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Barcamp München » Vorläufige Gedanken zu einer Un-Konferenz | Barcampnotiz I

8. Oktober 2007 | 15:11 Gelesen: 5584 · heute: 2 · zuletzt: 23. July 2017 2 Reaktionen

Ich gestehe: bis vor wenigen Monaten hatte ich den Begriff "Barcamp" selbst noch nicht gehört. Und was ich mir konkret darunter vorstellen soll, wußte ich bis vor wenigen Tagen noch nicht. Denn: was soll bitteschön eine "Un-Konferenz" sein? Allerdings muß ich zugeben, daß ich genau dieses Etikett "Unkonferenz" durchaus sympathisch finde. Was ein "Barcamp" nun vor anderen (konventionellen) Konferenzen auszeichnet? Vermutlich der offene, selbstorganisierende, partizipative ad-hoc-Charakter – aber der Reihe nach…

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Meine eigene Entscheidung am "Barcamp München" teilzunehmen fiel recht kurzfristig; denn was sollte ich auf diesem Stelldichein der Web2.0-Elite? Andererseits hörte sich das Konzept spannend an. Und einige der Teilnehmer kannte ich auch. Also hatte ich mich vor gut 10 Tagen auf der Nachrückerliste eingetragen und war dann auch tatsächlich in den Kreis der 300 Teilnehmer aufgerückt. Fein. Wäre auch zu ärgerlich gewesen, wenn ich ausgerechnet das Barcamp vor der Haustür verpassen sollte.

Die Anreise am Samstagvormittag dann also mit Benedikt, der sich schon früher zur Teilnahme entschlossen hatte. Pünktlich angekommen kurze "Akkreditierung" und erstmal gemeinsames Frühstück. Und es sind nicht wenige bekannte Gesichter dabei. Schließlich liegt das kleine Bloggertreffen von München erst vier Wochen zurück. Alin steuert dem Frühstücksbuffet gleich noch original Hüttenhilfe-Plätzchen bei. Sehr entspannt das alles, ein wenig chaotisch und es wird fleißig Small-Talk betrieben. Erste Feststellung: das Barcamp lebt durch die Gespräche "dazwischen".

Ist das Barcamp das, was außerhalb der Sessions und Vorträge passiert?

An den zwei Tagen ergeben sich immer wieder kurze Gespräche,1 die verschiedenste Themen berühren. Die Qualität der Öffentlichen Nahverkehrssysteme wird genauso debattiert, wie die naiv-verbohrte Sturheit der Musik- und Plattenindustrie, die in der Entwicklung der MP3s noch mmer Teufelszeug sieht. Ich lerne: das Münchner U- und S-Bahnnetz steht im nationalen Vergleich gut da. In Köln weiß man nicht einmal, ob man noch in der U-Bahn sitzt oder ob diese wie von Geisterhand zur S-Bahn geworden ist.

Ist das Oktoberfest wirklich etwas anderes als ein Mallorca-Ballermann-Import mit Dirndl und Lederhose?

Dafür ist man sich einig, daß das Oktoberfest ein durchaus seltsames Phänomen ist. Dort wird einerseits der bierselige Traditionalismus gepflegt und die Blaskapelle heizt den Wiesnfans ein, aber das dargebotene Liedgut ist jeweils sehr zeitgenössisch und von (zum Glück?) vergänglicher Qualität. Wieso stehen beim Kölner Karneval (wo fast genauso hemmungslos gesoffen wird) die traditionellen Lieder noch immer im Mittelpunkt, während in München noch jedes Jahr neue Songs als "Wiesn-Hits" dargeboten werden? Wir kommen zum Ergebnis: die Wiesn ist kaum anderes als der Ballermann in Dirndl und Lederhose. 

Enthusiasmus, stimmige Organisation und unverständliches Fernbleiben

Immer wieder gab es solche und ähnliche Diskussionen. Die Räumlichkeiten bei Cisco in Hallbergmoos waren durchaus geeignet, wenn auch manche Teilnehmer darüber klagten, daß die Anfahrt etwas kompliziert war. Die vorbildliche Organisation, die Franz Patzig und sein Team auf die Beine stellten, muß aber besonders erwähnt werden. Besten Dank an dieser Stelle dafür.

Die Verpflegung war in meinen Augen tadellos. Das Frühstück wunderbar, das Mittag- und Abendessen ebenso. Und ich habe mich v.a. am Sonntag durch das Sortiment des Saftblogs getrunken. Fazit: der Birnen- und Quittensaft ist wirklich lecker. Rhabarber interessant und der Aronianektar ebenso – allerdings möchte ich kein ganzes Glas davon trinken.

Es gehört zum guten Ton, daß man nicht unentschuldigt fernbleibt und ggf. Teilnehmerplätze blockiert!

Unverständlich ist in meinen Augen, daß bereits am Samstag weit weniger als die ursprünglich 300 Teilnehmer anwesend waren. Ich selbst war noch 3-4 Tage vor Beginn auf Platz 330 gestanden. Dann vorgerückt. Klar ist, daß manche sicherlich bis wenige Tage vor dem Event nicht sicher wußten, ob sie teilnehmen können würden. Dann gehört es aber zum guten Ton, daß man sich sofort aus der Liste trägt und nicht noch Plätze für interessierte Nachrücker blockiert. Abgesehen davon dünnte das Feld am Sonntag noch weiter aus. Weshalb? Ich persönlich habe den Eindruck, daß es v.a. Firmenmitarbeiter waren, die zwar am Samstag(vormittag) kurz reinschnupperten, dann aber schon einige Stunden später verschwanden.

Konkret hatte ich mir bei der Vorstellungsrunde zwei, drei Gesichter gemerkt, die ich aus persönlichen Gründen noch ansprechen wollte. Sie seien Mitglied der Burda-Online-Reaktion, so hieß es zum Beispiel. Bevor ich dann die Gelegenheit nutzen konnte, diese Personen anzusprechen, waren sie bereits verschwunden. Schwach und unfair.

Auf diese Problematik weisen u.a. auch Jan und Robert hin.

Weitere inhaltliche Bemerkungen zu den Sessions, die ich besucht habe, folgen in späteren Beiträgen…


Technorati: barcampmunich
Technorati: barcamp münchen

  1. egal ob 2-3 Minuten oder 30 Minuten []
Marc Scheloske
Marc Scheloske
Ich bin Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Ich schreibe (Fach-)Artikel, blogge und führe Workshops und Schulungen zum Thema 'Wissenschaftskommunikation und Social Media' durch. → weitere Infos
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