Imagekampagne oder Wohltätigkeit aus Überzeugung? » Google unterstützt den Kampf gegen Infektionskrankheiten und Pandemien | Werkstattnotiz 124

Bill Gates tut es, Leonardo DiCaprio auch und U2-Frontmann Bono sowieso. Sie engagieren sich für wohltätige Zwecke und öffnen dafür auch ihre Privatschatulle. Klar, wer sich für karitative Ziele oder den Erhalt des Regenwalds einsetzt, der erntet Sympathien.

Ob die Stars aus Medien und Wirtschaft sich lediglich betätigen, um ihr Image aufzupolieren oder ob echte Überzeugung dahintersteckt, darf uns eigentlich fast egal sein. Nun verstärkt auch der Suchmaschinenriese Google sein wohltätiges Engagement: Google.org schreibt sich den Kampf gegen Infektionskrankheiten und Seuchen auf die Fahnen.

Google.org: Wohltätigkeit und Forschungsförderung

Bereits 2005 wurde der Ableger Google.org gegründet, der die wohltätigen Aktivitäten des Unternehmens bündeln und koordinieren soll. Schwerpunkte des Engagements sind die Förderung erneuerbarer Energien, die (gesundheitliche) Krisenprävention, der Aufbau von infrastrukturellen Einrichtungen in armen Ländern, sowie die Entwicklung von Hybridantrieben. Rund 85 Millionen US-Dollar sind binnen der letzten 3 Jahre in solche Fördermaßnahmen geflossen.

Heute teilt Google.org mit, daß weitere 14 Millionen US-Dollar in die Abwehr und Früherkennung von Infektionskrankheiten und v.a. von Zoonosen investiert werden sollen. Durch dieses Paket sollen einerseits sog. Hot Spots (hauptsächlich in Südostasien und Afrika) identifiziert werden, wo die Gefahr, daß Viren von Tieren auf den Menschen überspringen, am größten ist. Andererseits sollen Strategien entwickelt werden, um im Ernstfall den Ausbruch einer Pandemie zu verhindern.

Natürlich stehen hier vergangene Fälle wie AIDS, SARS oder die Gefahr durch den Vogelgrippe-Virus H5N1 im Hintergrund. Im Einzelnen geht das Geld nun u.a. an folgende Projekte und Initiativen:

  • 2 Millionen US-Dollar erhält das “Woods Hole Research Center”. Mit hochauflösenden Satellitenaufnahmen von Regenwaldzonen (wo die Gefahr der Übertragung vom Tier auf den menschen mit am höchsten ist), sollen Risikozonen identifiziert und die Übertragungswege besser verstanden werden.
  • Rund 5.5 Millionen gehen an die “Global Viral Forecasting Initiative“, die Blutdatenbanken in sog. “Hot Spots” erstellt und analysiert. Dazu zählen Länder wie Kamrun, Kongo, China, Malaysia, Laos oder Madagskar.
  • Ungefähr 2.5 Millionen sollen die Arbeit der “Columbia University Mailman School of Public Health” unterstützen. Dort wird versucht, neue Erreger möglichst frühzeitig zu entdecken. Gleichzeitig sollen Maßnahmen entwickelt werden, um vor Ort möglichst schnell und effizient eine Weiterverbreitung zu verhindern.
  • Ca. 3 Millionen erhält ein Projekt des “Children’s Hospital“, das eine globale Infektionskarte und ein Meldesystem für auffällige Krankheitsausbrüche erstellen soll. Außerdem soll über ein System der Austausch zwischen Human-Medizinern, Veterinären und Umweltwissenschaftlern verbessert werden, so daß eine Früherkennung von Krisen besser möglich wird.

14 Millionen US-Dollar sind eine nette Summe. Aber hätte Google nicht noch ein wenig mehr drauflegen können?

Larry Brilliant, Geschäftsführer von Google.org ist überzeugt: “Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir das nächste AIDS oder SARS nicht verhindern.” Womit er sicher nicht falsch liegt. Ich frage mich nur, ob die Summe von 14 Millionen Dollar wirklich bereits das Limit darstellt, was Google hier leisten kann. Ein milliardenschweres Unternehmen sollte doch eigentlich fast noch eine Null mehr auf den Scheck schreiben können, oder?

Daß die Verhinderung einer neuen Pandemie zumindest Larry Brilliant, dem Chef von Google.org, ein Anliegen ist, kann man übrigens an diesem TED-Vortrag aus dem Jahr 2006 sehen:

 

 







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