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Querverweise » Fundstücke, Lesenswertes & Links – 09

14. August 2007 | 15:06 Gelesen: 7812 · heute: 2 · zuletzt: 12. December 2017 2 Reaktionen

Fundstuecke_01c.jpgAls Journalist in einem etablierten Print-Medium über die Blogosphäre zu berichten ist durchaus riskant. Wie man inzwischen weiß, ist man auf beiden Seiten recht dünnhäutig. Das mag seitens der Journalisten an mangelnder Recherche und teilweise an Mißverständnissen liegen, aufgrund schlechter Erfahrungen ist man seitens der Blogger einigermaßen empfindlich, vielleicht manchmal etwas zu sensibel, wenn wieder ein Kommentar erscheint.

Ganz aktuell wird an vielen Stellen [etwa hier, hier und hier] über den Artikel von Johannes Boie diskutiert, der am Samstag in der Süddeutschen Zeitung abgedruckt war [hier]. Der Text war – um ehrlich zu sein – recht belanglos. Der Einstieg bzw. Aufhänger, der die fehlende gesellschaftliche Relevanz von Blogs illustrieren sollte, war schlecht gewählt. Abgesehen davon, trafen einige Bemerkungen des Autors aber nach meinem Dafürhalten zu. Allerdings tat sich Boie keinen Gefallen damit, den Blogspezialisten Jan Schmidt mißverständlich zu zitieren. Eine Chronologie des Falles hat inzwischen Benedikt im Poplog erstellt und Jan Schmidt nimmt im Bamblog Stellung. Naja, die Wogen werden sich wieder glätten und ich bin gespannt, ob und bis irgendwann FAZ, ZEIT oder SZ einen Blogtext einstellen, der in der Blogsphäre auf Beifall stößt. Abwarten… bis dahin gilt es folgende Webfundstücke und Links zu beachten.

 


»1. Bevor ich einige Musik- und Popkulturtipps aufführen werde, beginnt die heutige Sammlung mit einem interessanten Artikel des Wissenschafts-, Technik- und Medientheoretikers Andreas Metzner-Szigeth.1 Vor wenigen Tagen stellte "sic et non" [Zeitschrift für Wissenschaft und Kultur im Netz] seinen Artikel "Internet & Gesellschaft: Ein humanes Projekt?" ein. Wer sich etwas grundsätzlicher mit dem Web, seinen Strukturen, Logiken und Auswirkungen in und auf die Gesellschaft auseinandersetzen möchte, ist hier gut aufgehoben. Metzner-Szigeth beschreibt die Motivation zu diesem Text wie folgt:

Als Ausgangspunkt dieses Beitrags dient keine Frage, sondern ein Wunsch – nämlich der zu begreifen, womit wir es eigentlich zu tun haben, wenn wir von dem Internet reden. Immerhin   handelt   es   sich   hierbei   um   ein   Phänomen,   mit   dem   sehr   viele Assoziationen   verbunden   werden.

Für die bloggenden Praktker hält der Artikel sicher einige ungewohnte Gedanken bereit. Die aufgeworfenen Fragen und (angedachten) Antworten sind jedenfalls lesens- und bedenkenswert:

Das Internet ist etwas Technisches, gleichzeitig aber auch etwas Mediales. Vor dem Hintergrund der Charakterisierung des Internet mit Hilfe von Metaphern und Abstraktionen ist zu diskutieren, ob es dabei bleiben kann. Muss darüber nicht vielmehr in den Dimensionen der Kultur und des Sozialen nachgedacht werden?

Metzner-Szigeth, Andreas (2007): Internet & Gesellschaft: Ein humanes Projekt?, in: sic et non.

 


»2.  Der Sommer kommt immer noch nicht in die Gänge und bei den Stagediven ist die Wahl zum Sommerhit des Jahres bereits abgeschlossen. Vielleicht ist es auch dem wechselhaften Wetter und bewölkten Himmel zuzuschreiben, daß kein Strand- und Bikiniknaller das Rennen gemacht hat. Conny Froboess hätte es wohl schwer gehabt. Gewonnen haben mit einem recht knappen Vorsprung vor Malajube: *Trommelwirbel* – Tocotronic mit Kapitulation.

Und das, obwohl ich selbst nicht einmal abgestimmt habe – auf dem Siegertreppchen befinden sch wie folgt:

1. Tocotronic – Kapitulation [47 Stimmen]
2. Malajube – Pate Filo [43 Stimmen]
3. Maximo Park – Books from boxes [33 Stimmen]

Trotz allem: meiner Meinung nach ein verdienter Erfolg. Wenn auch nochmals darauf verwiesen sei, daß das gesamte Album von Tocotronic eine ganze Reihe von hochkarätigen Songs bereithält. Allein das abschließende "Explosion" rechtfertigt einen Kauf der Platte.

 

 

 


»3. Weiter im Takt, weiter mit Musik: ein wirklich ausgesprochen schönes, nostalgisches Musikvideo hat wieder einmal Beirut mit dem Gulag Orkestar produziert. Und, da das Lied selbst ebenfalls bezaubernd und charmant ist, wird dieses Kleinod auch sofort hier eingestellt. Fürs Finden und Verlinken geht Dank an Nicorola.

 

Ein klein wenig mehr Infos finden sich übrigens hier:

Empfohlen sei auch:


»4. In seiner überaus ambitionierten und kenntnisreichen Darstellung der kanadischen Musikszene widmet sich Benedikt heute im Poplog heute der Postrockband "Godspeed You! Black Emperor". Da ich Godspeed neben bspw. Mogwai sehr, sehr schätze und das im Artikel erwähnte und gelobte Album "Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven" seit vielen Jahren mein Eigen nenne, sei auf diesen Beitrag verwiesen. Denn wie Benedikt festellt:

2000 erschien dann das Doppelalbum “Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven“, das insgesamt nur vier “Songs” enthält, mit denen die Band nun aber auch in einer etwas breiteren Indie-Öffentlichkeit international bekannt wurde. Außerdem enthält dieses Album mit “Storm” einen Track, der sich in epischer Breite in himmlische Sphären hocharbeitet und meiner Ansicht nach zu einem der besten Indieinstrumentals gehört, die je geschrieben wurden…

MTreffender könnte ich das auch nicht schreiben. Was tatsächlich häufig unbekannt ist und ich selbst inzwischen fast vergessen habe, ist der gesellschaftskritische Anspruch der Band:

Leider wird allzu oft der politische Gehalt von Godspeed ausgeblendet, obwohl es sich dabei um einen der spannendsten Aspekte der Band handelt. Die langen, hypnotischen Songs der Artrockband sollen schließlich nicht allein dem Geschmack der Indieszene entsprechen, sondern immer wieder auch als Kommentare zur aktuellen Lage in Wirtschaft und Politik gelesen werden – wenn nicht gar als Aufforderung zum Widerstand gegen den neoliberalen Kapitalismus.

Wer noch weitere Infos will, bitte bei Benedikt weiterlesen. Empfohlen sei hier nur das erwähnte Meisterwerk:

 

 


»5. So, nun sind diese Querverweise komplett und ich sehe, daß im eingangs erwähnten Streit um den SZ-Artikel nun nochmals Jan Schmidt einen Kommentar geschrieben hat. Er thematisiert etwas grundsätzlicher die Schwierigkeit den eigenen fachlich-wissenschaftlichen Standpunkt in einem kurzen Interview zu vermitteln. Oftmals werde er ganz gezielt nach bestimmten "O-Tönen" gefragt und der jeweilige Journalist wisse im Vorfeld bereits, was er hören wolle.

Insgesamt schätzt Jan aber die Möglichkeiten, die sich insbesonders durch die Kommentarfunktion in Blogs ergeben; denn diese ermöglichen eben im Notfall auch, daß man die eigene Aussage korrigiert bzw. die richtigen Kontexte nennt, um nicht mißverstanden zu werden. Bislang war das aber nach seiner Darstellung kaum einmal nötig – überwiegend recherchieren und schreiben die Kollegen der Printmedien also durchaus solide. Dennoch sei es ein Gewinn, wenn man nach Veröffentlichung eines Beitrags nochmal "eingreifen" könne…

Persönlich empfinde ich das als Absicherung: Sollte ich irgendwann einmal das Gefühl haben, komplett sinnentstellend zitiert zu werden, könnte ich meine Sicht der Dinge darlegen und notfalls darauf verweisen. Für meine Leser/innen ist es hoffentlich eine interessante Ergänzung zu Themen, die sich einfach nicht in zwei kurzen Statements abhandeln lassen.

 

 


 

 

  1. Prof. Dr. Andreas Metzner-Szigeth ist seit Okt. 2004 Inhaber des Gastlehrstuhls für Wissenschafts-,  Technik- & Gesellschaftsstudien an der Universidad del País Vasco in San Sebastián, Spanien. Ansonsten lehrt er als Privatdozent für Soziologie (seit April 2001) am FB Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaften der Universität Münster. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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