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Tierische Mutterinstinkte: Wenn Jäger schwach werden…

» Über eine Leopardin und einen kleinen Affen

24. Februar 2013 | 23:20 Gelesen: 7423 · heute: 5 · zuletzt: 4. December 2016 6 Reaktionen

Klar, wer heute noch vom Menschen als der „Krone der Schöpfung“ spricht, ist entweder auf dem wissenschaftlichen Stand Mitte des 20. Jahrhunderts stehengeblieben oder aus anderen Gründen ein Realitätsverweigerer. Es sind einfach zu viele Studien, die belegen, daß Tiere zu hochkomplexen kognitiven und sozialen Leistungen in der Lage sind. Und zu den Tieren, die uns regelmäßig verblüffen, zählen keineswegs nur Primaten. Was die Werkzeugnutzung und Selbsterkenntnis angeht, so sind Rabenvögel mindestens genauso raffiniert.

Nochmal eine andere Baustelle sind Fragen der Emotionalität oder altruistische Handlungen. Trauer, Freude, Angst – bei Menschenaffen alles längst belegt. Aber auch bei anderen Arten gibt es jede Menge faszinierender Einzelstudien, die die Fähigkeit zu komplexen psychosozialen Leistungen illustrieren. Ratten beispielsweise, die leidende Artgenossen erkennen und ihnen helfen. Wie vor gut einem Jahr in Science nachzulesen war.

Wenn Killerinstinkt und Muttergefühle aufeinanderprallen

Vor ein paar Tagen bin ich nun über diese sehr, sehr interessante Film-Sequenz gestolpert. Sie setzt ein mit der Jagd einer Leopardin, die tatsächlich Beute macht. Eine Paviandame fällt ihr zum Opfer. Doch dann nimmt die Jagdszene eine bemerkenswerte Wendung:

Vielleicht sehe ich zu selten Tierdokus, aber mich hat die Szene wirklich umgeworfen. Wie da Killerinstinkt und Mutterliebe unmittelbar aufeinanderprallen ist schon heftig. Es ist grausam und doch wunderschön, finde ich.

Und die Szene ist nach meinem Empfinden durchaus Anhaltspunkt für die Übertragbarkeit von Forschungsergebnissen mit Primaten (oder Ratten etc.) auf andere (höhere) Lebewesen. Denn hier wird die Jagd der Leopardin jäh unterbrochen und geht in ein fürsorgliches Verhalten über – ist es angesichts dessen nicht naheliegend auch Leoparden ein Empathievermögen zuzusprechen? Ob da jetzt der Mutterinstinkt die Hauptrolle spielt oder die Spiegelneuronen feuern und die Leopardin so die Hilflosigkeit des kleinen Wesens erkennt und deshalb so liebevoll wird? Egal. Irgendwas „passiert“ da. Und die Leopardin kümmert sich.

Die Empathie der Jägerin

Fest steht: Tiere sind nicht die instinktgesteuerten Roboter, die einfach nur ihrem (genetisch) vorgegebenen Programm folgen. Tiere verhalten sich deutlich raffinierter und differenzierter, als es der Mensch lange Zeit wahrhaben wollte. Und Tiere empfinden beispielsweise auch Mitleid oder brechen aus ihrem „Jagdprogramm“ aus und stellen den Fürsorgemodus ein. So wie die Leopardin, die wenige Sekunden nach dem Todesbiß für die Affenmutter selbst von Muttergefühlen überwältigt wird und sich (so meine laienhafte Interpretation) liebevoll um das kleine Affenkind kümmert.1

 
Posting-Vorschaubild: Quelle – stock.xchng, User: bugdog

  1. Das Pavianbaby wird übrigens – das Youtube-Filmchen bricht leider ein paar Sekunden zu früh ab – noch in der Nacht aufgrund der Kälte sterben. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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