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	<title>Kommentare zu: Elektronische Publikationen als Totengräber akademischer Vielfalt? &#124; Werkstattnotiz 105</title>
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	<description>Blog zu Wissenschaft &#38; Wissenschaftskommunikation, Soziologie, Pop- und Blogkultur.</description>
	<lastBuildDate>Fri, 10 Feb 2012 19:28:47 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Von: DerOli</title>
		<link>http://www.wissenswerkstatt.net/2008/07/23/elektronische-publikationen-als-totengraeber-akademischer-vielfalt-werkstattnotiz-105/#comment-2189</link>
		<dc:creator>DerOli</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Jul 2008 22:34:48 +0000</pubDate>
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		<description>Wenn ich mich in meinem chemischen Umfeld umsehe, dann machen doch tatsächlich viele Ähnliches. Das liegt einerseits daran, dass mit der forcierung &quot;relevanter&quot; Forschung jeder in die Anwendungsnahen Themen drängt um überhaupt noch Drittmittel zu erhaschen. Einmal in dieser mittlerweile sehr bevölkerten Ecke angekommen testet man seine neuen Verbindungen auf Eigenschaften oder Effekte die von Vorreitern bereits publiziert wurden um zu sehen ob man vielleicht &quot;besser&quot; ist. Das ist aufwendig, weil schon viel ausprobiert wurde. Da bleibt kaum Zeit oder besser gesagt: es ist nicht nötig sich eigene Tests auszudenken. Man ist ohnehin gut beschäftigt.

Jetzt wäre es vermessen zu behaupten ich verfolgte bewusst eine andere Taktik, aber aus Bequemlichkeit (um es nicht Faulheit zu nennen) bin ich sicherlich nicht der belesenste unter meinen Kollegen. Das kann dazu führen, dass man Zeit an einem bekannten Problem verschwendet. Es führt aber auch dazu, dass man zufällig aus purer Ignoranz den richtigen Weg einschlägt. Das gibt es sicherlich weniger, wenn man konsequent die vorhandenen Datenbanken nutzt. 

Was durch online Artikel ganz weggefallen ist, ist die Inspiration durch einen Beitrag an dem man auf der Suche nach der richtigen Seite vorübergeblättert hat. Ich habe das Gefühl, dass der zufällige Blick (oder Fall) über den Tellerrand verloren geht.

Es kann natürlich sein, dass ich den Faktor Zufall zu unrecht
romantisiere und ein möglichst effektiver Ansatz der richtige Weg ist. Allerdings glaube ich, dass wirklich neue Entdeckungen zufällig sein müssen. Man kann ja schlecht auf etwas hinarbeiten was man nicht kennt. Demnach ist alles was Zufall minimiert kontraproduktiv. q.e.d.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich mich in meinem chemischen Umfeld umsehe, dann machen doch tatsächlich viele Ähnliches. Das liegt einerseits daran, dass mit der forcierung &#8220;relevanter&#8221; Forschung jeder in die Anwendungsnahen Themen drängt um überhaupt noch Drittmittel zu erhaschen. Einmal in dieser mittlerweile sehr bevölkerten Ecke angekommen testet man seine neuen Verbindungen auf Eigenschaften oder Effekte die von Vorreitern bereits publiziert wurden um zu sehen ob man vielleicht &#8220;besser&#8221; ist. Das ist aufwendig, weil schon viel ausprobiert wurde. Da bleibt kaum Zeit oder besser gesagt: es ist nicht nötig sich eigene Tests auszudenken. Man ist ohnehin gut beschäftigt.</p>
<p>Jetzt wäre es vermessen zu behaupten ich verfolgte bewusst eine andere Taktik, aber aus Bequemlichkeit (um es nicht Faulheit zu nennen) bin ich sicherlich nicht der belesenste unter meinen Kollegen. Das kann dazu führen, dass man Zeit an einem bekannten Problem verschwendet. Es führt aber auch dazu, dass man zufällig aus purer Ignoranz den richtigen Weg einschlägt. Das gibt es sicherlich weniger, wenn man konsequent die vorhandenen Datenbanken nutzt. </p>
<p>Was durch online Artikel ganz weggefallen ist, ist die Inspiration durch einen Beitrag an dem man auf der Suche nach der richtigen Seite vorübergeblättert hat. Ich habe das Gefühl, dass der zufällige Blick (oder Fall) über den Tellerrand verloren geht.</p>
<p>Es kann natürlich sein, dass ich den Faktor Zufall zu unrecht<br />
romantisiere und ein möglichst effektiver Ansatz der richtige Weg ist. Allerdings glaube ich, dass wirklich neue Entdeckungen zufällig sein müssen. Man kann ja schlecht auf etwas hinarbeiten was man nicht kennt. Demnach ist alles was Zufall minimiert kontraproduktiv. q.e.d.</p>
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		<title>Von: Marc</title>
		<link>http://www.wissenswerkstatt.net/2008/07/23/elektronische-publikationen-als-totengraeber-akademischer-vielfalt-werkstattnotiz-105/#comment-2188</link>
		<dc:creator>Marc</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Jul 2008 16:56:07 +0000</pubDate>
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		<description>@Benedikt:

Ja, Du hast höchstwahrscheinlich recht bzw. Deine These klingt sehr plausibel. Wäre interessant in Erfahrung zu bringen, inwiefern tatsächlich der Long-Tail wissenschaftlicher Publikationen ebenso profitiert, wie die absoluten Topartikel, die, wie Lars richtig schreibt, einen verstärkten Matthäus-Effekt zu verzeichnen haben.

@Fischer:

Und neben &quot;intelligenteren&quot; Suchroutinen, sollte ja die semantische Dimension durchaus durch Empfehlungssysteme ergänzt werden. Dann könnten/sollten ebenfalls spannende Papers profitieren, wie auch verstreute, bislang häufig übersehene Artikel mehr Resonanz erfahren.

@Tina:

Hmmm... ist lese Evans Studie (mir liegt ja auch nur wieder das Abstract vor) nicht so normativ. Seinen Befund halte ich ja (wie oben skizziert) für interessant und diskussionswürdig - und Benedikts Anmerkung führt m.E. auf die richtige Spur. 

Daß die freie Verfügbarkeit von Onlineartikeln wünschenswert ist, darüber besteht für mich kein Zweifel. Aber über eventuelle kontraintendierte Effekte darf man ja auch debattieren. ;-)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@Benedikt:</p>
<p>Ja, Du hast höchstwahrscheinlich recht bzw. Deine These klingt sehr plausibel. Wäre interessant in Erfahrung zu bringen, inwiefern tatsächlich der Long-Tail wissenschaftlicher Publikationen ebenso profitiert, wie die absoluten Topartikel, die, wie Lars richtig schreibt, einen verstärkten Matthäus-Effekt zu verzeichnen haben.</p>
<p>@Fischer:</p>
<p>Und neben &#8220;intelligenteren&#8221; Suchroutinen, sollte ja die semantische Dimension durchaus durch Empfehlungssysteme ergänzt werden. Dann könnten/sollten ebenfalls spannende Papers profitieren, wie auch verstreute, bislang häufig übersehene Artikel mehr Resonanz erfahren.</p>
<p>@Tina:</p>
<p>Hmmm&#8230; ist lese Evans Studie (mir liegt ja auch nur wieder das Abstract vor) nicht so normativ. Seinen Befund halte ich ja (wie oben skizziert) für interessant und diskussionswürdig &#8211; und Benedikts Anmerkung führt m.E. auf die richtige Spur. </p>
<p>Daß die freie Verfügbarkeit von Onlineartikeln wünschenswert ist, darüber besteht für mich kein Zweifel. Aber über eventuelle kontraintendierte Effekte darf man ja auch debattieren. ;-)</p>
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		<title>Von: Tina</title>
		<link>http://www.wissenswerkstatt.net/2008/07/23/elektronische-publikationen-als-totengraeber-akademischer-vielfalt-werkstattnotiz-105/#comment-2176</link>
		<dc:creator>Tina</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Jul 2008 12:35:41 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/?p=343#comment-2176</guid>
		<description>OA im Internet hat isomorphische Prozesse der Themenfindung, und Herausbildung gemeinsamer Positionen so beschleunigt, dass &quot;strukturelle Löcher&quot; im globalen Wissenschaftsdiskurs unmittelbar geschlossen werden, immer mehr Leute an verschiedenen Orten dieselben Themen und Fragen diskutieren und mit denselben oder ähnlichen Ergebnissen aufwarten. Aber wollten wir genau das in den 1990er Jahren nicht unbedingt haben? War das nicht auch die Triebfeder für die ersten Datenbanken wie SOLIS und Foris, die heute selbstverständlich in jeder Bib vorhanden sind? Sind freie Zugänglichkeit zu wissenschaftlichem Wissen, Vergleichbarkeit der Ergebnisse, live-Übertragungen oder zeitnahe Bilder von Konferenzen nicht genau das, was globale Wissenschaftsdiskurse erst ermöglicht? Evans&#039; Argument klingt wie: Lasst uns entlang der Weißwurstgrenze einen Wall über der A3 und der ICE-Trasse aufschütten, damit Wissenschaftler aus Süddeutschland wieder andere Ideen entwickeln als Wissenschaftler nördlich davon. OA im Netz bedeutet die Überwindung der Begrenzung durch institutionelle Begrenzungen vor Ort, Durkheim hätte seine Freude daran, aber Evans macht dabei nicht mit.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>OA im Internet hat isomorphische Prozesse der Themenfindung, und Herausbildung gemeinsamer Positionen so beschleunigt, dass &#8220;strukturelle Löcher&#8221; im globalen Wissenschaftsdiskurs unmittelbar geschlossen werden, immer mehr Leute an verschiedenen Orten dieselben Themen und Fragen diskutieren und mit denselben oder ähnlichen Ergebnissen aufwarten. Aber wollten wir genau das in den 1990er Jahren nicht unbedingt haben? War das nicht auch die Triebfeder für die ersten Datenbanken wie SOLIS und Foris, die heute selbstverständlich in jeder Bib vorhanden sind? Sind freie Zugänglichkeit zu wissenschaftlichem Wissen, Vergleichbarkeit der Ergebnisse, live-Übertragungen oder zeitnahe Bilder von Konferenzen nicht genau das, was globale Wissenschaftsdiskurse erst ermöglicht? Evans&#8217; Argument klingt wie: Lasst uns entlang der Weißwurstgrenze einen Wall über der A3 und der ICE-Trasse aufschütten, damit Wissenschaftler aus Süddeutschland wieder andere Ideen entwickeln als Wissenschaftler nördlich davon. OA im Netz bedeutet die Überwindung der Begrenzung durch institutionelle Begrenzungen vor Ort, Durkheim hätte seine Freude daran, aber Evans macht dabei nicht mit.</p>
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	<item>
		<title>Von: Fischer</title>
		<link>http://www.wissenswerkstatt.net/2008/07/23/elektronische-publikationen-als-totengraeber-akademischer-vielfalt-werkstattnotiz-105/#comment-2175</link>
		<dc:creator>Fischer</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Jul 2008 06:34:35 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/?p=343#comment-2175</guid>
		<description>Meiner Meinung nach wird sich das Problem bald von selbst lösen, nämlich dann, wenn digitale Publikationsarchive semantisch durchsuchbar sind. Im Moment haben wir ja den Flaschenhals, dass man zwar mit der digitalen Suche einen Haufen Ergebnisse bekommt, die Papers aber gar nicht alle lesen kann.
Da muss man als Leser nach nicht-inhaltlichen Kriterien vorselektieren, und das führt derzeit zum Matthäus-Effekt bei den Zitierungen.

Je spezifischer solche Datenbanken suchbar werden, desto weiter gestreut sind auch die Zitierungen. Und das wird in Zukunft kommen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Meiner Meinung nach wird sich das Problem bald von selbst lösen, nämlich dann, wenn digitale Publikationsarchive semantisch durchsuchbar sind. Im Moment haben wir ja den Flaschenhals, dass man zwar mit der digitalen Suche einen Haufen Ergebnisse bekommt, die Papers aber gar nicht alle lesen kann.<br />
Da muss man als Leser nach nicht-inhaltlichen Kriterien vorselektieren, und das führt derzeit zum Matthäus-Effekt bei den Zitierungen.</p>
<p>Je spezifischer solche Datenbanken suchbar werden, desto weiter gestreut sind auch die Zitierungen. Und das wird in Zukunft kommen.</p>
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	<item>
		<title>Von: Benedikt</title>
		<link>http://www.wissenswerkstatt.net/2008/07/23/elektronische-publikationen-als-totengraeber-akademischer-vielfalt-werkstattnotiz-105/#comment-2174</link>
		<dc:creator>Benedikt</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Jul 2008 16:30:58 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.wissenswerkstatt.net/?p=343#comment-2174</guid>
		<description>Wie so oft: Beides ist richtig. Wenn man die berühmte Long-Tail-Kurve betrachtet, sind zwei Bereiche besonders interessant: der Kopf, also die wenigen Dinge, die eine sehr große Reichweite, Aufmerksamkeit etc. bekommen, und der Schwanz, also die vielen Dinge, die eine sehr geringe Reichweite, Aufmerksamkeit etc. bekommen. Wenn die wissenschaftliche Publikationspraxis sich stärker im Internet abspielt, so wäre meine Vermutung, wachsen beide Bereiche deutlich an. Die wenigen Artikel oder Autoren mit großer Aufmerksamkeit können ihre Position deutlich ausbauen. Zugleich werden aber auch Artikel z.B. über Google oder wissenschaftliche Suchmaschinen sichtbar, die vorher niemand gelesen hätte. Insofern führt das Internet in diesem Fall möglicherweise zu mehr Konsens und Langeweile *und* mehr Dissens und Spannung.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Wie so oft: Beides ist richtig. Wenn man die berühmte Long-Tail-Kurve betrachtet, sind zwei Bereiche besonders interessant: der Kopf, also die wenigen Dinge, die eine sehr große Reichweite, Aufmerksamkeit etc. bekommen, und der Schwanz, also die vielen Dinge, die eine sehr geringe Reichweite, Aufmerksamkeit etc. bekommen. Wenn die wissenschaftliche Publikationspraxis sich stärker im Internet abspielt, so wäre meine Vermutung, wachsen beide Bereiche deutlich an. Die wenigen Artikel oder Autoren mit großer Aufmerksamkeit können ihre Position deutlich ausbauen. Zugleich werden aber auch Artikel z.B. über Google oder wissenschaftliche Suchmaschinen sichtbar, die vorher niemand gelesen hätte. Insofern führt das Internet in diesem Fall möglicherweise zu mehr Konsens und Langeweile *und* mehr Dissens und Spannung.</p>
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