Nutzlose Sportsalben: Bei akuten Sportverletzungen sind Cremes und Salben (fast) wirkungslos
1,3 Millionen Bundesbürger verletzten sich jedes Jahr beim Sport so stark, daß sie einen Arzt aufsuchen oder anderweitige Therapien in Anspruch nehmen. Die allermeisten Verletzungen sind freilich nicht wirklich schwerwiegend. Häufig sind es Prellungen, Zerrungen oder Muskelfaserrisse. Da genügt es dann meistens, wenn der Arzt einen Salbenverband mit einer der bekannten Sportsalben anordnet. Doch die Wirkung der schmerzlindernden Gels und Salben ist – wie eine aktuelle Analyse zeigt – gleich Null.
Für die “Cochrane Database of Systematic Reviews” haben Paul Matthews und Andrew Moore von der Universität Oxford die verfügbaren Studien zu den sogenannten topischen Antirheumatika gesichtet. Das sind jene Salben, Cremes und Gels, die eine schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung haben. Neben Diclofenac oder Ibuprofen, ist es sehr häufig Natriumsalicylat, das als Wirkstoff enthalten ist.
Das Problem: die salicylat-haltigen Salben sind quasi wirkungslos. Insgesamt 16 Studien wurden ausgewertet1 In sieben Studien ging es um den Akutschmerz, neun Studien fokussierten auf die Behandlung von chronischen Schmerzen. Insgesamt waren fast 1300 Probanden beteiligt.
Sportsalben bei aktuem Schmerz nicht besser als ein Placebo
Und das Ergebnis ist – vor allem wenn es um die typischen, akuten Sportverletzungs-Szenarien geht – ernüchternd: in gerade mal vier Studien war die Schmerzsalbe einem Placebo überlegen. Und auch das nur minimal. Die Tatsache, daß Patienten die Salbe als angenehm und teilweise auch schmerzlindernd empfinden, hängt dann auch mehr mit der hautreizend-durchblutungsfördernden Wirkung der Salicylate zusammen. Sie wirken nämlich als Rubefazienzien, die die Hautdurchblutung steigern. Zusammen mit den Effekten, die durch das Einreiben und Einmassieren entstehen, ist dann auch schon fast die ganze “Heilwirkung” der Salben erklärt.
Schmerzlindernde Sportsalben sind nicht besser als ein Placebo.
Für Andrew Moore ist offensichtlich, daß – gemäß der Studienlage – die Anwendung von Sportsalben mit Salicylaten nutzlos ist. Für andere Wirkstoffe seien allerdings – wie in der Pressemitteilung einschränkend zu lesen ist – weitere und qualitativ bessere Studien notwendig.
Bis dahin kann man sich – jedenfalls bei den klassischen Verletzungen wie Prellungen und Zerrungen – nur an die bewährte PECH-Regel: 1. Pause (also sofort mit der Bewegung aufhören), 2. Eis (Kühlung mittels Eispack), 3. Compression (ein leichter Kompressionsverband minimiert die Schwellung), 4. Hochlagern (das Bein oder der Arm sollte/kann zusätzlich in der ersten Phase hochgelagert werden). Und auf die obligatorische Salbe kann man getrost verzichten.2
- Matthews P, Derry S, Moore RA, McQuay HJ. Topical rubefacients for acute and chronic pain in adults. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 3. Art. No.: CD007403. DOI: 10.1002/14651858.CD007403.pub2.



Ich glaube jeder (Hobby-)Sportler hat die Erfahrung schon gemacht:
Beim Sport etwas übertreibe, “Mobilat” auf die schmerzende Stelle und was passiert? Nix!
@Stefan:
Ja, genau. “Mobilat” ist so ein Klassiker. Die allermeisten Ärzte, mit denen ich privat über Sinn bzw. Unsinn von Sportsalben gesprochen habe, halten auch nix davon. Aber es gibt offenbar auch genug Ärzte, die das Zeug wie wild verordnen. Und natürlich jede Menge Patienten, die es einfach in der Hausapotheke haben.
Naja, wenigstens schadet es (normalerweise) nicht. Und man muß (wie oben erwähnt) dazusagen, daß die Übersichtsstudie nur salicylat-haltige Salben im Blick hatte. Zu Diclofenac als Wirkstoff sieht es möglicherweise ein wenig anders aus, wobei ich persönlich auch da skeptisch wäre.
Ich treibe schon seit Jahren viel Sport und hatte dadurch auch schon öfter Verletzungen bzw. Sehnenscheidenentzündungen. Gerade das Benutzen von Salben, die den Schmerz unterdrücken sollen, finde ich garnicht gut. Denn wenn der Schmerz unterdrückt wird, belastet man den Körper schnell wieder zu stark und am Ende wird die Verletzung nur noch schlimmer. Ich greife gerne auf homöopathische Mittel zurück, die den Körper bei der Selbstheilung unterstützen.
@Karl:
Naja, der Glaube versetzt bekanntlich Berge. Ein heißes Bad dürfte der Regeneration genauso dienlich sein, wie homöopathische Mittelchen.
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