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Was über Wissenschaftsblogs zu sagen ist

» Für mehr Differenzierung in der Diskussion über wissenschaftliches Bloggen

2. Mai 2012 | 09:00 Gelesen: 3719 · heute: 4 · zuletzt: 17. April 2014 4 Reaktionen

Die Diskussion um wissenschaftliche Blogs ist nicht totzukriegen. Das freut mich natürlich. Und gleichzeitig ermüdet es mich manchmal auch. Denn für meinen Geschmack tritt die Diskussion häufig bestenfalls auf der Stelle: neue Argumente, weshalb bloggende Wissenschaftler nun entweder besonders toll oder aber überflüssig sein sollen, lese ich selten. Anlaß genug für eine kurze, persönliche Rückschau auf einige Positionen zum wissenschaftlichen Bloggen.

Seit fünf Jahren beschäftige ich mich mit Möglichkeiten und Grenzen von Wissenschaftsblogs. Ich habe eine Zeitlang selbst recht engagiert gebloggt, später einige Jahre das Blogportal ScienceBlogs.de verantwortet und zwischenzeitlich habe ich mich mit einem „Büro für digitale Wissenschaftskommunikation“ selbstständig gemacht (was v.a. heißt, daß ich anderen Leuten erzähle, was man mit Wissenschaftsblogs so alles anstellen kann und wie man Fehler vermeidet).1

Wissenschaftsblogs - Status

Und seit Jahren schreibe ich Artikel und halte Vorträge über das Potential wissenschaftlicher Blogs, die Struktur der Wissenschaftsblogosphäre und den frischen Wind, den sie bringen (können). Insofern frustriert es mich, wenn auch im Jahr 2012 die Diskussion zu diesen Themen oft hinter das Niveau zurückfällt, das (nach meinem Gefühl) eigentlich schon erreicht war.2

Warum immer alles in einen Topf?

Immer wieder ärgere ich mich über Wortmeldungen (nicht selten von hochrenommierten Akteuren), in denen das Etikett „Wissenschaftsblog“ blindlings auf alles draufgepappt wird, was im entferntesten nach Blog und ein wenig nach Wissenschaft aussieht. Doch von welcher Spielart des wissenschaftlichen Bloggens ist dabei jeweils die Rede? Von Forscherblogs? Und wenn ja, von welchen? In welcher Disziplin, in welcher Nische des Wissenschaftsblogosphäre beheimatet? Und geht es gerade um mögliche Effekte für die interne oder externe Wissenschaftskommunikation?

Mehr Differenzierung wagen! Weniger pauschal von “Wissenschaftsblogs” sprechen!

Es wären häufig noch viele, viele klärende Fragen zu stellen, doch so weit kommt man meist nicht. Denn anstatt zunächst zu differenzieren (was voraussetzte, daß man sich erstens auf halbwegs vernünftige Begriffe einigt und dann zweitens genau hinschaut), wird häufig gleich eine pauschale Heils- oder auch eine Irrelevanzerprognose verkündet.3

An die Adresse all derjenigen, die heute (wir haben Mai 2012!) glauben, sie hätten was zum Thema wissenschaftliches Bloggen beizutragen, habe ich eine Bitte: lest Euch doch mal die folgenden zwei Artikel durch. Die sind vor etwas mehr als 4 Jahren entstanden. Und doch behaupte ich, daß in diesen Texten mehr als 80% aller Grundsatz-Fragen rund um das Thema beantwortet sind.4

Was über Wissenschaftsblogs zu sagen ist

Das beginnt mit der Frage, welcher Arten von Wissenschaftsblogs es denn gibt (Antwort: 1. Wissenschaftler- & Forscherblogs, 2. Wissenschaftsblogs, 3. Institutionelle Wissenschaftsblogs), es geht weiter mit der Bedeutung von Kommentaren oder die Frage der Zielgruppen bis zu den Stärken bzw. Alleinstellungsmerkmalen, die Blogs gegenüber anderen Formaten auszeichnen.

Daneben gibt es Überlegungen zum Veränderungspotential durch Wissenschaftsblogs (u.a. Demokratisierung der Wissenschaftskommunikation, Erosion privilegierter Sprecherpositionen, Interdisziplinärer Austausch etc.) und es wird angesprochen, welche Rolle Blogs im Rahmen eines „Scientific Citizenship“ spielen können. Und natürlich geht es auch um die Grenzen wissenschaftlicher Blogs. Also die Frage: Was Wissenschaftsblogs nicht leisten können. (Eine meiner Antworten vom März 2008: „Wissenschaftsblogs sind nicht der Ort, an dem relevante wissenschaftliche Ergebnisse publiziert werden. Blogs sind kein Ersatz für Fachzeitschriften.“)

Zu diesen Aussagen stehe ich auch heute noch. Und es würde mich freuen, wenn wir gemeinsam weitermachen und weiterdiskutieren könnten (und daß sich eben die Diskussionen nicht im Austausch von Argumenten erschöpfen, die eigentlich schon vor 3-4 Jahren ausdiskutiert waren.)

Nun aber hier die angekündigten Links und Lese-Tipps:

Was sollen, was können Wissenschaftsblogs leisten? – Blogs als Instrument der (internen) Wissenschaftskommunikation

Demokratisierung der Wissenschaftskommunikation durch wissenschaftliche Blogs » Wege in eine „wissenschaftsmündige“ Gesellschaft

Und hier noch mehr Wissenswerkstatt-Texte rund um das Thema Wissenschaftskommunikation 2.0:


  1. Die Tatsache, daß ich Schulungen und Workshops zum Thema „Wissenschaftskommunikation 2.0“ anbiete und damit u.a. meinen Lebensunterhalt bestreite, heißt natürlich auch, daß ich den Teufel tun werde und hier hinschreiben, daß wissenschaftliche Blogs maßlos überschätzt werden. Naja, wäre ich der Ansicht täte ich es vielleicht doch – so ticken Blogger. ;-) []
  2. Und damit meine ich bestimmt nicht solche Texte, wie das aktuelle Posting von Stephan Schleim (Brainlogs/Menschen-Bilder), der sich Gedanken darüber macht, ob und wie wissenschaftliches Bloggen mit einer akademischen Karriere kompatibel ist. []
  3. Also entweder ein Statement à la „Wissenschaftsblogs bringen frischen Wind in den Elfenbeinturm“ oder die trotzige Scheuklappenvariante à la „Die Wissenschaft in ihrem Lauf, halten weder Blogs noch Wikis auf.“ []
  4. Über die Details läßt sich natürlich streiten. Passen die Kategorien? Sind meine Vorschläge, was die Effekte angeht, plausibel, was habe ich übersehen etc. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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