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	<title>Nebenfolgen Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation </description>
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	<title>Nebenfolgen Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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		<title>Tödliche Verwechslungen I » Schlamperei bei der Narkose: Anästhesierisiken &#124; Werkstattnotiz LIV</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Jan 2008 08:17:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer sich in ärztliche Behandlung begibt, hat dafür zumeist einen guten Grund. Und meist ist es ja auch ratsam die Beschwerden von einem Fachmann abklären zu lassen &#8211; in manchen Fällen wäre es allerdings besser gewesen, die Betroffenen hätten sich den Gang zum Arzt oder in die Klinik gespart: denn erst grobe Behandlungsfehler sorgen für ... <a title="Tödliche Verwechslungen I » Schlamperei bei der Narkose: Anästhesierisiken &#124; Werkstattnotiz LIV" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/toedliche-verwechslungen-i-schlamperei-bei-der-narkose-anaesthesierisiken-werkstattnotiz-liv/" aria-label="Mehr Informationen über Tödliche Verwechslungen I » Schlamperei bei der Narkose: Anästhesierisiken &#124; Werkstattnotiz LIV">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/toedliche-verwechslungen-i-schlamperei-bei-der-narkose-anaesthesierisiken-werkstattnotiz-liv/">Tödliche Verwechslungen I » Schlamperei bei der Narkose: Anästhesierisiken | Werkstattnotiz LIV</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img decoding="async" width="220" height="146" align="right" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/01/Vitalzeichen_01.jpg" alt="Vitalzeichen_01.jpg" style="margin: 10px;" />Wer sich in ärztliche Behandlung begibt, hat dafür zumeist einen guten Grund. Und meist ist es ja auch ratsam die Beschwerden von einem Fachmann abklären zu lassen &#8211; in manchen Fällen wäre es allerdings besser gewesen, die Betroffenen hätten sich den Gang zum Arzt oder in die Klinik gespart: denn erst grobe <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/16/behandlungsfehler-komplikationen-infektionen-die-risiken-von-klinikaufenthalten-werkstattnotiz-iil/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Behandlungsfehler</a> sorgen für Schäden, die vielfach schlimmer sind als das ursprüngliche Leiden.</strong></p>
<p>Und manchmal sind es &#8211; wie man aktuell in der ZEIT lesen kann &#8211; schlicht Verwechslungen oder Vertrotteltheit des Personals, wenn am Ende Patienten die Klinik schwer geschädigt oder im Leichenwagen verlassen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/toedliche-verwechslungen-i-schlamperei-bei-der-narkose-anaesthesierisiken-werkstattnotiz-liv/#footnote_0_167" id="identifier_0_167" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Abbildung [oben rechts] stammt von User &quot;bjearwicke&quot; bei stock.xchng">1</a></p>
<h4 class="pullquote_left"> Nach Expertenschätzung führen in Deutschland jedes Jahr 40-50 Narkosefehler zum Tod. Die Dunkelziffer dürfte allerdings höher liegen. <br /></h4>
<p>Jede Narkose ist per se ein riskantes Unterfangen. Die Anästhesisten sind freilich gut ausgebildet und weisen genug Routine auf, so daß &#8211; wenigstens was die Narkose betrifft &#8211; jährlich Millionen Patienten ihre Operation unbeschadet überstehen. Dennoch kommt es immer wieder zu dramatischen Zwischenfällen. </p>
<p>Fachleute rechnen mit jährlich 40-50 Todesfällen, die auf Narkosefehler zurückzuführen sind. Wie eine Untersuchung des Anästhesisten Volker Wenzel und seines Kollegen Holger Herff von der Medizinischen Universität Innsbruck zeigt, wurden in 10% der Fälle die Patienten irrtümlich mit Lachgas statt mit Sauerstoff beatmet.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/toedliche-verwechslungen-i-schlamperei-bei-der-narkose-anaesthesierisiken-werkstattnotiz-liv/#footnote_1_167" id="identifier_1_167" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zwar ist der medizinische Gebrauch von Distickstoffmonoxid, wie Lachgas korrekt hei&szlig;t, leicht r&uuml;ckl&auml;ufig, aber dieses klassische Narkosegas mit seiner schmerzstilllenden Wirkung ist nach wie vor Standard in der An&auml;sthesie.">2</a> Wie es soweit kommen kann?</p>
<blockquote><p>Mal hatten Techniker im Keller des Krankenhauses die Lachgastanks versehentlich an die Sauerstoffversorgung gestöpselt, ein anderes Mal hatte jemand den Überblick im Schlauchgewirr einer Herz-Lungen-Maschine verloren oder ein Narkosegerät nach der Wartung falsch zusammengeschraubt.</p></blockquote>
<p>Es sind also haarsträubende Pannen, die schlichte Verwechslung von Schläuchen, die am Ende zum Tod von Patienten führen. Irritierend ist aber, daß es zu diesen Fällen offenbar keine offiziellen Erhebungen und fachlichen Studien gibt. Volker Wenzel wußte aus seiner Arbeit von solchen Unfällen und war verwundert, daß er nur vereinzelt in Tageszeitungen davon las. Die Dunkelziffer schätzt er allerdings deutlich höher als diese 10% ein, denn eine lernsensitive Fehlerkultur gebe es in der Medizin nicht:</p>
<blockquote><p>»Die Medizin ist nach wie vor obrigkeitshörig«, sagt der Arzt. »Fehler werden nicht, wie in der Luftfahrt üblich, offen diskutiert. Wir haben hier eine hausgemachte Katastrophe bei Narkosen in geplanten Eingriffen, und wir reden noch nicht mal drüber.«</p></blockquote>
<p>Über die Tatsache, daß nach Wartungs- oder Reparaturarbeiten an Narkosegeräten kein Sicherheitscheck vorgeschrieben ist, kann man freilich nur fassungslos mit dem Kopf schütteln. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><em>Link:</em></p>
<ul>
<li>Albrecht, Harro: <a href="http://www.zeit.de/2008/02/M-Lachgas" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verhängnisvolle Verwechslung</a>, Die ZEIT, 3.1.2008</li>
<li>Wissenswerkstatt: <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/16/behandlungsfehler-komplikationen-infektionen-die-risiken-von-klinikaufenthalten-werkstattnotiz-iil/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Behandlungsfehler, Komplikationen &amp; Infektionen » Die Risiken von Klinikaufenthalten </a>| Werkstattnotiz IIL, 16.12.2007</li>
</ul>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_167" class="footnote">Die Abbildung [oben rechts] stammt von User &quot;bjearwicke&quot; bei stock.xchng</li><li id="footnote_1_167" class="footnote">Zwar ist der medizinische Gebrauch von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Distickstoffmonoxid" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Distickstoffmonoxid</a>, wie Lachgas korrekt heißt, leicht rückläufig, aber dieses klassische Narkosegas mit seiner schmerzstilllenden Wirkung ist nach wie vor Standard in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/An%C3%A4sthesie" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Anästhesie</a>.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/toedliche-verwechslungen-i-schlamperei-bei-der-narkose-anaesthesierisiken-werkstattnotiz-liv/">Tödliche Verwechslungen I » Schlamperei bei der Narkose: Anästhesierisiken | Werkstattnotiz LIV</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Journalismus zwischen den Fronten » Wenn in Technologiekontroversen Sachkenntnis nicht mehr ausreicht &#124; Werkstattnotiz LXXXIV</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/journalismus-zwischen-den-fronten-wenn-in-technologiekontroversen-sachkenntnis-nicht-mehr-ausreicht-werkstattnotiz-lxxxiv/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 May 2008 08:25:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt derzeit kaum ein umstritteneres Thema als die sog. &#8222;grüne&#8220; Gentechnik. Doch was ist mit eventuellen Risiken? Wer spricht als neutraler Experte, wer im Auftrag der Lobby? Was ist wenn sich auf lokaler Ebene Protestbewegungen formieren? Wie und wo positioniert sich in dieser unübersichtlichen Gefechtslage der Journalismus? Unter dem Begriff grüne Gentechnik werden alle ... <a title="Journalismus zwischen den Fronten » Wenn in Technologiekontroversen Sachkenntnis nicht mehr ausreicht &#124; Werkstattnotiz LXXXIV" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/journalismus-zwischen-den-fronten-wenn-in-technologiekontroversen-sachkenntnis-nicht-mehr-ausreicht-werkstattnotiz-lxxxiv/" aria-label="Mehr Informationen über Journalismus zwischen den Fronten » Wenn in Technologiekontroversen Sachkenntnis nicht mehr ausreicht &#124; Werkstattnotiz LXXXIV">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/journalismus-zwischen-den-fronten-wenn-in-technologiekontroversen-sachkenntnis-nicht-mehr-ausreicht-werkstattnotiz-lxxxiv/">Journalismus zwischen den Fronten » Wenn in Technologiekontroversen Sachkenntnis nicht mehr ausreicht | Werkstattnotiz LXXXIV</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignright" style="border: 1px solid #dcdcdc; float: right; margin-left: 7px; margin-right: 7px;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/uploads/2008/05/Mais.jpg" alt="Mais, Quelle: stock.xchng, user: luisrock62" width="180" height="236" /><strong>Es gibt derzeit kaum ein umstritteneres Thema als die sog. &#8222;grüne&#8220; Gentechnik.  Doch was ist mit eventuellen Risiken? Wer spricht als neutraler Experte, wer im Auftrag der Lobby? Was ist wenn sich auf lokaler Ebene Protestbewegungen formieren? Wie und wo positioniert sich in dieser unübersichtlichen Gefechtslage der Journalismus?<br />
</strong></p>
<p>Unter dem Begriff grüne Gentechnik werden alle Bemühungen subsummiert, mittels gentechnologischer Verfahren das pflanzliche Erbgut gezielt zu manipulieren. Das Ziel von Forschern und den natürlich äußerst aktiven Lebensmittel- und Saatgutkonzernen sind ertragreichere, resistentere und (je nach Intention) &#8222;optimierte&#8220; Pflanzen. Gentechnik ist hier also ein Instrument der Pflanzenzüchtung.</p>
<p>Das Problem ist: wie bei jeder Technologie sind neben den erwünschten Folgen (etwa der Resistenz gegen bestimmte Schädlinge) auch &#8222;Nebenfolgen&#8220; nicht auszuschließen. Das reicht von der Beeinträchtigung von sog. Nicht-Zielorganismen (wenn eben statt des Schädlings auch harmlose Schmetterlinge der Veränderung zum Opfer fallen) bis zur Frage, welche negativen Auswirkungen möglicherweise der Verzehr von gentechnologisch veränderten Lebensmitteln für den Menschen hat.</p>
<h4 class="pullquote_left">Welchem Wissenschaftler soll man glauben, wenn sich sogar die Fachleute (teilweise) widersprechen?</h4>
<p><strong>Selbstwiderlegung der Wissenschaft</strong></p>
<p>Tatsache ist: bezüglich vieler Fragen gibt es widersprüchliche Expertenmeinungen gibt. Manche halten gentechnologisch veränderte Pflanzen, die das Zulassungsverfahren überstanden haben, für vollkommen unbedenklich<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/journalismus-zwischen-den-fronten-wenn-in-technologiekontroversen-sachkenntnis-nicht-mehr-ausreicht-werkstattnotiz-lxxxiv/#footnote_0_283" id="identifier_0_283" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Was ja per definitionem auch der Fall sein sollte.">1</a>, andere Fachleute können auf seriöse Studien verweisen, die doch ein Risikopotential konstatieren.</p>
<p>Die Bedenken reichen von ökologischen Folgen, wie etwa der Möglichkeit der Auskreuzung von gentechnologischen Pflanzen. Hier schließen sich ungeklärte juristische Streitfragen an, denn was passiert, wenn der Ökolandwirt seine Ernte nicht mehr los wird, da diese durch Pollenflug vom benachbarten Gentech-Feld &#8222;kontaminiert&#8220; ist?</p>
<p>Ebenso gab es in der Vergangenheit &#8211; ausgelöst durch Fütterungsstudien &#8211; durchaus irritierende Befunde, was die gesundheitliche Unbedenklichkeit anlangt. Vor Jahren stellte etwa der englische Wissenschaftler Arpad Pusztai bei Ratten-Fütterungsstudien<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/journalismus-zwischen-den-fronten-wenn-in-technologiekontroversen-sachkenntnis-nicht-mehr-ausreicht-werkstattnotiz-lxxxiv/#footnote_1_283" id="identifier_1_283" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Verf&uuml;ttert wurde die &bdquo;Lektin-Kartoffel&bdquo;, die allerdings niemals zur Zulassung oder gar zur Inverkehr-Bringung anstand.">2</a> eine Beinträchtigung des Immunsystems und Schädigung von Organen fest. Allerdings waren diese Befunde und das Untersuchungsdesign umstritten. In jüngerer Zeit sorgten Studien im Zusammenhang mit der Maissorte MON863 für Aufsehen, die bei den Versuchstieren ebenfalls unerwünschte Veränderungen des Blutbilds zeigten.</p>
<p>Zu all dem kommt erschwerend hinzu, daß die großen Konzerne wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Monsanto" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Monsanto</a>, <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Syngenta" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Syngenta</a> oder BayerCropScience in der Vergangenheit durch intransparente Informationspolitik und leider auch durch massive Versuche der lobbyistischen Einflußnahme auf Zulassungsverfahren auffällig geworden sind. Vertrauensbildende Maßnahmen sehen anders aus.</p>
<h4><span class="pullquote">Woran können und sollen sich Journalisten orientieren? Gibt es eine Alternative zur möglichst umfassenden, transparenten Darstellung alle Positionen? </span></h4>
<p>Worauf es mir in dieser sehr komprimierten Skizze ankommt: sowohl Kritiker, als auch Befürworter der grünen Gentechnik können sich auf gute Gründe berufen. Was aber passiert, wenn ganz konkret der Anbau von Genmais zum (kommunalen) Streitthema wird?</p>
<p><strong>Ziviler Ungehorsam, kritisches Engagement oder Forschungsfeindlichkeit?</strong></p>
<p>Andreas Sentker hat in der ZEIT den Fall von Andreas Schier geschildert.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/journalismus-zwischen-den-fronten-wenn-in-technologiekontroversen-sachkenntnis-nicht-mehr-ausreicht-werkstattnotiz-lxxxiv/#footnote_2_283" id="identifier_2_283" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nochmal Dank an kamenin f&uuml;r den Link zum Zeit-Artikel.">3</a> Professor Schier ist Pflanzenbiotechnologe an der Hochschule Nürtingen und führt Freilandversuche mit dem Genmais MON810 durch. Nach jahrelangen Protesten der Bevölkerung, einer sich zusehends aufheizenden Stimmung und einer Feldbesetzung durch Anti-Gentechnik-Aktivisten hat die Hochschule nun die Notbremse gezogen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/journalismus-zwischen-den-fronten-wenn-in-technologiekontroversen-sachkenntnis-nicht-mehr-ausreicht-werkstattnotiz-lxxxiv/#footnote_3_283" id="identifier_3_283" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wobei N&uuml;rtingen kein Einzelfall ist. Auch andere Unis haben nach massiven Protesten klein beigegeben. Erst letzte Woche stellte die Uni Gie&szlig;en ihre Freilandversuche vorerst ein.">4</a> Aus Angst vor weiterem Imageverlust hat man Professor Schier ein fünfjähriges Moratorium für seine Versuche auferlegt. Denkpause kann man das nennen oder Beschneidung der Forschungsfreiheit.</p>
<p>Ich halte den Artikel in der Zeit für unbedingt lesenswert, weil in ihm &#8211; auch durch O-Töne &#8211; verschiedene Positionen innerhalb solcher Debatten illustriert werden. Da ist die junge Abiturientin, die es als Bürgerpflicht ansieht gegen solche Versuche zu demonstrieren und sie sagt:</p>
<blockquote><p>»Der Feind ist nicht die Hochschule, auch nicht Professor Schier. Der Feind heißt Monsanto.«</p></blockquote>
<p>Und da gibt es offenbar die Nürtinger Lokalzeitung, die &#8211; so Sentker &#8211; seit langem Partei für die Gegner der Freilandversuche ergriffen hatte.</p>
<blockquote><p>»Wir fühlen uns als Anwalt der Leute«, sagt der Redakteur. »Und die Ängste der Leute sind höher zu bewerten als die Freiheit der Forschung.«</p></blockquote>
<p>Und natürlich gibt es Studenten und Wissenschaftler, die die Proteste und v.a. ihre Folgen nicht verstehen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Kathrin Mendler studiert in Nürtigen Agrarwirtschaft. »Das kann doch nicht sein, dass die da auf dem Acker hocken und die Forschung kaputt machen«, sagt sie.&#8220;</p></blockquote>
<p>Ein schwieriges, weites, vermintes Feld.</p>
<p>Ich weise auf den Artikel nochmals so ausführlich hin, da sich in den Kommentaren <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/02/stammgaeste-passanten-und-die-wissenswerkstatt-ein-interview-ueber-sinn-und-zweck-wissenschaftlicher-blogs/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zu diesem Werkstattartikel</a> eine interessante Diskussion zur Frage entfaltet hat, welche Kriterien ein hochwertiger Wissenschaftsjournalismus zu erfüllen habe. Wenn man diese Frage abstrakt diskutiert, dann ist es einfach für eine hohe Fachkenntnis, Recherchequalitäten und Kritikvermögen zu plädieren. Aber wenn es konkret wird, wie im Fall des MON810-Anbaus, der auf Gegenwehr stößt? Wie kann hier Berichterstattung ablaufen, ohne Stellung zu beziehen?</p>
<h4 class="pullquote_left">Leider häufig vergessen &#8211; das Credo Hajo Friedrichs: »Mache Dich nie gemein mit einer Sache. Auch nicht mit einer guten.«</h4>
<p>Um ehrlich zu sein, kann ich im vorliegenden Fall durchaus Verständnis für die verschiedenen (!) Parteien aufbringen &#8211; zumindest teilweise. Wenn man das Gebaren von Monsanto und Co., deren Marktmacht, deren Zynismus und strategisches Kalkül vor Augen hat, dann ist Protest durchaus nachvollziehbar.</p>
<p>Wenn ich an der Stelle Professor Schiers stünde, so wäre ich mehr als konsterniert, daß mir meine Hochschule in den Rücken fällt. Und in der Position des Hochschulrektors bzw. des Hochschulrats sehe ich ein, daß es möglicherweise eine verfahrene Situation, die bereits eskaliert war, zu bereinigen gilt, um weiteren Schaden von der Hochschule abzuwenden &#8211; der Forschung ist hier freilich nicht gedient.</p>
<p>Ganz grundsätzlich bedaure ich bei Risikokontroversen im Allgemeinen und in diesem Fall im Besonderen, die mangelnde Bereitschaft zu einer differenzierteren Betrachtung. Das hieße?</p>
<ol>
<li><strong>Für die Protestbewegung:</strong> &#8222;Die&#8220; Gentechnik gibt es nicht. Wirtschaftliche Interessen sind nicht deckungsgleich mit dem Interesse der Wissenschaftler! Man kann gegen Monsanto protestieren, aber dennoch die Forschung in diesem Bereich akzeptieren.</li>
<li><strong>Für die Wissenschaft:</strong> Forschungsfreiheit gilt nie absolut. Wer wissenschaftlich, mit öffentlichen Mitteln arbeiten will, der muß auch akzeptieren, daß die Gesellschaft den Rahmen absteckt, der die wissenschaftliche Neugier begrenzt. Und wer damit nicht einverstanden ist, dem steht es frei, für die eigene Position zu werben. Wer allerdings Ängste innerhalb der Bevölkerung nicht ernst nimmt und als naive Ahnungslosigkeit belächelt, der hat sicherlich durch sein eigenes Verhalten zur mißlichen Situation beigetragen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/journalismus-zwischen-den-fronten-wenn-in-technologiekontroversen-sachkenntnis-nicht-mehr-ausreicht-werkstattnotiz-lxxxiv/#footnote_4_283" id="identifier_4_283" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jedenfalls kann man im ZEIT-Artikel zwischen den Zeilen lesen, da&szlig; Prof. Schwier nicht so zug&auml;nglich f&uuml;r Kritik war. Es ist nat&uuml;rlich die Frage, wie diese Kritik vorgetragen wurde etc.">5</a></li>
<li><strong>Für den Journalismus:</strong> Ich weiß, daß es manchmal schwer ist<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/journalismus-zwischen-den-fronten-wenn-in-technologiekontroversen-sachkenntnis-nicht-mehr-ausreicht-werkstattnotiz-lxxxiv/#footnote_5_283" id="identifier_5_283" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich selbst schimpfe ja durchaus auch heftig, wenn es bspw. um die Skrupellosigkeit von Pharmakonzernen oder die Verbohrtheit von Chefredakteur/innen geht.">6</a> den Leitspruch von<a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Joachim_Friedrichs" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Hanns-Joachim Friedrichs</a> zu beherzigen, aber ich halte dieses Credo doch für bedenkenswert: &#8222;Mache Dich nie gemein mit einer Sache. Auch nicht mit einer guten.&#8220;</li>
</ol>
<p>In diesem Sinne: für mehr Ausgewogenheit, für weniger Schaum vor dem Mund.</p>
<div class="links_kurz">Links:</p>
<ul>
<li>Sentker, Andreas: <a href="http://www.zeit.de/2008/19/Gentechnik?page=all" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Der Genskandal,</a> DIE ZEIT, 01.05.2008</li>
</ul>
<p>Wirklich gute Informationen zu fast allen Fragen der Gentechnologie:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.biosicherheit.de/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bioSicherheit | Gentechnik &#8211; Pflanzen &#8211; Umwelt</a></li>
<li><a href="http://www.transgen.de/home/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">transGen</a> &#8211; Transparenz für Gentechnik bei Lebensmitteln</li>
</ul>
</div>
<div class="invisible">
<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Gentechnologie">Gentechnologie</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Risiko">Risiko</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Wissenschaftskommunikation">Wissenschaftskommunikation</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_283" class="footnote">Was ja per definitionem auch der Fall sein sollte.</li><li id="footnote_1_283" class="footnote">Verfüttert wurde die &#8222;<a href="http://www.transgen.de/aktuell/archiv_1999/85.doku.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lektin-Kartoffel</a>&#8222;, die allerdings niemals zur Zulassung oder gar zur Inverkehr-Bringung anstand.</li><li id="footnote_2_283" class="footnote">Nochmal Dank an kamenin für den Link zum Zeit-Artikel.</li><li id="footnote_3_283" class="footnote">Wobei Nürtingen kein Einzelfall ist. Auch andere Unis haben nach massiven Protesten klein beigegeben. Erst letzte Woche <a href="http://www.transgen.de/aktuell/927.doku.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">stellte die Uni Gießen ihre Freilandversuche vorerst ein</a>.</li><li id="footnote_4_283" class="footnote">Jedenfalls kann man im ZEIT-Artikel zwischen den Zeilen lesen, daß Prof. Schwier nicht so zugänglich für Kritik war. Es ist natürlich die Frage, wie diese Kritik vorgetragen wurde etc.</li><li id="footnote_5_283" class="footnote">Ich selbst schimpfe ja durchaus auch heftig, wenn es bspw. um die Skrupellosigkeit von Pharmakonzernen oder die Verbohrtheit von Chefredakteur/innen geht.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/journalismus-zwischen-den-fronten-wenn-in-technologiekontroversen-sachkenntnis-nicht-mehr-ausreicht-werkstattnotiz-lxxxiv/">Journalismus zwischen den Fronten » Wenn in Technologiekontroversen Sachkenntnis nicht mehr ausreicht | Werkstattnotiz LXXXIV</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Kritik am Mythos der Computergesellschaft » Interview mit Joseph Weizenbaum &#124; kurz&#038;knapp 30</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/kritik-am-mythos-der-computergesellschaft-interview-mit-joseph-weizenbaum-kurzknapp-30/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Apr 2008 08:44:08 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Vor einem Monat starb mit Joseph Weizenbaum ein Pionier der Computertechnologie und zugleich einer ihrer umsichtigsten Kritiker. Weizenbaum, der 1936 mit seiner Familie in die USA emigrierte, legte in den 60er Jahren als Professor für &#8222;Computer Science&#8220; am MIT die Grundsteine für die KI-Forschung. Sein Name wird bis heute mit ELIZA verbunden; einem Programm, mit ... <a title="Kritik am Mythos der Computergesellschaft » Interview mit Joseph Weizenbaum &#124; kurz&#038;knapp 30" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/kritik-am-mythos-der-computergesellschaft-interview-mit-joseph-weizenbaum-kurzknapp-30/" aria-label="Mehr Informationen über Kritik am Mythos der Computergesellschaft » Interview mit Joseph Weizenbaum &#124; kurz&#038;knapp 30">Weiterlesen</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-252" style="border: 1px solid #dcdcdc; margin: 5px 12px; float: left;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/uploads/2008/04/joseph_weizenbaum_01.jpg" alt="Joseph_Weizenbaum_01  " width="220" height="147" /><strong>Vor einem Monat starb mit <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weizenbaum" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Joseph Weizenbaum</a> ein Pionier der Computertechnologie und zugleich einer ihrer umsichtigsten Kritiker. Weizenbaum, der 1936 mit seiner Familie in die USA emigrierte, legte in den 60er Jahren als Professor für &#8222;Computer Science&#8220; am MIT die Grundsteine für die KI-Forschung. </strong></p>
<p>Sein Name wird bis heute mit ELIZA verbunden; einem Programm, mit dem Weizenbaum demonstrierte, daß Computer natürliche Sprache verarbeiten können.</p>
<p>Seit den 70er Jahren artikulierte Weizenbaum aber immer deutlicher seine Kritik an einer fortschritts- und technikgläubigen Gesellschaft. Er führte seitdem einen engagierten Kampf gegen die Naivität seiner Zeitgenossen, die &#8211; so erschien es ihm häufig &#8211; blind den Errungenschaften und phantastischen Möglichkeiten der digitalen Technik vertrauten. Die Verantwortlichkeit von Ingenieuren und Wissenschaftlern blieb genauso ein Thema für seine publizistischen Bemühungen, wie die Warnung vor einer Unterwerfung unter die selbsterzeugten Systeme.</p>
<p>Thomas Zimmermann hat in seinem Blog ein<a href="http://blog.zettmann.de/2008/03/10/erinnerung-gespraech-mit-joseph-weizenbaum/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Interview</a> dokumentiert, das er bereits 1998 mit Weizenbaum geführt hat. Darin ist nachzulesen, wie dieser beeindruckende Gesellschaftsbeobachter seine eigene Zunft skeptisch beurteilt, aber auch die Bildungspolitik kritisiert:</p>
<p style="padding-left: 30px;">&#8222;Besonders schlimm finde ich, daß das heute knappe Geld ausgerechnet für Computer ausgegeben wird. Stattdessen sollten dafür mehr Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden. Auch neue Schulbänke und ein frischer Anstrich bekäme manchen Schulen besser als ein teuer eingerichtetes Computerkabinett.&#8220;</p>
<p>Und immer wieder wird deutlich, wodurch sich Weizenbaum gegenüber den meisten seiner Forscherkollegen auszeichnete: nämlich sein Bewußtsein dafür, daß alle Technologien bestimmte intendierte Folgen haben, aber gleichzeitig von ungewollten Nebenfolgen begleitet werden:</p>
<p style="padding-left: 30px;">&#8222;Eine andere Facette [&#8230;] sind die Nebenwirkungen großer Entwicklungen. Die Nebenwirkungen der Technologien werden viel bedeutsamer als die eigentlich beabsichtigten Wirkungen.&#8220;</p>
<div class="absatz">
<hr size="1" /></div>
<p>Das Gespräch in Thomas&#8216; Blog sei ebenso empfohlen wie die anderen Artikel:</p>
<ul>
<li>Gespräch mit Joseph Weizenbaum &#8211; <a href="http://blog.zettmann.de/2008/03/10/erinnerung-gespraech-mit-joseph-weizenbaum/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Teil 1</a> &#8211; <a href="http://blog.zettmann.de/2008/03/11/gespraech-mit-joseph-weizenbaum-teil-2/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">2</a> &#8211; <a href="http://blog.zettmann.de/2008/03/12/gespraech-mit-joseph-weizenbaum-teil-3/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">3</a> &#8211; <a href="http://blog.zettmann.de/2008/03/13/gespraech-mit-joseph-weizenbaum-teil-4/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">4</a>, in: Zettmann Weblog, 10.3.2008</li>
<li>Detlef Borchers: <a href="http://www.heise.de/newsticker/Der-letzte-Service-zum-Tode-von-Joseph-Weizenbaum--/meldung/104672" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Der letzte Service: zum Tode von Joseph Weizenbaum</a>, in: heise-online, 6.3.2008</li>
<li>Joseph Weizenbaum: <a href="http://www.zeit.de/1972/03/Albtraum-Computer" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Albtraum Computer</a>, Die ZEIT, 01/1972</li>
</ul>
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<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
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