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	<title>Wissenswerkstatt &#187; Literatur</title>
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	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation, Soziologie, Pop- und Blogkultur.</description>
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		<title>Die originellsten Wissenschaftsbücher des Jahres &#124; Sachbücher 2008</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Dec 2008 14:40:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Gelegentlich ist auch hier in der Wissenswerkstatt die These nachzulesen, daß wir einen tiefgreifenden Medienwandel erleben und das bedruckte Papier ein Anachronismus sei. Diese Behauptung &#8211; also die These vom Ende des Gutenberg-Zeitalters &#8211; behalte ich natürlich auch weiterhin aufrecht. Allerdings muß ehrlicherweise konstatiert werden, daß der Siegeszug der digitalen Medien zunächst vor allem den [...]</p><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/12/12/die-originellsten-wissenschaftsbuecher-des-jahres-sachbuecher-2008/">Die originellsten Wissenschaftsbücher des Jahres | Sachbücher 2008</a>]</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img style="margin: 3px 5px; float: right;" title="Bücher - Topliste 2008, Quelle: stock.xchng, User: ba1969" src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/12/3_2008.jpg" alt="Bücher - Topliste" width="140" height="170" /><strong>Gelegentlich ist auch hier in der Wissenswerkstatt die These nachzulesen, daß wir einen tiefgreifenden Medienwandel erleben und das bedruckte Papier ein Anachronismus sei. Diese Behauptung &#8211; also die These vom Ende des Gutenberg-Zeitalters &#8211; behalte ich natürlich auch weiterhin aufrecht. Allerdings muß ehrlicherweise konstatiert werden, daß der Siegeszug der digitalen Medien zunächst vor allem den Nachrichtensektor treffen wird. Tageszeitungen brauchen das Papier als Trägermedium nicht.</strong></p>
<p>Anders sieht es (noch?!) auf dem Büchermarkt aus. Das Buch hat &#8211; erfreulicherweise &#8211; eine treue Fangemeinde und wer auch nur einen kurzen Spaziergang über die Frankfurter Buchmesse gemacht hat, der ahnt, daß dies auch die kommenden Jahre so bleiben wird. Spannend finde ich, daß es augenscheinlich gerade Sach- und Wissenschaftsbücher sind, die stark nachgefragt sind. Und entsprechend unübersichtlich ist der Markt der Neuerscheinungen in diesem Segment. Kaum möglich, hier den Überblick zu halten.</p>
<h4><span class="pullquote">Topliste der Wissenschaftsbücher: Mehr Übersicht auf dem Markt der Neuerscheinungen</span></h4>
<p>Wie schön, daß &#8220;Bild der Wissenschaft&#8221; eine namhafte Jury darum gebeten hat, die <a href="http://bdw.wissenschaft.de/bdw/newsartikel.html?bdwArtId=297436">Wissenschaftsbücher des Jahres 2008</a> zu benennen. Da ich solche Listen spannend finde, will ich die nächsten Tage einige der offenbar besonders empfehlenswerten Bücher kurz vorstellen.</p>
<p>In einzelnen Kategorien sind jeweils drei Top-Bücher aufgelistet &#8211; ich beginne heute mit den (zumindest nach Juryvotum) &#8220;originellsten Wissenschaftsbüchern des Jahres&#8221;<sup><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/12/12/die-originellsten-wissenschaftsbuecher-des-jahres-sachbuecher-2008/#footnote_0_761" id="identifier_0_761" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Was man bzw. die Jurymitglieder unter &amp;#8220;originell&amp;#8221; verstehen, darf man mich nicht fragen. Ich vermute, da&szlig; die B&uuml;cher schlicht unkonventionell sind, was Thematik und/oder Darstellungsform angeht.">1</a></sup></p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: medium;">Wissenschaftsbücher des Jahres 2008</span></p>
<p><strong><span style="font-size: medium;">+1.</span> Neil Shubin: &#8220;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3100720040?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3100720040">Der Fisch in uns. Eine Reise durch die 3,5 Milliarden Jahre alte Geschichte unseres Körpers</a>&#8220;</strong></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3100720040?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3100720040"><img style="margin: 5px 14px; float: right;" src="https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/41yEHAaCxDL._SL160_.jpg" alt="Der Fisch in uns" width="104" height="160" /></a>&#8220;Tiktaalik&#8221; &#8211; das heißt in der Sprache der Inuit soviel wie &#8220;großer Süßwasserfisch&#8221;. Und auf diesen Namen taufte der Paläontologe Neil Shubin das Fossil, das er im Juli 2004 in der kanadischen Arktis fand. In seinem Buch &#8220;Der Fisch in uns&#8221; unternimmt Shubin zweierlei Dinge:<sup><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/12/12/die-originellsten-wissenschaftsbuecher-des-jahres-sachbuecher-2008/#footnote_1_761" id="identifier_1_761" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich habe das Buch &amp;#8211; wie ich gestehen mu&szlig; &amp;#8211; nicht selbst gelesen, sondern beziehe mich auf verschiedene Rezensionen, die ich gefunden habe.">2</a></sup> erstens rekonstruiert er die spannende Geschichte von der Entdeckung dieses bedeutenden Fossils, das ihm internationale Anerkennung einbrachte.</p>
<h4><span class="pullquote_left">Flammendes Bekenntnis zur Evolutionslehre, spannender Forscherbericht und unterhaltsame Wissensvermittlung.</span></h4>
<p>Zweitens hält Shubin ein flammendes Plädoyer für die Evolutionslehre, für die er unzählige kleine und große Indizien aufführt und er erklärt damit &#8211; wenn ich den begeisterten Rezensenten glauben darf &#8211; auf anschauliche Weise das Prinzip der Evolution und vermittelt ein grundlegendes Verständnis für die Entstehung der Artenvielfalt.</p>
<p>Mit der Entdeckung von &#8220;Tiktaalik&#8221; ist Neil Shubin nämlich etwas Sensationelles gelungen: denn dieses Fossil (ca. 375 Millionen Jahre alt) weist gleichzeitig Schuppen und Flossen, sowie auch Handgelenke und Ellenbogen auf. Es ist somit ein Brückentier bzw. das &#8220;Missing Link&#8221;-Fossil, das am Übergang zwischen Wasser- und Landtieren steht. Indem Shubin die Expedition und Forschungsarbeit aus dem Jahre 2004 auf elegante und unterhaltsame Weise mit Informationen zur Evolution und Biologie verknüpft, schafft er es auf unterhaltsame Art jede Menge Informationen zu vermitteln. Diese Kopplung von spannendem Forschertage- und Lehrbuch trifft man &#8211; wie die Jury zu verstehen gibt &#8211; selten.</p>
<ul>
<li>Neil Shubin: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3100720040?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3100720040">Der Fisch in uns. Eine Reise durch die 3,5 Milliarden Jahre alte Geschichte unseres Körpers</a>. Aus dem Amerikanischen von Sebastian Vogel, S. Fischer Verlag, 2008, 281 Seiten</li>
<p>&nbsp;</p>
</ul>
<p><strong><span style="font-size: medium;">+2. </span>Fredrik Sjöberg: &#8220;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3821858168?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3821858168">Die Fliegenfalle. Über das Glück der Versenkung in seltsame Passionen,<br />
die Seele des Sammlers, Fliegen und das Leben mit der Natur</a>&#8220;</strong></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3821858168?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3821858168"><img style="margin: 5px 10px; float: left;" src="https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/31XLLpqdQYL._SL160_.jpg" alt="Die Fliegenfalle " width="105" height="160" /></a>Noch eine Idee unkonventioneller ist das Buch des schwedischen Autors und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Insektenkunde">Entomologen</a> Fredrik Sjöberg. Er schlüpft gleich in die Rolle eines fiktiven Erzählers und nimmt seine Leser mit auf eine Insel, wo er (hier vermischen sich die Personen des Erzählers und die reale Person und Biographie Sjöbergs) seiner Leidenschaft nachgeht: dem Fliegensammeln. Genau, richtig gehört: das alter ego Sjöbergs ist Insektenkundler und interessiert sich v.a. für Fliegen in all ihren Erscheinungsformen. Und so geht es im Buch um Schmeißfliegen, Tanzfliegen, Waffenfliegen, Fabelfliegen und &#8211; weil ihnen die Liebe des Erzählers ganz besonders gehört: um Schwebfliegen.</p>
<p>Dieses Hobby bzw. die Leidenschaft des Insektenkundlers klingt beim ersten Hören oder Lesen etwas befremdlich. Das soll ein Buch für einen breiteren Markt sein? Die Erklärung liefert wohl nur das Buch selbst und die erzählerische Kunstfertigkeit von Fredrik Sjöberg &#8211; wie Sylvia Staude in der Frankfurter Rundschau <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/literatur/?em_cnt=1342151">schrieb</a>:</p>
<blockquote><p>Man erfährt Sachen, von denen man nie ahnte, dass sie einen interessieren könnten (aber sie tun es).</p></blockquote>
<p>Und das ist ja wohl wirklich ein Qualitätsmerkmal. Gibt es Werkstattleser, die das Buch kennen? Ist es tatsächlich so faszinierend?</p>
<ul>
<li>Fredrik Sjöberg: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3821858168?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3821858168">Die Fliegenfalle</a>. Aus dem Schwedischen von Paul Berf. Eichborn Berlin 2008, 240 Seiten.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><span style="font-size: medium;">+3.</span> Alan Weisman: &#8220;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492051324?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3492051324">Die Welt ohne uns. Reise über eine unbevölkerte Erde.</a>&#8220;</strong></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492051324?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3492051324"><img style="margin: 5px 14px; float: right;" src="https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51jZs94SU6L._SL160_.jpg" alt="Alan Weisman - Die Welt ohne uns" width="100" height="160" /></a>Auf Platz 3 landet das Buch des US-Journalisten Alan Weisman, das ich bereits <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/30/die-wichtigsten-sachbuecher-des-jahres-2007-ranglisten-des-jahres-2007-iii/">in dieser Liste </a>vom Februar kurz besprochen hatte. Weisman unternimmt mit seinen Lesern ein kleines Gedankenexperiment: die Vorstellung, daß wir uns in einer Welt vorfinden, in der alles menschliche Leben plötzlich verschwunden wäre. Wie entwickelte sich das Leben, wenn der Faktor Mensch (in all seiner Gestaltungs- aber auch Zerstörungskraft) fehlte?</p>
<p>Weisman hat zur Beantwortung dieser (zum Glück?) hypothetischen Frage mit unzähligen Wissenschaftlern gesprochen und fasst die Ergebnisse zusammen. Wie lange dauert es, bis sich die Natur die Lebensräume des Menschen (also Städte, Straßen etc.) zurückerobert hat? Wer ist der Nutznießer, was verändert sich in 20, 50 oder mehreren hundert Jahren ohne den Störfaktor Mensch? Antworten gibt es bei Alan Weisman&#8230;</p>
<ul>
<li>Alan Weisman: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492051324?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3492051324">Die Welt ohne uns. Reise über eine unbevölkerte Erde.</a> Piper, München 2007, 378 Seiten. (Englisch: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492051324?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3492051324">Die Welt ohne uns</a>, Piper-Verlag)</li>
</ul>
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<div class="nr_clear"></div><hr size=1 width=40%><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_761" class="footnote">Was man bzw. die Jurymitglieder unter &#8220;originell&#8221; verstehen, darf man mich nicht fragen. Ich vermute, daß die Bücher schlicht unkonventionell sind, was Thematik und/oder Darstellungsform angeht.</li><li id="footnote_1_761" class="footnote">Ich habe das Buch &#8211; wie ich gestehen muß &#8211; nicht selbst gelesen, sondern beziehe mich auf verschiedene Rezensionen, die ich gefunden habe.</li></ol><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/12/12/die-originellsten-wissenschaftsbuecher-des-jahres-sachbuecher-2008/">Die originellsten Wissenschaftsbücher des Jahres | Sachbücher 2008</a>]</p> <p><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/?flattrss_redirect&amp;id=761&amp;md5=19a9cb5875db6fef3ec0a9b78f61261f" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Küchenphilosoph: Fulvio Pierangelini  ::: Web-Literatur: Neuausgabe von &#8220;mindestens haltbar&#8221; ::: Kino: Hader, Haas und Brenner &#124; Werkstatt-Ticker 13</title>
		<link>http://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/20/kuechenphilosoph-fulvio-pierangelini-web-literatur-neuausgabe-von-mindestens-haltbar-kino-hader-haas-und-brenner-werkstatt-ticker-13/</link>
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		<pubDate>Sun, 20 Apr 2008 19:00:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>» Kauz &#38; Koch Bisweilen gewinnt man den Eindruck, daß fast jeder Bundesbürger, der auch nur halbwegs kundig einen Rührbesen halten kann, früher oder später Gast in einer der unzähligen TV-Kochshows sein wird. Nach meiner eigenen Rechnung müßten inzwischen alle &#8220;gelernten&#8221; Köche sowieso mit Sendungen ausgestattet sein und Johann Lafer und Alfons Schuhbeck schauen ohnehin [...]</p><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/20/kuechenphilosoph-fulvio-pierangelini-web-literatur-neuausgabe-von-mindestens-haltbar-kino-hader-haas-und-brenner-werkstatt-ticker-13/">Küchenphilosoph: Fulvio Pierangelini  ::: Web-Literatur: Neuausgabe von &#8220;mindestens haltbar&#8221; ::: Kino: Hader, Haas und Brenner | Werkstatt-Ticker 13</a>]</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/category/werkstatt-ticker/"><img class="alignright size-full wp-image-234" style="border: 1px solid #DCDCDC; margin: 6px; float: right;" title="Ticker-Archiv" src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/uploads/2008/04/ticker_02a.jpg" alt="Ticker.jpg" width="180" height="121" /></a><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong> <span style="font-size: large;">Kauz &amp; Koch </span></span></h4>
<p>Bisweilen gewinnt man den Eindruck, daß fast jeder Bundesbürger, der auch nur halbwegs kundig einen Rührbesen halten kann, früher oder später Gast in einer der unzähligen TV-Kochshows sein wird. Nach meiner eigenen Rechnung müßten inzwischen alle &#8220;gelernten&#8221; Köche sowieso mit Sendungen ausgestattet sein und Johann Lafer und Alfons Schuhbeck schauen ohnehin öfter in Kameras als in Suppentöpfe.</p>
<p>Ich weiß nicht, ob die Koch-Show-Hysterie auch jenseits der Alpen so hohe Wellen schlägt. An einem Koch beißen sich die Fernsehredakteure allerdings die Zähne aus: Fulvio Pierangelini. Pierangelini, dessen Namen mir bislang überhaupt nicht geläufig war, gilt als der beste Koch Italiens. Und offenbar auch als der verschrobenste. Seinen Ruf als &#8220;caratteraccio&#8221;, als schwieriger Charakter, hat er sich jedenfalls hart erarbeitet, wenn man dem lesenswerten Portrait über ihn in der &#8220;SZ am Wochenende&#8221; glaubt.</p>
<p><span class="pullquote_left">Fulvio Pierangelini gilt als schwieriger Charakter. Liegt es daran, daß er das Kochen mehr liebt, als die Menschen?</span></p>
<p>Wenn er Journalisten doch einmal eine Audienz gewährt, erzählt er etwa davon, daß er zu all seinen Produkten eine persönliche Beziehung aufbaue. Und er ist überzeugt davon, daß eine Kartoffel, die er vorher gestreichelt hat, besser schmeckt.</p>
<p>Spannend finde ich, daß bei ihm im Lokal die Preise einer anderen Logik als in der restlichen Welt gehorchen: Pasta mit Hummer sind dann eben nicht teurer als &#8220;profane&#8221; Spaghetti mit Tomatensauce.</p>
<p>Und, das ist das bemerkenswerte: der Kerl gilt als extravaganter Kochkünstler und es stehen ganz ordinäre &#8220;Spaghetti al pomodoro&#8221; auf der Karte. Aber er erläutert dazu folgendes:</p>
<blockquote><p>&#8220;Für Pierangelini ist das ein Gericht der Kindheit, aufgeladen mit Erinnerungen und deshalb besonders schwierig zuzubereiten. &#8220;Es ist viel schwieriger, die Gäste mit einem bekannten Gericht zu beeindrucken, als ein völlig neues Gericht zu erfinden; im ersten Fall muss man mit unzähligen Vergleichen konkurrieren&#8221;, erklärte er seiner Biographin Prandi.&#8221;</p></blockquote>
<p>Diese Aussage finde ich durchaus plausibel. Und nicht nur deshalb finde ich Fulvio Pierangelini überaus sympathisch.</p>
<div class="links_ticker">
<ul>
<li>Preiß, Maren: <a href="http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/special/918/155512/index.html/leben/artikel/397/169903/article.html" target="_blank">Italiens bester Koch &#8211; Der Kartoffelflüsterer</a>, SZ am Wochenende, 18.4.2008</li>
</ul>
</div>
<h4><span><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong> <span style="font-size: large;">Neue Texte bei &#8220;mindestens haltbar&#8221;</span></span></span></h4>
<p>Wer zum Ausklang des Wochenendes oder für die nächsten Tage noch ein wenig Lesestoff für zwischendurch braucht, der sei auf das Online-Literatur-Magazin &#8220;<a href="http://www.mindestenshaltbar.net/" target="_blank">mindestens haltbar</a>&#8221; verwiesen. In diesem &#8211; wie der Untertitel verspricht &#8211; &#8220;magazin für meinungen&#8221; sind ja jeden Monat einige handverlesene Geschichten nachzulesen, die der unverwüstliche Don Dahlmann zusammensammelt.</p>
<p>Diese Ausgabe hat (anders als sonst üblich) kein übergreifendes Thema, aber dafür sind alle Texte mit einer passenden Begleitmusik versehen. Und diesmal hat auch die Sprachspielerin <a href="http://www.sprachspielerin.de/2008/04/19/herr-ernst/" target="_blank">wieder einen Text beigesteuert</a>. Betitelt ist er mit &#8220;Herr Ernst&#8221; und beginnt so:</p>
<blockquote><p>&#8220;Vielleicht hätte man es an dem Christbaum merken müssen, der im März immer noch geschmückt auf dem kleinen Balkon stand. Vielleicht hätte man es einfach daran merken müssen, dass man dem alten Herrn Ernst gar nicht mehr im Treppenhaus begegnete.&#8221;</p></blockquote>
<p>Weiterlesen und die Musik von &#8220;My first trumpet&#8221; anhören, kann man hier:</p>
<div class="links_ticker">
<ul>
<li><a href="http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2239/" target="_blank">Sprachspielerin: Herr Ernst</a>, in: mindestens haltbar, 04/2008</li>
</ul>
</div>
<h4><span><span style="color: #808080; font-size: xx-large;"><strong>»</strong> <span style="font-size: large;">Josef Hader ermittelt</span></span></span></h4>
<p>Einer der als Kabarettist hochgelobt, als Schauspieler bislang aber (noch?) unterschätzt wird, ist ja der Österreicher Josef Hader. Dabei konnte er schon vor Jahren in &#8220;Indien&#8221; und später in den ersten Verfilmungen der Wolf Haas-Krimis überzeugen. Aber vielleicht geht es ja auch nur mir so und alle Welt weiß bereits, daß Hader eigentlich v.a. ein toller Schauspieler ist?</p>
<p>Egal: Hader war letztes Jahr sehr gut in &#8220;Jagdhunde&#8221;<sup><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/20/kuechenphilosoph-fulvio-pierangelini-web-literatur-neuausgabe-von-mindestens-haltbar-kino-hader-haas-und-brenner-werkstatt-ticker-13/#footnote_0_262" id="identifier_0_262" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ein Film von Ann-Kristin Reyels">1</a></sup> und gefiel zuvor auch schon in &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Silentium_%28Film%29&amp;oldid=44592290" target="_blank">Silentium</a>&#8220;, dort zum zweiten Mal in der Rolle des Brenner, der Hauptfigur der Krimis von Wolf Haas. Und wie ich nun bei &#8220;<a href="http://cultpilot.de/index.php/2008/04/18/josef-hader-ist-wieder-brenner/" target="_blank">cultpilot</a>&#8221; lese, ist inzwischen auch der dritte Teil der Serie abgedreht.</p>
<p>Ende des Jahres soll dann &#8220;<a title="Wikipedia-Artikel" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Knochenmann" target="_blank">Der Knochenmann</a>&#8221; in die Kinos kommen. Die Hader- und Haas-Fans werden sich wohl jetzt schon Kinosessel für die Premiere reservieren.</p>
<p>Hier ein kleiner Vorgeschmack:</p>
<div class="youtube">
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="355" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="wmode" value="transparent" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/AQIqRfjCUB0&amp;hl=en" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="355" src="http://www.youtube.com/v/AQIqRfjCUB0&amp;hl=en" wmode="transparent"></embed></object></p>
</div>
<div class="invisible">
<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
<p><a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Kochen">Kochen</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Knochenmann">Knochenmann</a><br />
<a class="invisible" rel="tag" href="http://www.technorati.com/tag/Josef+Hader">Josef Hader</a></p>
<hr width="100%" size="1" /><hr /><h4>&Auml;hnliche Beitr&auml;ge</h4><ul><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/07/11/makabres-strandgut-blogger-refinanzierung-statistik-portal-bei-wikipedia-werkstatt-ticker-46/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Makabres Strandgut ::: Blogger-Refinanzierung ::: Statistik-Portal bei Wikipedia | Werkstatt-Ticker 46">Makabres Strandgut ::: Blogger-Refinanzierung ::: Statistik-Portal bei Wikipedia | Werkstatt-Ticker 46</a></li><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/02/wissenschaftsblog-charts-052008-kulinarik-twitter-werkstatt-ticker-16/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Wissenschaftsblog-Charts 05|2008 ::: Kulinarik-Twitter | Werkstatt-Ticker 16">Wissenschaftsblog-Charts 05|2008 ::: Kulinarik-Twitter | Werkstatt-Ticker 16</a></li><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/03/die-unterschaetzten-nebenfolgen-der-computertomographie-ct-aufnahmen-als-krebsrisiko/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Die unterschätzten Nebenfolgen der Computertomographie » CT-Aufnahmen als Krebsrisiko">Die unterschätzten Nebenfolgen der Computertomographie » CT-Aufnahmen als Krebsrisiko</a></li></ul><hr width="100%" size="1" /><p><font color="#777777">Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stöbern Sie doch weiter in anderen Veröffentlichungen der Wissenswerkstatt - etwa hier in der <a target="_blank" href="http://www.wissenswerkstatt.net/werkstattinventar-publikumslieblinge-liebhaberstuecke-und-versteckte-perlen/">Übersicht</a> besonders beliebter Texte. Alternativ lohnt sich auch die Navigation über das <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/lageplan/">Werkstattinventar</a><br /></font></p><p><em><font color="#777777">Alle Artikel der <a target="_blank" href="../">Wissenswerkstatt</a> stehen unter der <a target="_blank" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">CreativeCommons-Lizenz</a>, d.h. Verlinken jederzeit erlaubt, Bearbeiten und Zitieren jeweils unter Angabe der
Quelle, beides allerdings nur zu nichtkommerziellen Zwecken.</em></p><hr /><small>Copyright &copy; 2011<br />Sie lesen einen Feed der Website "Wissenswerkstatt.net".<br />Eine Verwendung dieses Feeds auf anderen Webseiten verst&ouml;&szlig;t gegen das Urheberrecht. Wenn Sie diesen Inhalt nicht in Ihrem News-Reader lesen, so macht sich die Seite, die Sie betrachten, der Urheberrechtsverletzung schuldig. <br /> </font>Digitaler Fingerprint: 18754798dca730b745ad417e2b5ebb91</small>
<div class="nr_clear"></div>	
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<div class="nr_clear"></div><hr size=1 width=40%><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_262" class="footnote">Ein Film von Ann-Kristin Reyels</li></ol><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/20/kuechenphilosoph-fulvio-pierangelini-web-literatur-neuausgabe-von-mindestens-haltbar-kino-hader-haas-und-brenner-werkstatt-ticker-13/">Küchenphilosoph: Fulvio Pierangelini  ::: Web-Literatur: Neuausgabe von &#8220;mindestens haltbar&#8221; ::: Kino: Hader, Haas und Brenner | Werkstatt-Ticker 13</a>]</p> <p><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/?flattrss_redirect&amp;id=262&amp;md5=77efc87864a23732a63381867e6e2a51" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kathedralen des Wissens » Die schönsten Bibliotheken der Welt &#124; Werkstattnotiz LXXVII</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Apr 2008 06:34:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstattnotizen]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Bibliotheken]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensgesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Gibt es eigentlich bereits Untersuchungen und Zahlen, wie sich in Zeiten einer sich digitalisierenden Wissenschaft die Besucherzahlen der (Universitäts-)Bibliotheken verändern? Schließlich ist es &#8211; wenn man die meisten Zeitschriftenartikel bequem per PDF erhält &#8211; viel seltener notwendig, den Weg in die Bibliothek anzutreten, um Bücher oder Zeitschriften auszuleihen. In Bibliotheken wird sicht- und spürbar, welche [...]</p><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/10/kathedralen-des-wissens-die-schoensten-bibliotheken-der-welt-werkstattnotiz-lxxvii/">Kathedralen des Wissens » Die schönsten Bibliotheken der Welt | Werkstattnotiz LXXVII</a>]</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Gibt es eigentlich bereits Untersuchungen und Zahlen, wie sich in Zeiten einer sich digitalisierenden Wissenschaft die Besucherzahlen der (Universitäts-)Bibliotheken verändern? Schließlich ist es &#8211; wenn man die meisten Zeitschriftenartikel bequem per PDF erhält &#8211; viel seltener notwendig, den Weg in die Bibliothek anzutreten, um Bücher oder Zeitschriften auszuleihen.</strong></p>
<h4 class="pullquote_left">In Bibliotheken wird sicht- und spürbar, welche Verehrung dem Wissen entgegengebracht wurde. Wo wird diese Wertschätzung heute noch erlebbar?</h4>
<p>Daß Bibliotheken mehr sind als ein Dokumentenarchiv, daß sie Orte des Wissens sind, an denen v.a. in früheren Zeiten spürbar wurde, welche Verehrung dem Wissen entgegengebracht wurde, wird wohl immer mehr in Vergessenheit geraten.</p>
<p>Umso eindringlicher sind die Aufnahmen der Bibliothekssäle traditionsreicher Bibliotheken. Ich bin <a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2008/03/bibliophilie.php">bei Ali Arbia</a> auf <a href="http://curiousexpeditions.org/2007/09/a_librophiliacs_love_letter_1.html">diesen Blogpost</a> aufmerksam geworden &#8211; einige dieser &#8220;Kathedralen des Wissens&#8221; seien hier als visuelle Appetithäppchen eingestellt.<sup><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/10/kathedralen-des-wissens-die-schoensten-bibliotheken-der-welt-werkstattnotiz-lxxvii/#footnote_0_221" id="identifier_0_221" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In der Eile habe ich zun&auml;chst nicht daran gedacht, die Quellen der Photos zu bezeichnen. Florian erinnert in den Kommentaren daran. Die Photos habe ich alle bei Wikipedia/Wikimedia Commons gefunden, dort ist eine freie Nutzung und Bearbeitung gestattet. Einige der Aufnahmen entstammen aber wohl dem Bildband von Candida H&ouml;fer (s. Literaturhinweis). Eine Kl&auml;rung des Sachverhalts ist mir gerade aber nicht m&ouml;glich.">1</a></sup></p>
<p>Das<a title="Wikipedia-Artikel" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stift_Admont"> Benediktinerstift Admont</a><sup><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/10/kathedralen-des-wissens-die-schoensten-bibliotheken-der-welt-werkstattnotiz-lxxvii/#footnote_1_221" id="identifier_1_221" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das Stift wurde schon 1074 gegr&uuml;ndet.">2</a></sup> in der Steiermark in Österreich beherbergt eine wunderbare Bibliothek. 1776 wurde die Stiftsbibliothek eingeweiht &#8211; sie wurde von manchen Zeitgenossen als &#8220;Achtes Weltwunder&#8221; bezeichnet und ist weltweit der größte Büchersaal innerhalb von Klostermauern.</p>
<p style="text-align: center;"><img style="border: 1px solid #696969; margin: 8px; padding: 1px;" src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/03/Bibliothek,%20Admont,%2001a.jpg" alt="Bibliothek, Admont, 01a.jpg" width="480" height="360" /></p>
<p>Kaum weniger prächtig ist die Bibliothek des <a title="Wikipedia-Artikel" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Strahov">Klosters Strahov</a> in Prag. Sie wurde von 1671-1679 erbaut und rund hundert Jahre später kamen noch beeindruckende Deckenfresken hinzu.</p>
<p style="text-align: center;"><img style="border: 1px solid #696969; margin: 8px; padding: 1px;" src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/03/Strahov%20Monestray%20Library%20Prag_01a.jpg" alt="Strahov Monestray Library Prag_01a.jpg" width="480" height="319" /></p>
<p>Von Prag zurück nach Österreich: Im 18. Jahrhundert wurde der barocke Neubau des traditionsreichen Benediktinerklosters <a title="Wikipedia-Artikel" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stift_Melk">Stift Melk</a> errichtet. Und ja, genau dieses Kloster ist uns heute auch durch Umberto Ecos &#8220;Der Name der Rose&#8221; ein Begriff. Denn der Ich-Erzähler ist der junge Benediktinermönch <a title="Wikipedia-Artikel" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Adson_von_Melk#Adson_von_Melk">Adson von Melk</a>.</p>
<p>Aber auch unabhängig von dieser späten literarischen Popularität, ist das niederösterreichische Kloster (das nicht umsonst zur Reihe des UNESCO-Weltkulturerbes zählt) bemerkenswert. Und die Bibliothek ist beeindruckend:</p>
<p style="text-align: center;"><img style="border: 1px solid #696969; margin: 8px; padding: 1px;" src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/03/Bibliothek,%20Melk,%2001a.jpg" alt="Bibliothek, Melk, 01a.jpg" width="480" height="322" /></p>
<p>Vollkommen anders, aber ebenso wirkungsvoll ist die Bibliothek, die sog. &#8220;Handelingenkamer&#8221;, im Parlamentsgebäude in Den Haag. Bei ihr handelt es sich um die alte Bibliothek des ehemaligen Justizministeriums.</p>
<p>Erbaut wurde das Gebäude Ende des 19. Jahrhunderts von &#8220;Rijksbouwmeester&#8221; Cornelis Hendrik Petersim &#8211; die Besonderheit: elektrisches Licht war damals nicht vorgesehen, auf Kerzen und Gaslampen wollte man verzichten. Durch die besondere Konstruktion der lichten Glaskuppel fällt ausreichend Helligkeit auch für die unteren Bücherregale. Der Raum ist 13,5 m lang und nur 6 m breit. Die roten Geländer und die sich leicht emporschwingende Treppe sind im übrigen durch chinesische Verzierungen (Drachenköpfe, Pranken etc.) geprägt.</p>
<p style="text-align: center;"><img style="border: 1px solid #696969; margin: 8px; padding: 1px;" src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/03/Handelingenkamer,%20Tweedekamer,%20Den%20Haag,%2001a.jpg" alt="Handelingenkamer, Tweedekamer, Den Haag, 01a.jpg" width="480" height="622" /></p>
<p>Wenn man solche Wissensspeicher in ihrer ganzen Pracht sieht, so möchte man fast bedauern, daß wir solche Räume zukünftig wohl kaum mehr wirklich &#8220;nutzen&#8221;, sondern höchstens aus musealer Neugier besuchen. Sollten wir unsere PDFs nicht doch wieder alle ausdrucken und in Regale stellen?</p>
<hr size="1" /><strong><em><br />
Literaturempfehlungen:</em></strong></p>
<ul>
<li>Höfer, Candida (2007): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3829601786?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3829601786">Bibliotheken</a>. Mit einem Essay von Umberto Eco. Schirmer/Mosel.</li>
<li>de Laubier, Guillaume und Bosser, Jacques (2003): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896601806?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3896601806">Die schönsten Bibliotheken der Welt</a>. Knesebeck.</li>
</ul>
<div class="invisible">
<hr size="1" />Technorati-Tags:</div>
<p><a class="invisible" href="http://www.technorati.com/tag/B%C3%BCcher">Bücher</a><a class="invisible" href="http://www.technorati.com/tag/Bibliotheken">Bibliotheken</a><a class="invisible" href="http://www.technorati.com/tag/Wissensgesellschaft">Wissensgesellschaft</a></p>
<hr width="100%" size="1" /><hr /><h4>&Auml;hnliche Beitr&auml;ge</h4><ul><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/19/ich-ist-ein-anderer-rolf-froboese-aka-randolph-blommel-aka-erwin-giesebrecht-aka-gerwin-stark-aka-kurzknapp-38/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Ich ist ein anderer&#8230;  » Rolf Froböse aka. Randolph Blommel aka. Erwin Giesebrecht aka. Gerwin Stark aka. &#8230; | kurz&#038;knapp 38">Ich ist ein anderer&#8230;  » Rolf Froböse aka. Randolph Blommel aka. Erwin Giesebrecht aka. Gerwin Stark aka. &#8230; | kurz&#038;knapp 38</a></li><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/02/19/ein-kleiner-schritt-fuer-harvard-ein-grosser-schritt-fuer-die-freie-wissenschaft-eine-harvard-fakultaet-stellt-publikationen-auf-einem-open-access-server-zur-verfuegung-werkstattnotiz-lxviii/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Ein kleiner Schritt für Harvard, ein großer Schritt für die freie Wissenschaft » Eine Harvard-Fakultät stellt Publikationen auf einem Open-Access-Server zur Verfügung | Werkstattnotiz LXVIII">Ein kleiner Schritt für Harvard, ein großer Schritt für die freie Wissenschaft » Eine Harvard-Fakultät stellt Publikationen auf einem Open-Access-Server zur Verfügung | Werkstattnotiz LXVIII</a></li><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/03/bibliothekartag-bewegendes-wissen-umfrage-wissenschaftliche-webnutzung-17-fragen-an-dominik-schneider-werkstatt-ticker-31/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Bibliothekartag: Bewegendes Wissen ::: Umfrage: Wissenschaftliche Webnutzung ::: 17 Fragen an: Dominik Schneider | Werkstatt-Ticker 31">Bibliothekartag: Bewegendes Wissen ::: Umfrage: Wissenschaftliche Webnutzung ::: 17 Fragen an: Dominik Schneider | Werkstatt-Ticker 31</a></li></ul><hr width="100%" size="1" /><p><font color="#777777">Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stöbern Sie doch weiter in anderen Veröffentlichungen der Wissenswerkstatt - etwa hier in der <a target="_blank" href="http://www.wissenswerkstatt.net/werkstattinventar-publikumslieblinge-liebhaberstuecke-und-versteckte-perlen/">Übersicht</a> besonders beliebter Texte. Alternativ lohnt sich auch die Navigation über das <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/lageplan/">Werkstattinventar</a><br /></font></p><p><em><font color="#777777">Alle Artikel der <a target="_blank" href="../">Wissenswerkstatt</a> stehen unter der <a target="_blank" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">CreativeCommons-Lizenz</a>, d.h. Verlinken jederzeit erlaubt, Bearbeiten und Zitieren jeweils unter Angabe der
Quelle, beides allerdings nur zu nichtkommerziellen Zwecken.</em></p><hr /><small>Copyright &copy; 2011<br />Sie lesen einen Feed der Website "Wissenswerkstatt.net".<br />Eine Verwendung dieses Feeds auf anderen Webseiten verst&ouml;&szlig;t gegen das Urheberrecht. Wenn Sie diesen Inhalt nicht in Ihrem News-Reader lesen, so macht sich die Seite, die Sie betrachten, der Urheberrechtsverletzung schuldig. <br /> </font>Digitaler Fingerprint: 18754798dca730b745ad417e2b5ebb91</small>
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<div class="nr_clear"></div><hr size=1 width=40%><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_221" class="footnote">In der Eile habe ich zunächst nicht daran gedacht, die Quellen der Photos zu bezeichnen. Florian erinnert in den Kommentaren daran. Die Photos habe ich alle bei Wikipedia/<a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/Main_Page" target="_blank">Wikimedia Commons</a> gefunden, dort ist eine freie Nutzung und Bearbeitung gestattet. Einige der Aufnahmen entstammen aber wohl dem Bildband von Candida Höfer (s. Literaturhinweis). Eine Klärung des Sachverhalts ist mir gerade aber nicht möglich.</li><li id="footnote_1_221" class="footnote">Das Stift wurde schon 1074 gegründet.</li></ol><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/10/kathedralen-des-wissens-die-schoensten-bibliotheken-der-welt-werkstattnotiz-lxxvii/">Kathedralen des Wissens » Die schönsten Bibliotheken der Welt | Werkstattnotiz LXXVII</a>]</p> <p><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/?flattrss_redirect&amp;id=221&amp;md5=6a594d9e90f1372c1789d08c5dfdbbe5" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die wichtigsten Sachbücher des Jahres 2007 &#124; Ranglisten des Jahres 2007 &#8211; III</title>
		<link>http://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/30/die-wichtigsten-sachbuecher-des-jahres-2007-ranglisten-des-jahres-2007-iii/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Jan 2008 09:44:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturtipps]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Was wäre ein Jahresrückblick ohne eine Auflistung der besten Bücher? Genauso sieht es das TIME-Magazine und hat in seiner umfassenden Toplisten-Revue nicht nur belletristische Bestseller sondern auch preisgekrönte und erfolgreiche Sachbücher erfaßt. Wobei es &#8211; das vorweg &#8211; keine Bestsellerliste ist, sondern eher als eine Liste derjenigen Bücher zu verstehen ist, die nach Meinung der [...]</p><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/30/die-wichtigsten-sachbuecher-des-jahres-2007-ranglisten-des-jahres-2007-iii/">Die wichtigsten Sachbücher des Jahres 2007 | Ranglisten des Jahres 2007 &#8211; III</a>]</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img width="107" height="144" align="right" src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/01/Top-Ten-2007.jpg" alt="Top-Ten-2007.jpg" style="margin: 8px;" /><strong>Was wäre ein Jahresrückblick ohne eine Auflistung der besten Bücher? Genauso sieht es das TIME-Magazine und hat in seiner umfassenden <a href="http://www.time.com/time/specials/2007/top10/0,30576,1686204,00.html" target="_blank">Toplisten-Revue</a> nicht nur belletristische Bestseller sondern auch preisgekrönte und erfolgreiche Sachbücher erfaßt. Wobei es &#8211; das vorweg &#8211; keine Bestsellerliste ist, sondern eher als eine Liste derjenigen Bücher zu verstehen ist, die nach Meinung der Literaturredakteure am bemerkenswertesten waren.&nbsp;&nbsp;</strong> </p>
<p>Was auffällt: dezidiert (populär-)wissenschaftliche Bücher sind keine darunter. Die Politik (egal ob Einblicke in Geheimdienste oder oberste Gerichte) steht hoch im Kurs. Daneben ist das Umweltthema sehr weit vorne plaziert: einmal wird spekuliert, wie sich die Welt wohl entwickelte, wenn sich die Menschheit mit einem Schlag selbst abschafft &#8211; das andere Mal wird ein Lebensstil (derjenge der &quot;locavores&quot;) beschrieben, der einen schonenden Umgang mit der Natur zum Leitprinzip erhebt. Daneben finden sich Biographien und Erinnerungen von berühmten und weniger berühmten Personen, aber der Reihe nach&#8230; </p>
<p>&nbsp;</p>
<p align="center"><em><font size="3"><strong>Sachbücher-Top-10</strong></font></em></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/0312347294?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=0312347294"><img width="140" height="201" align="right" src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/01/World_Without_us_01.jpg" alt="World_Without_us_01.jpg" style="margin: 8px;" /></a><font size="4">+1.</font> <strong>Alan Weisman:<a href="http://www.amazon.de/gp/product/0312347294?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=0312347294"> The World Without Us</a> </strong>| dt.: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492051324?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3492051324">Die Welt ohne uns</a>, Piper-Verlag</p>
<p>Kaum erstaunlich, daß in dem Jahr, in dem die Weltgemeinschaft registrierte, daß die ökologische Frage eines ihren zentralen Probleme darstellt, ein Buch auf Platz 1 steht, das genau ein solches Szenario entwirft. Alan Weisman &#8211; vielfach preisgekrönter Journalist &#8211; unternimmt ein Gedankenexperiment und nimmt die Leser mit auf die Reise in die Zukunft, wenn die Menschheit plötzlich verschwunden sein wird. </p>
<p>Wie schreitet die Erosion (oder: Renaturierung?) voran? Wie lange bleiben unsere Häuser bestehen, was überdauert von unserer Zivilisation? Welche Nutznießer gibt es nach dem Niedergang des Homo Sapiens?</p>
<p>Sicher ein lesenswertes Buch im Zeitalter der Klimakatastrophe und anderer menschengemachter Zivilisationsrisiken. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><font size="4"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/022403121X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=022403121X"><img width="148" height="180" align="left" style="margin: 9px;" alt="Life_of_Picasso_01.jpg" src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/01/Life_of_Picasso_01.jpg" /></a>+2.</font> <strong>John Richardson:<a href="http://www.amazon.de/gp/product/022403121X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=022403121X"> Life of Picasso: The Triumphant Years, 1917-1932</a> </strong></p>
<p>Dieser dritte Teil der monumentalen Picasso-Biographie von John Richardson beschreibt die Phase, in der sich Picasso vom Bohemian zum etablierten, beachteten Künstler wandelte. Den Zeitraum, in dem Ruhm, Hochzeit und Affären das Leben des einzigartigen Künstlers bestimmten, beschreibt Richardson mit profunder Sachkenntnis. Und &#8211; was ja bei Biographien nicht selbstverständlich ist &#8211; Richardson glänzt nicht nur durch intime Vertrautheit mit seinem Gegenstand, sondern genauso durch seinen herausragend lesbaren Stil.&nbsp; </p>
<p>Eine Künstlerbiographie, wie man sie sich spannender und tiefgründiger kaum vorstellen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><font size="4">+3.</font> <strong>Ishmael Beah: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0374105235?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=0374105235">A Long Way Gone: Memoirs of a Boy Soldier</a> </strong>| dt.: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3593382644?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3593382644">Rückkehr ins Leben</a></p>
<p>Das Schicksal der Kindersoldaten &#8211; nach UNICEF-Schätzungen werden weltweit 300.000 Kinder als Soldaten mißbraucht &#8211; ist meist nur ein Randthema in der Berichterstattung über Krisen und Unruhen. Anfang der 90er Jahre war Ishmael Beah zwölf Jahre alt, als in Sierra Leone der Bürgerkrieg ausbrach und er in diese perverse Kriegsmaschinerie hineingezogen wurde. Heute lebt Beah in New York, arbeitet für Human Rights Watch und hat ein Buch über seine Erlebnisse geschrieben.</p>
<p><em>Die Süddeutsche Zeitung schrieb:</em></p>
<blockquote><p>&quot;Es gab noch nie ein Buch, das das Leben eines afrikanischen Kindersoldaten aus dessen Sicht erzählt. Ohne Pathos, ohne Übertreibung, ohne altkluge Reflexion, ohne Schuldbekenntnis, nur geschildert, in einer einfachen und deshalb umso fesselnderen Sprache.&quot;</p></blockquote>
<p><font size="4"><br />+4.</font> <strong>Tim Weiner:<a href="http://www.amazon.de/gp/product/038551445X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=038551445X"> Legacy of Ashes: The History of the CIA</a></strong> | dt. CIA. Die ganze Geschichte.</p>
<p>Tim Weiner ist Journalist und einer der besten Kenner der Geheimdienste. Der Pulitzerpreisträger sichtete für sein vorliegendes Werk über 50 000 Dokumente in den Archiven von Geheimdiensten, des Pentagon und anderen Stellen. Er nahm dabei Einblick in Geheimpapiere und führte dutzende Interviews mit ehemaligen Agenten, Poltikiern und anderen Geheimnisträgern.</p>
<p>Herausgekommen ist eine umfassende Darstellung dieses sagenumwobenen Geheimdienstes; Weiner skizziert dessen Macht, die Praktiken der einzelnen Akteure und die Verwicklungen vom Korea-Krieg bis zum 11. September. Und er deckt auch auf, daß die Informationsbeschaffung (auch für die CIA) immer ein schwieriges, riskantes Geschäft bleibt, das stets auch Mißlingen kann.<br />&nbsp;</p>
<p><font size="4"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/0374249393?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=0374249393"><img width="130" height="194" align="right" style="margin: 5px;" alt="Rest_is_Noise_01.jpg" src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/01/Rest_is_Noise_01.jpg" /></a>+5.</font> <strong>Alex Ross: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0374249393?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=0374249393">The Rest is Noise: Listening to the Twentieth Century</a></strong></p>
<p>Alex Ross ist der Musikkritiker des &quot;New Yorker&quot; und entführt die Leser in die Welt der klassischen Musik, in die Welt der Komponisten von Weltrang und diejenige der Dirigenten, die deren Werke maßgeblich interpretierten. Über Richard Strauss bis zu Schostakowitsch, von Jan Sibelius bis hin zu Arnold Schönbergs avantgardistischer Zwölftonmusik &#8211; Ross nähert sich den Größten der klassischen Musikwelt mit Bewunderung, aber ohne falschen Respekt. Und schon allein der Titel ist umwerfend, oder?<sup><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/30/die-wichtigsten-sachbuecher-des-jahres-2007-ranglisten-des-jahres-2007-iii/#footnote_0_186" id="identifier_0_186" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wenn das kein ph&auml;nomenaler Albumtitel ist? ;-) ">1</a></sup></p>
<p><font size="4"><br />+6.</font> <strong>Steve Martin:<a href="http://www.amazon.de/gp/product/1410403122?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1410403122"> Born Standing Up: A Comic&#8217;s Life</a></strong></p>
<p>Der Schauspieler Steve Martin blickt zurück auf seine außergewöhnliche Karriere. Auf seine Anfänge, in denen er die britischen Komiker &#8211; allen voran Monty Python &#8211; bewunderte und auf die Höhepunkte seiner Laufbahn in den 70er und 80er Jahren. </p>
<blockquote><p>&quot;The writing is evocative, unflinching and cool. When Martin takes a scalpel to his life, what you feel is the precision of the surgeon more than the primal scream of the unanaesthetized patient&#8230;Born Standing Up is neither fanfare nor confession. It gives off a vibe of rigorous honesty. With lots of laughs.&quot; &#8211;Richard Corliss, Time Magazine</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p><font size="4"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/0060852550?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=0060852550"><img width="135" height="196" align="left" style="margin: 9px;" alt="Animal, Vegetable_01.jpg" src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/01/Animal,%20Vegetable_01.jpg" /></a>+7.</font> <strong>Barbara Kingsolver: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0060852550?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=0060852550">Animal, Vegetable, Miracle: A Year of Food Life</a></strong></p>
<p>Barbara Kingsolver ist Biologin und Schriftstellerin, führte ein bis dato abwechslungsreiches Leben und nennt einen Mann und zwei Töchter ihr Eigen. Das wäre kaum erzählenswert, wenn Barbara Kingsolver nicht ein kleines Experiment mit ihrer Familie gestartet hätte: als sie von Tucson/Arizona irgendwo nach Virginia umzogen, krempelte Barabra die Ernährungsgewohnheiten radikal um. Man lebte ohnehin auf einer Farm und fortan kam nur noch Essen auf den Tisch, das man selbst gepflanzt, gezüchtet und geerntet hatte. </p>
<p>Diese Erlebnisse schilderte sie &#8211; wenn man den Rezensenten glauben mag &#8211; in unheimlich liebenswerter und kurzweiliger Art: sie argumentiert sehr überzeugt für diesen neuen Lebensstil, schreibt aber gleichzeitig auch überaus humorvoll über diesen neuen &quot;American Way of Life&quot;. Und für diese Bewegung gibt es auch schon einen Namen: &quot;<a target="_blank" href="http://www.utopia.de/wissen/menschen/locavore-new-york">locavores</a>&quot; bezeichnen sich diese Anhänger. Ihr Motto: &quot;<em>eat locally</em>&quot;.</p>
<p> Wann kommt die deutsche Übersetzung auf den Markt? Wenn der Titel in Ökoläden und in einschlägigen Milieus keinen reißenden Absatz findet, dann weiß ich auch nicht weiter&#8230;</p>
</p>
<p><font size="4"></font></p>
<p><font size="4">+8. </font><strong>Jeffrey Toobin: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0739354590?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=0739354590">The Nine: Inside the Secret World of the Supreme Court</a></strong></p>
<p>Der &quot;Supreme Court&quot; &#8211; das oberste Gericht der USA &#8211; ist eine Welt für sich. Außenstehende haben kaum einen Einblick in das Geschehen und so agieren die Richter und Mitarbeiter dieser Institution weitgehend unterhalb der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle. Jeffrey Tobin, versierter Journalist, hat hinter die Kulissen geblickt und beschreibt die Richter als heldenhafte Anhänger der Gerechtigkeit, die aber gleichzeitig allzu menschliche Schwächen offenbaren, die von Selbstüberschätzung, Arroganz bis zu Eitelkeit und Überempfindlichkeit reichen&#8230; </p>
<p><font size="4"><br />+9.</font><strong> Elyn R. Saks: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/140130138X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=140130138X">The Center Cannot Hold: My Journey Through Madness</a></strong></p>
<p>Bücher über die Schicksale von psychisch Erkrankten gibt es viele. Aber nur wenige sind wie dasjenige von Elyn R. Saks. Saks ist hochintelligent, brillante Juristin mit Yale-Diplom. Und: sie leidet an Schizophrenie. Sie schilderte ihre Kindheit, den Zeitpunkt der Diagnose und ihr Leben mit und gegen diese Erkankung. Das TIME-Magazin fand dieses Buch herausragend.</p>
<p><font size="4">+10.</font> <strong>Kate Braestrup: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1594839298?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=1594839298">Here If You Need Me. A True Story</a></strong></p>
<p>Als Kate Braestrups Mann bei einem Verkehrsunfall starb und sie mit vier kleinen Kindern hinterließ, begann sie sich stärker in ihrer Kirche zu engagieren, wurde Kaplanin und setzt sich seitdem für die Kranken, Armen und Benachteiligten ein. Ein Buch, das vielleicht typisch amerikanisch ist, oder?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>So, das sind sie, die Top10 der &quot;nonfictional Books&quot; des Jahres 2007. Was wäre wohl im deutschsprachigen Markt als erwähnenswert erachtet worden? Eva Hermans unsägliches reaktionäres Frauenbild sollte es ja hoffentlich auf keine Topliste schaffen. </p>
<p>Mich wundert übrigens, daß es <a target="_blank" href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/11/06/aufklaerung-aus-leidenschaft-the-out-campaign-und-richard-dawkins-kampf-gegen-die-kreationistische-ideologie/">Richard Dawkins</a> mit seinem erfolgreichen &quot;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3550086881?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3550086881">Gotteswahn</a>&quot; nicht auf die Liste geschafft hat. Ist das ein Zugeständnis an die Kreationisten unter den TIME-Lesern? </p>
<p>Ich könnte mir ja vorstellen, daß Rüdiger Safranski mit seiner Annäherung an die Romantik(er) weit vorne gelandet wäre (&quot;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3446209441?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3446209441">Romantik. Eine deutsche Affäre</a>&quot;). Oder auch das mutige Aufklärungsbuch über die neapolitanische Mafia von Roberto Saviano (&quot;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3446209492?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3446209492">Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra</a>&quot;). Aber sonst? Hattet Ihr andere Favoriten?<br /> 
</p>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" />
<p><em>Empfehlungen für Listenliebhaber:</em></p>
<ul>
<li>Schott, Ben (2008): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3827007518?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3827007518">Schotts Sammelsurium 2008</a>. Bloomsbury.</li>
<li>Ankowitwsch, Christian (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442153816?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3442153816">Dr. Ankowitschs Kleines Konversations-Lexikon</a>. Goldmann. </li>
<li>Wallechinsky, David &amp; Wallace, Amy (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3548368913?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3548368913">Das große Buch der Listen</a>. Wissenswertes, Kurioses und Überflüssiges. Ullstein.</li>
<li>Schott, Ben (2005): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3827006074?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3827006074">Schotts Sammelsurium Essen &amp; Trinken</a>. Bloomsbury.</li>
</ul>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<p> </p>
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		<title>Warten in Absurdistan » Vor 55 Jahren wurde Samuel Becketts »Warten auf Godot« uraufgeführt &#124; Werkstattnotiz LIII</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Jan 2008 19:14:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wohl kein anderer Titel eines Theaterstück ist so sprichwörtlich geworden wie derjenige des Jahrhundertstücks »Warten auf Godot«. Heute vor 55 Jahren fand in Paris die Uraufführung von Samuel Becketts Tragikomödie statt und begründete sowohl den Weltruhm ihres Autors als auch den Durchbruch des »absurden Theaters«. Wer Becketts Stück noch nie gesehen hat &#8211; so könnte [...]</p><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/05/warten-in-absurdistan-vor-55-jahren-wurde-samuel-becketts-warten-auf-godot-uraufgefuehrt-werkstattnotiz-liii/">Warten in Absurdistan » Vor 55 Jahren wurde Samuel Becketts »Warten auf Godot« uraufgeführt | Werkstattnotiz LIII</a>]</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wohl kein anderer Titel eines Theaterstück ist so sprichwörtlich geworden wie derjenige des Jahrhundertstücks »Warten auf Godot«. Heute vor 55 Jahren fand in Paris die Uraufführung von Samuel Becketts Tragikomödie statt und begründete sowohl den Weltruhm ihres Autors als auch den Durchbruch des »<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Absurdes_Theater" target="_blank" title="Wikipedia-Artikel">absurden Theaters</a>«.</strong></p>
<p>Wer Becketts Stück noch nie gesehen hat &#8211; so könnte man böse formulieren &#8211; hat nichts verpaßt. Denn es passiert: (fast) nichts. Aber wer wollte das einem Stück vorwerfen, das in seinem Titel durchaus nichts verheimlicht. Denn »Warten auf Godot« kreist genau um dieses eine Thema, nämlich das Warten. Daß dieses Warten der beiden Landstreicher Wladimir und Estragon &#8211; die im Niemandsland an einer Landstraße miteinander reden, debattieren und streiten &#8211; nicht von Erfolg gekrönt sein wird, ist im Grunde von Anfang an klar.</p>
<p><strong>Existentialismus der Bühne: Die Sinnlosigkeit des Daseins&nbsp; </strong></p>
<h4 class="pullquote"> Wovon handelt »Warten auf Godot«? Von Godot? Vom Warten? Handelt es nicht im wesentlichen von der Abwesenheit aller Hoffnung?<br /></h4>
<p>Denn das Stück handelt ja eben nicht von Godot, von dem letztlich nicht einmal klar ist, ob es ihn überhaupt gibt, sondern es erzählt von seiner Abwesenheit. Oder, so könnte man noch grundsätzlicher feststellen: &quot;Warten auf Godot« erzählt von der Abwesenheit allen Sinns und aller Hoffnung. Die Sinnlosigkeit des Daseins, das ist &#8211; ganz dem existentialistisch-avantgardistischen Zeitgeist der Pariser Intellektuellen entsprechend &#8211; das unausgesprochene Hauptthema des Stücks. Denn da finden sich zwei Landstreicher neben einem Baum wieder und an ihrer trostlosen Situation ändern auch der vorbeikommende Pozzo, der seinen Diener Lucky herumkommandiert, nichts. </p>
<p><img width="280" height="313" align="left" src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2008/01/Warten_auf_Godot_01.jpg" alt="Warten_auf_Godot_01.jpg" style="border: 1px solid rgb(105, 105, 105); padding: 1px; margin-top: 3px; margin-right: 18px; margin-bottom: 5px;" />Zweifel, ob ihr Handeln &#8211; das ja eben im Warten besteht &#8211; Sinn hat, begleitet Wladimir und Estragon das ganze Stück, dessen belanglos-surrealen Dialoge die grenzenlose Absurdität der Situation illustrieren und das Premierenpublikum irritiert zurückließ. </p>
<p>Fünf Jahre hatte es gedauert, daß Becketts bekanntestes Drama aufgeführt wurde. 1948 hatte er es geschrieben, aber erst der junge Regisseur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Blin" target="_blank" title="Wikipedia-Artikel">Roger Blin</a> inszenierte es am 5. Januar 1953<sup><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/05/warten-in-absurdistan-vor-55-jahren-wurde-samuel-becketts-warten-auf-godot-uraufgefuehrt-werkstattnotiz-liii/#footnote_0_166" id="identifier_0_166" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Es kursieren verschiedene Daten bzgl. der Urauff&uuml;hrung. Allerdings ist der 5.1.1953 in den meisten seri&ouml;sen Quellen genannt. vgl. Kwasnik, Aleksandra und Drey&szlig;ig, Florian: Das Warten geht weiter. Immer nur weiter. S&uuml;ddeutsche Zeitung, 12.4.2006">1</a></sup> im kleinen Pariser »Théâtre de Babylone«.<sup><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/05/warten-in-absurdistan-vor-55-jahren-wurde-samuel-becketts-warten-auf-godot-uraufgefuehrt-werkstattnotiz-liii/#footnote_1_166" id="identifier_1_166" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das Photo rechts stammt von dieser ersten Inszenierung. Es ist der Beckett-Website der Universit&auml;t Antwerpen entnommen.">2</a></sup> Verstanden habe er es zwar nicht &#8211; so gab der Regisseur Blin später zu Protokoll &#8211; aber es sei ihm sympathisch gewesen.&nbsp;</p>
<p><strong>Wer ist Godot?</strong></p>
<p>Aber wer ist bzw. wer könnte dieser Godot möglicherweise sein? Samuel Beckett hat zeitlebens eine Antwort verweigert. Spekuliert wurde freilich, ob bei der Namenswahl doch &#8211; was naheliegend wäre &#8211; das englische Wort &quot;God&quot; (ergänzt durch die Endung des französischen Diminutivs &quot;-ot&quot;) Pate gestanden habe. Andere Vermutungen stellen eine Verbindung zur Figur des Godeau im Stück &quot;Le Faiseur oder Mercadet« von <a title="Wikipedia-Artikel" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Honor%C3%A9_de_Balzac">Honoré de Balzac</a> her. Aber auch hier blieb Beckett eine Antwort schuldig. </p>
<p>Für seinen Autor bedeutete die Uraufführung aber den endgültigen Durchbruch. Bereits wenige Monate später begann <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Kortner" target="_blank" title="Wikipedia-Artikel">Fritz Kortner</a> in Berlin mit seinen Arbeiten an »Warten auf Godot«. Becketts weitere Arbeiten (u.a. 1957: Endspiel, 1961: Glückliche Tage) wurden ebenfalls Welterfolge und 1969 wurde ihm der Literaturnobelpreis verliehen. Noch heute rangiert Beckett &#8211; der 1906 in Dublin geboren wurde &#8211; auf der Liste der meistgespielten französischen Autoren auf dem zweiten Platz. </p>
<p><strong>Kriegswirren &amp; Flucht, Popularität &amp; Nobelpreis </strong></p>
<p>Weshalb ein irischer Schriftsteller als französischer Autor geführt wird? Das mag zwar auf den ersten Blick irritierend sein, ist aber schnell erklärt. Samuel Beckett war seit Jugendtagen ein Liebhaber der französischen Sprache. Er studierte am Dubliner »Trinity College« ab 1923 Französisch und Italienisch, bereiste diese Länder auch mehrmals und ließ sich (nach einigen Umwegen und Reisen die ihn u.a. nach Deutschland führten) schließlich in Frankreich nieder. </p>
<p>Es mag auch eine Rolle gespielt haben, daß sein Vorbild <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/James_Joyce" target="_blank" title="Wikipedia-Artikel">James Joyce</a> lange Zeit in Paris lebte. Ab 1937 hielt sich Beckett jedenfalls ständig in Paris auf, schloß sich Ende 1940 der Résistance an und floh, als seine Widerstandszelle der Gestapo verraten wurde, nach Südfrankreich. Im kleinen Dörfchen Roussillon, das durch seine Ockersteinbrüche bekannt ist, arbeitete er u.a. als Helfer bei der Weinernte. </p>
<h4 class="pullquote_left"> Die deutsche Übersetzung verlegt die Handlung von Südfrankreich ins Breisgau. Nicht ohne Verluste&#8230;<br /></h4>
<p>Und dieses Roussillon ist auch der Ort, in dessen Nähe Beckett seine Protagonisten aufeinandertreffen läßt. In der deutschen Übersetzung wird das Städtchen Dürkweiler und der Breisgau genannt, im französischen Original sind dies aber Roussillon und der Lubéron.<sup><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/05/warten-in-absurdistan-vor-55-jahren-wurde-samuel-becketts-warten-auf-godot-uraufgefuehrt-werkstattnotiz-liii/#footnote_2_166" id="identifier_2_166" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Genauso wird aus dem Bauern Bonnelly ein &amp;quot;Herr Guttmann&amp;quot;.">3</a></sup> Und wenn Wladimir ausruft: &quot;Aber dort ist alles rot&quot;, dann ist die Bezugnahme auf die Ockersteinbrüche offensichtlich, die in der deutschen Fassung unverständlich bleiben muß.</p>
<p>Solche Details freilich sind und waren unerheblich für den Welterfolg, der »Warten auf Godot« wurde. Beckett selbst hatte seinem Stück den Untertitel »Une tragi-comédie« gegeben und damit die Verschränktheit von Komik und Tragik betont, die in jedem einzelnen absurden Moment aufeinander bezogen sind. Diese Ambivalenz in der Perspektivlosigkeit &#8211; wenn Hoffen, Warten oder Handeln gleich viel und somit gleich wenig bedeuten &#8211; , die Beckett mit seinem Godot zum Ausdruck brachte, traf den Zeitgeist der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. </p>
<p>Ob sich an der grundlegenden Situation aber seither etwas geändert hat? Haben wir heute eine bessere Antwort auf Kants große Frage: &quot;Was dürfen wir hoffen?&quot;</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="100%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Literaturempfehlungen:</em></strong></p>
<ul>
<li>Beckett, Samuel: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518457519?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518457519">Warten auf Godot / Endspiel / Glückliche Tage</a>. Drei Stücke. Suhrkamp. Frankfurt a.M.</li>
</ul>
<p><em>Die grundlegende Biographie und die Erinnerungen:</em></p>
<ul>
<li>Knowlson, James &amp; Knowlson, Elizabeth (2006): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518417665?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518417665">Beckett Erinnerung</a>. Suhrkamp. Frankfurt a.M.</li>
<li>Knowlson, James (2003): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518412213?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518412213">Samuel Beckett. Eine Biographie</a>. Suhrkamp. Frankfurt a.M.</li>
</ul>
<p><em>Audio-CD:</em></p>
<ul>
<li>Beckett, Samuel: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000026AN2?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B000026AN2">Warten auf Godot/das Letzte</a>. In Inszenierungen des Schiller-Theaters Berlin.</li>
<li>Thalia Hörwerk 01. <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3455304745?ie=UTF8&amp;tag=wwwleichtathl-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3455304745">Beckett was here</a>. Hamburg im Tagebuch Samuel Becketts von 1933</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li>Kwasnik, Aleksandra und Dreyßig, Florian: <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/805/73732/" target="_blank">Das Warten geht weiter. Immer nur weiter</a>. Süddeutsche Zeitung, 12.4.2006</li>
<li>Mitgang, Herbert (1981): <a href="http://www.samuel-beckett.net/beckett_paris.html" target="_blank">Beckett in Paris</a>. In: The New York Times, Sunday, Late City Final Edition Section 7, 25.1.1981</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p></p>
<hr width="100%" size="1" /><hr /><h4>&Auml;hnliche Beitr&auml;ge</h4><ul><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/wissenswerkstatt/werkstattinventar-publikumslieblinge-liebhaberstuecke-und-versteckte-perlen/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Werkstattinventar » Publikumslieblinge, Liebhaberstücke und versteckte Perlen">Werkstattinventar » Publikumslieblinge, Liebhaberstücke und versteckte Perlen</a></li><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/10/06/der-medizin-nobelpreis-2008-geht-an-das-bange-warten-auf-den-anruf-aus-stockholm-werkstattnotiz-119/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Der Medizin-Nobelpreis 2008 geht an&#8230; : Das bange Warten auf den Anruf aus Stockholm | Werkstattnotiz 119">Der Medizin-Nobelpreis 2008 geht an&#8230; : Das bange Warten auf den Anruf aus Stockholm | Werkstattnotiz 119</a></li><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2009/06/23/%c2%bbfar%c2%ab-regina-spektor-mit-neuen-existenz-und-klangexperimenten/" rel="bookmark" title="Permanent Link: »Far« &#8211; Regina Spektor mit neuen Existenz- und Klangexperimenten">»Far« &#8211; Regina Spektor mit neuen Existenz- und Klangexperimenten</a></li></ul><hr width="100%" size="1" /><p><font color="#777777">Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stöbern Sie doch weiter in anderen Veröffentlichungen der Wissenswerkstatt - etwa hier in der <a target="_blank" href="http://www.wissenswerkstatt.net/werkstattinventar-publikumslieblinge-liebhaberstuecke-und-versteckte-perlen/">Übersicht</a> besonders beliebter Texte. Alternativ lohnt sich auch die Navigation über das <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/lageplan/">Werkstattinventar</a><br /></font></p><p><em><font color="#777777">Alle Artikel der <a target="_blank" href="../">Wissenswerkstatt</a> stehen unter der <a target="_blank" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">CreativeCommons-Lizenz</a>, d.h. Verlinken jederzeit erlaubt, Bearbeiten und Zitieren jeweils unter Angabe der
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<div class="nr_clear"></div><hr size=1 width=40%><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_166" class="footnote">Es kursieren verschiedene Daten bzgl. der Uraufführung. Allerdings ist der 5.1.1953 in den meisten seriösen Quellen genannt. vgl. Kwasnik, Aleksandra und Dreyßig, Florian: Das Warten geht weiter. Immer nur weiter. Süddeutsche Zeitung, 12.4.2006</li><li id="footnote_1_166" class="footnote">Das Photo rechts stammt von dieser ersten Inszenierung. Es ist der <a href="http://www.ua.ac.be/main.aspx?c=*SBECKETT&amp;n=22110" target="_blank">Beckett-Website</a> der Universität Antwerpen entnommen.</li><li id="footnote_2_166" class="footnote">Genauso wird aus dem Bauern Bonnelly ein &quot;Herr Guttmann&quot;.</li></ol><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/01/05/warten-in-absurdistan-vor-55-jahren-wurde-samuel-becketts-warten-auf-godot-uraufgefuehrt-werkstattnotiz-liii/">Warten in Absurdistan » Vor 55 Jahren wurde Samuel Becketts »Warten auf Godot« uraufgeführt | Werkstattnotiz LIII</a>]</p> <p><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/?flattrss_redirect&amp;id=166&amp;md5=6d9f8fa26e256ac417df3071ae505b02" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Anleitung zum Unbürgerlichsein – F. Gräfin zu Reventlows Roman &#8220;Von Paul zu Pedro&#8221; als Spiel mit Genres und Geschlecht</title>
		<link>http://www.wissenswerkstatt.net/2007/09/25/anleitung-zum-unbuergerlichsein-f-graefin-zu-reventlows-roman-von-paul-zu-pedro-als-spiel-mit-genres-und-geschlecht/</link>
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		<pubDate>Tue, 25 Sep 2007 20:55:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kaya</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Sie interessieren sich für die literarische Szene der Jahrhundertwende? Ihnen ist die Münchner Bohème und vielleicht sogar eine ihrer schillerndsten Gestalten &#8211; nämlich Fanny Gräfin zu Reventlow &#8211; ein Begriff? Die Literaturwissenschaftlerin Kaya Presser hat sich des Romans &#8216;Von Paul zu Pedro&#8217; angenommen und weist in ihrer kenntnisreichen Arbeit auf, daß die üblichen Zuschreibungen an [...]</p><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/09/25/anleitung-zum-unbuergerlichsein-f-graefin-zu-reventlows-roman-von-paul-zu-pedro-als-spiel-mit-genres-und-geschlecht/">Anleitung zum Unbürgerlichsein – F. Gräfin zu Reventlows Roman &#8220;Von Paul zu Pedro&#8221; als Spiel mit Genres und Geschlecht</a>]</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sie interessieren sich für die literarische Szene der Jahrhundertwende? Ihnen ist die Münchner Bohème und vielleicht sogar eine ihrer schillerndsten Gestalten &#8211; nämlich Fanny Gräfin zu Reventlow &#8211; ein Begriff?</strong></p>
<p>Die Literaturwissenschaftlerin Kaya Presser hat sich des Romans &#8216;Von Paul zu Pedro&#8217; angenommen und weist in ihrer kenntnisreichen Arbeit auf, daß die üblichen Zuschreibungen an die Adresse Reventlows zumeist nur einseitige Vorurteile reproduzieren. In der vorliegenden Arbeit, die ab sofort in der Wissenswerkstatt abrufbar ist, skizziert Kaya Presser die vielfältigen Bezüge, die Anknüpfungspunkte an literarische Traditionsstränge und die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Geschlechtsstereotypen, die Reventlows oftmals unterschätzten Text auszeichnen.</p>
<div>
<p><em>Marc Scheloske</em></div>
<ul>
<li>Presser, Kaya (2007): Anleitung zum Unbürgerlichsein &#8211; F. Gräfin zu Reventlows Roman <em>Von Paul zu Pedro</em> als Spiel mit Genres und Geschlecht. Onlineveröffentlichung der Wissenswerkstatt. [Download als <strong><a onclick="”javascript:urchinTracker(’/Texte/Reventlow’);&quot;" href="http://www.wissenswerkstatt.net/Texte/Kaya_Presser_Anleitung_zum_Unbuergerlichsein_Reventlows_Roman_Von_Paul_zu_Pedro.pdf">PDF</a></strong>]</li>
</ul>
<p><img style="border: 1px solid #666666; margin: 10px; padding: 1px;" src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/2007/09/Amouresken_01b.jpg" alt="Amouresken_01b.jpg" width="260" height="369" align="right" /><br />
Fanny oder Franziska Gräfin zu Reventlow wurde 1871 in Husum geboren. 1893 kam sie probeweise als Malstudentin, 1895 endgültig nach München und wurde Teil der Schwabinger Bohème, sie kannte alle, die damals in München Rang und Namen hatten. Sie wollte Malerin werden, schlug sich mit unzähligen Übersetzungen aus dem Französischen (Marcel Prévost, Anatole France, Guy de Maupassant u.a.), dem Verkauf von Witzen an den Simplicissimus und sehr wenig Geld durch und führte Tagebuch. 1897 brachte sie einen Sohn zur Welt, dessen Vater sie nie bekannt gab und lebte fortan als alleinerziehende Mutter, damals ein Skandal.<br />
Sie schrieb Kurzgeschichten und Essays und auch ihr erster Roman, <em>Ellen Olestjerne</em> (von ihr selbst später als ‚Schmarren‘ bezeichnet) entstand bereits 1903. Erst 1910 verließ Fanny zu Reventlow München wieder und zog nach Ascona, um dort eine Scheinehe mit dem russischen Baron von Rechenberg-Linten einzugehen. Das erhoffte Erbe blieb aus und Reventlow schrieb eine Reihe von Romanen, in <em>Der Geldkomplex</em> (1916) verarbeitete sie ihre Scheinehe und parodiert die Psychoanalyse Freuds, in <em>Herrn Dames Aufzeichnungen</em> (1913) die Erlebnisse in der Münchner Bohème. 1912 erschien der kurze Roman <em>Von Paul zu Pedro – Amouresken</em>. So weit zu den dürren Daten.</p>
<p><em>Von Paul zu Pedro</em> behandelt in 19 Brie­fen einer Frau an einen ‚Freund‘ Themen wie Liebe, Erotik, Liebhaber, Ehe und Alter. Der Roman lässt sich grob in einen theoretisch-philosophischen und einen praktisch-handelnden Teil untergliedern. In den ersten neun Kapiteln befindet sich die namenlose Protagonistin in einer nicht näher beschriebenen ‚Regenstadt‘, berichtet über vergangene Erlebnisse, erzählt Anekdoten und skizziert verschiedene Überlegungen. Darauf folgt das zentrale zehnte Kapitel, in dem die Erzählerin zwar schon die ‚Regenstadt‘ verlässt, zu einer Reise nach Italien aufbricht und in Venedig landet, sie aber noch immer im Rückblick die ‚Geschichte vom roten Faden‘ – eine immer wieder ergebnislos bleibende Beziehung zu einem Mann – erzählt.<br />
Die Briefe 11 bis 19 beschreiben die aktuellen Erlebnisse der Ich-Erzählerin auf ihrer Reise durch Italien. Die ‚Geschichte vom roten Faden‘ endet wiederum ergebnislos, aber dieser Mann macht sie mit einem Sizilianer bekannt, durch den sie sich ‚rangieren‘ soll. Sie reist dabei nach Rom und schließlich nach Neapel. In Rom trifft sie ihren alten Bekannten Sir John und dessen Begleiter, den jungen Dichter Bobby. Der Sizilianer oder ‚Rasta‘ muss dann – weil er finanziell von seinem Onkel abhängig ist – doch seine sizilianische Cousine heiraten, man trennt sich und die Schreiberin bricht (wahrscheinlich) mit Bobby auf, um auf eine griechische Insel zu gehen.</p>
<p>Der Inhalt ist schnell erzählt. Interessanter und komplexer sind allerdings die literarisch-intertextuellen Verfahren, die Fanny zu Reventlow anwendet, um in ihrem Roman mit literarischen Genres und Geschlecht zu spielen. Denn sie macht eine – um die Jahrhundertwende sehr moderne – Hetärenfigur zur Protagonistin des kurzen Romans, die antiken Hetärengespräche und Hetärenbriefe aufgreifend. Sie schreibt damit moderne Hetärengespräche mit einer Protagonistin, die ein Leben quer zu den klassischen Geschlechtergrenzen führt. Dabei greift sie Positionen ihrer Essays (<em>Das Männerphantom der Frau</em> und <em>Viragines oder Hetären</em>?) ebenso auf wie die August Bebels in <em>Die Frau und der Sozialismus</em>. Gleichzeitig handelt es sich formal gesehen um einen Briefroman, in der Tradition des empfindsamen Frauenbriefromans des 18. Jahrhunderts stehend.</p>
<h4 class="pullquote">Im Ergebnis entsteht eine Parodie des bürgerlich-weiblich geprägten Briefromans und eine Travestie des bürgerlich-männlich geprägten Entwicklungsromans, auch hier wieder ein Spiel mit Geschlechtergrenzen.</h4>
<p>In Kombination mit der anti-bürgerlichen, oberflächlichen Hetärenfigur, die allen Werten des Briefromans zuwider läuft, ergibt dies jedoch eine Parodie auf den Briefroman. Weiß man ferner darum, dass Reventlow selbst als ‚Hetäre‘ bezeichnet wurde, erkennt man, dass sie das Genre des Briefromans nutzt, um mit ihrer eigenen Biographie zu spielen und sich selbst zu inszenieren. Desweiteren unterlegt sie thematisch Elemente aus dem Bildungs- bzw. Entwicklungsroman, etwa die klassische Bildungsreise der Protagonistin von Venedig nach Rom und Neapel, und persifliert diesen mithilfe ihrer anti-bürgerlichen, bildungs- und erkenntnisresistenten Hetärenfigur. Es entsteht also insgesamt eine Parodie des bürgerlich-weiblich geprägten Briefromans und eine Travestie des bürgerlich-männlich geprägten Entwicklungsromans, auch hier wieder ein Spiel mit Geschlechtergrenzen. Obwohl Reventlow sich nicht auf eine politische Position festlegen lässt, bleibt in diesem Spiel mit Genres und Geschlecht der Protest gegen alles Bürgerliche der rote Faden. Benannt wird das Ganze schlussendlich als ‚Amouresken‘, an das Spielerische, Zufällige, Chaotische und Abschweifende der ‚Arabesken‘ erinnernd, wobei die Nebensächlichkeiten zur Hauptsache werden.<br />
Oder mit Reventlows eigenen (metapoetisch lesbaren) Worten gesagt: „ich werfe lieber alles durcheinander in eine Schublade und hole gelegentlich heraus, was mir – oder anderen Spaß macht“.<br />
Eine eher spielerisch-persönliche Annäherung an Fanny zu Reventlow mit Überlegungen zur Namensfrage und Abbildungen der Titelbilder einiger Originalausgaben, sowie weitere Literaturhinweise gibt es <a href="http://www.sprachspielerin.de/2007/09/25/f-graefin-zu-reventlow/" target="_blank"><strong>hier</strong></a> zu lesen.</p>
<p align="right"><em>Kaya Presser</em></p>
<p style="text-align: left;">.</p>
<p></span></p>
<hr width="100%" size="1" /><hr /><h4>&Auml;hnliche Beitr&auml;ge</h4><ul><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/02/paul-watzlawick-kommunikationsschleifen/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Paul Watzlawick » Kommunikationsschleifen">Paul Watzlawick » Kommunikationsschleifen</a></li><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2009/06/04/frauen-sind-bei-der-partnerwahl-doch-nicht-so-anders-auch-beim-speed-dating-entscheidet-die-methode/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Frauen sind bei der Partnerwahl doch nicht so anders: Auch beim Speed-Dating entscheidet die Methode">Frauen sind bei der Partnerwahl doch nicht so anders: Auch beim Speed-Dating entscheidet die Methode</a></li><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/06/16/gesucht-das-lieblingsbiologenblog-getippt-deutschland-wird-europameister-werkstatt-ticker-36/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Gesucht: Das LieblingsBiologenBlog ::: Getippt: Deutschland wird Europameister | Werkstatt-Ticker 36">Gesucht: Das LieblingsBiologenBlog ::: Getippt: Deutschland wird Europameister | Werkstatt-Ticker 36</a></li></ul><hr width="100%" size="1" /><p><font color="#777777">Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stöbern Sie doch weiter in anderen Veröffentlichungen der Wissenswerkstatt - etwa hier in der <a target="_blank" href="http://www.wissenswerkstatt.net/werkstattinventar-publikumslieblinge-liebhaberstuecke-und-versteckte-perlen/">Übersicht</a> besonders beliebter Texte. Alternativ lohnt sich auch die Navigation über das <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/lageplan/">Werkstattinventar</a><br /></font></p><p><em><font color="#777777">Alle Artikel der <a target="_blank" href="../">Wissenswerkstatt</a> stehen unter der <a target="_blank" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">CreativeCommons-Lizenz</a>, d.h. Verlinken jederzeit erlaubt, Bearbeiten und Zitieren jeweils unter Angabe der
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		<title>Licht- und Versteckspiele » Der Bachmannpreis 2007 hat seine Sieger</title>
		<link>http://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/02/licht-und-versteckspiele-der-bachmannpreis-2007-hat-seine-sieger/</link>
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		<pubDate>Mon, 02 Jul 2007 10:00:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Achtzehn Autoren, neun Juroren, drei Tage Lesemarathon, ein Sieger. Genauso wie im richtigen Leben sind auch bei Literaturwettbewerben die einfachsten Spielanordnungen oft die reizvollsten. Der am Sonntag im österreichischen Klagenfurt zu Ende gegangene 31. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb illustrierte eindrucksvoll, dass sich zeitgenössische Literatur nicht zu verstecken braucht. Das Niveau der Texte war so hoch wie lange nicht [...]</p><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/02/licht-und-versteckspiele-der-bachmannpreis-2007-hat-seine-sieger/">Licht- und Versteckspiele » Der Bachmannpreis 2007 hat seine Sieger</a>]</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Achtzehn Autoren, neun Juroren, drei Tage Lesemarathon, ein Sieger. Genauso wie im richtigen Leben sind auch bei Literaturwettbewerben die einfachsten Spielanordnungen oft die reizvollsten. Der am Sonntag im österreichischen Klagenfurt zu Ende gegangene 31. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb illustrierte eindrucksvoll, dass sich zeitgenössische Literatur nicht zu verstecken braucht. Das Niveau der Texte war so hoch wie lange nicht mehr.</strong></p>
<p>Die jeweils halbstündigen Lesungen und die darauf folgenden Diskussionen der Jury waren spannend und anregend. Für das größte Aufsehen sorgte jedoch ein Auftritt, der eigentlich gar keiner sein sollte: der Autor Peter Licht las, und niemand sollte zusehen. Das sorgte für Gesprächsstoff. Am Schluss siegte aber glücklicherweise wieder die Literatur vor der Inszenierung: die Wahl zum Bachmannpreisträger 2007 fiel – und das völlig zu Recht – auf Lutz Seiler, einen 44-jährigen Autoren aus der Nähe von Berlin, der mit seiner sinnlich dichten Schilderung einer Reise mit der legendären Eisenbahn „Turksib“ nicht nur die Jury in seinen Bann zog.&nbsp;</p>
<h4 class="pullquote_left">Sieg der Literatur vor der Inszenierung? Nach vier spannenden Tagen hat die 31. Ausgabe des Bachmann-Preises einen verdienten Sieger.<br /></h4>
<p>Und so konnte man in dem Moment, als „weißer Rauch“ aufstieg und der Sieger des Wettbewerbs feststand, von den Gesichtern aller Beteiligten Erleichterung ablesen. Denn nichts ist unerfreulicher, als wenn am Ende einer solchen Leistungsschau des Literaturbetriebs die konträren Positionen innerhalb der Jury es nicht zulassen, dass sprachlich-literarische Qualität den Sieg davonträgt. Das ist alles schon da gewesen. Gerade in Klagenfurt, wo der Widerstreit und Diskurs der Juroren im Mittelpunkt des Interesses steht, blieb manchmal am Ende kaum etwas anderes übrig, als sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu einigen. Und dieser kleinste gemeinsame Nenner bedeutete dann allzu häufig nur Mittelmaß.</p>
<p><strong>Literarische Kunstfertigkeit und der Sog der Sprache</strong></p>
<p>Ganz anders dieses Jahr: Mit Lutz Seiler trat gleich am ersten Tag des Wettbewerbs ein Autor in den Ring, der bisher vornehmlich durch seine fein gewobene Lyrik auf sich aufmerksam gemacht hatte. Seit Ende der 90er-Jahre hatte Seiler für seine Gedichte viel Beifall und auch schon einige Ehrungen erhalten. In einer seiner Dankesreden, nämlich derjenigen zum Bremer Literaturpreis 2004, gab er Einblick in seine Arbeitsweise und verriet: „Zum Schreiben gehören Zeiten, in denen es nicht weitergeht.“ Die literarische Welt kann dankbar sein, dass Lutz Seiler einen Weg gefunden hat weiterzumachen.</p>
<p>Mit seinem Auszug aus einem längeren Prosatext, der der legendären sibirisch-turkestanischen Eisenbahn „Turksib“ gewidmet ist, stieß er bei der Jury auf ungeteilte Begeisterung. Seiler entführt die Zuhörer auf eine Reise durch das winterliche Kasachstan, auf eine rhythmisch-ratternde Fahrt, die ihre Entsprechung in einer Sprache von hoher Kunstfertigkeit findet. Genauso wie der Geigerzähler, den der Protagonist vor Fahrtantritt erwirbt, feinste Schwingungen aufzeichnet, so versteht es Lutz Seiler, all die Geräusche, Vibrationen, Bilder und Gerüche in poetische Bilder zu übersetzen. Der deutsche Jurydebütant Ijoma A. Mangold sprach treffend von intensiven „Textaromen“.</p>
<p>Das fortwährende Ticken des Geigerzählers begleitet die Erzählung als Hintergrundgeräusch, wird aber immer stärker vom dröhnenden Zuglärm übertönt. Der Erzähler wird von den ungleichmäßigen Stößen des Zuges hin- und hergeworfen und findet sich schließlich in den Armen des grobschlächtigen Heizers des dahinstürzenden Zuges wieder, der auf entzückende Weise Heine zitiert. Mit Lutz Seiler hat der Bachmannwettbewerb einen mehr als würdigen Preisträger gefunden, der die 25 000 Euro Preisgeld verdientermaßen mit nach Hause nimmt.&nbsp;<br />
<h4 class="pullquote"> Mit penibler Satz- und Fleißarbeit holt sich der Österreicher Thomas Stangl &#8211; nicht unumstritten &#8211; den zweiten Preis.<br /></h4>
<p>Etwas überraschender war dann allerdings die Entscheidung bezüglich der weiteren Preise. Bei der Wahl zum mit 10 000 Euro dotierten Telekom-Austria-Preis konnte sich letztlich der Österreicher Thomas Stangl durchsetzen. In seinem Text verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart, Existenzsuche und quasi-dokumentarische Niederschrift. Ausgangspunkt ist eine glücklose Kindheit, von der aus Stangl in einer hochkomplexen Satzarchitektur eine Topographie Wiens entwickelt, die zwar durch ihren Beobachtungsreichtum und sprachliche Kunstfertigkeit besticht, die aber – wie teilweise bemängelt wurde – unsinnlich und konturlos bleibt.</p>
<p><strong>Licht- und Versteckspiele</strong></p>
<p>Auch in Bezug auf den Preisträger des 3sat-Preises gingen die Meinungen der Jury weit auseinander. Der medienscheue Musiker und Autor Peter Licht hatte im Vorfeld gebeten, dies war ein Novum in der 31-jährigen Geschichte des Bachmannwettbewerbs, während der Lesung nicht gefilmt zu werden. Seinem Wunsch wurde entsprochen, und so schwenkte die Kamera während Lichts Lesung einerseits über die begeisterten Gesichter vieler Zuhörer, andererseits sah man aber auch, wie sich manche Miene zunehmend verdüsterte.&nbsp;<br />
<h4 class="pullquote"> Kontrovers, temporeich, amüsant: Per Lichts kunstvoller Balanceakt zwischen Nonsense und Philosophie wird am Ende doch mit einem Preis bedacht.<br /></h4>
<p>In einem tempogeladenen, amüsanten Text berauschte Licht sich und seine Zuhörer an den schier unbegrenzten Möglichkeiten der Sprache, die auf artistische Weise den abrupten Wechsel, die Übergänge zwischen Komik und Tragik, Idyll und Untergang inszenierte und ineinander verschränkte. Es war ein hoch kunstvoller Balanceakt zwischen Nonsens, Absurdität und Tiefgründigkeit, die in der anschließenden Diskussion begeistert aufgenommen und als „fröhliche Apokalypse“ bezeichnet wurde. Eine Fröhlichkeit, die einigen Juroren allerdings sauer aufstieß und schließlich juryintern für einigen Unfrieden sorgte. Schade, denn Peter Lichts Text war nicht nur virtuos: Die zerbrechende Ordnung, die Thematisierung der Fragilität aller (Seins-)Zustände, hätte der Jury Anknüpfungspunkt sein müssen, um zu diskutieren, ob hier hinter der spielerischen Oberfläche nicht eine bedenkenswerte Gesellschafts- und Zeitdiagnose verborgen liegt.</p>
<p><strong>Keine Überraschungen bei der Preisvergabe</strong></p>
<p>Ganz anders als das Feuerwerk, das Peter Licht abbrannte – der dafür übrigens auch den per Internetabstimmung entschiedenen Publikumspreis erhielt, ist der Text „Freundwärts“ von Jan Böttcher gearbeitet. Unaufgeregt, authentisch und zuweilen lakonisch im Ton, skizziert Böttcher auf überzeugende Weise, wie Familien- und Nationalgeschichte ineinander verwoben sein können. Seine Schilderung der vielfältigen Brüche und Verwerfungen, denen die drei Männer – Sohn, Vater und Großvater – im ehemaligen Zonenrandgebiet entlang der Elbe unterworfen sind, wurde zu Recht mit dem Ernst-Willner-Preis bedacht.</p>
<p>Am Wahlergebnis der Jury ist kaum etwas auszusetzen. Die Texte der vier Preisträger waren in sich stimmig, charakteristisch im Ton und jeder auf seine Weise brillant, wenngleich zutiefst unterschiedlich. Anders also als in Vorjahren, als Außenseiter plötzlich mit Preisen geehrt wurden und die stärksten Texte leer ausgingen. Dieses Jahr traf es einzig den Berliner Jochen Schmidt, der uns in seinem sympathischen Text „Abschied aus der Umlaufbahn“ die gescheiten und zutiefst menschlichen Gedankengänge eines Kosmonauten vorführte, aber dennoch nicht mit aufs Siegerphoto durfte, obwohl er bei den Abstimmungen um die einzelnen Preise teilweise nur knapp in der Stichwahl unterlegen war. Wenigstens den Publikumspreis hätte man ihm gegönnt.</p>
<p><strong>Die schwindende Lust am Widerstreit</strong> 
<p>Was aber bleibt vom diesjährigen Bachmannwettbewerb? Die bislang unveröffentlichten Texte, zumal die der Preisträger, werden in den nächsten Monaten in den Handel kommen und verdienen durchaus neugierige Leser. Denn es war bestimmt kein schlechter Jahrgang, und abgesehen von zwei oder drei wirklich misslungenen Texten durfte man mit der Auswahl der Kandidaten zufrieden sein. Festzustellen ist aber auch, dass die engagiertesten und mutigsten Texte von der Jury abgestraft wurden. Zwar konnte man etwa über das provozierende Text-DJ-Sampling des jungen Berliners Jörg Albrecht sicher geteilter Meinung sein, aber sein Versuch, die Schnittstellen von realer und virtueller Identität anzuzapfen und in Sprache zu transformieren, wurde in der Diskussion der Jury erst gar nicht gewürdigt. </p>
<h4 class="pullquote"> Wenig Neues unter Klagenfurts Sonne: die extravaganten Texte wurden abgestraft.<br /></h4>
<p>Ebenso war zu bedauern, dass Björn Kern, der in einer empathisch, kraftvollen Sprache das Dahinsiechen einer alten Frau an ihrem Lebensende beschreibt, keine Gnade fand. Hier war denn auch eine der wenigen Fehlleistungen der Jury zu beklagen, die nicht anerkennen konnte oder wollte, dass Kerns Text keineswegs die Demenz seiner 97-jährigen Protagonistin der Lächerlichkeit preisgibt, sondern sich ganz im Gegenteil überaus respektvoll seinem Gegenstand nähert. Als überinstrumentiert wurde dieser Versuch gescholten und gar als kalkuliert-effektheischende Inszenierung von Leid kritisiert; durchaus erstaunlich, dass sich hier die Jury einer Thematisierung der Begleitumstände des Alters angesichts einer zunehmend geriatrischen Gesellschaft verweigerte.</p>
<p><strong>Neue Mitglieder: Gewinn für die Jury</strong></p>
<p>Ansonsten agierte die neunköpfige Jury unter dem Vorsitz der routinierten Iris Radisch wohltuend sachlich, dennoch aber immer engagiert. Die zumeist erhellenden und fruchtbaren Diskussionen wurden nur selten von polemischen Einlassungen gestört. Einzig das Versteckspiel Lichts sorgte für Unmut. Anders als in früheren Jahren stand das Bemühen um die Texte im Mittelpunkt, und insofern muss man der Arbeit der unstrittig sehr belesenen und bemühten Jury Beifall zollen. Überrascht waren erfahrene Beobachter, dass bei nicht wenigen Diskussionsrunden großer Konsens herrschte, hier hätte man sich teilweise ein wenig mehr Widerspruchsgeist gewünscht.</p>
<p>Die beiden Neulinge in der Jury, der Literaturredakteur der „Süddeutschen Zeitung“, Ijoma A. Mangold, und der Semiotiker André Vladimir Heiz, fanden sich erfreulich schnell in ihrer neuen Rolle zurecht. Und besonders Ijoma Mangold ist zweifellos ein Gewinn für die Jury. Neben dem Wiener Literaturkritiker Klaus Nüchtern gehörte er zu den erfreulichsten und unkonventionellsten Akteuren auf dem Podium. Zu bedauern ist, dass nach dem letztjährigen Ausscheiden des Schriftstellers Burkhart Spinnen aus der Jury kein einziger dezidierter Autor mehr in diesem Gremium vertreten ist. Sollte hier möglicherweise bis nächstes Jahr ein adäquater Ersatz für Spinnen gefunden werden (Autoren wie beispielsweise Ingo Schulze oder Michael Lentz wären unbedingt eine Bereicherung), steht einem ähnlich erfolgreichen Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb im Jahr 2008 nichts entgegen.</p>
<p>&nbsp;<br />&nbsp;</p>
<p><em>[Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst auf Focus-Online - <a href="http://www.focus.de/kultur/buecher/tid-6720/ingeborg-bachmann-preis_aid_65163.html" target="_blank">hier</a>]</em></p>
<p><em></em></p>
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		<title>Bachmannpreis 2007 » Wahlspektakel &#8211; Der 4. Tag</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jul 2007 08:41:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/01/bachmannpreis-2007-wahlspektakel-der-4-tag/</guid>
		<description><![CDATA[<p>Jeder Wahlakt &#8211; und hier machen auch Literaturwettbewerbe keine Ausnahme &#8211; zeichnet sich seit jeher durch einen ganz eigentümlichen Charakter aus: denn trotz der klar vorgegebenen Spielregeln sind Überraschungen niemals auszuschließen. Und ganz egal, ob es sich um die Wahlen zum Vorsitz des örtlichen Kaninchenzüchtervereins, des Bundespräsidenten oder eben der Preisträger des Bachmann-Literatur-Wettbewerbs handelt: obwohl [...]</p><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/01/bachmannpreis-2007-wahlspektakel-der-4-tag/">Bachmannpreis 2007 » Wahlspektakel &#8211; Der 4. Tag</a>]</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Jeder Wahlakt &#8211; und hier machen auch Literaturwettbewerbe keine Ausnahme &#8211; zeichnet sich seit jeher durch einen ganz eigentümlichen Charakter aus: denn trotz der klar vorgegebenen Spielregeln sind Überraschungen niemals auszuschließen. Und ganz egal, ob es sich um die Wahlen zum Vorsitz des örtlichen Kaninchenzüchtervereins, des Bundespräsidenten oder eben der Preisträger des Bachmann-Literatur-Wettbewerbs handelt: obwohl aus einer klar definierten Personenzahl anhand bestimmter Kriterien eine Auswahl getroffen werden soll, die Sympathien vermeintlich klar verteilt und die Präferenzen stabil sind, dennoch ist das Wahlergebnis mit schönster Regelmäßigkeit ein anderes, als zuvor erwartet.</strong></p>
<p>Und in dieser Hinsicht unterscheidet sich die Kür des Bachmannpreisträgers nicht von der Wahl zum Bundeskanzler. Gut, man mag einwenden, daß nach der Stimmabgabe in Klagenfurt glücklicherweise keine biederen Herren mit ernster Miene die Stimmverluste und -gewinne aufsagen. Auch gibt es keine bunten Graphiken, die suggerieren, anhand der Zahlen und Tabellen ließe sich irgendetwas verstehen und das auf mirakulöse Art und Weise zustande gekommene Ergebnis nachvollziehen. Dem ist nämlich nur in den seltensten Fällen so. </p>
<h4 class="pullquote_left">Wahltag: Diesmal aber ohne Gewinn- und Verlustrechnungen. Und im Studio sitzt auch nicht Ulrich Deppendorf. <br /></h4>
<p>Schade ist nur, daß im Klagenfurter ORF-Theater kein Journalist vom Kaliber eines <a title="Wikipedia-Artikel" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Dieter_Lueg">Ernst-Dieter Lueg</a> zugange ist, der frei von falscher Ehrerbietung den Wahlsiegern mit investigativer Naßforschheit das Mikrofon unter die Nase hält. Es wäre aber auch zu schön, wenn ein &quot;Literatur-Lueg&quot; der Jurypräsidentin Radisch freche Fragen stellen würde; zu gern wüßte man, ob der Zwist zwischen der keck-spontanen Iris und dem peniblen Literaturbuchhalter Karl Corino inzwischen beigelegt wurde. Sowas interessiert die Bachmanngemeinde. </p>
<p>Aber solange niemand energisch nachfragt, bleiben zumindest diese Fragen unbeantwortet im Raum stehen. Wenisgtens aber die Frage, welchem der 18 Kandidaten des diesjährigen Bewerbs durch die Juroren der Bachmannpreis 2007 zuerkannt werden wird, sollte bis heute um 12.00 Uhr beantwortet sein. Daneben darf mit Spannung erwartet werden, wer dieses Jahr das Rennen um die weiteren Preise macht: neben dem Publikumspreis, für den am gestrigen Samstag im Internet abgestimmt werden konnte, werden der &quot;Telekom Austria Preis&quot;, der &quot;3sat-Preis&quot; und schließlich der &quot;Ernst-Willner-Preis&quot; vergeben. Auch hier &#8211; so lehrt der Blick in die Vergangenheit &#8211; sind immer wieder Überraschungen möglich. Schon so manch hochgehandelter Kandidat, dem viele den Hauptpreis, also den mit 25.000 Euro dotierten Bachmannpreis, zugetraut hatten, ging am Ende ganz leer aus. </p>
<h4 class="pullquote"> Welches sind die Kandidaten auf der &quot;Longlist&quot;? Schmidt, Licht, Seiler, Böttcher und Stavaric dürfen sich auf alle Fälle Hoffnungen auf einen der Preise machen. <br /></h4>
<p>Nach den Lesungen der letzten Tage muß man freilich zugestehen, daß sich der Personenkreis, auf die die Kandidatenkür sich dieses Jahr voraussichtlich zuspitzen wird, auf einige wenige Autoren konzentriert. Auffallend, daß sich darunter &#8211; und auch das mit Abstrichen &#8211; nur eine Frau befindet: Silke Scheuermann nämlich, die mit ihrer raffiniert gebauten Short Story über eine Patchworkfamilie zunächst auf deutliche Kritik der Juroren stieß, die aber &#8211; wie später zuerkannt wurde &#8211; doch zu hart ausgefallen war. Scheuermann also kommt durchaus für einen der (Trost-)Preise in Frage. Ebenfalls im Rennen um die weiteren Plätze befinden sich Dieter Zwicky, Kurt Oesterle und möglicherweise Michael Stavaric. </p>
<p>Nach meinem Dafürhalten und unter der Voraussetzung, daß die Argumentation der Jury direkt im Anschluß der jeweiligen Lesung nicht allzu erheblich von ihrem heutigen Votum abweicht, kommen für den Bachmannpreis 2007 allerdings nur folgende Autoren in Frage: <strong>Jochen Schmidt</strong>, mit seiner fein-nuancierten Kosmonauten-Erzählung, <strong>Lutz Seiler</strong> mit seinem Text, der in bezaubernd-kraftvoller Weise die Reise mit der Turksib-Eisenbahn schildert, <strong>PeterLicht </strong>mit seinem gefeierten und umstrittenen Beitrag, der sich nach Münchhausenmanier an der eigenen Sprachartistik berauscht und aus dem Sumpf zieht und schließlich <strong>Jan Böttcher</strong> mit seiner lakonischen Nachwende-Generationengeschichte. Außenseiterchancen hat Thomas Stangl, der auf positive Resonanz bei der Jury stieß, dessen Text auf mich aber einen belanglosen, uninspirierten Eindruck machte.&nbsp;</p>
<p>Warten wir also ab, was die Wahl für Überraschungen mit sich bringt.</p>
<p><em>[Update: 11:35 Uhr]</em></p>
<p>Die Shortlist enthält keine Überraschungen, einzig Dieter Zwicky ist nicht darunter. André Heiz beginnt und gibt seine Stimme für Thomas Stangl ab. Dabei heideggert er ganz beträchtlich. Frau Strigl stimmt ebenfalls für Thomas Stangl. Mangold gibt seine Stimme Lutz Seiler und lobt den knatternden Rhyhtmus der Turksib. Den Ort der Begegnung zwischen West und Ost lobt Frau Rakusa und gibt ihre Stimme Lutz Seiler.</p>
<p>Iris Radisch stimmt ebenfalls für Lutz Seiler. Einem komischen und melancholischen Text, dem Text PeterLichts, gibt Klaus Nüchtern seine Stimme. Eine Reise in der sich Zeit und Raum verwirren, ein Text lyrischer Dichte, epischer Breite und voller dramatischer Umstimmungen. Ebel für Seiler. Frau März ebenfalls für Lutz Seiler. Zum Schluß gibt Karl Corino ebenfalls seine Stimme für Lutz Seiler ab. <strong>Wir haben einen Bachmannpreisträger 2007: Lutz Seiler. Durchaus verdient.</strong> </p>
<p><em>[Update: 11:55 Uhr]</em></p>
<p>Beim &quot;Telekom-Austria-Preis&quot; kommt es zur Stichwahl zwischen Schmidt, Licht und Stangl. Dann im Wiederholungswahlgang liegen Thomas Stangl und Peter Licht Kopf an Kopf. Und Karl Corino ist zu hören, wie er murmelnd die Wahl als die zwischen &quot;Pest und Cholera&quot; bezeichnet. Und in der abschließenden Stichwahl behält Thomas Stangl die Oberhand. </p>
<p>Und auch die Wahl zum Preisträger des &quot;3sat-Preises&quot; erfordert drei Wahlgänge. Jan Böttcher vereinigt zwar jeweils die Stimmen von Ijoma Mangold und Ilma Rakusa auf sich, kann die weiteren Juroren aber nicht begeistern. Und schließlich wird mit 5 Stimmen PeterLicht zum Preisträger bestimmt.</p>
<p>Die Entscheidung um den &quot;Ernst-Willner-Preis&quot; macht eine komplizierte Wahlausscheidungs- und Stichwahlprozedur erforderlich. Abschließend stehen Jan Böttcher und Michael Stavaric zur Wahl. Und vollkommen berechtigt bekommt Jan Böttcher mit seiner Generationen-Familiengeschichte den &quot;Ernst-Willner-Preis&quot; zugesprochen. Und, zu meiner Überraschung, hat in der Publikumswahl ebenfalls PeterLicht die meisten Stimmen auf sich vereinigt. Nun gut, insgesamt ein Ergebnis ohne große Überraschungen und durchaus angemessen. Sehr bedauerlich und auch dem kritikwürdigen Wahlprocedere geschuldet, daß Jochen Schmidt, obwohl er in allen Wahlgängen Stimmen erhielt, dennoch leer ausging. Er hätte längst einen Preis verdient gehabt.  </p>
<p><em>[Update: 2.7.2007 - 12:45 Uhr]</em></p>
<p>Die Aufregung um den Text von PeterLicht und v.a. das fragwürdige Verhalten und die Diskussionsverweigerung von Teilen der Jury ist nun ja glücklicherweise etwas abgekühlt. Ich selbst hatte ja frecherweise PeterLicht durchaus als (Mit-)Favoriten gesehen. Diese Einschätzung, falls es jemand nachlesen mag, findet sich hier:</p>
<ul>
<li>M. Scheloske: &quot;<a href="http://www.focus.de/kultur/buecher/tid-6677/bachmann-wettbewerb-2007_aid_64620.html" target="_blank">Szenen aus dem literarischen Soziotop</a>&quot;, Focus-Online, 27.6.2007</li>
</ul>
<p>Mit Lutz Seiler wurde freilich ein würdiger Sieger gekürt und man darf gewiß auf die Veröffentlichung seines Textes in seinem nächsten Essay-Band (oder ist es gar Teil eines Romans?) gespannt sein. Zu Thomas Stangl wurde bereits an vielen Stellen vieles gesagt. Meine Einschätzung bezüglich der Preisvergabe und eine kleine Manöverkritik zur Arbeit der Jury gibt es hier &#8211; es besteht übrigens auch die Möglichkeit zu kommentieren:</p>
<ul>
<li>M. Scheloske: &quot;<a href="http://www.focus.de/kultur/buecher/tid-6720/ingeborg-bachmann-preis_aid_65163.html" target="_blank">Licht- und Versteckspiele</a>&quot;, Focus-Online, 2.7.2007</li>
</ul>
<p>Und in der NET-Zeitung wendet sich Jochen Schmidt heute, am 2.7., mit einem &quot;<a target="_blank" href="[Und%20in%20der%20NET-Zeitung%20wendet%20sich%20Jochen%20Schmidt%20heute,%20am%206.7.%20">offenen Brief</a>&quot; an den Ingeborg-Bachmann-Preis. </p>
<hr width="80%" size="1" />
<p>&nbsp; </p>
<p><em>Literaturempfehlungen zu den einzelnen Autoren:</em></p>
<p><em></em>1. Tag:<br />&nbsp;<br /><strong>Jagoda Marinic</strong> » 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518416960?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518416960">Russische Bücher. Erzählungen</a>&nbsp; | 2003: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518455168?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518455168">Eigentlich ein Heiratsantrag</a></p>
<p><strong>Christian Bernhardt</strong> » 2004: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3935890206?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3935890206">tagelang&nbsp;</a> </p>
<p><strong>Jochen Schmidt</strong> » 2000: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3423130075?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3423130075">Triumphgemüse</a>&nbsp; | 2002: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3423132345?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3423132345">Müller haut uns raus</a>&nbsp; | 2003: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3423243546?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3423243546">Seine großen Erfolge</a> |&nbsp; 2005: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3938424079?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3938424079">Chaussee der Enthusiasten</a>&nbsp; |&nbsp; 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406563775?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3406563775">Meine wichtigsten Körperfunktionen</a></p>
<p><strong>Andrea Grill </strong>» 2005: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3701311056?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3701311056">Der gelbe Onkel&nbsp;</a> | 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3701311250?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3701311250">Zweischritt</a></p>
<p><strong> Jörg Albrecht </strong>» 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3835300903?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3835300903" target="_blank">Drei Herzen</a></p>
<p><strong>Fridolin Schley </strong>» 2001: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3423131721?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3423131721">Verloren, mein Vater</a>&nbsp; |&nbsp; 2003: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3423135808?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3423135808">Schwimmbadsommer</a></p>
<p><strong>Lutz Seiler</strong>&nbsp; » 2000: <a href="pech%20&amp;%20blende">pech &amp; blende</a>&nbsp; |&nbsp; 2003:&nbsp; <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518414577?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518414577">vierzig kilometer nacht</a>&nbsp; |&nbsp; 2004: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518123149?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518123149">Sonntags dachte ich an Gott</a>&nbsp; |&nbsp; 2005: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3932843991?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3932843991">Die Anrufung</a>.&nbsp; |&nbsp; 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/393512564X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=393512564X">vor der zeitrechnung</a> (Hörbuch)&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>2. Tag:</p>
<p><strong>Silke Scheuermann</strong> » 2001: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518122398?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518122398">Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen</a> | 2004: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/351841593X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=351841593X">Der zärtlichste Punkt im All</a> | 2005: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442461448?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3442461448">Reiche Mädchen</a> | 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3895613711?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3895613711">Die Stunde zwischen Hund und Wolf</a> | 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/389561372X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=389561372X">Über Nacht ist es Winter</a>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/389561372X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=389561372X"></a><strong>Ronald Reng</strong> » 2002: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462031074?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3462031074">Der Traumhüter</a> | 2003: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462033395?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3462033395">Mein Leben als Engländer</a> | 2004: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492275346?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3492275346">Gebrauchsanweisung für London</a> | 2005: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462036238?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3462036238">Fremdgänger</a></p>
<p><strong>Dieter Zwicky</strong> » 2002: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3908010551?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3908010551">Der Schwan, die Ratte in mir</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3908010799?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3908010799">Reizkers Entdeckung</a></p>
<p><strong>Michael Stavaric</strong> » 2005: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3937445137?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3937445137">Europa &#8211; eine Litanei</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3701714401?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3701714401">Stillborn</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3937445218?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3937445218">Gaggalagu</a>. (Kinderbuch) | 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3701714754?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3701714754">Terminifera</a></p>
<p><strong>Milena Oda</strong> » 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3882217006?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3882217006">Der Briefschreiber</a></p>
<p><strong>Kurt Oesterle</strong> » 2002: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3833300183?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3833300183">Der Fernsehgast oder Wie ich lernte die Welt zu sehen</a> | 2003: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3453620070?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3453620070">Stammheim</a>. Der Vollzugsbeamte Horst Bubeck und die RAF-Häftlinge </p>
<p><strong>PeterLicht</strong> » 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3936738238?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3936738238">Wir werden siegen &#8211; Buch vom Ende des Kapitalismus</a> | 2003: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B00008Q00Z?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B00008Q00Z">Stratosphärenlieder</a> (CD) | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000FJH75C?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B000FJH75C">Lieder vom Ende des Kapitalismus</a> (CD) </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>3. Tag:</p>
<p><strong>Jan Böttcher</strong> » 2003: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3937445013?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3937445013">Lina oder: Das kalte Moor</a> | 2004: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3937445080?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3937445080">Der Krepierer</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/387134530X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=387134530X">Geld oder Leben</a></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/387134530X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=387134530X"></a><strong>Björn Kern</strong> » 2001: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3423620625?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3423620625">KIPPpunkt</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406535518?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3406535518">Einmal noch Marseille</a> | 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406563740?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3406563740">Die Erlöser AG</a></p>
<p><strong>Thomas Stangl</strong> » 2004: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442733758?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3442733758">Der einzige Ort</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3854207093?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3854207093">Ihre Musik</a></p>
<p><strong>Martin Becker</strong> » 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/363087262X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=363087262X">Ein schönes Leben</a><strong><em></p>
<p></em></strong></p>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="80%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p>Wer kein Fernsehgerät sein eigen nennt, kann <a href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/streaming/stories/203342/" target="_blank">hier</a> mittels Mediaplayer die Übertragung ansehen.<em><br /></em></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="80%" size="1" />
<p></p>
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		<title>Bachmannpreis 2007 » Sonneneinfallswinkel und die Schatten der Zwerge &#8211; Der 3. Tag</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Jun 2007 06:58:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wer sich für den Bachmann-Wettbewerb interessiert, der weiß hoffentlich auch mit dem Namen Karl Kraus etwas anzufangen. Zumal es hier um Literatur geht und die Überschrift gibt ja bereits einen dezenten Hinweis. Aber da auch Leser aus Österreich zu erwarten sind, sollte man vielleicht doch noch ein paar klärende Worte anfügen. Denn allzu leicht könnte [...]</p><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/30/bachmannpreis-2007-sonneneinfallswinkel-und-die-schatten-der-zwerge-der-3-tag/">Bachmannpreis 2007 » Sonneneinfallswinkel und die Schatten der Zwerge &#8211; Der 3. Tag</a>]</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wer sich für den Bachmann-Wettbewerb interessiert, der weiß hoffentlich auch mit dem Namen Karl Kraus etwas anzufangen. Zumal es hier um Literatur geht und die Überschrift gibt ja bereits einen dezenten Hinweis. Aber da auch Leser aus Österreich zu erwarten sind, sollte man vielleicht doch noch ein paar klärende Worte anfügen. Denn allzu leicht könnte Karl Kraus, der 1936 in Wien verstorbene Satiriker, mit einem ebenfalls prominenten Sohn der Alpenrepublik verwechselt werden: mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Krankl" target="_blank" title="Wikipedia-Artikel">Hans Krankl </a>nämlich, dem wir zwar schöne Tore in den Fußballstadien dieser Welt verdanken, der aber eher selten solch erinnerungswürdige Sätze formulierte wie: &quot;Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen auch Zwerge einen langen Schatten.&quot;</strong></p>
<p><span style="font-weight: bold;"></span>Der stammt nämlich von <a title="Wikipedia-Artikel" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Kraus">Karl Kraus</a>. Hier ist nicht der Platz, um Mutmaßungen anzustellen, welches Urteil Kraus über einen Literaturwettbewerb in der Art des Klagenfurter Schau- und Showlesens gefällt hätte. Möglicherweise möchte man es auch nicht wissen, denn sonst würde einem die Begeisterung vollends vergällt. Damit soll nun nicht gesagt sein, daß die vergangenen zwei Wettbewerbstage keine Höhepunkte gehabt hätten, aber dennoch sei die Frage erlaubt, nach welchen Kriterien sich die Rezeption der dargebotenen Texte richten kann.</p>
<p>Oder anders formuliert: wenn wir, wie <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/29/bachmannpreis-2007-die-muehen-der-ebene-der-2-tag-2/" target="_blank">gestern</a> geschehen, erleben, daß ein auf den ersten Blick behäbig-braver Text, wie derjenige von Kurt Oesterle, bei der Jury schon fast Begeisterung hervorruft, dann stellt sich die alte Frage nach der Vergleichbarkeit von Literatur und v.a. der Verführbarkeit des Urteils. Denn, um nochmal auf Kraus zurückzukommen: wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, wenn also &#8211; auf Klagenfurt gewendet &#8211; einen ganzen Morgen lang ziemlich unsägliche Texte vorgesagt werden, können unter diesen Umständen nicht schon automatisch alle halbwegs gelungenen Texte auf Beifall hoffen?&nbsp;</p>
<p>Damit soll nicht gesagt sein, daß Oesterles oder Lichts Beiträge nicht auch Qualitäten aufwiesen, aber nachdem am Morgen eher Hausmannskost geboten wurde, konnte man der Jury durchaus nachsehen, daß sie sich bei Kurt Oesterles Nachkriegsskizzen erfreut zeigte und schließlich bei Peter Licht teilweise enthusiasmiert reagierte. Aber handelt es sich bei diesen beiden auch nur um Zwerge, die nur Nutznießer der vorhergehenden Darbietungen waren? Ist das Lob, die positive Kritik der Jury nur auf die Erleichterung von Radisch, Mangold und Co. zurückzuführen, nicht noch ein weiteres Mal gelangweilt worden zu sein?</p>
<p>Egal &#8211; der <a target="_blank" href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/200772/">aufsehenerregendste Beitrag</a> des gestrigen Tages war sicher derjenige von PeterLicht. Der öffentlichkeitsscheue Autor und Musiker richtete die Bitte an die Veranstalter, während der Lesung nicht gefilmt zu werden. Ein Novum in Klagenfurt, konsequent wenn man Peter Licht kennt.  Alle, die Lichts bisheriges Schaffen verfolgt haben, waren dann vermutlich auch wenig überrascht von den trickreich-raffinierten Assoziationscollagen, die er in süffiger Vortragsweise zum besten gab. Wer sich die Mühe gemacht hat und den Text nochmals gelesen hat, stellt fest, daß Licht hier im weitesten Sinne auf hegel&#8217;schen Pfaden wandelt: der These, der Behauptung eines Sachverhalts, folgte &#8211; unter sukzessiver Einführung und Verschleierung durch Zwischenschritte &#8211; die Antithese, also die Negation des ursprünglich Gesagten. In der Folge wurde quasi-synthetisch das Produkt der Fingerübung in einer neuen Figur analog bearbeitet. Der ungetrübt strahlende Himmel wurde auf diese Weise unvorsehens zu einer &quot;Erdmatsche&quot; und schließlich entführte PeterLicht das Auditorium auf sein Sofa, nicht irgendeines wohlgemerkt, sondern ein &quot;<strong>Sofa von hoher Qualität mit einem dementsprechend exzellenten Sitzkomfort</strong>.&quot;&nbsp;</p>
<p>Ijoma Mangold stellte dankenswerterweise fest, daß der Text von hier aus als Rutschbahn zu einem vermeintlich katastrophalen Ende führt. Die Juroren, die sich äußern wollten, waren teilweise (wie Klaus Nüchtern, Iris Radisch oder Ijoma Mangold) begeistert; leider enthielten sich andere (wie Karl Corina oder Ursula März) ihrer Stimme. In der Blogsphäre wurde PeterLichts Beitrag noch kontrovers diskutiert und auch die Frage aufgeworfen, ob hier Feigheit oder Ermüdung der Juroren vorgelegen habe.<sup><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/30/bachmannpreis-2007-sonneneinfallswinkel-und-die-schatten-der-zwerge-der-3-tag/#footnote_0_53" id="identifier_0_53" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Kritische Stimmen erhoben sich hier, hier und hier.">1</a></sup></p>
<p>Was aber erwartet uns mit hoffentlich ausgeschlafenen Juroren heute? </p>
<p>Mit Jan Böttcher beginnt der Autor, auf den ich persönlich am meisten gespannt bin. Er zählt auch zur Berliner Avantgarde und ist Sänger der Band &quot;Herr Nilsson&quot;, die ich leider selbst nie gehört habe. Danach steht Björn Kern auf dem Programm, von dem ich ebenfalls nicht ohne Interesse lese, daß er in Südfrankreich in einer Psychiatrie arbeitet. Und nach Thomas Stangl beschließt den Reigen schließlich Martin Becker, der 1982 geboren, der jüngste Autor des diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs ist.</p>
<p><em>[Update: 9:25 Uhr]</em></p>
<p>Der gestrige Lesetag endete mit dem Auftritt von Popmusiker PeterLicht und heute früh beginnt mit<strong> Jan Böttcher</strong> ein Berliner Sänger und Texter. Rein phänotypisch ein typischer Vertreter der Diskurspoprockcommunity. Da er seinen Wecker heute überhört hat, sitzt er reichlich unrasiert auf der Bühne des ORF-Theaters, aber er liest ausgeschlafen. Jo Brüggemann, der Protagonist und Böttcher-Alter-Ego in der Erzählung &quot;<a href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/199952/" target="_blank">Fremdwärts</a>&quot; fährt mit dem Auto einen Fluß entlang und sucht im Sperrgebiet einen Übergang von West nach Ost. Nun ist er angekommen, das &quot;Stairway to Heaven&quot;-Gitarrensolo ist verklungen, und er sitzt am Bett seines bettlägerigen Großvaters.</p>
<p>Dieser, schwer krank, kultiviert ein innig-zärtliches Verhältnis zu seinem Defibrillator. Ansonsten&nbsp; vertraut er weder Partei noch Vaterland. Die Kirche ist es, die ihm Halt gibt. Eine Generationen-Männer-Geschichte, die ausgebreitet wird. Inzwischen wird der fehlende Teil der Brüggemann&#8217;schen Männer-Riege eingeführt. Nach Großvater Fritz ist nun auch dessen Sohn Hans Brüggemann mit von der Partie. Böttcher erzählt ruhig, liest sympathisch und unaufgeregt. Ähnlich der Text. Er wird es schwer haben, möglicherweise. Es ist ein Abgesang und bitter-melancholischer Blick auf das Ende des real existierenden Sozialismus. Blickwinkel: die bäuerliche Großfamilie und Jo Brüggemann ist der letzte in der Folge und zweifelt, ob er den Hof übernehmen sollte.</p>
<p>Sehr klassisch kommt die Kurzgeschichte daher. Aber wenn die sprachliche Ausführung unspektakulär aber sauber zu nennen ist, so ist die psychologische Plotebene bisher sehr interessant dargestellt. Wir werden mit immer mehr Mosaikstücken ausgestattet, die einen Generationenkonflikt offenbaren und vor allen Dingen die Frustration des heranwachsenden und inzwischen erwachsenen Jo. Zunächst das asymmetrische Verhältnis zu und die wohlmeinende Bevormundung durch seinen Vater, dann die Unterordnung in die Polizeihierarchie in Hamburg.</p>
<p>Böttcher versteht durch genaue Beobachtungen zu gefallen und es gelingt ihm, durch wenige Sätze typische Verhaltensweisen der Protagonisten glaubhaft und plastisch darzustellen. Der Vater Hans hatte sich für die Erstellung eines Vogelatlas und die Dokumentation der Vogelstimmen begeistert und galt fortan erst recht als Sonderling in der Dorfgemeinschaft. Jo fühlt die Familienbande und die Mißachtung seines Vaters schmerzt ihn. Und als Erbe sieht er sich gezwungen, verpflichtet seinen Großvater Fritz zu betreuen. Und dann geht die bittere Nachwendeerzählung ihrem Ende zu. Der verhaltene-kontrollierte Ton gefiel mir sehr gut.&nbsp;</p>
<p><em>[Update: 9:55 Uhr]&nbsp;</em></p>
<p>Klaus Nüchtern sieht die Qualitäten des Textes genau darin, daß er Nuancen schildert und weder in einer Abrechnung, noch einer Feier dieser Welt mündet. Diese generationenübergreifende Geschichte pointiert nicht um der Effekte willen, sondern wirkt glaubhaft, präzise und sehr authentisch. &quot;<strong>Sanfte Hommage an drei sture Hunde</strong>&quot;, so stellt Nüchtern fest. Und der lakonische Ton ist gewiß eine Stärke. Corino sieht Böttchers Text ebenfalls in &quot;bester Tradition realistischen Erzählens&quot;. Er sieht eine plausible Synthese einer Familiengeschichte unter Bedingungen der Deutschen Spaltung, das Auseinanderreißen der Familie und die Wiedervereinigung gibt in Corinos Augen einen &quot;ziemlich makellosen Text&quot;. </p>
<p>Ursula März hat auch wenig auszusetzen. Und auch der Gegenwartsbezug gefällt ihr. Dies im Hinblick darauf, daß gewisse Institutionen sich erschöpft haben und die Sorge, Pflege des Großvaters und berufliche Arbeit den jungen Jo beinahe überfordern, er diese Überforderung aber meist klaglos erträgt. Das kommentierende Nacherzählen, diese Zugangs- und Darstellungsweise sei es aber, die dem Text die Spannung raube. Daniela Strigl gesteht, daß sie abgesehen vom bislang genannten dennoch Probleme mit diesem Text habe. Ihre Einwände sind allerdings möglicherweise dem Mißverständnis geschuldet, daß Böttcher ja eben genau darstellen wollte, wie die Bürde der Geschichte die drei Männer immer noch belastet und in ihrem Alltag niederdrückt. Ilma Rakusa sieht mirkoskopische Details, in denen doch Spannungsmomente hervortreten. Iris Radisch erkennt an, daß hier Familien- und Nationalgeschichte ineinander verschränkt sind. Allerdings vermißt sie eine gewisse literarische Spannung. Und die Konstruktion, daß die drei Personen gleichzeitig drei Epochen verkörpern, erachtet sie als zu statisch und zu monumental gearbeitet.</p>
<p>Ijoma Mangold betont nochmals die positiven Elemente an der Erzählung des von ihm eingeladenen Autors und zerstreut Zweifel an der vermeintlich konstruierten und idealtypisch gearbeiteten Generationenfolge. Der lethargische Ton, der als Reaktion auf die Überforderung durch die geschichtlichen Umbrüche zu verstehen ist, ist &#8211; so Mangold und meiner Meinung nach ist ihm zuzustimmen &#8211; gerade die originäre Leistung dieses Textes. </p>
<p><em>[Update: 10:25 Uhr] </em></p>
<p>Gut, wer hätte anderes erwartet von einem, der in der Psychiatrie arbeitet? <strong>Björn Kern</strong> setzt ein mit der dementen Elsa Lindström. Eine &quot;<a href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/200767/" target="_blank">halbe Stunde noch</a>&quot;, so ist seine Erzählung überschrieben und die Perspektive der alten Frau ist vielversprechend. Kern versteht es zu Beginn, deren Wahrnehmungsfokus glaubhaft in Sprache zu verpacken. Die Gerüche, die Erinnerungen, die Schmerzen, der Geschmack, die tastenden Sinnesempfindungen, sehr kleinteilig sind diese Beobachtungen. Endlich einmal eine Thematik, das Bemühen um einen Ton, der sich einem gesellschaftlichen Milieu widmet, der meist keine literarische Relevanz hat. Es ist geriatrische Literatur, die sich in die Bewußtseinsströme der alten Dame hineinzuversetzen sucht. </p>
<p>Die Phantastereien, die Tagträume der Elsa Lindström, die möglicherweise durch Medikamtente hervorgerufenen Halluzinationen: diese Elemente kombiniert Björn Kern zu einem Panorama des dahinsiechenden Lebens. Nun wendet sich der Text dem Pfleger Bruno zu, dessen Altag der Dekubitus der Alten ist. Dessen Alltag die am &quot;Leben erhaltenen Toten&quot; sind. Man merkt: Björn Kern weiß, wovon er spricht. Bruno, der sich zu Elsa Lindström aufmacht, wird an der Tür von &quot;organischem Verwesungsgeruch&quot; überwältigt. Eine halbe Stunde noch? Nun wird man das Ende der sterbenden alten Dame vorgeführt bekommen, oder? Starker Tobak so kurz nach dem Frühstück. Björn Kern schönt nichts. Sein Text, soviel steht jetzt schon fest, sollte allen Gesundheits- und Sozialpolitikern zur Pflichtlektüre gemacht werden. Und angehenden Zivildienstleistenden im Pflegebereich würde dieser Text auch alle Illusionen nehmen.</p>
<p><strong>Kern nähert sich voller Respekt diesem Grenzbereich menschlichen Lebens. Dabei ist sein Blick niemals voyeuristisch. Kern hat eine ungeheure Begabung: die Begabung zur Empathie, die nicht falsche Rührseligkeit ist.</strong> Es ist unbestritten der stärkste Text des bisherigen Wettbewerbs, die Frage ist, ob Kern nicht überwältigt und den Respekt, den er seinen Protagonisten gegenüber aufbringt, seinen Lesern gegenüber vermissen läßt? Ist es opportun, die Leser mit der Schilderung dieser Details so zu berühren? Ja, ist es. Ein notwendiger Text. Die Sprache ist kunstvoll, sie spielt sich aber nicht in den Vordergrund, ist aber stark genug, um ihrem Sujet gerecht zu werden. Eine Sprache, die hier weniger kraftvoll und sichtbar wäre, würde sich feige hinter den Schilderungen wegducken und wäre bloße Dokumentation, das macht Kern nicht. Kerns Text ist mutig und sein Duktus erinnert an manchen Stellen immer wieder an den Rhythmus, den etwa ein Paul Celan so meisterlich vorgegeben hatte.</p>
<p>Endlich Literatur, die sich nicht selbstgefällig im Kreise dreht, sondern etwas zu erzählen hat. Und sie ist meisterlich ausgeführt.</p>
<p><em>[Update: 10:55 Uhr]</em></p>
<p>Und Ursula März fängt gleich eingangs mit dem erwähnten Punkt an, daß nämlich der Gegenstand, die Thematik den Text auch gleichzeitig unangreifbar mache. Verbietet sich hier Kritik, da der Gegenstand eigentlich jede Krittelei, jedes Nörgeln verbietet? Aber liegt Ursula März hier richtig? Ich habe große Zweifel, ob ihre Zweifel angebracht sind. In meinen Augen hat Frau März einen anderen Text gehört &#8211; sie schildert ihre Wahrnehmung und merkt an, daß Frau Lindström gleich eingangs lächerlich gemacht werde. Nun ja, hoffentlich eine Privatmeinung.</p>
<p>Auch Martin Ebel äußert sich überraschend negativ. Er formuliert seine Bedenken, ob die Schilderungen glaubhaft sind, auch die Erzählperspektiven hält er für unglaubwürdig. Nun fällt auch Daniela Strigl in die Kritik ein. Sie hadert mit der Sprache, die dem Gegenstand nicht angemessen sei. Auch die Poetisierung mißfällt ihr. Ijoma Mangold erkennt immerhin an, daß hier handwerklich nichts mißlungen ist. Allerdings formuliert er seine Skrupel, <strong>er sieht hier einen &quot;moralischen Erpressungstext&quot;</strong> vorliegen, der mit dem Finger auf den Gegenstand zeigt und dem Leser zuruft: &quot;Schau her!&quot; Mangold artikuliert sein Unbehagen an der Brachialität der Mittel.</p>
<p>André Heiz beginnt wieder einmal umständlich zu schwadronieren. Die Sprachkraft erkennt er an, aber auch er zweifelt an der legitimen Gegenstandswahl. Die Schilderung des Sterbens sei &quot;peinlich mißlungen&quot;, so Iris Radisch. Woher aber, weiß Frau Radisch, daß die Schilderung des Sterbens, wie Björn Kern es ausführt, nicht glaubhaft ist?  Nun aber Klaus Nüchtern: er warnt vor den Manipulationsvorwürfen, auch sieht er keine Koketterie. Er versucht sich an einer kleinen Ehrenrettung. Immerhin. Ursula März begibt sich wieder auf den Holzweg und stellt die mehr als seltsame Frage, weshalb der Text kaum komische Elemente beinhalte. Muß der Text komisch sein? Und sie insistiert darauf, daß hier die Entmündigung der alten Dame im Text verdoppelt würde. Nun ja, heute wird also das hohe Lied der Sprachökonomie gesungen und Kerns Energie und Sprachgewalt wird etwa von Ilma Rakusa als &quot;Überinstrumentierung&quot; gescholten.</p>
<p>Nun hat Karl Corino das Schlußwort: er weist nochmals auf Björn Kerns erfahrungsgesättigten Hintergrund hin; die Akzentsetzung auf die abstoßenden Äußerungsformen des Alterns sieht er aber als Qualität und bedauert, daß es hier von den Kollegen als &quot;Erpressungsversuch&quot; mißverstanden wurde. Nun tritt Corino nach, das muß man mit Iris Radisch feststellen, und reagiert trotzig, da PeterLichts Text am Vortag in seiner Bagatellisierung des Todes hymnisch gefeiert wurde. Die Jurykollegen verteidigen sich und geben zu Protokoll, daß sie am Anliegen des Textes, der Thematisierung des Alters, nichts auszusetzen haben. Nun wird es hitzig, Corino weist nochmals auf den &quot;Affenzirkus&quot; um den gestrigen PeterLicht-Text hin und Frau Radisch kontert ungehalten und versucht sich als Juryvorsitzende zu positionieren. Hier ist Streit vorprogrammiert. Schade, daß der Text von Björn Kern hier so abgebürstet wurde und nun auch noch in den kollegialen Streit hineingezogen wird. </p>
<p><em>[Update: 11:50 Uhr]</em></p>
<p><strong>Thomas Stangl</strong> hat die schwere Aufgabe nach dieser hitzigen Diskussion seinen Text zu präsentieren. Er liest sehr uninspiriert, böse gesagt: langweilig und einschläfernd. Aber geben wir ihm eine weitere Chance. Vielleicht hat er hypnotische Absichten? Stangl schildert gemächlich, gemächlich wie sein Vortrag. Er reiht Alliterationen aneinander. Leider muß man vermuten, daß Stangls fad-monotone Sprechweise den Text (&quot;<a href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/203000/" target="_blank">Text für Klagenfurt</a>&quot;) schlechter erscheinen läßt, als er ist. Sehr brav alles. Wieder einmal unambitionierte Hausmannskost. Ich ahne, daß ich Stangl Unrecht tue, aber seine Motivation will sich mir nicht erschließen. Erstaunlich, daß er auch Kandidat von Iris Radisch ist: <strong>wenn PeterLichts Auftritt gestern Jazz war, dann ist Stangl heute der Grabgesang.</strong> </p>
<p>Vermutlich hätte man den Text auch im Vorfeld lesen müssen. So dröge kann er nicht sein, wie er nun nach Kerns fulminantem Auftritt erscheint, aber im Moment will sich mir nicht erschließen, was mir Stangl sagen will mit:</p>
<blockquote><p>er sieht sich für Momente als ein knollenförmiges loses Gebilde aus Drähten, ein kleinerer Auswuchs, sein Bruder, ein knollenförmiges loses Gebilde aus Drähten, ist durch einen einzelnen dünnen Draht mit ihm verbunden; er wird von Menschenhänden gepackt und zusammen mit dem neuen Bruder in eine kleine Kiste gesteckt, deren Deckel schlecht schließt, weil der Auswuchs (sein Bruder, sein Kind), kaum hineingebogen, immer wieder an dem dünnen Draht, wie an einer Sprungfeder, hochschnellt: er spürt es als eine Art von gemeinsamem Lachen, schläft für Sekunden, taucht für Sekunden unter in der vollkommenen Leere.</p>
</blockquote>
<p>Ich kann mir gerade aber kein rechtes Urteil anmaßen. Vielleicht später nochmal in Ruhe durchlesen und nun abwarten, was die werten Juroren und Streithähne wissen.</p>
<p><em>[Update: 12:15 Uhr]</em> </p>
<p>Daniela Strigl stellt fest, was immer mehr klar wurde, daß hier wieder eine solipsistische Position eingenommen wurde. Der Protagonist suche Wege in die äußere Welt, die er sich aber immer&nbsp; körperlich-leiblich auf Distanz zu halten versucht. Sie betont die Kunstfertigkeit, wie der Text auf die Auflösung und das Nichts zustrebe. Aha, und der Vortrag sei hier adäquat gewesen. Rätselhaft. </p>
<p>Auch Ilma Rakusa verleiht ihrer Bewunderung Ausdruck. Es handele sich um eine Geschichte über Zeit und Raum. Es muß am Vortrag gelegen haben, alles was zu hören war, war unendlich fad und einschläfernd. Martin Ebel stellt fest, daß es sich um einen schwierigen Text handelt. Nun gut, dem war ich nach der Aufregung von vorhin noch nicht gewachsen. Ebel agiert schon die letzten Tage wohltuend nüchtern. Er bemüht sich analytisch den Texten gerecht zu werden, das schätze ich. Insofern hat er sich jedenfalls bei mir einen Vertrauensvorschuß erarbeitet und er schließt: &quot;<strong>Er läßt mich auch völlig kalt.</strong>&quot; </p>
<p>Puh! Ich bin beruhigt. So falsch lag ich nicht. Nun Mangold: er verbeugt sich vor Stangl und dessen Erinnerungsarbeit.&nbsp; Für ihn handele es sich bei Stangl um einen fleißigen Komponisten, der präzise immer neue Knotenpunkte aneinanderreiht, allerdings habe der Text keine Form, keine Struktur. In diesem Sinne hält er den Text doch für belanglos. Auch Ursula März fehlt die Dynamik und der Text hinterlässt ein Unbehagen bei ihr.</p>
<p>Nüchtern gefällt mir immer besser: er gesteht zwar eine suggestive Kraft zu, aber bemängelt die monotone Gleichförmigkeit. Er sieht aber &quot;grandiose Beschreibungen&quot;. Heiz fängt zu philosophieren an. Er verweist auf <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Emmanuel_Levinas">Emmanuel Levinas</a>, den er aber &#8211; wenn ich richtig zugehört habe &#8211; als &quot;Lebinas&quot; gesprochen hat. Nun ja, man könnte freilich mit <a title="Wikipedia-Artikel" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Teufel">Fritz Teufel</a> feststellen: &quot;Wenn es der Wahrheitsfindung dient.&quot;</p>
<p>Iris Radisch lobt die Weltfülle und bestreitet hier, daß der Ich-Erzähler sich in einer solipsistischen Perspektive eingekapselt habe. Immerhin gesteht sie zu, daß sie Unsinn erzähle. Wie war das noch mit der Selbsterkenntnis? Wir dürfen also auf Besserung hoffen. Dennoch: der Stangl-Sound will sich mir nicht erschließen. Und inwiefern dieser Text &quot;beglückend&quot; sein soll, kann ich auch nicht nachvollziehen. Frau Rakusa gibt zu Protokoll, daß sie dem Text zugute halte, daß er &quot;pointenlos&quot; sei: man könnte auch sagen er ist witzlos.</p>
<p>Corino hadert ein wenig und schmollt. Er erkennt wenig Neues, sondern sieht ihn in der hinlänglich bekannten Tradition des &quot;Ich ist ein anderer&quot;. Er bemühe sich, das Subjekt in seiner Wahrnehmungswelt zu verstehen. Und er weist auf die, seiner Ansicht nach, fehlende Struktur hin. Er will keine Komposition erkennen, keine gewobene Struktur, sondern eher ein unentwirrbares Knäuel, das durch die Vortragsweise noch unentwirrbarer geworden sei.</p>
<p><em>[Update: 12:50 Uhr]</em></p>
<p>Martin Becker beginnt endlich schwungvoller. Er liest über &quot;<a href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/199930/" target="_blank">Dem Schliff sein Tod</a>&quot;. Wohltuend lebendig, nicht großartig bislang, aber vielversprechend. Die Schrullen und Marotten des Kleinbürgertums sind sein Gegenstand. Schliff hat sich das ältere Ehepaar Jung als Untermieter ins Haus genommen. Auch der Gesellschaft wegen. Und dann der Wechsel zu einem anderen Ort, der andere Erzählstrang: Schliff hat Handwerker bestellt, sie sollen die verschimmelten Wände der leeren Wohnung beseitigen. Doch Huber und sein Hiwi Gogo sind von einem Kaffeeautomatenlieferdienst. Mit Wohnungssanierung haben sie nichts am Hut.</p>
<p>Nun Rückblende, die verflossene Liebe. Schliff kommt &#8211; so wird deutlich &#8211; mit seinem Leben nicht zurecht. Er ist chaotisch. Tatsächlich: er hatte die Kaffeeautomatenfirma beauftragt. Sein Fehler. Er ist hilflos, seine verschwundenen Hunde bekommt er auch nicht wieder. Er wird abgezockt: vom Hundefänger, der ihm andere Hunde übergibt, nicht diejenigen, die ihm entlaufen waren. Aber Schliff reklamiert nicht. Und bei allem sucht er, sein Gesicht nicht zu verlieren. Er kann und will seine Fehler nicht eingestehen. Genauso bei der Kaffeemaschine &#8211; &quot;dem vollautomatischen Kaffeeautomat für den mittelgroßen Betrieb&quot; &#8211; er weist Huber und seinen Gehilfen an, das Gerät zu installieren. Wenn schon untergehen, wenn schon scheitern, dann mit wehenden Fahnen.</p>
<p>Nun rutscht die Story ins Absurde. Lustig zum Teil, aber das wird keine Gnade finden, fürchte ich. Die Situation gerät zunehmend aus den Fugen. Deutlich wird: Schliff braucht Gesellschaft. Egal ob es sich um das ältliche, zunehmend verwirrte Ehepaar oder die Handwerker handelt. Oder eben die Hunde, deren Fehlen als wunder Punkt in Schliffs Leben die dominierende Rolle spielt. Insgesamt gefällig, aber es wird Kritik hageln.</p>
<p>&nbsp;<em>[Update: 13:10 Uhr]</em></p>
<p>Ursula März konstatiert eine Munterkeit, die der Text ausstrahle, fühlt sich an Loriot erinnert, bedauert aber, daß hier lediglich eine Drehbuchvorlage für eine Slapstickkomödie vorliege. Daniela Strigl bemüht sich um eine versöhnliche Kritik und ihr ist es &quot;too much&quot;. Die Vielzahl der durchgeknallten Charaktere, die in der Geschichte sich abwechseln, seien doch zuviel des Guten. Irirs Radisch, man staunt, findet die Erzählung komisch, fühlt sich seltsamerweise an Frischs &quot;Biedermann und die Brandstifter&quot; erinnert.&nbsp;</p>
<p>Martin Ebel fühlte sich gut amüsiert, kann aber dennoch keine große Begeisterung für den Text aufbringen. Ijoma Mangold äußert den Verdacht, daß die Komik doch nur Selbstzweck ist und keinem anderen Zeck dienlich ist. Heiz wird gegen Ende der Diskussionen immer kritischer. Allerdings bemängelt er zu Recht, daß es unverständlich bleibt, weshalb die sentimentale Ebene (das Verlassenwerden durch die Frau) überhaupt eingeführt wurde. Klaus Nüchtern reklamiert die &quot;Genußbestrafungsmanie&quot; der Kollegen und erkennt in der Überpointierung eine gewisse &quot;Metakomik&quot; und fühlt sich schlicht gut unterhalten. 3sat folgt sklavisch dem Sendezeitprotokoll und blendet sich leider aus. Schade, aber nun ist es auch gut. 18 Autoren, 18 Texte und 18 anschließende Diskussionen sind genug.</p>
<p>Nun aber gilt es, etwas Abstand zu gewinnen, das Gehörte sich setzen zu lassen. Ab 13.30 Uhr ist es für alle Interessierten möglich, auf der Seite &quot;<a target="_blank" href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis">www.bachmannpreis.at</a>&quot; eine Stimme für den Publikumspreis abzugeben. Dies soll wohl durch ein Mailvoting geschehen. Bislang ist dort noch nichts eingestellt, all diejenigen, die aber am heutigen Vormittag den Text von Björn Kern besser gefunden haben als die Jury, haben dort die Möglichkeit ihr Urteil mit in die Preisfindung einfließen zu lassen. &nbsp;</p>
<p><em>[Update: 13:15 Uhr]&nbsp;</em></p>
<p>&nbsp;So, nun ist, soweit ich sehe, hier die <a href="http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/specials/109780/index.html" target="_blank">Seite für die Abstimmung zum Publikumspreis</a> online.</p>
<p></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="80%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p>Wie bereits <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/28/bachmannpreis-2007-start-einlaufen-schaulaufen-der-1-tag/" target="_blank">gestern</a> und <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/29/bachmannpreis-2007-die-muehen-der-ebene-der-2-tag-2/" target="_blank">vorgestern</a> wird auch heute in der Wissenswerkstatt das Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis 2007 bloggenderweise live begleitet. Die Beobachtungen der Vorgänge in Klagenfurt werden unmittelbar festgehalten und niedergeschrieben, es ist der Versuch die spontanen Eindrücke zu dokumentieren, auch auf die Gefahr hin, daß sich erste Urteile als falsch erweisen. </p>
<p>Wer zu den Zeitgenossen zählt, die sich keine Fernsehkiste leisten wollen oder wer sich einzelne Beiträge nochmals ansehen will, der sei auf die ausgezeichneten Audio- und Videomitschnitte <a target="_blank" href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/streaming/stories/203494/"><strong>hier</strong></a> verwiesen.</p>
<hr width="80%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Die heutige Lesereihenfolge:</em></strong></p>
<p>15 (09.00 &#8211; 10.00 Uhr) Jan Böttcher<br />16 (10.00 &#8211; 11.00 Uhr) Björn Kern<br />17 (11.00 &#8211; 12.00 Uhr) Thomas Stangl<br />18 (12.00 – 13.00 Uhr) Martin Becker</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr width="80%" size="1" />
<p><strong><em>Literaturempfehlungen zu den heutigen Autoren:</em></strong></p>
<p><strong>Jan Böttcher</strong> » 2003: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3937445013?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3937445013">Lina oder: Das kalte Moor</a> | 2004: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3937445080?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3937445080">Der Krepierer</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/387134530X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=387134530X">Geld oder Leben</a></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/387134530X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=387134530X"></a><strong>Björn Kern</strong> » 2001: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3423620625?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3423620625">KIPPpunkt</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406535518?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3406535518">Einmal noch Marseille</a> | 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406563740?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3406563740">Die Erlöser AG</a></p>
<p><strong>Thomas Stangl</strong> » 2004: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442733758?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3442733758">Der einzige Ort</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3854207093?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3854207093">Ihre Musik</a></p>
<p><strong>Martin Becker</strong> » 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/363087262X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=363087262X">Ein schönes Leben</a><strong><em></p>
<p></em></strong></p>
<p></p>
<hr width="80%" size="1" />
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Literaturempfehlungen zu den Autoren von gestern:</em></strong></p>
<p><strong>Silke Scheuermann</strong> » 2001: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518122398?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518122398">Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen</a> | 2004: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/351841593X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=351841593X">Der zärtlichste Punkt im All</a> | 2005: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442461448?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3442461448">Reiche Mädchen</a> | 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3895613711?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3895613711">Die Stunde zwischen Hund und Wolf</a> | 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/389561372X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=389561372X">Über Nacht ist es Winter</a></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/389561372X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=389561372X"></a><strong>Ronald Reng</strong> » 2002: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462031074?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3462031074">Der Traumhüter</a> | 2003: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462033395?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3462033395">Mein Leben als Engländer</a> | 2004: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492275346?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3492275346">Gebrauchsanweisung für London</a> | 2005: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462036238?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3462036238">Fremdgänger</a></p>
<p><strong>Dieter Zwicky</strong> » 2002: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3908010551?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3908010551">Der Schwan, die Ratte in mir</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3908010799?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3908010799">Reizkers Entdeckung</a></p>
<p><strong>Michael Stavaric</strong> » 2005: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3937445137?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3937445137">Europa &#8211; eine Litanei</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3701714401?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3701714401">Stillborn</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3937445218?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3937445218">Gaggalagu</a>. (Kinderbuch) | 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3701714754?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3701714754">Terminifera</a></p>
<p><strong>Milena Oda</strong> » 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3882217006?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3882217006">Der Briefschreiber</a></p>
<p><strong>Kurt Oesterle</strong> » 2002: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3833300183?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3833300183">Der Fernsehgast oder Wie ich lernte die Welt zu sehen</a> | 2003: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3453620070?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3453620070">Stammheim</a>. Der Vollzugsbeamte Horst Bubeck und die RAF-Häftlinge </p>
<p><strong>PeterLicht</strong> » 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3936738238?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3936738238">Wir werden siegen &#8211; Buch vom Ende des Kapitalismus</a> | 2003: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B00008Q00Z?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B00008Q00Z">Stratosphärenlieder</a> (CD) | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000FJH75C?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B000FJH75C">Lieder vom Ende des Kapitalismus</a> (CD) </p>
<hr width="100%" size="1" /><hr /><h4>&Auml;hnliche Beitr&auml;ge</h4><ul><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/19/ingeborg-bachmann-wettbewerb-2007-das-soziotop-die-kritik-die-autoren-wir-werden-siegen/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2007 » Das Soziotop. Die Kritik. Die Autoren. Wir werden siegen.">Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2007 » Das Soziotop. Die Kritik. Die Autoren. Wir werden siegen.</a></li><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/07/01/bachmannpreis-2007-wahlspektakel-der-4-tag/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Bachmannpreis 2007 » Wahlspektakel &#8211; Der 4. Tag">Bachmannpreis 2007 » Wahlspektakel &#8211; Der 4. Tag</a></li><li><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/28/bachmannpreis-2007-start-einlaufen-schaulaufen-der-1-tag/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Bachmannpreis 2007 » Start, Einlaufen, Schaulaufen &#8211; Der 1. Tag">Bachmannpreis 2007 » Start, Einlaufen, Schaulaufen &#8211; Der 1. Tag</a></li></ul><hr width="100%" size="1" /><p><font color="#777777">Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stöbern Sie doch weiter in anderen Veröffentlichungen der Wissenswerkstatt - etwa hier in der <a target="_blank" href="http://www.wissenswerkstatt.net/werkstattinventar-publikumslieblinge-liebhaberstuecke-und-versteckte-perlen/">Übersicht</a> besonders beliebter Texte. Alternativ lohnt sich auch die Navigation über das <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/lageplan/">Werkstattinventar</a><br /></font></p><p><em><font color="#777777">Alle Artikel der <a target="_blank" href="../">Wissenswerkstatt</a> stehen unter der <a target="_blank" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">CreativeCommons-Lizenz</a>, d.h. Verlinken jederzeit erlaubt, Bearbeiten und Zitieren jeweils unter Angabe der
Quelle, beides allerdings nur zu nichtkommerziellen Zwecken.</em></p><hr /><small>Copyright &copy; 2011<br />Sie lesen einen Feed der Website "Wissenswerkstatt.net".<br />Eine Verwendung dieses Feeds auf anderen Webseiten verst&ouml;&szlig;t gegen das Urheberrecht. Wenn Sie diesen Inhalt nicht in Ihrem News-Reader lesen, so macht sich die Seite, die Sie betrachten, der Urheberrechtsverletzung schuldig. <br /> </font>Digitaler Fingerprint: 18754798dca730b745ad417e2b5ebb91</small>
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<div class="nr_clear"></div><hr size=1 width=40%><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_53" class="footnote">Kritische Stimmen erhoben sich <a target="_blank" href="http://www.kultur-channel.at/2007/06/29/bachmannpreis-2007-ein-tiefpunkt-der-diskussionskultur/">hier</a>, <a href="http://buch.germanblogs.de/archive/2007/06/29/bachmann-preis-2007--teil-iv.htm#fulltext" target="_blank">hier</a> und <a href="http://hoehereweltenblog.twoday.net/stories/4016240/" target="_blank">hier</a>.</li></ol><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/30/bachmannpreis-2007-sonneneinfallswinkel-und-die-schatten-der-zwerge-der-3-tag/">Bachmannpreis 2007 » Sonneneinfallswinkel und die Schatten der Zwerge &#8211; Der 3. Tag</a>]</p> <p><a href="http://www.wissenswerkstatt.net/?flattrss_redirect&amp;id=53&amp;md5=a106bcec7068167504b4434d2dbb27fc" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.wissenswerkstatt.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Bachmannpreis 2007 » Die Mühen der Ebene &#8211; Der 2. Tag</title>
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		<comments>http://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/29/bachmannpreis-2007-die-muehen-der-ebene-der-2-tag-2/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 06:51:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Warum tut man sich das an? Vergnügungssteuerpflichtig ist der Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gewiß nicht, soviel lässt sich nach dem ersten Tag der diesjährigen Veranstaltung sagen. Aber was versteht man schon unter Vergnügen? Jeden Morgen die duftenden Brötchen mitsamt fein geschäumter Latte Macchiato ans Bett gebracht zu bekommen, ist auf die Dauer auch eine Zumutung. Das mag daran [...]</p><p>[Ein Artikel der Wissenswerkstatt: <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/29/bachmannpreis-2007-die-muehen-der-ebene-der-2-tag-2/">Bachmannpreis 2007 » Die Mühen der Ebene &#8211; Der 2. Tag</a>]</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Warum tut man sich das an? Vergnügungssteuerpflichtig ist der Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gewiß nicht, soviel lässt sich nach dem ersten Tag der diesjährigen Veranstaltung sagen. Aber was versteht man schon unter Vergnügen? Jeden Morgen die duftenden Brötchen mitsamt fein geschäumter <a title="Wikipedia-Artikel" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Latte_Macchiato">Latte Macchiato</a> ans Bett gebracht zu bekommen, ist auf die Dauer auch eine Zumutung. Das mag daran liegen, daß &#8211; wie schon Sigmund Freud wußte &#8211; es im Plan der Schöpfung nicht vorgesehen ist, daß der Mensch glücklich ist. Vielleicht aber auch an der häufig anzutreffenden Tendenz zu einem milden Masochismus, der nicht wenigen Zeitgenossen zu eigen ist.</strong></p>
<p>Die vorlesenden Autoren, die Juroren sowieso, aber auch die Zuseher und natürlich die live bloggenden Protokollführer des Geschehens wissen wovon ich rede. Am ersten Tag der diesjährigen 31. Auflage des Wettlesens um den Bachmannpreis wurde es wieder einmal hinlänglich illustriert, mit welchen Risiken ein Auftritt in Klagenfurt verbunden ist. Wie der Fall von&nbsp; Andrea Grill zeigt, bewahrt auch der österreichische Nationalitätsbonus nicht vor harscher Kritik. </p>
<h4 class="pullquote_left">&quot;Hände hoch: Wartschwallüberfall!&quot; &#8211; Was erwartet uns heute? <br /></h4>
<p> Ich habe selten erlebt, daß ein Text auf so breite und ungeteilte Ablehnung stieß. Überrascht war ich, daß auch der engagierte Vortrag von Jörg Albrecht kaum ein geteiltes Echo hervorrief: der energiegeladene Wortschwallüberfall, das atemlose Textsampling von Albrecht gefiel zwar einigen Juroren recht gut und Ijoma Mangold bedankte sich für die angenehme Hirnmassage, allerdings war man sich erstaunlich einig darüber, daß jenseits der Darbietung der Text selbst kaum Substanz und Diskussionswürdigkeit aufwies. </p>
<p>Nachzulesen ist das gestrige Protokoll der Lesungen und der Diskussionsrunden <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/28/bachmannpreis-2007-start-einlaufen-schaulaufen-der-1-tag/" target="_blank">hier</a>. Dort kann auch nochmals rekapituliert werden, mit welchen Argumenten der pfiffige Kosmonauten-Selbstbespiegelungs-Text von Jochen Schmidt gelobt und welche Bedenken angemeldet wurden. Für mich persönlich zählen einige Passagen aus Schmidts Text zu den Highlights des gestrigen Tages, besonders gut gefiel die folgende Stelle:</p>
<blockquote><p>&quot;Daß man in die Kirche geht, macht aus einem ja so wenig einen Christen, wie man ein Auto wird, wenn man eine Garage betritt. So lautete eine indianische Weisheit in meinem Poesiealbum. Daß Indianer sich so ausdrücken sollten, wunderte einen nicht, auch wenn man nie mit einem gesprochen hatte. Ob wir unsere Weltsicht in den Poesiealben der Indianer auch so formulieren? Daß man sich in der Erdumlaufbahn befindet, macht aus einem so wenig einen Kosmonauten, wie man ein Indianer wird, wenn man sich an etwas heranschleicht. Ein Kosmonaut ist, wer bereit ist, sein Leben seiner Fortbewegungsart zu opfern. Solange man auf Reisen noch mit einer Rückkehr rechnet, ist man ja im Grunde noch zu Hause. Es ist wie bei dieser Therapieübung, bei der man sich rückwärts von einem Tisch fallen läßt, im Vertrauen, die anderen Kursteilnehmer würden einen auffangen. Wirklich aufzubrechen heißt doch, sich fallen zu lassen, obwohl einen niemand auffangen wird (..)&quot; [Jochen Schmidt, <a href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/202976/" target="_blank">Abschied aus einer Umlaufbahn</a>]</p>
</blockquote>
<p>Als gescheit und hochintelligent wurde das gelobt. Der <a target="_blank" href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/202988/">stärkste Text</a> wurde dann freilich ganz zum Schluß von Lutz Seiler vorgetragen. Was die Juryleistung angeht, so lässt sich bislang feststellen, daß totale Ausfälle nicht zu verzeichnen sind. Solide wurde argumentiert, durchaus fair, wenn auch die Kritik deutlich formuliert wurde. Iris Radisch tat sich auch in dieser Hinsicht einmal mehr hervor, war glücklicherweise aber nicht so penetrant wie zu früheren Zeiten. </p>
<h4 class="pullquote"> Karl Corino entpuppt sich als Meister der Abschweifung. Und der Neuling Ijoma Mangold macht seine Sache bislang sehr gut. <br /></h4>
<p>Karl Corino erwies sich als Meister der Abschweifung und ließ meist nach einem kurzen Eingangsstatement, das sich (wenn man Glück hatte) auf den gehörten Text bezog, seinen Gedanken einigermaßen freien Lauf. Dennoch mochte ich seine Ausführungen. Martin Ebel nimmt es immer sehr genau, aber seine Bemühungen sind mitunter recht ertragreich. Klaus Nüchtern war vormittags noch voller Elan, in der zweiten Runde ab 15 Uhr sah man ihn des öfteren mit dem Schlaf ringen. Sehr gut gefiel mit Ijoma Mangold, aber das ließ sich wohl auch gestern schon an meinem Protokoll ablesen. Einzig farblos blieb Ursula März, mal abwarten, ob sie sich heute besser präpariert präsentiert.</p>
<p>Aber was erwartet uns heute?</p>
<p>Die Autoren sind in ihrer Reihenfolge unten angegeben und dort finden sich auch einige Links zu bisher veröffentlichten Texten. Es beginnt mit Silke Scheuermann aus Frankfurt. Sie ist als Achte an der Reihe und erst die dritte Frau, gehöriger Männerüberschuß also. Ich kann es nicht begründen, aber vom Bauchgefühl her bin ich durchaus neugierig und könnte mir einen spannenden Text von ihr vorstellen. Danach kommt Ronald Reng, der, wie ich der <a href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/autoren/stories/195925/" target="_blank">Website</a> entnehme in Barcelona lebt, studiert hat er in München, u.a. Politische Wissenschaft am Geschwister-Scholl-Institut. Kommt mir bekannt vor. Später kommt Michael Stavaric der interessant werden könnte und den Tagesabschluß bildet Peter Licht. Zu dem könnte ich viel schreiben, unterlasse das aber an dieser Stelle. Nur so viel: man darf gespannt sein. </p>
<p><em>[Update: 9:30 Uhr]</em></p>
<p>Silke Scheuermann setzt farbige Akzente am frühen Morgen, in kräftigem Rot sitzt sie vor dem blauen, überdimensionalen Teppich des Hintergrunds. Sie liest einen wunderbaren Guten-Morgen-Text. Hübsche kleine Beobachtungen, Randnotizen sind auf alle Fälle nicht unsympathisch. Der Schmetterling wird so unversehens zu einem aufgeklappten Handy, man hat schon schlechtere Vergleiche gelesen. Der Text ist mit &quot;<a target="_blank" href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/202814/">DIE FURCHTLOSEN</a>&quot; überschrieben, es geht um eine brüchige Familienkonstellation, Perspektivwechsel, hier die Heranwachsende in der Vorstadt, die sich mit der Stiefmutter Kathrin nicht anfreunden kann und will. Zunächst freilich genau die Perspektive der Stiefmutter, dann wieder ein Wechsel; ein Text, der durch diese Sprünge zwischen den Protagonistinnen, jeweils in Ich-Perspektive, interessant wird, aber auch verwirrt. Die Wechsel könnten ein wenig klarer markiert werden; wenigstens für den Zuhörer ist das Auseinanderhalten der Perspektiven recht schwierig.</p>
<p>Das Verhältnis zwischen Sylvia und Kathrin ist mehr als problematisch; wer hat welche Absichten? Weswegen der Argwohn und beruht er auf Gegenseitigkeit? Wird die attraktive, an Audrey Hepburn erinnerende Studienfreundin von Ralph, dem Familienvater, noch eine Rolle spielen? Sollte die Erzählung nur darauf hinauslaufen, daß der Mini nun doch Sylvia geschenkt wird, obwohl diese die ganze Zeit etwas anderes vermutet hatte? Mit den Wechseln kommt man immer besser zurecht, die Spannung beim Zuhören rührt daher, daß man immer stärker die Ahnung erhält, der Text liefe auf ein fatales Ende, einen respektablen Schlußeffekt zu. Und gut, den gibt es, und dennoch bleibt der Schluß seltsam unbestimmt offen. Das verspricht nun aber wirklich kontroverse Diskussionen.</p>
<p><em>[Update: 10:05 Uhr]</em>&nbsp;</p>
<p>Martin Ebel ergreift als Erster das Wort und zeigt sich sehr wohlwollend. Das Spiel mit den Perspektiven hält er für überaus gelungen, wie überhaupt die dramaturgische Gestaltung und Erzählstrategie, die er für selbsterklärend und dem Gegenstand angemessen erachtet. Klaus Nüchtern sticht heute mal wieder durch ein relativ geschmackloses Oberhemd heraus, er formuliert seine Bedenken und bedauert, daß die Dreierkonstellation und deren erotisch-sinnliche Komponente nicht ausgearbeitet werden; wenigstens eine Fortsetzung mahnt er an. Nun ja, fromme Wünsche des Herrn Nüchtern. In vielen Kritikpunkten kann man ihm aber zustimmen.</p>
<p>Als &quot;familiäres Kammerspiel&quot; und &quot;<strong>Psychogramm einer Patchwork-Familie</strong>&quot; beschreibt Karl Corino den Text, durchaus zutreffend. Er reklamiert allerdings schiefe Bilder und auch er bemängelt die Unentschiedenheit und fehlende Plausibilität der Schlußwendung. Ist es glaubhaft, daß die Stiefmutter von ihrer posttraumatischen Belastungsstörung durch die Zeugenschaft einer kleinen, ebenfalls potentiell traumatischen Begebenheit &quot;geheilt&quot; wird? Ebenfalls richtiger Einwand, aber geht es hier um psychologische Stichhaltigkeit?  Daniela Strigl, ich gestehe zu, weist darauf hin, daß unter bestimmten Bedingungen diese Wendung durchaus nachzuvollziehen sei.</p>
<p>Nun aber Iris Radisch. Sie mahnt an, sich nicht nur auf der Plotebene zu bewegen; mal wieder gefällt sie sich in der Formulierung einer Gegenposition, geschenkt. Aber ihr Hinweis, daß man zu kurz greift, wenn man nur das &quot;Psychodrama&quot; betrachtet, ist nicht von der Hand zu weisen; und Iris Radisch ist, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Vorschußlorbeeren für Frau Scheuermann, &quot;maßlos enttäuscht&quot;. Martin Ebel bezieht den Gegenstandpunkt und sagt: &quot;<strong>Großartig gemacht.</strong>&quot; Nun aber Ijoma Mangold, handwerklich hat er nichts auszusetzen, gerade die Schnittechnik hält er für gelungen. Begeistert ist er nicht, was nicht zuletzt am Schluß liegt. Ilma Rakusa findet den Detailreichtum bemerkenswert, bedauert aber die sprachliche Durchschnittlichkeit. Die in ihrer Lyrik aufscheinende Sprachkraft von Silke Scheuermann sei nicht sichtbar geworden. Ursula März holt zu einer allgemeinen Grundsatzkritik aus. Die Parallelwelt der Klagenfurter Jury ist für sie nicht mehr zu verstehen. Eine andernorts vielgelobte Kurzgeschichte bspw. von Ingo Schulze würde &#8211; so ihre These &#8211; in Klagenfurt kaum auf Gegenliebe stoßen. </p>
<h4 class="pullquote"> Ambitionierte Geschichten, sprachlich mangelhaft umgesetzt. In der Jury herrscht Uneinigkeit&#8230; <br /></h4>
<p>Und jetzt laufen die Juroren zu Hochform auf. <strong>Zickenkrieg zwischen Iris Radisch und Ursula März?</strong> Das ist der Knalleffekt, den die Story nicht hatte. Auf die nächsten Diskussionsrunden darf man gespannt sein. Soviel steht fest, Frau Radisch und Frau März werden heute keine Freundinnen mehr.</p>
<p><em>[Update: 10:40]</em></p>
<p>Nun aber Ronald Reng. Keine große Vorlesekunst, aber gut, Christian Brückner sehen wir am Sonntag. Die brav erzählte Geschichte ist im Hessischen angesiedelt, erklärlich und verzeihlich, da Reng in Frankfurt aufgewachsen ist. Hätte man nicht lieber etwas aus Barcelona gehört, der Stadt in der der Autor seit 11 Jahren lebt? Nun also zerbrechliches Familienidyll in und um den Main. Der vergessene Geburtstagskuchen und die Versuche der Schadensbegrenzung, die psychologischen Momente erscheinen recht interessant und sind mitunter gut beobachtet, fein nuanciert wiedergegeben; mit zunehmender Dauer liest Reng besser und lockerer, ein Gert Westphal wird er nicht mehr, aber man kann zuhören. Leider dennoch sehr an Hausmannskost erinnernd, was Reng vorträgt, was die sprachliche Qualität nicht hergibt, sollte die Geschichte wettmachen. Abwarten. </p>
<p>Vielleicht ist ja grundsätzlich davon abzuraten unabgeschlossene Geschichten und wie hier Reng einen <a href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/202679/" target="_blank">Romanprolog</a> vorzulesen? Gut, gestern hat Lutz Seiler demonstriert, daß das kein Handicap sein muß. Aber ich fürchte, daß Klaus Nüchtern nicht der einzige sein wird, der später seine Langeweile eingestehen wird. Und Iris Radisch wird kaum mehr Zugeständnisse machen. Insgesamt ist der Text Rengs nicht vollkommen mißlungen, aber eventuell hätten einige Passagen, einige Längen gekürzt werden sollen. Zumindest hier für den Vortrag im Klagenfurter Rund. </p>
<p><em>[Update: 11:05 Uhr]</em></p>
<p>&quot;<strong>Der Text hat kein Tempo&#8230;</strong>&quot;, so beginnt Klaus Nüchtern seine Generalkritik. Später werden verteidigende Stimmen laut werden, aber Nüchterns Lamento über die müde-behäbige Erzählhaltung kann durchaus geteilt werden. Ijoma Mangold findet sich an eine &quot;Gute-Nacht-Geschichte&quot; und an die Sendung mit der Maus erinnert, keine erzählerische Komposition, keine Dramaturgie sei erkennbar. Iris Radisch schwingt sich zu einer kleinen Ehrenrettung auf und weist auf die Position der kranken Mutter hin, die als &quot;Schatten&quot; über die Geschichte liege und von der her die Erzählung konstruiert sei. Corino konstatiert, daß hier die Bemühung vorliege Realität abzubilden, bedauert allerdings den schwachen Vortrag und viele Detailschwächen. </p>
<p>André Vladimir Heiz verbeugt sich vor jeder Bemühung eines jeden Autors und würdigt die kreative, künstlerische Leistung des Schriftstellers, für Reng stellt er aber fest, daß der Text nicht mehr zeitgemäß sei. Martin Ebel ergreift natürlich Partei für seinen eingeladenen Kandidaten und stellt zutreffenderweise fest, daß der zugrundeliegende Plot durchaus reizvoll ist, doch leider ist die Ausführung, wenigstens wie am heutigen Vormittag präsentiert, nicht ganz geglückt.</p>
<p><em>[Update: 11:50 Uhr]</em></p>
<p>Mit sympathisch schweizerischem Zungenschlag beginnt Dieter Zwicky aus &quot;<a href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/203013/" target="_blank">Mein afrikanisches Jubeljahr</a>&quot; zu lesen. Es handelt sich um hochreflektierte und reflektierende Erinnerungen an einen Aufenthalt im zentralafrikanischen Benin und die anschließende Rückkehr ins Aosta-Tal. Der Ich-Erzähler, in Ton und Habitus ein wenig an Max Frisch erinnernd, berichtet über das Verhältnis zu seiner Frau Ginette und dasjenige zu seinem Chef und Mentor Tschalchow (&quot;&#8230;der begnadete Atmer und Schweiger, dieser Ausnahmeathlet in verborgen brütender Effizienz&#8230;&quot;) bilden den Fixpunkt der Erzählung. Es ist wieder die Schilderung einer auf die Probe gestellten Beziehung, ähnlich wie gestern bei Fridolin Schley, aber sprachlich deutlich ambitionierter, deutlich mutiger und mit mehr Freude an spielerischen Sprachvarianten.</p>
<p>Zwicky beschreibt genau, zum Teil findet er ungewohnte, aber treffende Bilder, nicht zu manieristisch, durchaus angenehm. Was aber geschah zwischen den Eheleuten?  </p>
<blockquote><p>In der Brutwärme Benins lagen Ginette und ich oft ohne Aussicht auf Schlaf im Bett. Stockdunkle Nacht herrschte, die eigene Haut fühlte sich ausgewaschen an, durchgescheuert, ein schmerzend dünnhäutiges, beinahe brennendes, hoch reizbares Empfindungssystem lag zu dicht um Augen, Nase und Mund.&nbsp;</p>
</blockquote>
<p>Während der massige, körperlich präsente Tschalchow einen Gravitationspunkt darstellt und dessen Stimmverlust beschrieben wird, bleibt der Erzähler selbst eher konturlos. Leider ist der Text, der hier zum Vortrag kommt, auch fragmentarisch und stellt keine kohärente Geschichte dar. Viele interessante Einfälle und Schilderungen zeichnen Zwickys Vortrag aus, leider mangelt es der Erzählung selbst an Stringenz. Die Diskussion verspricht kontrovers zu werden.</p>
<p><em>[Update: 12:10 Uhr]</em></p>
<p>Frau Strigl verortet den Text in bester Tradition &quot;schweizerischer Eigenwilligkeit&quot;. Ein Text, der mehrfach gelesen werden muß, so bemerkt Strigl zutreffend. &quot;<strong>Ich war überrascht, wie gut der Text mir gefallen hat</strong>&quot;, so beginnt Mangold. Die dichte Struktur sieht er als Kontrapunkt zur Verschwiegenheit und Sprachlosigkeit von Tschalchow.&nbsp; Die Textkomposition findet er zu seinem Bedauern nicht durchsichtig. Rakusa weist auf komische Elemente und skurile Einfälle hin, sehr richtig, wie ich meine. &quot;<strong>Der Text lebt ganz und gar aus der Sprache</strong>&quot;, so Rakusas Fazit. </p>
<h4 class="pullquote"> Haben alle wirklich denselben Text gehört? Ist die Komik atemberaubend oder ist die Sprache &quot;verquast&quot; und schwatzhaft? <br /></h4>
<p>Nüchtern sieht hier einen Text vorliegen, der auf elaborierte Weise über das Schweigen schwatzt. Nett gesagt und sicher nicht falsch. Martin Ebel ist positiv angetan, aber nicht begeistert. &quot;Der Text ist schön, aber auch egal&quot;, so bringt er sein Unbehagen auf den Punkt, daß Zwicky sich natürlich durch die hochartifizielle Komposition jeder Kritik an möglichen realistischen Defiziten entzieht. Als &quot;tierisch gut&quot; bezeichnet André Heiz den Text. Karl Corino gefällt sich in der Rolle des Mäklers; &quot;verquast&quot; und schwatzhaft, so seine Kritik. Auch Ursula März kann der &quot;grandiosen schweizerischen Umständichkeit&quot; wenig abgewinnen. Frau Radisch gesteht ein, daß sie durch den Vortrag eines Besseren belehrt wurde, beim Lesen habe ihr die gedrechselt, kleinteilige Art mißfallen, beim Vortrag habe sie dann aber den eigentümlichen &quot;Sound&quot; zu schätzen gelernt. Und Heiz schließt mit der Aufforderung an die deutsche Kritikergeneration, sich vom Standpunkt und Feier der Erhabenheit zu verabschieden; der schweizerische Sound sei nicht kleinteilig, sondern habe seine eigene, legitime sprachliche Perspektive.</p>
<p><em>[Update: 12:45 Uhr]</em></p>
<p>Ganz amüsant und locker beginnt Michael Stavaric mit seinem Text &quot;<a href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/203007/" target="_blank">Böses Spiel</a>&quot;. Oh, der soziobiologische Neusprech, der Männern ihre Nomadenhaftigkeit nicht übel nimmt, schön beobachtet. Aber das wird Kritik ernten. Hier wird aus der Ich-Perspektive erzählt, erzählt von Beziehungsfragen und formulierten Ansprüchen an den Ich-Erzähler, der bereits zweimal gebeten wurde, wenn schon nicht als Kindsvater, so wenigstens als (Er-)Zeuger des Kinds zur Verfügung zu stehen. Die Analogie von Erzähler und Palmdieb wird immer deutlicher und das erste Mal wird an diesem Tag eine Sexszene geschildert, und das gar nicht übel, man hat sowas schon schlechter gelesen:</p>
<blockquote><p>Sie habe von mir geträumt, wie ich rieche und schmecke und wie ich mein Hemd aufknöpfe und meine Hose ausziehe, wie ich sie nehme, gleich in der Tür, dass sie ihre Beine verspreizt im Türstock, dass sie schwebt und ich ihr weiches Fleisch teile und ihre Kokosmilch trinke.</p>
</blockquote>
<p>Stavaric weiß in spielerisch-selbstverständlicher Weise mit der indirekten Rede umzugehen; handwerklich sauber, keine Frage. Die Schilderungen der Tötungsphantasien sind deutlich, aber bleiben trotz ihrer expliziten Wortwahl dennoch in der Schwebe. Man darf gespannt sein, was die kritische Jury zu Passagen wie diesen zu sagen weiß:</p>
<blockquote><p>Du nimmst eine Axt und schlägst ihn wund und dann bohrst du ihn an und nimmst einen Haken und dann schleifst du ihn zum Ufer und ziehst ihn durch schlammiges Wasser und drückst seinen Kopf zwischen die Algen, und wenn er sich wehrt, packst du ihn am Hals und drückst fest zu, bis der Kehlkopf bricht.</p>
</blockquote>
<p>Mehr und mehr gefällt sich Stavaric in der Ausbreitung gewalttätiger Terminologie. Dann wieder der Neid, die Konkurrenz zu Robert, der jünger war und auch besser in der Schule. Das gegenseitige Belauern zwischen Erzähler und Robert; und wieder kriegerische Auseinandersetzungen, die die Jugendlichen simulierten. Schließlich wird es nochmals blutig: stundenlanger Sex in rüttelnden Zügen. Nun aber die Jury.</p>
<p><em>[Update: 13:15 Uhr]</em></p>
<p>Ijoma A. Mangold ärgert sich lautstark über die aufmerksamkeitsheischende &quot;<strong>Sexualisierung des Textes</strong>&quot;. Der Text habe ihm nicht gefallen, Ursula März bezieht Gegenposition: sie lobt den Pathos, der aber nicht in Kitsch umkippe. Diese Balance sei gelungen. &quot;Der Text hat etwas Furioses und zugleich etwas Kontrolliertes&quot;, nun ja, so kann man es verstehen, muß man aber nicht. Wo allerdings die beschworene Apokalypse liegen soll, muß sie mir nochmal erklären. Martin Ebel bemängelt die &quot;Sprachmasche&quot; und die Nähe zu einer Post-Jelinek&#8217;schen Dramaturgie des Geschlechterkampfes, der sich in Dreieckskonstellationen niederschlägt. Frau Rakusa bekundet Wohlgefallen, was auch an der &quot;Ambiguität&quot; liege, die der Text bei ihr hervorgerufen habe. An der nachlässigen Verwendung des Konjunktivs hat Ilma Rakusa dennoch etwas zu bemängeln. </p>
<p>Klaus Nüchtern kann nicht erklären, weshalb der Text ihm gefallen habe, aber da 3sat sich ausblendet, kann die weitere Diskussion vorerst nicht protokolliert werden&#8230; nun aber geht die Diskussion weiter, beobachtet im Internet. Iris Radisch kann der Biologisierung von Geschlechtlichkeit nichts abgewinnen, was zu erwarten war. Aber ist das dem Text vorzuwerfen? Wird hier nicht nur die Denkweise vorgeführt, die eben (leider?) anzutreffen ist. Allerdings, ich gestehe zu, das Diskursniveau bzgl. der Geschlechterverhältnisse bleibt hinter dem zurück, was seit 20 Jahren verhandelt wird.</p>
<p>Daniela Strigl mahnt an, den Text nicht moralisch zu lesen. &quot;<strong>Diese Frau ist ein reißendes Raubtier</strong>&quot;, nett, wenn Frau Strigl so etwas verlautbart. Insgesamt attestiert sie dem Text von Staravic eine Qualität und warnt davor, ihm diese Darstellung dieses archaisch anmutenden Diskurses übel zu nehmen. Mit einem kurzen Exkurs von André Heiz, der sich den Hinweis auf Hesiod nicht verkneifen kann, geht man in die Mittagspause.</p>
<p><em>[Update: 14:55 Uhr]</em></p>
<p>So, nun geht es in die nachmittägliche Runde. Am Ende erwartet uns der Auftritt von PeterLicht, der jedenfalls Spannung verspricht. Ist unter den hier Mitlesenden eigentlich jemand, der selbst in Klagenfurt ist und evtl. im ORF-Theater mit Laptop sitzt und nebenbei bzw. in den Pausen sich ins Netz einloggt? Denn ab und an sieht man ja aufgeklappte Rechner, die auf Knien artistisch balanciert werden&#8230; </p>
<p><em>[Update: 15:30 Uhr]</em></p>
<p>Milena Oda beginnt ihre Lesung. Das Leben im Hotel, die Trotzigkeit gegenüber Ansprüchen und Zumutungen der Welt lassen sich hier am ehesten ertragen. Erleben wir hier eine parallele Konstruktion zu Jochen Schmidts Text von gestern? <strong>Was gestern das Raumschiff war, ist hier das Hotelzimmer</strong>. Und die Hybris des Ich-Erzählers ist ähnlich augenscheinlich. Es läßt sich recht munter an; ungeachtet des Sympathiebonus&#8217;, der der nett vorlesenden Milena geschuldet ist, die mit tschechischem Zungenschlag liest. Und man merkt ihr an, daß sie durchaus stolz ist und es als Auszeichnung empfindet, von Vladimir Heiz eingeladen worden zu sein. Etwas spitzbübisch und frech ist sie. Man darf weiter gespannt sein was uns &quot;<a href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/202063/" target="_blank">Der Briefschreiber</a>&quot; erzählt.</p>
<p>Und an Selbstbewußtsein mangelt es der Autorin wie dem Protagonisten nicht. Sie stellt sich in die Traditionslinien von Flaubert, Dante, Kafka, Wittgenstein und anderen. Nett, wie gesagt, aber wozu? Man muß sehen. So nun sollte sie aber langsam aufhören mit dem Aufzählungsfuror, sonst wird es ermüdend. </p>
<blockquote><p>Ich esse so mäßig wie Flaubert.<br />Wie Robert Musil denke ich über das Leben nach. Wie Keats denke ich über die Natur nach.<br />Ich phantasiere so wie Kafka.<br />Über die Menschen spreche ich wie Gogol.<br />Ich spreche so langsam wie Dostojewski.<br />Ich spreche so wenig wie Wittgenstein. </p></blockquote>
<p>Leider wird diese Idee etwas überstrapaziert. Und auch die nicht enden wollende Aufzählung der Attribute, mit denen sich der selbstverliebte Erzähler ausstattet, wirkt allmählich ermüdend. Der Ansatz, sich in die Gedankenwelt eines Briefeschreibers zu begeben, der als adäquaten Briefpartner nur sich selbst anerkennt, ist nicht ohne Witz, aber die Ausführung von Milena Oda weiß nicht recht zu begeistern. Hier wäre mehr möglich. Der Erzähler wähnt sich im Begriff ausschließlich Weltliteratur zu schreiben, aber bei Milena Oda ist es dann doch eher nur provinzielle Schreibkunst. Wohin steuert die Erzählung? Gibt es noch andere Ideen oder wird diese eine Melodie bis zum bitteren Ende fortgeführt? Ja, leider schon&#8230; ich rechne mit kritischen Stimmen.</p>
<p><em>[Update: 15:38 Uhr]</em></p>
<p>Es beginnt Iris Radisch und man merkt ihr die Skrupel an, die sympathische Autorin doch auf ihren in weiten Teilen eher mißglückten Text hinzuweisen. Und nun, wo es spannend wird, nimmt sich 3sat eine Auszeit &#8211; die Leitungen aus Klagenfurt seien unterbrochen. Gibt es sowas? Kann niemand die Kabel wieder festzurren, kitten, verknüpfen, die sich gelöst haben?</p>
<p><em>[Update: 16:05 Uhr]</em> </p>
<p>So, nun sind wir wieder vor Ort. Ursula März konnte dem Text nichts abgewinnen und Karl Corino urteilt vernichtend. Der tschechische Humor sei auf dem Weg nach Berlin offenbar verloren gegangen; Milena Oda tut einem leid. &quot;<strong>Wenn sich die Autorin ein wunderbares Chamäleon nennt, dann sind dem Chamäleon die Farben ausgegangen</strong>&quot;, so Corinos Vorhaltungen. Sehr wahr, aber dennoch hart. Frau Oda nimmt es (noch?) mit Humor.</p>
<p>Auch Martin Ebel sieht keine Dramaturgie, der Text trete auf der Stelle. André Heiz versucht in umständlicher Art und Weise dem dargebotenen Text etwas Positives abzugewinnen. Aber seine Erklärungsversuche überzeugen nicht. Ilma Rakusa vermißt Radikalität und über Humor werde lediglich geredet, der Text an sich lasse allerdings diesen Humor vermissen. Nun wird es hitziger, Heiz protestiert energisch, daß es nach wie vor legitim sei, vom Standpunkt des quasi-autistischen Autors Welt, Ideen, Gedankenwelt selbstreflexiv zu beschreiben. Ursula März ist dezidiert anderer Meinung, im 21. Jahrhundert verbiete sich so eine Grundkonzeption, also der räsonnierende Autor, der ohne direkten Weltkontakt agiert, von selbst. </p>
<p>&quot;Natürlich ist das kein guter Text&quot;, stellt Ijoma Mangold fest. Er stellt nur die Frage, weshalb der Text dennoch sympathische Seiten aufweise. Man kommt zu keinem Ergebnis. Aufmunternder Beifall für Milena Oda.</p>
<p><em>[Update: 16:30 Uhr]</em> </p>
<p>Aus dem ersten Kapitel seines Romans &quot;Wunschbruder&quot; liest Kurt Oesterle. Wie aus einer fernen Zeit, einer längst vergangenen Epoche, vermutlich dem Deutschland der Nachkriegszeit, berichtet Kurt Oesterle. Er erzählt vom heranwachsenden Max, der &quot;Reichtum&quot;, aber auch &quot;Armut&quot; seiner Familie war. Der in Tübingen lebende Oesterle kann seine schwäbische Herkunft nicht verbergen, es ist zu hoffen, daß das ihm nicht zum Nachteil gereicht. Die Erzählung beginnt recht brav. Kindheitserinnerungen, Kameradschaft, Auseinandersetzungen, Streiche in der &quot;Geschwisterwelt&quot;. </p>
<p>Der kleine Max, der aufgrund seines ausladenden, wie Oesterle schreibt: &quot;grandiosen&quot; Schädels als Sorgenkind anzusehen ist, steht im Mittelpunkt. Ihm ist sein körperlicher Mangel, sein Defizit, sein Ungeschick bewußt. Max ist &#8211; soviel ist klar &#8211; durchaus sensibel und beobachtet mit Befremden die Auseinandersetzungen der Erwachsenen. Vieles versteht er nicht. Den erwünschten Fernseher bekommt er nicht, ansonsten wäre es ein &quot;<strong>blitzblankes und kugelrundes Glück</strong>&quot; gewesen. Das eine der gelungenen Formulierungen, davon gibt es leider zu wenige. Max versteht es, sich tatkräftig immer wieder nützlich zu machen. Und das Bedauern, kein Geschwisterchen zu haben, wird größer. Sprachlich ist die Erzählung zu bieder gestrickt. Auch wenn man ahnt, daß der Autor möglicherweise eine interessante Geschichte zu erzählen weiß (allerdings wohl eher auf längere Distanz), ist man eher gelangweilt. Auf der Kurzstrecke hat Oesterles Darbietung zu wenig Pfiff.</p>
<p><em>[Update: 16:50 Uhr]</em></p>
<p>Ursula März gibt eingangs zu bedenken, daß der Text nicht unterschätzt werden dürfe; naja, mal sehen, wie sie diese Einschätzung begründet. Ja, sicher, die Figur des kleinen, heranwachsenden Max, der sich gleich mit vier Erwachsenen konfrontiert sieht, ist nicht uninteressant. Martin Ebel applaudiert dem Text, der in der Adenauerzeit spielt, aber keine Muffigkeit, Verstaubtheit aufweise. Und Ebel fühlt sich an Hans-Ulrich Treichel erinnert, durchaus eine Auszeichnung. Er vermißt kleine Brüche, ist aber insgesamt angetan. </p>
<p>Sogar Ijoma A. Mangold beginnt mit lobenden Worten. Gesteht aber ein, daß die Gefahr von Langeweile bestehe, außerdem ist er irritiert, daß die ihm unbekannte Welt so überraschungslos erscheint. Iris Radisch kann den kleinen Anekdoten und fein beobachteten Schilderungen und Miniaturskizzen auch etwas abgewinnen, hält den Ton allerdings für zu &quot;museal&quot;. Auch Klaus Nüchtern hat Zweifel, ob der Ton und Gestus tatsächlich authentisch ist. Er beschreibt zutreffend als &quot;butzenscheibenhaft&quot;. Daniela Strigl hat am vermeintlich authentischen Sprachgestus nichts auszusetzen, sondern sieht darin durchaus ein Qualitätsmerkmal. Auch Ilma Rakusa findet das gemächliche Tempo und die sprachliche Gelassenheit gelungen. André Heiz stimmt voll und ganz zu und verbeugt sich tief vor der Gabe der genauen Wahrnehmung und ihrer Niederschrift. Abschließend setzt Cortino nochmals zu einem Loblied auf Oesterle an, der in einer Art &quot;Teleskoptechnik&quot; auf die lange zurückliegenden Begebenheiten blicke und aus der Distanz heran- und wieder wegzoome. Möglicherweise, so läßt sich schließen, ist der Text bei genauerem Hinsehen tatsächlich reicher und vielfältiger, als beim Vortrag zu erkennen war.</p>
<p><em>[Update: 17:25 Uhr]</em> </p>
<p>Nun aber PeterLicht. Wie erwartet wird sich der eigenwillige Musiker und Autor nicht lesenderweise am Schreibtisch niederlassen, jedenfalls hat er gebeten, nicht beim Lesen gefilmt zu werden. Man erinnert sich an seinen legendären Auftritt bei Harald Schmidt und die Musikvideos, bei denen er sich zuweilen auch von einem Stuhl &quot;doubeln&quot; ließ. </p>
<h4 class="pullquote"> Der Höhepunkt des Tages? Der lichtscheue Text- und Tonkünstler Peter Licht setzt zur wilden Assoziationsakrobatik an&#8230;<br /></h4>
<p>Es beginnt dadaistisch und mit einer Einlassung zum Kontostand, der sich nicht als befriedigend beschreiben läßt. Die Geldproblematik ist das Thema, früher gab es &#8211; so wird berichtet &#8211; Zeiten, in der er in seinem Minusgeld Kraul, Delphin oder sonstige Schwimmsportarten durchführen konnte. Nun wird dieselbe Vorgehensweise fortgesetzt, das Durchbuchstabieren von Zustandsbeschreibungen, die sowohl sie selbst sind, allerdings auch genauso ihre Variation und zum selben Zeitpunkt ihr Gegenteil. Das Sonnenlicht ist etwas getrübt, grau vielleicht und nun ja, eher ließ sich offenbar nicht von Helligkeit reden, es gab nur tiefe Schwärze. Peter Licht spielt weiter. Variiert schnell, springt, reiht Assoziationen aneinander. </p>
<p>Nun nimmt Licht die Kurve zur Liebe, in der man bis zum Hals steckt, die einen überschwemmt, wie der Monsunregen, der für schlammiges Hochwasser sorgt. Die Liebe aber, so die erste Schilderung, war ungetrübt. &quot;<a target="_blank" href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/200772/">Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends</a>&quot;, die Licht vorträgt geht über in eine Skizze eines Idylls:</p>
<blockquote><p>Aber meine Freundin und ich, es war einfach wunderbar. Wir liebten uns, wie es schöner nicht sein kann. Es war das reinste Wasser. Und das leichteste. Dies war die beste aller möglichen Zeiten, und wir waren mittendrin. Das Licht lag in großen Bündeln auf den Feldern. Ballen von Sonnenlicht. Und wir konnten uns soviel davon nehmen, wie wir wollten. Ja, wir lagen tatsächlich viel in Wiesen, und die Schmetterlinge ließen sich auf uns nieder, und der Himmel war groß, und ein Ende war tatsächlich nicht in Sicht.</p>
</blockquote>
<p>Daß dieses Idyll nicht lange anhalten kann, ist klar. Unheil droht, das Sofa, das eigentlich ein gutes und bequemes ist, ist nämlich nicht brandneu. Es wies &quot;Gebrauchsspuren&quot; auf und: &#8230;</p>
<blockquote><p>Es war echt ein total schönes Sofa. Ja gut, man konnte sehen, daß schon Leute drauf gesessen hatten, daß das ein oder andere Faserknötchen sich gebildet hatte, mein Gott, solche Sachen eben. Man hätte es noch gut verkaufen können, mit einem kleinen Abschlag vielleicht, aber ok (Wenn man gut verhandelt hätte aber schon fast wieder zum gleichen Preis). Allerdings, das muß man schon sagen, das Sitzen – oder das von mir ausgeübte leichte Geneigtsein, das ja meine angenehme Abendhaltung verursachte, war schon vielleicht einen Hauch zuviel, denn der Winkel, in dem ich mich auf dem Sofa positionierte, war – und das hing wohl mit der beginnenden Patinanähe zusammen – ein wenig, ein weniges Bißchen zu stark. Will sagen: es gab die leichte, ja gewisperte Tendenz, die nur geahnte Möglichkeit, über die Sitzkante hinwegzurutschen, im Sinne von: dem Sofa entgleiten.</p>
</blockquote>
<p>Wenn man freilich genau darauf achtet, dann wird offenbar, daß die &quot;Sitzkomfortintensität&quot; Defizite aufweist. Und man hatte es kommen sehen:</p>
<blockquote><p>Seinem Zustande nach war es nämlich sehr weit entfernt von einem regulären Gemütssofa. Der Bezug war aufgerissen, die Eisenfedern sprangen hervor, die Innereien quollen. Ein Gewölle aus synthetischen Schäumen, Wollfasern, Plastikknöchelchen, Preßspanmehl, Drähten und sonstigem ermüdetem Material. Ans Sitzen war gar nicht mehr zu denken. Auch ein halbgeneigtes Liegen war tatsächlich unmöglich, allein schon wegen der enormen Hitze. Die Eisenfedern glühten. Es roch unangenehm nach angesengten Polymerenketten und reinkarniertem Erdöl. </p>
</blockquote>
<p>Licht findet zurück zu seiner ausweglosen, finanziell unbefriedigenden Lage. Das herbeiphantasierte Sofa beiseite gelassen, sieht er sich einem drohenden Schlund entgegen, der sich inmitten seines Zimmers auftut. Mehrere Waschmaschinen ließen sich darin versenken. Beobachtungen des desolaten Wohnungsinventars schließen sich an. Das Wohnungsumfeld, die Stadt, das Haus versinken in Detonationen. Licht ergeht sich in Schilderungen der Zerstörungen:</p>
<blockquote><p>Es hatte zu brennen begonnen. Der Qualm, ein schwerer Atem auf direktem Weg in meine Augen und Lungen. Draußen brach die Dunkelheit über die Stadt. Ein letzter rötlicher Schimmer schien dem Himmel. Dann wurde es Nacht.</p>
</blockquote>
<p>Im starken Kontrast zur vorhergehenden überbordenden, phantastischen Schilderung, die immer nah am kompletten Nonsense vorbeischrammt und auf Komik setzt, endet der Text mit einer Skizze der Apokalypse. Der Autor und Beobachter löst sich auf in einer &quot;Welt der Verneinung&quot;, die negative Kraft der Welt wird negiert. Das &quot;Ende jeder Hoffnung&quot; mündet in das &quot;gleichgeschaltete Reich der Traurigkeit&quot;. Und doch wieder wird dieses Szenario aufgelöst, doch nur ein Traum? Der Montagmorgen und das Frühstück und die Pläne für den Tag. Ein Rückblick, der dem eigentlich geschilderten, katastrophalen Szenario vorausgeht?</p>
<p><em>[Update: 17:40 Uhr]</em></p>
<p>Klaus Nüchtern bekennt: &quot;Ich fand den Text unendlich komisch&quot;. Er geht allerdings davon aus, daß seine Jurykollegen ihn eines besseren belehren werden. Er weist richtigerweise auf das raffinierte Spiel von Tempo und Gelassenheit hin und ebenso richtig bemerkt er, daß die guten Texte von Helge Schneider hier durchaus Pate gestanden haben könnten. &quot;<strong>Es ist einfach grandiose Literatur (&#8230;) und fröhliche Apokalypse.</strong>&quot; </p>
<p>Ijoma Mangold ist nur zerknirscht, daß ihm Klaus Nüchtern das ganze Lob schon vorweg genommen habe. Die Pointen sieht er überhaupt nicht als Selbstzweck, sondern verwoben mit Hinweisen auf zarte, untergründige Motive. Er erkennt treffend, daß der gesamte Text im Modus einer &quot;schiefen Bahn&quot; gearbeitet ist und immer weiter zur Apokalpse hin abrutscht. Irrsinn, Hysterie, Komik, Melancholie, alles ist hier miteinander kombiniert. Und Mangold endet mit dem Hinweis, daß er selbst glücklich sei, daß Licht den Weg von der Musik zur Literatur gefunden habe.</p>
<p>Auch Martin Ebel ist vorsichtig begeistert. Bleibt aber dezent skeptisch aufgrund der Verführungskraft des Autors. Nur durch die Figur der Erwartungsenttäuschung &#8211; so Martin Ebel &#8211; würde der Text nicht lange tragen, deshalb ist das Motiv des letzten Drittels, die Skizze der Apokalypse, unbedingt notwendig, sonst würde sich die anfänglich amüsante Figur der Erwartungsenttäuschung schnell verbrauchen. Iris Radisch richtet die Aufmerksamkeit darauf, daß hier auch ein gutes Stück Zeitdiagnose vorliegt. Einhellige Zustimmung unter den Juroren und freundlicher Applaus des Publikums. </p>
<p>Alle die, die PeterLicht als Geheimtipp angesehen haben, wurden also nicht enttäuscht. Die Darbietung war ausreichend eigenwillig, sein Gesicht &#8211; so hatte Peter Licht im Vorfeld gebeten &#8211; solle nicht gefilmt werden, Juroren und Publikum amüsierten sich aber köstlich. Dennoch wurde der Text nicht geziehen, es nur auf schnelle Effekte abgesehen zu haben. Sowohl Mangold, als auch Iris Radisch und abschließend Daniela Strigl gaben an, daß ihrem Verständnis nach hier Komik und Tragik fruchtbar ineinander verschränkt waren. Ob sich dieses Urteil auch in der Kandidatenkür niederschlägt, wird sich zeigen. </p>
<p> </p>
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<p>Wie bereits <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/06/28/bachmannpreis-2007-start-einlaufen-schaulaufen-der-1-tag/" target="_blank">gestern</a> wird auch heute in der Wissenswerkstatt das Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis 2007 bloggenderweise live begleitet. Die Beobachtungen der Vorgänge in Klagenfurt werden unmittelbar festgehalten und niedergeschrieben, es ist der Versuch die spontanen Eindrücke zu dokumentieren, auch auf die Gefahr hin, daß sich erste Urteile als falsch erweisen. </p>
<p>Wer zu den Zeitgenossen zählt, die sich keine Fernsehkiste leisten wollen oder wer sich einzelne Beiträge nochmals ansehen will, der sei auf die ausgezeichneten Audio- und Videomitschnitte <a target="_blank" href="http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/streaming/stories/203494/"><strong>hier</strong></a> verwiesen.</p>
<p>In der Blogosphäre waren heute auch wieder <a target="_blank" href="http://www.westropolis.de/juliette.guttmann/stories/6851/">Juliette Guttmann</a>, der <a target="_blank" href="http://hoehereweltenblog.twoday.net/stories/4016240/">Paperback Fighter</a> und Janina vom <a target="_blank" href="http://buch.germanblogs.de/archive/2007/06/29/bachmann-preis-2007--teil-iv.htm#fulltext">Buchblog</a> aktiv. Wenn es interessiert: reinklicken!</p>
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<p><strong><em>Die heutige Lesereihenfolge:</em></strong></p>
<p>08 (09.00 &#8211; 10.00 Uhr) Silke Scheuermann <br />09 (10.00 &#8211; 11.00 Uhr) Ronald Reng <br />
10 (11.00 &#8211; 12.00 Uhr) Dieter Zwicky <br />
11 (12.00 &#8211; 13.00 Uhr) Michael Stavaric </p>
<p>12 (15.00 &#8211; 16.00 Uhr)  Milena Oda <br />
13 (16.00 &#8211; 17.00 Uhr)  Kurt Oesterle <br />
14 (17.00 &#8211; 18.00 Uhr)  PeterLicht</p>
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<p><strong><em>Literaturempfehlungen zu den einzelnen Autoren:</em></strong></p>
<p><strong>Silke Scheuermann</strong> » 2001: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518122398?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3518122398">Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen</a> | 2004: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/351841593X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=351841593X">Der zärtlichste Punkt im All</a> | 2005: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442461448?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3442461448">Reiche Mädchen</a> | 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3895613711?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3895613711">Die Stunde zwischen Hund und Wolf</a> | 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/389561372X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=389561372X">Über Nacht ist es Winter</a></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/389561372X?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=389561372X"></a><strong>Ronald Reng</strong> » 2002: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462031074?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3462031074">Der Traumhüter</a> | 2003: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462033395?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3462033395">Mein Leben als Engländer</a> | 2004: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492275346?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3492275346">Gebrauchsanweisung für London</a> | 2005: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462036238?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3462036238">Fremdgänger</a></p>
<p><strong>Dieter Zwicky</strong> » 2002: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3908010551?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3908010551">Der Schwan, die Ratte in mir</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3908010799?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3908010799">Reizkers Entdeckung</a></p>
<p><strong>Michael Stavaric</strong> » 2005: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3937445137?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3937445137">Europa &#8211; eine Litanei</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3701714401?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3701714401">Stillborn</a> | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3937445218?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3937445218">Gaggalagu</a>. (Kinderbuch) | 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3701714754?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3701714754">Terminifera</a></p>
<p><strong>Milena Oda</strong> » 2007: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3882217006?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3882217006">Der Briefschreiber</a></p>
<p><strong>Kurt Oesterle</strong> » 2002: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3833300183?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3833300183">Der Fernsehgast oder Wie ich lernte die Welt zu sehen</a> | 2003: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3453620070?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3453620070">Stammheim</a>. Der Vollzugsbeamte Horst Bubeck und die RAF-Häftlinge </p>
<p><strong>PeterLicht</strong> » 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3936738238?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3936738238">Wir werden siegen &#8211; Buch vom Ende des Kapitalismus</a> | 2003: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B00008Q00Z?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B00008Q00Z">Stratosphärenlieder</a> (CD) | 2006: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000FJH75C?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=B000FJH75C">Lieder vom Ende des Kapitalismus</a> (CD) </p>
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