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	<title>Blogkritik Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation </description>
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	<title>Blogkritik Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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		<title>Verheddert: Ulrich Clauß verfängt sich in herbeiphantasierten Schleppnetzen und versteht die Welt nicht mehr</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/11/verheddert-ulrich-clauss-verfaengt-sich-in-herbeiphantasierten-schleppnetzen-und-versteht-die-welt-nicht-mehr/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2008 14:30:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Blogkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Man muß nicht alles gut finden, was im Internet steht. Ja, man sollte sogar kritisch sein und auf keinen Fall zu naiv gegenüber der überbordenden digitalen Informationsfülle. Ob man sich freilich trotzig in den Schmollwinkel zurückziehen und mit dem Finger auf das böse, böse Internet da draußen zeigen sollte, ist dennoch mehr als fraglich. Allzu ... <a title="Verheddert: Ulrich Clauß verfängt sich in herbeiphantasierten Schleppnetzen und versteht die Welt nicht mehr" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/11/verheddert-ulrich-clauss-verfaengt-sich-in-herbeiphantasierten-schleppnetzen-und-versteht-die-welt-nicht-mehr/" aria-label="Mehr Informationen über Verheddert: Ulrich Clauß verfängt sich in herbeiphantasierten Schleppnetzen und versteht die Welt nicht mehr">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/11/verheddert-ulrich-clauss-verfaengt-sich-in-herbeiphantasierten-schleppnetzen-und-versteht-die-welt-nicht-mehr/">Verheddert: Ulrich Clauß verfängt sich in herbeiphantasierten Schleppnetzen und versteht die Welt nicht mehr</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" style="float: right; margin-left: 6px; margin-right: 6px;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/11/Frust01.jpg" alt="Frust" width="200" height="210" /><strong>Man muß nicht alles gut finden, was im Internet steht. Ja, man sollte sogar kritisch sein und auf keinen Fall zu naiv gegenüber der überbordenden digitalen Informationsfülle. Ob man sich freilich trotzig in den Schmollwinkel zurückziehen und mit dem Finger auf das böse, böse Internet da draußen zeigen sollte, ist dennoch mehr als fraglich. Allzu leicht gerät das pauschale Internetbashing zu einer epochalen Peinlichkeit, wie man aktuell am <a href="http://www.welt.de/welt_print/article2691903/Im-Schleppnetz-der-Freiheit.html">Leitartikel von Ulrich Clauß</a> in der Welt sehen kann. </strong></p>
<p>Mir mag es ja einleuchten, daß früher auch nicht alles schlecht war. Da hatte man als Medienschaffender die erhoffte Karriere gemacht. War in die entsprechende Position in einem Verlag, einer Redaktion aufgestiegen. Nannte sich Journalist und Meinungsbildner und ja auch &#8211; nicht unberechtigt &#8211; die vierte Gewalt im Staat.</p>
<p><strong>Melancholie macht sich breit: Die guten alten Medienzeiten</strong></p>
<h4><span class="pullquote">Selbstbeweihräucherung: Der Journalismus als Deich, der die arglose Medienkonsumenten vor den allzu wilden Informationsfluten beschützt.</span></h4>
<p>Das Publikum da draußen versorgte man alltäglich mit den Informationen, die ihm zumutbar waren. Denn wer die Profession des Journalisten wirklich ernstnahm, der wußte nicht nur zu recherchieren und sorgfältig abwägend zu argumentieren, sondern verstand sich auch als selektierender Gatekeeper.</p>
<p>Der Journalismus früherer, besserer Zeiten war immer auch so etwas wie der Schutzwall, der Deich, der die arglose Medienkonsumenten vor den allzu wilden Informationsfluten beschützte.</p>
<p>Ulrich Clauß, Politikredakteur der Qualitätszeitung &#8222;Die Welt&#8220;, wünscht sich ganz offenbar in diese guten alten Zeiten zurück. In seinem Leitartikel vom 8.11.2008 phantasiert er eine heile Welt des verantwortungsvollen Journalismus herbei und bringt diesen gegen die perfide Gerüchteküche und Desinformationsmaschine in Stellung, die auf den Namen &#8222;Internet&#8220; hört.</p>
<h4><span class="pullquote_left">Teuflisch-perverse Medienwelt: Das Internet als Gerüchteküche und Desinformationsmaschine.</span></h4>
<p><strong>Blinder Rundumschlag: Wo bleibt die angemahnte Differenzierung?</strong></p>
<p>Und Clauß, der seine journalistische Laufbahn in den 80er Jahren begann, ist wütend. Dumm nur, daß er in seinem journalistischen Furor fröhlich Äpfel und Birnen zusammenwirft und dabei eben auch eine der angeblichen Kerntugenden des bewährten Journalismus mißachtet: die Differenzierung. Erstaunlich, daß einer altgedienten Kraft wie Ulrich Clauß solchermaßen die Pferde durchgehen und er nicht nur wild galoppierend Freund und Feind beschädigt, sondern vor allem sich selbst.</p>
<p><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/12/getrennt-marschieren-vereint-schlagen-die-faz-leistet-der-sueddeutschen-zeitung-schuetzenhilfe-bei-der-web20-polemik/">Die Polemiken der Jungs</a> aus den Redaktionen von Holtzbrinck, Springer oder dem Süddeutschen Verlag hatten ja immer respektablen Unterhaltungswert. Da wurden Blogs als Tummelplatz der Ahnungslosen bezeichnet oder gleich das gesamte Web2.0 als &#8222;loser generated content&#8220; etikettiert.</p>
<p>Die jüngste Philippika von Ulrich Clauß läßt den halbwegs informierten Leser allerdings fassungslos zurück. Ist Clauß nur unfreiwillig komisch oder muß man sich ernsthaft Sorgen um ihn machen? Kann man so jemanden noch weiterhin auf die wehrlosen (Welt-)Leser loslassen? Eines steht jedenfalls fest: mit soviel Schaum vor dem Mund macht man sich selbst als Leitartikler der Welt hoffnungslos lächerlich.</p>
<h4><span class="pullquote">Zuviel Adrenalin, zuviel Schaum vorm Mund verstellt den klaren Blick, Herr Clauß!</span></h4>
<p>Denn Clauß schimpft nicht nur wie ein Rohrspatz auf das Internet und die &#8222;Verluderung der Netzsitten&#8220;, für ihn steht fest, daß</p>
<blockquote><p>&#8222;der weitaus größte Teil der Internetinhalte aus anonymem Meinungswissen, Gerüchten, übler Nachrede und mehr oder weniger professionell organisierter Desinformation [besteht].&#8220;</p></blockquote>
<p><strong>Totengräber Barack Obama: Umgehung der Informations-Gatekeeper</strong></p>
<p>Unübertrefflich komisch bzw. tragisch ist dann freilich, daß er zur Bestätigung seiner obskuren These so rasend wie ahnungslos in seiner Argumentekiste wühlt und dabei erstaunliches zu Tage fördert:</p>
<p>Die &#8222;Informationsstrategie&#8220; Barack Obamas dient ihm als Beweis dafür, daß die &#8222;Filter- und Prüfungsautorität&#8220; des Journalismus verlustig ginge. Denn Obama habe sich erdreistet seine Botschaften auch durch Blogs verbreiten zu lassen! Ein &#8211; zumindest für Ulrich Clauß &#8211; unerhörter Vorgang, denn so werde die &#8222;übliche Kette der Informationsvermittlung&#8220; umgangen.</p>
<p>Barack Obama, der Totengräber des handwerklich sauber arbeitenden Journalismus, wird in diesem Leben bei Ulrich Clauß kaum mehr punkten können.</p>
<p>Als weiteres Beispiel führt Clauß das vor wenigen Wochen u.a. durch Blogs kolportierte Gerücht an, daß Apple-Chef Steve Jobs einen Herzinfarkt erlitten habe. Nicht fein, zugegeben &#8211; aber Clauß erwartet nicht ernsthaft, daß man ihm dutzendeweise Beispiele liefert, in denen der redaktionelle Wirtschaftsjournalismus sich an der gezielten Streuung von Gerüchten beteiligt hat, oder?</p>
<p>Im Grunde wären diese beiden schräg-anekdotischen Argumente bloßstellend genug. Wirklich stichhaltig sind sie nicht. Vollkommen dadaistisch wird es freilich, wenn Ulrich Clauß allen Ernstes die leidigen Spam-Mails als Argument für den alten, redaktionellen (Print-)Journalismus und gegen die Internet-Info-Portale bemüht. Clauß schreibt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Über 90 Prozent aller Internetpost beispielsweise &#8211; immerhin der meistgenutzte Internetdienst &#8211; sind nach Expertenmeinung sogenannte Spam-Mails, das heißt unaufgefordert und anonym zugesandter Datenmüll oder Schlimmeres.&#8220;</p></blockquote>
<h4><span class="pullquote">Argumentatives Kabarett: Spam-Mails als Indiz für Untauglichkeit des Bürger- und Netzjournalismus.</span></h4>
<p>Lieber Herr Clauß, sagen Sie doch endlich, daß Sie nur Spaß machen! Bitte! Sind Sie Kabarettist oder Karnevalspräsident im Nebenjob? Herr Clauß, hallo! Sie wollen uns nicht weismachen, daß Sie zu doof sind ihren Spamfilter für Ihren Mailaccount richtig zu konfigurieren und das als Indiz für den Niveauverlust durch den Netz- und Blog-Journalismus anführen?!</p>
<p>Oder doch?! Wie? Sie akzeptieren im Gegenzug tatsächlich das Argument, daß die Qualitätszeitung &#8222;Die Welt&#8220; nichts taugt, da sie ebenso auf Papier gedruckt ist, wie der ganze papierne Werbeflugblattmüll, der tagtäglich in meinem Briefkasten landet?</p>
<p>Ach so, dann ist ja gut.</p>
<div class="links_ticker">Hier der leidige Artikel:</p>
<ul>
<li>Clauß, Ulrich: <a href="http://www.welt.de/welt_print/article2691903/Im-Schleppnetz-der-Freiheit.html">Das Internet als Kampagnenmaschine und Desinformationsquelle: Im Schleppnetz der Freihei</a>t, Die Welt, 8.11.2008</li>
</ul>
<p>Weitere Repliken auf Ulrich Clauß&#8216; Bespaßungstext:<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/11/verheddert-ulrich-clauss-verfaengt-sich-in-herbeiphantasierten-schleppnetzen-und-versteht-die-welt-nicht-mehr/#footnote_0_686" id="identifier_0_686" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und auch von Marco Kitzmann oder hier beim Sichelputzer gab es Antworten.">1</a></p>
<ul>
<li><a href="http://www.fixmbr.de/ulrich-clau-und-seine-panische-angst-vor-dem-internet/">Würden </a><a href="http://www.weissgarnix.de/?p=681">Katzen wirklich Whiskas kaufen?</a>, Weissgarnix, 8.11.2008</li>
<li> <a href="http://www.fixmbr.de/ulrich-clau-und-seine-panische-angst-vor-dem-internet/">Ulrich Clauß und seine panische Angst vor dem Internet</a>, F!XMBR, 9.11.2008</li>
</ul>
</div>
<div class="invisible">
<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Clauß">Clauß</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Die+Welt">Die Welt</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Schleppnetze">Schleppnetze</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_686" class="footnote">Und auch von <a href="http://marco-kitzmann.de/wieder-mal-leidet-ein-journalist-am-und-im-internet-313.html">Marco Kitzmann</a> oder hier beim <a href="http://www.sichelputzer.de/2008/11/10/das-koenigliche-ei-ist-gelegt/">Sichelputzer</a> gab es Antworten.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/11/verheddert-ulrich-clauss-verfaengt-sich-in-herbeiphantasierten-schleppnetzen-und-versteht-die-welt-nicht-mehr/">Verheddert: Ulrich Clauß verfängt sich in herbeiphantasierten Schleppnetzen und versteht die Welt nicht mehr</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Getrennt marschieren, vereint schlagen » Die FAZ leistet der Süddeutschen Zeitung Schützenhilfe bei der Web2.0-Polemik</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/getrennt-marschieren-vereint-schlagen-die-faz-leistet-der-sueddeutschen-zeitung-schuetzenhilfe-bei-der-web20-polemik/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Dec 2007 11:50:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blogosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Blogkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Blogosphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie schön ist es doch, wenn man noch Freunde hat. Nach seiner polemischen Web2.0-Schmähkritik vom vergangenen Freitag mußte SZ-Redakteur Bernd Graff heftige Prügel einstecken. Als gleichzeitig publik wurde, daß die Süddeutsche Zeitung die Kommentarfreude ihrer eigenen Leser künftig nicht anders zu bändigen weiß, als daß sie die Kommentarmöglichkeit nach Dienstschluß und an den Wochenenden abschaltet, ... <a title="Getrennt marschieren, vereint schlagen » Die FAZ leistet der Süddeutschen Zeitung Schützenhilfe bei der Web2.0-Polemik" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/getrennt-marschieren-vereint-schlagen-die-faz-leistet-der-sueddeutschen-zeitung-schuetzenhilfe-bei-der-web20-polemik/" aria-label="Mehr Informationen über Getrennt marschieren, vereint schlagen » Die FAZ leistet der Süddeutschen Zeitung Schützenhilfe bei der Web2.0-Polemik">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/getrennt-marschieren-vereint-schlagen-die-faz-leistet-der-sueddeutschen-zeitung-schuetzenhilfe-bei-der-web20-polemik/">Getrennt marschieren, vereint schlagen » Die FAZ leistet der Süddeutschen Zeitung Schützenhilfe bei der Web2.0-Polemik</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie schön ist es doch, wenn man noch Freunde hat. Nach seiner polemischen Web2.0-Schmähkritik vom vergangenen Freitag mußte SZ-Redakteur Bernd Graff heftige Prügel einstecken. Als gleichzeitig publik wurde, daß die Süddeutsche Zeitung die Kommentarfreude ihrer eigenen Leser künftig nicht anders zu bändigen weiß, als daß sie die Kommentarmöglichkeit nach Dienstschluß und an den Wochenenden <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/leserstreik-bei-sueddeutschede/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">abschaltet</a>, war das <a href="http://www.blog-cj.de/blog/?p=985" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kopfschütteln</a> angesichts solcher Hilfs- und Ahnungslosigkeit umso größer. Aber gerade als man der SZ den Ehrenpreis für die erbärmlichste Web2.0-Berichterstattung überreichen will, eilt Jürgen Kaube von der FAZ herbei und springt Bernd Graff zur Seite.</strong></p>
<p>Zur Erinnerung: Die Süddeutsche Zeitung, die sich gern als liberales Leitmedium inszeniert, ist schon <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/22/vielleicht-fragen-sie-das-naechste-mal-jemanden-der-sich-damit-auskennt-die-sueddeutsche-zeitung-steht-immer-noch-auf-kriegsfuss-mit-dem-web-20/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">des öfteren</a> aufgrund ihrer haarsträubenden Blog-Inkompetenz aktenkundig geworden. Zwar läßt man weiterhin die Fahne des hehren Qualitätsjournalismus lustig im Wind flattern, die Mühe sorgfältig zu recherchieren und die Argumente genau abzuwägen, macht man sich aber in der Sendlinger Straße in München immer seltener.</p>
<h4 class="pullquote">Es ist ja legitim keine Ahnung zu haben, wieso aber müssen SZ und FAZ ihre traurige Inkompetenz lautstark in die Welt hinausposaunen?</h4>
<p>Aber woher rührt diese gehässig-hochnäsige Haltung gegenüber den verschiedene Aspekten des Web2.0? Ist es Frustration, weil man erkannte, daß man das populäre Print-Jugendmagazin &#8222;jetzt&#8220; doch nicht hätte verabschieden sollen? Ist es enttäuschte Liebe, weil die eigenen Blogprojekte &#8211; für die übrigens Bernd Graff an vorderster Front mitverantwortlich zeichnete &#8211; als <a href="http://blogbar.de/archiv/2006/05/04/blogkadaversueddeutschedefaulende/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rohrkrepierer</a> endeten?</p>
<p><strong>Ein Erregungskünstler bei der Arbeit: Bernd Graff kotzt sich aus  </strong></p>
<p>Egal &#8211; das <a href="http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/211/146869/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">jüngste Erzeugnis</a> der SZ-Serie polemischer, unsachlicher Web2.0-Texte stammt aus der Feder<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/getrennt-marschieren-vereint-schlagen-die-faz-leistet-der-sueddeutschen-zeitung-schuetzenhilfe-bei-der-web20-polemik/#footnote_0_155" id="identifier_0_155" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wobei die Rede, da&szlig; Graff diesen Artikel geschrieben habe, wohl nicht ganz zutreffend ist. &bdquo;Erbrochen&ldquo; w&auml;re richtiger&hellip;">1</a> von Bernd Graff. Bernd Graff ist ein Erregungskünstler. Und hat mit viel Schaum vorm Mund einen Rundumschlag gegen alle Facetten des sog. &#8222;Web 2.0&#8220; zusammengedichtet, in dem er genau das mustergültig vorexerziert, was er all den vermeintlichen  Laienjournalisten vorwirft: wenn man sich mit allzu viel Adrenalin<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/getrennt-marschieren-vereint-schlagen-die-faz-leistet-der-sueddeutschen-zeitung-schuetzenhilfe-bei-der-web20-polemik/#footnote_1_155" id="identifier_1_155" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich hoffe doch, es befand sich nichts anderes darin.">2</a> im Blut an den Schreibtisch setzt, sich weigert zu differenzieren und stattdessen einen bunten Kessel abgestandener Vorurteile zusammenrührt, dann kommt am Ende eben doch nur unsäglicher Quark dabei heraus.</p>
<h4 class="pullquote_left">Für Bernd Graff ist das Web2.0 ein »Debattierklub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten«</h4>
<p>Graff ätzte gegen den &#8222;<em>Pöbel</em>&#8220; des neuen Netzes, er wand sich mit Grausen vor &#8222;<em>Sabotage, Verschwörung, Häme, Denunziation, Verächtlichmachung, Hohn, Spott&#8220;</em>, denn das sind &#8211; Graffs Meinung zufolge &#8211; die Hauptzutaten des &#8222;<em>loser generated content</em>&#8222;. Es wäre verkehrt, wenn man Graffs Tiraden damit rechtfertigen wollte, daß man schriebe, Graff habe eben keine richtige Meinung von all den Bloggern. Er hat nämlich sehr wohl eine Meinung und diese kotzt er mit großer Lust aus sich heraus. Beispiele gefällig?</p>
<blockquote><p>Sie zerfleddern [&#8230;] jedes Thema. Sie tun dies aber oft anonym und noch öfter von keiner Sachkenntnis getrübt. Sie zetteln Debattenquickies an, pöbeln nach Gutsherrenart und rauschen dann zeternd weiter. Sie erschaffen wenig und machen vieles runter. Diese Diskutanten des Netzes sind der Diskurstod, getrieben von der Lust an Entrüstung.</p></blockquote>
<p>Für Graff sind Blogger nichts anderes als:</p>
<blockquote><p>[&#8230;] Inquisitoren in eigener Sache, das sind halt Querulanten und Leute mit seltsamen Präferenzen. Freizeitaktivisten mit ein bisschen Schaum vor dem Mund.</p></blockquote>
<p>Und er schließt mit der Frage:</p>
<blockquote><p>Warum aber sollten Menschen, die lediglich neue technische Möglichkeiten nutzen, etwa um ihre Poesie-Alben zu veröffentlichen oder um ihrer Trauer über kaputte Computer Ausdruck zu verleihen, warum sollten diese Menschen Produktionsbedingungen für Medien diktieren und Meinungsführerschaft beanspruchen?</p></blockquote>
<p><strong>Die FAZ kommt zu Hilfe: Jürgen Kaube leistet Beistand</strong></p>
<p>Aber wer glaubte, Graff habe seine Schmähungen in einer Laune hingeschrieben und seine Standpunkte würden durch Redakteurskollegen nicht geteilt, wird nun eines Besseren belehrt. Die Solidarisierung kommt heute aber nicht von den SZ-Kollegen, sondern Jürgen Kaube &#8211; einer von <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/29/die-sz-auf-der-couch-frank-schirrmacher-erklaert-die-zukunft-des-journalismus-werkstattnotiz-xx/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frank Schirrmachers</a> Buben &#8211; übt den Schulterschluß der Kampfesbrüder für den Qualitätsjournalismus.</p>
<h4 class="pullquote">Jürgen Kaube sieht sich bestätigt: die Reaktionen der Blogger auf Graffs Artikel sind der Beweis für dessen These. Aber es geht ja auch tatsächlich ein bißchen weit, wenn man eine »Beschimpfung« eine »Beschimpfung« nennt&#8230;</h4>
<p>In seinem FAZ-Text (&#8222;<a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E53B5EBEC7EEC41B3BCCF3CE4DFD56CD2~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Immer schön sachlich bleiben</a>&#8222;)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/getrennt-marschieren-vereint-schlagen-die-faz-leistet-der-sueddeutschen-zeitung-schuetzenhilfe-bei-der-web20-polemik/#footnote_2_155" id="identifier_2_155" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ist das nun Selbstironie?">3</a> nimmt sich Kaube dezidiert den Graff-Artikel vor und sieht dessen Position durch <a href="http://handelsblatt6.blogg.de/eintrag.php?id=1621" target="_blank" rel="noopener noreferrer">die</a> <a href="http://www.geografitti.de/?p=606" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Reaktionen</a> der <a href="http://medienlese.com/2007/12/08/bernd-graff-oder-die-angst-des-torwaechters-vor-dem-abpfiff/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Webgemeinde</a> in hervorragendster Weise bestätigt.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/getrennt-marschieren-vereint-schlagen-die-faz-leistet-der-sueddeutschen-zeitung-schuetzenhilfe-bei-der-web20-polemik/#footnote_3_155" id="identifier_3_155" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Auch eine Art und Weise die These der &bdquo;self-fulfilling-prophecy&ldquo; zu testen: man reize den Gegner mit provokanten Thesen und reagiere emp&ouml;rt darauf, wenn sich dieser verteidigt.">4</a> Fast ein bißchen weinerlich stellt Kaube fest:</p>
<blockquote><p>Und man wirft dem Journalisten Graff Publikumsbeschimpfung vor.</p></blockquote>
<p>Das ist natürlich, ich gebe es zu, ein dicker Hund. Da fährt der Polemiker Graff unsachlich-diffamierende Argumentationsgeschütze auf und tunkt seine Feder in ein stinkendes Jauchefaß und die solchermaßen angegriffene Webgemeinde nimmt sich das Recht der Widerrede? Das ist ja unfaßbar. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder seine Meinung sagen würde?</p>
<p>Aber &#8222;jeder&#8220; ist es ja nicht. Denn Kaube stellt glasklar analytisch fest:</p>
<blockquote><p>Man – das heißt hier allerdings noch immer: ein paar Dutzend Leute, die im Verhältnis zu den Millionen von Nutzern einzelner Websites von Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk- und Fernsehanstalten noch nicht als neue Öffentlichkeit ins Gewicht fallen.</p></blockquote>
<p>Seltsam freilich, daß man sich dann &#8211; wenn die Blogger doch eine marginale Größe [&#8222;ein paar Dutzend&#8220; (!)] sein sollen<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/getrennt-marschieren-vereint-schlagen-die-faz-leistet-der-sueddeutschen-zeitung-schuetzenhilfe-bei-der-web20-polemik/#footnote_4_155" id="identifier_4_155" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Da&szlig; Kaube so offensichtlich seine mathematische Schw&auml;che unter Beweis stellt, verwundert. Denn unter ein paar Dutzend verst&uuml;nde ich so 30-50 Personen? Ist das die Gr&ouml;&szlig;enordnung der Blogcommunity?">5</a> &#8211; überhaupt in Frankfurt und München damit befaßt. Zur Ehrenrettung sei gesagt, daß Kaube in seinem Artikel immerhin 2-3 bedenkenswerte Argumente mit einfließen läßt und mit weniger Erregungseifer schreibt als sein Kollege. Zu bedenken ist meiner Meinung nach wirklich, in welche Richtung sich das Web2.0 entwickeln wird und ob hier in Zukunft nicht auch Hierarchien und selektive Portale zu erwarten sind:</p>
<blockquote><p>Aber solche Seiten im Internet, die es besser machen wollen, werden sich ihrerseits zu einem klassischen Medium mit hoher Selektivität entwickeln müssen, wollen sie nicht die Spezialisierungsvorteile verschenken, die mit Professionalisierung einhergehen.</p></blockquote>
<p>Damit hat es sich aber auch schon mit den sachlichen Argumenten. Weiter geht es mit der Verächtlichmachung der Blogs:</p>
<blockquote><p>Bemerkenswert sind die gereizten Reaktionen derjenigen, die sich offenbar als Internet-Elite und Mandatsträger der Zukunft verstehen, dennoch. [&#8230;]</p>
<p>Die entsprechenden Formen der Schimpf- und Beschwerderede im Internet, die Bernd Graff festgehalten hat, folgen insofern einem alten Schema: Wer zu allen spricht, neigt zur Übertreibung, weil er, um alle zu interessieren, oft der Gefahr erliegt, den Allgemeinheitsgrad dessen, was ihn beschäftigt, rhetorisch zu steigern.</p></blockquote>
<p>Im Ergebnis ist Kaubes Text auch wieder nur ein hilfloser Versuch, mit dem Finger auf all die vorgeblichen Schwächen der Bürgerjournalisten hinzuweisen, die doch so amateurhaft, ungefiltert und hoffnungslos subjektiv die Wirklichkeit mehr verzerren denn beschreiben. Für Kaube hat offenbar so etwas wie der Endkampf um die Meinungsführerschaft begonnen und er betont:</p>
<blockquote><p>Wir publizieren nicht die Mitteilung jedweder ungewaschenen Subjektivität.</p></blockquote>
<p>Und zuletzt tröstet er sich, daß die konventionellen Medien ja doch immer noch ihre Daeinsberechtigung reklamieren dürften, denn ohne deren miese Texte &#8211; so offensichtlich Kaubes Hoffnung &#8211; hätten die Blogger ja kaum Themen genug, um sich zu erregen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/getrennt-marschieren-vereint-schlagen-die-faz-leistet-der-sueddeutschen-zeitung-schuetzenhilfe-bei-der-web20-polemik/#footnote_5_155" id="identifier_5_155" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Seiner Meinung nach, sollte man FAZ, SZ &amp; Co. wohl noch dankbar daf&uuml;r sein, da&szlig; man sich &uuml;ber ihre uns&auml;glichen Texte emp&ouml;ren darf?">6</a></p>
<blockquote><p>Und wohinein nur Meinung investiert wurde, das verspricht auch keinen Ertrag darüber hinaus. Wie hoch wohl die Klickraten der Schmähkommentare auf Bernd Graffs Artikel selber sind? Man hat den Eindruck, dass sie unterschätzen, wie abhängig ihre eigene Beachtlichkeit davon ist, dass es das Objekt ihrer Schmähung, einen klassischen Artikel, auf den sie sich alle beziehen können, überhaupt gibt.</p></blockquote>
<p>So weit, so falsch, so lächerlich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr size="1" width="100%" />
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li>Graff, Bernd: <a href="http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/211/146869/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Web 0.0. Die neuen Idiotae</a>. Süddeutsche Zeitung, 8.12.2007</li>
<li>Kaube, Jürgen: <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E53B5EBEC7EEC41B3BCCF3CE4DFD56CD2~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Immer schön sachlich bleiben</a>, FAZ, 12.12.2007</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
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<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_155" class="footnote">Wobei die Rede, daß Graff diesen Artikel geschrieben habe, wohl nicht ganz zutreffend ist. &#8222;Erbrochen&#8220; wäre richtiger&#8230;</li><li id="footnote_1_155" class="footnote">Ich hoffe doch, es befand sich nichts anderes darin.</li><li id="footnote_2_155" class="footnote">Ist das nun Selbstironie?</li><li id="footnote_3_155" class="footnote">Auch eine Art und Weise die These der &#8222;self-fulfilling-prophecy&#8220; zu testen: man reize den Gegner mit provokanten Thesen und reagiere empört darauf, wenn sich dieser verteidigt.</li><li id="footnote_4_155" class="footnote">Daß Kaube so offensichtlich seine mathematische Schwäche unter Beweis stellt, verwundert. Denn unter ein paar Dutzend verstünde ich so 30-50 Personen? Ist das die Größenordnung der Blogcommunity?</li><li id="footnote_5_155" class="footnote">Seiner Meinung nach, sollte man FAZ, SZ &amp; Co. wohl noch dankbar dafür sein, daß man sich über ihre unsäglichen Texte empören darf?</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/getrennt-marschieren-vereint-schlagen-die-faz-leistet-der-sueddeutschen-zeitung-schuetzenhilfe-bei-der-web20-polemik/">Getrennt marschieren, vereint schlagen » Die FAZ leistet der Süddeutschen Zeitung Schützenhilfe bei der Web2.0-Polemik</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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					<wfw:commentRss>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/getrennt-marschieren-vereint-schlagen-die-faz-leistet-der-sueddeutschen-zeitung-schuetzenhilfe-bei-der-web20-polemik/feed/</wfw:commentRss>
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