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	<title>Placebo Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation </description>
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	<title>Placebo Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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		<title>Glaube kann Berge versetzen » Die suggestive Heilkraft von Medikamentenpreisen &#124; Werkstattnotiz LXXII</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Mar 2008 08:01:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Pharmaindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Placebo]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wurde uns nicht jahrelang eingetrichtert, daß Geiz geil sei? Sind wir nicht längst ein Volk von Schnäppchenjägern, das Sonderangebote umschwirrt wie die Motten das Licht? Haben wir also nicht vollständig inkorporiert, daß alles was billig auch gleichzeitig gut ist? Eine spannende Studie zeigt, daß wir insgeheim doch anders &#34;ticken&#34;. Wenigstens wenn es um unsere Gesundheit ... <a title="Glaube kann Berge versetzen » Die suggestive Heilkraft von Medikamentenpreisen &#124; Werkstattnotiz LXXII" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/glaube-kann-berge-versetzen-die-suggestive-heilkraft-von-medikamentenpreisen-werkstattnotiz-lxxii/" aria-label="Mehr Informationen über Glaube kann Berge versetzen » Die suggestive Heilkraft von Medikamentenpreisen &#124; Werkstattnotiz LXXII">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/glaube-kann-berge-versetzen-die-suggestive-heilkraft-von-medikamentenpreisen-werkstattnotiz-lxxii/">Glaube kann Berge versetzen » Die suggestive Heilkraft von Medikamentenpreisen | Werkstattnotiz LXXII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wurde uns nicht jahrelang eingetrichtert, daß Geiz geil sei? Sind wir nicht längst ein Volk von Schnäppchenjägern, das Sonderangebote umschwirrt wie die Motten das Licht? Haben wir also nicht vollständig inkorporiert, daß alles was billig auch gleichzeitig gut ist? Eine spannende Studie zeigt, daß wir insgeheim doch anders &quot;ticken&quot;. Wenigstens wenn es um unsere Gesundheit und die Heilwirkung von Medikamenten geht, scheint eine andere Logik zu dominieren: teuer ist geil!</strong></p>
<p>Es ist ja gerade eine Woche her, daß man überall <a href="http://www.zeit.de/online/2008/09/prozac-studie-usa" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nachlesen</a> konnte, wie täuschungsanfällig Patienten sind.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/glaube-kann-berge-versetzen-die-suggestive-heilkraft-von-medikamentenpreisen-werkstattnotiz-lxxii/#footnote_0_205" id="identifier_0_205" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nachdem dar&uuml;ber in dutzenden Berichten zu lesen war, habe ich mir einen eigenen Eintrag gespart.">1</a> Mehrere aktuelle Studien hatten gezeigt, daß die millionenfach verschriebenen Antidepressiva, die zur Gruppe der sog. selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) gehören, nicht besser als ein Placebo wirken. </p>
<p><strong>Ob mit oder ohne Wirkstoff: Wir schlucken gerne Medikamente</strong></p>
<p>Zwar profitieren die betroffenen Patienten von der Einnahme der Pillen, aber dies unabhängig davon, ob ein Wirkstoff enthalten ist oder nicht. Insider munkelten schon lange, daß von den immer populäreren Antidepressiva &#8211; wozu auch der Verkaufsschlager &quot;Prozac&quot; gehört &#8211; vor allem die Hersteller profitieren. Zuckerdragees ließen sich kaum zu den horrenden Preisen verkaufen&#8230;</p>
<h4 class="pullquote_left"> Kleine Psychologie der Medikamentenwirksamkeit: je teurer, desto besser <br /></h4>
<p>Eine anders gelagerte Studie des MIT-Psychologen Dan Ariely<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/glaube-kann-berge-versetzen-die-suggestive-heilkraft-von-medikamentenpreisen-werkstattnotiz-lxxii/#footnote_1_205" id="identifier_1_205" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Auf das ich hier bei der &quot;Station&auml;ren Aufnahme&quot; aufmerksam werde.">2</a> zeigt nun, daß es scheinbar just der Verkaufspreis ist, der als gewichtiger Faktor die (gefühlte) Wirksamkeit von Medikamenten beeinflußt. </p>
<p>Was sich zunächst völlig widersinnig anhört, ist das Ergebnis einer Untersuchung, deren Ergebnisse kommende Woche im &quot;Journal of the American Medical Association&quot; veröffentlicht werden sollen. </p>
<p><strong>Wenn der Preis die Wirkung bestimmt&#8230;</strong></p>
<p>Wie n-tv vorab berichtet, hatten Ariely und sein Team insgesamt 82 Probanden mit leichten Elektroschocks traktiert, um die individuelle Schmerztoleranz zu bestimmen. Dann gaben sie der einen Hälfte der Versuchsgruppe eine Tablette und die Zusatzinformation, es handele sich um ein neu entwickeltes Präparat, das pro Stück 2,50 US-Dollar koste. Den anderen Probanden wurde gesagt, die Pille sei ca. 10 Cent wert. Bei beiden (!) Präparaten handelte es sich &#8211; was die Versuchsteilnehmer nicht wußten &#8211; um ein wirkstoffloses Placebo. Was danach passierte ist allerdings erstaunlich &#8211; wie n-tv <a target="_blank" href="http://www.n-tv.de/928791.html?040320081508" rel="noopener noreferrer">schreibt</a>:</p>
<blockquote><p>Bei 85 Prozent der Patienten, die das vermeintlich teurere Präparat bekommen hatten, ließ das subjektive Schmerzempfinden nach der Tabletteneinnahme merklich nach. In der Gruppe mit dem billigen Präparat berichteten hingegen nur 61 Prozent, dass sich ihre Schmerzen gebessert hätten. &quot;Der Placebo-Effekt ist eine der faszinierendsten und am wenigsten genutzten Kräfte im Universum&quot;, kommentierte Ariely das Ergebnis in einer Mitteilung der Duke University.</p></blockquote>
<p>Der <a target="_blank" href="http://www.predictablyirrational.com/" rel="noopener noreferrer">Blog</a> von Dan Ariely trägt wohl nicht ungefähr den Titel &quot;predictably / irrational&quot;. ;-) Sobald das Paper einsehbar ist, lohnt sicherlich ein Blick auf die Details. Soweit ich sehe, ist die Arbeitsgruppe von Dan Ariely allerdings sehr erfahren in diesem Bereich und so unglaubwürdig sind die Ergebnisse auch nicht. Man sollte die menschliche Einbildungskraft nicht unterschätzen. Die Frage ist nur, welche Rückschlüsse wir aus diesen Befunden ziehen? Erhöhen wir einfach die Medikamentpreise um 50%? Warum nicht, wenn es doch der Volksgesundheit dient&#8230;.? </p>
<p>Der Tagesspiegel <a target="_blank" href="http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Titelseite;art692,2488535" rel="noopener noreferrer">kommentiert</a> treffend: </p>
<blockquote><p>Denn wie soll ein Arzt jemals wieder einem Patienten glaubhaft ein billiges Medikament verschreiben? Das kann doch gar nicht mehr helfen, das kann er gleich lassen. Hier kehrt sich die universale Faszination des Placeboeffekts geradezu in einen Fallstrick um. Denn wenn alle über den Preis gesunden wollen – mal ehrlich: Das kann doch keiner bezahlen! Also was tun? Medikamente mit Tarnpreisen auszeichnen, die den eigentlichen bei weitem übersteigen, und die ergaunerte Marge irgendwohin überweisen.</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>Links:</strong></em></p>
<ul>
<li>Tagesspiegel: <a target="_blank" href="http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Titelseite;art692,2488535" rel="noopener noreferrer">Der Tag, an dem …teuer besser ist</a>, 5.3.2008</li>
<li>n-tv.de: <a target="_blank" href="http://www.n-tv.de/928791.html?040320081508" rel="noopener noreferrer">Medikamente ohne Wirkung</a>, 4.3.2008</li>
<li>Stationäre Aufnahme: <a href="http://gesundheit.blogger.de/stories/1064635/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Alles Essig mit Ratiopharm?</a>, 4.3.2008</li>
<li>Kathrin Zinkant: <a target="_blank" href="http://www.zeit.de/online/2008/09/prozac-studie-usa" rel="noopener noreferrer">Wider die Glückspille!</a>, ZEIT online, 27.2.2008</li>
<li>Blog von Dan Ariely: <a target="_blank" href="http://www.predictablyirrational.com/" rel="noopener noreferrer">Predictably / Irrational</a> </li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Update: 5.3.2008 | 16:30Uhr</em></p>
<p>Gerade <a href="http://www.ebm-anwender.de/35/teures-placebo-besser-als-billiges-placebo/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">entdecke ich</a> im Medizinblog &quot;ebm-Anwender&quot;, daß der Artikel verfügbar ist. Leider im Volltext nur für registrierte Nutzer. Dennoch hier der Link:</p>
<ul>
<li>Waber et al. (2008): <a href="http://jama.ama-assn.org/cgi/content/extract/299/9/1016" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Commercial Features of Placebo and Therapeutic Efficacy</a>, JAMA.2008; 299: 1016-1017</li>
</ul>
<p>Und im stets gut sortierten Blog von Ed Silverman finde ich soeben noch<a target="_blank" href="http://www.pharmalot.com/2008/03/expensive-placebos-work-better-than-cheap-ones/" rel="noopener noreferrer"> den Hinweis</a> auf einen New York Times-Artikel von heute. Dort wird auch kurz skizziert, daß es die körpereigenen Opioide sind, die für den Effekt zuständig sind. Diese endogene, also körpereigenen Opioide snd dem Morphium recht ähnlich und treten auch im Zusammenhang mit Stressreaktionen auf.</p>
<blockquote>
<p>“It’s a great finding,” said Guy H. Montgomery, an associate professor of cancer prevention at the Mount Sinai School of Medicine who was not involved in the research. “Their manipulation of price affected expectancies of drug benefit, and pain is the ultimate mind-body phenomenon.”</p>
</blockquote>
<blockquote><p>Previous studies have shown that pill size and color also affect people’s perceptions of effectiveness. In one, people rated black and red capsules as “strongest” and white ones as “weakest.” Other information like the country where the drugs were manufactured can also affect perceptions.</p>
</blockquote>
<ul>
<li>Carey, Benedikt: <a target="_blank" href="http://www.nytimes.com/2008/03/05/health/research/05placebo.html?_r=2&amp;ref=health&amp;oref=slogin&amp;oref=slogin" rel="noopener noreferrer">More Expensive Placebos Bring More Relief</a>, New York Times, 5.3.2008</li>
</ul>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_205" class="footnote">Nachdem darüber in dutzenden Berichten zu lesen war, habe ich mir einen eigenen Eintrag gespart.</li><li id="footnote_1_205" class="footnote">Auf das ich <a href="http://gesundheit.blogger.de/stories/1064635/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> bei der &quot;Stationären Aufnahme&quot; aufmerksam werde.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/glaube-kann-berge-versetzen-die-suggestive-heilkraft-von-medikamentenpreisen-werkstattnotiz-lxxii/">Glaube kann Berge versetzen » Die suggestive Heilkraft von Medikamentenpreisen | Werkstattnotiz LXXII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Der Mythos vom guten Klang: Stradivari-Geigen enttäuschen in Studie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc Scheloske]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jan 2012 15:45:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Stradivari, Guarneri, Amati: schon allein diese Namen klingen toll. Noch viel besser &#8211; so heißt es &#8211; klingen die Instrumente aus den Werkstätten der Geigenbauer aus dem norditalienischen Cremona. Die Geigen des Antonio Stradivari seien schlicht perfekt. Ihr Klang einzigartig. Doch eine aktuelle Studie zeigt: einzigartig ist (neben dem Preis) wohl vor allem der Ruf ... <a title="Der Mythos vom guten Klang: Stradivari-Geigen enttäuschen in Studie" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/01/der-mythos-vom-guten-klang-stradivari-geigen-enttaeuschen-in-studie/" aria-label="Mehr Informationen über Der Mythos vom guten Klang: Stradivari-Geigen enttäuschen in Studie">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/01/der-mythos-vom-guten-klang-stradivari-geigen-enttaeuschen-in-studie/">Der Mythos vom guten Klang: Stradivari-Geigen enttäuschen in Studie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/01/17/der-mythos-vom-guten-klang-stradivari-geigen-enttaeuschen-in-studie/geige220/" rel="attachment wp-att-2002"><img decoding="async" class="alignright size-full wp-image-2002" style="border: 0pt none; margin: 2px 8px;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2012/01/Geige220.jpg" alt="Der Mythos vom guten Klang: Stradivari-Geigen enttäuschen in Studie" width="220" height="157" /></a>Stradivari, Guarneri, Amati: schon allein diese Namen klingen toll. Noch viel besser &#8211; so heißt es &#8211; klingen die Instrumente aus den Werkstätten der Geigenbauer aus dem norditalienischen Cremona. Die Geigen des Antonio Stradivari seien schlicht perfekt. Ihr Klang einzigartig. Doch eine aktuelle Studie zeigt: einzigartig ist (neben dem Preis) wohl vor allem der Ruf der Geigen von Stradivari, Guarneri &amp; Co. In einem Test schnitten sie nämlich schlechter ab als moderne Geigen.</strong></p>
<p>Das norditalienische Städtchen Cremona ist ja irgendwie das Wimbledon des Geigenbaus. Neben den heute noch allgemein bekannten Stars wie <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Antonio_Stradivari">Stradivari</a> und <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Guarneri_del_Ges%C3%B9">Guarneri del Gesù</a> hat auch die bemerkenswerte Geigenbaudynastie der <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Amati">Amati</a> ihre Wurzeln in Cremona und auch die Instrumente von <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Francesco_Ruggeri">Francesco Ruggeri</a> erzielen heute Preise jenseits der Millionengrenze.</p>
<p>Ich selbst war vor gut zwei Jahren in Cremona, habe bei Nieselregen in einem kleinen Café in Sichtweite des Doms einen Capuccino getrunken und habe am Domportal die mißlungensten Steinlöwen der Kirchenbaugeschichte gesehen. Gefallen hat mir Cremona dennoch und ich habe darüber nachgedacht, wie es nur möglich war, daß hier vor rund 300 Jahren Musikinstrumente gebaut wurden, deren Qualität nie wieder erreicht werden sollte.</p>
<figure id="attachment_2004" aria-describedby="caption-attachment-2004" style="width: 570px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/01/17/der-mythos-vom-guten-klang-stradivari-geigen-enttaeuschen-in-studie/cremona_dom_580/" rel="attachment wp-att-2004"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-2004"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2012/01/Cremona_Dom_580.jpg" alt="Löwe am Domportal von Cremona" width="580" height="402" srcset="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2012/01/Cremona_Dom_580.jpg 580w, https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2012/01/Cremona_Dom_580-400x277.jpg 400w" sizes="(max-width: 580px) 100vw, 580px" /></a><figcaption id="caption-attachment-2004" class="wp-caption-text">Eigenwilliger Löwe am Portal des Cremoneser Doms</figcaption></figure>
<h2>
<p class="zwischenueberschrift_mit_linie">Legendäre Geigenbauer: Antonio Stradivari und Guarneri del Gesù</p>
</h2>
<p>Ich selbst habe ehrlicherweise keine großartige Ahnung von Streichinstrumenten. Ich höre mir durchaus gerne klassische Konzerte an und liebe das Cellokonzert in h-moll von <em>Antonin Dvořák</em>. Aber wenn es um die Eigenschaften von Violinen, Bratschen oder Celli geht, so kann ich mir kein Urteil erlauben. Ich glaube einfach, was ich so lese. Und wenn auch die Topstars der heutigen Geigenszene (von Anne-Sophie Mutter bis zum unvermeidlichen David Garrett) auf einer Stradivari spielen und deren einzigartigen, legendären Klang in höchsten Tönen loben, so muß da was dran sein. So dachte ich. Bis letzte Woche&#8230;</p>
<p><span class="pullquote_left">Sind die Geigen von Stradivari oder Guarneri so gut wie ihr Ruf?</span></p>
<p>Aber auch bei den berühmten Geigen ist es offenbar wie mit anderen Legenden: einer Überprüfung halten sie nicht unbedingt stand. Wie überlegen die Eigenschaften (und der Klang) der Geigen von Antonio Stradivari oder seinem nicht minder berühmten Kollegen Guarneri del Gesù tatsächlich sind, testete kürzlich die Geigenforscherin Dr. Claudia Fritz vom Institut Jean Le Rond d’Alembert der Universität Paris. <a  href="http://science.orf.at/stories/1692648/">Die Meldung</a> zu ihren interessanten Ergebnissen machte schon letzte Woche die Runde, da ich die Studie aber so klasse finde, blogge ich dennoch nochmal darüber.</p>
<p class="zwischenueberschrift_mit_linie">Was ist dran am einzigartigen Ruf der edlen Instrumente?</p>
<p>Claudia Fritz wollte wissen, ob Geigenexperten die legendären Instrumente tatsächlich von &#8222;normalen&#8220; Geigen unterscheiden können. Schließlich wird ja genau das immer behauptet: die weltbekannten Geigenvirtuosen spielen auf einer Stradivari, weil diese eben diesen einzigartigen und unübertroffenen Klang habe. Und da gäbe es eben einen großen hörbaren und für den Geiger auch fühlbaren Unterschied.</p>
<p><span class="pullquote">Im Test schneiden &#8222;neue&#8220; Geigen besser ab. Profimusiker erkennen die gefeierten Instrumente nicht.</span></p>
<p>Für ihren Test hatte Claudia Fritz zwei Stradivaris (aus dem Jahr 1700 bzw. 1715) und eine Guarneri aus dem Jahr 1740 zur Verfügung. Zum Vergleich gab es drei &#8222;moderne&#8220; Geigen, alle nur ein paar Jahre alt. Der Versuch fand im Rahmen des  Internationalen Geigenwettbewerbs in Indianapolis im Herbst 2010 statt. 21 Topmusiker nahmen daran teil und sollten aus den sechs vorhandenen Instrumenten ihren Favoriten auswählen und beurteilen (und in Hörtests die Klangfarbe, Tonqualität etc. beurteilen).</p>
<p>Der Test war als &#8222;Blindversuch&#8220; konzipiert: abgedunkelter Raum, die Testpersonen trugen eine Brille und die Geigen wurden mit einem Duftstoff versehen, so daß auch eine geruchliche Beeinflussung ausgeschlossen war. Das Ergebnis? Der Test zeigte deutlich, daß die Instrumente quasi nicht zu unterscheiden sind. Und die Stradivari- und Guarneri-Geigen schnitten sogar schlechter ab: nur acht der 21 Musiker wollten einen millionenschweren Mythos mit nach Hause nehmen, 13 Musiker entschieden sich für ein neues Instrument. In den Hörtests wurde eine der Stradivari-Geigen am schlechtesten bewertet, am beliebtesten war eine der neuen Geigen.</p>
<p class="zwischenueberschrift_mit_linie">Imponiert uns der Klang oder der klangvolle Name?</p>
<p>Das Ergebnis ist recht eindeutig: Geigen mit klangvollen Namen halten im Test nicht, was sie versprechen. Wie kommt es dann aber, daß sich der Mythos von den vermeintlich so unübertrefflich guten Instrumenten so lange hält? Eine einfache Antwort darauf gibt es sicher nicht. Klar ist, daß es durchaus selbstverstärkende Effekte gibt (zumindest was das Urteil der Zuhörer betrifft): denn eine Anne-Sophie Mutter spielt natürlich besser als irgendein Zweitliga-Geiger im städtischen Konzerthaus. Doch was ist der Virtuosität der Geigerin geschuldet und was dem Instrument?</p>
<p class="pullquote">Wie ist der Mythos um die Geigen erklärbar? Welche Rolle spielt das Wissen um die millionenteuren Instrumente?</p>
<p>Was das (Experten-)Urteil der Musiker selbst angeht, so dürfte hier ein durchaus bekannter Effekt eine Rolle spielen. Es geht schlicht um die Erwartungshaltung, die in einem solchen Fall fast zwangsläufig Bestätigung finden muß. Bekommt ein talentierter Geiger zum ersten Mal eine Stradivari in die Hand, so wird er (wissend, daß er nun den Bogen an eine millionenschwere Kostbarkeit anlegt) naturgemäß den Klang, die Tonfarbe usw. entsprechend beurteilen. Das ist menschlich. :-)</p>
<p class="zwischenueberschrift_mit_linie">Teuer klingt gut, schmeckt gut, wirkt gut</p>
<p>Der Mechanismus dahinter ist aus anderen Studien bekannt: was teuer ist, wird von den Probanden auch gut bewertet. Das kann teurer Wein sein (der schon allein deshalb besser schmeckt) oder es kann sich um Medikamente handeln. Der Verhaltensforscher Dan Ariely hat dazu mehrere Experimente durchgeführt. 2008 verabreichte er zwei Gruppen ein angebliches Schmerzmittel (beidesmal waren es nur Placebo-Pillen). Die eine Gruppe bekam die Info, jede Pille koste 2,50 Dollar. Der anderen Gruppe wurde mitgeteilt, die Pille koste wenige Cent. Die schmerzlindernde Wirkung beider Tabletten war danach auch entsprechend: die teure Placebo-Schmerztablette konnte bei 85 Prozent der Teilnehmer die Schmerzen reduzieren, das billige Präparat wirkte dagegen nur bei 61 Prozent.</p>
<p>Und was bei Schmerzmitteln der Unterschied zwischen der Pille für wenige Cent und der für 2,50 Dollar ist, das ist in der Welt einfach hochskaliert. Für gute, moderne Geigen muß man durchaus auch einen fünfstelligen Eurobetrag hinblättern, für absolute Spitzengeigen kann man gar 100.00 Euro investieren. Im Vergleich zu den Millionenwerten einer Stradivari sind das Peanuts.</p>
<div class="werkstattlinks">
<p><strong>Studien:</strong></p>
<ul>
<li>Claudia Fritza,1,2, Joseph Curtinb,1, Jacques Poitevineaua, Palmer Morrel-Samuelsc, and Fan-Chia Taod: <a  href="http://www.pnas.org/content/early/2012/01/02/1114999109">Player preferences among new and old violins</a>, in: PNAS January 3, 2012, doi: 10.1073/pnas.1114999109</li>
<li>Ariely, D. et. al: <a  href="http://jama.ama-assn.org/content/299/9/1016.short">Commercial Features of Placebo and Therapeutic Efficacy</a>, in: AMA. 2008;299(9):1016-1017. doi: 10.1001/jama.299.9.1016.</li>
</ul>
<p>Links / Büchertipp:</p>
<ul>
<li>Dan Ariely: <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3426780356/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3426780356">Denken hilft zwar, nützt aber nichts: Warum wir immer wieder unvernünftige Entscheidungen treffen.</a> (Amazon-Link)</li>
</ul>
</div>
<p style="text-align: center;"><small>Bildquellen &#8211; Löwe Cremona (eigenes Photo) / Geige (stock.xchng, User: propa)</small></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/01/der-mythos-vom-guten-klang-stradivari-geigen-enttaeuschen-in-studie/">Der Mythos vom guten Klang: Stradivari-Geigen enttäuschen in Studie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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