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	<title>Agnotologie Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation </description>
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	<title>Agnotologie Archive &#187; Wissenswerkstatt</title>
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		<title>Insuffizienzen der Wissenschaft » Wenn medizinische Metastudien unscharfes Wissen produzieren &#8211; Agnotologie II</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Aug 2007 14:33:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Kontingenz]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Paradoxien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frei nach dem Motto: &#8222;Glaube keiner Studie, die Du nicht selbst gefälscht hast&#8220; funktioniert allem Anschein nach gerade die pharmazeutisch-medizinische Forschung. Wobei, halt!: nein, es soll hier nicht der Eindruck erweckt werden, die verschiedenen Studien, die Wirksamkeit und/oder Unbedenklichkeit von Therapien und Medikamenten belegen sollen, seien allesamt manipuliert. Diese Unterstellung gehört in den Bereich der ... <a title="Insuffizienzen der Wissenschaft » Wenn medizinische Metastudien unscharfes Wissen produzieren &#8211; Agnotologie II" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/" aria-label="Mehr Informationen über Insuffizienzen der Wissenschaft » Wenn medizinische Metastudien unscharfes Wissen produzieren &#8211; Agnotologie II">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/">Insuffizienzen der Wissenschaft » Wenn medizinische Metastudien unscharfes Wissen produzieren &#8211; Agnotologie II</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Frei nach dem Motto: &#8222;Glaube keiner Studie, die Du nicht selbst gefälscht hast&#8220; funktioniert allem Anschein nach gerade die pharmazeutisch-medizinische Forschung. Wobei, halt!: nein, es soll hier nicht der Eindruck erweckt werden, die verschiedenen Studien, die Wirksamkeit und/oder Unbedenklichkeit von Therapien und Medikamenten belegen sollen, seien allesamt manipuliert. Diese Unterstellung gehört in den Bereich der Verschwörungstheorie, mit der die Wissenswerkstatt nichts gemein hat. Aber das sollte auch bislang schon klar geworden sein, oder?</strong></p>
<p>Nochmal im Klartext und in Anlehnung an Bruno Latour: in der Wissenswerkstatt arbeitet ein &#8222;Liebhaber der Wissenschaften&#8220; &#8211; daß die naturgegebenen Insuffizienzen jeder Suche nach Wahrheit dennoch Thema sind, versteht sich aber von selbst. Denn genau diejenigen, die quasi blind allen technisch-wissenschaftlichen Versprechungen Glauben schenken, sind in Wahrheit Verächter und manchmal sogar Totengräber der Wissenschaft. Denn Wissenschaft will und braucht kritische Rezipienten und Freunde. Es verhält sich kaum anders als in der Sphäre der Politik: wer stets alle Taten des &#8222;Freundes&#8220; willfährig bejubelt, ohne substantiell zu prüfen, ob hier nicht möglicherweise Widersprüche und Defizite vorliegen, mag sich zunächst als loyal erweisen. Es geht aber weder in der Politik noch in der Wissenschaft um vorauseilenden Gehorsam und Gefolgschaft um jeden Preis. Es geht vielmehr um kritische Begleitung und genau das ist u.a. die Aufgabe der Wissenschaftssoziologie. Die Wissenschaft selbst, all die Forscher in ihren Labors, all die Arbeiter in ihren sprichwörtlichen Elfenbeintürmen, sie sind notwendigerweise gefangen in ihrer Binnenperspektive.</p>
<p><strong>Aufklärung und die lehrreiche Außenperspektive </strong></p>
<p>Und genau hier setzt die Wissenschaftssoziologie an: es ist der nüchterne Blick von außerhalb, der anderes sehen läßt, als wenn man immer schon in den Kontexten der jeweiligen Spezialdisziplin sozialisiert und somit auch ein Stück weit befangen, um nicht zu sagen: gefangen ist. Und somit steht die Wissenschaftssoziologie &#8211; wenigstens, wie ich sie verstehe &#8211; in der Tradition der Aufklärung: ihre Intention ist es, das Wissen der Gesellschaft über ihre technisch-wissenschaftlichen Möglichkeiten und Grenzen zu erweitern. Denn nur wer weiß und besser einschätzen kann, wo derzeit die Grenzen des Wissens liegen, diejenigen Bereiche, in denen nicht klare Sicht auf die Gegenstände des Gewußten und Erforschten gegeben ist, sondern immer wieder der Nebel des Nichtwissens den Blick trübt, nur derjenige, der solchermaßen informiert und geübt die Innovationen von Wissenschaft und Technik in den Blick nimmt, kann nachhaltige Entscheidungen darüber treffen, was mit welchen Risiken getan werden kann.</p>
<p>Denn daß es jeweils kontingente Bereiche gibt, daß also anscheinend gesicherte Wissensbestände wieder ins Schwimmen geraten und sich als unsicher herausstellen, darüber besteht ernsthaft kein Zweifel. Und gerade der Blick in die Medizin und ihre Geschichte ernüchtert allzu hochfliegende Phantasien. Denn kaum eine andere Disziplin zeichnet sich durch solch gravierende Erfahrungen des Erfolgs und des Mißerfolgs aus. Gelingen und Scheitern liegen kaum anderswo ähnlich nah beieinander. Und man braucht hier nicht einmal Schlagworte wie <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Contergan" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Contergan</a> zu erwähnen &#8211; es genügt der Verweis auf die mit immensem Ressourceneinsatz entwickelten Medikamente wie &#8222;Vioxx&#8220;<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_0_67" id="identifier_0_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das Schmerz- und Rheumamedikament der Fa. Merck z&auml;hlt zur Gruppe der sog. COX2-Hemmer, die seit wenigen Jahren im Verdacht stehen, Infarkte und Schlaganf&auml;lle zu beg&uuml;nstigen.">1</a> oder &#8222;Lipobay&#8220;,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_1_67" id="identifier_1_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Unter diesem Handelsnamen mu&szlig;te Bayer seinen Cholesterinsenker mit dem Wirkstoff &bdquo;Cerivastatin&ldquo; aus dem Handel nehmen, nachdem unter dessen Einnahme mehrere Todesf&auml;lle berichtet wurden.">2</a> die sich dennoch als finanzielles und &#8211; berücksichtigt man die mutmaßlichen Todesopfer &#8211; menschliches Desaster erwiesen.</p>
<p><strong>Mehr Forschung = Mehr Unsicherheit? </strong></p>
<p>Damit aber wieder zurück zum Thema: medizinische (Meta-)Studien. Im Grunde ist es banal: wer seine Erkenntnisse überprüfen will, stellt weitere Untersuchungen und Experimente an, um seine Hypothesen zu testen. In der Medizin, zumal wenn es um bereits ausgereiftere Forschungen geht, stehen also <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Klinische_Studie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">klinische Studien</a> an, um die Wirksamkeit der Therapien näher zu ergründen. Wir reden hier von sog. Phase I+II-Studien,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_2_67" id="identifier_2_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In den Phase-I-Studien wird die Vertr&auml;glichkeit (tolerability), in den Phase-II-Studien die Wirksamkeit (effectiveness) &uuml;berpr&uuml;ft.">3</a> die dann idealerweise meist in sog. <em>randomisierte Doppelblind-Studien</em> münden. Diese werden mit einem erheblich erweiterten Probandenkreis durchgeführt und stellen in Phase III die letzte Hürde vor der Marktzulassung dar.</p>
<p>Um das nochmals unmißverständlich klarzumachen: wenn heute ein Medikament den Weg in Apotheken und Kliniken findet, so ist es gründlich und intensiv getestet und überprüft. Hinter den erwähnten &#8222;randomisierten Doppelblindstudien&#8220; verbirgt sich ein Studiendesign, das ein Höchstmaß an Aussagekraft ermöglicht, denn &#8222;<a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Doppelblind" target="_blank" rel="noopener noreferrer">doppelblind</a>&#8220; heißt, daß weder die durchführenden Ärzte noch die beteiligten Patienten wissen, welche Patienten nun das neue zu testende Medikament verabreicht bekommen und welche ein Placebo (alternativ auch die konventionelle Standardtherapie). Randomisiert bedeutet in diesem Kontext, daß die Auswahl, welche Personen welcher Studiengruppe (also der Test- oder der Kontrollgruppe mit Placebo) zugeordnet werden, zufallsgesteuert abläuft. Auch hier kann also keine Verfälschung durch die Studienleitung erfolgen. Erweist sich also ein neuer Wirkstoff in diesen umfänglichen Tests als unbedenklich (die Nebenwirkungen sind gemäß einer Kosten-Nutzen-Rechnung zu vernachlässigen) und gleichzeitig als wirksam (und den bisherigen Therapien überlegen), so steht der Marktzulassung nichts mehr im Wege. Wo ist das Problem, möchte man fragen&#8230;</p>
<p><strong>Scheitern als Wesen der Wissenschaft</strong></p>
<p>Strenggenommen gibt es kein Problem, jedenfalls nicht, wenn man sich bewußt macht, daß auch noch so aufwendige Studiendesigns niemals eine Garantie liefern können, daß ein Medikament genauso wirkt, wie beabsichtigt und nicht ganz andere Effekte hervorruft, die dummerweise nie in den Studien auftraten. Wer glaubt, die medizinisch-pharmazeutische Forschung sei in der Lage alle Parameter zu berücksichtigen, der irrt. Dazu ist der menschliche Körper, seine unendlichen Kaskaden an Stoffwechsel- und Austauschprozessen, seine Regulationsvielfalt und Irritationsanfälligkeit zu undurchschaubar und bislang nur recht wenig verstanden. Wie oben erwähnt: der Pharmariese Merck mußte im Jahr 2004 sein umsatzstärkstes Medikament, das Schmerz- und Rheumamittel &#8222;<a  href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rofecoxib&amp;oldid=34494647" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vioxx</a>&#8220; nach Berichten über eine Vielzahl von Herzinfarkten und Schlaganfällen vom Markt nehmen. Und diese erst spät erkannten Nebenfolgen waren nicht Ergebnis von Schlamperei und Leichtfertigkeit, sondern unvermeidlich.</p>
<p>Was ist aber, wenn es sich nicht um medizinische Indikationen wie bspw. Rheuma geht, die immerhin einigermaßen scharf umrissen und definiert sind? Wie verhält es sich bei medikamentösen Therapieversuchen bei so schwach konturierten Symptomatiken wie <em>geschwächter Immunabwehr</em>, <em>Wechseljahrsbeschwerden</em> oder <em>Erkältungskrankheiten?</em> Welche Medikamente haben hier welche Effekte? Man erinnere sich: Ende der 90er Jahre wurde die <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hormonersatztherapie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hormonersatztherapie</a> zur Abfederung der <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Klimakterium" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Klimakterium</a>sbeschwerden noch stark propagiert. Doch ab 2000 mehrten sich die Erkenntnisse und Studien, daß hier nicht nur kaum meßbare Vorteile, sondern augenscheinlich allerhand negative Effekte auftreten: Frauen, die durch eine Östrogenersatztherapie hofften, die gefürchtete Antriebslosigkeit oder Osteoporoseerscheinungen abmildern zu können, wurden auf einmal mit Studien konfrontiert, die eine signifikante Erhöhung des Brustkrebsrisikos nahelegten. Wie an vielen Stellen nachzulesen war, reagierten viele Länder, vor allem in Skandinavien und Nordamerika sehr schnell: die Therapie wird seitdem nur bei konkreter Indikation duchgeführt. In Deutschland freilich scheinen die Gynäkologen kaum die jeweiligen Fachblätter zu studieren.</p>
<blockquote><p>„Es besteht offenbar insbesondere bei den älteren, männlichen Frauenärzten eine sehr deutliche Tendenz, den Nutzen der Hormone über- und die Risiken unterzubewerten“, sagt Bruno Müller-Oerlinghausen, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft.</p></blockquote>
<p>Mehr als erstaunlich, wenn man weiß, daß sogar das Risiko für Demenzerkrankungen, die durch die Gabe von Hormonen abgeschwächt und vermieden werden sollten, bei den Patientinnen die Hormone erhielten, leicht erhöht war. Selbst hier waren also die angestrebten Effekte nicht zu finden.</p>
<p><strong>Echinacea, Umckaloabo und Co.</strong></p>
<p>Wer kennt nicht das Haus- und Heilmittel &#8222;Echinacea&#8220;, das als meistverkauftes natürliches Erkältungsmedikament ein wahrer Umsatzrenner ist? Aber wirkt das Extrakt aus dem roten Sonnenhut tatsächlich? Ist es gerechtfertigt, daß allein in den USA jährlich ein Umsatz von über 80 Millionen Euro mit diesen Präparaten erzielt wird?</p>
<p>Denn die Frage, ob die Einnahme von Echinacea-Präparaten bei Ansteckung oder in Bezug auf die Heilung von Erkältungskrankheiten einen positive Wirkung hat, ist mehr als umstritten. Wobei: genaugenommen ist seit einigen Jahren im Grunde erwiesen, daß die Effekte kaum meßbar oder um ehrlich zu sein, nicht vorhanden sind. Andere Hausmittelchen wie die &#8222;heiße Zitrone&#8220; oder ein &#8211; wie ich finde probates und zudem wohlschmeckendes Therapeutikum &#8211; &#8222;Bratapfel&#8220; dürften ähnlich erfolgreich wirken. Na gut, wenn Echinacea nichts nützt, Schaden ruft es &#8211; abgesehen vom Loch im Geldbeutel &#8211; wenigstens nicht hervor. Aber neuerdings gibt es doch wieder Verwirrung: eine aktuelle Metastudie einer Forschergruppe um Craig Coleman von der Universität Connecticut glaubt nun doch eine Wirksamkeit belegen zu können. Wie kann das sein?</p>
<p>Nochmal der Reihe nach: bereits 2002 stellten die Mediziner um Dr. Bruce P. Barrett von der Universität Wisconsin in einer vergleichenden Studie fest, daß die überstrapazierte Redewendung von der Erkältung, die unbehandelt sieben Tage, mit Behandlung aber eine Woche anhalte, auch für die Anwendung von Echinacea zutreffe; sie stellten fest:</p>
<blockquote><p>No statistically significant differences were detected between the echinacea and placebo groups for any of the measured outcomes. Trajectories of severity over time were nearly identical in the two groups. Mean cold duration was 6.01 days in both groups as a whole, 5.75 days in the placebo group, and 6.27 days in the echinacea group.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_3_67" id="identifier_3_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Barrett, P., Brown, R.L. et al. (2002): Treatment of the Common Cold with Unrefined Echinacea, in: Annals of Internal Medicine, 17 December 2002, Volume 137, Issue 12, pp. 939-946.">4</a></p></blockquote>
<p>Und auch in einer vergleichenden Metastudie 2006<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_4_67" id="identifier_4_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Linde K, Barrett B, W&ouml;lkart K, Bauer R, Melchart D. (2006): Echinacea for preventing and treating the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 1. ">5</a> kamen Barrett und seine Gruppe zur selben Ansicht: in 22 Einzelstudien, die erheblich in ihrer Vorgehensweise variierten, fanden sie keinen einheitlichen, gesicherten Nachweis für eine Wirksamkeit. Die Studien, die einen positiven Effekt belegen, weisen häufig deutliche Mängel in der (randomisierten) Durchführung auf und sind teilweise eher anekdotisch wertvoll.</p>
<p>Nun aber, nach einer erneuten Metastudie von Coleman et. al.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_5_67" id="identifier_5_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Lancet Infectious Diseases (vol 7, p 473) ">6</a> ist wieder alles anders. Angeblich, jedenfalls. Der &#8222;Stern&#8220; wußte vor wenigen Wochen: &#8222;<a href="http://www.stern.de/wissenschaft/medizin/:Echinacea-Mittel-Und/591741.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Echinacea-Mittel: Und sie helfen doch!</a>&#8220; Aber ist dem so? Was hat Coleman anders gemacht als seine Kollegen? Denn der &#8222;Stern&#8220; glaubt ja sogar zu wissen, daß die gemeinsame Einnahme von Vitamin C und Echinacea das Erkältungsrisiko gar um 86% senke. Toll, wenn es so einfach wäre.</p>
<p>Ein kleiner Artikel der Businessweek<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_6_67" id="identifier_6_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&Uuml;ber den ich dankenswerterweise bei Medinfo gestolpert bin.">7</a> klärt ein wenig auf; unter dem vielsagenden Titel: &#8222;When Medical Studies Collide&#8220; werden die Hintergründe der widersprüchlichen Artikel beleuchtet und man darf lesen:</p>
<blockquote><p>The problem is, the world of medical and health research is messier than most people realize. Black-and-white answers are rare, even when it comes to a single drug trial. In hormone replacement therapy, &#8222;people from the same study are disagreeing with each other,&#8220; says Julie Buring, professor of medicine at Brigham &amp; Women&#8217;s Hospital in Boston. The uncertainties deepen when studies are inconclusive or contradictory. That&#8217;s when researchers often lump data from a number of trials together in a meta-analysis, hoping the sum will be greater than the parts. But the approach often has pitfalls.</p></blockquote>
<p>Hier wird also die Hoffnung, daß die Summe der Einzelstudien in der Zusammenschau ein höheres Maß an Richtigkeit aufweisen, wieder einmal enttäuscht. Denn gerade die Auswahl der Studien, die berücksichtigt werden sollen, ist umstritten und beeinflußt das Ergebnis erheblich. Wie lassen sich die unterschiedlichen Schlußfolgerungen aber erklären?</p>
<p><strong>Die Verführung durch Erfolg und Meßbarkeit: Publikations-Bias</strong></p>
<p>Vermutlich durch einen sog. Publikations-Bias. Dieser erklärt sich schlicht daraus, daß Studien, die keine Effekte aufweisen, mit höherer Wahrscheinlichkeit unpubliziert bleiben; im Gegensatz finden Studien, die eine Wirksamkeit belegen, fast immer den Weg in die Journale. Das führt freilich dazu, daß die Wirksamkeit meist überschätzt wird, wenn man nur die Artikel in den Journalen zugrundelegt. Dies jedenfalls die plausible Erklärung, denn Coleman hatte nur 14 Studien herangezogen. Barrett allerdings 22 und darunter zwei Studien, die niemals veröffentlicht wurden. Das soll nun nicht heißen, daß es die Menge macht, also daß 22 Studien besser seien als 14, aber gewisse Verzerrungseffekte sollte man berücksichtigen.</p>
<blockquote><p>In addition, Coleman used only published studies, while Barrett included two unpublished ones. That decision can have a big impact. &#8222;We know there is publication bias,&#8220; says Frank E. Harrell Jr., chair of biostatistics at Vanderbilt University. It&#8217;s much easier to get a study published that says, &#8222;something works!&#8220; than one saying, &#8222;Oops, the treatment had no effect.&#8220; Using published data alone thus typically makes the final result more positive.</p>
<p>(&#8230;)  Meta-analyses may also mislead by relying on data reported in papers rather than on original raw data, which are usually kept secret. &#8222;Good raw data from one study can be worth 50 studies in a meta-analysis,&#8220; says Vanderbilt&#8217;s Harrell.</p></blockquote>
<p>Man sollte also auch bei angeblich durch Metastudien gewonnenen Erkenntnissen vorsichtig sein. Denn ganz offenbar sind es die Selektionskriterien, die bestimmen, welche Studie unter welcher Gewichtung berücksichtigt wird, die zu den skizzierten Effekten führen. Und im Ergebnis haben wir keine Zunahme von Wissen, sondern von Nichtwissen. Metastudien können, oh Wunder, auch ein Instrument der <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Agnotology" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Agnotologie</a> sein &#8211; der Kunst, Nichtwissen herbeizuführen. Das jedenfalls ist das Ergebnis, wenn &#8222;medizinische Studien kollidieren&#8220;.</p>
<p>Denn, wie Dr. Barrett feststellt, allzu oft werden Äpfel mit Birnen verglichen. Und der Fokus auf veröffentlichte Studien dürfte meist zu einer dezenten Verzerrung hin zu positiven Schlußfolgerungen führen. In Bezug auf Echinacea sollte man also auch weiterhin skeptisch sein. Auch wenn der &#8222;<a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenh%C3%BCte_(Echinacea)" target="_blank" rel="noopener noreferrer">rote Sonnenhut</a>&#8220; einem zunächst durchaus sympathisch sein darf, ob sein Extrakt hilfreich ist, werden weitere Studien erweisen müssen.</p>
<p>Darf man dann zum als &#8222;natürliches Antibiotikum&#8220; angepriesenen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Umckaloabo" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Umckaloabo</a> greifen? Immerhin hat sich der ethanolische Wurzelauszug ja zu einem riesigen Erfolg vornehmlich in Deutschland entwickelt, der Jahresumsatz erreicht derzeit angeblich stattliche 60 Millionen Euro. Können so viele Anwender irren? Skepsis scheint auch hier berechtigt.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/#footnote_7_67" id="identifier_7_67" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. arznei-telegramm: arznei-telegramm (2003): Quacksalberei: Was ist dran am Umckaloabo? ">8</a> Umckaloabo ist derzeit noch deutlich schlechter erforscht als Echinacea. Man darf also gespannt sein&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>[Update | 30.10.2007]:</p>
<p>Hier im Quanti|Soz|Blog (&#8222;<a href="http://www.quantisozblog.de/2007/10/29/publication-bias-in-forschungsreviews/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Publication bias in Forschungsreviews</a>&#8222;) nimmt sich Bernd meinen Argumenten an. Er stimmt größtenteils zu, möchte aber Meta-Studien keinesfalls als Generator von Nicht-Wissen verstanden wissen. Das ist von mir auch keineswegs so beabsichtigt. Worauf es mir ankam: Meta-Studien <em>können</em> (<em>nicht müssen</em>) im Ergebnis mehr Unsicherheit als Sicherheit hinterlassen. Weitere Anmerkungen meinerseits in den Kommentaren [2].</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr size="1" width="100%" />
<p><strong>Link- und Literaturtipps: </strong></p>
<p><em>Wissenswerkstatt: </em></p>
<ul>
<li>Scheloske, Marc (2007): <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/03/28/wolke-der-unwissenheit-agnotologie-i/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wolke der Unwissenheit &#8211; Agnotologie I</a>, 28. März 2007<em><br />
</em></li>
</ul>
<p><em>Wissenschaft, Nichtwissen und Medizin:</em></p>
<ul>
<li>Evans, I., Thornton, H, Chalmers, I. (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3939069329?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3939069329">Was hilft wirklich?</a> Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsg.</li>
<li>Hans-Jörg Rheinberger: <a  href="http://www.nzz.ch/2007/05/05/li/articleELG88.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Man weiss nicht genau, was man nicht weiss</a>. Über die Kunst, das Unbekannte zu erforschen. NZZ, 5.5.2007</li>
<li>Wehling, Peter (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896696068?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3896696068">Im Schatten des Wissens?</a> Perspektiven der Soziologie des Nichtwissens. UVK-Verlag.</li>
<li>Rheinberger, Hans-Jörg (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518293710?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518293710" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Epistemologie des Konkreten.</a> Studien zur Geschichte der modernen Biologie. Frankfurt: Suhrkamp.</li>
<li><span class="sans">Latour, Bruno (2002): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518291955?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518291955" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Hoffnung der Pandora</a>. Untersuchungen zur Wirklichkeit der Wissenschaft. Frankfurt: Suhrkamp.</span></li>
<li><span class="sans">Knorr-Cetina, Karin (1981): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518285599?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518285599" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Fabrikation von Erkenntnis</a>. Zur Anthropologie der Naturwissenschaft. Frankfurt: Suhrkamp.</span></li>
</ul>
<p><em>Echinacea und Erkältungskrankheiten:</em></p>
<ul>
<li>New Scientist (2007): <a href="http://www.newscientist.com/article.ns?id=dn12126&amp;feedId=online-news_rss20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Echinacea may halve the risk of catching cold</a>, 25.6.2007</li>
<li>Business Week (2007): <a href="http://www.businessweek.com/magazine/content/07_32/b4045052.htm?campaign_id=rss_tech" target="_blank" rel="noopener noreferrer">When Medical Studies Collide</a>. Contradictory reports? Meta-analysis may make things more confusing, 6.8.2007</li>
<li>Linde K, Barrett B, Wölkart K, Bauer R, Melchart D. (2006): <a href="http://www.cochrane.org/reviews/en/ab000530.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Echinacea for preventing and treating the common cold</a>. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 1.</li>
<li>Barrett, P., Brown, R.L. et al. (2002): <a href="http://www.annals.org/cgi/content/full/137/12/939" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Treatment of the Common Cold with Unrefined Echinacea</a>, in: Annals of Internal Medicine, 17 December 2002, Volume 137, Issue 12, pp. 939-946.</li>
</ul>
<p><em>Umckaloabo:</em></p>
<ul>
<li>Kekulé, Alexander S. (2005): <a href="http://www.planger.de/tips61.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">In den Blumentopf, nicht in den Hals</a>, tagesspiegel, 20.4.2005</li>
<li>arznei-telegramm (2003): <a href="http://www.arznei-telegramm.de/zeit/0303_a.php3" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Quacksalberei: Was ist dran am Umckaloabo?</a></li>
</ul>
<p><em>Hormonersatztherapie:</em></p>
<ul>
<li>Wissenschaft.de: <a href="http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/272930.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Weniger Brustkrebs nach Rückgang der Hormonersatztherapien</a>, 16.12.2006</li>
<li>Schneider, Sylvia (2003):<span class="sans"> <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3800039168?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3800039168">Tatort Frau. Der große Hormonschwindel</a>. Ueberreuter-Verlag.<br />
</span></li>
<li>Koch, Klaus: <a href="http://www.aerztekammer-berlin.de/10_Aktuelles/bae/18_BERLINER_AERZTE/Berliner_Aerzte_bis_2005/BAEthemen/ThemaArtikel2003_04/hormontherapie.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hormontherapie &#8211; Das Ende des &#8222;Jungbrunnens&#8220;</a>, Ärztekammer Berlin, März 2003</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_67" class="footnote">Das Schmerz- und Rheumamedikament der Fa. Merck zählt zur Gruppe der sog. <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/COX-2-Hemmer" target="_blank" rel="noopener noreferrer">COX2-Hemmer</a>, die seit wenigen Jahren im Verdacht stehen, Infarkte und Schlaganfälle zu begünstigen.</li><li id="footnote_1_67" class="footnote">Unter diesem Handelsnamen mußte Bayer seinen Cholesterinsenker mit dem Wirkstoff &#8222;<a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cerivastatin" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Cerivastatin</a>&#8220; aus dem Handel nehmen, nachdem unter dessen Einnahme mehrere Todesfälle berichtet wurden.</li><li id="footnote_2_67" class="footnote">In den Phase-I-Studien wird die Verträglichkeit (tolerability), in den Phase-II-Studien die Wirksamkeit (effectiveness) überprüft.</li><li id="footnote_3_67" class="footnote">vgl. Barrett, P., Brown, R.L. et al. (2002): <a href="http://www.annals.org/cgi/content/full/137/12/939" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Treatment of the Common Cold with Unrefined Echinacea</a>, in: Annals of Internal Medicine, 17 December 2002, Volume 137, Issue 12, pp. 939-946.</li><li id="footnote_4_67" class="footnote">vgl. Linde K, Barrett B, Wölkart K, Bauer R, Melchart D. (2006): <a href="http://www.cochrane.org/reviews/en/ab000530.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Echinacea for preventing and treating the common cold</a>. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 1. </li><li id="footnote_5_67" class="footnote">vgl. <em>Lancet Infectious Diseases</em> (vol 7, p 473) </li><li id="footnote_6_67" class="footnote">Über den ich dankenswerterweise bei <a href="http://medinfo.netbib.de/archives/2007/08/07/2225" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medinfo</a> gestolpert bin.</li><li id="footnote_7_67" class="footnote">vgl. arznei-telegramm: arznei-telegramm (2003): <a href="http://www.arznei-telegramm.de/zeit/0303_a.php3" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Quacksalberei: Was ist dran am Umckaloabo?</a> </li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/08/insuffizienzen-der-wissenschaft-wenn-medizinische-metastudien-unscharfes-wissen-produzieren-agnotologie-ii/">Insuffizienzen der Wissenschaft » Wenn medizinische Metastudien unscharfes Wissen produzieren &#8211; Agnotologie II</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Risiko Nanofood? » Die Nanotechnologie hat die Lebensmittelbranche erreicht &#124; Werkstattnotiz LXXIII</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Mar 2008 08:58:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensmittel]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Risiken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Insgesamt kann die Nanotechnologie mit ihrem Image zufrieden sein. Der Einsatz von Nanomaterialien in der Medizin oder die Entwicklung schmutzabweisender Oberflächen wird weithin akzeptiert und begrüßt.1 Die Anwendungsmöglichkeiten der Nanotechnologie2 gehen aber weit über diese Bereiche hinaus. Auch im Lebensmittelsektor erkennt man zunehmend die Potentiale der vielversprechenden Nanopartikel. Die Gentechnologie gilt gemeinhin als riskant und ... <a title="Risiko Nanofood? » Die Nanotechnologie hat die Lebensmittelbranche erreicht &#124; Werkstattnotiz LXXIII" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/risiko-nanofood-die-nanotechnologie-hat-die-lebensmittelbranche-erreicht-werkstattnotiz-lxxiii/" aria-label="Mehr Informationen über Risiko Nanofood? » Die Nanotechnologie hat die Lebensmittelbranche erreicht &#124; Werkstattnotiz LXXIII">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/risiko-nanofood-die-nanotechnologie-hat-die-lebensmittelbranche-erreicht-werkstattnotiz-lxxiii/">Risiko Nanofood? » Die Nanotechnologie hat die Lebensmittelbranche erreicht | Werkstattnotiz LXXIII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Insgesamt kann die Nanotechnologie mit ihrem Image zufrieden sein. Der Einsatz von Nanomaterialien in der Medizin oder die Entwicklung schmutzabweisender Oberflächen wird weithin akzeptiert und begrüßt.</strong><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/risiko-nanofood-die-nanotechnologie-hat-die-lebensmittelbranche-erreicht-werkstattnotiz-lxxiii/#footnote_0_216" id="identifier_0_216" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Erst im Dezember hatte das Bundesinstitut f&uuml;r Risikobewertung (BfR) die Ergebnisse einer Befragung pr&auml;sentiert, wonach 2/3 aller Bundesb&uuml;rger der Nanotechnologie positiv gegen&uuml;berstehen.">1</a> <strong>Die Anwendungsmöglichkeiten der Nanotechnologie</strong><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/risiko-nanofood-die-nanotechnologie-hat-die-lebensmittelbranche-erreicht-werkstattnotiz-lxxiii/#footnote_1_216" id="identifier_1_216" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Nanotechnologie befa&szlig;t sich mit Strukturen und molekularen Materialien, die kleiner als 100nm sind. 1 Nanometer ist 1 millionstel Millimeter, oder: 0,000 001 mm.">2</a> <strong>gehen aber weit über diese Bereiche hinaus. Auch im Lebensmittelsektor erkennt man zunehmend die Potentiale der vielversprechenden Nanopartikel.</strong> </p>
<h4 class="pullquote_left"> Die Gentechnologie gilt gemeinhin als riskant und &quot;Genfood&quot; will fast niemand auf dem Teller. Über die Risiken von Nanofood wissen wir aber deutlich weniger&#8230; <br /></h4>
<p>Genau hier, wenn es um Nahrungsmittel und Essen geht, sind die Verbraucher allerdings skeptisch. Und dies vollkommen zu Recht. Denn ähnlich wie beim umstrittenen Thema &quot;Genfood&quot; sind noch viele Fragen hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen unbeantwortet. </p>
<p>Und man muß zusätzlich feststellen, daß das Wissen um die Risikopotentiale gentechnologisch veränderter Lebensmittel deutlich umfangreicher ist, als die Risikoabschätzungen, die bislang im Zusammenhang mit &quot;Nanofood&quot; vorliegen. </p>
<p><strong>Nanofood ist keine Zukunftsmusik</strong></p>
<p>Die guten Akzeptanzwerte können u.U. auch damit zusammenhängen, daß oftmals noch gar nicht bekannt ist, daß synthetische Nanopartikel inzwischen auch in Lebensmitteln zu finden sind. Seit einigen Tagen liegt nun ein informativer Bericht von BUND und &quot;Friends of Earth&quot; vor. Dort wird u.a. aufgeschlüsselt in welchen Haushaltsartikeln und Nahrungsmitteln heute bereits Nanomaterialien zum Einsatz kommen. Das reicht von Nano-Silberpartikeln, die antibakteriell wirken sollen bis zu Nano-Siliziumdioxid (=Kieselsäure),<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/risiko-nanofood-die-nanotechnologie-hat-die-lebensmittelbranche-erreicht-werkstattnotiz-lxxiii/#footnote_2_216" id="identifier_2_216" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Welches als Lebensmittelzusatz E551 zugelassen ist.">3</a> das dafür sorgen soll, daß Pulver rieselfähig bleibt und nicht zusammenklumpt. Genauso soll es die Fließeigenschaften von Ketchup verbessern. </p>
<p>Ich selbst muß gestehen, daß es mir nicht bewußt war, daß so viele Produkte bereits mit Nanozusatzstoffen &quot;aufgepeppt&quot; sind. Allerhand Nahrungsergänzungsmittel werben sogar mit dem positiv konnotierten &quot;Nano&quot; und preisen die höhere &quot;<a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bioverf%C3%BCgbarkeit&amp;oldid=36881132" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Bioverfügbarkeit</a>&quot; dieser Stoffe an. Bei anderen &#8211; vornehmlich Verpackungen, Plastiktüten etc. &#8211; stehen die positiven Eigenschaften hinsichtlich der antimikrobiellen Wirkung im Vordergrund. </p>
<h4 class="pullquote"> Immer mehr Lebensmittel sind durch Nanopartikel &quot;aufgepeppt&quot;. Eine Überprüfung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit fand bislang aber kaum statt. <br /></h4>
<p>Klar ist bislang nur, daß etwa die Toxizität von bestimmten Stoffen, wenn sie eine bestimmte Partikelgröße unterschreiten, noch kaum untersucht ist. Das war und ist bislang schlicht nicht vorgesehen &#8211; in den einschlägigen Gesetzestexten für Lebensmittelzusatzstoffe ist von Partikelgrößen nirgendwo zu lesen. Man weiß allerdings, daß die Teilchen aufgrund ihrer geringen Größe über Lunge, Magen-Darm-Trakt oder Haut vom Körper aufgenommen werden können. </p>
<p><strong>Offene Fragen und dringender Forschungsbedarf</strong></p>
<p>Manche Tier- und Laborstudien<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/risiko-nanofood-die-nanotechnologie-hat-die-lebensmittelbranche-erreicht-werkstattnotiz-lxxiii/#footnote_3_216" id="identifier_3_216" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="U.a. hatte die Toxikologin Bellina Veronesi mehrmals nachgewiesen, da&szlig; Titandioxidpartikel (zumindest im Reaganzglas) M&auml;use- oder Rattenhirnzellen sch&auml;digen k&ouml;nnen. vgl. Thomas C. Long, Bellina Veronesi et. al.: Nanosize Titanium Dioxide Stimulates Reactive Oxygen Species in Brain Microglia and Damages Neurons in Vitro, Environmental Health Perspectives Volume 115, Number 11, November 2007">4</a> lassen zumindest daran zweifeln, ob etwa Titandioxid oder Silber<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/risiko-nanofood-die-nanotechnologie-hat-die-lebensmittelbranche-erreicht-werkstattnotiz-lxxiii/#footnote_4_216" id="identifier_4_216" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Beides dient als antimikrobieller Zusatz in Verpackungen oder findet &ndash; wie Titandioxid &ndash; etwa in Sonnencremes Anwendung.">5</a> in Nanogröße tatsächlich vollkommen unbedenklich sind. Die Forschung in diesem Bereich steht noch am Anfang &#8211; das Umweltbundesamt, die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und das Bundesinstitut für Risikobewertung haben im Dezember eine sog. &quot;Forschungsstrategie&quot; zu den Gesundheits- und Umweltrisiken von Nanomaterialien publiziert. Dort heißt es etwa auf S. 7 unmißverständlich:</p>
<blockquote><p>&quot;Da die Exposition von Mensch und Umwelt, die toxikologischen und ökotoxikologischen Eigenschaften und Risiken noch nicht beurteilt werden können, wird allgemein die Notwendigkeit gesehen, weitere Untersuchungen durchzuführen und durch Forschungs- und Bewertungsaktivitäten die Wissenslücken zu schließen.&quot;</p></blockquote>
<p>Bis die ersten verläßlichen Ergebnisse und Risikoabschätzungen vorliegen, werden sicher noch 2-3 Jahre vergehen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/risiko-nanofood-die-nanotechnologie-hat-die-lebensmittelbranche-erreicht-werkstattnotiz-lxxiii/#footnote_5_216" id="identifier_5_216" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wenn man einige Euro mehr zur Abkl&auml;rung eventueller Risiken ausgeben w&uuml;rde, k&ouml;nnte man f&uuml;r manche Zusatzstoffe m&ouml;glicherweise auch schon fr&uuml;her &quot;Entwarnung&quot; geben. Aber gegen die rund 800 Millionen Euro, mit denen die Nanotechnologie in Europa j&auml;hrlich gef&ouml;rdert wird, sind die Ausgaben zur Beforschung der Gesundheitsrisiken marginal.">6</a> Bis dahin gibt es sicher keinen Grund zur Beunruhigung, aber auf Lebensmittel oder auch Kosmetika mit dem fragwürdigen &quot;nano&quot;-Zusatznutzen kann man vorerst getrost verzichten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><em>Dokumente [es ist jeweils ein PDF-Dokument verlinkt]:</em></p>
<ul>
<li>Friends of the Earth und BUND (2008): &quot;<a href="http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/nanotechnologie/20080311_nanotechnologie_lebensmittel_studie.pdf">Aus dem Labor auf den Teller: Die Nutzung der Nanotechnologie im Lebensmittelsektor</a>&quot; </li>
<li>UBA, BfR, BAuA (2007): &quot;<a href="http://www.baua.de/nn_47716/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/Nanotechnologie/pdf/Forschungsstrategie.pdf">Forschungsstrategie Nanotechnologie: Gesundheits- und Umweltrisiken von Nanomaterialien</a>&quot; </li>
<li>Öko-Institut (2007): <a href="http://www.oeko.de/oekodoc/472/2007-077-de.pdf%20">Chancen der Nanotechnologie nutzen! Risiken rechtzeitig erkennen und vermeiden!</a></li>
<li><a href="http://www.oeko.de/oekodoc/472/2007-077-de.pdf%20"></a>BMBF (2006): <a href="http://www.bmbf.de/pot/download.php/M%3A0+Nanotechnologie/~DOM;/pub/nanotechnologie_inno_fuer_die_welt_v_morgen.pdf">Nanotechnologie &#8211; Innovationen für die Welt von morgen</a>, 3. Auflage.</li>
</ul>
<p><em>Link: </em></p>
<ul>
<li>Boeing, Nils: <a href="http://www.heise.de/tr/Lecker-nano--/blog/artikel/104906" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lecker nano?</a>, Technology Review Blog, 12.3.2008</li>
</ul>
<p><em><strong>Literaturempfehlungen:</strong></em></p>
<ul>
<li>Paschen, Herbet &amp; Coenen, Christopher (2008): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3540210687?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3540210687">Nanotechnologie in Forschung, Entwicklung, Anwendung. Stand und Perspektiven</a>. Springer, Berlin.</li>
<li>Shelley, Toby (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3866017200?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3866017200">Nanotechnologie. Neue Möglichkeiten &#8211; Neue Gefahren</a>. Parthas-Verlag.</li>
<li>Gazsó, André / Greßler, Sabine / Schiemer, Fritz (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3211486445?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3211486445">nano. Chancen und Risiken aktueller Technologien</a>. Springer, Wien. </li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_216" class="footnote">Erst im Dezember hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Ergebnisse einer Befragung präsentiert, wonach 2/3 aller Bundesbürger der Nanotechnologie positiv gegenüberstehen.</li><li id="footnote_1_216" class="footnote">Die Nanotechnologie befaßt sich mit Strukturen und molekularen Materialien, die kleiner als 100nm sind. 1 Nanometer ist 1 millionstel Millimeter, oder: 0,000 001 mm.</li><li id="footnote_2_216" class="footnote">Welches als Lebensmittelzusatz E551 zugelassen ist.</li><li id="footnote_3_216" class="footnote">U.a. hatte die Toxikologin Bellina Veronesi mehrmals nachgewiesen, daß Titandioxidpartikel (zumindest im Reaganzglas) Mäuse- oder Rattenhirnzellen schädigen können. vgl. Thomas C. Long, Bellina Veronesi et. al.: <a target="_blank" href="http://www.ehponline.org/members/2007/10216/10216.html" rel="noopener noreferrer">Nanosize Titanium Dioxide Stimulates Reactive Oxygen Species in Brain Microglia and Damages Neurons in Vitro</a>, Environmental Health Perspectives Volume 115, Number 11, November 2007</li><li id="footnote_4_216" class="footnote">Beides dient als antimikrobieller Zusatz in Verpackungen oder findet &#8211; wie Titandioxid &#8211; etwa in Sonnencremes Anwendung.</li><li id="footnote_5_216" class="footnote">Wenn man einige Euro mehr zur Abklärung eventueller Risiken ausgeben würde, könnte man für manche Zusatzstoffe möglicherweise auch schon früher &quot;Entwarnung&quot; geben. Aber gegen die rund 800 Millionen Euro, mit denen die Nanotechnologie in Europa jährlich gefördert wird, sind die Ausgaben zur Beforschung der Gesundheitsrisiken marginal.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/03/risiko-nanofood-die-nanotechnologie-hat-die-lebensmittelbranche-erreicht-werkstattnotiz-lxxiii/">Risiko Nanofood? » Die Nanotechnologie hat die Lebensmittelbranche erreicht | Werkstattnotiz LXXIII</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Riskante Vitamine ::: Unbeliebte Atheisten &#124; Werkstatt-Ticker 12</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/riskante-vitamine-unbeliebte-atheisten-werkstatt-ticker-12/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Apr 2008 06:41:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>» Vitaminpräparate erhöhen Sterblichkeit Nahrungsergänzungsmittel, Vitaminpräparate und Co. sind immer noch populär und sorgen in Apotheken und Drogerien für satte Umsätze. Das Problem: die Datengrundlage für die Annahme, daß bspw. die antioxidativen Vitamine tatsächlich nutzen, ist mehr als dürftig. Im Gegenteil &#8211; die Studien mehren sich, die zeigen, daß die Einnahme von Vitamin A, E, ... <a title="Riskante Vitamine ::: Unbeliebte Atheisten &#124; Werkstatt-Ticker 12" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/riskante-vitamine-unbeliebte-atheisten-werkstatt-ticker-12/" aria-label="Mehr Informationen über Riskante Vitamine ::: Unbeliebte Atheisten &#124; Werkstatt-Ticker 12">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/riskante-vitamine-unbeliebte-atheisten-werkstatt-ticker-12/">Riskante Vitamine ::: Unbeliebte Atheisten | Werkstatt-Ticker 12</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h4><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/category/werkstatt-ticker/"><img decoding="async" class="alignright size-full wp-image-234" style="border: 1px solid #DCDCDC; margin: 6px; float: right;"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/uploads/2008/04/ticker_02a.jpg" alt="Ticker.jpg" width="180" height="121" /></a><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong> <span style="font-size: large;">Vitaminpräparate erhöhen St</span><span style="font-size: large;">erblichkeit</span></span></h4>
<p>Nahrungsergänzungsmittel, Vitaminpräparate und Co. sind immer noch populär und sorgen in Apotheken und Drogerien für satte Umsätze. Das Problem: die Datengrundlage für die Annahme, daß bspw. die antioxidativen Vitamine tatsächlich nutzen, ist mehr als dürftig. Im Gegenteil &#8211; die Studien mehren sich, die zeigen, daß die Einnahme von Vitamin A, E, C oder Selen auch schaden kann.</p>
<p>Gerade diese Vitamine werden immer noch mit dem Argument beworben, daß sie die bei vielen Stoffwechselraktionen entstehenden &#8222;freien Radikalen&#8220; unschädlich machen könnten. Was im Labor teilweise tatsächlich gezeigt werden kann, ist aber in Wahrheit deutlich komplexer. Denn neben gesundheitsfördernden, haben diese Vitamine auch schädliche Effekte.</p>
<p>Eine neue Meta-Studie einer Forschergruppe um Goran Bjelakovic ergab eindeutig, daß kein Nutzen dieser Substanzen nachweisbar ist. In bestimmten Fällen erhöhen Vitamin A, Beta-Carotin oder Vitamin E sogar die Sterblichkeit.</p>
<blockquote><p>&#8222;We found no evidence to support antioxidant supplements for primary or secondary prevention. Vitamin A, beta-carotene, and vitamin E may increase mortality.&#8220;</p></blockquote>
<p>Man sollte diese Präparate<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/riskante-vitamine-unbeliebte-atheisten-werkstatt-ticker-12/#footnote_0_255" id="identifier_0_255" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Es sei denn, es gibt eine handfeste Indikation daf&uuml;r. Bei Mangelerscheinungen ist die Einnahme bestimmter Nahrungserg&auml;nzungsmittel durchaus angezeigt. Dies sollte aber ein Arzt feststellen.">1</a> tunlichst im Regal stehen lassen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/riskante-vitamine-unbeliebte-atheisten-werkstatt-ticker-12/#footnote_1_255" id="identifier_1_255" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Interessant ist bei alldem freilich auch, wie solche Pr&auml;parate nach wie vor ein positives Image genie&szlig;en k&ouml;nnen, obwohl gegenteiliges Wissen vorliegt. Auch so ein Fall von gekonnter Agnotologie.">2</a>  Die Wissenschaftler hatten übrigens 67 randomisierte Studien mit über 232.000 Teilnehmern ausgewertet.</p>
<ul>
<li>Bjelakovic G, Nikolova D, Gluud LL, Simonetti RG, Gluud C.: <a href="http://www.mrw.interscience.wiley.com/cochrane/clsysrev/articles/CD007176/frame.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Antioxidant supplements for prevention of mortality in healthy participants and patients with various diseases.</a> <em>Cochrane Database of Systematic Reviews</em> 2008, Issue 2. Art. No.: CD007176. DOI: 10.1002/14651858.CD007176.</li>
</ul>
<h4><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong> <span style="font-size: large;">Schlechte Zeiten für Atheisten</span></span></h4>
<p>Wer in die USA reist, tut gut daran, seine religiöse Einstellung zu zeigen. Was man in den letzten Tagen bei der Visite von Papst Benedikt in den USA beobachten kann, bestätigt sich in einer <a href="http://www.gallup.com/poll/106516/Americans-NetPositive-View-US-Catholics.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">aktuellen Gallup-Umfrage.</a><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/riskante-vitamine-unbeliebte-atheisten-werkstatt-ticker-12/#footnote_2_255" id="identifier_2_255" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Es wurden in der letzten M&auml;rzwoche 1005 Personen telefonisch befragt.">3</a> Religiöse Personen stehen hoch im Kurs bzw. dürfen auf wohlwollende Reaktionen rechnen.</p>
<p>Angehörige christlicher Religionsgemeinschaften werden durchweg positiv eingeschätzt, genauso US-Bürger jüdischen Glaubens. Muslime &#8211; das zeigen die Werte &#8211; haben mit erkennbaren Vorbehalten und Ablehnung zu kämpfen. Auf noch weniger Gegenliebe stoßen nur Angehörige von Scientology<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/riskante-vitamine-unbeliebte-atheisten-werkstatt-ticker-12/#footnote_3_255" id="identifier_3_255" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Gibt es einen positiven oder negativen Tom-Cruise-Effekt? ;-) ">4</a> und: Atheisten. Kein Wunder, daß man als solcher durchaus mal Probleme an der Kinokasse hat. ;-(</p>
<p>Hier die Tabellenwerte [via <a href="http://scienceblogs.com/framing-science/2008/04/american_views_of_religious_gr.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Framing Science</a>]:</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.gallup.com/poll/106516/Americans-NetPositive-View-US-Catholics.aspx"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-257"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/uploads/2008/04/beliebtheit-von-religionsgruppen.gif" alt="beliebtheit-von-religionsgruppen" width="500" height="366" /></a></p>
<div class="invisible">
<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
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<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_255" class="footnote">Es sei denn, es gibt eine handfeste Indikation dafür. Bei Mangelerscheinungen ist die Einnahme bestimmter Nahrungsergänzungsmittel durchaus angezeigt. Dies sollte aber ein Arzt feststellen.</li><li id="footnote_1_255" class="footnote">Interessant ist bei alldem freilich auch, wie solche Präparate nach wie vor ein positives Image genießen können, obwohl gegenteiliges Wissen vorliegt. Auch so ein Fall von gekonnter Agnotologie.</li><li id="footnote_2_255" class="footnote">Es wurden in der letzten Märzwoche 1005 Personen telefonisch befragt.</li><li id="footnote_3_255" class="footnote">Gibt es einen positiven oder negativen Tom-Cruise-Effekt? ;-) </li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/riskante-vitamine-unbeliebte-atheisten-werkstatt-ticker-12/">Riskante Vitamine ::: Unbeliebte Atheisten | Werkstatt-Ticker 12</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc Scheloske]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Feb 2012 16:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Radioaktivität]]></category>
		<category><![CDATA[Risiko]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Schwangerschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie & Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jede Schwangerschaft bringt Veränderungen mit sich. Plötzlich werden viele Selbstverständlichkeiten wieder zu Lebensfragen, die neu durchdacht, erörtert und entschieden werden müssen. Das hat mit der neuen, nun auf das heranwachsende Baby im eigenen Bauch erweiterten Verantwortung zu tun. Und mit Risikoabwägungen, die &#8211; wie so oft &#8211; ziemlich kompliziert sind. Mit der Schwangerschaft stellen sich ... <a title="Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/" aria-label="Mehr Informationen über Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/">Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_2195" aria-describedby="caption-attachment-2195" style="width: 200px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" class="size-full wp-image-2195"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2012/02/Schwangere_Frau_210.jpg" alt="Schwangere Frau" width="210" height="360" /><figcaption id="caption-attachment-2195" class="wp-caption-text">Ausnahmesituation Schwangerschaft: Auch was Risikoabwägungen betrifft</figcaption></figure>
<p><strong>Jede Schwangerschaft bringt Veränderungen mit sich. Plötzlich werden viele Selbstverständlichkeiten wieder zu Lebensfragen, die neu durchdacht, erörtert und entschieden werden müssen. Das hat mit der neuen, nun auf das heranwachsende Baby im eigenen Bauch erweiterten Verantwortung zu tun. Und mit Risikoabwägungen, die &#8211; wie so oft &#8211; ziemlich kompliziert sind. Mit der Schwangerschaft stellen sich einfach furchtbar viele Fragen: Welche Hebamme ist die beste? Was darf ich essen? Wieviel Stress darf ich mir zumuten? Und darf ich in ein Flugzeug steigen? Handelt eine schwangere Frau vielleicht sogar unverantwortlich, wenn sie mit dickem Babybauch einen Langstreckenflug unternimmt?</strong></p>
<p>Im Hintergrund dieser Überlegungen steht die Höhenstrahlung, die jeder Flugpassagier abbekommt, egal ob schwanger oder nicht. Die Frage ist nur, ob diese Tatsache überhaupt relevant für schwangere Frauen ist. Sollte eine werdende Mutter die gebuchte Flugreise stornieren? Viele Schwangere tun das jedenfalls, weil sie irgendwo von der Strahlengefahr gehört haben und kein Risiko eingehen wollen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_0_2190" id="identifier_0_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Vollst&auml;ndigkeit halber: Es gibt durchaus Gr&uuml;nde w&auml;hrend der Schwangerschaft auf eine (anstrengende) Flugreise zu verzichten. Etwa in den letzten 3-4 Wochen vor dem Geburtstermin, um ggf. eine vorzeitige und ungeplante Geburt zu verhindern. Und schwangere Frauen sollten f&uuml;r den Flug explizit Thromboseprophylaxe betreiben. Aber damit hat es sich auch fast&hellip;">1</a></p>
<p>Schließlich ist es ja vollkommen nachvollziehbar: Wer aus Rücksicht auf sein Baby mit dem Rauchen aufhört, Alkohol meidet und sich während der Schwangerschaft ganz bewußt gesund ernährt, der wird auch weiteren gesundheitlichen Risikofaktoren aus dem Weg gehen. Und wenn so ein Langstreckenflug durch die potentiell schädigende Strahlung eben ein Risiko darstellt, dann ist es ja nur logisch auch auf Flugreisen während der Schwagerschaft zu verzichten.</p>
<p>Wäre es dann vielleicht sogar sinnvoll, den Fluggesellschaften die Beförderung von Schwangeren zu verbieten? Oder sollten wenigstens große Warnhinweise auf jedes Flugticket gedruckt werden: Vorsicht, mit jedem Flug gefährden sie ungeborenes Leben! ;-)</p>
<p>Doch ganz so einfach ist die Sache nicht, denn schließlich könnte es doch auch ganz anders sein: Vielleicht ist es ja sogar riskanter, wenn man brav auf dem Boden bleibt?</p>
<p class="zwischenueberschrift_mit_linie">Zusätzliche Strahlenexposition bei Flugreisen</p>
<p><span class="pullquote">Wie gefährlich ist Fliegen? Sollte man Schwangeren evtl. Flugreisen verbieten?</span></p>
<p>Um diese Frage zu beantworten, ist es ganz hilfreich, wenn man sich einmal vor Augen führt, welcher Art von Strahlung wir denn überhaupt ausgesetzt sind und was wir uns bei einer Flugreise so zumuten.</p>
<p>Die Strahlendosis, die wir im Flugzeug abkriegen, hängt von einigen Faktoren ab und variiert deshalb innerhalb einer gewissen Bandbreite. Entscheidend sind natürlich die Flugdauer, dazu aber auch Flughöhe, die Flugroute und die Sonnenaktivität.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_1_2190" id="identifier_1_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Strahlenexposition nimmt bspw. zu, je weiter man vom &Auml;quator entfernt ist. &Uuml;ber Skandinavien ist sie etwa 3x so hoch, wie direkt &uuml;ber dem &Auml;quator. Dazu variiert die Strahlenexposition eben mit den Sonnenzyklen, die innerhalb eines elfj&auml;hrigen Intervalls schwanken.">2</a> Dennoch lassen sich in etwa Werte für typische Flugrouten angeben.</p>
<p>Die Strahlenexposition wird üblicherweise in der Einheit μSv/Zeiteinheit (Mikrosievert pro Zeiteinheit) angegeben. Und beim Flug von Frankfurt nach Rom kommen da ca. 3-6 μSv zusammen. Der Flug von Frankfurt nach Rio de Janeiro schlägt mit 17-28 μSv zu Buche.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_2_2190" id="identifier_2_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Angaben jeweils nach den Infos des Bfs &ndash; Bundesamt f&uuml;r Strahlenschutz. Website mit weiteren, sehr guten Informationen: www.bfs.de">3</a></p>
<p>Was haben wir aber nun davon, wenn wir wissen, daß wir auf dem Weg nach Rom maximal 5-6 Mikrosievert an kosmischer Strahlung abbekommen haben? Ist das viel und vielleicht kritisch für einen Embryo im Mutterleib?</p>
<p><span class="zwischenueberschrift_mit_linie">Strahlendosis pro Jahr: Kosmische und terrestrische Quellen</span></p>
<p>Um die Sache einschätzen zu können, muß man die Strahlenexposition während des Flugs natürlich in Beziehung setzen mit der durchschnittlichen Belastung durch andere Quellen. Denn grundsätzlich ist es schlicht so, daß wir ja ständig äußerer Strahlung ausgesetzt sind. Da gibt es eben einerseits die kosmische Strahlung, die uns auch auf dem Boden trifft (aber eben deutlich weniger als in 10-12 Kilometern Flughöhe).</p>
<figure id="attachment_2197" aria-describedby="caption-attachment-2197" style="width: 170px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-2197"  src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/mediathek/2012/02/Blick_aus_dem_Flugzeug180.jpg" alt="Blick aus dem Flugzeug" width="180" height="246" /><figcaption id="caption-attachment-2197" class="wp-caption-text">Welche Strahlendosis trifft auf einen Flugzeugpassagier?</figcaption></figure>
<p>Pro Jahr kommen da ca. 300 μSv zusammen (und auch hier gilt, daß die Dosis Richtung Äquator geringer ist, als weiter zu den Polen hin). Andererseits gibt es die terrestrische Strahlung, deren Quelle natürlich vorkommendes radioaktives Gestein (Uran, Thorium) und v.a. das radioaktive Edelgas Radon ist (zusammen macht das etwa 1500 μSv/a). Schließlich gibt es noch die quasi zivilisatorischen Belastungen (radioaktiver Fallout infolge von Atombombentests oder AKW-Unfällen) oder medizinische Quellen (Röntgenstrahlen).</p>
<p>Die jährliche Strahlendosis addiert sich (auch hier eben Schwankungen aufgrund des Wohnortes etc.) in Deutschland auf etwa 2000-5000 μSv. Das ist also das, was wir immer abkriegen!<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_3_2190" id="identifier_3_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In Europa gibt es &uuml;brigens Regionen, in denen man pro Jahr etwa 10.000 &mu;Sv abbekommt und im Iran gibt es wohl eine Region, wo die j&auml;hrliche Belastung mit ionisierender Strahlung bei 200.000 liegt. Das ist nat&uuml;rlich heftig. Quelle: Wikipedia &ndash; Strahlenbelastung">4</a></p>
<p>Und jetzt wieder zurück zu unserer Ausgangsfrage: Wie riskant ist eine Flugreise während der Schwangerschaft? Handelt eine schwangere Frau unverantwortlich, wenn sie sich in ein Flugzeug setzt?</p>
<p>Wenn man die Werte betrachtet, so läßt sich eigentlich nur schlußfolgern, daß die kosmische Strahlung sicher kein Grund für einen Verzicht auf eine Flugreise sein kann.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_4_2190" id="identifier_4_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dieser Ansicht sind &uuml;brigens auch alle seri&ouml;sen Wissenschaftler und auch das Bundesamt f&uuml;r Strahlenschutz schreibt ausdr&uuml;cklich, &bdquo;&hellip; die Strahlenbelastung durch H&ouml;henstrahlung ist gering und gesundheitlich nicht relevant.&ldquo;">5</a> Denn die Menge an Strahlung, die ich auf dem Flug von Frankfurt nach Rom abkriege, trifft mich auch innerhalb von 24 Stunden, wenn ich (wohnhaft etwa in der relativ stark belasteten Oberpfalz) zuhause bleibe. Die Belastung während des doch etwas längeren Fluges nach Rio den Janeiro entspricht derjenigen, die man während fünf Tagen in der Heimat abkriegt.</p>
<p><span class="zwischenueberschrift_mit_linie">Plädoyer für mehr Flugreisen in der Schwangerschaft</span></p>
<p>Strenggenommen könnte man sogar für Flugreisen in der Schwangerschaft plädieren. Zumindest alle schwangere Frauen, die sich Sorgen wegen des Strahlenrisikos während des Flugs machen, sollten sich mal informieren, wie hoch die ständige Strahlendosis an ihrem Wohnort ist. Wenn der Wert überdurchschnittlich ist (Stichwort: natürliche Uranvorkommen in der Nähe bzw. Radonausdünstungen), dann sollte mindestens der Umzug nach Nordfriesland in Betracht gezogen werden. Dort treffen einen eigentlich fast überall nur unterdurchschnittliche 0,5 μSv/h. Oder man setzt sich in ein Flugzeug und fliegt nach Rom oder sonstwohin. Wenn das Flugziel richtig gewählt ist, dann kompensiert man innerhalb weniger Tage die Strahlendosis während des Fluges und auf die ganze Schwangerschaft gerechnet, minimiert man das strahlenbedingte Risiko auf alle Fälle.</p>
<p><span class="pullquote">Wir brauchen mehr Gelassenheit in der Risikoabwägung. Und wir müssen einsehen, daß es ohne Risiken nicht geht. Egal, wie wir entscheiden.</span></p>
<p>Soll das nun ein ernstgemeintes Plädoyer für Flugreisen während der Schwangerschaft sein? Natürlich nicht!</p>
<p>Aber ein Aufruf zu mehr Gelassenheit bzw. ein Plädoyer für genauers Hinsehen und Abwägen. Und die Erinnerung daran, daß wir uns nicht verrückt machen sollten, nur weil wir gehört haben, daß in diesem oder jenem Lebensmittel besonders viel XY enthalten ist. Vielleicht stimmt das ja gar nicht, wie glaubwürdig ist die Quelle unserer Information? Und wenn es doch stimmt? Ist es schlimm, wenn wir XY zu uns nehmen? Und wie lauten die Alternativen? Wissen wir wirklich, welche (negativen) Konsequenzen unser Ausweichverhalten mit sich bringt?</p>
<p>Das ist ist natürlich das Grunddilemma jeder Risikosituation. Dabei gibt es zwei Aspekte: Erstens verfügen wir eigentlich immer über unvollständige Informationen (und aus diesem Nicht-Wissen kommen wir nicht raus). Und zweitens müssen wir diese Information (so unvollständig sie auch sind) einordnen und gegenüber Alternativen abwägen.</p>
<p class="zwischenueberschrift_mit_linie">Das unlösbare Problem der Eigenerfahrungslosigkeit</p>
<p>Die oben skizzierte Risikoabwägung zeigt dabei noch ganz deutlich ein weiteres typisches Begleitphänomen solcher Situationen: Wir können selbst das potentiell gefährliche Moment nicht (sinnlich) wahrnehmen. Radioaktivität und/oder Strahlung ist und bleibt für uns unsichtbar. Deshalb beunruhigt es uns ja auch, wenn wir lesen, daß während des Flugs die Strahlendosis hoch ist. Daß wir &#8211; während wir im Sessel sitzend lesen &#8211; gleichzeitig auch von ionisierender Strahlung umgeben und betroffen sind (und keine Ahnung haben, wie hoch die ihrerseits ist), ist uns wohl häufig gar nicht bewußt.</p>
<p>Der Soziologe Ulrich Beck hat in diesem Zusammenhang vor gut 25 Jahren zutreffend folgendes geschrieben und den Begriff &#8222;Eigenerfahrungslosigkeit&#8220; geprägt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Das Unsichtbare, mehr noch: das, was sich der Wahrnehmung prinzipiell entzieht, das nur theoretisch Verknüpfte, (&#8230;) wird im zivilisatorischen Krisenbewußtsein unproblematischer Bestand des persönlichen Denkens, Wahrnehmens, Erlebens. (&#8230;) Man steigt nicht mehr nur von Eigenerfahrungen zu Allgemeinurteilen auf, sondern eigenerfahrungsloses Allgemeinwissen wird zum bestimmenden Zentrum der Eigenerfahrung.&#8220;<br />
(Ulrich Beck: <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3518113658/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518113658">Risikogesellschaft</a>, S. 96)</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p class="zwischenueberschrift_mit_linie">Riskantes Dasein: Kein Leben ohne Risiko</p>
<p>So ist das. Wir leben ein riskantes Leben. Ob wir wollen oder nicht. Und wenn wir es genau betrachten, so wird es stets nur noch riskanter. Mit jeder neuen Technologie, jeder neuen Option und Information, die wir haben. Jede zusätzliche Information ist wie ein luhmann&#8217;scher Regenschirm:</p>
<blockquote><p>„Wenn es Regenschirme gibt, kann man nicht mehr risikofrei leben: Die Gefahr, dass man durch Regen nass wird, wird zum Risiko, das man eingeht, wenn man den Regenschirm nicht mitnimmt. Aber wenn man ihn mitnimmt, läuft man das Risiko, ihn irgendwo liegenzulassen.“<br />
(Niklas Luhmann: Die Moral des Risikos und das Risiko der Moral)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/#footnote_5_2190" id="identifier_5_2190" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Niklas Luhmann: Die Moral des Risikos und das Risiko der Moral, in: Gotthard Bechmann (Hrsg): Risiko und Gesellschaft. 1993.">6</a></p></blockquote>
<p>Der Erfinder des Regenschirms ist schuld daran, daß wir mit dem Risiko nass zu werden (bzw. dem Schirmverlust) umgehen und leben müssen. Und ich meine das nicht als Spaß.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div class="werkstattlinks">
<p>Lesetipps zur Thematik:</p>
<ul>
<li>Ulrich Beck (1986): <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3518113658/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518113658">Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne</a>. Suhrkamp.</li>
<li>Ulrich Beck (2007): <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3518460382/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518460382">Weltrisikogesellschaft: Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit.</a> Suhrkamp.</li>
<li>Niklas Luhmann (1991): <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3110178044/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3110178044">Soziologie des Risikos.</a> Gruyter.</li>
<li>Ortwin Renn (Hg.) (2007): <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3865810675/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3865810675">Risiko: Über den gesellschaftlichen Umgang mit Unsicherheit</a>. oekom-Verlag.</li>
</ul>
<p>Gute Informationen zu allen Strahlenrisiken (auch diejenigen bei/durch Flugreisen) findet man beim Bundesamt für Strahlenschutz: <a  href="http://www.bfs.de">www. bfs.de</a></p>
</div>
<p>&nbsp;</p>
<p><small>* Bilder // Schwangere Frau: stock.xchng (User: simmbarb) //Blick aus Flugzeugfenster: stock.xchng (User: aprilbell)<br />
</small></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_2190" class="footnote">Der Vollständigkeit halber: Es gibt durchaus Gründe während der Schwangerschaft auf eine (anstrengende) Flugreise zu verzichten. Etwa in den letzten 3-4 Wochen vor dem Geburtstermin, um ggf. eine vorzeitige und ungeplante Geburt zu verhindern. Und schwangere Frauen sollten für den Flug explizit Thromboseprophylaxe betreiben. Aber damit hat es sich auch fast&#8230;</li><li id="footnote_1_2190" class="footnote">Die Strahlenexposition nimmt bspw. zu, je weiter man vom Äquator entfernt ist. Über Skandinavien ist sie etwa 3x so hoch, wie direkt über dem Äquator. Dazu variiert die Strahlenexposition eben mit den Sonnenzyklen, die innerhalb eines elfjährigen Intervalls schwanken.</li><li id="footnote_2_2190" class="footnote">Angaben jeweils nach den Infos des Bfs &#8211; Bundesamt für Strahlenschutz. Website mit weiteren, sehr guten Informationen: www.bfs.de</li><li id="footnote_3_2190" class="footnote">In Europa gibt es übrigens Regionen, in denen man pro Jahr etwa 10.000 μSv abbekommt und im Iran gibt es wohl eine Region, wo die jährliche Belastung mit ionisierender Strahlung bei 200.000 liegt. Das ist natürlich heftig. Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Strahlenbelastung">Wikipedia &#8211; Strahlenbelastung</a></li><li id="footnote_4_2190" class="footnote">Dieser Ansicht sind übrigens auch alle seriösen Wissenschaftler und auch das Bundesamt für Strahlenschutz schreibt ausdrücklich, &#8222;&#8230; die Strahlenbelastung durch Höhenstrahlung ist gering und gesundheitlich nicht relevant.&#8220;</li><li id="footnote_5_2190" class="footnote">vgl. Niklas Luhmann: Die Moral des Risikos und das Risiko der Moral, in: Gotthard Bechmann (Hrsg): Risiko und Gesellschaft. 1993.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2012/02/das-risiko-von-flugreisen-in-der-schwangerschaft/">Das Risiko von Flugreisen in der Schwangerschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge » Dopingarrangements im Spitzensport I</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 May 2007 01:31:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Doping hat System. Wer sich in diesen Tagen beim Lesen der Berichte über die Dopingbeichten geläuterter Ex-Radprofis darüber wundert, daß einige der alljährlich gefeierten Radhelden offenbar zu unterstützenden Mitteln gegriffen haben, hat leider immer noch nichts verstanden. Die manipulative, leistungssteigernde Medikamenteneinnahme ist wesentlicher Bestandteil aller (Ausdauer-)Sportarten. Es muß klar sein: wenn sich die Nation über ... <a title="Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge » Dopingarrangements im Spitzensport I" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/" aria-label="Mehr Informationen über Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge » Dopingarrangements im Spitzensport I">Weiterlesen</a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Doping hat System. Wer sich in diesen Tagen beim Lesen der Berichte über die Dopingbeichten geläuterter Ex-Radprofis darüber wundert, daß einige der alljährlich gefeierten Radhelden offenbar zu unterstützenden Mitteln gegriffen haben, hat leider immer noch nichts verstanden. Die manipulative, leistungssteigernde Medikamenteneinnahme ist wesentlicher Bestandteil aller (Ausdauer-)Sportarten. Es muß klar sein: wenn sich die Nation über den positiven Medaillenspiegel bei Olympischen Spielen freut, dann ist die Erfolgsbilanz immer auch der effizienten Arbeit der medizinischen Abteilungen zu danken. Der Spitzensport hat sich längst mit Doping arrangiert.<br /></strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" width="325" height="161" align="right" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/05/Dopingarrangements_01b.jpg" alt="Dopingarrangements_01b.jpg" style="border: 1px solid rgb(75, 75, 75); margin: 5px; padding: 1px;" />Wenn das Rennen beendet ist, besteigen die besten Athleten das Siegerpodest, baden im Beifall der Zuschauer und sonnen sich, was für die massenmediale Aufmerksamkeit und den Marktwert entscheidender ist, im Blitzlichtgewitter der Photographen. In der nachfolgenden Pressekonferenz wird dann nicht selten auf das Team verwiesen, ohne dessen hervorragende Arbeit die jeweilige Leistung nicht möglich gewesen wäre. Dabei ist unbestritten: derjenige, der hier Auskunft gibt (egal ob er auf den Namen <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johann_M%C3%BChlegg&amp;oldid=32105106" rel="noopener noreferrer">Johann Mühlegg</a> oder <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Ullrich" rel="noopener noreferrer">Jan Ullrich</a> hört) hat an diesem Tag des sportlichen Wettstreits seinem Körper Höchstleistungen abgetrotzt. Und ebenso steht außer Frage, daß all die Athleten, die es bis in die Spitzengruppe ihrer Disziplin geschafft haben, nicht nur mit einem seltenen Talent gesegnet sind, sondern auch jahrelang mit eiserner Disziplin an der Perfektionierung ihrer physischen Leistungsfähigkeit gearbeitet haben. Erfolg im Spitzensport fällt einem nicht in den Schoß. Erfolg ist eine Riesenquälerei.</p>
<p>Und wenn die strahlenden Helden dann ihrem Team danken, dann ist das in den seltensten Fällen eine bloße Floskel. Der Dank und die Ehrerbietung an das Team ist keine Formulierung, die allein deswegen hervorgebracht wird, um sich selbst sogar in der Stunde des Triumphes möglichst sympathisch und bescheiden zu geben. Es ist zu offensichtlich, daß kein Sportler ohne die Anleitung und Tipps seiner Trainer und Betreuer, kein Athlet ohne die notwendige Arbeit der Masseure, Physiotherapeuten und Techniker bis an die Spitze gekommen wäre. Der Teil des Teams, der zumeist großzügig unerwähnt bleibt<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/#footnote_0_34" id="identifier_0_34" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Es sei denn, es lag im Vorfeld eine konventionelle Erkrankung vor, f&uuml;r deren schnelle Bew&auml;ltigung den &Auml;rzten Dank ausgesprochen werden mu&szlig;. Wenn den Radprofi wenige Tage vor Beginn des Rennens noch eine Infektion zur Bettruhe zwang, so werden die Wundertaten der medizinischen Begleitmannschaft selbstverst&auml;ndlich lobend erw&auml;hnt. Gleiches gilt bspw. f&uuml;r die schnelle Rehabilitation nach B&auml;nder- oder Kreuzbandrissen.">1</a>, ist allerdings der Ärztestab. Kein Wunder, denn deren Aufgabe besteht (abgesehen von den offiziell-sichtbaren kleinen Betreuungsdienstleistungen<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/#footnote_1_34" id="identifier_1_34" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Darunter fallen just all die &auml;rztlichen Verrichtungen, die innerhalb des institutionalisierten Sportsystems opportun, weil nicht sanktioniert sind: das reicht vom Auflegen des Eisbeutels bis zur Verabreichung einer Elektrolytinfusion.">2</a>) vor allen Dingen in einer Arbeit, die hinter den Kulissen abläuft. Diese Arbeit ist fokussiert auf die Frage, mit welchen erlaubten und auch unerlaubten Mitteln den eigenen Athleten das Abrufen der maximalen Leistungsfähigkeit zum Zeitpunkt X möglich gemacht werden kann.</p>
<p><strong>Omnipräsente Verführbarkeiten&nbsp;</strong></p>
<p>Man sollte sich darüber keine Illusionen machen: auch die medizinischen Betreuerteams stehen innerhalb eines Wettbewerbs. Wenn nicht alle denkbaren Möglichkeiten ausgeschöpft werden und deshalb die erwarteten Erfolge ausbleiben, so steht die Zusammenarbeit für die nächste Saison in Frage. Und die Arbeit für eine Sportmannschaft, die Betreuung leistungsbereiter Athleten ist nicht nur deshalb attraktiv, weil man den muffigen Krankenhausfluren für eine gewisse Zeit entfliehen kann. Neben <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ottmar_Hitzfeld" rel="noopener noreferrer">Ottmar Hitzfeld</a> auf der Trainerbank einer Fußballmannschaft zu sitzen oder den Trubel des Ereignisses &quot;Tour de France&quot; hautnah mitzuerleben, ist auch für einen Arzt nicht ohne Reiz. Der Prestigegewinn der einem in der eigenen Zunft der Sportmediziner dadurch zufällt, ist hier nur ein Faktor unter vielen. </p>
<p>Es fällt also bei näherer Betrachtung des Phänomens Spitzensport auf, daß man es hier auf verschiedenen Ebenen mit Aspekten der Verführbarkeit zu tun hat. Denn wenn man die wesentlichen Akteursgruppen nacheinander in den Blick nimmt, so zeigt sich, daß sich die Sphäre des Sports für Sportler, Trainer, Ärzte und Journalisten jeweils in anderer Ausprägung darstellt, aber jeweils symbiotische Prozesse der gegenseitigen Abhängigkeit mitwirken. Hier ist nicht der Platz, um auch die ambivalente Stellung der Medien im Geflecht des massenmedial inszenierten Spitzensports zu beleuchten. Das soll ggf. später nachgeholt werden. Ebenso kann hier nur angedeutet werden, daß das Trainer- und Betreuerteam zwar häufig eine tragende Rolle spielt, wenn es darum geht, manipulative Praktiken zu nutzen, allerdings auch jeder Trainer sich in einer oftmals ähnlich dilemmatischen Situation befindet, die oben für die medizinschen Teams skizziert wurde: auch jeder Trainer weiß, daß sein Vertrag unter einem Erfolgsvorbehalt steht.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/#footnote_2_34" id="identifier_2_34" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wenn ich oben die vier Gruppen Sportler &ndash; Trainer &ndash; &Auml;rzte &ndash; Journalisten genannt habe, so ist eine f&uuml;nfte Gruppe (vielleicht sogar die entscheidende?), n&auml;mlich die Funktion&auml;rsclique des internationalen Spitzensports, nicht erw&auml;hnt. Dies liegt einzig daran, da&szlig; ich hier kaum eine prek&auml;re Ausgangssituation erkennen mag, die es den Beiteiligten individuell unm&ouml;glich macht, aus dem &quot;Systemzwang Doping&quot; auszusteigen. Hier liegt m.E. weniger (in Grenzen) entschuldbare Verf&uuml;hrbarkeit, sondern Korrumpierbarkeit und Machtgier vor. Das Dopingarrangement wird hinsichtlich vieler Aspekte erst durch die Unf&auml;higkeit und/oder Verstrickung der Funktion&auml;rskaste m&ouml;glich gemacht.">3</a> </p>
<p><strong>Kein Täter nirgends?</strong></p>
<p>Der Hinweis auf die Kontexte, in denen sich die Beteiligten des Dopingprozesses im Spitzensport befinden, soll allerdings nicht den Eindruck erwecken, es gäbe auf allen Seiten nur unschuldige Opfer. Ein Freibrief, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung läßt sich für keinen Sportler, keinen Trainer und keinen beteiligten Arzt ausstellen. Wer aber sind die Akteure, die für die Dopingpraktiken verantwortlich sind, die nach der <a target="_blank" href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2007/05/24/doping-gestehe-wer-kann/" rel="noopener noreferrer">jüngsten Welle</a> der Enthüllungen nicht nur auf den Sportseiten diskutiert werden?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/#footnote_3_34" id="identifier_3_34" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In diesem Fall kommt man ja schon beim Bloggen ins Schwitzen: nachdem ich am Mittwochvormittag diese Artikelserie begonnen habe, &uuml;berschlagen sich die Ereignisse: Rolf Aldag k&uuml;ndigt ein Gest&auml;ndnis an, Erik Zabel f&auml;ngt zu weinen an, Rolf B&ouml;lts wirft sich sofort ins B&uuml;&szlig;ergewand und gibt den Epo-Mi&szlig;brauch zu, die bislang als naive Handlanger agierenden Team-Telekom-&Auml;rzte Heinrich und Schmid gestehen ebenfalls ihre Verstrickung. Warum haben es nun auf einmal alle so eilig? Nur weil Bert Dietz und Christian Henn so vorgeprescht sind? Mu&szlig; Reinhold Beckmann n&auml;chste Woche gleich wieder eine Kollektivbeichte abnehmen? Hoffentlich funktioniert dann der Ton! Und Jan Ullrich h&uuml;llt sich vorerst weiter ins Schweigen.">4</a> Wie schizophren müssen die beteiligten Sportler sein, wenn sie so offensichtlich Raubbau an ihren Körpern treiben, gleichzeitig aber für gesunde Fitneßriegel in Werbespots lächeln? Mit welchen Mechanismen gewährleistet das &quot;System Spitzensport&quot;, daß die hintergründigen Manipulationen trotz allem äußerst selten thematisiert und publik werden? Welche Sicherheitsvorkehrungen sind vorhanden, um das Nichtwissen bezüglich des eigentlichen Ausmaßes der betrügerischen Machenschaften zu stabilisieren? Und in welcher Tradition stehen Ärzte und Betreuer, die aktiv an illegalen und potentiell gesundheitsschädlichen Praktiken mitwirken? </p>
<p>All diesen Fragen, die im Kern um die vielfältigen Arrangements kreisen, die der Spitzensport im Umgang mit Doping gefunden hat, werde ich in drei weiteren Artikeln nachgehen. Bevor ich im dritten Beitrag sowohl auf die wenig ruhmreiche Vergangenheit, als auch die aktuellen Verstrickungen des sportmedizinischen Teams der Uniklinik Freiburg zu sprechen komme, will ich zunächst das &quot;System Spitzensport&quot;, das als Synonym für das &quot;System Doping&quot; anzusehen ist, aus verschiedenen soziologischen Perspektiven skizzieren. Abschließend soll der Radsport, der Prototyp einer von Dopingarrangements kontaminierten Sportart, näher beleuchtet und im Hinblick auf seine historischen Kontexte rekonstruiert werden.<br />&nbsp;</p>
<p>In den nächsten Tagen werden die weiteren Beiträge nach und nach eingestellt und von hier aus verlinkt: </p>
<ol>
<li><em>Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge » Dopingarrangements im Spitzensport I</em></li>
<li><em><a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/24/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/" rel="noopener noreferrer">Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne</a> » Dopingarrangements im Spitzensport II</em></li>
<li><em><a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/31/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ärzte im Schafspelz. Die Freiburger Sportmedizin</a> » Dopingarrangements im Spitzensport III</em></li>
<li><em>Kontaminierte Tourhelden und andere strahlende Sieger » Dopingarrangements im Spitzensport IV</em> </li>
</ol>
<p></p>
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<hr width="60%" size="1" />
<p><strong>Link- und Literaturtipps:</strong></p>
<ul>
<li>Meutgens, Ralf (2007): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3768852458?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3768852458" rel="noopener noreferrer">Doping im Radsport</a>. Delius Klasing, April 2007.</li>
<li>Bette, K.-H., Schimank, U. (2006): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3899425375?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3899425375" rel="noopener noreferrer">Die Dopingfalle</a>. Soziologische Betrachtungen. Transcript Verlag.</li>
<li>Bette, K.-H., Schimank, U. (2006): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3518119575?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518119575" rel="noopener noreferrer">Doping im Hochleistungssport</a>. Anpassung durch Abweichung. Suhrkamp: Frankfurt</li>
<li>Haug, Tanja (2006): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3939519278?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3939519278" rel="noopener noreferrer">Doping</a>. Dilemma des Leistungssports. </li>
<li>Beune, Andreas (2005): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3936973172?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3936973172" rel="noopener noreferrer">Did Not Finish: Der Radsport und seine Opfer</a>. 20 Himmelsstürmer im Porträt</li>
<li>FTD (2007): <a href="http://www.ftd.de/sport/radsport/news/:Schmid%20Heinrich%20Haben%20Doping/203839.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Schmid und Heinrich: Haben Doping unterstützt</a>, 23.5.2007</li>
<li>Leyendecker, Hans (2007): <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/530/115415/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Eine gewisse Chemie</a>. Das kurze Gedächtnis von Medien und Publikum beim Thema Doping im internationalen Radsport, 23.5.2007</li>
<li>Süddeutsche Zeitung (2007): <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/561/115446/" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Freiburger Ärzte gestehen Doping</a>, 23.5.2007</li>
<li>Burkert, Andreas (2007): <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/370/115255/" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Freiburg suspendiert Ärzte</a>, SZ, 22.5.2007</li>
<li>Hess, Jutta (2002): <a  target="_blank" href="http://www.zeit.de/archiv/2002/11/200211_sport_franke.xml" rel="noopener noreferrer">Sichtung und Wahrheit</a>. Seit über 30 Jahren führen Brigitte Berendonk und Werner Franke den Kampf gegen das Doping. DIE ZEIT, 11/2002 </li>
</ul>
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<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_34" class="footnote">Es sei denn, es lag im Vorfeld eine konventionelle Erkrankung vor, für deren schnelle Bewältigung den Ärzten Dank ausgesprochen werden muß. Wenn den Radprofi wenige Tage vor Beginn des Rennens noch eine Infektion zur Bettruhe zwang, so werden die Wundertaten der medizinischen Begleitmannschaft selbstverständlich lobend erwähnt. Gleiches gilt bspw. für die schnelle Rehabilitation nach Bänder- oder Kreuzbandrissen.</li><li id="footnote_1_34" class="footnote">Darunter fallen just all die ärztlichen Verrichtungen, die innerhalb des institutionalisierten Sportsystems opportun, weil nicht sanktioniert sind: das reicht vom Auflegen des Eisbeutels bis zur Verabreichung einer Elektrolytinfusion.</li><li id="footnote_2_34" class="footnote">Wenn ich oben die vier Gruppen Sportler &#8211; Trainer &#8211; Ärzte &#8211; Journalisten genannt habe, so ist eine fünfte Gruppe (vielleicht sogar die entscheidende?), nämlich die Funktionärsclique des internationalen Spitzensports, nicht erwähnt. Dies liegt einzig daran, daß ich hier kaum eine prekäre Ausgangssituation erkennen mag, die es den Beiteiligten individuell unmöglich macht, aus dem &quot;Systemzwang Doping&quot; auszusteigen. Hier liegt m.E. weniger (in Grenzen) entschuldbare Verführbarkeit, sondern Korrumpierbarkeit und Machtgier vor. Das Dopingarrangement wird hinsichtlich vieler Aspekte erst durch die Unfähigkeit und/oder Verstrickung der Funktionärskaste möglich gemacht.</li><li id="footnote_3_34" class="footnote">In diesem Fall kommt man ja schon beim Bloggen ins Schwitzen: nachdem ich am Mittwochvormittag diese Artikelserie begonnen habe, <a target="_blank" href="http://www.ringfahndung.de/archives/reine_medienkritik/epo-ego-doping_und_der_herdentrieb.html" rel="noopener noreferrer">überschlagen</a> sich die Ereignisse: Rolf Aldag <a target="_blank" href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2007/05/24/screensport-am-donnerstag-57/" rel="noopener noreferrer">kündigt</a> ein Geständnis an, <a target="_blank" href="http://kaffeesatz.blog.de/2007/05/24/erik_zabel_gesteht_doping~2325114" rel="noopener noreferrer">Erik</a> <a target="_blank" href="http://milch.junkies.ws/2007/05/24/showdown/" rel="noopener noreferrer">Zabel</a> fängt zu weinen an, Rolf Bölts wirft sich sofort ins Büßergewand und gibt den Epo-Mißbrauch zu, die bislang als naive Handlanger agierenden <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/561/115446/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Team-Telekom-Ärzte</a> Heinrich und Schmid gestehen ebenfalls ihre <a target="_blank" href="http://chatatkins.blogger.de/stories/800003/" rel="noopener noreferrer">Verstrickung</a>. Warum haben es nun auf einmal alle so eilig? Nur weil <a href="http://www.zeit.de/news/artikel/2007/05/23/103705.xml" target="_blank"  rel="noopener noreferrer">Bert Dietz</a> und <a target="_blank" href="http://www.austroblog.at/2007/05/23/auch-ex-telekom-fahrer-christian-henn-gesteht-epo-doping/" rel="noopener noreferrer">Christian Henn</a> so <a target="_blank" href="http://aus-in-der-vorrunde.de/?p=578" rel="noopener noreferrer">vorgeprescht</a> sind? Muß <a href="http://don.antville.org/stories/1635957/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Reinhold Beckmann</a> nächste Woche gleich wieder eine <a target="_blank" href="http://www.schockwellenreiter.de/2007/05/24.html#absolutDmlicheZensurBeiBeckmann" rel="noopener noreferrer">Kollektivbeichte</a> <a target="_blank" href="http://www.rad-spannerei.de/blog/2007/05/24/die-grose-beichte-im-radsport/" rel="noopener noreferrer">abnehmen</a>? <a href="http://www.sichelputzer.de/2007/05/23/beckmann-mit-kleinem-skandal-auf-sendung/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hoffentlich</a> <a href="http://www.medienrauschen.de/archiv/2007/05/22/schoener-stunt-blogger-helfen-beckmann/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">funktioniert</a> <a href="http://www.popkulturjunkie.de/wp/?p=3074" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dann</a> der <a href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2007/05/22/die-ard-tonstorung-namens-godefroot/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ton</a>! Und Jan Ullrich <a target="_blank" href="http://www.jurablogs.com/action/?action=gorss&amp;jbid=76811" rel="noopener noreferrer">hüllt sich</a> vorerst weiter ins Schweigen.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/">Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge » Dopingarrangements im Spitzensport I</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die unterschätzten Nebenfolgen der Computertomographie » CT-Aufnahmen als Krebsrisiko</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Dec 2007 08:00:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Risiko]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftssoziologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schöne neue Welt der Medizintechnik &#8211; was noch Ende der 80er Jahre nur an wenigen Kliniken möglich war, gehört heute längst zum Standardrepertoire der medizinischen Diagnostik: die Computertomographie. Und die immer brillanteren Bilder werden von Ärzten immer häufiger eingesetzt. Vergessen wird dabei, daß auch jede CT-Aufnahme mit einer unvermeidlichen Strahlenbelastung einhergeht. Und diese wird offenbar ... <a title="Die unterschätzten Nebenfolgen der Computertomographie » CT-Aufnahmen als Krebsrisiko" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/" aria-label="Mehr Informationen über Die unterschätzten Nebenfolgen der Computertomographie » CT-Aufnahmen als Krebsrisiko">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/">Die unterschätzten Nebenfolgen der Computertomographie » CT-Aufnahmen als Krebsrisiko</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schöne neue Welt der Medizintechnik &#8211; was noch Ende der 80er Jahre nur an wenigen Kliniken möglich war, gehört heute längst zum Standardrepertoire der medizinischen Diagnostik: die Computertomographie. Und die immer brillanteren Bilder werden von Ärzten immer häufiger eingesetzt. Vergessen wird dabei, daß auch jede CT-Aufnahme mit einer unvermeidlichen Strahlenbelastung einhergeht. Und diese wird offenbar systematisch unterschätzt.</strong></p>
<p>Daß Röntgenstrahlung gefährlich ist, weiß heute jedes Kind. Und die Arglosigkeit im Umgang mit klassischen Röntgenaufnahmen ist inzwischen auch einer gesunden Skepsis gewichen: die Strahlenexposition, die jede Röntgenuntersuchung mit sich bringt, ist Ärzten und Patienten als Gesundheitsrisiko längst bekannt.</p>
<h4 class="pullquote_left">Die Computertomographie liegt im Trend: sie liefert schnell und schmerzfrei detaillierte Bilder. Aber die Strahlenbelastung liegt zum Teil um das 100-1000-fache höher als bei einer konventionellen Röntgenaufnahme.</h4>
<p>Die Entwicklung der bildgebenden Verfahren ist inzwischen freilich rasant fortgeschritten und die Vorzeigekinder der diagnostischen Radiologie hören heute auf die Namen <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Magnetresonanztomographie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Magnetresonanztomographie</a> (MRT) und <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Computertomografie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Computertomographie</a> (CT). Allerdings ist die CT, also die so unverdächtig und sehr fortschrittlich klingende Computertomographie, nichts anderes als eine Fortentwicklung der guten alten Röntgenaufnahme. Denn aus vielen verschiedenen Röntgenbildern setzt der Rechner schließlich die detailreichen Schnittbilder und dreidimensionalen Ansichten zusammen, die Einblicke in das Körperinnere erlauben. Diese Vorteile in der Diagnostik werden freilich mit einem zentralen Nachteil erkauft: die Strahlenbelastung durch eine einzelne CT-Aufnahme ist in vielen Fällen etwa um das 100-1000-fache höher, als das der verpönten Röntgenaufnahme.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_0_146" id="identifier_0_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dieser Faktor variiert in Abh&auml;ngigkeit von den jeweiligen Aufnahmebereichen. Je nach eingesetztem Ger&auml;t sind hier bspw. bei CT-Brustraumaufnahmen bis zu 1.000-fach h&ouml;here Strahlenexpositionen gegeben. Auch eine Sch&auml;del-CT weist eine 100-fach h&ouml;here Effektivdosis auf.">1</a></p>
<p><strong>Erhöhte Strahlenbelastung und Krebsrisiko durch Computertomographie</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" style="margin: 10px;" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/12/CT-Entwicklung2.gif" alt="CT-Entwicklung2.gif" width="240" height="197" align="right" />Nichtsdestotrotz liegt die Computertomographie im Trend. Eine aktuelle US-Studie<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_1_146" id="identifier_1_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Brenner, David J.; Hall, Eric J.: Computed Tomography &mdash; An Increasing Source of Radiation Exposure, in: New England Journal of Medicine, 2007; 357: 2277-2284.">2</a> weist nun erneut auf die damit verbundenen Risiken hin. Allein in den USA wurden im Jahr 2006 ca. 62 Millionen CT-Aufnahmen gemacht, Tendenz steigend. (vgl. Abbildung rechts)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_2_146" id="identifier_2_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Figure 2. &bdquo;Estimated Number of CT Scans Performed Annually in the United States.&ldquo; &ndash; Brenner/Hall, s. Studienlink.">3</a></p>
<p>Kein Wunder, eine Computertomographie ist schmerzfrei und liefert schnelle Ergebnisse. Und das ist gleichermaßen im Sinne von Ärzten und Patienten. Allerdings wird dabei systematisch übersehen, daß mit dem inflationären CT-Einsatz auch die Strahlenbelastung der Bevölkerung und somit auch das Krebsrisiko deutlich ansteigen.</p>
<p>Nach der Einschätzung von David Brenner und Eric Hall vom Center for Radiological Research an der New Yorker Columbia Universität sind bereits heute 1,5-2,0% aller Krebsfälle auf die Strahlenexposition durch CT-Scans zurückzuführen. Denn während eine normale Röntgenaufnahme mit ca. 0,03 bis 0,5 Millisievert zu Buche schlägt, liegt die effektive Dosis der ionisierenden Strahlung bspw. bei einer CT-Aufnahme des Schädels im Bereich von 2-4 Millisievert.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_3_146" id="identifier_3_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dieser Wert kann auch noch &uuml;bertroffen werden. Bei einer CT-Aufnahme des Brustraums fallen z.T. bis zu 10 mSv an.">4</a> Zum Vergleich: die durchschnittliche Strahlenbelastung eines Bundesbürgers liegt bei 2,1 Millisievert, allerdings pro Jahr.</p>
<h4 class="pullquote_left">Auch bei CT-Scans werden Patienten ionisierender Strahlung ausgesetzt. 1,5-2,0% aller künftigen Krebsfälle müssen darauf zurückgeführt werden.</h4>
<p>Diese Zahlen sind nun zwar kein Grund, die Computertomographie zu verteufeln, denn sie ist zweifellos ein wunderbares Diagnose-Instrument und in vielen Bereichen kaum zu ersetzen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_4_146" id="identifier_4_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich selbst habe mich erst letztes Jahr in eine solche R&ouml;hre schieben lassen. Und auch meine WG-Mitbewohnerin, die als Juristin in einem Unternehmen arbeitet, das genau die Software f&uuml;r CTs liefert, wird best&auml;tigen, da&szlig; ich die richtig verstandenen M&ouml;glichkeiten solcher Diagnoseger&auml;te durchaus sch&auml;tze.">5</a> Jedoch ist es ganz offensichtlich dringend geboten, deutlich stärker auf die Risiken des CT-Booms hinzuweisen. Es wäre mehr als wünschenswert, wenn an die Stelle der momentanen Leichtfertigkeit im Umgang mit den Möglichkeiten der Computertomographie eine stärkere Orientierung an einem Kosten-Nutzen-Kalkül treten würde. Das Bewußtsein, daß der Nutzen jedes einzelnen CT-Scans mit konkreten Risiken einhergeht, ist aber kaum verbreitet.</p>
<p><strong>Alarmierende Unkenntnis der Ärzte &#8211; Fortbildungen dringend notwendig</strong></p>
<p>Und vielleicht sollte man auch darüber nachdenken, jedem CT-Gerät einen Beipackzettel beizufügen: &#8222;<em>Zu Risiken oder Nebenwirkungen fragen sie Ihren Arzt&#8230;</em>&#8220; Aber halt, es sind ja eben Ärzte, die ihre Patienten reihenweise zu CT-Untersuchungen schicken. Und es spricht &#8211; wie jüngste Studien illustrieren &#8211; einiges dafür, daß die Naivität und pure Unkenntnis eines großen Teils der Ärzteschaft mitverantwortlich für die stetig wachsende Popularität der CT-Diagnose ist. Denn wie in anderen Feldern auch, muß man leider auch hier für viele Mediziner feststellen: &#8222;Denn sie wissen nicht, was sie tun.&#8220;</p>
<h4 class="pullquote">Die erhebliche CT-Strahlenbelastung ist den meisten Ärzten nicht bewußt. 2/3 der befragten Uniklinikärzte unterschätzten die Belastung.</h4>
<p>Erst im Frühjahr hatte Christoph Heyer (Institut für Diagnostische Radiologie, Ruhr-Universität Bochum) die ernüchternden Ergebnisse einer Ärztebefragung präsentiert.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_5_146" id="identifier_5_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Heyer, C. M.; Peters, S.; Lemburg, S.; Nicolas, V.: Einsch&auml;tzung der Strahlenbelastung radiologischer Thorax-Verfahren: Was ist Nichtradiologen bekannt? In: R&ouml;Fo: Fortschritte auf dem Gebiet der R&ouml;ntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren, 2007, 179(3):261-267.">6</a> Insgesamt 124 Ärzte eines Universitätsklinikums wurden zu verschiedenen radiologischen Verfahren befragt &#8211; dabei schätzten jeweils ca. 2/3 der befragten Mediziner die sog. Effektivdosis (ED) der klassischen Röntgenaufnahme oder eben der jeweiligen CT-Aufnahme falsch ein. Die befragten Ärzte waren selbst keine Radiologen,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_6_146" id="identifier_6_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Sie stammten aus den Fachrichtungen Chirurgie, Innere Medizin, An&auml;sthesie und Neurologie">7</a> aber genau diejenigen, die jeweils die notwendige Indikation feststellen und somit an zentraler Stelle über den Einsatz von CTs mitentscheiden. Mehr als erschreckend, daß hier quer durch alle Fachrichtungen kaum Sensibilität für die vorhandenen Strahlenrisiken vorhanden ist &#8211; 72,3% der Uniklinikärzte unterschätzte die Effektivdosis der CT im Vergleich zur konventionellen Röntgenaufnahme.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_7_146" id="identifier_7_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Soll einen die Information tr&ouml;sten oder erz&uuml;rnen, da&szlig; weder die Berufserfahrung noch die Fachrichtung oder die Position der Befragten einen wesentlichen Einfluss auf die Testergebnisse zeigten? Vgl. Heyer, C. M.; Peters, S.; Lemburg, S.; Nicolas, V.: Einsch&auml;tzung der Strahlenbelastung radiologischer Thorax-Verfahren: Was ist Nichtradiologen bekannt? In: R&ouml;Fo: Fortschritte auf dem Gebiet der R&ouml;ntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren, 2007, 179(3): 261-267.">8</a></p>
<p>Und diese Befunde decken sich weitgehend mit den Studienergebnissen aus den USA. Dort sind sogar 53% der Radiologen der Überzeugung, daß CT-Scans das Risiko an Krebs zu erkranken nicht erhöhen. Daß alle epidemiologischen Studien das Gegenteil belegen, scheint diese Röntgenfachärzte nicht zu irritieren.</p>
<blockquote><p>&#8222;Part of the issue is that physicians often view CT studies in the same light as other radiologic procedures, even though radiation doses are typically much higher with CT than with other radiologic procedures. In a recent survey of radiologists and emergency-room physicians, about 75% of the entire group significantly underestimated the radiation dose from a CT scan, and 53% of radiologists and 91% of emergency-room physicians did not believe that CT scans increased the lifetime risk of cancer.&#8220; <em>[Brenner/Hall]</em></p></blockquote>
<p>Wenn man freilich bedenkt, daß seit wenigen Jahren u.a. die Aufnahmen bei Kindern überproportional zunehmen<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_8_146" id="identifier_8_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Hauptgrund f&uuml;r diese Zunahme liegt schlicht darin, da&szlig; es lange Zeit erforderlich war, still in der CT-R&ouml;hre zu verharren. Neuerdings konnte aber die Aufnahmedauer auf unter eine Minute gedr&uuml;ckt werden.">9</a> (diese aber aus verschiedenen Gründen besonders strahlensensibel sind) ist diese Leichtfertigkeit kaum mehr zu verstehen. Und auch bei Schwangeren gehört die CT offenbar immer häufiger zum Mittel der Wahl, wie Elizabeth Lazarus jüngst auf einem Fachkongress in Chicago berichtete.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_9_146" id="identifier_9_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&bdquo;Overall utilization of radiological examinations in pregnant women increased by 121% over ten years with an increase in the patient population of only 7%. The greatest increases were in utilization of CT which also averaged the greatest overall radiation exposure to the fetus.&ldquo; vgl. Lazarus, E. et. al. &bdquo;Utilization of Radiological Examinations in Pregnant Women: A Ten Year Review&ndash;1997-2006.&ldquo;">10</a></p>
<p>David Brenner und Eric Hall kommen in ihrer Studie zum Schluß:</p>
<blockquote><p>&#8222;In light of these considerations, and despite the fact that most diagnostic CT scans are associated with very favorable ratios of benefit to risk, there is a strong case to be made that too many CT studies are being performed in the United States.&#8220; <em>[Brenner/Hall]</em></p></blockquote>
<h4 class="pullquote">Die medizinische Erfahrung lehrt: 1/3 aller diagnostischen Tests ist überflüssig. In den USA könnten folglich 20 Millionen CT-Aufnahmen pro Jahr eingespart werden.</h4>
<p>Daß diese Einschätzung (daß viel zu viele CT-Untersuchungen durchgeführt werden) ebenso für Deutschland zutrifft, steht außer Frage. Und auch für Europa gilt die Faustregel, daß sich rund 1/3 aller Untersuchungen letztlich als unnötig herausstellen. Wäre der Kenntnisstand der Ärzteschaft in diesem Bereich höher,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_10_146" id="identifier_10_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und blieben betriebswirtschaftliche Kalk&uuml;le au&szlig;en vor">11</a> so bliebe jährlich Hunderttausenden oder sogar Millionen Bundesbürgern eine solche zusätzliche Strahlenbelastung erspart. Für die USA kommen Brenner und Hall sogar auf ca. 20 Millionen CT-Aufnahmen, die im Grunde gestrichen werden könnten.</p>
<blockquote><p>&#8222;The third and most effective way to reduce the population dose from CT is simply to decrease the number of CT studies that are prescribed. From an individual standpoint, when a CT scan is justified by medical need, the associated risk is small relative to the diagnostic information obtained. However, if it is true that about one third of all CT scans are not justified by medical need, and it appears to be likely, perhaps 20 million adults and, crucially, more than 1 million children per year in the United States are being irradiated unnecessarily.&#8220; <em>[Brenner/Hall]</em></p></blockquote>
<p>Dringender Handlungsbedarf also &#8211; wann stehen die ersten Radiologie-Fortbildungen an? Und ansonsten kann man nur darauf hoffen, daß die Ultraschalldiagnostik und v.a. die MRT (Magnetresonanztomographie)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/#footnote_11_146" id="identifier_11_146" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Sie wird teilweise auch als Kernspintomographie bezeichnet.">12</a>, die beide ohne ionisierende Strahlung auskommen, weitere Fortschritte machen bzw. günstiger werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr size="1" width="100%" />
<p>Links zu den Studien:</p>
<ul>
<li>Brenner, David J.; Hall, Eric J.: <a href="http://content.nejm.org/cgi/content/full/357/22/2277" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Computed Tomography — An Increasing Source of Radiation Exposure</a>, in: New England Journal of Medicine, 2007; 357: 2277-2284.</li>
<li>Heyer, C. M.; Peters, S.; Lemburg, S.; Nicolas, V.: <a href="http://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/roefo/doi/10.1055/s-2006-927366" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Einschätzung der Strahlenbelastung radiologischer Thorax-Verfahren: Was ist Nichtradiologen bekannt?</a> In: RöFo: Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren, 2007, 179(3): 261-267.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_146" class="footnote">Dieser Faktor variiert in Abhängigkeit von den jeweiligen Aufnahmebereichen. Je nach eingesetztem Gerät sind hier bspw. bei CT-Brustraumaufnahmen bis zu 1.000-fach höhere Strahlenexpositionen gegeben. Auch eine Schädel-CT weist eine 100-fach höhere Effektivdosis auf.</li><li id="footnote_1_146" class="footnote">Brenner, David J.; Hall, Eric J.: Computed Tomography — An Increasing Source of Radiation Exposure, in: New England Journal of Medicine, 2007; 357: 2277-2284.</li><li id="footnote_2_146" class="footnote">vgl. Figure 2. &#8222;Estimated Number of CT Scans Performed Annually in the United States.&#8220; &#8211; Brenner/Hall, s. Studienlink.</li><li id="footnote_3_146" class="footnote">Dieser Wert kann auch noch übertroffen werden. Bei einer CT-Aufnahme des Brustraums fallen z.T. bis zu 10 mSv an.</li><li id="footnote_4_146" class="footnote">Ich selbst habe mich erst letztes Jahr in eine solche Röhre schieben lassen. Und auch meine WG-Mitbewohnerin, die als Juristin in einem Unternehmen arbeitet, das genau die Software für CTs liefert, wird bestätigen, daß ich die richtig verstandenen Möglichkeiten solcher Diagnosegeräte durchaus schätze.</li><li id="footnote_5_146" class="footnote">vgl. Heyer, C. M.; Peters, S.; Lemburg, S.; Nicolas, V.: Einschätzung der Strahlenbelastung radiologischer Thorax-Verfahren: Was ist Nichtradiologen bekannt? In: RöFo: Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren, 2007, 179(3):261-267.</li><li id="footnote_6_146" class="footnote">Sie stammten aus den Fachrichtungen Chirurgie, Innere Medizin, Anästhesie und Neurologie</li><li id="footnote_7_146" class="footnote">Soll einen die Information trösten oder erzürnen, daß weder die Berufserfahrung noch die Fachrichtung oder die Position der Befragten einen wesentlichen Einfluss auf die Testergebnisse zeigten? Vgl. Heyer, C. M.; Peters, S.; Lemburg, S.; Nicolas, V.: Einschätzung der Strahlenbelastung radiologischer Thorax-Verfahren: Was ist Nichtradiologen bekannt? In: RöFo: Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren, 2007, 179(3): 261-267.</li><li id="footnote_8_146" class="footnote">Der Hauptgrund für diese Zunahme liegt schlicht darin, daß es lange Zeit erforderlich war, still in der CT-Röhre zu verharren. Neuerdings konnte aber die Aufnahmedauer auf unter eine Minute gedrückt werden.</li><li id="footnote_9_146" class="footnote">&#8222;Overall utilization of radiological examinations in pregnant women increased by 121% over ten years with an increase in the patient population of only 7%. The greatest increases were in utilization of CT which also averaged the greatest overall radiation exposure to the fetus.&#8220; vgl. Lazarus, E. et. al. &#8222;<a href="http://rsna2007.rsna.org/rsna2007/v2007/conference/event_display.cfm?em_id=5001944" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Utilization of Radiological Examinations in Pregnant Women: A Ten Year Review–1997-2006</a>.&#8220;</li><li id="footnote_10_146" class="footnote">Und blieben betriebswirtschaftliche Kalküle außen vor</li><li id="footnote_11_146" class="footnote">Sie wird teilweise auch als Kernspintomographie bezeichnet.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/">Die unterschätzten Nebenfolgen der Computertomographie » CT-Aufnahmen als Krebsrisiko</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Dec 2007 14:38:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gedankenspiel: Nach welchen Kriterien würden Sie Ihren Wohnort auswählen, wenn Sie innerhalb Deutschlands einen beliebigen Ort als künftiges Familiendomizil bestimmen könnten? &#8211; Möglicherweise würden Sie eher die großen, lebendigen Städte (Hamburg, Berlin, München&#8230;) wählen, wenn Sie Konzert-, Theater- oder Museenliebhaber sind. Oder vielleicht eine Kleinstadt in der Provinz, wo Sozialstruktur und Natur noch intakt sind ... <a title="Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/" aria-label="Mehr Informationen über Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/">Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Gedankenspiel:</strong> Nach welchen Kriterien würden Sie Ihren Wohnort auswählen, wenn Sie innerhalb Deutschlands einen beliebigen Ort als künftiges Familiendomizil bestimmen könnten? &#8211; Möglicherweise würden Sie eher die großen, lebendigen Städte (Hamburg, Berlin, München&#8230;) wählen, wenn Sie Konzert-, Theater- oder Museenliebhaber sind. Oder vielleicht eine Kleinstadt in der Provinz, wo Sozialstruktur und Natur noch intakt sind und es weniger hektisch zugeht? Oder sind Sie Wintersport- und Bergfreund und siedeln sich im Voralpenraum an? Oder präferieren Sie das Wasser und das Meer, dann käme natürlich nur irgendein norddeutsches Plätzchen in die engere Wahl.</em></p>
<p>Aber, Hand aufs Herz: hätten Sie vor der Entscheidung einen Blick auf eine Landkarte geworfen und nachgeprüft, in welcher Entfernung sich das nächste Kernkraftwerk befindet? Nein? Hätten Sie aber tun sollen, zumindest wenn Ihnen die Gesundheit Ihrer Kinder am Herzen liegt&#8230;</p>
<p><strong>Neue Studie zu Leukämiefällen im Umkreis von KKW-Anlagen</strong></p>
<p>Aber der Reihe nach: die Süddeutsche Zeitung <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/wissen/artikel/504/147161/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">berichtet heute</a> von einer aktuellen Studie der Universität Mainz,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_0_153" id="identifier_0_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Studie wurde im Auftrag des Bundesamtes f&uuml;r Strahlenschutz erstellt.">1</a> die für den Zeitraum von 1980 bis 2003 die Zahlen des <a href="http://www.kinderkrebsregister.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kinderkrebsregisters</a> ausgewertet hat. Nun besteht freilich auch nach dieser Studie kein Grund zur Hysterie,<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_1_153" id="identifier_1_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Insofern ist meine einleitende Frage etwas zu pointiert bzw. die Aussage, da&szlig; verantwortliche Eltern nicht in die N&auml;he eines KKWs ziehen d&uuml;rften, etwas zu stark formuliert&hellip;">2</a> denn unmittelbare Kausalitäten können auch aus dieser Untersuchung nicht abgeleitet werden. Jedoch sind die Schlußfolgerungen, die die Mainzer Forscher ziehen, alarmierend und werfen (erneut!) viele Fragen auf &#8211; die SZ schreibt:</p>
<blockquote><p>Kleinkinder, die in der Nähe von Kernkraftwerken leben, erkranken offenbar häufiger an Krebs. Das geht aus einer Studie im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz hervor, die der &#8222;Süddeutschen Zeitung&#8220; vorliegt. Demnach steigt die Zahl krebskranker Kinder, je näher ihr Wohnort an einem der 16 deutschen Reaktorstandorte liegt. Dieser Zusammenhang sei &#8222;statistisch signifikant&#8220;. <em>[<a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/wissen/artikel/504/147161/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SZ</a>]</em></p></blockquote>
<p>Nun müßte ich lügen, wenn ich behaupten wollte, von dieser Information heute früh überrascht gewesen zu sein. Denn Indizien, daß v.a. die Kinder-Leukämierate in der Nähe vieler Kernkraftwerke erhöht ist, gab es schon viele. Und wenn sich am Montag die ersten Politiker oder auch die Chefs der Energieunternehmen zu Wort melden werden und dann beschwichtigend-ahnungslos etwas von einer angeblichen »Überraschung« in die Mikrofone murmeln, dann werde ich umgehend einen weiteren Artikel einstellen und diese Herrschaften als das bezeichnen, was sie sind: als »Heuchler« nämlich.</p>
<h4 class="pullquote_left">Die aktuelle Studie kann nicht überraschen: ähnliche Befunde und viele Indizien liegen seit 20 Jahren vor. Wollte oder konnte man nicht mehr wissen?</h4>
<p><strong>Die Heuchler und Risikoverneiner laufen sich vermutlich schon warm </strong></p>
<p>Denn wer sich nur ein klein wenig mit den potentiellen Risiken der zivilen Nutzung der Kernenergie auseinandersetzt, nur ein klein wenig die lange Geschichte der Stör- und Beinaheunfälle in den Kernkraftanlagen dieser Welt kennt, der wird niemals behaupten können, daß ihn ein solches Untersuchungsergebnis »überrascht«. Denn wie gesagt: die Verdachtsmomente und Einzelstudien, die zu ähnlichen Befunden kamen, liegen schon lange vor.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_2_153" id="identifier_2_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Freilich &ndash; und das ist die Crux an diesem Gesch&auml;ft &ndash; sind die Ergebnisse nur sehr selten eindeutig. Die Fallzahlen sind zu gering, die Streuung zu breit, als da&szlig; man daraus starke Schlu&szlig;folgerungen mit Sicherheit ableiten k&ouml;nnte.">3</a> Und wer zu Protokoll gibt, daß man das alles ja nicht habe wissen »können«, dem werde ich die Frage stellen, ob man es vielleicht gar nicht habe wissen »wollen«. Was ein kleiner aber wichtiger Unterschied wäre.</p>
<p>Die Mainzer Studie ist nach ersten Informationen endlich belastbar genug, daß man nun evtl. auch frühere Fälle neu aufrollen könnte. Freilich betonen die Wissenschaftler auch, daß es nach strahlenbiologischen Erkenntnissen keine Erklärungen für diese Häufung gebe.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_3_153" id="identifier_3_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Um dies nochmals klarzumachen: diese Argumentation grenzt an Naivit&auml;t &ndash; denn nur weil etwas bislang nicht erkl&auml;rbar ist, hei&szlig;t das noch lange nicht, da&szlig; diese Effekte nicht vorhanden sind.">4</a> Im Klartext heißt das freilich: diese dokumentierten Fälle »dürfte« es eigentlich nicht geben. Spannend wird also, wie man mit diesen irritierenden Befunden umgehen wird.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_4_153" id="identifier_4_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zu bef&uuml;rchten ist nat&uuml;rlich, da&szlig; man die Zahlen letztlich doch durch Zuf&auml;lle wegerkl&auml;rt.">5</a> Nach SZ-Angaben steht in der Studie aber auch:</p>
<blockquote><p>&#8222;Unsere Studie hat bestätigt, dass in Deutschland ein Zusammenhang zwischen der Nähe der Wohnung zum nächstgelegenen Kernkraftwerk zum Zeitpunkt der Diagnose und dem Risiko, vor dem fünften Geburtstag an Krebs (bzw. Leukämie) zu erkranken, beobachtet wird.&#8220; <em>[<a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/wissen/artikel/504/147161/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SZ</a>]</em></p></blockquote>
<p>Indizien genau dafür gab und gibt es schon lange. Erinnert sei nur an die langen Auseinandersetzungen um die auffällige Häufung von Leukämiefällen Ende der 80er Jahre im unmittelbaren Umfeld des KKW Krümmel.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_5_153" id="identifier_5_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Da wenige Kilometer entfernt auch noch das Forschungszentrum GKSS der Helmholtz-Gemeinschaft ist, wo ebenfalls mit radioaktiven Materialen gearbeitet wird, kam auch diese Quelle als Ursache in Frage.">6</a> Jahre später endlich setzte die schleswig-holsteinische Landesregierung eine Untersuchungskommission ein &#8211; und nach jahrelangen Gutachterstreits, politischen Einflußnahmen, Hysterievorwürfen und Polemiken gaben 6 von 9 Kommissionsmitgliedern entnervt auf. Die Landesregierung habe &#8211; so die Erklärung der Wissenschaftler &#8211; ihre Recherchen zum Teil massiv behindert. Und am Ende ging die Sache aus wie das Hornberger Schießen: ergebnislos.</p>
<p><strong>Die Kunst der Agnotologie: Mehr Studien, mehr Experten = mehr Unsicherheit</strong></p>
<h4 class="pullquote">Eine der bewährtesten Strategien, um Indizien zu verwischen und zu verschleiern: man gebe neue Gutachten in Auftrag. Und schon werden neue Eventualitäten entdeckt, die im Ergebnis alles nur noch fragwürdiger erscheinen lassen. Und wo es eben neue Fragen gibt, da bleibt am Ende alles offen…</h4>
<p>Ein Konsens konnte nicht hergestellt werden und andere Ursachen für die vielen Leukämietodesfälle in der direkt neben dem AKW liegenden Gemeinde Elbmarsch konnten niemals ausgeschlossen werden. Aber &#8211; so läuft die Sache in der Juristerei und in der Wissenschaft &#8211; wenn auch andere Ursachen in Betracht kommen, wenn auch andere potentielle Täter am Tatort nicht ausgeschlossen werden können, so kommt der Verdächtige wieder auf freien Fuß. Damals in Krümmel wurden die anderen »möglichen« Ursachen für die Todesfälle geradezu multipliziert:</p>
<blockquote><p>&#8222;Waren Viren Schuld an der Leukämie? Schadstoffe in der Elbe? Aerosole aus dem Fluss, die an der Staustufe aufgewirbelt werden? Chemikalien aus heute oder früher ansässigen Unternehmen? Oder Wegebaumaterial, Altlasten auf Kinderspielplätzen? Muttermilch, Kuhmilch, Pflanzenschutzmittel? Selbst einer Mäuseplage im Jahr 1989 wurde nachgegangen und der Frage, ob der Deich mit Schädlingsbekämpfungsmitteln begast wurde – wurde er nicht.&#8220; [<em>Quelle: <a href="http://images.zeit.de/text/2004/49/Geesthacht_49" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die ZEIT</a>, 25.11.2004</em>]</p></blockquote>
<p>Es geht hier nicht darum, die jeweiligen Landesregierungen der absichtlichen Verschleierung  solcher Technologienebenfolgen zu bezichtigen. Aber bevor man eben den Energiekonzernen (die ja auch sehr gute Steuerzahler sind) die Tür vor der Nase zuschlägt und gar eine Stillegung einzelner AKWs aus Risikoerwägungen in Betracht zieht, will man es eben ganz genau wissen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_6_153" id="identifier_6_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hier spielt nat&uuml;rlich auch eine Rolle, da&szlig; man im Ernstfall vor Entsch&auml;digungsklagen zur&uuml;ckschreckt; denn wenn sich irgendwann einmal erweisen lie&szlig;e, da&szlig; die Leuk&auml;mief&auml;lle nicht auf die AKWs, sondern auf andere Ursachen zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden m&uuml;&szlig;ten, st&uuml;nden die Stromkonzerne sofort auf der Matte.">7</a> Und da die kausalen Zusammenhänge eben nur sehr indirekt entschlüsselt werden können, Ursache und Wirkung nur über viele Zwischenschritte in Beziehung stehen, liegen wirkliche »Beweise« letzten Endes fast nie vor.</p>
<p><strong>Nicht-Wissen-Wollen: Wieso gibt es in Deutschland kein zentrales Krebsregister?</strong></p>
<p>Aber daß dem auch zukünftig so bleibt, daß also die potentiell kritischen Studien erst gar nicht so belastbar sind wie notwendig, daran wirkt die bundesdeutsche Politik stillschweigend schon lange mit. Denn auch heute im Jahr 2007 gibt es in Deutschland kein einheitliches Register, in dem alle Krebsfälle oder zumindest einzelne Tumorerkrankungen erfaßt würden. Daß man ansonsten weniger Scheu zeigt, bestimmte Daten zu erheben, ist bekannt &#8211; daran kann es nicht liegen. Bisweilen versteckt man sich hinter der Ausrede, daß eben die epidemiologische Krebsregistrierung in Landesgesetzen geregelt werde. Also ist der Föderalismus dafür verantwortlich, daß zwar im Saarland oder in Hamburg seit Ende der 60er Jahre solche Register geführt werden, in anderen Bundesländern aber bis heute nicht.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_7_153" id="identifier_7_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und wie bezeichnend ist es, da&szlig; es ausgerechnet in diesen einwohnerschw&auml;chsten Staaten diese Register seit 30 Jahren gibt? In Baden-W&uuml;rttemberg aber beginnt man gerade jetzt 2007 mit dem Aufbau solcher Institutionen. Die Zahlen Hamburgs k&ouml;nnte man sich n&auml;mlich (aufgrund der doch geringen Einwohnerzahl) getrost sparen.">8</a></p>
<h4 class="pullquote">Während es in vielen Ländern seit langem zentrale Krebsregister gibt, ist das kein Anliegen der Bundesregierung. Will man eventuell manche Dinge schlicht nicht wissen…?</h4>
<p>In anderen Ländern sind solche Krebsregister schon seit Jahrzehnten etabliert. Während meiner Mitarbeit an einer Studie zur Risikokommunikation für die EU (Projekt STARC)<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/#footnote_8_153" id="identifier_8_153" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Mehr Infos waren u.a. hier zu lesen.">9</a> erfuhr ich beiläufig, daß man etwa in Österreich oder der Tschechei über diesen deutschen Sonderweg nur den Kopf schüttelt. Und selbst das der Mainzer Studie zugrundeliegende Kinderkrebsregister basiert quasi auf einer Privatinitiative. Angesiedelt ist es am Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universität Mainz &#8211; ein Gesetz oder gar eine Meldeverpflichtung gibt es freilich nicht.</p>
<p>Es bleibt der Freiwilligkeit der Kinderärzte und Onkologen überlassen &#8211; wäre ja auch zuviel verlangt, wenn man hier die Kliniken oder die Krankenkassen in die Pflicht nähme, denn am Ende würde man ja möglicherweise aufgrund eines tatsächlich umfassenden, flächendeckenden Registers Zusammenhänge erkennen, von denen man lieber nichts gewußt hätte&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr size="1" width="100%" />
<p><em>Links: </em></p>
<ul>
<li>Bartens, Werner und Bauchmüller, Michael: <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/wissen/artikel/504/147161/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Krebsgefahr in der Nähe von Kernkraftwerken</a>, SZ, 8.12.2007</li>
<li>Christiane Grefe: <a href="http://images.zeit.de/text/2004/49/Geesthacht_49" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Spaltung</a>, Die ZEIT, 25.11.2004</li>
</ul>
<p><em>Liste der Standorte von Atomkraftwerken in der Bundesrepublik:</em></p>
<ul>
<li>Bundesamt für Strahlenschutz: <a href="http://www.bfs.de/de/kerntechnik/ereignisse/standorte/karte_kw.html/printversion" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kernkraftwerke in der BRD</a>, Stand: 20.4.2007</li>
</ul>
<p><em>Artikelserie der Wissenswerkstatt zur Risikokommunikation am Bsp. der Kernenergie:</em></p>
<ul>
<li>Marc Scheloske: <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/19/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vom Störfall zum Kommunikations-GAU » Risikokommunikation in einer sensibilisierten Nebenfolgengesellschaft I</a>, 19.7.2007</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<hr size="1" width="100%" />
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Empfehlenswerte Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Renn, Ortwin (2008): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1844072916?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1844072916">Risk Governance: Coping with Uncertainty in a Complex World</a> (Risk, Society and Policy), Earthscan Publications.</li>
<li>Beck, Ulrich (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518414259?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518414259">Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit</a>. Suhrkamp.</li>
<li>Gill, Bernhard (2003): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3531138383?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3531138383">Streitfall Natur</a>. Weltbilder in Technik- und Umweltkonflikten. VS-Verlag.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_153" class="footnote">Die Studie wurde im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz erstellt.</li><li id="footnote_1_153" class="footnote">Insofern ist meine einleitende Frage etwas zu pointiert bzw. die Aussage, daß verantwortliche Eltern nicht in die Nähe eines KKWs ziehen dürften, etwas zu stark formuliert&#8230;</li><li id="footnote_2_153" class="footnote">Freilich &#8211; und das ist die Crux an diesem Geschäft &#8211; sind die Ergebnisse nur sehr selten eindeutig. Die Fallzahlen sind zu gering, die Streuung zu breit, als daß man daraus starke Schlußfolgerungen mit Sicherheit ableiten könnte.</li><li id="footnote_3_153" class="footnote">Um dies nochmals klarzumachen: diese Argumentation grenzt an Naivität &#8211; denn nur weil etwas bislang nicht erklärbar ist, heißt das noch lange nicht, daß diese Effekte nicht vorhanden sind.</li><li id="footnote_4_153" class="footnote">Zu befürchten ist natürlich, daß man die Zahlen letztlich doch durch Zufälle wegerklärt.</li><li id="footnote_5_153" class="footnote">Da wenige Kilometer entfernt auch noch das Forschungszentrum GKSS der Helmholtz-Gemeinschaft ist, wo ebenfalls mit radioaktiven Materialen gearbeitet wird, kam auch diese Quelle als Ursache in Frage.</li><li id="footnote_6_153" class="footnote">Hier spielt natürlich auch eine Rolle, daß man im Ernstfall vor Entschädigungsklagen zurückschreckt; denn wenn sich irgendwann einmal erweisen ließe, daß die Leukämiefälle nicht auf die AKWs, sondern auf andere Ursachen zurückgeführt werden müßten, stünden die Stromkonzerne sofort auf der Matte.</li><li id="footnote_7_153" class="footnote">Und wie bezeichnend ist es, daß es ausgerechnet in diesen einwohnerschwächsten Staaten diese Register seit 30 Jahren gibt? In Baden-Württemberg aber beginnt man gerade jetzt 2007 mit dem Aufbau solcher Institutionen. Die Zahlen Hamburgs könnte man sich nämlich (aufgrund der doch geringen Einwohnerzahl) getrost sparen.</li><li id="footnote_8_153" class="footnote">Mehr Infos waren u.a. <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/19/vom-stoerfall-zum-kommunikations-gau-risikokommunikation-in-einer-sensibilisierten-nebenfolgengesellschaft-i/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> zu lesen.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/weil-nicht-ist-was-nicht-sein-darf-die-indizien-fuer-erhoehte-leukaemieraten-in-der-naehe-von-kernkraftwerken-haeufen-sich/">Weil nicht ist, was nicht sein darf&#8230; » Die Indizien für erhöhte Leukämieraten in der Nähe von Kernkraftwerken häufen sich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Aufklärung aus Leidenschaft » &#8222;The Out Campaign&#8220; und Richard Dawkins Kampf gegen die kreationistische Ideologie</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/aufklaerung-aus-leidenschaft-the-out-campaign-und-richard-dawkins-kampf-gegen-die-kreationistische-ideologie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Nov 2007 16:01:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Biologie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/06/aufklaerung-aus-leidenschaft-the-out-campaign-und-richard-dawkins-kampf-gegen-die-kreationistische-ideologie/</guid>

					<description><![CDATA[<p>Richard Dawkins ist ein streitbarer Zeitgenosse. Mit seinem Buch &#34;Das egoistische Gen&#34; aus dem Jahr 1976 sorgte er nicht nur innerhalb seines Fachs für großes Aufsehen. Mit weiteren &#8211; auch populärwissenschaftlichen &#8211; Büchern etablierte er sich als einer der renommiertesten und gewiß als bekanntester Evolutionsbiologe unserer Zeit.&#160; Sein Einfluß und die Resonanz auf seine These, ... <a title="Aufklärung aus Leidenschaft » &#8222;The Out Campaign&#8220; und Richard Dawkins Kampf gegen die kreationistische Ideologie" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/aufklaerung-aus-leidenschaft-the-out-campaign-und-richard-dawkins-kampf-gegen-die-kreationistische-ideologie/" aria-label="Mehr Informationen über Aufklärung aus Leidenschaft » &#8222;The Out Campaign&#8220; und Richard Dawkins Kampf gegen die kreationistische Ideologie">Weiterlesen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/aufklaerung-aus-leidenschaft-the-out-campaign-und-richard-dawkins-kampf-gegen-die-kreationistische-ideologie/">Aufklärung aus Leidenschaft » &#8222;The Out Campaign&#8220; und Richard Dawkins Kampf gegen die kreationistische Ideologie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Richard Dawkins ist ein streitbarer Zeitgenosse. Mit seinem Buch &quot;Das egoistische Gen&quot; aus dem Jahr 1976 sorgte er nicht nur innerhalb seines Fachs für großes Aufsehen. Mit weiteren &#8211; auch populärwissenschaftlichen &#8211; Büchern etablierte er sich als einer der renommiertesten und gewiß als bekanntester Evolutionsbiologe unserer Zeit.&nbsp;</strong></p>
<p>Sein Einfluß und die Resonanz auf seine These, daß eben das Gen als Kern und Motor aller evolutionären Prozesse anzusehen ist, kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Seit einigen Jahren bezieht der Oxfordprofessor<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/aufklaerung-aus-leidenschaft-the-out-campaign-und-richard-dawkins-kampf-gegen-die-kreationistische-ideologie/#footnote_0_118" id="identifier_0_118" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dort hat er die Professur f&uuml;r &quot;Social understanding of Science&quot; inne.">1</a> aber immer dezidierter Stellung gegen alle Stimmen, die religiös oder esoterisch motivierte Schöpfungslehren propagieren. Seit vornehmlich in den USA die neokreationistischen Strömungen immer stärker werden, die eben alle naturwissenschaftlich-kausalen Theorien in Frage stellen, ist Dawkins der prominenteste Verfechter des (darwinistischen) Evolutionsmodells.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/aufklaerung-aus-leidenschaft-the-out-campaign-und-richard-dawkins-kampf-gegen-die-kreationistische-ideologie/#footnote_1_118" id="identifier_1_118" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="1859 formulierte Charles Darwin als erster in &quot;The Origin of Species&quot; die Evolutionstheorie, die auf das Prinzip der nat&uuml;rlichen Selektion rekurriert.">2</a></p>
<p>Zur Erinnerung: der immer noch bestehende wissenschaftliche Konsens &#8211; der von allen maßgeblichen Wissenschaftlern geteilt wird &#8211; geht davon aus, daß alle Formen des Lebens das Produkt natürlicher Selektionsprozesse sind. D.h., daß alle biologischen Arten sich sukzessive durch zufällige Mutationen (eben auf genetischer Basis) ausdifferenziert und entwickelt haben. </p>
<p><strong>Kreationistischer Glaubenssatz: Das Leben ist so komplex, daß es nicht durch profanen Zufall entstanden sein kann</strong></p>
<p>Die in den USA evangelikal motivierte (neo-)kreationistische Lehre<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/aufklaerung-aus-leidenschaft-the-out-campaign-und-richard-dawkins-kampf-gegen-die-kreationistische-ideologie/#footnote_2_118" id="identifier_2_118" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="siehe auch den Wikipediabeitrag: hier">3</a> bestreitet diesen Standpunkt und führt demgegenüber die These eines &quot;<em>Intelligent Design</em>&quot; an. Gemeinsam ist den verschiedenen Spielarten der Intelligent-Design-Hypothese die Argumentation, daß der Mensch (wie alles Leben) so komplex sei, daß er unmöglich ein Zufallsprodukt sein könnte, sondern eben das Werk eines (intelligenten) Schöpfers. Daß dieser Schöpfer fast immer als der christliche Schöpfergott gedacht wird, ist kaum verwunderlich. </p>
<h4 class="pullquote">Richard Dawkins kämpft gegen alle Strömungen, die religiöse Erklärungsansätze auch im wissenschaftlichen Bereich salonfähig machen wollen. <br /></h4>
<p>Dawkins propagiert demgegenüber eine streng kausal-wissenschaftliche Erklärung und fordert in all seinen Büchern ein, allen Spekulationen entgegenzutreten, die eine Schöpfungslehre auch in akademischen Kreisen salonfähig zu machen suchen. Zuletzt sorgte Dawkins mit seinem jüngsten Buch &quot;Der Gotteswahn&quot; (orig. &quot;The God Delusion&quot;) für Aufsehen. </p>
<p>Bei Björn Kröger fiel mir nun ein rotes &quot;A&quot; ins Auge, das mich zur jüngsten Kampagne von Dawkins führte. Skeptisches, atheistisches und aufklärerisches Denken, so seine programmtische Motivation, gelte es zu stärken. Mit der &quot;Out Campaign&quot; will Dawkins dazu ermuntern, Stellung zu beziehen und v.a. den eigenen Standpunkt &#8211; so er denn eben aufklärerisch-wissenschaftlich ist &#8211; publik zu machen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/aufklaerung-aus-leidenschaft-the-out-campaign-und-richard-dawkins-kampf-gegen-die-kreationistische-ideologie/#footnote_3_118" id="identifier_3_118" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hier beschreibt er das Anliegen auf seiner Website: Richard Dawkins, The Out Campaign, 30.7.2007.">4</a></p>
<p>Hinter dieser Kampagne steht die Grundüberzeugung, daß es mehr skeptische Atheisten oder Agnostiker gibt, als gemeinhin angenommen wird. Allerdings sind diese deutlich weniger sichtbar, da sie &#8211; so Dawkins &#8211; weniger Missionierungseifer aufweisen. Bei Dawkins, soviel steht fest, ist der Kampfgeist und der missionarische Spaß ungebrochen, wenn es um die Werbung für seine Ideen geht.</p>
<p>Für mich steht das rote &quot;A&quot; für &quot;Aufklärung&quot;:</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="text-align: center;"><a href="http://outcampaign.org/"><img loading="lazy" decoding="async" width="143" height="122" border="0" src="http://outcampaign.org/images/scarlet_A.png" alt="image" /></a></div>
<p>Das Anklicken des roten Symbols führt zur Website von &quot;<a href="http://outcampaign.org/" target="_blank">The Out Campaign</a>&quot;. Dort gibt es noch weitere Informationen. </p>
<p><strong>Lesenswertes Stern-Interview</strong></p>
<p>Vor wenigen Wochen hat der &quot;Stern&quot; ein Interview unter der Überschrift: &quot;<a href="http://www.stern.de/wissenschaft/mensch/:Richard-Dawkins--Gott-Wahrscheinlichkeit/599503.html" target="_blank">Gott existiert mit großer Wahrscheinlichkeit nicht</a>&quot; mit Dawkins geführt, eine der ersten Frage lautet dann auch gleich:</p>
<blockquote>
<p><em><strong>Frage: Wie sicher sind Sie sich denn?</strong></em></p>
<p><em><strong></strong></em>Dawkins: Ich bin Agnostiker. Üblicherweise sind Agnostiker Leute, die eine 50 : 50-Wette über die Existenz Gottes eingehen: Kann sein, dass es ihn gibt, kann auch sein, dass es ihn nicht gibt. Das finde ich zu wenig. Auf der anderen Seite stehen die Atheisten. Atheismus in purer Form heißt: Gott gibt es mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit nicht. Auch diese Position teile ich nicht. Ein Wissenschaftler sollte sich nie hundertprozentig sicher sein. Aber es geht um mehr als 50 : 50. Vermutlich glauben Sie ebenso wenig wie ich an die Existenz von Feen oder von unsichtbaren Wesen in rosa Uniformen. In diesem Sinne sind wir fast alle Agnostiker. Genau darum geht es auch bei der Existenz Gottes.</p>
</blockquote>
<p>Weitere interessante Passagen folgen, u.a. diese Frage:</p>
<blockquote>
<p><strong><em>Frage: Wenn sich für Sie das Leben und seine Wandlungen darwinistisch erklären lassen und sogar die Moral darin Platz findet, fragt man sich, weshalb aus einer darwinistischen Perspektive Religion so hartnäckig überlebt. Sie ist doch nach Ihrer Ansicht gar nicht nötig.</em></strong></p>
<p>Dawkins: Guter Einwand. Religion hilft wahrscheinlich beim Überlebenskampf. Dafür gibt es ein paar medizinische Belege. Religiöse Menschen scheinen weniger stressanfällig zu sein als ungläubige. Aber das reicht mir nicht als Erklärung. Religion an sich hat keinen biologischen Vorteil, aber die Mentalität, die sich als Religiosität darstellt. Der Respekt vor Autorität; die Bereitschaft, Befehlen zu gehorchen; zu glauben, was die Eltern einem sagen all diese Eigenschaften könnten für das Überleben eines Kindes von Vorteil sein. Sie werden im Gehirn eines Kindes auf dem Wege der natürlichen Selektion einprogrammiert.</p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><em>Wichtige Bücher von Richard Dawkins:&nbsp;</em></p>
<ul>
<li>1976: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0192860925?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=0192860925">The Selfish Gene</a>. &#8211; dt.: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3827418399?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3827418399">Das egoistische Gen</a>.</li>
<li>1986: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0393315703?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=0393315703">The Blind Watchmaker</a>. &#8211; dt.: <a href="http://www.amazon.de/dp/3423305584?tag=werkstatt-21&amp;camp=1410&amp;creative=6378&amp;linkCode=as1&amp;creativeASIN=3423305584&amp;adid=1KKV7FQQG4HXDFRJHGN8&amp;">Der blinde Uhrmacher</a>. Ein neues Plädoyer für den Darwinismus.</li>
<li>1996: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0141026170?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=0141026170">Climbing Mount Improbable</a>. &#8211; dt.: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499609320?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499609320">Gipfel des Unwahrscheinlichen.</a> Wunder der Evolution.</li>
<li>2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/055277331X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=055277331X">The God Delusion</a>. &#8211; dt.: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3550086881?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3550086881">Der Gotteswahn.</a> </li>
</ul>
<p><em>und auf Julias Empfehlung hin:</em></p>
<ul>
<li>Dawkins, Richard: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0141026189?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=0141026189">Unweaving the Rainbow</a>: Science, Delusion and the Appetite for Wonder, dt.: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499613379?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499613379">Der entzauberte Regenbogen. Wissenschaft, Aberglaube und die Kraft der Phantasie.</a></li>
</ul>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499613379?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499613379"><strong class="sans"></strong></a><strong class="sans"><br /></strong></p>
<p><em>Leseempfehlungen:</em></p>
<ul>
<li>Franz M. Wuketits (2005): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406447384?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3406447384">Evolution. Die Entwicklung des Lebens</a>. C.H. Beck.</li>
<li>Ernst Mayr (2005): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442153492?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3442153492">Das ist Evolution</a>. Goldmann.</li>
<li>Richard J. Harper: <a target="_blank" href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17797/1.html">Der Kreationismus und die USA</a>. in: Telepolis. 06.07.2004</li>
</ul>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_118" class="footnote">Dort hat er die Professur für &quot;Social understanding of Science&quot; inne.</li><li id="footnote_1_118" class="footnote">1859 formulierte Charles Darwin als erster in &quot;<em>The Origin of Species</em>&quot; die Evolutionstheorie, die auf das Prinzip der natürlichen Selektion rekurriert.</li><li id="footnote_2_118" class="footnote">siehe auch den Wikipediabeitrag: <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kreationismus&amp;oldid=37834802" target="_blank" >hier</a></li><li id="footnote_3_118" class="footnote">Hier beschreibt er das Anliegen auf seiner Website: Richard Dawkins, <a href="http://richarddawkins.net/article,1471,The-Out-Campaign,Richard-Dawkins" target="_blank">The Out Campaign</a>, 30.7.2007.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/aufklaerung-aus-leidenschaft-the-out-campaign-und-richard-dawkins-kampf-gegen-die-kreationistische-ideologie/">Aufklärung aus Leidenschaft » &#8222;The Out Campaign&#8220; und Richard Dawkins Kampf gegen die kreationistische Ideologie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wolke der Unwissenheit » Agnotologie I</title>
		<link>https://www.wissenswerkstatt.net/2007/03/wolke-der-unwissenheit-agnotologie-i/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Mar 2007 21:36:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie & Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftsgeschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Marlboro-Mann durchstreift auf der Kinoleinwand immer noch die unendlichen Weiten des mittleren Westens und findet dort in Auseinandersetzung mit der kargen Natur offenbar zum Kern seines männlichen Wesens. Im Gegensatz zu dieser omnipräsenten großen Erzählung der Tabakindustrie-PR zeigt sich, daß das gelobte Land des Rauchers viel eher Deutschland, denn die USA ist. Im Zuge ... <a title="Wolke der Unwissenheit » Agnotologie I" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/03/wolke-der-unwissenheit-agnotologie-i/" aria-label="Mehr Informationen über Wolke der Unwissenheit » Agnotologie I">Weiterlesen</a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Marlboro-Mann durchstreift auf der Kinoleinwand immer noch die unendlichen Weiten des mittleren Westens und findet dort in Auseinandersetzung mit der kargen Natur offenbar zum Kern seines männlichen Wesens. Im Gegensatz zu dieser omnipräsenten großen Erzählung der Tabakindustrie-PR zeigt sich, daß das gelobte Land des Rauchers viel eher Deutschland, denn die USA ist.</p>
<p>Im Zuge der anhaltenden Diskussionen um ein einheitliches <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rauchverbot">Rauchverbot</a> in Restaurants und Gaststätten, hat es sich inzwischen allgemein herumgesprochen, daß die Bundesrepublik in Sachen Nichtraucherschutz bislang im internationalen Vergleich sträflich hinterherhinkte. Während andernorts Raucher schon lange an öffentlichen Orten geächtet sind, so dürfen bis dato die Raucher in Kneipen, Bars und Gaststätten weiter recht ungestört vor sich hinqualmen. Es ist gewiß eine Galgenfrist, denn die Gesetze sind nun ja doch noch auf den Weg gebracht. Interessant ist freilich, welche Gründe überhaupt dafür verantwortlich zu machen sind. Reicht es aus, auf die mächtige Lobby der Tabakindustrie zu verweisen? Sind die Steuereinnahmen aus der Tabaksteuer tatsächlich für das Budget der BRD so unverzichtbar?</p>
<p>Ich warte gespannt, bis erste Forschungsarbeiten vorliegen, die die Hintergründe dieses &#8218;deutschen Sonderwegs&#8216; entschlüsseln. Verwunderlich ist das Privileg, das Raucher in Deutschland bis dato genießen umso mehr, wenn man bedenkt, daß die ersten Schritte im Kampf gegen den Tabakkonsum hier in Deutschland unternommen wurden. Der Wissenschaftshistoriker <a  href="http://www.stanford.edu/dept/HPST/proctor.html">Robert N. Proctor</a> [Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Stanford University] hatte 2002 in seiner Studie &#8222;<a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html%3FASIN=360891031X%26tag=werkstatt-21%26lcode=xm2%26cID=2025%26ccmID=165953%26location=/o/ASIN/360891031X%253FSubscriptionId=1N9AHEAQ2F6SVD97BE02">Blitzkrieg gegen den Krebs. Gesundheit und Propaganda im Dritten Reich</a>&#8220; dargelegt, wie (nach heutigen Maßstäben) progressiv die Gesundheitspolitik im Dritten Reich diesbezüglich ausgerichtet war. Mit der Zielsetzung der Verbesserung der Volksgesundheit wurden umfangreiche Programme gegen Asbest- und Strahlenbelastung, Pestizide und eben gegen die Gefahren des Rauchens aufgelegt. Gleichzeitig wurde die medizinische (Krebs-)forschung intensiviert und die ersten Studien, die die Gefahren des Nikotingenusses belegten, stammen aus dieser Zeit.</p>
<p>Vergangenen Dezember [5.12.2006] war in der SZ ein Interview [<a href="http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/710/93617/">geführt von Andrian Kreye</a>] mit Robert Proctor zu lesen, in dem dieser ausführte, welche Gesundheitsgefahren vom Tabakrauch ausgehen. Die interessanten Passagen betreffen das Mißverhältnis zwischen den öffentlich zugänglichen Informationen und den Studienergebnissen, die die Tabakindustrie zumeist unter Verschluß hält. Denn neben den bekannten Elementen wie Teer und Nikotin enthält der Rauch Dutzende weitere Bestandteile, von denen Polonium, Arsen, Nitrosamine oder Benzopyrene nur die wichtigsten sind.</p>
<p>Auf die Frage, was der Industrie bekannt sei, antwortet Proctor:</p>
<blockquote><p><strong>Proctor: </strong>Sie wissen seit Jahren davon und noch viel mehr. In den<br />
geheimen Archiven der Tabakindustrie gibt es hunderte von<br />
Untersuchungsberichten über Polonium. Andere Dokumente beschäftigen<br />
sich damit, ob Spezialfilter Polonium eliminieren können. Das waren<br />
frustrierende Untersuchungen, weil es in Wahrheit sehr schwer ist, ein<br />
Gift aus dem Tabakrauch zu entfernen, ohne ein anderes Gift zu<br />
vermehren. Wenn man den Teer entfernt, atmen die Menschen mehr Nikotin<br />
ein, das beim Verbrennen karzinogene Nitrosamine produziert.</p>
<p><strong>SZ:</strong> Gibt es nicht deswegen Zigaretten mit Filtern und niedrigem Nikotingehalt?</p>
<p><strong>Proctor:</strong> Filter sind ein Mythos. So etwas wie sauberen Rauch gibt es nicht. Sie<br />
beruhigen die Öffentlichkeit, obwohl die Zigaretten-Industrie seit den<br />
30er-Jahren weiß, dass die Filterfunktion des Tabak selbst genauso gut<br />
ist, wie die des Zellulose-Azetats, das heute in Filtern verwendet wird.</p>
<p>Deswegen fordern einige Antitabakaktivisten ja auch das Verbot von Filtern.<br />
Sie sparen der Industrie nur Geld und die Leute denken, sie rauchen<br />
gesünder. Das Gleiche gilt für &#8222;Light&#8220;-Zigaretten. Leute, die darauf<br />
umsteigen, neigen dazu, stärker zu ziehen oder mehr zu rauchen.</p></blockquote>
<p>Einen sehr spannenden Hinweis gibt Proctor ganz zu Ende des Gesprächs: genau auf diese Asymmetrie zwischen der allgemein vorherrschenden Bagatellisierung der Gefahren und dem inzwischen medizinisch belegten Gefahrenpotential angesprochen, erwähnt Proctor eine aktuelle Studie an seinem Institut in Stanford &#8211; es geht (vereinfacht gesagt) um Ablenkungsforschung, wie er es nennt. Also um die Strategien und Mechanismen Unwissenheit herzustellen.</p>
<p>Wenn mich nicht alles täuscht, dann wird von diesem Forschungsansatz den Proctor treffend als <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Agnotology">Agnotologie</a> bezeichnet, für die Zukunft einiges zu erwarten sein. Denn es ist ganz offensichtlich wirklich eine Kunst, Wissen (über Gefahren) durch die Produktion von Nichtwissen unsichtbar zu machen. Die Wolke der Unwissenheit wird (wie Tocotronic ahnten) für immer um uns sein. ;-)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/03/wolke-der-unwissenheit-agnotologie-i/">Wolke der Unwissenheit » Agnotologie I</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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		<title>Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne » Dopingarrangements im Spitzensport II</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 May 2007 13:58:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Agnotologie]]></category>
		<category><![CDATA[Doping]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Radsportszene kommt nicht zur Ruhe: erst faßt sich Bert Dietz ein Herz und gewährt bei Reinhold Beckmann Einblicke in die Dopingrealität des Telekom-Rennstalls der späten 90er Jahre. Christian Henn, ebenfalls Mannschaftskollege von Jan Ullrich und Dietz, ist offenbar so angetan von der Plauderstunde am Montagabend, so daß er sich solidarisiert und ebenfalls den Epo-Mißbrauch ... <a title="Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne » Dopingarrangements im Spitzensport II" class="read-more" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/" aria-label="Mehr Informationen über Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne » Dopingarrangements im Spitzensport II">Weiterlesen</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Radsportszene kommt nicht zur Ruhe: erst faßt sich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bert_Dietz" target="_blank">Bert Dietz</a> ein Herz und gewährt bei Reinhold Beckmann Einblicke in die Dopingrealität des Telekom-Rennstalls der späten 90er Jahre. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Henn" target="_blank">Christian Henn</a>, ebenfalls Mannschaftskollege von Jan Ullrich und Dietz, ist offenbar so angetan von der Plauderstunde am Montagabend, so daß er sich solidarisiert und ebenfalls den Epo-Mißbrauch in den Jahren 1995-1999 einräumt. So weit, so gut. Spektakuläre Dopingfälle und Geständnisse gab es immer wieder. Nichts Neues also im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peloton" target="_blank" >Peloton</a>. </strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="206" align="right" style="border: 1px solid rgb(105, 105, 105); margin: 5px; padding: 1px;" alt="Dopingarrangments_02c.jpg" src="https://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/05/Dopingarrangments_02c.jpg" />Nun aber kommt <a target="_blank" href="http://www.elia-gemeinschaft.de/wordpress/2007/05/24/peters-gedanken/das-machen-doch-alle">Bewegung</a> in die Szene. Die bislang so schweigsamen Jungs werden plötzlich <a target="_blank" href="http://ruegenbote.de/wordpress/2007/05/24/erik-zabel-hat-doping-zugegeben/">redselig</a> und die Chronisten der Ereignisse werden vor die Aufgabe gestellt, all die Dopinggeständnisse und Verfehlungen auch genau zu dokumentieren. Am Donnerstagvormittag ist es dann soweit, erst vollzieht die Uniklinik Freiburg den längst überfälligen Schritt und trennt sich von den belasteteten und inzwischen geständigen Ärzten Andreas Schmid und Lothar Heinrich; und kurz vor Mittag steht eine mit Spannung erwartete Pressekonferenz des T-Mobile-Rennstalls an. Was inzwischen schon zu erwarten war, tritt ein: die beiden früheren Radhelden <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aldag">Rolf Aldag</a> und <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erik_Zabel">Erik Zabel</a> räumen teilweise unter Tränen die Einnahme von Epo ein. </p>
<p>Hossa! Wer hätte noch vor Wochenfrist damit gerechnet? Hatte man sich nicht längst damit <a target="_blank" href="http://www.epenis.de/erguss/denkwechsel">abgefunden</a>, daß die Tourheroen ihr Wissen um die leistungsförderlichen Helferlein mit ins Grab nehmen würden?<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_0_35" id="identifier_0_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die meisten Beobachter sind inzwischen ohnehin ern&uuml;chtert oder hinl&auml;nglich an Entt&auml;uschungen gew&ouml;hnt. Manche freilich auch &uuml;berrascht und auch pers&ouml;nlich entt&auml;uscht. Und wer kippt als n&auml;chstes um? Bjarne Riis ist ja ein hei&szlig;er Kandidat&hellip; weitere Kandidaten?">1</a> Manche hatten ohnehin vermutet, daß die Stauhitze unter den Fahrradhelmen bei den heißesten Etappen der Tour de France dem Erinnerungsvermögen nicht sehr zuträglich sein kann. Andere hatten eher auf schwere Stürze  getippt, die sowohl sportlichen Ethos, als auch Gedächtnis in Mitleidenschaft gezogen haben könnten. Aber Pustekuchen! Bald der einzige, der weiterhin nicht einsehen will oder kann, daß sein Versteckspiel und die halbseidenen Dementis nur noch lächerlich sind, ist Jan Ullrich. Ob er sich ein Beispiel an seinen früheren Kollegen nimmt, bleibt offen.</p>
<p><strong>Geständniseifer&nbsp;</strong></p>
<p>Weshalb es nun plötzlich alle so eilig haben und ihre früheren Verfehlungen (zumindest teilweise) einräumen, ist bislang dennoch kaum einsichtig. Ist es möglicherweise ein abgestimmter Versuch mit einer kollektiven, inszenierten Beichte, erstens: Einsicht, zweitens: Reue, drittens: Lernfähigkeit zu demonstrieren? Um, Zweck der ganzen Übung, viertens: Absolution zu erhalten?</p>
<p>Auffällig ist, daß die meisten Geständnisse ohnehin nur gewisse Praktiken (den Gebrauch des ohnehin in Rede stehenden <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erythropoetin" target="_blank" >Epo</a>) einräumen; Rolf Zabel ist <a  target="_blank" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,484676,00.html">offensichtlich</a> der Ansicht, daß ihm bereits das Eingeständnis &quot;einmaliger Epo-Einnahme&quot; die Reinwaschung einbringt. Ganz auszuschließen ist tatsächlich nicht, daß hier bewußt darauf spekuliert wird, durch das zähneknirschende Einräumen bestimmter Tatbestände, allen zukünftigen Fragen nach dem wahren Ausmaß des Fehlverhaltens den Wind aus den Segeln zu nehmen. Frei nach dem Motto: wer bereits einmal tränenreich und im Büßerhemd vor der Nation um Abbitte gefleht hat, dem möge man doch fürderhin alle neugierigen Nachfragen ersparen.</p>
<p><strong>Nachahmungstäter&nbsp;</strong></p>
<p>Bereits mit dem Handwerkszeug der Küchentischpsychologie ist freilich verständlich, daß es deutlich komfortabler ist, wenn man gemeinschaftlich an den Pranger gestellt wird. Bert Dietz gebührt insofern eine gewisse Anerkennung, da er als erster gewagt hat, das Schweigen zu brechen. Die anderen hoffen nun offenbar, in seinem Windschatten die Folgen der medialen Kritik etwas abfedern zu können. Die Schläge, die die Fahrer nun einstecken müssen, ertragen sich nunmal deutlich leichter, wenn sie auf mehrere Rücken niedergehen. Und überhaupt: in ein paar Wochen, wenn wieder andere Themen die Zeitungsspalten dominieren, wird man sich nicht mehr so genau daran erinnern, wer denn nun was gebeichtet hat. Man ist (vorläufig) aus der Schußlinie und äußert glaubhaft die Absicht, nun einen Neuanfang zu starten. Dies ist natürlich auch eine Möglichkeit, um Wissen zu verdecken und Nicht(genau)wissen sicherzustellen. </p>
<p>Wie glaubwürdig sind aber die Erklärungen, die nun von den Verantwortlichen in Sportverbänden und Rennställen abgegeben werden? Ist es plausibel, daß die üblichen Verdächtigen nun tatsächlich die eisernen Besen in die Hand nehmen werden und tatkräftig und effizient gegen jede Form des Dopings vorgehen werden? Sind dies nur Lippenbekenntnisse oder besteht wirklich Hoffnung auf eine Veränderung?</p>
<p>Wenn man anhand verschiedener soziologischer Begrifflichkeiten und Theorieansätze das System Spitzensport analysiert, keimen allerdings durchaus Zweifel hinsichtlich der Erfolgsaussichten eines solchen Vorhabens. Die Dopingarrangements sind &#8211; wie sich zeigen wird &#8211; fester Bestandteil der Strukuren.</p>
<p><strong>Inkohärenz der Blickwinkel: die Inszenierung des ehrlichen Sports als Spiel mit Hinter- und Vorderbühne</strong></p>
<p>Auch für einen kaum argwöhnischen Betrachter wird deutlich, daß die Welt des Sports eine hochgradig inszenierte Oberflächenstruktur aufweist. Die Athleten werden als junge, dynamische, leistungsbereite &#8218;role models&#8216; vorgeführt, die allesamt als Werbeträger für Zeitschriften der Kategorie &quot;fit &amp; fun&quot; taugen. Gesundheit, Körperbewußtsein, Leistungsfähigkeit &#8211; die positiv konnotierte Schlagwortreihe ließe sich leicht weiter fortsetzen. </p>
<p>Der spannende Wettstreit um Zeiten und Weiten tut sein weiteres. Der Sport lebt seinem Wesen nach durch seine klare Struktur, also den (vordergründig) transparenten Spielregeln, denen alle Wettkämpfer gleichermaßen unterworfen sind. Der Modus des Wettbewerbs ist klar definiert und wenn der Startschuß fällt, so fokussiert sich die Aufmerksamkeit auf den Konkurrenzkampf der Sportler. Sie sind teil einer Wette, als deren Protagonisten sie für die Zuschauer Identifikations- und Partizipationsangebote offerieren: egal ob es sich um Langstreckenläufer, Radfahrer oder Fußballteams handelt; im Vorfeld werden Sympathien verteilt und der Sportzuschauer fiebert mit seinem Favoriten mit, erleidet Niederlagen und erlebt Erfolge.</p>
<p>Das alles, was die Zuschauer und Fans miterleben, bezieht sich auf das Geschehen der &quot;Vorderbühne&quot;. Der Soziologe <a  target="_blank" href="Doping%20hat%20System.%20Wer%20sich%20in%20diesen%20Tagen%20beim%20Lesen%20der%20Berichte%20%FCber%20die%20Dopingbeichten%20gel%E4uterter%20Exradprofis%20dar%FCber%20wundert,%20da%DF%20einige%20der%20allj%E4hrlich%20gefeierten%20Radhelden%20offenbar%20zu%20unterst%FCtzenden%20Mitteln%20gegriffen%20haben,%20hat%20leider%20immer%20noch%20nichts%20verstanden.%20Die%20manipulative,%20leistungssteigernde%20Medikamenteneinnahme%20ist%20wesentlicher%20Bestandteil%20aller%20%28Ausdauer-%29Sportarten.%20Es%20mu%DF%20klar%20sein:%20wenn%20sich%20die%20Nation%20%FCber%20den%20positiven%20Medaillenspiegel%20bei%20Olympischen%20Spielen%20freut,%20dann%20ist%20die%20Erfolgsbilanz%20immer%20auch%20der%20effizienten%20Arbeit%20der%20medizinischen%20Abteilungen%20zu%20danken.%20Doping%20ist%20ein%20System.">Erving Goffmann</a> hat an vielen Beispielen illustriert, wie jede individuelle Interaktion und jedes soziale System, in zwei strukturelle Komponenten zerfällt. Einerseits gibt es den Bereich der &quot;Vorderbühne&quot;, auf der die Akteure gemäß bestimmten Verhaltenserwartungen handeln. Hier läuft ein inszeniertes (Rollen-)Spiel ab. Auf der &quot;Hinterbühne&quot; wird diese Notwendigkeit suspendiert; hier werden von den eingeweihten Personen die internen Bedingungen und Verhaltensweisen untereinander abgestimmt, um das Schauspiel auf der Vorderbühne fortführen zu können. </p>
<p>Auf den Radpsort gewendet wird sichtbar, daß sich auf der Vorderbühne lediglich der (inszenierte) Wettkampf abspielt, der an weitere Inszenierungselemente (Siegerehrung, Interviews, Pressekonferenz etc.) gekoppelt ist. Hier geht es um die Aufrechterhaltung des erwünschten Bildes eines sauberen, fairen Wettstreits. Naiv ist, wer verkennt, daß die infrastrukturellen Bedingungen des Spitzensports durch die Geschehnisse der Hinterbühne geprägt sind. Einblick in die monatelange Trainings- und Vorbereitungsarbeit, Zutritt zu internen Mannschaftsbesprechungen oder in Athleten- und Behandlungszimmer haben nur Eingeweihte. Auf dieser Hinterbühne werden Trainings- und Ernährungspläne und auch der effizienteste Einsatz von Dopingmitteln<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_1_35" id="identifier_1_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die beiden Zielkriterien sind einerseits die Verabreichung von Substanzen, ohne da&szlig; deren Verabreichung bei Dopingkontrollen registriert wird, andererseits mu&szlig; gew&auml;hrleistet bleiben, da&szlig; die Athleten keine gesundheitlichen Folgesch&auml;den davontragen. Dies ist fraglos stets eine schwierige Gratwanderung.">2</a> erörtert. </p>
<p>Zusammenfassend: vor allem die Medien präsentieren die Hochglanzversion des Spitzensports. Die Fassade, die den Glauben an den fairen, sportlichen Wettstreit aufrechterhält. Wenn, wie nun durch die Veröffentlichungen und Stellungnahmen einzelner Dissidenten (<a target="_blank" href="http://www.jurablogs.com/action/?action=gorss&amp;jbid=74672">Jeff d&#8217;Hont</a>, <a target="_blank" href="http://www.sichelputzer.de/2007/05/23/beckmann-mit-kleinem-skandal-auf-sendung/">Bert Diez</a>, <a href="http://www.handelsblatt.com/news/_pv/_p/300484/_t/ft/_b/1271987/default.aspx/index.html" target="_blank">Christian Henn</a>), die Dopingpraxis teilweise publik wird, wird der Vorhang der Vorderbühne ein Stück weit angehoben, und das erstaunte Publikum erahnt, was auf der Hinterbühne tatsächlich abläuft. </p>
<p><strong>Initiationsriten und Aneignung des spitzensportlichen Habitus</strong></p>
<p>Wie leicht nachvollziehbar ist, zerfällt auch jedes Subsystem des Spitzensports in Vorder- und Hinterbühne. Was hinter verschlossenen Türen wenigstens teilweise ausgesprochen werden darf, ist auf der Vorderbühne (zumal wenn Kameras und Mikrofone laufen) tabu. Selbstverständlich müssen deshalb gewisse Zugangsregeln installiert sein, die sicherstellen, daß diese Trennung zwischen vordergründigem hehren Sportethos und hintergründiger Leistungsmanipulation um jeden Preis aufrechterhalten werden kann.</p>
<p>Rekonstruiert man die einzelnen Etappen, bis ein talentierter Nachwuchssportler zum Mitglied eines Profiteams wird, zeigt sich, daß hier bestimmte Sozialisationsmechanismen ablaufen, die Loyalität sichern und den einzelnen Sportler mit habituellen Verhaltensmustern ausstatten. Der Habitusbegriff wurde für die Soziologie v.a. durch <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Bourdieu">Pierre Bourdieu</a> fruchtbar gemacht.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_2_35" id="identifier_2_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Habitus kann verk&uuml;rzt als Charakteristik der individuellen Pers&ouml;nlichkeitsstruktur verstanden werden. Innerhalb von Sozialisationsprozessen wird ein bestimmter Habitus von den Mitgliedern spezifischer Millieus erworben und inkorporiert; als psychische Disposition pr&auml;gt er Wahrnehmung, Bewertung und Handeln.">3</a>  </p>
<p>Bezogen auf das Sportsystem wird sichtbar, daß die Nachwuchssportler bspw. durch das Vorbild von Leistungsträgern in ihrer Trainingsgruppe vorgeführt bekommen, daß bestimmte Maßnahmen zur Leistungssteigerung selbstverständlicher Bestandteil ihres Sports sind. Bis ein hoffnungsvolles Talent zur Spitzengruppe seiner Disziplin gehört, durchläuft es mehrere Stufen der Anpassung und Gewöhnung an die jeweils vorherrschenden Praktiken.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_3_35" id="identifier_3_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dazu z&auml;hlen keinesfalls nur Formen der illegitimen Leistungssteigerung; s&auml;mtliche Verhaltensweisen, die ein Spitzenathlet f&uuml;r sein Zurechtfinden im Sportumfeld ben&ouml;tigt [angefangen von Essgewohnheiten bis hin zum Umgang mit den Fans], werden sukzessive &quot;erlernt&quot;, adaptiert und als Habitus inkorporiert.">4</a></p>
<p>Und es soll keineswegs zynisch klingen: der Erstkontakt mit Dopingmitteln kommt für jeden hoffnungsvollen Nachwuchsathleten einem Ritterschlag gleich. Denn der Umstand, daß Trainer oder Betreuer an einen herantreten, und die Möglichkeiten der Leistungssteigerung durch pharmakologische Mittelchen ansprechen, bedeutet zwar noch nicht, daß man es bereits zum Spitzensportler geschafft hat, aber zumindest, daß man auf dem besten Wege dazu ist. Wer beginnt, selbst Dopingsubstanzen einzunehmen, hat einen wichtigen Initiationsritus absolviert und gehört fortan zum legitimen Kreis der absoluten Topathleten.</p>
<p>Interessant ist, daß Bourdieu beschreibt, wie ein Habitus auch die Wahrnehmungsmuster prägt. Wer einmal kritisch das Spiel von Spitzensportlern mit Nähe und Distanz im Umgang mit Journalisten erlebt hat, kann erahnen, wie wirkmächtig habituelle Dispositionen sind. Denn: während &quot;erlernt&quot; wurde, daß dem internen Umfeld (Trainer, Ärzte&#8230;) unbedingt zu vertrauen ist, wurde gleichzeitig ein chronisches Mißtrauen gegenüber der Öffentlichkeit und Presse installiert. Das sprunghafte, kaum nachvollziehbare Verhältnis von <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Ullrich">Jan Ullrich</a> zu den Medien<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_4_35" id="identifier_4_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Einerseits Liebling, der sich feiern und hofieren l&auml;&szlig;t [der ebenfalls in Verruf geratene Ex-ARD-Sportchef Hagen Bo&szlig;dorf schrieb sogar eine Jan-Ullrich-Biographie], andererseits einsilbige Pressekonferenzen und Argwohn, sobald sich kritische Stimmen erheben.">5</a> läßt sich kaum anders erklären.</p>
<p>Die Sportler haben also, wie hoffentlich plausibel wird, über mehrere Instanzen einen Adaptionsprozeß durchlaufen und sich den Habitus &quot;Spitzensportler&quot; angeeignet. Ein Habitus markiert, wie man von Bourdieu lernen kann, immer auch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, zu einem Millieu. Von zentraler Bedeutung ist dies, wenn und sobald Zugänge zu Eliten organisiert werden müssen. Bei anderen gesellschaftlichen Leistungseliten gehört zum erworbenen Habitus bspw. das Wissen darum, daß braune Lederschuhe zu einem schwarzen Anzug einen Fauxpas darstellen oder die adaptierte Fähigkeit, einen Hummer regelgerecht zu verspeisen.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_5_35" id="identifier_5_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und auch andere Leistungseliten haben, wie man wissen kann, ihre Drogenproblematik; denn auch in den Vorstandsetagen von Start-Up-Unternehmen wird der Kokainkonsum des jungen Managers lediglich hinter vorgehaltener Hand, im Schutz der Hinterb&uuml;hne also, thematisiert.">6</a></p>
<p>Die Zugehörigkeit zu einem Millieu erklärt nebenbei auch, weshalb eine Praxis, wie sie das systematische Doping im Leistungssport darstellt, so erfolgreich unter Verschluß gehalten werden kann. Oftmals wird zweifelnd eingewandt, es seien doch so viele unterschiedliche Personen(kreise) in die Vorgänge involviert: da gebe es die Betreuer, die fleißigen Helfer, die das Rad in Schuß halten und dann wieder den Ärztestab. Wenn man genau hinsieht, fällt auf, daß sich all diese Personengruppen fast ausschließlich aus ehemaligen Spitzensportlern rekrutieren. Die Teammanager (Bsp. Aldag, Henn etc.) sind selbst Ex-Radprofis, die Ärzte sind häufig selbst als Spitzensportler sozialisiert worden, bevor sie sich für die Medizin entschieden haben. Allen gemein ist, daß sie den Habitus des Leistungssports verinnerlicht haben. Dies umfasst genauso das Wissen, wie man sich vor Wettkampfhöhepunkten verhält, wie auch die Akzeptanz von Praktiken, die von der naiven Laienöffentlichkeit nicht goutiert werden. Und alle wissen, daß auf frevlerische Nachfragen, ob alles mit rechten Dingen zugehe, mit empörten Dementis zu reagieren ist. </p>
<p><strong>Verhängnisvolle Systemlogiken</strong></p>
<p>Wer glaubt, beim internationalen Spitzensport handele es sich letztlich doch nur um die regelgeleitet-spielerische Suche nach einem Sieger, der irrt. Systemtheoretisch betrachtet wird offenkundig, daß dem &quot;System Spitzensport&quot; lediglich die Orientierung am internen Differenzierungscode Leistung|Nicht-Leistung bleibt. Alle weiteren Aspekte sind, solange es sich um die Sphäre des Spitzensports handelt, nur daraus abgeleitet und sekundär.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_6_35" id="identifier_6_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="F&uuml;r die Bereiche des Breitensports oder insbesondere im Kinder- und Jugendbereich gelten andere Codierungen. Hier ist tats&auml;chlich plausibel, da&szlig; die Freude an der Bewegung, das gemeinschaftliche Wetteifern, Kameradschaft und Fairness die zentralen Elemente sind. Am Beispiel Kinderleichtathletik werden diese sozialen Aspekte etwa [hier] von Fred Eberle skizziert.">7</a> Wenn <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Coubertin">Baron de Coubertin</a> an der Schwelle zum 19. Jahrhundert die Jugend der Welt zum fairen sportlichen Wettstreit zusammenrief, war eines seiner Motive zweifellos die Völkerverständigung. Solche Aspekte, haben aber ebensowenig wie die Begriffe &quot;Moral&quot; oder &quot;Fairness&quot; einen Platz innerhalb der Eigenlogik eines ausschließlich auf Erfolge getrimmten Systems.</p>
<p>Anschlußfähig &#8211; und dies in jedem denkbaren Sinn &#8211; sind allein Leistungen, die den Sieg ermöglichen. Das Lamento darüber, daß beispielsweise bei Olympischen Spielen der Viertplazierte kaum mehr Beachtung finde, er aber doch eine fast ebenso bemerkenswerte Leistung erbracht habe wie diejenigen, die auf dem Treppchen und somit im Rampenlicht stehen, ist innerhalb des Systems Spitzensport unverständlich. Die Leistung des Siegers, dessen Werdegang, sein gestählter Körper, sein Leistungswille, all diese Aspekte interessieren. Sie lassen sich in die Notizblöcke der Reporter diktieren und können letztlich durch lukrative Werbeverträge in monetäre Vorteile transformiert werden. </p>
<p>Das Problem bei all dem ist nur, daß im Feld des Sports unterschiedliche Erwartungshaltungen aufeinanderstoßen, die kaum miteinander kompatibel sind. Das von Journalisten propagierte Bild des Ausnahmeathleten, wie es etwa von Jan Ullrich gezeichnet wurde, kollidiert in dem Moment mit der Realität, wenn publik zu werden droht, daß auch Ullrich die Bergetappen nur deshalb übersteht, weil er mit Hormonpräparaten auf Hochform getrimmt wurde und die Epozufuhr den Sauerstofftransport der roten Blutkörperchen  bis ans Limit optimiert. Für den Sport selbst, der ja eben auf Leistung|Nicht-Leistung fokussiert ist, sind die Strategien, die jeder Sportler auf dem Weg zum Sieg wählt, zunächst nebensächlich.</p>
<p>Das hartnäckige Beschweigen und die Versuche, selbst offenkundige Dopingverstöße unter dem Deckmantel zu halten, sind Anhaltspunke für diese ausschließliche Orientierung an Leistung und Erfolg. Nicht umsonst <a  target="_blank" href="http://www.faz.net/s/Rub906784803A9943C4A3399622FC846D0D/Doc%7EE9170B5095A7648C0A328AF78FF170421%7EATpl%7EEcommon%7ESspezial.html">wehrte</a> sich etwa der Deutsche Sportbund (heute der <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Olympischer_Sportbund">DOSB</a>) unter Vorsitz seines ebenfalls fragwürdig agierenden Präsidenten <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Bach">Thomas Bach</a> jahrelang gegen die Versuche der Bundesregierung, Dopingverstöße durch das Justizsystem ahnden zu lassen und ein Anti-Doping-Gesetz zu verabschieden. Das eben ist der Unterschied: das politische System, das sich am Wählerzuspruch orientiert, wünscht sich (um eben dem unterstellten Wählerwillen zu entsprechen) die Möglichkeit klarer Sanktionen. Das Sportsystem allerdings, dessen Spitzenfunktionäre nicht zufälligerweise (s. die Ausführungen zum Habitusbegriff) ebenfalls zumeist ehemalige Topathleten sind, fürchtet diese staatliche Einflußnahme wie der Teufel das Weihwasser und beharrt auf Autonomie. Ansonsten stünde ein wichtiger Teil des Dopingarrangements in Gefahr.<a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/#footnote_7_35" id="identifier_7_35" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Umstand, da&szlig; die Sportverb&auml;nde mit einer eigenen Sportgerichtsbarkeit &uuml;ber Regelverst&ouml;&szlig;e befinden, resultiert aus der kaum herstellbaren Anschlu&szlig;f&auml;higkeit zum konventionellen Justizsystem. Die staatliche Justiz folgt der Unterscheidung Recht|Unrecht, die Sportgerichtsbarkeit bleibt der Eigenlogik Erfolg|Mi&szlig;erfolg unterworfen. Anders sind die haarstr&auml;ubenden Entscheidungen der letzten Jahre (siehe etwa den Fall Krabbe/Breuer in der Leichtathletik) kaum zu verstehen.">8</a></p>
<p>Interessant ist ebenfalls, wie das medizinische System (das eigentlich auf die Unterscheidung krank|gesund ausgerichtet ist) damit umgeht, wenn das Sportsystem ihm abverlangt, gesunde junge Menschen mit Medikamenten zu behandeln, die potentiell gesundheitsschädlich sind. Mit der Gratwanderung zwischen maximaler Leistungssteigerung und geringstmöglichem Gesundheitsrisiko, sowie der unseligen Vergangenheit der Freiburger Sportmedizin wird sich der nächste Artikel genauer befassen.</p>
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<li><em><a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/24/scheinheiligkeiten-blindheit-und-systemzwaenge-dopingarrangements-im-spitzensport-i/">Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge</a> » Dopingarrangements im Spitzensport I</em></li>
<li><em>Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne » Dopingarrangements im Spitzensport II</em></li>
<li><em><a target="_blank" href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/31/aerzte-im-schafspelz-die-freiburger-sportmedizin-dopingarrangements-im-spitzensport-iii/">Ärzte im Schafspelz. Die Freiburger Sportmedizin</a> » Dopingarrangements im Spitzensport III</em></li>
<li><em>Kontaminierte Tourhelden und andere strahlende Sieger » Dopingarrangements im Spitzensport IV</em></li>
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<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<ul>
<li>Meutgens, Ralf (2007): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3768852458?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3768852458">Doping im Radsport</a>. Delius Klasing, April 2007.</li>
<li>Bette, K.-H., Schimank, U. (2006): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3899425375?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3899425375">Die Dopingfalle</a>. Soziologische Betrachtungen. Transcript Verlag.</li>
<li>Bette, K.-H., Schimank, U. (2006): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3518119575?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518119575">Doping im Hochleistungssport</a>. Anpassung durch Abweichung. Suhrkamp: Frankfurt</li>
<li>Haug, Tanja (2006): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3939519278?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3939519278">Doping</a>. Dilemma des Leistungssports. </li>
<li>Beune, Andreas (2005): <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3936973172?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3936973172">Did Not Finish: Der Radsport und seine Opfer</a>. 20 Himmelsstürmer im Porträt</li>
</ul>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<ul>
<li>Leyendecker, Hans (2007): <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/530/115415/" target="_blank">Eine gewisse Chemie</a>. Das kurze Gedächtnis von Medien und Publikum beim Thema Doping im internationalen Radsport, 23.5.2007</li>
<li>Süddeutsche Zeitung (2007): <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/561/115446/" target="_blank" >Freiburger Ärzte gestehen Doping</a>, 23.5.2007</li>
<li>Burkert, Andreas (2007): <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/370/115255/" target="_blank" >Freiburg suspendiert Ärzte</a>, SZ, 22.5.2007</li>
<li>Spiegel-Online: Dopingbeichten: <a target="_blank" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,484676,00.html">Uni Freiburg trennt sich von Ärzten Schmid und Heinrich</a>. 24.5.2007</li>
<li>Süddeutsche Zeitung: <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/227/115112/" target="_blank">Aldag und Zabel gestehen Doping</a>, 24.5.2007</li>
<li>Blog|Morgendlandfahrt: <a href="http://www.morgenlandfahrt.net/leistungssport-druck-auswege/" target="_blank">Leistungssport. Druck. Auswege</a>. 24.5.2007</li>
<li>Franke, Werner (2006): <a target="_blank" href="http://www.welt.de/print-welt/article226396/Das_Doping_der_Anderen.html">Das Doping der Anderen</a>, Die Welt, 30.6.2006 </li>
<li>Hess, Jutta (2002): <a  target="_blank" href="http://www.zeit.de/archiv/2002/11/200211_sport_franke.xml">Sichtung und Wahrheit</a>. Seit über 30 Jahren führen Brigitte Berendonk und Werner Franke den Kampf gegen das Doping. DIE ZEIT, 11/2002 </li>
</ul>
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<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_35" class="footnote">Die <a target="_blank" href="http://www.weinschenker.name/2007-05-24/doping-im-radsport-alles-aus/">meisten</a> <a href="http://log.roskothen.de/radsport-doping-ich-bin-uberrascht-uber-die-uberraschung/" target="_blank">Beobachter</a> sind inzwischen ohnehin <a target="_blank" href="http://olbertz.de/blog/2007/05/24/zum-thema-doping/">ernüchtert</a> oder <a href="http://www.profi1a.de/wordpress/doping-im-radsport/" target="_blank">hinlänglich</a> an Enttäuschungen <a target="_blank" href="http://hith.bloginsel.de/?p=1591">gewöhnt</a>. Manche freilich auch <a target="_blank" href="http://www.web-junkies.de/2007/05/25/dopingsumpf/">überrascht</a> und auch persönlich <a target="_blank" href="http://kristinschn1.twoday.net/stories/3765213/">enttäuscht</a>. Und <a target="_blank" href="http://www.werbeblogger.de/2007/05/25/wann-faellt-t-mobile-aus-dem-sattel/">wer</a> kippt als nächstes um? <a target="_blank" href="http://www.basicthinking.de/blog/2007/05/25/bjarne-riis-singt/">Bjarne</a> Riis ist ja ein heißer Kandidat&#8230; weitere <a target="_blank" href="http://sportblog.blogsport.de/2007/05/25/wir-stellen-den-profi-radsport-ein/">Kandidaten</a>?</li><li id="footnote_1_35" class="footnote">Die beiden Zielkriterien sind einerseits die Verabreichung von Substanzen, ohne daß deren Verabreichung bei Dopingkontrollen registriert wird, andererseits muß gewährleistet bleiben, daß die Athleten keine gesundheitlichen Folgeschäden davontragen. Dies ist fraglos stets eine schwierige Gratwanderung.</li><li id="footnote_2_35" class="footnote">Der <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Habitus_%28Soziologie%29&amp;oldid=30619835">Habitus</a> kann verkürzt als Charakteristik der individuellen Persönlichkeitsstruktur verstanden werden. Innerhalb von Sozialisationsprozessen wird ein bestimmter Habitus von den Mitgliedern spezifischer Millieus erworben und inkorporiert; als psychische Disposition prägt er Wahrnehmung, Bewertung und Handeln.</li><li id="footnote_3_35" class="footnote">Dazu zählen keinesfalls nur Formen der illegitimen Leistungssteigerung; sämtliche Verhaltensweisen, die ein Spitzenathlet für sein Zurechtfinden im Sportumfeld benötigt [angefangen von Essgewohnheiten bis hin zum Umgang mit den Fans], werden sukzessive &quot;erlernt&quot;, adaptiert und als Habitus inkorporiert.</li><li id="footnote_4_35" class="footnote">Einerseits Liebling, der sich feiern und hofieren läßt [der ebenfalls in Verruf geratene Ex-ARD-Sportchef <a  target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hagen_Bo%C3%9Fdorf&amp;oldid=31778986">Hagen Boßdorf </a>schrieb sogar eine <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3548367836?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3548367836" target="_blank">Jan-Ullrich-Biographie</a>], andererseits einsilbige Pressekonferenzen und Argwohn, sobald sich kritische Stimmen erheben.</li><li id="footnote_5_35" class="footnote">Und auch andere Leistungseliten haben, wie man wissen kann, ihre Drogenproblematik; denn auch in den Vorstandsetagen von Start-Up-Unternehmen wird der Kokainkonsum des jungen Managers lediglich hinter vorgehaltener Hand, im Schutz der Hinterbühne also, thematisiert.</li><li id="footnote_6_35" class="footnote">Für die Bereiche des Breitensports oder insbesondere im Kinder- und Jugendbereich gelten andere Codierungen. Hier ist tatsächlich plausibel, daß die Freude an der Bewegung, das gemeinschaftliche Wetteifern, Kameradschaft und Fairness die zentralen Elemente sind. Am Beispiel Kinderleichtathletik werden diese sozialen Aspekte etwa [<a target="_blank" href="http://blog.leichtathletik-ostalbkreis.de/index.php/2007/02/20/paedagogische-grundzuege-der-leichtathletik/">hier</a>] von Fred Eberle skizziert.</li><li id="footnote_7_35" class="footnote">Der Umstand, daß die Sportverbände mit einer eigenen Sportgerichtsbarkeit über Regelverstöße befinden, resultiert aus der kaum herstellbaren Anschlußfähigkeit zum konventionellen Justizsystem. Die staatliche Justiz folgt der Unterscheidung Recht|Unrecht, die Sportgerichtsbarkeit bleibt der Eigenlogik Erfolg|Mißerfolg unterworfen. Anders sind die haarsträubenden Entscheidungen der letzten Jahre (siehe etwa den Fall Krabbe/Breuer in der Leichtathletik) kaum zu verstehen.</li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://www.wissenswerkstatt.net/2007/05/initiationsriten-und-inszenierungen-fuer-die-vorderbuehne-dopingarrangements-im-spitzensport-ii/">Initiationsriten und Inszenierungen für die Vorderbühne » Dopingarrangements im Spitzensport II</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wissenswerkstatt.net">Wissenswerkstatt</a>.</p>
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