Kein Persilschein für die Nanotechnologie ::: Religion als Intelligenzvernichtungsmaschine | Werkstatt-Ticker 35

Ticker.jpg» Nanorisiken

Die Tatsache, daß die Nanotechnologie ein bislang ungetrübt positives Image besitzt, die Gentechnologie häufig aber als Teufelszeug gesehen wird, zählt für mich zu den interessantesten Phänomenen der aktuellen gesellschaftlichen Technikbewertung.

Ich hatte vor einigen Wochen kurz skizziert, daß die Produkte der Nanotechnologie keineswegs per se vollkommen unbedenklich sind und daß gerade für dieses Feld dringend umfangreiche Risikoanalysen angestrengt werden müssen. Nun macht eine aktuelle Studie darauf aufmerksam, daß etwa die sog. “Nanotubes” - also winzig kleine, aus einzelnen Kohlenstoffatomen zusammengesetzte Röhrchen - bestimmte Gesundheitsrisiken bergen.

In Nature war zu lesen:

“Researchers led by Ken Donaldson of the University of Edinburgh’s Centre for Inflammation Research, UK, found that in mice, long, straight, multi-walled carbon nanotubes can cause the same kind of damage as that inflicted by asbestos fibres when they are injected into the lung’s outer lining, called the mesothelium.”

Zumindest in Versuchen mit Mäusen1 stellten die Forscher Schädigungen fest, die denen von Asbestfasern glichen. Nun ist das kein Grund zur Hysterie, aber durchaus Anhaltspunkt dafür, daß man den Produkten der Nanotechnologie nicht naiverweise einen Persilschein ausstellen sollte.

» Keine vorschnellen Schlüsse: Religion & Intelligenz

Auf ein spannendes und kontroverses Beispiel für den Interpretationsspielraum, den statistische Daten erlauben, weist wieder einmal Michael Blume hin. Ihm ist ein Artikel des emeritierten Psychologieprofessors Richard Lynn aufgefallen, der eine negative Korrelation zwischen Intelligenz und Religiösität herstellt.

Konkret: Lynn und seine Mitstreiter behaupten, daß sie für 137 Länder aus dem durchschnittlichen Intelligenzquotienten die Religiösität der Bevölkerung ableiten können. Je höher der Anteil der Atheisten, desto höher der IQ.2

Doch geben das die Zahlen wirklich her? Wieviel (unzweifelhaft komplexe) Randbedingungen werden dabei außer Acht gelassen? Ist der Zusammenhang ursächlich oder eben doch nur zufällig? Michael schreibt:

“Die Crux bei dieser Korrelation hat mit einem spezifischen Problem zu tun, mit dem Lynn schon des öfteren zu kämpfen hatte: In reichen und wohlhabenden Gesellschaften steigt der durchschnittliche IQ. Denn hier erhalten die Menschen von klein auf bessere Nahrung, medizinische Versorgung sowie Frühförderung und Bildung im Rahmen von Kompetenzen, wie sie IQ-Tests abfragen. Gleichzeitig bieten diese Länder rechtlichen und sozialen Schutz und machen damit eine Funktion von Religionsgemeinschaften als Netzwerke gegenseitiger Hilfe obsolet, zudem gehen mit steigender Bildung mehr lebensweltliche und weltanschauliche Optionen einher - Säkularisierung setzt ein.”

Und Michael untermauert seine Kritik mit Zahlen aus einer eigenen Untersuchung von 2002, die eben keinerlei Zusammenhang zwischen Religiösität und erreichten Schulabschlüssen ergibt. Und ein weiteres, durchaus triftiges Gegenargument sind natürlich die USA: hier paaren sich ein hoher Religiösitätslevel und hohe Intelligenz.




  1. Denen die Nanopartikel in die Bauchhöhle injiziert wurden. []
  2. vgl. Richard Lynna, John Harvey and Helmuth Nyborg: Average intelligence predicts atheism rates across 137 nations, http://dx.doi.org/10.1016/j.intell.2008.03.004 []




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