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Chilisaison 2013: Aussaat, Anzucht und Pflege von ‚Capsicum annuum‘

» Grundwissen, Tipps & Tricks zur Chilizucht

17. Februar 2013 | 23:30 Gelesen: 8612 · heute: 2 · zuletzt: 28. September 2016 1 Reaktion

Ich liebe Chilis. Und das in allen Variationen. Egal ob rot, grün, lila oder fast schwarz. Egal ob teuflisch scharf oder in milderer Ausführung. Früher habe ich fast den kompletten Balkon mit Chilipflanzen vollgestellt. Inzwischen habe ich ja einen Garten und endlich mehr Platz. Etwa 20-30 Chilipflanzen werden es dieses Jahr wohl schon sein. Welche Sorten das sein werden, wie die Aussaat abläuft und wie sich die Chili-Saison 2013 insgesamt entwickelt, schreibe ich ab sofort in diesen Artikel.

Ab August hoffe ich jedenfalls auf viele, viele reife und scharfe Chilis. Und wenn die Ernte gut ausfällt, dann werde ich endlich mal wieder Chilis kandieren. Wie das geht verrate ich dann im Herbst. ;-)

Capsicum: Milde und scharfe Paprika und Chilis

Den Überblick über alle Chilisorten zu behalten, ist fast unmöglich. Es gibt sicherlich einige tausend Varianten. Von mild bis irrsinnig scharf. Alle gehören jedoch zur Gattung Paprika (Capsicum). Für die Schärfe ist das Alkaloid Capsaicin verantwortlich, über das ich in diesem Artikel schon einmal ausführlicher geschrieben habe.

Unter den Chilis gibt es einige Familien, die sich in Herkunft, Größe, Aussehen, Reifedauer und Schärfe unterscheiden. Die größte Verbreitung hat die (Unter-)Art ‚Capsicum Annuum‘. Dazu zählen bekannte Sorten wie Cayenne, die Jalapeños, die New Mexiko-Sorten (NuMex) aber auch der milde Gemüsepaprika.

Die Schärferekordhalter bei den Chilis gehören fast alle zur Art ‚Capsicum chinense‘.Die Schärferekordhalter gehören fast alle zur Art ‚Capsicum chinense‘: die Habaneros sind hier zu nennen und eben die ‚Bhut Jolokia‘. Angeblich die schärfste Chili der Welt. Daneben gibt es bspw. noch die Sorten von ‚Capsicum frutescens‘. Die sind alle ziemlich klein und scharf. Die Tabasco gehören dazu oder auch die Thai-Chilis aus dem Asia-Spuermarkt.

Meine Chilisorten 2013

Ich selbst habe vor 10 Tagen – genau am 5. Februar – mit der Aussaat für das kommende Jahr begonnen. Insgesamt 21 verschiedene Sorten. Darunter verschiedene dickfleischige Jalapeños (Early Jalapeño, Jalapeños TAM Vera Cruz etc.), einige NuMex-Sorten (klassisch die Anaheim, die große NuMex Big Jim und die milde NuMex Suave Orange), dazu die sehr scharfe Fatalii (ursprünglich aus Afrika stammend) und schließlich auch zwei Bhut Jolokia.

Die Aussaat von Chilis

Start der Chilisaison 2013

Start der Chilisaison 2013

34 einzelne Samen habe ich in meinem kleinen Anzuchtkasten einige Milimeter tief in der Erde versenkt.1 Um die Keimrate zu erhöhen empfiehlt es sich, die Samen zumindest einige Stunden (noch besser 1-2 Tage) vorquellen zu lassen. Ich brühe dazu immer einen Sud aus schwarzem Tee und Kräuter- bzw. Kamillentee auf und gebe ein wenig Salz dazu. In dieser Brühe werden die Samen eingelegt und auf die Heizung gestellt. Im Idealfall hilft diese Behandlung, daß die Samenhüllen sich mit Flüssigkeit vollsaugen und weich werden und es schneller zur Keimung kommt.2

Danach kommen die Samen in die Erde. Am besten nimmt man dazu ungedüngte Aussaaterde, die ich selbst mit ein wenig Sand mische. Die Chilisamen wie gesagt einige Milimetter (max. 10mm) tief in die Erde setzen. Und dann kommen die Anzuchttöpfchen auf die warme Heizung. Die Temperatur (mind. 20°C, besser sind ca. 24-28°C) ist ein entscheidender Faktor bei der Keimung. Und natürlich muß die Erde immer leicht feucht sein. Empfehlenswert ist insofern ein kleines Zimmergewächshaus.3

Die Keimdauer variiert dennoch ganz erheblich. Mit etwas Glück kann es sein, daß die ersten Chili schon nach 4-5 Tagen keimen, wenn es schlecht läuft, dann dauert das auch mal 4-5 Wochen oder auch gar nicht. Bislang verläuft bei mir alles nach Plan: nach 5-6 Tagen zeigten sich die ersten Keimblätter (2-3 der Jalapenos) und jetzt nach knapp zwei Wochen sind 14 Samen gekeimt. In den nächsten Tagen sollten noch weitere Chilis dazukommen – ich halte Euch auf dem Laufenden. :-)

Start des Chili-Lebens: Keimphase

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen und das Saatgut nicht zu alt ist, dann schiebt sich nach einigen Tagen der Chili-Keimling aus der Erde. Dabei faltet und windet sich das winzige Pflänzchen geradezu artistisch aus dem feuchten Boden. Dabei wird die Samenhülle im Idealfall abgestreift und wenn dieses Manöver geschafft ist, dann breiten sich die Keimblätter aus. Die sind jetzt in den ersten Tagen die Lichtsegel. Und Licht ist jetzt auch gefragt. Wenn die Keimlinge zu dunkel stehen, dann schießen die Minichilis in die Höhe und ‚vergeilen‘. Wenn man nicht aufpasst, kippen die dünnen Stengelchen um. Deshalb ist jetzt im Februar ein wenig Unterstützung durch Kunstlicht gefragt. Ich hoffe, daß ich die kleinen Chilis bei Laune halten kann.

 

  1. Wie gesagt habe ich 21 Sorten ausgesät. Von manchen Chilis jeweils 2 Samen, von manchen geht nur 1 Samen an den Start. []
  2. Ich habe Samen aus unterschiedlichsten Quellen. Manche sind von letzter Saison, manche aber auch schon 3-4 Jahre alt… Ich bin gespannt, ob sich alle halbwegs entwickeln. []
  3. Und natürlich nicht die Beschriftung/Markierung vergessen. Sonst weiß man ja nicht mehr, welche Sorte sich hinter welcher Pflanze verbirgt. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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