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Von guter und schlechter Wissenschaft

» Lesetipps zu kritischem Wissenschaftsjournalismus und pseudowissenschaftlichem Unsinn

11. November 2012 | 23:50 Gelesen: 4276 · heute: 2 · zuletzt: 6. December 2016 1 Reaktion

Grafik: Gute und schlechte WissenschaftIst es wirklich so schwer, richtige Wissenschaft von Hokuspokus zu unterscheiden? Erst neulich habe ich mich über die erschreckende Naivität aufgeregt, wenn es um Medizin- und Gesundheitsfragen geht. Denn es sind ja oft formal ausgezeichnet gebildete Menschen, die dennoch den größten Quatsch für plausibel halten. Irgendwas mit Resonanzen, Energieübertragung, Wassergedächtnis, Wiederfinden der inneren Balance…
Ihr wißt schon: „Ommm….“

Hach!, ich rege mich schon wieder auf. ;-)

Ganz im Ernst: Wenn man es täglich mit (halbwegs) vernünftiger und seriöser Wissenschaft zu tun hat, dann ist man umso irritierter, wenn intelligente Zeitgenossen auch noch den fadenscheinigsten Pseudoargumenten auf den Leim gehen. Ich wiederhole mich an der Stelle ausgesprochen gern: ich wünsche mir ein Schulfach, in dem es darum geht, Wissen von Quatsch und seriöse Informationen von herbeiphantasiertem Nonsense zu unterscheiden.

Und damit sind wir beim Thema: Wie erkennen wir Pseudowissenschaft und den ganzen Quark?

10 Skeptische Fragen, um Blödsinn zu identifizieren

Zugegeben: Ein Putzmittel, das zuverlässig und wochenlang die Verkalkungen und Ablagerungen an Wasserhähnen verhindern kann, würde ich kaufen. Und an Sportübungen, die fast anstrengungslos und mit einem Aufwand von wöchentlich 15 Minuten sämtliche Muskelpartien kräftigen, wäre ich auch interessiert. Nur: wie wahrscheinlich ist es, daß so ein Putzwundermittel oder ein Buch mit sagenhaft effektiven Trainingstipps nur schlecht synchronisiert in irgendwelchen Shoppingsendern vermarktet werden und sonst nirgendwo zu kriegen sind?

Genau: das ist eigentlich ausgeschlossen. Aber ganz offenbar werden solche grundsätzlichen Fragen viel zu selten gestellt. Hier bei Forbes gibt es eine lesenswerte Auflistung von zehn Fragen, mit denen man für sich selbst abklären kann, ob man es nun mit vertrauenswürdigen Inhalten oder Blödsinn zu tun hat. Man sollte die Liste eigentlich dringend auch auf deutsch übersetzen und ggf. ein wenig an hiesige Verhältnisse anpassen. Bis dahin gilt folgender Link- und Lesetipp:

Homöopathie: Gemeingefährlicher Unsinn

Daß solche Listen verdammt notwendig sind, zeigt u.a. der große Erfolg der Homöopathie. Und seriös klingende Vereine wie die „Homöopathen ohne Grenzen“ sind dabei einerseits Nutznießer dieser Popularität der Globulifreaks, andererseits festigen sie auch deren Ansehen. (Schließlich kommt es nicht von ungefähr, daß der Vereinsname sehr deutlich an die „Ärzte ohne Grenzen“ erinnert.)

Wirklich traurig wird es, wenn mit Globulis und Co. ernsthafte Krankheiten behandelt werden sollen. AIDS zum Beispiel. Was wie ein schlechter Witz klingt, ist leider Realität. Martin Ballaschk regt sich darüber auf, Jörg Rings hat drüben bei den ScienceBlogs was von „gemeingefährlich“ geschrieben. Recht haben beide.

Nie war er so wertvoll wie heute: Kritischer Wissenschaftsjournalismus

In einem lesenswerten Artikel der Stuttgarter Zeitung wird eine kleine Positionsbestimmung des aktuellen Wissenschaftsjournalismus versucht. Das Primat der Erklär- und Übersetzungsfunktion hat man ja hinter sich gelassen. Doch wie versteht sich wissenschaftsjournalistische Arbeit heute?

Im Artikel werden einige Trends skizziert. Natürlich der Umstand, daß die Wissenschaft inzwischen selbst aktiv Leser und Zuhörer sucht. Und so mit eigenen (hochprofessionell gemachten) Wissenschaftsmagazinen oder auch durch Wissenschaftlerblogs ein Stück weit in Konkurrenz zu den journalistischen Kollegen tritt. Im Text werden zwar auch einige Aspekte erwähnt, die in meinen Augen kaum etwas mit dem Thema zu tun haben (z.B. die Bürgerdialoge), aber dennoch ein Lesetipp.

Vor allem das Zitat von Martin Schneider:

„So wie kein Wirtschaftsjournalist sich mit Bankern gemein machen sollte, so darf sich kein Wissenschaftsjournalist mit den Wissenschaftlern gemein machen. […] Der Journalist ist nicht Teil der Wissenschaft.“

Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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