Mitteln gegen die Opposition vorgeht und auch nicht vor Mord zurückschreckt, andererseits, daß die Informationskanäle immer weiter beschnitten werden.</p>
<p>Im Ergebnis: einige rare Blogs sind fast die letzten Informationsquellen darüber, was in Burma tatsächlich passiert. Der UN-Sondergesandte Gambari wurde vorläufig von den Machthabern vertröstet und reist wieder aus.</p>
<p>Nun hat sich Ende vergangener Woche &#8211; ausgehend von Italien und Deutschland &#8211; eine Bloginitiative formiert, die am kommenden Donnerstag, den 4. Oktober, genau dieses Thema, nämlich die eklatanten Verstöße gegen das Menschenrecht in Burma, wieder präsent machen will. Oder, in der Formulierung von Frank Hamm/<a target="_blank" href="http://www.readers-edition.de/2007/10/02/internationaler-aktionstag-free-burma/" rel="noopener noreferrer">Readers Edition</a>:</p>
<blockquote>
<p>In der gemeinsamen internationalen Aktion “Free Burma” wollen Blogger, Webmaster, Forenbetreiber und andere Teilnehmer am 4. Oktober auf die Situation in Burma hinweisen und die friedliche Revolution in Burma unterstützen. Es geht darum, Sympathie zu bezeugen und ein Zeichen zu setzen.</p>
</blockquote>
<p>Wie am Banner [rechts unten] abzulesen ist, werde ich die Aktion auch unterstützen. Ich sehe in der Aktion einen sinnvollen Versuch, die internationale Blogsphäre zu mobilisieren, Aufmerksamkeit zu erzeugen und den betroffenen Bloggern in Burma und all den Aktivisten, die für die Demokratie in diesem ostasiatischen Land kämpfen,  zu signalisieren: Euer Anliegen wird von uns zumindest ideel unterstützt.</p>
<p><strong>Wenn Argumente in die Irre führen</strong></p>
<p>Inzwischen häufen sich auch kritische Stimmen, die Sinn und Zweck des Aktionstages anzweifeln. Es sind dabei drei verschiedene Kritikpunkte zu unterscheiden:</p>
<p>1. Den beteiligten Bloggern, allen voran <a target="_blank" href="http://www.basicthinking.de/blog/2007/10/02/action-burma-newsquellen-aktionen/" rel="noopener noreferrer">Robert Basic</a>, gehe es vorrangig darum, mehr Reputation zu erlangen. Die Aktion sei &#8211; so die Kritik &#8211; durch wenig anderes als durch Eitelkeit, Wichtigtuerei und gar durch den Versuch massenhaft Links (und Technoraticredits) zu erhalten, motiviert. </p>
<p>Darauf kann ich leider nur schulterzuckend reagieren, denn gegen Unterstellungen kann man schlecht mit Gegenargumenten kontern. Wer aber nur ein klein wenig einschätzen kann, wie bspw. Robert Basic &quot;tickt&quot;, der weiß vermutlich sehr gut, daß es ihm nicht um weitere Credibility für seinen Blog geht. Aber selbst wenn man ihm hier eigennützige Motive unterstellen wollte: Änderte das etwas an der Tatsache, daß die Aktion eventuell unterstützungswürdig ist? Wie sieht es mit den bislang bereits über 2000 anderen Bloggern aus, die sich beteiligen? Alles nur &quot;Stimmvieh&quot;? Ich rate, dieses Scheinargument wieder in der Mottenkiste zu verstauen.</p>
<p>2. Aber es gibt auch ernstzunehmende Skeptiker. Hier findet sich v.a. die Argumentation, daß möglicherweise der Aktionstag ein hehres Anliegen habe, aber wer sich für Burma engagiere, der könne nicht gleichzeitig von Darfur schweigen. Soll heißen: es finden auch in anderen Gegenden der Welt derzeit Menschenrechtsverletzungen statt und diese werden im Moment in der Blogszene nicht thematisiert. Im Umkehrschluß solle man sich auch diese Aktion sparen &#8211; es demonstriere nur die Inkonsequenz und den Aktionismus einiger Blogger.</p>
<p>Auf den ersten Blick erscheint diese Argumentation durchaus stringent. Allerdings ist sie doch nach einem bekannten Muster gestrickt: das &quot;Strickmuster&quot; folgt dem Prinzip &#8211; &quot;Wer A sagt, muß auch B sagen&quot;. Oder konkreter: Wer zu Somalia, Sudan oder Tschetschenien geschwiegen hat, darf auch jetzt zu Burma nichts sagen.</p>
<p>Zwingend ist diese Logik nicht. Sogar im Gegenteil: ist es nicht begrüßenswert, daß die Blogcommunity wenigstens jetzt, wenigstens einmal ihr soziales, politisches Gewissen entdeckt? Will man tatsächlich demjenigen, der endlich auf Mißstände aufmerksam geworden ist, verbieten sich nun zu engagieren? Und abgesehen davon: müßte man dann nicht jedes Engagement diskreditieren? Denn: wer sich bei Amnesty International engagiert, demonstriert der nicht, daß ihm die oftmals unwürdige Massentierhaltung gleichgültig ist? Steht folglich nicht jeder, der sich für <em>eine</em> Sache einsetzt, in der Kritik, weil er deshalb andere Mißstände nicht verbessern hilft?</p>
<p>3. Zuletzt gibt es die Skeptiker, die fragen, was sich durch die Aktion tatsächlich realistisch verändern läßt.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/internationale-blog-aktion-free-burma-die-schwachen-argumente-der-skeptiker-werkstattnotiz-xi/#footnote_0_91" id="identifier_0_91" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und hier besteht die Verwandtschaft zu der bekannten Fraktion derjenigen, die stets die H&auml;nde in den Hosentaschen aufbewahren und lamentieren: &quot;Aber alleine kann ich doch eh nichts ver&auml;ndern&hellip;&quot;">1</a> Darauf meine Gegenfrage: &quot;Darf man nur das tun, von dessen Effekten [=Erfolg] man im Vorfeld bereits sicher ausgehen kann?&quot; Ich bin mir sicher, daß die Aktion nicht schadet. Und gewisse positive Nebeneffekte &#8211; etwa die Tatsache, daß die Aktion garantiert von einigen Aktivisten in Burma registriert wird und ihnen Mut machen kann &#8211; liegen sowieso auf der Hand.&nbsp;</p>
<p>Ich für meinen Teil sehe diesem &quot;Experiment&quot; Blogaktionstag &quot;Free Burma&quot; gespannt entgegen und werde beobachtet, wie weit die Welle der Solidarität reicht. Wenn möglichst viele andere Blogger sich beteiligen würden &#8211; sei es nach dem Motto: &quot;Besser spät, als nie&quot; &#8211; würde ich mich freuen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Stets aktuelle Infos aus der Blogszene finden sich hier:</p>
<ul>
<li>Rivva: <a target="_blank" href="http://rivva.de/hottopic/burma" rel="noopener noreferrer">Hot-Topic &#8211; &quot;Free Burma&quot;</a></li>
</ul>
<p>Wer glaubt, die Blogaktion greife zu kurz &#8211; hier bei Amnesty kann man sein Engagement auf Dauer stellen:</p>
<ul>
<li><a href="http://rivva.de/hottopic/burma" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Amnesty Int. / Deutschland</a></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>Technorati: <a href="http://technorati.com/posts/tag/free-burma">free-burma</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_91" class="footnote">Und hier besteht die Verwandtschaft zu der bekannten Fraktion derjenigen, die stets die Hände in den Hosentaschen aufbewahren und lamentieren: &quot;Aber alleine kann ich doch eh nichts verändern&#8230;&quot;</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/internationale-blog-aktion-free-burma-die-schwachen-argumente-der-skeptiker-werkstattnotiz-xi/">Internationale Blog-Aktion &#8222;Free Burma&#8220; » Die schwachen Argumente der Skeptiker | Werkstattnotiz XI</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>»Free Burma« &#8211; Bürgerjournalismus in Krisenzeiten und die globalen Solidaritätsnetzwerke &#124; Werkstattnotiz XII</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/free-burma-buergerjournalismus-in-krisenzeiten-und-die-globale-solidaritaetsnetzwerke-werkstattnotiz-xii/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Oct 2007 22:28:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Blogosphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/03/free-burma-buergerjournalismus-in-krisenzeiten-und-die-globale-solidaritaetsnetzwerke-werkstattnotiz-xii/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Recherchieren, informieren, dokumentieren. So lautet die klassische Aufgabenbeschreibung des Journalismus. Wenn – wie derzeit in Burma – die Presse- und Meinungsfreiheit unter Beschuß gerät, dann zeigt sich die Bedeutung des neuen Bürgerjournalismus: in Krisenzeiten sind sog. Weblogs („Online-Tagebücher“) inzwischen häufig eine wichtige Quelle für die freie Berichterstattung. Die Blogger in Burma, die wertvolle Informationen zugänglich ... <a title="»Free Burma« &#8211; Bürgerjournalismus in Krisenzeiten und die globalen Solidaritätsnetzwerke &#124; Werkstattnotiz XII" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/free-burma-buergerjournalismus-in-krisenzeiten-und-die-globale-solidaritaetsnetzwerke-werkstattnotiz-xii/" aria-label="Mehr Informationen über »Free Burma« &#8211; Bürgerjournalismus in Krisenzeiten und die globalen Solidaritätsnetzwerke &#124; Werkstattnotiz XII">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/free-burma-buergerjournalismus-in-krisenzeiten-und-die-globale-solidaritaetsnetzwerke-werkstattnotiz-xii/">»Free Burma« &#8211; Bürgerjournalismus in Krisenzeiten und die globalen Solidaritätsnetzwerke | Werkstattnotiz XII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Recherchieren, informieren, dokumentieren. So lautet die klassische Aufgabenbeschreibung des Journalismus. Wenn – wie derzeit in Burma – die Presse- und Meinungsfreiheit unter Beschuß gerät, dann zeigt sich die Bedeutung des neuen Bürgerjournalismus: in Krisenzeiten sind sog. Weblogs („Online-Tagebücher“) inzwischen häufig eine wichtige Quelle für die freie Berichterstattung.</strong></p>
<p>Die Blogger in Burma, die wertvolle Informationen zugänglich machen, sind aber nicht allein. Nun formiert sich eine internationale Solidaritätsaktion der Blogcommunity. </p>
<p><strong>Krisen- und Kriegszeiten als Hochkonjunktur für den Graswurzeljournalismus?</strong></p>
<p>Die Tatsache ist nicht neu: im Sommer 2006 eskaliert der Konflikt zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah. Daß auch Stadtteile Beiruts Ziele von Angriffen waren, erfährt die&nbsp; interessierte Weltöffentlichkeit zuerst durch Blogs. Ein Jahr später spitzt sich innerhalb weniger Tage die Lage in Burma zu. Die Protestbewegung gegen das Militärregime weitet sich aus. Versammlungsverbote werden verhängt und die Sicherheitskräfte gehen massiv gegen die buddhistischen Mönche und andere Demonstranten vor.</p>
<p>Von den staatlich kontrollierten Zeitungsredaktionen ist kaum zu erwarten, daß die Ausschreitungen thematisiert werden. Und die ausländischen Journalisten sehen sich Repressalien der Militärjunta gegenüber. Währenddessen etablieren sich Weblogs als alternative Kommunikationskanäle. Augenzeugenberichte, Fotos von Mißhandlungen und Videos der Auseinandersetzungen auf den Straßen Ranguns – diese Dokumente stoßen weltweit auf große Aufmerksamkeit. Und sie finden sich zuerst auf privaten burmesischen Internetblogs. </p>
<h4 class="pullquote">Blogs sind Bürgerjournalismus im ursprünglichen Sinne: sie stellen eine Gegenöffentlichkeit dar und sind somit integraler Teil einer pluralen Meinungslandschaft. <br /></h4>
<p>Es ist ein Bürgerjournalismus im ursprünglichen Sinne, der gegen alle Versuche des meinungsfeindlichen Regimes eine Gegenöffentlichkeit darstellt.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/free-burma-buergerjournalismus-in-krisenzeiten-und-die-globale-solidaritaetsnetzwerke-werkstattnotiz-xii/#footnote_0_92" id="identifier_0_92" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und genau hier erweist sich die St&auml;rke von Blogs: Der Betrieb von Blogs erfordert nur geringes Know-How und stellt kaum technische Zugangsbarrieren. Somit sind Blogs &ndash; von staatlichen Institutionen &ndash; auch nur schwer zu kontrollieren.">1</a> Und diese Öffentlichkeit – die&nbsp; Tatsache, daß die brutalen Übergriffe der Sicherheitskräfte weltweit publik werden – ist von zentraler Bedeutung. Die Demokratiebewegung in Burma hat kaum andere Chancen auf Erfolg, als einen internationalen Sturm der Empörung zu entfachen.</p>
<p>Die Machthaber in Burma haben diese Gefahr freilich erkannt. Zensur fand schon lange statt und am Freitag wurden auch die Internetverbindungen größtenteils gekappt. Nun ist es für die engagierten Blogger nur noch unter erschwerten Bedingungen möglich, ihre Informationen nach draußen zu schleusen. Aber auch über die restlichen Schlupfwege gibt es Möglichkeiten, die ungefilterte Berichterstattung aufrecht zu erhalten. Das alles findet – das sollte man nicht vergessen – unter einem nicht unerheblichen persönlichen Risiko statt. Häufig sind es junge Studenten, die hier ihr Leben aufs Spiel setzen.</p>
<p>Robert Basic, einer der prominentesten deutschen Blogger, gesteht diesbezüglich unumwunden ein: „Ganz ehrlich, ich wüsste nicht, ob ich soviel Mut und Zivilcourage aufbringen würde.“<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/free-burma-buergerjournalismus-in-krisenzeiten-und-die-globale-solidaritaetsnetzwerke-werkstattnotiz-xii/#footnote_1_92" id="identifier_1_92" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="So Robert Basic in &quot;Burma-Blogs&quot; am 26.9.2007">2</a> Aber genauso trotzig <a target="_blank" href="http://www.basicthinking.de/blog/2007/09/27/warum/" rel="noopener noreferrer">reklamiert</a><a target="_blank" href="http://www.basicthinking.de/blog/2007/09/27/warum/" rel="noopener noreferrer"> </a>er: „Das Web ermöglicht weitaus mehr, als es manch einer wahrhaben will. Noch haben die meisten Menschen nicht mal ansatzweise begriffen, welche Power sie durch die Vernetzung in der Hand halten.&quot;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/free-burma-buergerjournalismus-in-krisenzeiten-und-die-globale-solidaritaetsnetzwerke-werkstattnotiz-xii/#footnote_2_92" id="identifier_2_92" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="So die durchaus bedenkenswerte These von Robert in &quot;warum?&quot;, am 27.9.2007">3</a></p>
<p>Und genau diese Macht der weltweiten Community soll nun mobilisiert werden. Unzählige Blogger haben sich inzwischen zusammengeschlossen und arbeiten an einer internationalen Solidaritätskampagne für den 4. Oktober.</p>
<p>In zehntausenden privaten Onlinejournalen soll an diesem Tag ausschließlich eine Grafik mit der Botschaft „Free Burma“ erscheinen. Eventuell ergänzt durch einen kurzen Artikel zur aktuellen Situation im südostasiatischen Land. Damit soll demonstriert werden, daß die dortige Demokratiebewegung weltweit Unterstützung findet. In der Formulierung der Blogger liest sich ihr Anliegen wie folgt:</p>
<blockquote><p>»Blogger aus aller Welt bereiten einen Aktionstag zur Unterstützung der friedlichen Revolution in Burma vor. Wir wollen ein Zeichen für den Frieden setzen und den Menschen, die ihr grausames Regime ohne Waffen bekämpfen, unsere Sympathie bekunden. Diese Blogger haben vor, am 4. Oktober 2007 ihre normalen Blog-Aktivitäten einzustellen, um nur einen einzigen Artikel zu veröffentlichen: Ein rotes Banner mit dem Text „Free Burma!“.«</p></blockquote>
<p>Die Aktion ist Indiz dafür, daß die oftmals belächelte und intern zersplitterte Blogcommunity sich unter bestimmten Bedingungen doch zu gemeinsamen Aktionen zusammenraufen kann. Oftmals – und nicht selten zu Recht – wurde der Blogsphäre ihre Selbstreferentialität vorgeworfen: die Themen, die in den Blogs hoch im Kurs standen, hatten häufig herzlich wenig damit zu tun, was „draußen“ auf der Tagesordnung stand. </p>
<h4 class="pullquote">Schluß mit der Selbstreferentialität? Entdecken die Blogs die Politik? Oder entdeckt die Politik die Blogs?</h4>
<p>Mit der jetzigen Aktion demonstrieren die Blogger allerdings, daß sie zunehmend so etwas wie gesellschaftliche Verantwortung entdecken. Zwar wird intern auch darüber diskutiert, ob denn dieser Aktionstag wirklich etwas an der Situation in Burma ändern könne, dabei handelt es sich aber nur um vereinzelte Stimmen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/free-burma-buergerjournalismus-in-krisenzeiten-und-die-globale-solidaritaetsnetzwerke-werkstattnotiz-xii/#footnote_3_92" id="identifier_3_92" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das gibt die Situation von vergangenem Samstag wider. Seither gibt es &ndash; mehr oder minder &ndash; berechtigte Kritik und Einw&auml;nde. Meine Stellungnahme dazu findet sich hier.">4</a> Die Mehrheit der Blogger zeigt sich überzeugt davon, daß es notwendig und wichtig ist, in dieser Frage Stellung zu beziehen.</p>
<p>Interessant ist, daß hier die internationale Kooperation zwischen Bloggern und Webmastern aus ganz verschiedenen Ländern und Kulturkreisen offenbar funktioniert. Wenn – wie nun in Burma – Menschenrechte und die Meinungsfreiheit unterdrückt werden, dann entdeckt das sogenannte „Soziale Netz“ offenbar sein politisches und soziale Gewissen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li>Website der Aktion &quot;<a target="_blank" href="http://www.free-burma.org" rel="noopener noreferrer">Free Burma</a>&quot;</li>
<li><a target="_blank" href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/215/aktuelle-entwicklungen-in-myanmar-ticker" rel="noopener noreferrer">Burma-Ticker</a> des Blogs &quot;Spiegelfechter&quot;</li>
<li>Ebenfalls lesenswert: &quot;<a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/216/quo-vadis-burma" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Quo vadis, Burma?</a>&quot;, Spiegelfechter, 2.10.</li>
<li>Info- und Aktionswebsite &#8211; <a href="http://www.burmacampaign.org.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BurmaCampaign UK</a> (sehr empfehlenswert!)</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><strong><em>Anmerkung:</em></strong> </p>
<p><em>Diesen Artikel habe ich bereits am vergangenen Samstag, den 29.9. geschrieben. Ich hatte ihn ursprünglich für die klassischen Medien gedacht und zunächst telepolis angeboten. Florian Rötzer (Chefredakteur von tp) hat mir daraufhin mitgeteilt, daß sie bereits eine kurze Notiz in Vorbereitung hätten. Diese erschien ja auch am Samstagabend [<a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26303/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>].<br />  </em></p>
<p><em>Daraufhin habe ich den Text u.a. SpiegelOnline offeriert &#8211; die Kollegen der Spiegel-Netzwelt hatten offenbar aber kein Interesse. Ich bin darüber zwar etwas erstaunt und denke, daß es dem SpOn-Leser nicht geschadet hätte zu erfahren, welche weiteren &quot;Nebenfolgen&quot; im Netz die politischen Ereignisse in Burma nach sich ziehen, aber kann es nicht ändern. Allerdings bin ich nun durchaus gespannt, wie lange es dauert, bis SpiegelOnline den Aktionstag doch noch entdeckt und prominent thematisiert&#8230; </em></p>
<p><em></em></p>
<hr width="100%" size="1" /><em></em></p>
<p>Technorati: <a href="http://technorati.com/posts/tag/free-burma">free-burma</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_92" class="footnote">Und genau hier erweist sich die Stärke von Blogs: Der Betrieb von Blogs erfordert nur geringes Know-How und stellt kaum technische Zugangsbarrieren. Somit sind Blogs &#8211; von staatlichen Institutionen &#8211; auch nur schwer zu kontrollieren.</li><li id="footnote_1_92" class="footnote">So Robert Basic in &quot;<a target="_blank" href="http://www.basicthinking.de/blog/2007/09/26/burma-blogs/" rel="noopener noreferrer">Burma-Blogs</a>&quot; am 26.9.2007</li><li id="footnote_2_92" class="footnote">So die durchaus bedenkenswerte These von Robert in &quot;<a target="_blank" href="http://www.basicthinking.de/blog/2007/09/27/warum/" rel="noopener noreferrer">warum?</a>&quot;, am 27.9.2007</li><li id="footnote_3_92" class="footnote">Das gibt die Situation von vergangenem Samstag wider. Seither gibt es &#8211; mehr oder minder &#8211; berechtigte Kritik und Einwände. Meine Stellungnahme dazu findet sich <a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/02/internationale-blog-aktion-free-burma-die-schwachen-argumente-der-skeptiker-werkstattnotiz-xi/" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/free-burma-buergerjournalismus-in-krisenzeiten-und-die-globale-solidaritaetsnetzwerke-werkstattnotiz-xii/">»Free Burma« &#8211; Bürgerjournalismus in Krisenzeiten und die globalen Solidaritätsnetzwerke | Werkstattnotiz XII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>»Free Burma« &#8211; oder: Die universale Verstrickung und das Ende der Gleichgültigkeit » Brecht revisited &#124; Werkstattnotiz XIII</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Oct 2007 21:56:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/03/free-burma-oder-die-universale-verstrickung-und-das-ende-der-gleichgueltigkeit-brecht-revisited-werkstattnotiz-xiii/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der UN-Sonderermittler Gambari ist aus Burma abgereist und schon erreichen uns wieder neue Meldungen, die bei jedem Zeitungsleser und jedem Nachrichtenkonsumenten vermutlich Zorn, Frustration und Wut hervorrufen. Den Medienberichten zufolge rollt derzeit eine Welle von Massenverhaftungen durch das südostasiatische Land. Die Stoßrichtung dieser Strategie scheint klar: einerseits gilt es, die bekannten Kritiker und Oppositionellen mundtot ... <a title="»Free Burma« &#8211; oder: Die universale Verstrickung und das Ende der Gleichgültigkeit » Brecht revisited &#124; Werkstattnotiz XIII" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/free-burma-oder-die-universale-verstrickung-und-das-ende-der-gleichgueltigkeit-brecht-revisited-werkstattnotiz-xiii/" aria-label="Mehr Informationen über »Free Burma« &#8211; oder: Die universale Verstrickung und das Ende der Gleichgültigkeit » Brecht revisited &#124; Werkstattnotiz XIII">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/free-burma-oder-die-universale-verstrickung-und-das-ende-der-gleichgueltigkeit-brecht-revisited-werkstattnotiz-xiii/">»Free Burma« &#8211; oder: Die universale Verstrickung und das Ende der Gleichgültigkeit » Brecht revisited | Werkstattnotiz XIII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der UN-Sonderermittler Gambari ist aus Burma abgereist und schon erreichen uns wieder <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Birma-Proteste;art123,2392351" target="_blank" rel="noopener noreferrer">neue Meldungen</a>, die bei jedem Zeitungsleser und jedem Nachrichtenkonsumenten vermutlich Zorn, Frustration und Wut hervorrufen. Den Medienberichten zufolge rollt derzeit eine Welle von Massenverhaftungen durch das südostasiatische Land.</strong> </p>
<p>Die Stoßrichtung dieser Strategie scheint klar: einerseits gilt es, die bekannten Kritiker und Oppositionellen mundtot zu machen und zumindest vorläufig in Gewahrsam zu nehmen, andererseits wird der großen Zahl der Sympathisanten verdeutlicht: wer Regimekritik übt oder gar lautstark und öffentlichkeitswirksam Menschenrechte einfordert, der hat dafür mit allen Konsequenzen einzustehen. Einschüchterung und Abschreckung nennt man diese leider allzu bewährte Methode, um aufkeimende Unruhen zu ersticken. </p>
<p><strong>Die unterschätzte Macht freier Rede und unkontrollierbarer Kommunikation</strong></p>
<p>Hier in Europa kann man wohl kaum ermessen, wie zermürbend ein solches Klima der Angst sein kann, das nicht umsonst gezielt von der Militärjunta hergestellt wird. Es wäre zu schön gewesen, wenn nach der Eskalation von letzter Woche wenigstens zarte Zeichen der Entspannung sichtbar geworden wären. Allem Anschein nach setzen die Militärs in Rangun auf die erprobte Strategie, wie so viele Unrechtsregime vor ihnen. Und leider beweisen sie damit, daß die Machtverhältnisse zunächst leider wie zementiert scheinen.</p>
<p>Allerdings sträubt sich in mir etwas, wenn es gilt anzuerkennen, daß alle Macht der Welt aus den Gewehrläufen kommt. Haben wir nicht gerade den 17. Tag der Deutschen Einheit hinter uns? Und ist dieser Tag nicht der beste Beweis dafür, daß es möglich ist, ein restriktives System mit friedlichen Mitteln aus den Angeln zu heben?</p>
<p><strong>Internationale Blogaktion »Free Burma« als Aufstand der Anständigen?</strong></p>
<p>Es bleibt also dabei: es gilt den Aufstand der Anständigen zu unterstützen. Das Blogprojekt »Free Burma« könnte dafür ein Anfang sein. Denn klar ist: mit einem einzelnen Blogartikel wird sich kaum etwas nachhaltig in der Welt verändern. Es ist ein Signal, nicht mehr, nicht weniger. Aber es ist die Natur von Signalen, daß sie &quot;<em>verstanden</em>&quot; werden können und in der Lage sind, etwas &quot;<em>anzustoßen&quot;</em>. In uns, in anderen.&nbsp; </p>
<h4 class="pullquote">Die Blogaktion ist ein Signal: ein Zeichen dafür, daß es nicht egal ist, unter welchen Bedingungen Menschen heute leben. Gleichgültigkeit ist immer unausgesprochenes Einverständnis mit den Unterdrückern! <br /></h4>
<p>Wahr ist freilich, daß an so unzählig vielen Stellen dieser Welt die grundlegendsten Menschen- und Bürgerrechte nicht in vollem Umfang verwirklicht sind. Ich habe versucht <a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/02/internationale-blog-aktion-free-burma-die-schwachen-argumente-der-skeptiker-werkstattnotiz-xi/" rel="noopener noreferrer">darzulegen</a>, daß das jeweilige Engagement nicht dadurch diskreditierbar ist, daß es möglicherweise das erste Mal ist, daß man in diesem Sinne seine Stimme erhebt. Die <a target="_blank" href="http://www.free-burma.org" rel="noopener noreferrer">Beteiligung am Blogprojekt</a><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/free-burma-oder-die-universale-verstrickung-und-das-ende-der-gleichgueltigkeit-brecht-revisited-werkstattnotiz-xiii/#footnote_0_93" id="identifier_0_93" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das inzwischen an einigen Orten bereits begonnen hat. Wie hier bei Robert mitverfolgt werden kann&hellip;">1</a> ist nicht verwerflich oder illegitim, weil man hier etwa die burmesische Bewegung bevorzugen würde und andere Mißstände (in Darfur und anderswo) somit ausblende oder gar leugne. </p>
<p>Das Gegenteil ist der Fall: Wer heute erklärt, daß er sich mit der Demokratiebewegung in Burma solidarisch erklärt, zeigt sich gleichzeitig auch solidarisch mit all den zigtausend anderen Unterdrückten an all den anderen Orten dieser Erde. Denn es ist wahr, wie schon Bertolt Brecht feststellt: Wir leben in finsteren Zeiten. Aber genau deshalb gibt es keinen Grund zu Schweigen!<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/free-burma-oder-die-universale-verstrickung-und-das-ende-der-gleichgueltigkeit-brecht-revisited-werkstattnotiz-xiii/#footnote_1_93" id="identifier_1_93" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vielmehr gilt es weiterzumachen: die eigene Sensibilit&auml;t f&uuml;r Menschenrechtsverletzungen noch weiter zu sch&auml;rfen und dann ggf. auch konkreter zu handeln. Die M&ouml;glichkeiten sind vielf&auml;ltig, die Blog-Aktion k&ouml;nnte ja ein erster Schritt sein. Weitere Denkanst&ouml;&szlig;e und Links im n&auml;chsten Blogposting.">2</a> </p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><em>Bertolt Brecht&nbsp;</em> </p>
<p><strong>An die Nachgeborenen&nbsp;</strong></p>
<p>Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!<br />
          <br />
          Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn. <br />
          Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende <br />
          Hat die furchtbare Nachricht <br />
          Nur noch nicht empfangen.
        </p>
<p>Was sind das für Zeiten, wo <br />
          Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist. <br />
          Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!<br />
          <br />
          Der dort ruhig über die Straße geht <br />
          Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde <br />
          Die in Not sind?
        </p>
<p>Es ist wahr: Ich verdiene noch meinen Unterhalt. <br />
          Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts <br />
          Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich sattzuessen.<br />
          Zufällig bin ich verschont.<br />
          Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
        </p>
<p>Aber wie kann ich essen und trinken, wenn<br />
          ich dem Hungernden entreiße, was ich esse, und<br />
          Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?<br />
          Und doch esse und trinke ich.
        </p>
<p>Ich wäre gern auch weise.<br />
          In den alten Büchern steht, was weise ist:<br />
          Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit<br />
          Ohne Furcht verbringen.
        </p>
<p>Auch ohne Gewalt auskommen<br />
          Böses mit Gutem vergelten<br />
          Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen<br />
          Gilt für weise.<br />
          Alles das kann ich nicht:<br />
          Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
      </p>
<hr width="100%" size="1" /><em></em></p>
<p>Technorati: <a href="http://technorati.com/posts/tag/free-burma">free-burma</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_93" class="footnote">Das inzwischen an einigen Orten bereits begonnen hat. Wie <a href="http://www.basicthinking.de/blog/2007/10/03/action-free-burma-campaign-started-new-caledonia/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier bei Robert</a> mitverfolgt werden kann&#8230;</li><li id="footnote_1_93" class="footnote">Vielmehr gilt es weiterzumachen: die eigene Sensibilität für Menschenrechtsverletzungen noch weiter zu schärfen und dann ggf. auch konkreter zu handeln. Die Möglichkeiten sind vielfältig, die Blog-Aktion könnte ja ein erster Schritt sein. Weitere Denkanstöße und Links im nächsten Blogposting.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/free-burma-oder-die-universale-verstrickung-und-das-ende-der-gleichgueltigkeit-brecht-revisited-werkstattnotiz-xiii/">»Free Burma« &#8211; oder: Die universale Verstrickung und das Ende der Gleichgültigkeit » Brecht revisited | Werkstattnotiz XIII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Debattenanalyse » Das Kandidatenduell zur hessischen Landtagswahl unter der Lupe &#124; Werkstattnotiz LVIII</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/debattenanalyse-das-kandidatenduell-zur-hessischen-landtagswahl-unter-der-lupe-werkstattnotiz-lviii/</link>
					<comments>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/debattenanalyse-das-kandidatenduell-zur-hessischen-landtagswahl-unter-der-lupe-werkstattnotiz-lviii/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Jan 2008 22:35:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/21/debattenanalyse-das-kandidatenduell-zur-hessischen-landtagswahl-unter-der-lupe-werkstattnotiz-lviii/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Zugegeben: Vom Ausgang der hessischen Landtagswahl hängt weder der Weltfrieden, noch mein persönliches Wohlergehen ab. Ich habe die letzten Jahre der Regentschaft des unsäglichen Roland Koch überstanden und falls der CDU-Hardliner nochmal ans Ruder kommt, dann werde ich diese mißliche Tatsache in bewährter Politikmanier bewältigen: nämlich &#34;aussitzen&#34; und mich freuen, daß hier in Bayerns Landeshauptstadt ... <a title="Debattenanalyse » Das Kandidatenduell zur hessischen Landtagswahl unter der Lupe &#124; Werkstattnotiz LVIII" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/debattenanalyse-das-kandidatenduell-zur-hessischen-landtagswahl-unter-der-lupe-werkstattnotiz-lviii/" aria-label="Mehr Informationen über Debattenanalyse » Das Kandidatenduell zur hessischen Landtagswahl unter der Lupe &#124; Werkstattnotiz LVIII">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/debattenanalyse-das-kandidatenduell-zur-hessischen-landtagswahl-unter-der-lupe-werkstattnotiz-lviii/">Debattenanalyse » Das Kandidatenduell zur hessischen Landtagswahl unter der Lupe | Werkstattnotiz LVIII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zugegeben: Vom Ausgang der hessischen Landtagswahl hängt weder der Weltfrieden, noch mein persönliches Wohlergehen ab. Ich habe die letzten Jahre der Regentschaft des unsäglichen Roland Koch überstanden und falls der CDU-Hardliner nochmal ans Ruder kommt, dann werde ich diese mißliche Tatsache in bewährter Politikmanier bewältigen: nämlich &quot;aussitzen&quot; und mich freuen, daß hier in Bayerns Landeshauptstadt mit Christian Ude ein sympathisch-liberaler Schnauzbart das Sagen hat.</strong> </p>
<h4 class="pullquote"> Holt der Routinier Roland Koch auf der Zielgerade doch noch auf? Oder erkennen die hessischen Wähler endlich, daß man einen populistischen Vereinfacher nicht wählen sollte? <br /></h4>
<p>Allerdings werde ich am kommenden Sonntag das Wahlergebnis mit Hochspannung erwarten und mich darüber amüsieren, daß in der Wahlberichterstattung alle 15 Minuten darauf verwiesen wird, daß man live aus dem Foyer des hessischen Landtags in Wiesbaden (!) sende. </p>
<p>Das hindert freilich die Zuseher in keinster Weise daran, daß man weiterhin dem Irrglauben anhängt, Frankfurt sei Landeshauptstadt. Egal: wichtig ist, was hinten rauskommt und zu meiner Überraschung hat die SPD-Kandidatin Andrea Ypsilanti gute Chancen um <del>dem</del> Koch gehörig die Suppe zu versalzen. ;-)</p>
<p>Der prototypische Polit-Unsympath sieht ja &#8211; immerhin erkennt er seine mißliche Situation und die schwindende Wählergunst &#8211; seit einigen Wochen bereits seine Felle davonschwimmen, weswegen er einigermaßen panisch nach dem Strohhalm &quot;Jugendkriminalität&quot; griff. Wer Koch kennt, kann kaum verwundert gewesen sein, daß dieser das Thema bar jeder Sachkenntnis und unbefleckt von moralischen Skrupeln<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/debattenanalyse-das-kandidatenduell-zur-hessischen-landtagswahl-unter-der-lupe-werkstattnotiz-lviii/#footnote_0_179" id="identifier_0_179" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hier steht er dem M&uuml;nchner OB-Kandidaten der CSU &ndash; Josef Schmid &ndash; in keiner Weise nach. Dieser schreckte nicht einmal davor zur&uuml;ck, ein uns&auml;gliches Fahndungs-Photo-Plakat mit infamen Slogans plakatieren zu lassen.">1</a> für seine Zwecke instrumentalisierte. </p>
<p>Und nachdem seine Warnrufe vor den randalierenden Inländerfeinden nicht den gewünschten Erfolg zeigen, setzt der rasende Roland nun auf altbekannte <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,529466,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lagerwahlkampfparolen</a>: &quot;Ypsilanti, Al-Wazir und die Kommunisten stoppen!&quot; So lautet ja sein neuester Slogan.</p>
<p>Doch immer wenn dazu aufgerufen wird, eine bestimmte Person oder politische Gegner zu &quot;<em>stoppen</em>&quot;, dann beschleicht mich ein ungutes Gefühl &#8211; die BILD glaubte einst ja auch, ihre Leser auffordern zu müssen, Rudi Dutschke zu stoppen. &quot;Stoppt Dutschke jetzt&quot;, hieß es und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Bachmann" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">einer</a> tat es dann auch&#8230; </p>
<p><strong>Analyse des Fernsehduells Koch vs. Ypsilanti</strong></p>
<p>Damit aber genug Plakat- und Sloganschelte betrieben. Denn gestern abend gab es nun ein TV-Duell zwischen Roland Koch und Andrea Ypsilanti. Da ich selbst beim Münchner Bloggertreffen<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/debattenanalyse-das-kandidatenduell-zur-hessischen-landtagswahl-unter-der-lupe-werkstattnotiz-lviii/#footnote_1_179" id="identifier_1_179" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das wieder einmal ausgesprochen nett und unterhaltsam war. Herzlichen Dank an Klaus Eck, der organisatorisch die Regie f&uuml;hrte.">2</a> war, konnte ich die Debatte nicht ansehen. Dafür liefert der Gießener Politikwissenschaftler Christoph Bieber hier eine ausführliche <a target="_blank" href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2008/01/20/koch-vs-ypsilanti-protokoll/" rel="noopener noreferrer">Zusammenfassung</a>. </p>
<p>Er protokolliert v.a. die technischen Abläufe des Duells, die Fragetechnik der Moderatoren und die Reaktionen von Koch und Ypsilanti. Außerdem analysiert er mögliche kommunikative Strategien der Kandidaten. </p>
<blockquote><p>&quot;In die Verteidungsversuche von Andrea Ypsilanti wirft Koch ein ebenso knappes wie gönnerhaftes „Ganz ruhig, Frau Ypsilanti“ ein. Dabei ging erstmalig ein vernehmbares Raunen durch die Gruppe der Beobachter, man darf gespannt sein, ob sich hierzu eine Entsprechung in der Breitenwahrnehmung beobachten lässt.&quot;</p></blockquote>
<p>Außerdem beschreibt Bieber &#8211; der live vor Ort war &#8211; wie sich die Situation im Studio darstellte. Und er weist auf die Versuche der Kandidaten hin, die &quot;post-debate debate&quot; für sich zu bestimmen. Koch stürzte sich offenbar gleich nach Ende der Sendung auf die Journalistenmeute, um seine Interpretation des Debattenverlaufs in die Mikrofone zu nuscheln. Es geht schlicht darum, sich als Sieger darzustellen&#8230; </p>
<p><a target="_blank" href="http://www.schmidtmitdete.de/archives/64" rel="noopener noreferrer">Jan Schmidt</a> hat die Medienberichte quergelesen und stellt fest, daß bei den professionellen Beobachtern kein Konsens zu finden ist:</p>
<blockquote><p>Interessant aber auch die unterschiedlichen journalistischen Einschätzungen: <a target="_blank" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,529798,00.html" rel="noopener noreferrer">SpON</a> sieht keinen der beiden als klaren Sieger, doch “wie so oft spielte Koch nicht den Landesvater, sondern den Raubauz”. <a target="_blank" href="http://www.focus.de/politik/deutschland/tv-duell_aid_234275.html" rel="noopener noreferrer">Focus Online</a> spricht dagegen von einem Punktsieg für einen friedlichen Koch: “Besonders Koch, der normalerweise einen aggressiven Debattenstil pflegt, hielt sich im Ton auffällig zurück und gab sich staatsmännisch.” <br />Und auf <a href="http://www.n-tv.de/906654.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ntv.de</a> heißt es: “Es war aber Ypsilanti, die nach dem 90-minütigen Streifzug durch die Landespolitik den Eindruck größerer Angriffslust hinterließ.” </p></blockquote>
<p>Es bleibt also spannend. Zu hoffen ist, daß nicht noch weitere Heckenschützen à la Clement<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/debattenanalyse-das-kandidatenduell-zur-hessischen-landtagswahl-unter-der-lupe-werkstattnotiz-lviii/#footnote_2_179" id="identifier_2_179" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der ehemalige Wirtschaftsminister hatte indirekt vor einer Wahl seiner Parteifreundin Ypsilanti &quot;gewarnt&quot;&hellip;">3</a> auftauchen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><em>Link:</em></p>
<ul>
<li>Bieber, Christoph: <a target="_blank" href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2008/01/20/koch-vs-ypsilanti-protokoll/" rel="noopener noreferrer">Koch vs. Ypsilanti – Debatte in acht Runden</a>, in: Internet und Politik (Blog), 20.1.2008</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_179" class="footnote">Hier steht er dem Münchner OB-Kandidaten der CSU &#8211; Josef Schmid &#8211; in keiner Weise nach. Dieser schreckte nicht einmal davor zurück, ein unsägliches <a href="http://www.designtagebuch.de/csu-wahlplakat-tiefpunkt-der-politischen-kultur/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fahndungs-Photo-Plakat</a> mit infamen Slogans plakatieren zu lassen.</li><li id="footnote_1_179" class="footnote">Das wieder einmal ausgesprochen nett und <a href="http://www.sprachspielerin.de/2008/01/21/hardcore/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unterhaltsam</a> war. Herzlichen Dank an <a href="http://klauseck.typepad.com/prblogger/2008/01/bloggertreffen.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Klaus Eck</a>, der organisatorisch die Regie führte.</li><li id="footnote_2_179" class="footnote">Der ehemalige Wirtschaftsminister hatte indirekt vor einer Wahl seiner Parteifreundin Ypsilanti &quot;<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,529998,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gewarnt</a>&quot;&#8230;</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/debattenanalyse-das-kandidatenduell-zur-hessischen-landtagswahl-unter-der-lupe-werkstattnotiz-lviii/">Debattenanalyse » Das Kandidatenduell zur hessischen Landtagswahl unter der Lupe | Werkstattnotiz LVIII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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