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Wissens-Kollaboration: Wissen teilen ::: Wissenschaftskommunikation: Brücken bauen | Werkstatt-Ticker 21

15. Mai 2008 | 09:10 Gelesen: 7187 · heute: 4 · zuletzt: 25. May 2017 Noch keine Kommentare

Ticker.jpg» Neue Folge der „17 Fragen…“

Da ich mir erlaubt habe über die Pfingstfeiertage vorübergehend ins schöne Friaul zu verschwinden, gibt es die vierte Ausgabe des Frage- und Antwort-Spiels im Wissenschafts-Café erst heute. In Zukunft soll aber weiterhin am Montag als Gesprächstermin festgehalten werden.

Diesmal hat netterweise Johannes Moskaliuk aus Tübingen meine neugierigen Fragen beantwortet. Johannes ist Psychologe und promoviert derzeit rund um die kollaborative Wissensarbeit in Wikis und Co. Das ist natürlich ein hochspannendes Thema und Johannes erklärt auch wunderbar, was man darunter verstehen soll und darf.

Und ganz begeistert bin ich natürlich über Sätze wie diesen:

„Was wir schon immer geahnt haben, hat jetzt einen Namen: Wissen wird mehr, wenn man es teilt.“

Das die Antwort bzw. Web 2.0-Definition von Johannes. Ich plädiere dafür, daß diese Definition schleunigst etabliert wird! Denn ich stimme zu 100% überein.1 Mehr über die geheimen Pläne von Johannes sich als Wirt einer Szene-Kneipe ein zweites Standbein zu schaffen – hier:

» Bescheidenheit ist eine Zier…

Im Fischblog ist mal wieder ein spannender Text zu lesen, der diesmal einige Aspekte der Wissenschaftskommunikation selbst beleuchtet. Lars hatte vor einigen Tagen bereits die Rolle von Wissenschaftsjournalisten angesprochen und in diesem Zusammenhang die These von Werner Große2 erwähnt, der ein Hauptmanko des Wissenschaftsjournalismus in dessen „Theoriephobie“ identifiziert. Journalisten seien oftmals ncht in der Lage oder nicht willens die einzelnen Phänomene in ihren übergreifenden (theoretischen) Kontext einzubetten – so die Kritik von Große.

Nun hat Lars erneut mit Werner gesprochen. Diesmal geht es u.a. um die Tendenz von Wissenschaftlern, die eigenen Forschungsresultate teilweise verzerrt, überspitzt und in vielen Fällen eben publikumswirksamer darzustellen. Klappern gehöre zum Geschäft und alle nüchternen, bescheidenen Forscher hätten das Nachsehen.

„Mit einem derartigen Vorgehen kommen Wissenschaftler vor allem deswegen durch, weil sich in der Wissenschaft selbst die Maßstäbe verschoben haben, erklärt Große. Wer als Wissenschaftler öffentlich Unsinn erzählt, muss nicht befürchten, im Kollegenkreis abgestraft zu werden,3 denn als Maßstab guter Wissenschaft gilt im Rahmen der aktuellen Durchkommerzialisierung der Wissenschaft längst eine andere Größe: die eingeworbenen Drittmittel. Und von denen bekommt man mehr, wenn man, mit welchen Mitteln auch immer, in die Presse kommt.“

Ich halte diese Beobachtung in dieser Pauschalität für nicht ganz zutreffend. Zwar sehe ich auch Beispiele für diese ärgerliche Entwicklung, aber ob dies für die gesamte Forscherriege gilt?4

Einen anderen Aspekt der Wissenschaftskommunikation, den Werner Große im Gespräch mit Lars anspricht, halte ich aber für unbedingt erwähnenswert – nämlich die Übersetzungsaufgabe, die Wissenschaftskommunikation auch immer erfüllen muß.

„Eigentlich, sagt er, müsste der Wissenschaftler dazu ausgebildet sein, diese Brücken zu bauen, und während der wissenschaftlichen Arbeit immer die Lebenswirklichkeit von Nicht-Wissenschaftlern im Blick behalten, um seine Forschung auch korrekt an die Öffentlichkeit vermitteln zu können.“

Und in diesem Zusammenhang wirft Lars die Frage, ob sich wissenschaftliche Blogs stärker an einer (wie auch immer gearteten) Zielgruppe orientieren sollten oder ob es gerade die Stärke von (authentischen) Wissenschaftsblogs ist, daß sie ihren Stil, ihr Profil, ihre Themen etc. eben nicht im vorauseilenden Gehorsam einer unterstellten Erwartungshaltung des Publikums unterwerfen.

Ich sehe das Alleinstellungsmerkmal von Wissenschaftsblogs durchaus in der autonomen Profilbildung, die jedem Blogger überlassen bleibt. Ob ich viel oder wenig Vorwissen vorausetze, ob ich populäre oder abseitige Themen bearbeite – all das bleibt mir überlassen. Das Publikum pickt sich dann schon das raus, was interessiert und anschlußfähig ist.



  1. Nicht umsonst lautet das (inoffizielle) Motto der Wissenswerkstatt: „Das, was man hat verschenken.“ []
  2. Werner Große lehrt an der TU Braunschweig Medienwissenschaften und bloggt hier. []
  3. Allerdings müßte er – wenn er bloggen sollte – dort mit heftiger Kritik rechnen. ;-) []
  4. Diese Frage wäre einen eigenen Blogpost wert, dazu evtl. ein anderes Mal mehr. []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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