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Voyeurismus 2.0 » Sag mir, was Du liest und ich sage Dir… | kurz&knapp 20

16. März 2008 | 21:44 Gelesen: 7972 · heute: 3 · zuletzt: 19. October 2017 6 Reaktionen

Wäre es nicht spannend zu erfahren, welche Bücher unsere Freunde und Bekannte aktuell lesen? Würden wir die alte Freundin beim nächsten Wiedersehen anders beurteilen, wenn wir wüßten, daß sie derzeit in den "50 besten Schlankheitstipps" oder gar in "Schlank im Schlaf" schmökert? Wäre uns der so seriös daherkommende Fachkollege auf einmal suspekt, wenn wir wüßten, daß das "SM-Handbuch Spezial 1" auf seinem Nachttisch liegt? ;-)

Ganz so verfängliches kann ich nicht bieten – dennoch mag ich einen kleinen Einblick auf meinen Schreibtisch geben, mich traf nämlich vor einigen Tagen ein "Stöckchen", das mich zu folgendem auffordert:

"pick sentence 6-8 on page 123 of the nearest book, write them down and pass the game on to 5 other bloggers. …"

Ehrlicherweise liegt Luhmanns "Die Wissenschaft der Gesellschaft" in unmittelbarer Reichweite, aber in den betreffenden Sätzen auf Seite 123 wimmelt es vor lauter "Kommunikation auf der Ebene zweiter Ordnung" und die Anschlußfähigkeit im "Kontext der gesellschaftlichen Autopoiesis", so daß ich ein wenig weiter nach dem Sammelband "Handeln trotz Nichtwissen" (Hg. von Stefan Böschen, Michael Schneider und Anton Lerf) greife.

Der trägt den bemerkenswerten Untertitel "Vom Umgang mit Chaos und Risiko in Politik, Industrie und Wissenschaft" und dort lese ich:

"Die Humangenetik ist nämlich inzwischen in der Lage, aufgrund bestimmter genetischer Dispositionen auf die Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs einer Krankheit zu schließen. Die Benennung von entsprechenden Risikowahrscheinlichkeiten beruht auf der statistischen Berechnung der Daten aller Personen mit einer bestimmten genetischen Disposition. Sie gelten jedoch nicht für die individuelle Situation eines einzelnen Patienten."

Und dieser Feststellung (vor allem dem letzten Satz) ist wenig hinzuzufügen – und insofern sollte man (obwohl der obige Text aus dem Jahr 2004 stammt) skeptisch gegenüber Angeboten à la 23andMe zu sein.

 


Um meiner Pflicht nachzukommen, werfe ich das Stöckchen an folgende Blogger weiter, deren Lektüregewohnheiten mich tatsächlich interessieren und deren Blogs ich gleichzeitig unbedingt empfehlen möchte:1

 

 

  1. Die Getroffenen mögen mir verzeihen und diejenigen, die ich nicht erwähnt habe, ebenso. Man darf sich ggf. natürlich gerne bedienen und auch ungenannt das Stöckchen ergreifen. []
  2. Der übrigens neuerdings auch noch bei den Wissenslogs mit seinem Blog "Natur des Glaubens" aktiv ist. []
  3. Ob Petra nur Fachliteratur auf dem Schreibtisch hat? []
  4. Der doch sicher ein sozialwissenschaftliches oder volkswirtschaftliches Stückchen beisteuern kann? []
  5. Die oben an der Ostsee seit jeher fangbereit für Stöckchen ist, oder? []
  6. Der ja mit seinen Viralmythen als Wissenschaftsblogger bekannt ist, aber seine kulinarische Leidenschaft hier austobt. Vielleicht erfahren wir ja etwa, welches Kochbuch – es muß ja gar nicht unbedingt eines der Molekularküche sein – bei ihm auf dem Tisch liegt… []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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Kommentare

6 Reaktionen »

  • Fischer :

    Mein Blog ist stöckchenfreie Zone, aber folgende Zeilen aus “Chemische Evolution und der Ursprung des Lebens” möchte ich Dir nicht vorenthalten:

    “Es ist vorstellbar, dass die zuvor aufgeführten Boratmineralien durch Verwitterungseffekte Borsalze freisetzen konnten, die dann ihre Stabilisierungseffekte auf die Ribose ausübten. Im Dezember 2001 ging eine spektakuläre Nachricht durch die Presse. Es war mit hochmodernen Analysengeräten gelungen, Zucker in Meteoriten nachzuweisen.”

    [twort T]

  • Marc :

    @Fischer:

    Ah, besten Dank für die Antwort in Rekordtempo!

    Ich bin auch kein großer Stöckchenfreund, aber ein literarisches, das zudem den wissenschaftlichen Schreibtisch in den Blick nimmt, mußte ich dann doch aufgreifen. ;-)

    Aber interessant, was Du gerade in Reichweite hast – ich verstehe zwar nicht, worum es geht (gut, es wurde Zucker in Meteoriten gefunden, aber ich könnte den Sensationsgehalt nichtmal würdigen) – aber der Titel des Bandes ist vielsagend. Hätte ja auch (ich denke an deine aktuelle Serie) etwas zur Gentechnologie/Biologie sein können. :-)

    [twort T]

  • Fischer :

    Das am nächsten liegende Buch war auch ein Gentechnik-relevantes: “Die Joghurt-Lüge” von Vollborn/Georgescu. Aber da ist auf Seite 123 nur eine Aufzählung von Inhaltsstoffen.

    [twort T]

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