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	<title>Beobachtungen Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation </description>
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	<title>Beobachtungen Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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		<title>Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 03</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Jun 2007 17:21:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Blogosphäre]]></category>
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		<category><![CDATA[Popmusik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Juni ist ein durchaus eigentümlicher Monat. Es ist der Monat der Passage, des Übergangs. Das Frühjahr und der vielbesungene Wonnemonat Mai liegen hinter einem und am Horizont leuchten die Sommertage seligen Nichtstuns.&#160; Die Übergänge kennzeichnen sich durch Warten: die Studenten warten auf das Semesterende und versuchen hektisch, sich den Stoff für die anstehenden Prüfungen ... <a title="Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 03" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-03/" aria-label="Mehr Informationen über Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 03">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-03/">Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 03</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" style="border: 1px solid rgb(136, 136, 136); margin: 6px; padding: 1px;" alt="Fundstuecke_01c.jpg" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/05/Fundstuecke_01c.jpg" align="right" height="177" width="240">Der Juni ist ein durchaus eigentümlicher Monat. Es ist der Monat der Passage, des Übergangs. Das Frühjahr und der vielbesungene Wonnemonat Mai liegen hinter einem und am Horizont leuchten die Sommertage seligen Nichtstuns.&nbsp;</p>
<p>Die Übergänge kennzeichnen sich durch Warten: die Studenten warten auf das Semesterende und versuchen hektisch, sich den Stoff für die anstehenden Prüfungen reinzupauken, die Dozenten warten ebenfalls auf die Sommerpause, um den staubig-muffigen Seminarräumen zu entrinnen. Die Fernseh- und Medienschaffenden haben sich teilweise schon in ihre Feriendomizile verabschiedet und die Politikerkaste arbeitet auch nur noch mit halber Kraft und sitzt auf gepackten Koffern. </p>
<p>Warten also. Ich persönlich warte auf die anstehende <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000RG121I?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B000RG121I">Tocotronic-Platte</a>. In zwei Wochen ist es soweit und die ersten Höreindrücke sind vielversprechend. Andere warten auf den Sommerhit. Der wird nicht von Tocotronic sein, soviel steht glücklicherweise fest. Und wieder andere freuen sich auf den Sommerroman. Ein dicker Schmöker natürlich.&nbsp;</p>
<p>Um Literatur geht es auch in diesem dritten Teil der Fundstückesammlung, wenigstens ein bißchen:</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr size="1" width="100%">
<p><font color="#888888" size="5">»</font><font size="5"><font color="#888888" size="5">1.</font> </font>Zunächst geht es allerdings um einen Rückblick und zwar auf die &#8222;<a href="http://re-publica.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">re:publica</a>&#8220; vom April. Ich selbst war nicht dort, da man als bloggender Sozialwissenschaftler schließlich auch noch andere Dinge zu tun hat, als sich auf diversen Blogger-Treffen, Barcamps und ähnlichem rumzutreiben. Außerdem &#8211; ich gestehe &#8211; wurde ich weder eingeladen, noch war es mir den weiten Weg nach Berlin wert. Interessantes wurde freilich durchaus geboten, die meisten Präsentationen sind ja hinlänglich durchdiskutiert und bedürfen keiner Reanimationsversuche meinerseits. Einen der spannendsten Vorträge hielt dort sicherlich <a href="http://www.bamberg-gewinnt.de/wordpress/archives/788" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jan Schmidt</a>, der unter dem Titel &#8222;Mythen der Blogosphäre&#8220; mit so manchem Vorurteil aufräumte.</p>
<p>Vor allem kommt es ihm darauf an, die vielfältig kursierenden Annahmen und Etiketten die mit Bloggern und Blogs verknüpft sind auf ihre Substanz zu hinterfragen; mit sozialwissenschaftlichen Methoden natürlich, denn Jan Schmidt und die Forschungsstelle &#8222;Neue Kommunikationsmedien&#8220; [<a href="http://www.fonk-bamberg.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">FoNK]</a> in Bamberg haben sich durch ihre akribische Vermessungsarbeit im Feld der Blogosphäre längst zu einer zentralen Instanz gemausert, wenn man fundierte Informationen möchte, was (abseits des journalistischen Tralala) wirklich Sache ist.</p>
<p>So, damit aber genug der Lobhudelei. Der erwähnte Vortrag von Jan Schmidt ist seit wenigen Tagen jedenfalls auch online als Video eingestellt [<a href="http://re-publica.de/2007/06/14/video-mythen-der-blogosphare/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier!</a>]. In stolzen 47 Minuten erfährt man dort u.a., daß Blogs entgegen so mancher Klischees &#8222;weiblich&#8220; sind&#8230; den dreitagebärtigen, schmerbäuchigen Nerd als Prototyp des Bloggers dürfen wir also getrost verabschieden. ;-)</p>
<p>Wer sich für Jan Schmidts Arbeit interessiert ist sicher mit seinem Buch &#8222;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896695800?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3896695800">Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie</a>&#8220; gut beraten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<p></p>
<hr size="1" width="100%">
<p><font color="#888888" size="5">»</font><font size="5"><font color="#888888" size="5">2.</font> </font>Themawechsel: Vermutlich der einzige bloggende <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pal%C3%A4ontologie&amp;oldid=33027835" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Paläontologe</a> im deutschsprachigen Raum, Björn Kröger, hat sich vor wenigen Tagen in seinem stets lesenswerten Blog &#8222;<a target="_blank" href="http://www.tiefes-leben.de/" rel="noopener noreferrer">tiefes leben</a>&#8220; mit aktuellen Entwicklungen im wissenschaftlichen Publikationswesen beschäftigt. Genauer: er schildert aus eigener Erfahrung das Dilemma, die eigenen Artikel nur noch in zitationsstarken Journalen veröffentlichen zu können, wohlwissend, daß somit die weniger prestigeträchtigen Zeitschriften noch stärker ins Hintertreffen geraten. </p>
<p>Nochmal: der eigenen Karriere, der eigenen Reputation (und ein Wissenschaftler kann nur mit diesem Pfund wuchern!) zuliebe, ist es unabdingbar, daß man als Wissenschaftler gezielt die Zeitschriften auswählt, in denen man zu publizieren beabsichtigt. Das erscheint auf den ersten Blick unproblematisch. Allerdings ist es so, daß diese Logik zur Folge hat, daß &#8211; wie Björn schreibt &#8211; die renommierten Zeitschriften geradezu überrannt werden und kaum mit der Bearbeitung nachkommen. Von der Einreichung bis zur Veröffentlichung vergehen da in Björns Fachgebiet bis zu zwei Jahre! Umgekehrt stehen die vielen anderen, kleinen Zeitschriften immer häufiger vor dem Aus &#8211; ein Konzentrations- und Monopolisierungsprozeß, wie man ihn etwa aus der Marktwirtschaft kennt. </p>
</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Meine persönliche Erfahrung in den letzten Jahren sieht so aus: Ich kann es mir nicht mehr leisten in Journalen mit geringem Impakt zu veröffentlichen. Veröffentlichungen, auch wenn teilweise sinnvoll, in nicht peer gereviewten und ISI gelisteten Journalen kommt für mich nicht in Frage, weil mein wissenschaftliches Überleben davon abhängt, dass ich zitiert werde und in Journalen mit möglichst hohem ISI Faktor veröffentliche. [Quelle: tiefes leben, <a target="_blank" href="http://www.tiefes-leben.de/2007/06/15/imperialer-impakt/" rel="noopener noreferrer">imperialer impakt</a>, 15.6.2007]
</p>
</blockquote>
<p>Björn geht aber noch weiter und skizziert ein weiteres Problem seiner hochspezialisierten Arbeit: da er einer von ganz wenigen Experten auf seinem Gebiet ist, werden seine Artikel auch nach dem Erscheinen nur relativ selten zitiert. Die Zitationshäufigkeit ist aber (so dogmatisch, unflexibel und zahlenhörig ist Wissenschaftspolitik heute!) das entscheidende Kriterium, ob Wissenschaft als erfolgreich angesehen wird oder nicht. </p>
<p>In der Konsequenz werden große Forschungsprojekte bzw. Arbeiten, die von mehreren Autoren eingereicht werden, immer als &#8222;erfolgreicher&#8220; angesehen als andere. Da ja die jeweiligen Mitarbeiter in der Folgezeit genau diesen Artikel auch weiterhin zitieren werden. Einzelkämpfer haben diese Möglichkeit nicht. Und noch auf ein weiteres Problem weist Björn hin:</p>
<blockquote>
<p>Die Editoren der hochrangigen Zeitschriften erleben einen enormen Machtzuwachs, da immer mehr Arbeiten in den Top Journalen eingereicht werden. Die Top Journale werden einen immer stärkeren Einfluss auf die Inhalte und Forschungsausrichtungen der Fächer haben. [Quelle: tiefes leben, <a target="_blank" href="http://www.tiefes-leben.de/2007/06/15/imperialer-impakt/" rel="noopener noreferrer">imperialer impakt</a>, 15.6.2007]<br />&nbsp;</p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<hr size="1" width="100%">
<p><font color="#888888" size="5">»3</font><font size="5"><font color="#888888" size="5">.</font> </font>Anläßlich der <a href="http://www.strengejacke.de/2007-06-12/oekologische-kommunikation-und-klimawandel/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Re-Lektüre</a> von Niklas Luhmanns &#8222;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3531517759?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3531517759">Ökologische Kommunikation</a>&#8220; thematisiert Daniel Lüdecke die Unhintergehbarkeit des Beobachterstandpunkts. Da &#8211; und dies ist in meinen Augen eine der Hauptleistungen von Luhmanns Kommunikationstheorie &#8211; jede Beobachtung stets an ihre Unterscheidung gekoppelt bleibt, kann sie sich selbst, also den Prozeß des Beobachtens mitsamt seinen möglichen Schwachpunkten, nicht gleichzeitig in den Blick nehmen. </p>
<p>Oder anders formuliert: in jeder Situation in der wir unsere Umwelt beurteilen bzw. beobachten, benötigen wir eine Unterscheidung. Wenn wir am Badesee vorsichtig tastend die Zehenspitzen ins Wasser halten bspw. diejenige von warm|kalt. Ob diese Unterscheidung angemessen ist, kann allerdings nur eine sog. &#8222;Beobachtung 2. Ordnung&#8220; feststellen. Denn ein anderer Beobachter könnte möglicherweise sehen, daß die Temperatur in diesem Moment überhaupt nicht erste Priorität hat, wenn sich im Schilfgürtel des Seeufers gerade eine Schnappschildkröte aufhält. Gefahr|Nicht-Gefahr wäre also eine alternative Beobachtungsform, die aber ihrerseits hinsichtlich ihrer Unterscheidungswahl wieder blind ist.&nbsp;</p>
<p>Aber entfernen wir uns wieder von den trivialen Niederungen des Badevergnügens &#8211; und nähern uns der Verallgemeinerung an: was wir aus diesen Überlegungen im Anschluß an Luhmann lernen können ist, daß jede Beobachtung einen unhintergehbaren &#8222;blinden Fleck&#8220; aufweist; nämlich nicht sehen kann, was sie <em>nicht</em> sehen kann. Um also die Beobachtungsadäquanz zu beurteilen, bedarf es einer Beobachtung 2. Ordnung, die selbst wieder nicht zwangsläufig besseres, sondern lediglich anderes Wissen generiert.  </p>
<p>Daniel Lüdecke kommt zum Schluß: </p>
<blockquote>
<p>Die Eigengesetzlichkeiten der Kommunikation müssen durch Selbstbeobachtung beobachtet werden, um zu verstehen, warum geschieht, was geschieht, und warum nicht geschieht, was vielleicht geschehen sollte. Erst wenn diese Eigengesetzlichkeit der Gesellschaft (=Kommunikation) mit hinreichend komplexen Theorien analysiert werden kann, können vernünftige Argumente und funktionale Äquivalente oder Lösungen entwickelt werden.</p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Weiterführende Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Niklas Luhmann und Dirk Baecker (2006<span class="sans">): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896704591?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3896704591">Einführung in die Systemtheorie</a>. Carl-Auer.</span></li>
<li><span class="sans">Niklas Luhmann (2004): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3531517759?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3531517759">Ökologische Kommunikation</a>. VS-Verlag.</span></li>
<li><span class="sans">Niklas Luhmann (1984): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518282662?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518282662">Soziale Systeme</a>. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Suhrkamp.</span> </li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<hr size="1" width="100%">
<p><font color="#888888" size="5">»</font><font size="5"><font color="#888888" size="5">4.</font> </font>Was ist denn in Uhlmann gefahren, mag man sich fragen. Ziemt es sich neuerdings für Rockstars sich in der Hauptstadtpostille &#8222;Tagesspiegel&#8220; über die Befindlichkeiten, Sorgen und Nöte junger Väter auszulassen?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-03/#footnote_0_41" id="identifier_0_41" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und da ich mit dem Hinweis auf Thees Essay nun einige Tage gewartet habe, bis diese Fundst&uuml;ckesammlung komplett wird, wurde auch schon anderswo, z.B. im Spreeblick oder bei Franzi und hier darauf verwiesen. Das kommt davon, wenn man sich Zeit l&auml;&szlig;t. ;-) ">1</a> Aber wenn Thees Uhlmann ein Prinzip verinnerlicht hat, dann ist es dasjenige, sich nicht um Erwartungen zu scheren. Immer geraderaus oder &#8211; Uhlmanns Freund Marcus Wiebusch zitierend &#8211; &#8222;mach immer, was dein Herz Dir sagt.&#8220;&nbsp;</p>
<p>Das sind also die Prämissen, unter die Uhlmann &#8211; seines Zeichens Kopf und Sänger der unvergleichlich charmanten Hamburger Indieband &#8222;Tomte&#8220; &#8211; seinen Lebensentwurfs stellt. Man verdankt Uhlmann einige der authentischsten Zeilen in der Geschichte der Rockmusik und viele unvergessene Konzerte. Und daß er es verdammt Ernst meint mit der Aufforderung, die Schönheit der Chance zu ergreifen und all das zu umarmen, was einem gefällt, war ohnehin längst klar.</p>
<p>Nun ist auch öffentlich, weshalb der Tomte-Clan dieses Jahr nicht mit neuer Platte aufwarten kann. Denn Thees ist Vater geworden. Offenbar schon im April. Und über seine Erfahrungen gibt er unter der netten Überschrift &#8222;<a href="http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Frauen-Maenner;art7754,2326890" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Von Windeln verweht</a>&#8220; Auskunft:</p>
</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><a name="ar_text"></a>Also, in aller erster Linie soll dieser Text eine tiefe Verneigung vor den Damen dieser Welt sein für das, was sie vor der Schwangerschaft, während der Schwangerschaft und vor allen Dingen nach der Schwangerschaft über sich ergehen lassen müssen. Hut ab!
</p>
</blockquote>
<p>So ein wenig vermisst man dann auch die Rotzig- und Respektlosigkeit, die Uhlmann sonst auszeichnet. Der Text ist &#8211; jedenfalls meiner bescheidenen Ansicht nach &#8211; gehörig inkohärent und lässt den roten Faden vermissen. Einige Passagen sind dennoch bemerkens- und festhaltenswert, so z.B.:</p>
</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><a name="ar_text1"></a>Ich gebe zu, ein Kind zu haben, ist zu 90 Prozent der Himmel. Aber zu zehn Prozent ist es die gottverdammte Hölle. Wenn das Kind schreit – und merke, wenn das Kind schreit, hat es immer recht! – dann ist das kein Weinen, wie wenn man sich den kleinen Zeh nachts am Bettpfosten gestoßen hat. Das ist ein Geräusch vom Ende der Seele. </p>
</blockquote>
<p>Ja, das ist der Uhlmann, von dem man gerne mehr lesen würde. Aber vermutlich hat der Nachwuchs auch während der Abfassung des Textes genau das getan, worüber Thees schreibt: geheult nämlich und den jungen Papa nicht in Ruhe schreiben lassen. So ist es kein Artikel wie aus einem Guß geworden, dafür endet er mit einem schönen Plädoyer bzw. einer Aufforderung an zumindest den männlichen Teil der Leserschaft:</p>
</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><a name="ar_text2"></a>Haben Sie Langeweile, starke Nerven, eine Dame, bei der sie sich vorstellen können, sie 20 Jahre zu lieben, und haben Sie alle dummen Bars und dummen Typen dieser Stadt gesehen? Ja? Gut, dann sage ich: Machen Sie mal schnell ein Kind.
</p>
</blockquote>
<p>&nbsp;Sollte dem noch etwas hinzuzufügen sein?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
</p>
<hr size="1" width="100%">
<p><font color="#888888" size="5">»5</font><font size="5"><font color="#888888" size="5">.</font> </font>Und wo wir abschließend bei Musik sind: einer der vielversprechendsten Musiker und Songwriter unserer Zeit ist der 34-jährige <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Damien_Rice" rel="noopener noreferrer">Damien Rice</a>. Bereits 2002 hatte der gebürtige Ire mit dem Album &#8222;O&#8220; für wahre Begeisterungsstürme gesorgt, dann mit Liveauftritten sich weiteres Renommee erarbeitet und schließlich Ende 2006 sein zweites Album vorgelegt. </p>
<p>Dieses ist &#8211; Rice ist kein Elegiker &#8211; ebenfalls recht unscheinbar mit &#8222;9&#8220; betitelt. Was so bescheiden daherkommt, offenbart allerdings beim Hören der Popsongs ein Strahlen, das seltene Intensität besitzt. Wundervoll zart instrumentiert sind die Lieder von Rice. Und von beeindruckender Schönheit. Im Zentrum steht Rice&#8216; kraftvolle Stimme, die aber nie überwältigt, sondern stets die Möglichkeit ihrer Fragilität kenntlich macht. Große Gefühle, Emotionalität und bescheidene, fast introvertierte Klänge gehen so Hand in Hand. Einer der zerbrechlichsten Songs ist die Singleauskopplung &#8222;9 Crimes&#8220;, das Rice im Duett mit Lisa Hannigans singt. Dazu gibt es ein sehr schönes Video.&nbsp; </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><object height="350" width="425"><param value="http://www.youtube.com/v/smKb79ltpaU" name="movie"><param value="transparent" name="wmode"><embed wmode="transparent" type="application/x-shockwave-flash" src="http://www.youtube.com/v/smKb79ltpaU" height="350" width="425"></object></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>CD-Tipps:</em></p>
<ul>
<li>Damien Rice (2002): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B0000AXKRB?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B0000AXKRB">&#8222;0&#8220;&nbsp;</a> |&nbsp; Damien Rice (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000IY03ZA?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B000IY03ZA">&#8222;9&#8220;</a>&nbsp;</li>
<li>Tomte (2006):&nbsp; <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000CR78NI?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B000CR78NI">Buchstaben über der Stadt</a>.</li>
<li>Tocotronic (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000RG121I?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B000RG121I">Kapitulation.</a>&nbsp;</li>
</ul>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_41" class="footnote">Und da ich mit dem Hinweis auf Thees Essay nun einige Tage gewartet habe, bis diese Fundstückesammlung komplett wird, wurde auch schon anderswo, z.B. im <a href="http://www.spreeblick.com/2007/06/25/schreibende-sanger/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spreeblick</a> oder bei <a href="http://blog.franziskript.de/?p=2231" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Franzi</a> und <a href="http://www.randpop.de/index.php/2007/06/25/thees-u-schreibt-ueber-die-freuden-eines-vaters/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> darauf verwiesen. Das kommt davon, wenn man sich Zeit läßt. ;-) </li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-03/">Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 03</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Jun 2007 13:51:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Stauraum in der Werkstattecke wird schon wieder knapp. Kein Wunder, wenn man bei all den Turbulenzen um G-8-Gipfel und die sie umrahmenden Proteste und die Dopingbeichten der Radprofis kaum mehr Zeit hat, konzentriert und in Ruhe in der Werkstatt zu arbeiten. Und wenn man sich dann noch unversehens mit einer Abmahnung konfrontiert sieht, dann ... <a title="Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/" aria-label="Mehr Informationen über Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/">Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" width="240" height="177" align="right" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/05/Fundstuecke_01c.jpg" alt="Fundstuecke_01c.jpg" style="border: 1px solid rgb(136, 136, 136); margin: 6px; padding: 1px;" />Der Stauraum in der Werkstattecke wird schon wieder knapp. Kein Wunder, wenn man bei all den Turbulenzen um G-8-Gipfel und die sie umrahmenden Proteste und die Dopingbeichten der Radprofis kaum mehr Zeit hat, konzentriert und in Ruhe in der Werkstatt zu arbeiten.</p>
<p>Und wenn man sich dann noch unversehens mit einer <a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/04/abmahnwelle-in-sachen-doping-wie-schnell-man-unbeabsichtigt-persoenlichkeitsrechte-verletzt-welche-rechercheverpflichtungen-habe-ich-als-blogger/" rel="noopener noreferrer">Abmahnung</a> konfrontiert sieht, dann ist die entspannte Blogroutine ohnehin erstmal dahin. Ich hätte vor wenigen Tagen auch nicht gedacht, daß ich mich so schnell mit den juristischen Vokabeln von Abmahnungen, Unterlassungsverpflichtungserklärungen oder sog. Schutzschriften auseinandersetzen muß.&nbsp;</p>
<p>Unterdessen hat sich im Fundstücke-Fundus allerdings wieder etwas angesammelt:</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">1.</font> </font>Einer der produktivsten und faszinierendsten Denker des 20. Jahrhunderts ist der Soziologe <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Niklas Luhmann</a>. Der gelernte Jurist und Verwaltungsexperte entwickelte ab Ende der 60er Jahre eine soziologische Systemtheorie, die in origineller Weise an philosophische, literarische oder biologische Konzepte anknüpft und selbst vielfältiges Anregungspotential für weitere (Gedanken-)Gänge liefert.</p>
<p>In fast allen Texten des umfänglichen Werks Luhmanns, der 1998 verstarb, kann der aufmerksame Leser die Spur jenes Hilfsmittels nachverfolgen, das den Entstehungs- und Schreibprozeß Luhmanns begleitet und geprägt hat: <strong>die Spur des Zettelkastens.</strong> </p>
<p>Seine Lektüreerkenntnisse, Gedanken, Verweise, alles, was Luhmann in den Sinn kam, verzeichnete und verschlagwortete er auf Zetteln, die er nach einem strikten System, das Querverweise berücksichtigte, in einen Zettelkasten einordnete. Jeder Essay Luhmanns, jedes Kapitel eines Buchs  ist dann jeweils ein Beutezug, den Luhmann selbst in seinem Zettelkasten unternimmt. Die Architektur seines Denkens hat Luhmann in seinem Zettelkasten konserviert; die Architektur des Zettelkastens (dessen interne Komplexität und Anregungspotential) prägte dann im Schreibprozeß das Denken Luhmanns.</p>
<p><a href="http://www.media-ocean.de/2007/06/02/video-niklas-luhmann-erklaert-den-zettelkasten/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Steffen Büffel</a> hat einen kurzen Mitschnitt eines Luhmann-Porträts aus den 70ern aufgestöbert (ursprünglich aus der Doku &quot;Beobachter im Krähennest&quot;), wo der Meister selbst seinen Zettelkasten vorführt:</p>
<p><object width="425" height="350"><param value="http://www.youtube.com/v/tu3t_zzHJJs" name="movie" /><param value="transparent" name="wmode" /><embed width="425" height="350" wmode="transparent" type="application/x-shockwave-flash" src="http://www.youtube.com/v/tu3t_zzHJJs" /></object> </p>
<p></p>
<p>Inzwischen hat Alexander Filipovic unter &quot;<a href="http://geloggd.alexander-filipovic.de/2007/06/03/niklas-luhmann-als-video/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">geloggd</a>&quot;, die Sammlung mit Luhmann-Nostalgie-Videos komplettiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
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<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">2.</font> </font>Während mir ein Abmahnschreiben frech und zähnefletschend aus meinem Mailpostfach entgegen lächelt, widmen sich an anderer Stelle bloggende Kollegen genau dieser unerfreulichen Begleiterscheinung der Blogrealität. Abmahnungen sind Gegenstand der <a target="_blank" href="http://upload-magazin.de/?p=413" rel="noopener noreferrer">ersten Ausgabe </a>des &quot;Upload-Magazins&quot;, das sich der Thematik aus unterschiedlichen und sehr spannenden Blickwinkeln nähert.</p>
<p>Einerseits wird einem das kleine Einmaleins des Abmahnwesens kurz und prägnant vermittelt (z.B. im Beitrag &quot;Die 6 W des Abmahnens&quot;), andererseits gibt es auch Erfahrungsberichte von Betroffenen (Kirstin Walther vom &quot;<a target="_blank" href="http://www.saftblog.de/" rel="noopener noreferrer">Saftblog</a>&quot;) und Interviews mit Abmahnern (u.a. mit Folkert Knieper von &quot;Marions Kochbuch&quot;) zu lesen. Die Zusammenstellung ist spannend, informativ und kontrovers. Abgerundet wird das Ganze durch einige Überlegungen von Raphael Raue vom <a target="_blank" href="http://www.onezblog.de/" rel="noopener noreferrer">Onezblog</a> zu einer Blogethik und einem Ausblick in die Abmahnpraxis in anderen Ländern. Mit dem Urheberrecht beschäftigt sich ein Interview mit Rechtsanwalt Johannes Richard. </p>
<p>Die graphische Gestaltung ist meiner bescheidenen Ansicht nach sehr gut gelungen und das Magazin sollte Pflichtlektüre für alle aktiven Blogger werden!</p>
<p>Heruntergeladen werden kann diese Premierennummer [als PDF] des Uploadmagazins <a target="_blank" href="http://upload-magazin.de/magazin" rel="noopener noreferrer">hier</a>! </p>
<p></p>
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<p><font size="5" color="#888888">»3</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">.</font> </font>Die Arbeit von Ärzten interessiert mich, wie in <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/27/hilflose-heiler-wie-krank-macht-das-gesundheitssystem-seine-mitglieder/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">früheren Artikeln</a> nachzulesen ist, nicht nur wenn es sich um Sportmediziner handelt. Ich habe mich immer wieder mit den Strukturen des Gesundheitssystems, der Arbeitssituation von Ärzten und medizinischen Fragestellungen befasst und innerhalb dieses aktuellen <a target="_blank" href="http://www.zeit.de/2007/24/M-EBM?page=1" rel="noopener noreferrer">ZEIT-Interviews </a>(7.6.2007) mit Dr. Edmund Neugebauer<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/#footnote_0_39" id="identifier_0_39" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Edmund Neugebauer ist Vorsitzender des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin und Direktor des Instituts f&uuml;r Forschung in der Operativen Medizin der Universit&auml;t Witten/Herdecke">1</a> werden einige Themen aufschlußreich angesprochen.</p>
<p>Im leider recht kurzen Gespräch unter dem Titel &quot;<a target="_blank" href="http://www.zeit.de/2007/24/M-EBM?page=1" rel="noopener noreferrer">Patient und Arzt auf Augenhöhe</a>&quot; weist Neugebauer u.a. darauf hin, daß die wahre Souveränität eines Arztes gerade darin zeige, wenn er in Zweifelsfällen auf die größere Expertise seiner Kollegen verweise. Interessant ist seine Anmerkung zum zwangsläufig eingeschränkten Wahrnehmungshorizont eines Arztes im Hinblick auf die Patientenzufriedenheit und erfolgreiche Behandlungen; Neugebauer führt aus:</p>
<blockquote>
<p>Denn er sieht oft nur die Patienten wieder, denen er mit seiner Behandlung geholfen hat. Die anderen, denen es durch seine Bemühungen nicht besser und manchmal sogar schlechter geht, wechseln zu einem Kollegen. Der Arzt hat also eine verschobene Wahrnehmung, die durch Zufall bestimmt sein kann und auf keinen Fall repräsentativ ist. </p>
</blockquote>
<p>&nbsp;Lesenswert!</p>
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<p><font size="5" color="#888888">»</font><font size="5"><font size="5" color="#888888">4.</font> </font>Der immer lesenswerte Sciblog weist <a href="http://www.sciblog.at/stories/8889/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">diesmal </a>auf eine in Science veröffentlichte Stellungnahme hin, die sich mit der bereits bekannten Resistenzbildung von Unkräutern gegen die derzeit dominierenden Totalherbizide mit dem Wirkstoff <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Glyphosat" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Glyphosat</a> befaßt. </p>
<p>Ursprünglich waren die Biotech-Firmen angetreten, um durch den Griff in den Werkzeugkasten &quot;Grüne Gentechnologie&quot; den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln effizienter und eleganter zu machen. Denn zunächst besteht schlicht das Dilemma, daß ein Herbizid sowohl die Nutzpflanze, als auch das als Unkraut etikettierte Gewächs schädigt. Dem US-Konzern <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Monsanto" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Monsanto</a> gelang es, gentechnisch veränderte Pflanzen zu entwickeln, die gegen das präferierte Herbizid Glyphosat resistent sind.</p>
<p>Nach diesem Erfolg vermarktete Monsanto das maßgeschneiderte Saatgut und das Totalherbizid unter dem Markennamen &quot;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Roundup" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Roundup</a>&quot; im Paket. Seit einigen Jahren [siehe den lesenswerten <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17469/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">telepolis-Artikel</a>!] mehren sich nicht nur die Hinweise, daß Glyphosat doch nicht so umweltverträglich ist wie versprochen, sondern auch, daß außerdem immer mehr Beipflanzen (=Unkräuter) Toleranzen entwickeln. Dieser Effekt wird natürlich dadurch verstärkt, daß glyphosatbasierte Herbizide eine marktdominierende Stellung einnehmen. Es gibt wenige Alternativen und aufgrund der breitflächigen Anwendung reichlich Gelegenheit zur Resistenzbildung. Auch hier zeigt sich also, daß Monopolbildungen unerwünschte Effekte zeitigen.</p>
<p>Der kritische Beitrag von Robert F. Service mit dem Titel &quot;<a href="http://www.sciencemag.org/cgi/content/summary/sci;316/5828/1114" target="_blank" rel="noopener noreferrer">A Growing Threat Down on the Farm</a>&quot;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/#footnote_1_39" id="identifier_1_39" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Science 25 May 2007: Vol. 316. no. 5828, pp. 1114 &ndash; 1117">2</a> nimmt Bezug auf die ebenfalls in Science veröffentlichte Studie von <a href="http://www.sciencemag.org/cgi/content/abstract/316/5828/1185" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Behrens et al</a>.,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/#footnote_2_39" id="identifier_2_39" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. &quot;Dicamba Resistance: Enlarging and Preserving Biotechnology-Based Weed Management Strategies&quot;, Behrens et. al., Science 25 May 2007: Vol. 316. no. 5828, pp. 1185 &ndash; 1188">3</a> die über die <a href="http://derstandard.at/?url=/?id=2893665" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">erfolgreiche Veränderung</a> des Erbgutes der Sojabohne berichtet. Von der Forschergruppe um Mark Behrens von der Universität Nebraska wurde in die Sojabohne, nach dem selben Prinzip wie bei Glyphosat, ein Resistenzgen gegen das hier schlagkräftige Herbizid Dicamba eingebracht. Die Frage ist freilich, ob man hier sehenden Auges wieder in die Falle der problematischen Resistenzbildung läuft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_39" class="footnote">Edmund Neugebauer ist Vorsitzender des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin und Direktor des Instituts für Forschung in der Operativen Medizin der Universität Witten/Herdecke</li><li id="footnote_1_39" class="footnote"><em>Science</em> 25 May 2007: Vol. 316. no. 5828, pp. 1114 &#8211; 1117</li><li id="footnote_2_39" class="footnote">vgl. &quot;Dicamba Resistance: Enlarging and Preserving Biotechnology-Based Weed Management Strategies&quot;, Behrens et. al., <em>Science</em> 25 May 2007: Vol. 316. no. 5828, pp. 1185 &#8211; 1188</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/querverweise-fundstuecke-lesenswertes-links-02/">Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes &#038; Links &#8211; 02</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Vom kleinen Eisbären Knut und großen Geschäften » Über Medien, Ablenkungseffekte und die Manipulation von Aufmerksamkeit</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/vom-kleinen-eisbaeren-knut-und-grossen-geschaeften-ueber-medien-ablenkungseffekte-und-die-manipulation-von-aufmerksamkeit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Apr 2007 11:35:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Er ist weiß, klein, tapsig und einfach zum Knuddeln. Eisbär Knut ist der Liebling der BoulevardMedien und die Sympathiewelle, die seit einigen Wochen durch Deutschland rollt, illustriert vor allem eines: die Bevölkerung der Bundesrepublik ist nicht nur begeisterungsfähig, sondern geradezu begeisterungswütig. Wer den kollektiven Rummel um die Fußballnationalmannschaft im Rekordsommer 2006 noch als singuläres Ereignis ... <a title="Vom kleinen Eisbären Knut und großen Geschäften » Über Medien, Ablenkungseffekte und die Manipulation von Aufmerksamkeit" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/vom-kleinen-eisbaeren-knut-und-grossen-geschaeften-ueber-medien-ablenkungseffekte-und-die-manipulation-von-aufmerksamkeit/" aria-label="Mehr Informationen über Vom kleinen Eisbären Knut und großen Geschäften » Über Medien, Ablenkungseffekte und die Manipulation von Aufmerksamkeit">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/vom-kleinen-eisbaeren-knut-und-grossen-geschaeften-ueber-medien-ablenkungseffekte-und-die-manipulation-von-aufmerksamkeit/">Vom kleinen Eisbären Knut und großen Geschäften » Über Medien, Ablenkungseffekte und die Manipulation von Aufmerksamkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Er ist weiß, klein, tapsig und einfach zum Knuddeln. Eisbär Knut ist der Liebling der <del>Boulevard</del>Medien und die Sympathiewelle, die seit einigen Wochen durch Deutschland rollt, illustriert vor allem eines: die Bevölkerung der Bundesrepublik ist nicht nur begeisterungsfähig, sondern geradezu begeisterungswütig.</strong> </p>
<p>Wer den kollektiven Rummel um die Fußballnationalmannschaft im Rekordsommer 2006 noch als singuläres Ereignis verstanden hatte, sollte allmählich seinen Irrtum eingestehen. Denn die Berichterstattung über den Berliner Eisbären<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/vom-kleinen-eisbaeren-knut-und-grossen-geschaeften-ueber-medien-ablenkungseffekte-und-die-manipulation-von-aufmerksamkeit/#footnote_0_13" id="identifier_0_13" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Am Osterwochenende herrschte im Berliner Zoo der Ausnahmezustand. Manche Beobachter f&uuml;hlten sich angesichts des Rummels rund um das Eisb&auml;rengehege eher an ein Rock- oder Popkonzert erinnert. Unz&auml;hlige Ordner und Helfer des Roten Kreuzes mussten den riesigen Andrang von bis zu 20.000 Besuchern in geordnete Bahnen lenken.">1</a> und v.a. deren überwältigende Resonanz sind geradezu ein Lehrstück aktueller Medien- und Aufmerksamkeitsmechanismen. Ganz augenfällig ist dabei zunächst eines der Grundgesetze der Medienrezeption: je einfacher die Botschaft, desto größer ist das Interesse.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/vom-kleinen-eisbaeren-knut-und-grossen-geschaeften-ueber-medien-ablenkungseffekte-und-die-manipulation-von-aufmerksamkeit/#footnote_1_13" id="identifier_1_13" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Diese sehr vereinfachte These sei an dieser Stelle erlaubt. Die Rezeptionsforschung hat freilich detailliertere Erkenntnisse &uuml;ber den sog. &sbquo;Nachrichtenwert&sbquo; erarbeitet. Es sind vor allen Dingen Nachrichtenfaktoren wie Relevanz [Bedeutung f&uuml;r den jeweiligen Leser, sowie N&auml;he zu seiner Lebenswelt], Neuigkeitswert, Kuriosit&auml;t [was bei Knut durchaus gegeben ist], Frequenz [&Uuml;bereinstimmung mit der Erscheinungsperiodik von Medien], Kontinuit&auml;t [&uuml;ber Themen, die bereits Gegenstand von Nachrichten waren, wird mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit auch in der Folge berichtet] und Eindeutigkeit [&Uuml;berschaubarkeit und geringe Komplexit&auml;t des Gegenstandes; und hier liegt bei Knut sicher ein Schwerpunkt!]. Sehr instruktiv dazu ist etwa der Beitrag von Georg Ruhrmann [&quot;Ereignis, Nachricht, Rezipient&quot;] in Merten (Hg.): Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einf&uuml;hrung in die Kommunikationswissenschaft.">2</a></span> </p>
<p>Dem erstaunten Beobachter stellt sich freilich die Frage, wieso es ausgerechnet der kleine Eisbär in die Schlagzeilen schaffte. Denn ist es nicht spätestens seit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Grzimek" >Bernhard Grzimeks</a><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/vom-kleinen-eisbaeren-knut-und-grossen-geschaeften-ueber-medien-ablenkungseffekte-und-die-manipulation-von-aufmerksamkeit/#footnote_2_13" id="identifier_2_13" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Zoologe und langj&auml;hrige Direktor des Frankfurter Zoos berichtete in den 60er und 70er Jahren in seiner Sendung &quot;Ein Platz f&uuml;r Tiere&quot; dem westdeutschen Fernsehpublikum aus der Tierwelt; seine &uuml;beraus erfolgreichen Tierfilme waren Quotenrenner und f&uuml;r seinen Dokumentarfilm &quot;Serengeti darf nicht sterben&quot; erhielt er 1960 gar den Oscar">3</a> amüsanten Lehrstunden im kulturellen Gedächtnis der BRD fest verankert und allgemein bekannt, daß in deutschen Tiergärten und Zoos süße, knuffige Tierkinder umhertollen? Wieso wird die Allgemeinheit also erst im Frühjahr 2007 von Knuts Charme überwältigt? Nun könnte man sich freilich mit der Erklärung behelfen, daß angesichts der täglich wiederkehrenden Schreckensmeldungen über Terroranschläge in aller Welt die Berichte über den Berliner Eisbären einfach eine willkommene und vielleicht notwendige Abwechslung darstellen. Bedenkt man den trivialen Umstand, daß Aufmerksamkeit und Ressourcen, die für die Rezeption von Meldungen aus dem Tiergehege aufgewendet werden, nicht mehr anderweitig<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/vom-kleinen-eisbaeren-knut-und-grossen-geschaeften-ueber-medien-ablenkungseffekte-und-die-manipulation-von-aufmerksamkeit/#footnote_3_13" id="identifier_3_13" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zeit und Konzentrationsf&auml;higkeit, &uuml;ber die jedes Individuum zur Kenntnisnahme des medial vermittelten Weltgeschehens verf&uuml;gt, sind notwendigerweise begrenzt. Die Besch&auml;ftigung mit Meldungen aus bspw. den Rubriken &sbquo;Vermischt&rsquo;/&rsquo;Society&lsquo; kann also dazu dienen, da&szlig; der einzelne Medienkonsument die Anteile von &sbquo;harten&lsquo;, politischen Themen und den &sbquo;weichen&lsquo; Inhalten jeweils seiner Toleranzschwelle gem&auml;&szlig; zusammenstellt und so einer je individuellen &sbquo;&Uuml;berforderung&sbquo; entgegenwirkt.">4</a> zur Verfügung stehen, dann wird offensichtlich, daß Knut letztlich sogar eine Entlastungs- und Hygienefunktion erfüllt. Mit leicht verdaulichen Themen, wie sie oftmals in den Klatsch- und Societyspalten der Zeitungen zu finden sind, stellen die Medien also selbst eine Möglichkeit bereit, den Nachrichten über Leid, Elend und Katastrophen vielleicht nicht gänzlich auszuweichen, sich aber immerhin eine Auszeit zu gönnen. So betrachtet wäre also die forcierte Knut-Hysterie ein Instrument des medialen Ablaßhandels. Ablaß also für die Zumutungen, die jedem Zeitungsleser und Mediennutzer alltäglich präsentiert werden. </p>
<p>Fraglich bleibt, ob diese Erklärung tatsächlich so zwingend und für das beobachtbare Phänomen der sog. <a href="http://www.knut-online.com/die-presse-uber-eisbar-knut/">Knut-O-Manie</a> ausreichend ist; zwar mag es einleuchten, daß die fortgesetzte Beschäftigung und Konfrontation mit Bildern aus Kriegs- und Elendsgebieten dem pflichtbewussten Mediennutzer durch die Bereitstellungen von &#8218;leichten Meldungen&#8216; quasi versüßt und belohnt wird (und werden muß?), doch wären gemäß dieser Logik solche Meldungen über das Aufwachsen von Raubtierbabys eher im Wochentakt zu erwarten. Schließlich sollte der versierte Mediennutzer inzwischen hinreichend abgehärtet sein, was die Verarbeitung von erschütternden Nachrichten angeht. Oder etwa doch nicht? Eine zufriedenstellende Erklärung muß vermutlich beide Seiten des massenmedialen Kommunikationsprozesses in den Blick nehmen; einerseits also die Produzenten all der Bilder und Berichte, andererseits die Konsumenten, die als Rezipienten für den Kommunikationsprozeß (wenn man bspw. <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann">Niklas Luhmann</a> glauben darf) konstitutiv sind.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/vom-kleinen-eisbaeren-knut-und-grossen-geschaeften-ueber-medien-ablenkungseffekte-und-die-manipulation-von-aufmerksamkeit/#footnote_4_13" id="identifier_4_13" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Luhmann versteht Kommunikation bekanntlich als Einheit der drei Selektionskomponenten: Information, Mitteilung und Verstehen. Erst im und durch das Verstehen durch den Adressaten/Rezipienten wird diese Einheit vollst&auml;ndig und [was entscheidend ist] anschlu&szlig;f&auml;hig. Vgl. u.a. Niklas Luhmann: Die Gesellschaft der Gesellschaft. S.70; S. 190f.">5</a> </p>
<p>Denn entscheidend für das Zustandekommen von Berichten (will man hier der Luhmann&#8217;schen Terminologie und Sichtweise folgen) über eine bestimmte Thematik ist auf der einen Seite, daß innerhalb des Mediensystems die Unterscheidung zwischen Information/Nicht-Information getroffen wird. D.h. ein Thema wird von Journalisten als &#8218;<em>Information&#8216;</em> und folglich als mitteilenswert &#8218;<em>markiert&#8216;</em>; erst dann wird aus einem Geschehen eine Meldung in den jeweiligen Medien. Auf der anderen Seite ist es ebenso notwendig, daß die fragliche Meldung (in der Zeitung, im Onlinejournal, etc.) auch tatsächlich rezipiert und als &#8218;<em>Mitteilung verstanden</em>&#8218; wird. Erst die Tatsache, daß eine Meldung zu einem bestimmten Thema bei den Lesern und Zuschauern auch &#8218;Resonanz&#8216; erzeugt, macht diese Kommunikationseinheit vollständig. Und erst infolgedessen steigt die Wahrscheinlichkeit, daß sich weitere Meldungen zum gleichen Thema wieder in den jeweiligen Medien (vielleicht dann sogar an prominenterer Stelle?) finden lassen.</p>
<p>Bezogen auf die Berichterstattung über Knut läßt sich demzufolge kaum anderes schlußfolgern, als daß zumindest auf der Seite des Publikums eine beträchtliche Resonanzbereitschaft gegeben ist. Offensichtlich ist ein nicht unerhebliches Bedürfnis nach leichteren Themen vorhanden, ob dies als Symptom eines Überlastungs- und Zumutungseffekts (wie oben kurz skizziert) zu verstehen ist, müßte an anderer Stelle durchdacht und empirisch untersucht werden. </p>
<p>Interessant ist freilich, wie es auf der Seite der Journalisten selbst aussieht. Verstehen sich also ein Großteil der Medienbranche tatsächlich ausschließlich als Dienstleister, die (unabhängig von eigenem Interesse und möglichen Niveau-/Qualitätskriterien) schlicht die Bedürfnisse/Nachfrage der Leser/Zuseher bedienen? Denkbar wäre allerdings genauso, daß auch für die Journalisten selbst derselbe Effekt zutrifft: die permanente Konfrontation mit Meldungen über Terroranschläge und Umweltkatastrophen erzeugt auch bei den Medienprofis das Bedürfnis nach Abwechslung und Ablenkung. Aber vermutlich ist diese Deutung doch etwas naiv und verkennt die Mechanismen, die in der Medienbranche vorherrschen. Zwar mag der Balanceakt zwischen journalistischer Recherche- und Sorgfaltspflicht (oder gar dem abstrakten Primat der journalistischen Unabhängigkeit) und dem Quoten- und Auflagendruck häufig nicht leicht sein, eine Meldung der letzten Tage wirft aber wieder einmal ein Schlaglicht auf die allgegenwärtige Einflußnahme auf Journalisten. Wie <a href="http://comms.twoday.net/stories/3568378/">allerorten</a> nachzulesen war (sowohl bei Spiegel, SZ &amp; Co, als auch bei <a href="http://www.medienrauschen.de/archiv/2007/04/11/knut-und-die-erzwungene-positive-berichterstattung/">Medienrauschen</a>) hatte der Berliner Zoo versucht die Pressevertreter, zu einer &#8218;positiven Berichterstattung&#8216; zu nötigen. Der Passus der Vereinbarung las sich wie folgt: </p>
<blockquote>
<p><em>&quot;Der Vertragspartner verpflichtet sich, die Materialien nicht für<br />
Darstellungen zu verwenden oder zu überlassen, die die Zoologische<br />
Garten Berlin AG oder ihre Mitarbeiter in einem ungünstigen Licht<br />
erscheinen lassen&quot;.</em></p>
</blockquote>
<p>Verwunderlich bei all dem ist freilich, weshalb die Verantwortlichen des Berliner Zoos überhaupt befürchten, daß negative Berichte veröffentlicht werden könnten. Ist der Charme von Knut nicht Garantie genug, daß selbst der abgefeimteste Journalist nicht anders kann, als die Attribute süß und knuddelig gleich zigfach zu verwenden? ;-)</p>
<p>Aber vermutlich zeigt sich hier nur, daß es in der PR-Branche eine Selbstverständlichkeit geworden ist, daß man die Journalisten als heimliche Verbündete betrachtet. Das gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis scheint größer zu sein, als man gemeinhin annimmt. Eine Studie des Journalistik- und Medienwissenschaftlers <a  href="http://www.uni-leipzig.de/journalistik/haller.php">Michael Haller </a>(Uni Leipzig) wies 2004 auf diese Verquickung hin; seinen Zahlen zufolge stehen bspw. im Bereich des Wirtschaftsjournalismus in Deutschland den 30.00 Journalisten auf der Seite der PR-Abteilungen ca. 18.000 Mitarbeiter gegenüber. Und deren Praktiken und Strategien der Einflußnahme dürften um einiges raffinierter und effizienter sein, als die dilettantischen Versuche des Berliner Zoos. Soll man sich damit trösten, daß für Niklas Luhmann der Informationswert einer Meldung Vorrang vor ihrem Wahrheitsgehalt hatte?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/vom-kleinen-eisbaeren-knut-und-grossen-geschaeften-ueber-medien-ablenkungseffekte-und-die-manipulation-von-aufmerksamkeit/#footnote_5_13" id="identifier_5_13" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nachzulesen u.a. im Interview mit Niklas Luhmann aus dem Jahr 1996: &raquo;Wahrheit ist nicht zentral&laquo; (Sonntagsblatt, online">6</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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<hr width="80%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p>Empfehlenswerte Literatur und Links: </p>
<ol>
<li><a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3531123270%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3531123270%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02"><span class="sans">Merten, K. et. al. (Hg.): Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in die Kommunikationswissenschaft. 1994.</span></a></li>
<li><a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3531123270%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3531123270%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02"><span class="sans"></span></a><a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3531428411%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3531428411%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02">Niklas Luhmann: Die Realität der Massenmedien. 1996.</a></li>
<li><a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3518289608%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3518289608%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02"></a><a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=389669460X%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/389669460X%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02">Freimut Duve/Michael Haller: Leitbild Unabhängigkeit. Zur Sicherung publizistischer Verantwortung. 2004.</a></li>
<li><a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3896694308%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3896694308%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02"><span class="srTitle">Michael Haller: Das freie Wort und seine Feinde. Zur Pressefreiheit in den Zeiten der Globalisierung. 2004.</span></a></li>
<li><a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3896694308%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3896694308%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02"><span class="srTitle"></span></a>Interview mit Niklas Luhmann aus dem Jahr 1996: <a href="http://www.sonntagsblatt.de/1996/42/42-ku.htm">»Wahrheit ist nicht zentral«</a> (Sonntagsblatt, online)</li>
</ol>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_13" class="footnote">Am Osterwochenende herrschte im Berliner Zoo der Ausnahmezustand. Manche Beobachter fühlten sich angesichts des Rummels rund um das Eisbärengehege eher an ein Rock- oder Popkonzert erinnert. Unzählige Ordner und Helfer des Roten Kreuzes mussten den riesigen Andrang von bis zu 20.000 Besuchern in geordnete Bahnen lenken.</li><li id="footnote_1_13" class="footnote">Diese sehr vereinfachte These sei an dieser Stelle erlaubt. Die Rezeptionsforschung hat freilich detailliertere Erkenntnisse über den sog. &#8218;<a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nachrichtenwert">Nachrichtenwert</a>&#8218; erarbeitet. Es sind vor allen Dingen Nachrichtenfaktoren wie Relevanz [Bedeutung für den jeweiligen Leser, sowie Nähe zu seiner Lebenswelt], Neuigkeitswert, Kuriosität [was bei Knut durchaus gegeben ist], Frequenz [Übereinstimmung mit der Erscheinungsperiodik von Medien], Kontinuität [über Themen, die bereits Gegenstand von Nachrichten waren, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch in der Folge berichtet] und Eindeutigkeit [Überschaubarkeit und geringe Komplexität des Gegenstandes; und hier liegt bei Knut sicher ein Schwerpunkt!]. Sehr instruktiv dazu ist etwa der Beitrag von Georg Ruhrmann [&quot;Ereignis, Nachricht, Rezipient&quot;] in <a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3531123270%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3531123270%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02">Merten (Hg.): </a><span class="sans"><a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3531123270%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3531123270%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02">Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in die Kommunikationswissenschaft.</a></li><li id="footnote_2_13" class="footnote">Der Zoologe und langjährige Direktor des Frankfurter Zoos berichtete in den 60er und 70er Jahren in seiner Sendung &quot;Ein Platz für Tiere&quot; dem westdeutschen Fernsehpublikum aus der Tierwelt; seine überaus erfolgreichen Tierfilme waren Quotenrenner und für seinen Dokumentarfilm <a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=B0002LHQMW%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/B0002LHQMW%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02">&quot;Serengeti darf nicht sterben&quot; </a>erhielt er 1960 gar den Oscar</li><li id="footnote_3_13" class="footnote">Zeit und Konzentrationsfähigkeit, über die jedes Individuum zur Kenntnisnahme des medial vermittelten Weltgeschehens verfügt, sind notwendigerweise begrenzt. Die Beschäftigung mit Meldungen aus bspw. den Rubriken &#8218;Vermischt&#8217;/&#8217;Society&#8216; kann also dazu dienen, daß der einzelne Medienkonsument die Anteile von &#8218;harten&#8216;, politischen Themen und den &#8218;weichen&#8216; Inhalten jeweils seiner Toleranzschwelle gemäß zusammenstellt und so einer je individuellen &#8218;<em>Überforderung</em>&#8218; entgegenwirkt.</li><li id="footnote_4_13" class="footnote">Luhmann versteht Kommunikation bekanntlich als Einheit der drei Selektionskomponenten: <em>Information, Mitteilung</em> und <em>Verstehen</em>. Erst im und durch das Verstehen durch den Adressaten/Rezipienten wird diese Einheit vollständig und [was entscheidend ist] anschlußfähig. Vgl. u.a. <a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=3518289608%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/3518289608%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02">Niklas Luhmann: Die Gesellschaft der Gesellschaft.</a> S.70; S. 190f.</li><li id="footnote_5_13" class="footnote">Nachzulesen u.a. im Interview mit Niklas Luhmann aus dem Jahr 1996: <a href="http://www.sonntagsblatt.de/1996/42/42-ku.htm">»Wahrheit ist nicht zentral«</a> (Sonntagsblatt, online</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/vom-kleinen-eisbaeren-knut-und-grossen-geschaeften-ueber-medien-ablenkungseffekte-und-die-manipulation-von-aufmerksamkeit/">Vom kleinen Eisbären Knut und großen Geschäften » Über Medien, Ablenkungseffekte und die Manipulation von Aufmerksamkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge » Dopingarrangements im Spitzensport I</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 May 2007 01:31:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Doping hat System. Wer sich in diesen Tagen beim Lesen der Berichte über die Dopingbeichten geläuterter Ex-Radprofis darüber wundert, daß einige der alljährlich gefeierten Radhelden offenbar zu unterstützenden Mitteln gegriffen haben, hat leider immer noch nichts verstanden. Die manipulative, leistungssteigernde Medikamenteneinnahme ist wesentlicher Bestandteil aller (Ausdauer-)Sportarten. Es muß klar sein: wenn sich die Nation über ... <a title="Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge » Dopingarrangements im Spitzensport I" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/" aria-label="Mehr Informationen über Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge » Dopingarrangements im Spitzensport I">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/">Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge » Dopingarrangements im Spitzensport I</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Doping hat System. Wer sich in diesen Tagen beim Lesen der Berichte über die Dopingbeichten geläuterter Ex-Radprofis darüber wundert, daß einige der alljährlich gefeierten Radhelden offenbar zu unterstützenden Mitteln gegriffen haben, hat leider immer noch nichts verstanden. Die manipulative, leistungssteigernde Medikamenteneinnahme ist wesentlicher Bestandteil aller (Ausdauer-)Sportarten. Es muß klar sein: wenn sich die Nation über den positiven Medaillenspiegel bei Olympischen Spielen freut, dann ist die Erfolgsbilanz immer auch der effizienten Arbeit der medizinischen Abteilungen zu danken. Der Spitzensport hat sich längst mit Doping arrangiert.<br /></strong></p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" width="325" height="161" align="right" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/05/Dopingarrangements_01b.jpg" alt="Dopingarrangements_01b.jpg" style="border: 1px solid rgb(75, 75, 75); margin: 5px; padding: 1px;" />Wenn das Rennen beendet ist, besteigen die besten Athleten das Siegerpodest, baden im Beifall der Zuschauer und sonnen sich, was für die massenmediale Aufmerksamkeit und den Marktwert entscheidender ist, im Blitzlichtgewitter der Photographen. In der nachfolgenden Pressekonferenz wird dann nicht selten auf das Team verwiesen, ohne dessen hervorragende Arbeit die jeweilige Leistung nicht möglich gewesen wäre. Dabei ist unbestritten: derjenige, der hier Auskunft gibt (egal ob er auf den Namen <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johann_M%C3%BChlegg&amp;oldid=32105106" rel="noopener noreferrer">Johann Mühlegg</a> oder <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Ullrich" rel="noopener noreferrer">Jan Ullrich</a> hört) hat an diesem Tag des sportlichen Wettstreits seinem Körper Höchstleistungen abgetrotzt. Und ebenso steht außer Frage, daß all die Athleten, die es bis in die Spitzengruppe ihrer Disziplin geschafft haben, nicht nur mit einem seltenen Talent gesegnet sind, sondern auch jahrelang mit eiserner Disziplin an der Perfektionierung ihrer physischen Leistungsfähigkeit gearbeitet haben. Erfolg im Spitzensport fällt einem nicht in den Schoß. Erfolg ist eine Riesenquälerei.</p>
<p>Und wenn die strahlenden Helden dann ihrem Team danken, dann ist das in den seltensten Fällen eine bloße Floskel. Der Dank und die Ehrerbietung an das Team ist keine Formulierung, die allein deswegen hervorgebracht wird, um sich selbst sogar in der Stunde des Triumphes möglichst sympathisch und bescheiden zu geben. Es ist zu offensichtlich, daß kein Sportler ohne die Anleitung und Tipps seiner Trainer und Betreuer, kein Athlet ohne die notwendige Arbeit der Masseure, Physiotherapeuten und Techniker bis an die Spitze gekommen wäre. Der Teil des Teams, der zumeist großzügig unerwähnt bleibt<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/#footnote_0_34" id="identifier_0_34" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Es sei denn, es lag im Vorfeld eine konventionelle Erkrankung vor, f&uuml;r deren schnelle Bew&auml;ltigung den &Auml;rzten Dank ausgesprochen werden mu&szlig;. Wenn den Radprofi wenige Tage vor Beginn des Rennens noch eine Infektion zur Bettruhe zwang, so werden die Wundertaten der medizinischen Begleitmannschaft selbstverst&auml;ndlich lobend erw&auml;hnt. Gleiches gilt bspw. f&uuml;r die schnelle Rehabilitation nach B&auml;nder- oder Kreuzbandrissen.">1</a>, ist allerdings der Ärztestab. Kein Wunder, denn deren Aufgabe besteht (abgesehen von den offiziell-sichtbaren kleinen Betreuungsdienstleistungen<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/#footnote_1_34" id="identifier_1_34" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Darunter fallen just all die &auml;rztlichen Verrichtungen, die innerhalb des institutionalisierten Sportsystems opportun, weil nicht sanktioniert sind: das reicht vom Auflegen des Eisbeutels bis zur Verabreichung einer Elektrolytinfusion.">2</a>) vor allen Dingen in einer Arbeit, die hinter den Kulissen abläuft. Diese Arbeit ist fokussiert auf die Frage, mit welchen erlaubten und auch unerlaubten Mitteln den eigenen Athleten das Abrufen der maximalen Leistungsfähigkeit zum Zeitpunkt X möglich gemacht werden kann.</p>
<p><strong>Omnipräsente Verführbarkeiten&nbsp;</strong></p>
<p>Man sollte sich darüber keine Illusionen machen: auch die medizinischen Betreuerteams stehen innerhalb eines Wettbewerbs. Wenn nicht alle denkbaren Möglichkeiten ausgeschöpft werden und deshalb die erwarteten Erfolge ausbleiben, so steht die Zusammenarbeit für die nächste Saison in Frage. Und die Arbeit für eine Sportmannschaft, die Betreuung leistungsbereiter Athleten ist nicht nur deshalb attraktiv, weil man den muffigen Krankenhausfluren für eine gewisse Zeit entfliehen kann. Neben <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ottmar_Hitzfeld" rel="noopener noreferrer">Ottmar Hitzfeld</a> auf der Trainerbank einer Fußballmannschaft zu sitzen oder den Trubel des Ereignisses &quot;Tour de France&quot; hautnah mitzuerleben, ist auch für einen Arzt nicht ohne Reiz. Der Prestigegewinn der einem in der eigenen Zunft der Sportmediziner dadurch zufällt, ist hier nur ein Faktor unter vielen. </p>
<p>Es fällt also bei näherer Betrachtung des Phänomens Spitzensport auf, daß man es hier auf verschiedenen Ebenen mit Aspekten der Verführbarkeit zu tun hat. Denn wenn man die wesentlichen Akteursgruppen nacheinander in den Blick nimmt, so zeigt sich, daß sich die Sphäre des Sports für Sportler, Trainer, Ärzte und Journalisten jeweils in anderer Ausprägung darstellt, aber jeweils symbiotische Prozesse der gegenseitigen Abhängigkeit mitwirken. Hier ist nicht der Platz, um auch die ambivalente Stellung der Medien im Geflecht des massenmedial inszenierten Spitzensports zu beleuchten. Das soll ggf. später nachgeholt werden. Ebenso kann hier nur angedeutet werden, daß das Trainer- und Betreuerteam zwar häufig eine tragende Rolle spielt, wenn es darum geht, manipulative Praktiken zu nutzen, allerdings auch jeder Trainer sich in einer oftmals ähnlich dilemmatischen Situation befindet, die oben für die medizinschen Teams skizziert wurde: auch jeder Trainer weiß, daß sein Vertrag unter einem Erfolgsvorbehalt steht.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/#footnote_2_34" id="identifier_2_34" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wenn ich oben die vier Gruppen Sportler &ndash; Trainer &ndash; &Auml;rzte &ndash; Journalisten genannt habe, so ist eine f&uuml;nfte Gruppe (vielleicht sogar die entscheidende?), n&auml;mlich die Funktion&auml;rsclique des internationalen Spitzensports, nicht erw&auml;hnt. Dies liegt einzig daran, da&szlig; ich hier kaum eine prek&auml;re Ausgangssituation erkennen mag, die es den Beiteiligten individuell unm&ouml;glich macht, aus dem &quot;Systemzwang Doping&quot; auszusteigen. Hier liegt m.E. weniger (in Grenzen) entschuldbare Verf&uuml;hrbarkeit, sondern Korrumpierbarkeit und Machtgier vor. Das Dopingarrangement wird hinsichtlich vieler Aspekte erst durch die Unf&auml;higkeit und/oder Verstrickung der Funktion&auml;rskaste m&ouml;glich gemacht.">3</a> </p>
<p><strong>Kein Täter nirgends?</strong></p>
<p>Der Hinweis auf die Kontexte, in denen sich die Beteiligten des Dopingprozesses im Spitzensport befinden, soll allerdings nicht den Eindruck erwecken, es gäbe auf allen Seiten nur unschuldige Opfer. Ein Freibrief, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung läßt sich für keinen Sportler, keinen Trainer und keinen beteiligten Arzt ausstellen. Wer aber sind die Akteure, die für die Dopingpraktiken verantwortlich sind, die nach der <a target="_blank" href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2007/05/24/doping-gestehe-wer-kann/" rel="noopener noreferrer">jüngsten Welle</a> der Enthüllungen nicht nur auf den Sportseiten diskutiert werden?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/#footnote_3_34" id="identifier_3_34" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In diesem Fall kommt man ja schon beim Bloggen ins Schwitzen: nachdem ich am Mittwochvormittag diese Artikelserie begonnen habe, &uuml;berschlagen sich die Ereignisse: Rolf Aldag k&uuml;ndigt ein Gest&auml;ndnis an, Erik Zabel f&auml;ngt zu weinen an, Rolf B&ouml;lts wirft sich sofort ins B&uuml;&szlig;ergewand und gibt den Epo-Mi&szlig;brauch zu, die bislang als naive Handlanger agierenden Team-Telekom-&Auml;rzte Heinrich und Schmid gestehen ebenfalls ihre Verstrickung. Warum haben es nun auf einmal alle so eilig? Nur weil Bert Dietz und Christian Henn so vorgeprescht sind? Mu&szlig; Reinhold Beckmann n&auml;chste Woche gleich wieder eine Kollektivbeichte abnehmen? Hoffentlich funktioniert dann der Ton! Und Jan Ullrich h&uuml;llt sich vorerst weiter ins Schweigen.">4</a> Wie schizophren müssen die beteiligten Sportler sein, wenn sie so offensichtlich Raubbau an ihren Körpern treiben, gleichzeitig aber für gesunde Fitneßriegel in Werbespots lächeln? Mit welchen Mechanismen gewährleistet das &quot;System Spitzensport&quot;, daß die hintergründigen Manipulationen trotz allem äußerst selten thematisiert und publik werden? Welche Sicherheitsvorkehrungen sind vorhanden, um das Nichtwissen bezüglich des eigentlichen Ausmaßes der betrügerischen Machenschaften zu stabilisieren? Und in welcher Tradition stehen Ärzte und Betreuer, die aktiv an illegalen und potentiell gesundheitsschädlichen Praktiken mitwirken? </p>
<p>All diesen Fragen, die im Kern um die vielfältigen Arrangements kreisen, die der Spitzensport im Umgang mit Doping gefunden hat, werde ich in drei weiteren Artikeln nachgehen. Bevor ich im dritten Beitrag sowohl auf die wenig ruhmreiche Vergangenheit, als auch die aktuellen Verstrickungen des sportmedizinischen Teams der Uniklinik Freiburg zu sprechen komme, will ich zunächst das &quot;System Spitzensport&quot;, das als Synonym für das &quot;System Doping&quot; anzusehen ist, aus verschiedenen soziologischen Perspektiven skizzieren. Abschließend soll der Radsport, der Prototyp einer von Dopingarrangements kontaminierten Sportart, näher beleuchtet und im Hinblick auf seine historischen Kontexte rekonstruiert werden.<br />&nbsp;</p>
<p>In den nächsten Tagen werden die weiteren Beiträge nach und nach eingestellt und von hier aus verlinkt: </p>
<ol>
<li><em>Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge » Dopingarrangements im Spitzensport I</em></li>
<li><em><a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/24/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/" rel="noopener noreferrer">Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne</a> » Dopingarrangements im Spitzensport II</em></li>
<li><em><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/31/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ärzte im Schafspelz. Die Freiburger Sportmedizin</a> » Dopingarrangements im Spitzensport III</em></li>
<li><em>Kontaminierte Tourhelden und andere strahlende Sieger » Dopingarrangements im Spitzensport IV</em> </li>
</ol>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<hr width="60%" size="1" />
<p><strong>Link- und Literaturtipps:</strong></p>
<ul>
<li>Meutgens, Ralf (2007): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3768852458?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3768852458" rel="noopener noreferrer">Doping im Radsport</a>. Delius Klasing, April 2007.</li>
<li>Bette, K.-H., Schimank, U. (2006): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3899425375?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3899425375" rel="noopener noreferrer">Die Dopingfalle</a>. Soziologische Betrachtungen. Transcript Verlag.</li>
<li>Bette, K.-H., Schimank, U. (2006): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3518119575?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518119575" rel="noopener noreferrer">Doping im Hochleistungssport</a>. Anpassung durch Abweichung. Suhrkamp: Frankfurt</li>
<li>Haug, Tanja (2006): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3939519278?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3939519278" rel="noopener noreferrer">Doping</a>. Dilemma des Leistungssports. </li>
<li>Beune, Andreas (2005): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3936973172?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3936973172" rel="noopener noreferrer">Did Not Finish: Der Radsport und seine Opfer</a>. 20 Himmelsstürmer im Porträt</li>
<li>FTD (2007): <a href="http://www.ftd.de/sport/radsport/news/:Schmid%20Heinrich%20Haben%20Doping/203839.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Schmid und Heinrich: Haben Doping unterstützt</a>, 23.5.2007</li>
<li>Leyendecker, Hans (2007): <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/530/115415/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Eine gewisse Chemie</a>. Das kurze Gedächtnis von Medien und Publikum beim Thema Doping im internationalen Radsport, 23.5.2007</li>
<li>Süddeutsche Zeitung (2007): <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/561/115446/" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Freiburger Ärzte gestehen Doping</a>, 23.5.2007</li>
<li>Burkert, Andreas (2007): <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/370/115255/" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Freiburg suspendiert Ärzte</a>, SZ, 22.5.2007</li>
<li>Hess, Jutta (2002): <a  target="_blank" href="http://www.zeit.de/archiv/2002/11/200211_sport_franke.xml" rel="noopener noreferrer">Sichtung und Wahrheit</a>. Seit über 30 Jahren führen Brigitte Berendonk und Werner Franke den Kampf gegen das Doping. DIE ZEIT, 11/2002 </li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_34" class="footnote">Es sei denn, es lag im Vorfeld eine konventionelle Erkrankung vor, für deren schnelle Bewältigung den Ärzten Dank ausgesprochen werden muß. Wenn den Radprofi wenige Tage vor Beginn des Rennens noch eine Infektion zur Bettruhe zwang, so werden die Wundertaten der medizinischen Begleitmannschaft selbstverständlich lobend erwähnt. Gleiches gilt bspw. für die schnelle Rehabilitation nach Bänder- oder Kreuzbandrissen.</li><li id="footnote_1_34" class="footnote">Darunter fallen just all die ärztlichen Verrichtungen, die innerhalb des institutionalisierten Sportsystems opportun, weil nicht sanktioniert sind: das reicht vom Auflegen des Eisbeutels bis zur Verabreichung einer Elektrolytinfusion.</li><li id="footnote_2_34" class="footnote">Wenn ich oben die vier Gruppen Sportler &#8211; Trainer &#8211; Ärzte &#8211; Journalisten genannt habe, so ist eine fünfte Gruppe (vielleicht sogar die entscheidende?), nämlich die Funktionärsclique des internationalen Spitzensports, nicht erwähnt. Dies liegt einzig daran, daß ich hier kaum eine prekäre Ausgangssituation erkennen mag, die es den Beiteiligten individuell unmöglich macht, aus dem &quot;Systemzwang Doping&quot; auszusteigen. Hier liegt m.E. weniger (in Grenzen) entschuldbare Verführbarkeit, sondern Korrumpierbarkeit und Machtgier vor. Das Dopingarrangement wird hinsichtlich vieler Aspekte erst durch die Unfähigkeit und/oder Verstrickung der Funktionärskaste möglich gemacht.</li><li id="footnote_3_34" class="footnote">In diesem Fall kommt man ja schon beim Bloggen ins Schwitzen: nachdem ich am Mittwochvormittag diese Artikelserie begonnen habe, <a target="_blank" href="http://www.ringfahndung.de/archives/reine_medienkritik/epo-ego-doping_und_der_herdentrieb.html" rel="noopener noreferrer">überschlagen</a> sich die Ereignisse: Rolf Aldag <a target="_blank" href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2007/05/24/screensport-am-donnerstag-57/" rel="noopener noreferrer">kündigt</a> ein Geständnis an, <a target="_blank" href="http://kaffeesatz.blog.de/2007/05/24/erik_zabel_gesteht_doping~2325114" rel="noopener noreferrer">Erik</a> <a target="_blank" href="http://milch.junkies.ws/2007/05/24/showdown/" rel="noopener noreferrer">Zabel</a> fängt zu weinen an, Rolf Bölts wirft sich sofort ins Büßergewand und gibt den Epo-Mißbrauch zu, die bislang als naive Handlanger agierenden <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/561/115446/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Team-Telekom-Ärzte</a> Heinrich und Schmid gestehen ebenfalls ihre <a target="_blank" href="http://chatatkins.blogger.de/stories/800003/" rel="noopener noreferrer">Verstrickung</a>. Warum haben es nun auf einmal alle so eilig? Nur weil <a href="http://www.zeit.de/news/artikel/2007/05/23/103705.xml" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Bert Dietz</a> und <a target="_blank" href="http://www.austroblog.at/2007/05/23/auch-ex-telekom-fahrer-christian-henn-gesteht-epo-doping/" rel="noopener noreferrer">Christian Henn</a> so <a target="_blank" href="http://aus-in-der-vorrunde.de/?p=578" rel="noopener noreferrer">vorgeprescht</a> sind? Muß <a href="http://don.antville.org/stories/1635957/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Reinhold Beckmann</a> nächste Woche gleich wieder eine <a target="_blank" href="http://www.schockwellenreiter.de/2007/05/24.html#absolutDmlicheZensurBeiBeckmann" rel="noopener noreferrer">Kollektivbeichte</a> <a target="_blank" href="http://www.rad-spannerei.de/blog/2007/05/24/die-grose-beichte-im-radsport/" rel="noopener noreferrer">abnehmen</a>? <a href="http://www.sichelputzer.de/2007/05/23/beckmann-mit-kleinem-skandal-auf-sendung/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hoffentlich</a> <a href="http://www.medienrauschen.de/archiv/2007/05/22/schoener-stunt-blogger-helfen-beckmann/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">funktioniert</a> <a href="http://www.popkulturjunkie.de/wp/?p=3074" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dann</a> der <a href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2007/05/22/die-ard-tonstorung-namens-godefroot/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ton</a>! Und Jan Ullrich <a target="_blank" href="http://www.jurablogs.com/action/?action=gorss&amp;jbid=76811" rel="noopener noreferrer">hüllt sich</a> vorerst weiter ins Schweigen.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/">Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge » Dopingarrangements im Spitzensport I</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Ärzte im Schafspelz. Die Freiburger Sportmedizin » Dopingarrangements im Spitzensport III</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 May 2007 17:48:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
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		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Man kann sich sehr in Menschen täuschen. Dazu müssen zumeist die Naivität des Getäuschten und die Täuschungsabsicht des Täters zusammenkommen. Anders liegt die Sache im Fall von Rudolf Scharping. Wer hätte noch daran geglaubt, den über unfreiwillig-peinliche Poolphotos gestolperten Verteidigungsminister a.D. einmal derart impulsiv und lebendig zu erleben? Bei einer Pressekonferenz am Dienstagabend (29.5.2007) geriet ... <a title="Ärzte im Schafspelz. Die Freiburger Sportmedizin » Dopingarrangements im Spitzensport III" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/" aria-label="Mehr Informationen über Ärzte im Schafspelz. Die Freiburger Sportmedizin » Dopingarrangements im Spitzensport III">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/">Ärzte im Schafspelz. Die Freiburger Sportmedizin » Dopingarrangements im Spitzensport III</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" style="border: 1px solid #888888; margin: 6px; padding: 1px;" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/05/Dopingarrangements_03b.jpg" alt="Dopingarrangements_03b.jpg" width="325" height="121" align="right" />Man kann sich sehr in Menschen täuschen. Dazu müssen zumeist die Naivität des Getäuschten und die Täuschungsabsicht des Täters zusammenkommen. Anders liegt die Sache im Fall von <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Scharping" target="_blank">Rudolf Scharping</a>. Wer hätte noch daran geglaubt, den über unfreiwillig-peinliche Poolphotos gestolperten Verteidigungsminister a.D. einmal derart impulsiv und lebendig zu erleben? Bei einer <a  href="http://www.netzeitung.de/sport/659511.html" target="_blank">Pressekonferenz</a> am Dienstagabend (29.5.2007) geriet der früher wegen seiner Behäbigkeit belächelte Scharping für seine Verhältnisse geradezu in Rage: &#8222;Jetzt muß aber mal Schluß sein!&#8220;, rief er empört, als ihm die Fragen der anwesenden Journalisten zu lästig und vor allem zu kritisch wurden.</p>
<p>In seiner Eigenschaft als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer stellte sich der bekennende Radsportfan Scharping schützend vor den Radprofi und Sprecher der internationalen Fahrervereinigung <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jens_Voigt" target="_blank">Jens Voigt</a>, dem die versammelte Schar der Pressevertreter allzu neugierig auf den Leib rückte. Voigt beklagte: &#8222;<span class="p">Ich komme mir vor wie auf dem Schlachtfeld, von allen Seiten wird auf mich geschossen</span>&#8220; und sofort sprang Scharping ihm bei und verkündete, daß er keinen weiteren &#8222;Seelen-Striptease&#8220; wünsche. Und wieder wurde deutlich, daß Scharping sich als Chef-Lobbyist keineswegs so vorbehaltlos dem Kampf gegen das Doping verschrieben hat, wie er die letzten Tage gerne in alle verfügbaren Mikrofone nuschelt; der partiell geständige<a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erik_Zabel" target="_blank"> Erik Zabel</a>, der bezeichnenderweise genau solche Epo-Vergehen beichtete, die bereits verjährt und für seine weitere Karriere irrelevant sind, bekam von Scharping umgehend Schützenhilfe.</p>
<p>Anstatt erkennen zu lassen, daß sich Dopingsünder wie Zabel kaum als Vorbild für eine saubere Zukunft bundesdeutschen Radsports eignen, solidarisierte sich Scharping gestern demonstrativ mit ihm und gab zu Protokoll: &#8222;<span class="p">Es ist ein schönes Signal, dass ein so erfolgreicher und sympathischer Sportler nicht platt gemacht wird.&#8220; Sehr bedauerlich, daß Scharping hier nicht zu differenzieren in der Lage ist: denn es geht keineswegs darum, den &#8222;Menschen&#8220; Erik Zabel &#8222;platt zu machen&#8220; &#8211; aber ihm weiterhin auf dem Fahrradsattel zuzujubeln, als sei nichts gewesen, ist der vollkommen falsche Ansatz. Auf diese Weise wird die behauptete Abkehr vom Dopingsystem kaum glaubwürdiger.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_0_36" id="identifier_0_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Aber vielleicht geh&ouml;rt Doping auch einfach zwingend zum System Spitzensport? Auf ein interessantes Interview mit dem Sport&ouml;konomen J&ouml;rg Tolsdorf verweist das Blogatelier.">1</a></p>
<p>Klar wurde: im meist leutseligen Pfälzer Scharping, der heute den Deutschen Radsport zuvorderst repräsentiert, steckt also zuweilen ein kämpferischer Zeitgenosse,der sich energisch zu verteidigen weiß. Man sollte sich in ihm also nicht täuschen.</p>
<p><strong>Heuchelei der Funktionäre und die Lebenslügen des (west-)deutschen Sportsystems</strong></p>
<p>Von Enttäuschungen und der Inkohärenz zwischen öffentlich wahrgenommener und tatsächlich ausgeübter Funktion handelt auch dieser dritte Artikel der kleinen Wissenswerkstatt-Serie über &#8222;Dopingarrangements im Spitzensport&#8220;. Denn die Welle der geläuterten Dopingsünder, die letzte Woche über die Republik schwappte, hatte auch diejenigen Akteure erfaßt, deren Wirken seltsamerweise lange Zeit kaum diskutiert wurde. Die Rede ist von der Rolle, die die betreuenden Ärzte der ehrgeizigen Spitzensportler spielen. Darf man so naiv sein und sich von der blütenweißen Reinheit bundesdeutscher Ärztekittel derart blenden lassen, daß man die skrupellosen Mediziner allenfalls im ehemaligen Ostblock oder im südeuropäischen Ausland vermutet?</p>
<p>In diesen Tagen wird endlich sichtbar: die westdeutsche Sportöffentlichkeit hatte sich jahrzehntelang sehr effektiv selbst darüber hinweggetäuscht, mit welchen illegitimen Praktiken auch hierzulande den glänzenden Medaillen nachgejagt wurde. Doping, so ließe sich die scheinheilige Weltsicht auf den Punkt bringen, war quasi per definitionem das, was <em>die anderen</em> machten. Bis heute zählen diejenigen, die auf die bundesdeutschen Dopingsünden hinweisen, zumindest im Kreise der bräsigen Sportfunktionärskaste, als Nestbeschmutzer.</p>
<p>Kritiker, wie etwa den unbequemen Heidelberger Molekularbiologen Werner Franke,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_1_36" id="identifier_1_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Franke, der m&ouml;glicherweise in seinem aufkl&auml;rerischen Impetus manchmal etwas &uuml;bereifrig auftritt, wurde in den letzten Jahren mit dutzenden Unterlassungsklagen &uuml;berzogen; der gerichtlichen &Uuml;berpr&uuml;fung hielten Frankes Behauptungen jedoch bislang fast immer stand.">2</a> fürchten nicht wenige Angehörige der hiesigen Sportelite wie der Teufel das Weihwasser. Aber welche flankierenden, betreuenden Dienste verrichten die Ärzteteams in den Mannschaften des lukrativen Profisports tatsächlich? Ist es glaubwürdig, daß Herr <a  href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hans-Wilhelm_M%C3%BCller-Wohlfahrt&amp;oldid=31201762" target="_blank">Müller-Wohlfahrt</a> die millionenteuren Superstars, wenn sie humpelnd vom Platz gehen, allein mit Arnicasalben und Vitaminpräparaten wieder einsatzfähig macht?</p>
<p>Was man in den letzten Tagen zumindest lernen konnte: die für Dopingvergehen (mit-)verantwortlichen Ärzte hören nicht nur auf beruhigend fremdländische Namen wie beispielsweise <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eufemiano_Fuentes" target="_blank">Eufemiano Fuentes</a>.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_2_36" id="identifier_2_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der spanische Mediziner gilt als Hauptfigur im sog. Fuentes-Skandal, &uuml;ber den u.a. Jan Ullrich im Vorfeld der Tour de France 2006 stolperte. Zu Fuentes nach Madrid pilgerten neben Ullrich zahlreiche andere Spitzensportler, wie etwa Ivan Basso, die sich von Blutplasmakonserven, EPO und Wachstumshormonen eine Leistungssteigerung versprachen.">3</a> Im Gegenteil: es sind &#8211; gerade in Sportkreisen wohlklingende &#8211; Namen wie Heinrich, Schmid oder Huber. Und sie stehen oder standen interessanterweise alle in Diensten der Freiburger Universitätsklinik für Sportmedizin. Kann das ein Zufall sein?</p>
<p>Ich selbst hatte vor einer Woche angekündigt, die lange Tradition der Sportärzte aus dem Breisgau auf dem Feld der pharmazeutischen Leistungsmanipulation etwas detaillierter darzustellen. Inzwischen sind einige Namen und Fälle der Vergangenheit, die auch mir bekannt sind, bereits von Journalisten anderer Medien genannt worden.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_3_36" id="identifier_3_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ein Umstand, der auch kaum verwunderlich ist. Denn die Verdachtsf&auml;lle sind keineswegs nur Insidern bekannt. Erstaunlich ist vielmehr, da&szlig; nach dem Gest&auml;ndnis von Heinrich, Schmid &amp; Co. &uuml;berhaupt jemand ernsthaft erstaunt sein kann. Wer sich ein wenig in diesem Bereich auskennt, kann diese grassierende Verwunderung nur als Heuchelei deuten.">4</a> Die leitenden Ärzte Andreas Schmid und Lothar Heinrich wurden von der Universität Freiburg suspendiert und wenige Tage später die <a href="http://www.sport-transparency.org/2007/05/24/news8263/" target="_blank">Betreuung aller Sportler</a> durch das Ärzteteam bis auf weiteres untersagt. Eine Untersuchungskommission der DFG soll die Aktivitäten der vergangenen 20 Jahre unter die Lupe nehmen und nach dem Geständnis von Olympia-Arzt Georg Huber hat nun auch der Deutsche Olympische Sportbund die Zusammenarbeit mit den Freiburger Medizinern aufgekündigt.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_4_36" id="identifier_4_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nachdem dieser Schritt unausweichlich geworden war, traf DOSB-Pr&auml;sident Thomas Bach die &uuml;berf&auml;llige Entscheidung, die Zusammenarbeit zu beenden. Er versprach, &bdquo;alles f&uuml;r ein sauberes Betreuerteam 2008 zu tun. In unserer Null-Toleranz-Politik gibt es kein Wackeln, erst recht nicht im Bereich Sportmedizin.&ldquo; Bleibt zu hoffen, da&szlig; es sich auch bei dem verabschiedeten 10-Punkte-Aktionsplan nicht wieder nur um ein Lippenbekenntnis handelt. Denn gerade Thomas Bach und seine Kollegen in den Pr&auml;sidien der deutschen Sportverb&auml;nde h&auml;tten schon l&auml;ngst wissen k&ouml;nnen, da&szlig; in Freiburg nicht immer gem&auml;&szlig; den Regeln eines sauberen Sports gearbeitet wird bzw. wurde.">5</a></p>
<p><strong>Vor der eigenen Haustür kehren: Der dopinginfizierte Wettbewerb zweier Sportsysteme</strong></p>
<p>Und noch eine weitere lehrreiche Erkenntnis darf man aus den Entwicklungen der vergangenen Tage mitnehmen: gezieltes Doping unter ärztlicher Anleitung war niemals ein spezifisches Problem des DDR-Sports. Sicherlich, mit dem Staatsplan 14.25, der 1974 vom SED-Zentralkommitee beschlossen wurde, wurde im Osten der Republik ein umfassendes Dopingsystem installiert;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_5_36" id="identifier_5_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das fl&auml;chendeckende Dopingsystem der DDR zielte auch &ndash; im Unterschied zur alten BRD &ndash; auf die vielen heranwachsenden Talente in den Sport- und Talentschulen. Die weitreichenden gesundheitlichen Auswirkungen, die die Verabreichung von Dopingsubstanzen v.a. auf junge M&auml;dchen hatte, sind in den 90er Jahren im Rahmen einiger Gerichtsprozesse publik geworden. Bis heute leiden unz&auml;hlige ehemalige Spitzenathletinnen unter gravierenden Folgesch&auml;den. Sehr interessant hierzu das Gespr&auml;ch mit Ines Geipel in der FAZ.">6</a> im Westen freilich gab es ebenfalls energische Bemühungen, das Wissen um medizinische Leistungsmanipulation zu erweitern und anzuwenden. Das Ziel, nämlich möglichst erfolgreiche Sportler zu internationalen Wettkämpfen zu schicken, war dasselbe. Und die Unterschiede in der Vorgehensweise waren keineswegs so groß, wie Politiker und Sportfunktionäre der alten Bundesrepublik gerne Glauben machen wollten.</p>
<p>Einer der ganz wenigen Sportfunktionäre, die die Dopingproblematik offen ansprachen, war Prof. Helmut Digel, der den Leichtathletikverband in den 90er Jahren anführte; auf die Sportsysteme der beiden deutschen Länder angesprochen, antwortete er zutreffend: &#8222;In der DDR wurde systematisch und menschenverachtend gedopt, in der Bundesrepublik nur menschenverachtend.&#8220;</p>
<p>Nun aber, im Mai 2007, wird endlich sichtbar, was Insider längst wußten und auch die verantwortlichen Funktionäre in den Sportverbänden längst hätten wissen können, wenn sie nur gewollt hätten: im Schutz des Instituts für Sportmedizin in Freiburg hatte sich seit den 70er Jahren ein Milieu etabliert, das den Einsatz von Dopingmitteln nicht nur wissenschaftlich analysierte, sondern auch praktizierte. Und so kann man sich der Frage, die <a  href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/244/116128/" target="_blank">Klaus Hoeltzenbein</a> in der Süddeutschen Zeitung stellt, nur anschließen: &#8222;War Freiburg die Antwort des Westens auf Leipzig?&#8220;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_6_36" id="identifier_6_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Gemeint ist die Hochschule f&uuml;r K&ouml;rperkultur (DHfK) in Leipzig, die als Hochburg des Anabolikadopings der DDR gilt.">7</a></p>
<p>Eine andere Frage ist freilich, wieso in den nun angekündigten Ermittlungen ausgerechnet der Zeitraum der letzten 20 Jahre interessiert. Markiert hier der tragische Tod der Siebenkämpferin Birgit Dressel den vermeintlichen Sündenfall eines bis dahin untadeligen Instituts? Reichen die Verfehlungen oder Auffälligkeiten nicht mindestens bis in die 70er Jahre zurück?</p>
<p><strong>Graue Eminenzen &#8211; Wie Freiburg zum Mekka der Sportmedizin wurde</strong></p>
<p>Was heute die in Ungnade gefallenen Spitzenmediziner Heinrich, Schmid und Huber sind, waren in früheren Tagen die Sportärzte Joseph Keul und <a  href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Armin_Kl%C3%BCmper&amp;oldid=32387084" target="_blank">Armin Klümper</a>. Mit diesen beiden Namen verbinden sich Aufstieg und Fall der Freiburger Sportmedizin. Keul und Klümper stehen für außergewöhnliche (sport-)medizinische Expertise und gleichzeitig für ethische Indifferenz.</p>
<p>Erstaunlich ist freilich nur, wie sie trotz des Wissens um ihre Verstrickungen in mysteriöse Dopingfälle das Image der honorig-untadeligen Ärzte aus dem Schwarzwald weitgehend aufrecht erhalten konnten. Zu fragen wäre auch, inwieweit hier ein (Schweige-)Kartell zwischen bundesdeutschen Sportfunktionären, Sportmedizinern und bestimmten Teilen des Sportjournalismus bestand. Denn, soviel ist auch klar: während sich einige Journalisten seit vielen Jahrzehnten darum bemühen, auch die Schattenseiten des (ökonomischen) Sportsystems zu beleuchten,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_7_36" id="identifier_7_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hierbei handelt es sich um eine Handvoll Redakteure &uuml;berregionaler Tageszeitungen [SZ, FAZ, FR,&hellip;], wie bspw. Thomas Kistner, Evi Simeoni, Andreas Singler oder Hans-Joachim Waldbr&ouml;l.">8</a> erschöpft sich die Tätigkeit der Mehrzahl der Sportredakteure in gefälliger Hofberichterstattung.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_8_36" id="identifier_8_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und mehr noch, solange die gefeierten und angehimmelten Nationalhelden nicht vor laufender Kamera die Spritzen ansetzen, so k&ouml;nnen sie sich des Beistands etwa der Bildzeitung sicher sein. Als 1988 der damalige Pr&auml;sident des Deutschen Leichtathletikverbandes nach dem mysteri&ouml;sen Todesfall Birgit Dressels und der ungekl&auml;rten Beteiligung von Armin Kl&uuml;mper, den Freiburger Arzt nicht mit zu den Olympischen Spielen nach Seoul nehmen wollte, ergriff die Bildzeitung Partei f&uuml;r den Dopingarzt Kl&uuml;mper. Munzert wurde zum Abschu&szlig; freigegeben und BILD titelte: &bdquo;Herr Munzert! Entschuldigen Sie sich bei Professor Kl&uuml;mper!&ldquo; &ndash; Munzert trat, nach heftigen Mobbingattacken gegen ihn, wenige Monate sp&auml;ter zur&uuml;ck.">9</a></p>
<p>Auf den üblichen Sportseiten findet sich eine unkritische Melange einer Blut-, Schweiß- und Tränenkolportage, die Helden feiert und Emotionen schürt. Deren Lieblinge sind Sportler wie Jan Ullrich oder Franziska van Almsick, die der Nation Siege bescheren und über deren Gewichtsprobleme oder Liebesaffären sich auch jenseits des Sportgeschehens trefflich lästern läßt. Solange ein Olympiaheld oder eine Olympiaheldin noch im strahlenden Schein der Medaillen lächelt, sind kritische Überlegungen, wie es zu den oftmals beachtlichen Leistungssprüngen kommen konnte, für den Sportjournalismus des Boulevards tabu.</p>
<p><strong>Joseph Keul &#8211; Der freundliche Herr im Hintergrund</strong></p>
<p>Aber zurück zu den Doyens der deutschen Sportmedizin. Wer sich an nervenaufreibende Davis-Cup-Matches der 80er Jahre erinnert, daran wie die Tennishelden Stich, Jehlen, Kühnen und vor allem das Wunderkind Boris Becker die gegnerischen Mannschaften bezwangen, wird sich möglicherweise auch an einige Gesichter erinnern, die stets direkt hinter der Trainerbank zu sehen waren. Ja, gewiß, Roberto Blanco war auch damals schon festes Inventar dieser Szene. Die Rede ist aber auch nicht von Frau Stich-Stockmann, der Möchtegernschauspielerin mit blonder Löwenmähne. Die Rede ist vielmehr von Prof. Dr. Joseph Keul, der stets milde lächelnd das Treiben auf dem Tennisplatz beobachtete.</p>
<p>Joseph Keul war seit den 70er Jahren Leiter der sportmedizinischen Abteilung an der Freiburger Universitätsklinik und später auch Vorsitzender des deutschen Sportärztebunds. Und von Keul wußte man, daß sein Betreuungsangebot an Spitzensportler über die Leistungsdiagnostik und medizinische Akutbehandlung weit hinausreichte. „Freiburg war bekannt dafür, das komplette Spektrum anzubieten“,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_9_36" id="identifier_9_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Strepenick, Andreas: Die Schwarzmarktklinik, Tagesspiegel, 25.5.2007">10</a> so die Aussage eines Insiders. Und das &#8222;<em>komplette Spektrum</em>&#8220; beinhaltete zweifelsfrei auch die Anabolikagabe.</p>
<p>Allerdings war Keul auch ein Meister der Verschleierung &#8211; und dies vermutlich nicht nur in dem Sinne, nachweisbare Spuren von Dopingsubstanzen im Blut des Athleten zu maskieren. Schriftliche Aufzeichnungen über die Behandlung von Spitzenathleten liegen so gut wie nicht vor und als vor acht Jahren der Spiegel eine Enthüllungsgeschichte über Keuls dunkle Praktiken veröffentlichte, ging er dagegen zusammen mit Jan Ullrich, der darin auch belastet wurde, mit aller juristischen Vehemenz vor. In der Folge knickten die wertvollsten Zeugen des Spiegel ein und zogen ihre Aussage zurück, die Sache ging aus wie das <a  href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hornberger_Schie%C3%9Fen&amp;oldid=31901346" target="_blank">Hornberger Schießen</a>.</p>
<p>Freilich war Keul selbst noch in den siebziger Jahren mit Äußerungen hervorgetreten, wonach erstens die Verabreichung von Anabolika keine gesundheitlichen Schäden erwarten lasse und zweitens leistungssteigernde Präparate den Spitzensportlern nicht vorenthalten werden sollten. Zuweilen verkündete Keul auch, daß unter seiner Anleitung jeder mittelmäßige Gewichtheber zu einem Topathleten werden könne. In der Zeitschrift &#8222;Medizinische Klinik&#8220; veröffentlichte Keul zusammen mit seinem ebenfalls höchst renommierten Kollegen Kindermann einen Aufsatz, in dem die Freigabe von Hormonpräparaten nahegelegt wurde.</p>
<blockquote><p>&#8222;Ein Verbot von anabolen Hormonen mit dem Hinweis auf eine Schädigung, die nicht bewiesen ist, lässt die ärztliche Beratung bzw. den Arzt selbst fragwürdig erscheinen und ist daher nicht empfehlenswert.&#8220;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_10_36" id="identifier_10_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die auff&auml;llige hohe Sterberate ehemaliger Spitzensportler im Alter von 40-50 Jahren, die von den Freiburger Sport&auml;rzten betreut wurden, weist allerdings doch auf negative Effekte hin. Der Hammerwerfer Uwe Beyer, der Keul die Gabe von Anabolika vorwarf, verstarb 1993; der ebenfalls gest&auml;ndige Spitzenkugelsto&szlig;er Ralf Reichenbach verstarb 1998.">11</a></p></blockquote>
<p>Vorliegende Hinweise darauf, daß der Einsatz von anabolen Steroiden zu Schäden führen könnte, ließen Keul &amp; Co. damals nicht gelten; ethische Überlegungen etwa im Hinblick auf einen &#8222;sauberen Sport&#8220; wurden erst überhaupt nicht angestellt. Wie zynisch damals gedacht wurde, illustriert eine Aussage von Wilfried Kindermann (der übrigens noch 2006 in Turin leitender Arzt des deutschen Olympiateams war), der trotz einiger Berichte über Lebertumore nach Anabolikamißbrauch lapidar feststellte:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Anabolikagabe an Frauen ist eher ein soziales Problem als ein medizinisches. Im Osten kommen Frauen auch mit tieferen Stimmen durch den Alltag.&#8220;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_11_36" id="identifier_11_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Singler, Andreas (2006): Die &laquo;praktische Toleranz&raquo; im Spitzensport, NZZ, 12.10.2006">12</a></p></blockquote>
<p>Wer sich in Anbetracht solcher Verlautbarungen, die wohlgemerkt keineswegs nur hinter vorgehaltener Hand gemacht, sondern in Fachzeitschriften veröffentlicht wurden!, noch Illusionen bezüglich der Rolle westdeutscher Sportärzte im Dopinggeschehen macht, dem ist kaum zu helfen. Denn es ist kaum anzunehmen, daß diejenigen Akteure, die noch in den späten siebziger Jahren die Chuzpe hatten, auf eine teilweise Freigabe von Hormonpräparaten zu dringen, in den folgenden Jahrzehnten ihre Präferenzen ganz anders justiert haben. Der Versuch der Ärzte Keul, Klümper und Kindermann, Doping salonfähig zu machen, wurde seinerzeit vom damaligen Kanzler Helmut Schmidt persönlich unterbunden. Mit einem Machtwort untersagte er jede weitere Finanzierung solcher Studien.</p>
<p>Keul selbst geriet außer 1976, als ihm der Hammerwurfeuropameister <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Beyer" target="_blank">Uwe Beyer </a>vorwarf, ihm Anabolika verabreicht zu haben, nur selten wieder in den konkreten Verdacht, sich in diesem Geschäft die Finger schmutzig zu machen. Dabei hatte er die Dopingpraxis, wie aus den Stasi-Archiven in den späten 90ern bekannt wurde, bereits 1974 gegenüber seinem DDR-Kollegen Prof. Manfred Höppner eingeräumt: &#8222;&#8230; bestätigte Prof. Dr. Keul, daß in der BRD generell die Anwendung von Anabolen erfolgt und daß er im Prinzip nichts dagegen einzuwenden habe.&#8220;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_12_36" id="identifier_12_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. B&uuml;rer, Barbara &amp; Klawitter, Nils (1998): Doping macht verge&szlig;lich. DIE ZEIT, 13/1998 &ndash; Keul selbst wies die Vorw&uuml;rfe sp&auml;ter weit von sich. H&ouml;ppner habe sich vor der Stasi nur wichtig machen wollen, so seine Erkl&auml;rung.">13</a></p>
<p>Im Jahr 2000 verstarb Joseph Keul und seitdem wurde sein Name kaum mehr in Verbindung mit den weniger ruhmvollen Verquickungen der Sportmedizin mit der Dopingmafia gebracht. Wenn nun aber die Ärzte Prof. Dr. Andreas Schmid und Dr. Lothar Heinrich ihre Beteiligung einräumen, dann sind das die beiden Ärzte, die im Jahr 1991 von Keul persönlich unter Vertrag genommen wurden und gemäß seinen Vorgaben die Betreuung im Radsport organisierten. Kaum anzunehmen, daß seine beiden Assistenten nicht nach Maßgabe des Altmeisters vorgingen. Und zu ihrem Vorgehen zählte, wie man nun nach jahrelangem beharrlichen Leugnen weiß, auch die Verabreichung von Dopingsubstanzen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.</p>
<p>Deutlich weniger Begabung oder vielleicht auch nur Glück, sich aus offensichtlichen, publik gewordenen Dopingfällen herauszuhalten, war dem Sportarzt und Traumatologen Armin Klümper vergönnt.</p>
<p><strong>Armin Klümper &#8211; Blankorezepte für Anabolika und der frühe Tod der Birgit Dressel</strong></p>
<p>Klümper, der seit vielen Jahren in Südafrika lebt und ironischwerweise Bücher über Pflanzenheilkunde verfasst<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_13_36" id="identifier_13_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Titel eines seiner letzten B&uuml;cher lautet: &bdquo;Unkraut vergeht nicht&ldquo;, man w&auml;re fast geneigt dem Mediziner Kl&uuml;mper ein gewisses Talent zur Selbstironie zuzusprechen.">14</a>, war über fast zwei Jahrzehnte hinweg die Topadresse der deutschen Sportmedizin. Zu ihm pilgerten die Athleten wie zu einem Guru; und auch bei Klümper erschöpfte sich die Behandlung bei weitem nicht nur im Auftragen von Voltaren Gel. Klümper, der einen Lehrstuhl an der Universität Freiburg inne hatte und Leiter der Sporttraumatologischen Spezialambulanz der Mooswaldklinik war, bewies weit weniger Zurückhaltung als sein Kollege Joseph Keul.</p>
<p>Berühmt und berüchtigt war er für seinen &#8222;Klümper-Cocktail&#8220;, von dem sich die Sportler wahre Wunderdinge erhofften. Nachdem er in den siebziger Jahren wie seine Kollegen Keul und Kindermann keinen besonderen Hehl daraus machte, daß er der leistungsfördernden Medikamentengabe Sympathien engegenbrachte, hielt er sich ab 1980 diesbezüglich bedeckter. Vom Hammerwerfer <a  href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Walter_Schmidt_%28Sportler%29&amp;oldid=29837636" target="_blank">Walter Schmidt</a>, der zwischen 1971 und 1975 mehrmals den Weltrekord verbessert hatte, wurde Klümper freilich bezichtigt, ihm Anabolika gespritzt zu haben. Klümper &#8211; mutiger als sein ehemaliger Weggefährte und späterer Antipode Keul &#8211; stritt dies gar nicht kategorisch ab, sondern erklärte, Schmidt habe &#8222;rauhe Mengen von Anabolika&#8220; geschluckt und er habe diesem lediglich einen Dosierungsplan geschrieben. Der Fall war damit schon wieder fast erledigt.</p>
<p>Große Schlagzeilen machte dann jedoch 1987 der tragische Todesfall der hoffnungsvollen Siebenkämpferin <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Birgit_Dressel" target="_blank">Birgit Dressel</a>. Die Bremer Leichtathletin war seit 1981 Patientin bei Armin Klümper. 1984 war Dressel in Los Angeles Neunte bei den Olympischen Spielen geworden, 1986 schrammte sie als Viertplazierte bei den Europameisterschaften knapp an einer Medaille vorbei. Sie selbst bezeichnete Klümper als ihren Vertrauensarzt. Am 10. April 1987 verstarb die 26-jährige an einem &#8211; laut Gutachten &#8211; &#8222;Multiorganversagen infolge eines durch Medikamente ausgelösten toxisch-allergischen Schocks&#8220; in der Mainzer Universitätsklinik.</p>
<p>Das Martyrium der Birgit Dressel dauerte drei Tage lang. Wegen starker Schmerzen nach dem Kugelstoßtraining und dem Verdacht auf eine Nierenkolik wurde sie in die Klinik eingewiesen. Möglicherweise war den Ärzten auch nicht bekannt, daß unter den Medikamenten, die Birgit Dressel im Körper hatte, auch drei Anabolikapräparate waren. Alle Rettungsversuche der 24 Ärzte des Uniklinikums blieben vergeblich. Das Time-Magazin faßte den Fall so zusammen:</p>
<blockquote><p>In the 1984 Olympics, she came in ninth. In the 1986 European Championships, she came in fourth. In 1987, at the age of 26, West German heptathlete Birgit Dressel was dead, the victim of her body&#8217;s reaction to the profusion of drugs she took in order to be a great competitor.<br />
Her story is a singularly horrible one, but the behavior that cost Dressel her life is by no means unique. Dressel died in a Mainz hospital, after three days of agonizing pain, because of a rare massive allergic reaction to the combination of drugs she took &#8212; as many as 20 different kinds. She consumed them compulsively, seeking help from at least three different doctors to keep the medicine chest stocked, believing that they would all help her win. She believed as well that the drugs were nothing to worry about. When her mother questioned her about them, Dressel replied, &#8222;These are all harmless drugs. All athletes take them. It&#8217;s really nothing special.&#8220; <em>[Time Magazine (1988): <a href="http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,968618,00.html" target="_blank">An Athlete Dying Young</a>. 10.10.1988]</em></p></blockquote>
<p>Vielleicht war es tatsächlich nichts Außergewöhnliches, daß Athleten &#8211; wie offenbar die aufstrebende Athletin Birgit Dressel &#8211; einen ganzen Medikamentencocktail einnahmen, höchstwahrscheinlich war auch der legendäre &#8222;Klümper-Cocktail&#8220; darunter. Die Besonderheit im Fall Dressel war vermutlich nur, daß sie neben ihrem Leibarzt Klümper auch noch bei zwei weiteren Medizinern vorstellig geworden war, die ihr u.a. Schmerzmedikamente verabreichten. Insgesamt, so ergaben es die Untersuchungen, wurden ihr von Klümper in den beiden Jahren vor ihrem Tod über 100 verschiedene Medikamente und über 400 Injektionen verabreicht. Ihr Trainer gab später an, daß sie auch verschiedene Anabolika eingenommen habe, darunter <span class="beitrag">die Präparate Stromba und Megagrisevit, verschrieben durch Dr. Armin Klümper. Die Staatsanwaltschaft Mainz stellte das Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung, das gegen Unbekannt gestellt war, nach einigen Monaten ergebnislos ein.</span></p>
<p><span class="beitrag">Gestolpert ist Armin Klümper letztlich 1994 über den Fall der Hürdensprinterin <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Birgit_Wolf" target="_blank">Birgit Hamann-Wolf</a>. Sie hatte Klümper vorgeworfen, ihr Wachstumshormone gegeben zu haben<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_14_36" id="identifier_14_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Kl&uuml;mper hatte Birgit Wolf das Medikament &bdquo;Genotropin&ldquo; gegeben, das ausschlie&szlig;lich bei Wachstumsst&ouml;rungen von Kindern indiziert ist.">15</a> &#8211; dies allerdings ohne ihr Wissen. Ironischerweise wurde Klümper allerdings nicht wegen Medikamentenmißbrauchs oder versuchter Körperverletzung belangt, sondern weil er leichtsinniger- und unzulässigerweise über Jahre hinweg die Hormonpräparate über die Krankenkasse und den Deutschen Sportbund abgerechnet hatte.<br />
</span></p>
<p><strong>Schweigekartelle und Leugnung um jeden Preis</strong></p>
<p>Die Ärzte, die heute die Spitzensportler im Radsport, Skilanglauf, Schwimmen oder auch im Fußball betreuen, sind &#8211; das muß jedem bewußt sein &#8211; entweder dieselben, die in den 80er und 90er Jahren in Dopingfälle verstrickt waren oder stehen als Assistenten, Schüler, Nachfolger in der Tradition von Keul und Klümper.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_15_36" id="identifier_15_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und tragen &ndash; so sie nicht selbst aktiv Dopingsubstanzen verabreichen &ndash; dennoch eine Mitverantwortung, sobald sie Kenntnis davon erlangen, da&szlig; die ihnen anvertrauten Sportler Dopingmi&szlig;brauch betreiben, dagegen aber nicht einschreiten.">16</a> Prof. Wilfried Kindermann, der vor 30 Jahren die Folgen des Anabolikamißbrauchs in obszöner Weise verharmloste, war lange Jahre Chef der Deutschen Fußballnationalmannschaft und fungierte noch bei der WM 2006 als &#8222;Chief Medical Officer des Organisationskomitees&#8220;. Joseph Keul ist gestorben und Armin Klümper widmet sich in Südafrika seinen Forschungen.</p>
<p>Bis heute ist von der Sportärztegeneration, die heute zwischen 30 und 50 Jahre alt ist, keine kritische Bemerkung, keine Distanzierung von deren Praktiken zu vernehmen. Im Gegenteil: die nunmehr geständigen Telekom-Ärzte Schmid und Heinrich, die 1991 von Joseph Keul persönlich rekrutiert wurden, waren beispielsweise mehrmals zu Besuchen in Südafrika. Selbstverständlich war Klümper Ziel ihrer Reise. Auf die Frage, inwiefern sie die Gepflogenheiten am sportmedizinischen Institut der Universität Freiburg im Sinne des Gründervaters Keul fortführten, verweigern sie bislang jede Auskunft. Seither hatte ja genau diese Strategie Erfolg. Nichts anderes hatten schließlich Keul und Klümper vorbildlich demonstriert: jede kritische Nachfrage wird empört zurückgewiesen, ansonsten gilt das Primat des universellen Leugnens. Zu fragen wäre tatsächlich, ob den Freiburger Ärzten eine Art &#8222;Schweigegelübde&#8220; auferlegt wird.</p>
<p>Daß die sonst so jovialen Ärzte auch bissig und kämpferisch agieren konnten, zeigt die Erfahrung von Andreas Strepenick, der vorrangig für die Badische Zeitung schreibt:</p>
<blockquote><p>Andreas Schmid hatte die Badische Zeitung am 27. März davor gewarnt, über seine eventuelle Verstrickung in eine Dopingaffäre überhaupt nur ein Wort zu berichten. Er weigerte sich, etwas zu den Vorwürfen des früheren Team-Masseurs Jef d´Hont zu sagen, er warnte und er drohte. Schmid schrie am Telefon – und rief fünf Minuten später noch einmal an, um sich in aller Form zu entschuldigen. Als vor dreieinhalb Wochen das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ seine 15-seitige Enthüllungsgeschichte herausbrachte, erklärte Schmid nur schriftlich in knappen Worten, die Beschuldigungen entbehrten jeder Grundlage. Er log. Er log noch einmal am 10. Mai in seiner Erklärung gegenüber Klinikumsdirektor Brandis. Wie sein Kollege Heinrich hoffte er, das Kartell des Schweigens werde halten. [Strepenick/Focus-Online, <a href="http://www.focus.de/sport/mehrsport/tid-5825/freiburger-doping-aerzte_aid_57301.html" target="_blank">Freiburger Doping-Ärzte</a>, 27.5.2007]</p></blockquote>
<p>Hinsichtlich der erfolgversprechenden Strategie des Leugnens setzt sich die gute alte Freiburger Tradition offensichtlich fort. Wer also in den letzten Jahren behauptete, die Mediziner des Teams Telekom und die Sportmediziner Freiburgs seien aktive Kämpfer gegen das Doping,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_16_36" id="identifier_16_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="V&ouml;llig unverst&auml;ndlicherweise geh&ouml;rten etwa Georg Huber oder Andreas Schmid lange Jahre den Nationalen bzw. Internationalen Anti-Doping-Agenturen an. &Auml;rzte im Schafspelz eben.">17</a> outet sich entweder als jemand, der tatsächlich keine Ahnung hat oder das Dopingsystem stillschweigend toleriert.</p>
<p>Interessant ist, daß der heutige Ärztliche Direktor der Freiburger Sportmedizin, Prof. Hans-Hermann Dickhuth, bis letzte Woche seine Mitarbeiter Schmid und Heinrich beharrlich gegen jegliche Vorwürfe verteidigte.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_17_36" id="identifier_17_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wieviel bzw. wie wenig Ehrenerkl&auml;rungen wert sind, ist an der &bdquo;Stellungnahme der sportmedizinischen Mitarbeiter der Uniklinik Freiburg&ldquo; [PDF] abzulesen. Am 25.5.2007 stellten sie klar: &bdquo;Unsere Position zum Doping: Die Mitarbeiter (&hellip;) distanzieren sich von einer aktiven oder passiven Beteiligung an Doping im Sport in jeder Form. Wir lehnen jede unerlaubte Leistungsmanipulation im Wettkampfsport ab. Wir stehen zu den positiven Grundwerten, die Sport unserer Gesellschaft vermittelt.&ldquo; Einen Tag sp&auml;ter r&auml;umte der Mitunterzeichner Huber seine Beteiligung am systematischen Doping ein.">18</a> Beide hätten versucht, den Radrennstall der Telekom frei von Doping zu halten. &#8222;Auch unter meinem Vorgänger war die Abteilung sauber&#8220;, versicherte er. &#8222;Ich hatte bisher nie den Eindruck, dass in Freiburg etwas vertuscht oder unter den Teppich gekehrt worden wäre.&#8220;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_18_36" id="identifier_18_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. K.H. Zurbonsen/Stuttgarter Zeitung (2007): Freiburger Sportmediziner r&auml;umen Doping ein, 24.5.2007">19</a> Soll man Dickhuth nun Naivität oder Dreistigkeit vorhalten?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_19_36" id="identifier_19_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebenfalls ein Kollege fr&uuml;herer Freiburger Tage ist &uuml;brigens der Mannschaftsarzt der deutschen Skil&auml;ufer Ernst Jakob. Dieser machte sich bei den Olympischen Spielen in Turin 2006 teilweise h&ouml;chst l&auml;cherlich, als er die &uuml;ber den Grenzwerten liegenden H&auml;moglobinwerte von Evi Sachenbacher-Stehle erkl&auml;ren sollte. Er wurde daraufhin gegen&uuml;ber dem Chef der Anti-Doping-Agentur des Skiverbandes Bengt Saltin ausf&auml;llig.">20</a></p>
<p>Wie aber, das soll abschließend kurz erörtert werden, ist es überhaupt zu erklären, daß Mediziner bei diesem unredlichen Dopingspiel beteiligt sind? Gab es da nicht eine Standesethik, die sich in etwa am legendären hippokratischen Eid orientiert?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_20_36" id="identifier_20_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In seinem Wesenskern zielt der Eid des Hippokrates (der allerdings von keinem Arzt tats&auml;chlich abgelegt wird!) darauf, da&szlig; die &auml;rztliche T&auml;tigkeit stets nur zum Nutzen der Patienten, niemals zu deren Schaden eingesetzt werden d&uuml;rfe.">21</a></p>
<p><strong>Dilemma und Irrtum der Sportmedizin &#8211; Medikation ohne Indikation</strong></p>
<p>Wie im ersten Artikel der Serie bereits angedeutet wurde, befinden sich auch die Ärzteteams in einem Konkurrenzkampf. Wenn die Sportler nicht zum Saisonhöhepunkt topfit sind, stehen die Ärzte &#8211; soweit nicht den Trainern Versäumnisse angelastet werden können &#8211; in der Schußlinie. Wenn es um die Betreuung von National- oder Olympiateams geht, wächst die Verantwortung noch mehr. Schließlich sitzt die gesamte Nation vor den Fernsehschirmen und erwartet Erfolge &#8211; wenn diese ausbleiben, steht die gesamte Mannschaft, einschließlich der Betreuer und Ärzte, in der Kritik.</p>
<p>Der Druck auf die Ärzte wächst, wenn anzunehmen ist, daß die Athleten anderer Nationen mit bestimmten Präparaten in Spitzenform gebracht werden. Wieso also &#8211; so ja auch die oben geschilderte Überlegung von Keul, Kindermann und Klümper in den Jahren 1976ff. &#8211; den eigenen Sportlern diese Möglichkeiten vorenthalten? Insgesamt sind vermutlich zwei Motivkreise zu unterscheiden: erstens die löbliche, aber naive Vorstellung, durch ärztlich kontrollierte Dopingverabreichung mögliche Folgeschäden ausschließen zu können, zweitens der Versuch, die Existenzberechtigung und Bedeutung der eigenen Profession unter Beweis zu stellen.</p>
<p>Wen man also danach fragt, wie ein Sportmediziner dazu kommt, einem Athleten verbotene Substanzen zu verabreichen, muß man akzeptieren, daß auch hier die Antwort nicht eindimensional ausfallen kann. Gewiß, Skrupellosigkeit und ärztlicher Zynismus spielen teilweise auch hier eine Rolle, wie an den kurz skizzierten Fällen möglicherweise ablesbar ist; dennoch schwingt häufig das Motiv mit, den Athleten Folgeschäden durch Dosierungsfehler zu ersparen.</p>
<p>Diese Überlegung wurde 1977 folgenderweise formuliert:</p>
<blockquote><p>«Wenn die Ärzte &#8222;Nein&#8220; sagen, dann gibt es überhaupt keine Kontrolle», erläuterte Dirk Clasing, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Verbandsärzte (und heutiger Medizinchef der Nationalen Anti-Doping-Agentur) weiter: «Es ist deshalb doch besser, mitzugehen, zu steuern und sinnvoll zu helfen, als zu sagen: &#8222;Wir sind völlig dagegen!&#8220; &#8211; gegen Substanzen möglicherweise, die nicht einmal unbedingt schaden.»<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/#footnote_21_36" id="identifier_21_36" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Singler, Andreas (2006): Die &laquo;praktische Toleranz&raquo; im Spitzensport. 1976 bewiesen bundesdeutsche &Auml;rzte ihre Dopingbereitschaft mit kurzzeitiger Anabolika-Freigabe, NZZ, 12.10.2006">22</a></p></blockquote>
<p>Daß auch hier eine gehörige Portion Scheinheiligkeit mitspielt, ist dennoch offensichtlich.</p>
<p>Das zweite Motivbündel zielt allerdings nicht auf das Patienten- bzw. Sportlerwohl, sondern ist selbstreferentiell auf den eigenen Berufsstand bezogen. Wie in allen anderen Bereichen der universitären Forschung ist es von existentieller Bedeutung, daß gegenüber Politik und Wissenschaftsbürokratie die Wichtigkeit des eigenen Forschungsgebietes klargestellt wird. Jeder Sportmediziner, der sich bescheiden gibt und verlautbart, daß die Betreuung der Athleten keine weiteren Forschungen erforderlich macht, ist Totengräber seiner eigenen Profession. Die Professoren Keul und Klümper verstanden sich hervorragend darauf, einerseits Gelder für ihre Dopingforschungsprojekte zu akquirieren, andererseits sich als unersetzlich darzustellen.</p>
<p>Wenn jeder Provinzsportarzt dieselben Betreuungserfolge der Spitzensportler erzielen könnte, wäre dieser Nimbus kaum aufrechtzuerhalten. Die Anwendung von unerlaubten Methoden und das Erfahrungswissen im Umgang mit Dopingsubstanzen konnten die Freiburger Sportmediziner fast exklusiv für sich beanspruchen. Kaum anders ist die frappierende Dominanz der &#8222;Freiburger Schule&#8220; in der Sportmedizin zu erklären. Zu diesem wertvollen Wissensvorsprung gehört im übrigen auch das Beherrschen derjenigen Techniken, die den Sportlern erlauben, durch das Kontrollnetz der Dopingbehörden zu schlüpfen. Wie man weiß, verstanden die Freiburger Ärzte es durchaus meisterlich, ihre Epo-gestützten Radprofis genau auf den Hämatokritwert einzustellen, der unterhalb des Grenzwertes lag.</p>
<p>Niemand kann also behaupten, in Freiburg seien Pfuscher am Werk. Was man dennoch feststellen muß und weswegen sich der Einsatz von Dopingsubstanzen grundsätzlich verbietet, ist der Umstand, daß hier eine Medikation ohne Indikation vorliegt. Die Verabreichung von Medikamenten, ohne daß eine zwingende medizinische Indikation gegeben ist, stellt einen groben ärztlichen Fehler dar. Es wird insofern höchste Zeit, daß nun auch in der Politik und der Ärzteschaft über Sanktionen gegen diejenigen Ärzte nachgedacht wird, die im Dopingmilieu gearbeitet haben.</p>
<p>Auf Reue oder Distanzierung der betroffenen Ärzte, etwa ein aufrichtiges Bedauern, daß man auch gesundheitliche Schäden der Athleten in Kauf genommen habe oder schlicht das Eingeständnis, daß man jahrelang dreist gelogen habe &#8211; darauf wird man vergeblich warten müssen.</p>
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<ol>
<li><em><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/24/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/">Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge</a> » Dopingarrangements im Spitzensport I</em></li>
<li><em><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/24/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/" target="_blank">Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne</a> » Dopingarrangements im Spitzensport II</em></li>
<li><em>Ärzte im Schafspelz. Die Freiburger Sportmedizin » Dopingarrangements im Spitzensport III</em></li>
<li><em>Kontaminierte Tourhelden und andere strahlende Sieger » Dopingarrangements im Spitzensport IV</em></li>
</ol>
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<p>&nbsp;</p>
<hr size="1" width="60%" />
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><em>Rolle der Freiburger Sportmedizin:</em></p>
<ul>
<li>Bachner, Frank (2007): <a href="http://www.tagesspiegel.de/sport/Doping-Doping-Radsport-Erik-Zabel;art2650,2318140" target="_blank">Der Zweifel fährt mit</a>. Der Tagesspiegel, 9.6.2007</li>
<li>Simeoni, Evi (2007): <a href="http://www.faz.net/s/RubCBF8402E577F4A618A28E1C67A632537/Doc~E79C0B9CE8AA14EF18A7D72274D1CFB58~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Von Medizinmännern und Versuchskaninchen</a>, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 3.6.2007, S. 20</li>
<li><em></em>Hürter, Tobias (2007): <a  href="http://www.zeit.de/2007/23/M-Doping-Freiburg" target="_blank">Rezepte für den Sieg</a>. DIE ZEIT, 31.05.2007 Nr. 23</li>
<li>Kistner, Thomas (2007): <a  href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/100/115984/" target="_blank">Das Schweigen der Bruderschaft</a>, Süddeutsche Zeitung, 29.5.2007</li>
<li>Hoeltzenbein, Klaus (2007): <a  href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/244/116128/" target="_blank">Wie in der DDR, nur anders</a>, SZ, 29.5.2007</li>
<li>Hahn, Jörg (2007): <a  href="http://www.faz.net/s/RubCBF8402E577F4A618A28E1C67A632537/Doc%7EE25C559037110428F876083E090812AD6%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html" target="_blank">Spürhunde waren Maulwürfe</a>. Der Fall des Dopingarztes Huber, FAZ, 28.5.2007</li>
<li>Schweitzer, Jan (2007): <a  href="http://images.zeit.de/text/online/2007/22/doping-mediziner" target="_blank">Verbrecherische Ärzte</a>. Die ZEIT, 26.5.2007</li>
<li>Strepenick, Andreas (2007): <a href="http://www.tagesspiegel.de/dritte-seite/archiv/25.05.2007/3289468.asp" target="_blank">Die Schwarzmarktklinik</a>. Freiburg galt als Aushängeschild der Sportmedizin. Nun ist der Mythos entzaubert. Der Tagesspiegel, 25.5.2007</li>
<li>Gernandt, Michael (2007): <a  href="http://www.sueddeutsche.de/,ra6l2/sport/weitere/artikel/312/109203/" target="_blank">101 Medikamente, 400 Injektionen</a>. Der tragische Tod Birgit Dressels. Süddeutsche Zeitung, 10.4.2007</li>
<li>Kistner, Thomas und Burkert, Andreas (2006): &#8222;<a  href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/91/83008/" target="_blank">Meine Arbeit ist Teamarzt, nicht Dopingkommissar&#8220;</a> (Interview), SZ, 18.8.2006</li>
<li>Time Magazine (1988): <a href="www.time.com/time/magazine/article/0,9171,968618,00.html" target="_blank">An Athlete Dying Young</a> [Der Tod Birgit Dressels], 10.10.1988</li>
</ul>
<p><em>Dopingproblematik allgemein / DDR-Staatsdoping:</em></p>
<ul>
<li>Singler, Andreas (2006): <a href="http://www.nzz.ch/2006/10/12/sp/articleEK2EC.print.html" target="_blank">Die «praktische Toleranz» im Spitzensport</a>. 1976 bewiesen bundesdeutsche Ärzte ihre Dopingbereitschaft mit kurzzeitiger Anabolika-Freigabe, NZZ, 12.10.2006</li>
<li>FAZ (2006): Doping: &#8222;<a  href="http://www.faz.net/s/RubAEA2EF5995314224B44A0426A77BD700/Doc%7EE440886BEFF3A4C6F87C3F2ED1809A2DF%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html" target="_blank">Von der vergifteten Sportgeschichte befreien</a>&#8222;. Interview mit der ehem. Spitzenathletin Ines Geipel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. April 2006</li>
<li>Franke, Werner (2006): <a href="http://www.welt.de/print-welt/article226396/Das_Doping_der_Anderen.html" target="_blank">Das Doping der Anderen</a>, Die Welt, 30.6.2006</li>
<li>Dieterle, Claus (2005): „<a  href="http://www.faz.net/s/RubAEA2EF5995314224B44A0426A77BD700/Doc%7EE44E894AF701A4607A593418506E4C688%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html" target="_blank">Das Zwangsdoping muß öffentlich deklariert werden</a>“, FAZ, 6.10.2005</li>
<li>Ritter, Andreas (2003): Wandlungen in der Steuerung des DDR-Hochleistungssports in den 1960er und 1970er Jahren. [Dissertation als <a  href="http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2005/68/pdf/ritter.pdf" target="_blank">PDF</a>]</li>
<li>Hess, Jutta (2002): <a  href="http://www.zeit.de/archiv/2002/11/200211_sport_franke.xml" target="_blank">Sichtung und Wahrheit</a>. Seit über 30 Jahren führen Brigitte Berendonk und Werner Franke den Kampf gegen das Doping. DIE ZEIT, 11/2002</li>
<li>Bürer, Barbara &amp; Klawitter, Nils (1998): <a  href="http://images.zeit.de/text/archiv/1998/13/doping.txt.19980319.xml" target="_blank">Doping macht vergeßlich</a>. Seit 1990 schmückt sich der Westen mit den Sportlern aus DDR-Produktion. Ihre Schöpfer stehen nun vor Gericht. DIE ZEIT, 13/1998</li>
</ul>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<ul>
<li>Meutgens, Ralf (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3768852458?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3768852458" target="_blank">Doping im Radsport</a>. Delius Klasing.</li>
<li>Bette, K.-H., Schimank, U. (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3899425375?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3899425375" target="_blank">Die Dopingfalle</a>. Soziologische Betrachtungen. Transcript Verlag.</li>
<li>Knörzer, W.; Spitzer, G.; Treutlein, G. (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3898991962?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3898991962">Dopingprävention in Europa</a>. 1. Internationales Expertengespräch 2005 in Heidelberg. Meyer &amp; Meyer-Verlag.</li>
<li>Bette, K.-H., Schimank, U. (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518119575?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518119575" target="_blank">Doping im Hochleistungssport</a>. Anpassung durch Abweichung. Suhrkamp: Frankfurt</li>
<li>Haug, Tanja (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3939519278?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3939519278" target="_blank">Doping</a>. Dilemma des Leistungssports.</li>
<li>Beune, Andreas (2005): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3936973172?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3936973172" target="_blank">Did Not Finish: Der Radsport und seine Opfer</a>. 20 Himmelsstürmer im Porträt.</li>
<li>Feiden, Karl &amp; Blasius, Helga (2002): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3804719198?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3804719198">Doping im Sport. Wer &#8211; womit &#8211; warum</a>. Wiss. Verlagsgesellschaft.</li>
<li>Singler, A. &amp; Treutlein, G. (2001): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/389124665X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=389124665X" target="_blank">Doping &#8211; von der Analyse zur Prävention</a>. Meyer &amp; Meyer-Verlag.</li>
<li>Geipel, Ines (2001): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3887471601?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3887471601">Verlorene Spiele</a>. Journal eines Doping-Prozesses. Transcript-Verlag.</li>
<li>Hartmann, Grit (1997): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3931801039?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3931801039">Goldkinder. Die DDR im Spiegel ihres Spitzensports</a>. Forum-Verlag, Leipzig.</li>
<li>Berendonk, Brigitte (1992): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499186772?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499186772">Doping</a>. Von der Forschung zum Betrug. Rowohlt: Reinbek.</li>
</ul>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_36" class="footnote">Aber vielleicht gehört Doping auch einfach zwingend zum System Spitzensport? </span>Auf ein interessantes Interview mit dem Sportökonomen Jörg Tolsdorf verweist das <a href="http://www.blogatelier.de/2007/05/25/ullrich-co-waren-die-besten/" target="_blank">Blogatelier</a>.</li><li id="footnote_1_36" class="footnote">Franke, der möglicherweise in seinem aufklärerischen Impetus manchmal etwas übereifrig auftritt, wurde in den letzten Jahren mit dutzenden Unterlassungsklagen überzogen; der gerichtlichen Überprüfung hielten Frankes Behauptungen jedoch bislang fast immer stand.</li><li id="footnote_2_36" class="footnote">Der spanische Mediziner gilt als Hauptfigur im sog. Fuentes-Skandal, über den u.a. Jan Ullrich im Vorfeld der Tour de France 2006 stolperte. Zu Fuentes nach Madrid pilgerten neben Ullrich zahlreiche andere Spitzensportler, wie etwa Ivan Basso, die sich von Blutplasmakonserven, EPO und Wachstumshormonen eine Leistungssteigerung versprachen.</li><li id="footnote_3_36" class="footnote">Ein Umstand, der auch kaum verwunderlich ist. Denn die Verdachtsfälle sind keineswegs nur Insidern bekannt. Erstaunlich ist vielmehr, daß nach dem Geständnis von Heinrich, Schmid &amp; Co. überhaupt jemand ernsthaft erstaunt sein kann. Wer sich ein wenig in diesem Bereich auskennt, kann diese grassierende Verwunderung nur als Heuchelei deuten.</li><li id="footnote_4_36" class="footnote">Nachdem dieser Schritt unausweichlich geworden war, traf DOSB-Präsident Thomas Bach die überfällige Entscheidung, die Zusammenarbeit zu beenden. Er versprach, &#8222;alles für ein sauberes Betreuerteam 2008 zu tun. In unserer Null-Toleranz-Politik gibt es kein Wackeln, erst recht nicht im Bereich Sportmedizin.&#8220; Bleibt zu hoffen, daß es sich auch bei dem verabschiedeten <a href="http://ruegenbote.de/wordpress/2007/05/30/treffen-mit-gestaendigen-radprofis-vereinbart/" target="_blank">10-Punkte-Aktionsplan</a> nicht wieder nur um ein Lippenbekenntnis handelt. Denn gerade Thomas Bach und seine Kollegen in den Präsidien der deutschen Sportverbände hätten schon längst wissen können, daß in Freiburg nicht immer gemäß den Regeln eines sauberen Sports gearbeitet wird bzw. wurde.</li><li id="footnote_5_36" class="footnote">Das flächendeckende Dopingsystem der DDR zielte auch &#8211; im Unterschied zur alten BRD &#8211; auf die vielen heranwachsenden Talente in den Sport- und Talentschulen. Die weitreichenden gesundheitlichen Auswirkungen, die die Verabreichung von Dopingsubstanzen v.a. auf junge Mädchen hatte, sind in den 90er Jahren im Rahmen einiger Gerichtsprozesse publik geworden. Bis heute leiden unzählige ehemalige Spitzenathletinnen unter gravierenden Folgeschäden. Sehr interessant hierzu das Gespräch mit <a  href="http://www.faz.net/s/RubAEA2EF5995314224B44A0426A77BD700/Doc%7EE440886BEFF3A4C6F87C3F2ED1809A2DF%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html" target="_blank">Ines Geipel</a> in der FAZ.</li><li id="footnote_6_36" class="footnote">Gemeint ist die Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig, die als Hochburg des Anabolikadopings der DDR gilt.</li><li id="footnote_7_36" class="footnote">Hierbei handelt es sich um eine Handvoll Redakteure überregionaler Tageszeitungen [SZ, FAZ, FR,&#8230;], wie bspw. Thomas Kistner, Evi Simeoni, Andreas Singler oder <span class="dunkelgrau fs-11 lh-14" style="cursor: pointer;" onclick="location='/p/Rub31BAF3CC293542EBAD4C45D7027BF394/Dox~E00d8bf91b353bc3807f947b943745bc7~ATpl~Ecommon~Scontent.html'">Hans-Joachim Waldbröl.</span></li><li id="footnote_8_36" class="footnote">Und mehr noch, solange die gefeierten und angehimmelten Nationalhelden nicht vor laufender Kamera die Spritzen ansetzen, so können sie sich des Beistands etwa der Bildzeitung sicher sein. Als 1988 der damalige Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes nach dem mysteriösen Todesfall Birgit Dressels und der ungeklärten Beteiligung von Armin Klümper, den Freiburger Arzt nicht mit zu den Olympischen Spielen nach Seoul nehmen wollte, ergriff die Bildzeitung Partei für den Dopingarzt Klümper. Munzert wurde zum Abschuß freigegeben und BILD titelte: &#8222;Herr Munzert! Entschuldigen Sie sich bei Professor Klümper!&#8220; &#8211; Munzert trat, nach heftigen Mobbingattacken gegen ihn, wenige Monate später zurück.</li><li id="footnote_9_36" class="footnote">vgl. Strepenick, Andreas: <a href="http://www.tagesspiegel.de/dritte-seite/archiv/25.05.2007/3289468.asp" target="_blank">Die Schwarzmarktklinik</a>, Tagesspiegel, 25.5.2007</li><li id="footnote_10_36" class="footnote">Die auffällige hohe Sterberate ehemaliger Spitzensportler im Alter von 40-50 Jahren, die von den Freiburger Sportärzten betreut wurden, weist allerdings doch auf negative Effekte hin. Der Hammerwerfer Uwe Beyer, der Keul die Gabe von Anabolika vorwarf, verstarb 1993; der ebenfalls geständige Spitzenkugelstoßer Ralf Reichenbach verstarb 1998.</li><li id="footnote_11_36" class="footnote">vgl. Singler, Andreas (2006): <a href="http://www.nzz.ch/2006/10/12/sp/articleEK2EC.print.html" target="_blank">Die «praktische Toleranz» im Spitzensport</a>, NZZ, 12.10.2006</li><li id="footnote_12_36" class="footnote">vgl. Bürer, Barbara &amp; Klawitter, Nils (1998): <a href="http://images.zeit.de/text/archiv/1998/13/doping.txt.19980319.xml" target="_blank">Doping macht vergeßlich</a>. DIE ZEIT, 13/1998 &#8211; Keul selbst wies die Vorwürfe später weit von sich. Höppner habe sich vor der Stasi nur wichtig machen wollen, so seine <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1994/0321/none/0054/index.html" target="_blank">Erklärung</a>.</li><li id="footnote_13_36" class="footnote">Der Titel eines seiner letzten Bücher lautet: &#8222;Unkraut vergeht nicht&#8220;, man wäre fast geneigt dem Mediziner Klümper ein gewisses Talent zur Selbstironie zuzusprechen.</li><li id="footnote_14_36" class="footnote">Klümper hatte Birgit Wolf das Medikament &#8222;Genotropin&#8220; gegeben, das ausschließlich bei Wachstumsstörungen von Kindern indiziert ist.</li><li id="footnote_15_36" class="footnote">Und tragen &#8211; so sie nicht selbst aktiv Dopingsubstanzen verabreichen &#8211; dennoch eine Mitverantwortung, sobald sie Kenntnis davon erlangen, daß die ihnen anvertrauten Sportler Dopingmißbrauch betreiben, dagegen aber nicht einschreiten.</li><li id="footnote_16_36" class="footnote">Völlig unverständlicherweise gehörten etwa Georg Huber oder Andreas Schmid lange Jahre den Nationalen bzw. Internationalen Anti-Doping-Agenturen an. Ärzte im Schafspelz eben.</li><li id="footnote_17_36" class="footnote">Wieviel bzw. wie wenig Ehrenerklärungen wert sind, ist an der &#8222;Stellungnahme der sportmedizinischen Mitarbeiter der Uniklinik Freiburg&#8220; [<a href="http://www.uniklinik-freiburg.de/sportmedizin/live/index/StellungnahmeSportmedizin.pdf" target="_blank">PDF</a>] abzulesen. Am 25.5.2007 stellten sie klar: &#8222;Unsere Position zum Doping: Die Mitarbeiter (&#8230;) distanzieren sich von einer aktiven oder passiven Beteiligung an Doping im Sport in jeder Form. Wir lehnen jede unerlaubte Leistungsmanipulation im Wettkampfsport ab. Wir stehen zu den positiven Grundwerten, die Sport unserer Gesellschaft vermittelt.&#8220; Einen Tag später räumte der Mitunterzeichner Huber seine Beteiligung am systematischen Doping ein.</li><li id="footnote_18_36" class="footnote">vgl. K.H. Zurbonsen/Stuttgarter Zeitung (2007): Freiburger Sportmediziner räumen Doping ein, 24.5.2007</li><li id="footnote_19_36" class="footnote">Ebenfalls ein Kollege früherer Freiburger Tage ist übrigens der Mannschaftsarzt der deutschen Skiläufer Ernst Jakob. Dieser machte sich bei den Olympischen Spielen in Turin 2006 teilweise höchst lächerlich, als er die über den Grenzwerten liegenden Hämoglobinwerte von Evi Sachenbacher-Stehle erklären sollte. Er wurde daraufhin gegenüber dem Chef der Anti-Doping-Agentur des Skiverbandes Bengt Saltin ausfällig.</li><li id="footnote_20_36" class="footnote">In seinem Wesenskern zielt der Eid des Hippokrates (der allerdings von keinem Arzt tatsächlich abgelegt wird!) darauf, daß die ärztliche Tätigkeit stets nur zum Nutzen der Patienten, niemals zu deren Schaden eingesetzt werden dürfe.</li><li id="footnote_21_36" class="footnote">vgl. Singler, Andreas (2006): <a href="http://www.nzz.ch/2006/10/12/sp/articleEK2EC.print.html" target="_blank">Die «praktische Toleranz» im Spitzensport</a>. 1976 bewiesen bundesdeutsche Ärzte ihre Dopingbereitschaft mit kurzzeitiger Anabolika-Freigabe, NZZ, 12.10.2006</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/">Ärzte im Schafspelz. Die Freiburger Sportmedizin » Dopingarrangements im Spitzensport III</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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